Reden und Ansprachen von sowie Interviews mit Präsident Dr. al-Assad (in zeitlich absteigender Reihenfolge)

 

 

Rede von Präsident Dr. al-Assad vom 20.8.2017 zur Eröffnung der Konferenz der Mitarbeiter des Außenministeriums in Damaskus
http://sana.sy/en/?p=112238, http://www.sana.sy/?p=610816

Rede von Dr. al-Assad, Photo: SANA

Rede von Dr. al-Assad, Photo: SANA

 

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit dem indischen Sender Wion TV vom 3.6.2017
(http://sana.sy/en/?p=107447, http://www.sana.sy/?p=566371)

Interview vom 3.6.2017, Photo: SANA

Interview vom 3.6.2017, Photo: SANA

 

Frage 1: Grüß´ Sie, Herr Präsident, und danke dafür, daß Sie mit WION sprechen. Gerne würde ich mit einer Frage über die heute in Syrien vorherrschende Situation beginnen. Allen Berichten nach herrscht die größte humanitäre Krise unserer Zeit vor, Herr Präsident, und hunderttausende Menschen einschließlich unschuldiger Menschen, sind in diesem Krieg, in diesem Konflikt getötet worden. wie sieht demnach Ihr Kampf gegen die terroristischen Gruppen wie dem vordringenden IS aus?
Präsident Dr. al-Assad: Danke, daß Sie nach Syrien gekommen sind; Sie sind ja zu einer Zeit gekommen, in der sich die Situation dramatisch verbessert hat, sozusagen weil die Terrorgruppen, in der Hauptsache der IS und Ğabhatu_n-Nuṣra und ähnlich eingestellte Gruppen in Syrien, also wahhâbitisch-terroristisch-extremistische Gruppen, im Rückzug begriffen sind, oder – anders ausgedrückt – das Gebiet unter deren Kontrolle zusammenschrumpft. Daher ist von einem militärischen Gesichtspunkt betrachtet, die Situation am Boden besser als zuvor. Doch das ist nicht das Gesamtbild; es geht nicht nur um den militärischen Konflikt, es geht um verschiedenen Dinge, um die Ideologie, welche die [zuvor erwähnten Gruppen] in unserer Region zu verbreiten versuchen, die die gefährlichste Herausforderung darstellt, welcher wir wohl auf kurz oder lang gegenüberstehen.
Zum Zweiten geht es um die Unterstützung, welche jene Terrorgruppen von regionalen Länder wie der Türkei, Qaṭar und Saudi-Arabien erhalten sowie von europäischen und westlichen Staaten wie insbesondere den USA, Frankreich und Großbritannien, was eine neue Ära in der Welt markiert, in der man Terrorismus, jede Art von Terrorismus benutzt, um eine politische Agenda umzusetzen. Diese ist gefährlicher als jede andere Gefahr, der wir uns möglicherweise in unserer modernen Welt gegenübersehen.
Frage 2: Herr Präsident, Sie erwähnten die Namen einiger Terrorgruppen, Sie erwähnten die Namen einiger Länder einschließlich Saudi-Arabiens und  anderer Länder, doch was wäre, wenn ich Sie, Herr Präsident, danach fragte, wem oder was die Schuld für die Krise in Syrien zu geben wäre?
Präsident Dr. al-Assad: Um objektiv zu sein, sagen wir immer, wenn man nicht selbst – sagen wir einmal – Defekte in der eigenen Gesellschaft, dem eigenen Land hat, kann sich der externe Faktor nur minimal auswirken. Daher reden wir immer über unsere Fehler, unsere Breschen, unsere Schwächen, doch am Ende haben wir doch nicht die Terroristen [ins Land] gebracht, haben wir nicht die Terroristen unterstützt, haben nicht diese Ideologie befördert. Wer diesen Konflikt hauptsächlich ins Rollen brachte, war Qaṭar unter Aufsicht und mit Billigung der westlichen Staaten, hauptsächlich von Frankreich und Großbritannien,  ganz am Anfang, doch wenn wir über Frankreich und Großbritannien sprechen …, sie hätten nichts ohne die Erlaubnis der USA getan. Wir alle wissen, daß der wahre Mentor die USA sind, indem sie anderen erlauben, unterschiedliche Rollen zu spielen. Wenn man also jemandem die Schuld für die Terroristenunterstützung und die Initiierung all des Blutvergießens in Syrien zuerkennen will, war es der Westen und Qaṭar, und später Saudi-Arabien, es kam ein Jahr später im selben Bestreben dazu, und freilich die Türkei, wir dürfen die Türkei nicht vergessen, das der Hauptakteur zusammen mit den Terroristen in Syrien von aller Anfang an war.
