Wer hat hier wen in der Hand?

„Imperia“, von H. de Balsac (La belle Impéria aus: Tolldreiste Geschichten) entliehener Alias-Name einer stadtbekannten Kurtisane während des Konstanzer Konzils von 1414-1418, schmückt auch eine inzwischen weithin bekannte Plastik von Peter Lenk. Seit 1993 begrüßt sie – selbstbewußt sich und ihre Kundschaft zur Schau stellend – die Kommenden und Ziehenden in der Hafeneinfahrt (Photo von Annerose Finke).

Die mit einem Narrenkappen-artigen Kopfschmuck bekrönte Edelhure hält in der Rechten die verhutzelte Gestalt des mit Reichskrone und Reichsapfel kenntlich gemachten Kaisers (Sigismund) und in der Linken die mit Tiara hervorgehobene des Papstes (Martin V.).

Wie u.a. aus der Chronik des Zeitgenossen und Teilnehmers Ulrich von Richental hervorgeht, verstanden es die Konstanzer Bürger (ca. 6.000) Anfang des 15. Jh., das Großprojekt „Konzil“ – mit ca. 72.000 Gästen inkl. Dienerschaft etc. – logistisch zu meistern. Hierfür standen auch etwa 700 Huren bereit.

Unter die „Kollateralschäden“ der Mammutveranstaltung zählten die unehelichen „Konzilskinder“ wie die Verbrennung der böhmischen Reformatoren Johannes Hus und Hieronymus von Prag als Ketzer, welche zuvor auch vehement gegen die verweltlichte Kirche Stellung genommen hatten.

U.a. machte Hus während des Prozesses gegen ihn im Jahre 1413 darauf aufmerksam, man habe sich einst täuschen lassen und sogar eine Frau – die Päpstin Johanna – auf Petri Stuhl gewählt. In diesem einzigen Punkt sei ihm nicht widersprochen worden.

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