Frage 3:  Herr Präsident, Sie sprachen darüber, wie dieses Blutvergießens zu beenden sei. Wären Sie offen für eine voranschreitende politische Beilegung per Verhandlungen, möglicherweise unterschrieben durch Rußland und einige andere Mitglieder des UN-Sicherheitsrats?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, wir haben diese Anstrengungen seit Genf 2014 verfolgt, etwas in dieser Art, vor ein paar Jahren; es geht aber nicht nur darum, sich daran [d.i. den Genfer Dialogen] zu beteiligen, man braucht eine reale Bemühung, eine methodische Bemühung, die etwas Reales produzieren kann, das Früchte bringen kann. Bis zu diesem Moment hatten wir keine wirkliche politische Initiative, die irgend etwas erbringen konnte, doch Astana hat,  sagen wir einmal, teilweise Erfolge gezeitigt, aufgrund der kürzlich [erzielten] De-Eskalationszonen in Syrien, was in dieser Hinsicht positiv war; aber das kann man bis zu diesem Augenblick keine politische Lösung nennen. Eine politische Lösung hat man dann, wenn alle unterschiedlichen Aspekte des Problems zur selben Zeit behandelt sind. Also haben wir die Initiative ergriffen und direkt mit den Terroristen in einigen Gegenden verhandelt, um Rekonziliation zu verwirklichen, da, wo sie ihre Waffen abgeben und wir ihnen Amnestie geben können und das hat in Syrien sehr gut und einwandfrei funktioniert.
Frage 4: Herr Präsident, Sie erwähnten die USA. Nun wissen wir, daß Sie – sagen wir einmal – historische Differenzen mit den US-Administrationen hatten,  den nachfolgenden  US-Administrationen, doch US-Präsident Donald Trump hat erst seine Inaugurationstour durch West-Asien sozusagen, oder den Nahen Osten, wie andere sagen, beendet. Denken Sie, Donald Trump sei jemand, mit dem Sie Geschäfte machen könnten?
Präsident Dr. al-Assad: Das Problem mit den USA betrifft das gesamte politische System, es geht nicht nur um eine Person. Trumps Wahl hat – für uns – erneut bewiesen, wieder und wieder, daß der Präsident nur ein Darsteller ist; er trifft nicht die Entscheidungen. Er ist Teil verschiedener Lobbys und des „tiefen Staats“ respektive des „tiefen Regimes“ wie wir es nennen können, das wirklich agiert (implement)  und dem Präsidenten diktiert, was er tun soll; der Beweis für das, was ich sagte, ist, daß Trump, nachdem er Präsident wurde,  die meisten seiner Versprechungen  runterschluckte [d.h. ohne sie wahrgemacht zu haben] wie die großsprecherischen Worte während seiner Wahlkampagne. Er machte eine 180°-Drehung bzgl. fast jedem Versprechen. Warum denn? Weil der „tiefe Staat“ ihm nicht erlaube, eine gewisse Richtung einzuschlagen. Darum ist das für mich ein Geschäft mit einer Person, freilich, doch kann jene Person auch liefern? Nein. In den USA kann der Präsident nicht liefern, [denn] der gesamte Staat, der „tiefe Staat“ ist der einzige, der liefern kann und das ist das Problem. Dieser „tiefe Staat“ akzeptiert keine Partner rund um die Welt; die akzeptieren nur Marionetten, sie akzeptieren ausschließlich Gefolgsmänner bzw. Erfüllungsgehilfen; das akzeptieren sie – und wir sind nichts davon.
Frage 5: Herr Präsident, ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die Ereignisse des 4. April lenken, als der Welt  eins sogenannte Chemie-Attacke oder ein Chemie-Unfalls mitgeteilt wurde. Was ist nun Ihrer Einschätzung nach – und Sie sind dies schon etliche Male gefragt worden – die Wahrheit hinter dem Vorfall vom 4. April  und wer, denken sie, könnte dahinterstecken?
Präsident Dr. al-Assad: Sie wissen, jeder Politiker kann sagen: „nein, wir tun das nicht“ ausmoralischen oder anderen Gründen, und Zuseher können sagen: „nein, nein, der ist nicht aufrichtig“. Ich werde nicht auf die traditionelle Art darüber reden. Ich würde sagen, lassen Sie uns die Frage stellen, wäre es logisch, so vorzugehen? Wenn wir es getan hätten. Wir haben [aber] keine chemischen Waffen, doch wenn man welche hätte, wenn man sie einsetzen wollte, warum sollte man sie in jenem Fall einsetzen? eine Woche vor diesem angeblichen Vorfall waren die Terroristen auf dem Vormarsch und wir setzten sie nicht ein. Warum sie also einsetzen, wenn die Armee im Vormarsch begriffen ist und die Terroristen sich zurückziehen? Das zuerst.
Zum Zweiten: der Einsatz – wie sie sagen, wir wissen nicht, ob das wahr ist oder nicht – galt Zivilisten in einer der Städte.  Wenn also die syrische Armee solche Waffenarten benutzen wollte, warum dann nicht gegenüber den Terroristen, die sich auf dem Schlachtfeld befinden, sondern gegen die Zivilisten? Daher hat die ganze Geschichte, um es einmal so auszudrücken, keine Beine, um darauf zu stehen, sie ist unrealistisch.
Wer steckt demnach dahinter? Sehr einfach, es waren die USA und der westliche Geheimdienst zusammen mit den Terroristen. Die setzen das Stück in Szene, nur um einen Vorwand für einen Angriff auf Syrien zu haben, und genau der ereignete sich ein paar Tage später, als sie unseren Luftbasis angriffen und sie unterstützen tatsächlich die Terroristen, da der IS gerade an dem Tag des US-Angriffs auf unsere Luftbasis einen Angriff unternahm. Dabei wollten sie erneut den syrischen Staat und den syrischen Präsidenten dämonisieren, sie wieder-dämonisieren. Demnach ist das die einzige Schlagzeile, die das Publikum und die öffentliche Meinung rund um den Erdball in Beschlag nimmt.
Frage 6: Herr Präsident, auch wenn Ihnen diese Frage ebenfalls schon oft zuvor gestellt worden ist, werde ich sie ein weiteres Mal der Zuseher wegen, die Ihnen womöglich aus Süd-Asien und um die Welt zusehen,  stellen: hat Syrien heutzutage chemische Waffen? Ist Ihr gesamtes chemisches Waffenarsenal durch die OPCW zerstört worden? Und hält Syrien doch an einigen chemischen Waffen fest oder hält sie versteckt? Ihre Gedanken dazu, Herr Präsident?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich verkündeten sie [d.i. die Leute von der OPCW] vor einigen Jahren, Syrien sei bar chemischer Waffen. Sogar John Kerry verkündete, daß Syrien frei von chemischen Waffen sei Das hätten sie nicht getan, wenn sie sich dessen nicht sicher gewesen wären. Nein, wir haben keine und wir haben auch keine Einrichtungen hierzu, sogar wenn wir es wollten.
Frage 7: Herr Präsident, aufgrund  dieser Mitteilung möchte ich Ihre Aufmerksamkeit weg von den  heimischen Fragen hinzu den syrisch-indischen Beziehungen lenken; wir wissen ja, daß die syrisch-indischen Beziehungen den Test über die Zeit bestanden haben. Indien insbesondere hat sich neutral verhalten, eine unabhängige Position bezogen. Es ist gegen ausländische Einmischung jeglicher Art in jegliche heimische Krise rund um die Welt. Es glaubt an eine nicht-gewaltsame Lösung für Sachverhalte; was halten Sie demnach von Narendra Modis, des  indischen Premierministers Politik, insbesondere der indischen Politik gegenüber Syrien die letzten Jahre über?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben großen Respekt vor der indischen Position, da sie vor allem auf dem Völkerrecht, der UN-Charter, auf ethischen Positionen der Welt, der menschlichen Zivilisation zunächst und der indischen als nächstes basiert, auf der moralischen Einstellung der Inder. Das ist sehr wichtig, das ist der Unterschied zwischen Staat und Regime: der Staat begründet alles, seine ganze Vision, seine ganze Politik auf die ethischen Einstellungen seiner eigenen Bevölkerung. Daher achten wir die indische Position in dieser Hinsicht hoch.
Zum Zweiten erwähnten Sie gerade erst ein sehr wichtiges Wort, es war „unabhängig“. Trotz all des Drucks, all des westlichen Drucks auf jedes Land einschließlich Indien, sich dem Embargo gegen die syrische Bevölkerung anzuschließen, gab Indien seine Beziehung zu Syrien nicht auf und manche der Investitionen laufen in Syrien immer noch weiter mit indischer Beteiligung in verschiedenen Sektoren wegen jener unabhängigen Position.
Frage 8: Herr Präsident, sowohl Syrien als auch Indien sind zufälligerweise von feindlichen Kräften oder feindseliger Nachbarschaft umgeben  und Indien weiß, daß Syrien Indien z.B. in der Frage von Jammu und Kaschmir unterstützt hat; das besagt, daß Terrorismus beiden Ländern gemeinsam ist, wir sind also Opfer des Terrorismus sozusagen. Was sind die Lektionen, die einer, Syrien, von der indischen Erfahrung im Kampf gegen den Terrorismus, Extremismus, die Radikalisierung lernen kann, und wie kann Indien wiederum lernen von Ihrer Erfahrung bei der Bekämpfung des IS bzw. von Daesh wie man hier sagt?
Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, unsere Unabhängigkeit kam zur selben Zeit, in den 40ern, in jener Ära; die Geographie mag unterschiedlich sein, der Grund, warum wir dem Terrorismus gegenüberstehen mag unterschiedlich sein, doch am Ende sind eben der Terrorismus und die Ideologie, denen wir gegenüberstehen, doch gleich und das Wichtigste [dabei] ist, daß der Terrorismus in Indien für politische Zwecke, für eine politische Agenda genutzt wurde. In Syrien ist es Dasselbe. Unterstützung terroristischer Organisationen zur Durchsetzung einer politischen Agenda ist etwas sehr Gefährliches. Das geht über Indien allein und über Syrien hinaus. Wenn man derzeit auf die Weltkarte schaut, wenn man auf Libyen, den Jemen, sieht, darauf, was sich kürzlich in Ägypten, in Frankreich und eben erst in Großbritannien abgespielt hat, erzählt davon, daß Terrorismus keine Grenzen kennt; was wir demnach tun müssen, ist nicht nur, aus unserer Erfahrung zu lernen, wenn wir über Syrien und Indien reden, es ist ganz ähnlich, wir könnten viel voneinander lernen, doch es geht um mehr als das: wir müssen eine internationale Koalition gegen den Terrorismus aufweisen, eine aufrichtige,  die gegen den Terrorismus funktioniert, bei der man voneinander lernt und einander im Kampf gegen den Terrorismus unterstützt. Wir können, wie Sie erwähnten, kooperieren, doch nicht nur beschränkt auf geheimdienstliche Tätigkeit, es geht um die Ideologie, es geht um die politischen Strömungen, die diese Terroristen, diesen Terrorismus beförderten; [es geht darum]  wie wir zusammen in politischer Hinsicht den Terrorismus daran hindern können, sich zu verbreiten und in der Welt vorherrschend zu werden.
Frage 9: Herr Präsident, wenn wir über Terrorismus und Ideologie sprechen, kann man das nicht tun, ohne die wahhâbitische bzw. den Einfluß des Wahhâbismus auf Länder rund um die Welt, speziell in West-Asien, zu erwähnen. Wenn man jetzt speziell über Länder wie Saudi-Arabien spricht, sagen einige Kommentatoren, daß Saudi-Arabien erfolgreich Kritik von seinen eigenen Aktionen ablenkt, während es diese auf Länder wie den Iran in der Nachbarschaft umdirigiert. Wie erklären Sie dies demnach bzw. die Rolle von Ländern wie Saudi-Arabien in der Region?
Präsident Dr. al-Assad: Um präzise zu sein, das Wort „ablenken“ trifft es aus einem Grund nicht genau: als die Âl-Saʽûd (Saud family) nämlich das Königtum begründeten, taten sie es in Kooperation und Koordination mit dem Wahhâbismus als solchem; es ist also ein und dieselbe Institution. Der Wahhâbismus, der Extremismus bzw. die Extremisten in Saudi-Arabien verteidigen den Staat, da es ihr Staat ist, es ist deren eigener Staat, es ist also ein und Dasselbe. Man kann nicht über Terrorismus und und die Âl-Saʽûd als wie von zwei Entitäten sprechen, da bin ich ganz offen mit Ihnen. Von daher lenkten sie also nicht ab, sie exportierten den Terrorismus bzw. Extremismus respektive die wahhâbitische Ideologie in den Rest der Welt. Fast jede „madrasa“ [Koranschule] in Asien, in Europa, jede Moschee wird finanziell und ideologisch durch Bücher und jegliche anderen Mittel durch die wahhâbitische Einrichtung gefördert. Darum würde ich sagen nein, sie lenkten nicht ab, sie exportierten.
Frage 10: Und Herr Präsident, während wir über die gegenwärtige Situation, die in Syrien heutzutage vorherrscht, reden, sehen Sie da überhaupt eine Rolle für Indien beim Wiederaufbau in Syrien? Und ist da Ihrer Ansicht nach womöglich auch eine Rolle für Indien im Friedensprozeß?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, definitiv. Vor allem, wenn man über den politischen Part reden möchte, ist der wichtigste Faktor für jeden Mitspieler, der irgendeine Rolle in diesem komplizierten Konflikt einnehmen möchte, die Glaubwürdigkeit; Indien ist die Geschichte hindurch immer glaubwürdig gewesen. Während die verschiedenen Parteien in Indien an die Macht kamen, beobachteten wir dort nie eine Fluktuation in deren Politik, da sie auf moralischen und ethischen Anschauungen basiert, wie ich schon gesagt habe. Demnach ist diese Glaubwürdigkeit ein wichtiger Faktor für Indien, um eine Rolle zu spielen, nicht notwendigerweise in Syrien, da der syrische Konflikt nicht nur ein syrischer ist; die Hauptfaktoren sind regional und international und der wichtigste Teil ist der, wie wir das Völkerrecht bewahren (protect) können. Also Indien als ein primäres Land auf der politischen Arena heutzutage muß sein Möglichstes tun, um das Völkerrecht und die UN-Charter kraft seiner Beziehungen zu schützen. Indien hat Beziehungen zu jedem Land in dieser Welt. Mit seiner Anstrengung, der seiner Amtsträger und seiner Regierung kann es in dieser Hinsicht behilflich sein.
Wenn Sie über den Wiederaufbau sprechen wollen, wissen Sie ja, daß Krieg in jedem Land viel von der Infrastruktur zerstört; der profitabelste Sektor wird die Wiederinstandsetzung sein und Indien ist eingeladen, eine wirtschaftliche Rolle beim Wiederaufbau Syriens zu spielen, mit dem wir bereits angefangen haben. Wir haben dieses Projekt in Damaskus begonnen und nun weiten wir es auf die meisten Städte in Syrien aus, natürlich nach [deren] Befreiung vom IS, Ğabhatu_n-Nuṣra und Gruppen jener Art. Natürlich begrüßen wir die „Indian company“ [Wortspiel].
Frage 11: Herr Präsident, Sie besuchten Indien im Jahr 2008 und bei jener Gelegenheit besuchten sie auch das Tadsch Mahal in Agra. Wann planen Sie Ihren nächsten Besuch in Indien? Würden Sie Indien gern zu Ihrem ersten Ziel machen … Sie reisen selten ins Ausland, würden sie also gern bald Indien besuchen?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich, definitiv, definitiv; zudem würde ich den Umfang der Beziehung zwischen Syrien und Indien als weitreichend beschreiben; das war auch mein Plan 2008; diese Beziehung war im Aufwind begriffen. Doch wegen des Kriegs haben sich die Verhältnisse in eine andere Richtung verändert; doch wird nach diesem Krieg Indien unter den ersten zu besuchenden Ländern  sein, nicht wegen des Beziehungsumfangs, sondern weil wir wirklich treu und loyal gegenüber jedem Land sein müssen, das objektiv und moralisch in seiner Position gegenüber dem Krieg in Syrien geblieben ist.
Frage 12: Zum spezifischen Thema zur gegenwärtigen Kampagne gegen den IS bzw. Daesh: wie viele Monate würden Sie dem Daesh geben bis er aus Ihrem souveränen Territorium vertrieben sein wird?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie über unseren Krieg ohne Einbeziehung des Einflusses auswärtiger Kriege sprechen wollen, [dann] ist der IS nicht sehr stark; es würde ein paar Monate dauern, sogar zusammen mit Ğabhatu_n-Nuṣra. Das Problem ist jetzt, daß der IS durch die USA unterstützt wird. Die USA griffen dreimal während der letzten sechs Monate oder so unsere Armee an, während sie gerade gegen den IS kämpfte, und jedes Mal attackierten sie unsere Streitkräfte genau in jenem Gebiet, in dem der IS zur selben Zeit unsere Streitkräfte angriff und [darauf] das Territorium eroberte. Demnach ist die realistische Antwort: das hängt davon ab, wieviel an internationaler Unterstützung der IS erhalten wird. Das ist meine Antwort.
Frage 13: Herr Präsident, nun möchte ich ein wenig über Präsident al-Assad, den Mann, den Familienmensch reden. Sie sind nun 17 Jahre an der Macht. Wie hat die gegenwärtige Phase der Krise sie und Ihre Familie , Ihre Kinder tangiert? Wie sieht die Unterhaltung aus, die Sie [darüber] eventuell führen oder womöglich mit Ihnen über die Situation geführt wird, die sie um sich herum heutzutage sehen?
Präsident Dr. al-Assad: Jeder würde an den Sicherheitspart Ihrer Frage denken. Tatsächlich, nein, wir leben mitten in der Stadt, d.h. mitten in Damaskus, mein Haus liegt nicht weit von hier entfernt. Wir sind – wie jeder Syrer – jeder Art von Bedrohung ausgesetzt einschließlich Mörsergranaten und anderen [Kampf]mitteln; das ist demnach kein großes Thema für uns als Familie.
Für uns als syrische Familie ist das, was uns am meisten vor allem anderen trifft, ist das Gefühl, der Schmerz, das Leiden aufgrund des Blutvergießens, das jede Familie, fast jede Familie in Syrien tangiert. Das ist das Wichtigste. Von dem abgesehen besteht die Art des Dialogs, die man in der eigenen Familie mit den Kindern führt, die in einer sehr befremdlichen unnatürlichen, nicht normalen  Szenerie groß geworden sind, in einem Syrien, das nicht dem gleicht, was es vor dem Krieg gewesen ist. Daher gehen die Fragen eher in die Richtung: warum, was geht vor, warum haben wir nicht …
Journalist: Und was sagen Sie ihnen?
Präsident Dr. al-Assad: Die Wahrheit. Man muß sehr transparent und sehr realistisch sein, da es trotz aller schlechten Aspekte des Krieges – man sagt ja, jede Wolke hat einen Silberstreif – eine Lektion ist, die sie lernen sollten, da möglicherweise unsere Generation und die davor nicht aus den Fehlern gelernt hat; daher der Krieg. sie sollten aus dieser Lektion lernen, um in der Zukunft unser Land zu schützen, wenn sie groß geworden sind.
Frage 14: Herr Präsident, Sie sind seit dem Jahr 2000 an der Macht, das ist nun 17 Jahre her und viele Weltführer sind gekommen und gegangen, Präsident Obama in den USA, Präsident Sarkozy und  Hollande in Frankreich und [in] vielen Ländern der Welt, doch Sie haben überlebt, Sie sind dort geblieben, Sie haben die Sache durchgestanden. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Präsident Dr. al-Assad: Ich habe kein Geheimnis, es ist ein syrisches Geheimnis, es ist die öffentliche Unterstützung. Wenn man öffentliche Unterstützung besitzt, kann man dem Sturm widerstehen, das ist ein sehr simples Faktum. Hat man sie nicht, würde man keine paar Wochen überstehen, keine paar Jahre, das kann man nicht. Ich denke nicht, daß der Kampf der des Präsidenten ist, wie die westlichen Medien es hinzustellen versuchen. Es ist nicht mein Kampf, ich kämpfe nicht um meine Position, ich kümmere mich nicht um jene Position; mich kümmert nur die öffentliche Unterstützung.  Für uns Syrer ist das nämlich ein nationaler Krieg, jeder kämpft für sein Land, nicht für den Präsidenten.  Das ist – womöglich – das Geheimnis, das der Westen nicht entdeckt hat, da sie zu vordergründig bei der Analyse der  Situation in Syrien sind. Es ist also tatsächlich kein Geheimnis, es ist etwas, das sie nicht sehen, doch es ist kein Geheimnis.
Frage 15: Herr Präsident, neigen Sie je dazu, die Chance für einen Blick in den Rückspiegel zu ergreifen, so als ob sie in der Zeit zurückgehen könnten; würden Sie vielleicht Dinge anders machen wollen?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie über alltägliche Dinge sprechen, hat man immer unterschiedliche Blickpunkte auf die Dinge, so daß man sagen kann, man hätte etwas anders gemacht, doch wenn Sie über die hauptsächliche Strategie sprechen wollen, über die Schlagzeilen wie die Terrorismusbekämpfung, dann bekämpfen wir selbstverständlich den Terrorismus. So ist die Verfassung, so ist das Gesetz; es ist unsere Pflicht als Regierung, die Bevölkerung zu verteidigen. Demnach gibt es darüber keine Diskussion. Dialog mit jedem zu führern, einschließlich der Terroristen selbstverständlich ist eine strategie, von der wir denken, daß sie positive Effekte erzielt hat. Wie wir diese Strategie ändern bzw. verbessern könnten, ist eine andere Frage. Man kann sie verbessern, doch freilich von einer Schlagzeile her gesehen, würde ich sagen, sie war korrekt. Sich sogar einem anderen Land wie den westlichen Ländern zu öffnen, die Syrien vorgeblich helfen wollten, war korrekt, aber nicht produktiv. Ich denke, der einzige Fehler, den wir gemacht haben, ist der zu glauben, der Westen besitze Werte; das ist einer der Fehler, die wir in der Vergangenheit machten; auch dachten wir, einige Länder wie Saudi-Arabien hätten Werte, doch die einzige Valuta, die sie haben, ist die wahhâbitische Valuta.
Frage 16: Herr Präsident, es existiert eine Menge an Geschichten über die westliche Medienperzeption Ihrer Person. Wir haben nun die humanitäre Sachlage bzw. Frage von den Bildern und Videos der Kinder her gesehen, die unter diesem Konflikt leiden, wir sahen den Fall von Âlân al-Kurdî [in deutschen Medien: Aylan Kurdi, s. Teil III],  der tot in der Türkei angespült wurde, ʽUmrân Daqnîš [s. Teil V], den jungen, der in der Ambulanz saß, sogar Banâ al-ʽAbd [in deutschen Medien: Bana (Al)abed; s. Teil V], deren Tweeds sich wie ein Virus verbreiteten. Denken Sie nicht manchmal, daß diese Sache – Sie wissen schon – schon viel zu lange andauert, sie sich schon zu weit ausgedehnt hat, und möglicherweise jeder, ich sage jeder, vom Abgrund zurücktreten sollte?
Präsident Dr. al-Assad: Der Westen, meinen Sie hauptsächlich den Westen? Nein, die können [das] nicht, denn wenn sie eine 180°- oder andere Wende hinlegen, wird ihnen die öffentliche Meinung sagen: „Ihr habt gelogen, Ihr habt sieben Jahre lang über diese schlechte Person und dieses schlechte Regierung und das Töten gesprochen und nun wollt Ihr uns die Wahrheit erzählen?“ Sie können nicht die Wahrheit erzählen. Somit müssen sie mit ihren Lügen weitermachen bis zum Ende, bis diese Lügen durch die öffentliche Meinung aufgedeckt sind. Sie können es nicht.
Frage 17: Und, Herr Präsident, haben Sie je ein Leben außerhalb Syriens in Betracht gezogen, eventuell abzutreten und außerhalb Syriens zu leben?
Präsident Dr. al-Assad: Ein Abtreten als gewählter Präsident wird durch Wahlen geschehen oder wenn man merkt, daß einen die syrische Bevölkerung [künftig] nicht unterstützt – denn wenn sie einen nicht unterstützen, kann man nicht erreichen, nicht produktiv sein. An dem Punkt hat man abzutreten.Da die Situation nicht danach ist, und man sich mitten im Sturm befindet – Syrien befindet sich mitten im Sturm – kann ich nicht sagen, ich gebe auf und gehe. Das hieße sozusagen sehr selbstsüchtig und sehr unpatriotisch zu handeln, wenn wir es so nenen können. Nein, mitten im Sturm muß man seine Arbeit als Präsident tun bis die Bevölkerung sagt: „Geh, verlasse [Dein Amt], Du kannst Deinem Land nicht helfen!“ Dann haben Sie abzutreten. Das im Hinblick auf das Im-Stich-Lassen (leaving) Syriens; doch für mich persönlich, ist das Verlassen Syriens keine Option, nein. Seit meiner Jugend war ich, wie soll ich sagen, aufgezogen als jemand, der nur in seinem Land, nicht in einem anderen Land leben kann.
Frage 18: Herr Präsident, die letzten 17 Jahre lang haben Sie eine Krise nach der anderen gesehen, beginnend 2003 mit dem Irak-Krieg bis jetzt. 17 Jahre sind eine lange Zeit; haben Sie überhaupt Zeit, zu entspannen, möglicherweise beim Ansehen eines Films, beim Anhören von Musik, beim Zeitverbringen mit der Familie und den Kindern?
Präsident Dr. al-Assad: Die Familie ist Pflicht; das ist keine Entspannung, keine Unterhaltung, es ist Pflicht. Man muß Zeit für seine Familie finden wie man Zeit für alles finden muß. Wenn man seine Familie nicht spürt, kann man nicht erspüren, wie es anderen Familien geht, die im eigenen Land leiden. Von daher also klar; doch bzgl. Unterhaltung ist es nicht nur eine Frage der Zeit, es ist eine Frage des Gefühls. Man kann sich nicht unterhalten, wenn jeder um einen herum unter dem Terrorismus leidet; es ist ein psychologisches Moment. Das ist zur Zeit nicht mein Interesse.  Ich denke viel an die Familien in Syrien, die haben dieses Interesse nicht. Das derzeitige Interesse richtet sich für viele Familien auf das tägliche Überleben.
Frage 19: Und zum Schluß, Herr Präsident, nur noch ein paar Fragen mehr. Denken Sie in bestimmten Momenten, wenn Sie mit mal sich allein sind, daran, wie Präsident Ḥāfiẓ [Vater und Amtsvorgänger] mit gewissen Situationen fertiggeworden wäre, wenn er heute hier wäre; vermissen sie möglicherweise seinen Rat?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, denn es nicht das erste Mal, daß wir uns mit Terrorismus konfrontiert sehen; wir sind ihm schon vor Ḥāfiẓ al-Assad, vor Präsident al-Assad in den 50ern gegenübergestanden, als die Muslimbruderschaft nach Syrien kam; seit jener Zeit begannen die Konflikte in ähnlicher Weise, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Das Prinzip des Konflikts ist also dasselbe, Terrorismus ist Terrorismus, Extremismus ist Extremismus, es spielt keine Rolle, welche Namen die Organisationen tragen. die Methodologie all jener Terroristen ist dieselbe, das habe ich ausdrücken wollen. Präsident Ḥāfiẓ al-Assad bekämpfte jene Terroristen in den 70ern und 80ern und wir bekämpfen sie heute und wir werden mit ihnen 50 Jahre später mit einer anderen Generation konfrontiert sein, wir müssen sie bekämpfen.  Ich denke demnach, es ist ein [und dieselbe] Antwort und und ein [und dieselbe] Methodologie. nochmals, es geht um die Details. Die Details können differieren nicht [nur] zwischen zwei Ären und zwei Präsidenten, sie können von Tag zu Tag differieren, da während eines Krieges die Dinge fluktuieren und sich in sehr schnellem Tempo ändern.
Frage 20: Zum Schluß, Herr Präsident, sehr wenige Menschen wiisen, daß Sie Medizin studiert haben; Sie sind Augenarzt; vermissen die Londoner Tage, ich meine, denken Sie sich in die Zeit zurück, wie sie gewesen ist?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich war ich sogar Augenarzt in Syrien bevor ich in London war. Ich arbeitete dreieinhalb Jahre in Syrien; dann ging ich nach London für ca. zwei Jahre. Wenn Sei also darüber reden wollen, ob ich meinen Beruf vermisse, ist es freilich etwas, dem man sich immer innig verbunden fühlt, man muß nicht sagen, daß man ihn vermißt, daß man den gegenwärtigen Beruf nicht mag. Heutzutage [bedingt der Beruf] der syrischen Bevölkerung in größerem ausmaß helfen zu können, das ist etwas, das man lieben sollte. Wenn sie das nicht lieben, wenn man sich ihm nicht innig verbunden fühlt, kann man darin nicht erfolgreich sein. Sicher habe ich eine starke Passion für diesen [Beruf], doch das wissenschaftliche Feld ist seit meiner Jugend meine zweite Passion, nicht nur die Augenheilkunde, all die wissenschaftlichen Bereiche insgesamt. Man fühlt demnach immer diese Passion und man spürt, daß man wissen will, wie es weitergeht, was die neuen Entwicklungen in jenem Feld sind.
Frage 21: Herr Präsident, liegt das Schlimmste hinter Ihnen?
Präsident Dr. al-Assad: Das hoffe ich, ich hoffe es. Ich meine das, weil sich die Dinge nun in die richtige Richtung bewegen, in eine bessere Richtung, weil wir die Terroristen bekämpfen; wenn nicht der Westen und andere Staaten und deren Alliierte, ihre Marionetten, [noch] jene Terroristen in sehr, wie soll ich sagen, massiver Weise unterstützen, bin ich mir sicher, daß das Schlimmste hinter uns liegt.
Frage 22: Zum Ende, ganz schnell, Herr Präsident, sehr kurz [gesagt], was wäre Ihre Botschaft an die Menschen, die dies sehen, besonders in Indien und Südasien und rund um die Welt, Ihre Botschaft an sie?
Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, während der letzten paar Dekad hauptsächlich nachdem Bush in den USA an die Macht kam, versuchte der Westen, seine Gesellschaft, sein politisches System, sein Gebaren voranzutreiben wie eine Fackel (minaret), der die Welt auf gesellschaftlicher und politischer Ebene und in jedem anderen Aspekt folgen sollte. Ich denke, die indische Bevölkerung könnte gerade jene Fackel (minaret) darstellen wegen der Diversität, die sie ausmacht, wegen der tief in der Geschichte verwurzelten Zivilisation, wegen der Ethik, auf der Ihre Gesellschaft und Politik basiert, wegen der wirklichen Demokratie, welche Indien der Welt vorführt; wegen vieler Dinge denke ich, daß Indien in dieser Hinsicht führend sein sollte, wenn es ein Beispiel für irgend ein anderes Land abgeben möchte. Das ist meine wichtigste Botschaft, da wir wissen, was die Bedeutung von Diversität ist, da wir ein vielfältiges Land nur in einem kleineren Ausmaß sind.
Journalist: An diesem Punkt möchte ich Ihnen, Herr Präsident, danken, es ist eine Freude, mit Ihnen zu sprechen.
Präsident Dr. al-Assad: Danke, danke, daß Sie nach Syrien gekommen sind.

 

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Präsidenten-Interview vom 11.5.2017 durch den weißrussischen Sender ONT

http://sana.sy/en/?p=105890

 

Präsidenten-Interview vom 12.5.2017, Photo: SANA

Präsidenten-Interview vom 12.5.2017, Photo: SANA

Frage: Guten Tag, Herr Präsident, und danke dafür, daß Sie damit einverstanden sind, dem weißrussischen Fernsehen ein Interview zu geben. wir treffen Sie an einem besonderen Tag, dem Tag, an dem die fortschrittliche Welt den Großen Sieg feiert. Sie wissen zweifellos, daß der größte Teil dieses Sieges durch die sowjetische Bevölkerung erreicht wurde, durch die Menschen, die in den Republiken der früheren Sowjet Union leben. Unglücklicherweise glauben wir übelicherweise, daß das 20. Jahrhundert das blutigste Jahrhundert gewesen sei, doch sehen wir nun, im 21. Jahrhundert eine neue Gefahr für die Menschheit in Form des Terrorismus. Ihr Land, Syrien, kämpft im 7. Jahr für sich allein gegen den Terrorismus. Es bekämpft dieses fürchterliche Unheil. Welche Stärke hat Ihre Bevölkerung Ihrer Meinung nach? Und wann werden wir den Siegestag auf syrische Art feiern können?
Präsident Dr. al-Assad: Die fundamentale Kraft ist die patriotische Kraft. Die moralische Kraft, abgeleitet vom Patriotismus, dem patriotischen Geist und der patriotischen Kraft.  Es ist die vom Patriotismus, vom patriotischen Geist und dem patriotischen Bewußtsein abgeleitete moralische Kraft, das jeder Bürger hat. Das ist ein natürliche Sache in den meisten Ländern der Welt und es ist das wichtigste Element, das die Widerstandsfähigkeit unter einer Bevölkerung nährt, die unter sehr schwierigen Bedingungen lebt, nicht nur vom Sicherheits- und militärischen Standpunkt aus, sondern ebenso in Beziehung auf die Lebensgrundlagen und Lebensbedingungen im Allgemeinen, im sinne dessen, daß alle öffentliche Dienste, alle Individuen in Syrien davon betroffen sind.
Doch wenn wir von dieser neuen Gefahr, d.h. dem Terrorismus sprechen, ist es wichtiger, die dem Terrorismus zugrundeliegende Denkweise zu untersuchen. Was macht die  hinter dem Nazismus stehende Denkweise aus, welche die sowjetische Bevölkerung bekämpfte? Die Weißrussen waren eine essentielle Komponente der Nationen, welche kämpften und sich in jenem Krieg opferten. Der Hintergrund ist derselbe und der Krieg ist derselbe. Warum tauchte der Nazismus auf? Was wollte er? Er wollte die Welt dominieren, um die anderen zunichte zu machen. Der von unseren Leuten ausgefochtene Krieg richtet sich nicht nur gegen die Terroristen, sondern ebenso gegen jene, die den Terrorismus unterstützen.
Terrorismus ist nur ein Instrument, benutzt von jenen westlichen Staaten, welche dieselbe Nazi-Denkweise anwenden, darauf abzielend, jeden anderen zu dominieren und Staaten und Nationen  in Sklaven zu verwandeln, zu Satelliten und alles, was die haben, zu kontrollieren, im materiellen wie moralischen Sinn. Daher ist der Terrorismus nur ein Instrument von anderen und nur ein Auswuchs jener Denkweise. Der Krieg, in dem Ihre Leute kämpften, ist derselbe, den unsere Leute heute kämpfen. Der Unterscheid lieg in den Benennungen und Instrumenten, während der Inhalt derselbe ist.
Frage 2: Ich möchte, daß Sie wissen, daß die Leute in unserem Land begierig darauf sind, zu hören, was Sie zu sagen haben. Sie haben viele Freunde – und ich bin mir sicher, die Veteranen bilden die größte Gruppe darunter. Ich würde mich freuen, wen sie die Gelegenheit ergriffen, den Kriegsveteranen von hier, von Damaskus aus zu gratulieren – jenen Kriegsveteranen, der weißrussischen Volkswehr, die die all die Kriegsschicksalsschläge erfahren hat. Was wollen Sie all jenen, die Ihnen heute zusehen, mitteilen?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist eine  sehr gute Gelegenheit für mich, den Veteranen der weißrussischen Armee, der weißrussischen Bevölkerung und dem von Präsident Lukaschenko geführten Staat  zu gratulieren. Für uns waren jene Veteranen, welche in jenem Krieg fochten – und die Sowjetunion brachte große Opfer, da sie über 600 Millionen Gefallene (Märtyrer) opferte und soweit wir wissen war die Zahl näher an 30 Millionen – die Hauptmacht. Heute bieten sie eine modellhafte Rolle für die gegenwärtige und die zukünftigen Generationen. Sie bieten eine modellhafte Rolle für Widerstandskraft und Standhaftigkeit. Wer hätte zu jener Zeit erwarten können, daß die von Belagerung von Stalingrad die erfolgte Wendung nehmen würde, ohne die Standhaftigkeit jener Helden? Wer hätte erwarten können, daß der anfängliche Rückzug der Sowjetarmee sich später in einen Sieg umwandeln würde? Ohne den Sieg der Sowjetunion wäre die Normandie-Landung der westlichen Staaten nicht möglich gewesen. Das versuchen viele im Westen zu verbergen, d.h. die bedeutendere Rolle seitens der Bevölkerung der Sowjetunion zu jener Zeit – einschließlich Ihrer Leute – bei der Vernichtung des Nazismus. Heute spielen diese Veteranen eine vitale Rolle bei der Stärkung des Widerstandsgeistes, da auch Sie etwas Ähnlichem gegenüberstanden wie Syrien seit Jahrzehnten. Sie stehen unter Belagerung und Präsident Lukaschenko ist Dämonisierungsversuchen ausgesetzt, dasselbe geschah vor kurzem Präsident Putin, weil sie sich dem Westen nicht beugen. Wenn sich vergangene Generationen nicht Hitler beugten, sollten sich gegenwärtige Generationen nicht dem neuen Nazismus beugen, d.h. dem westlichen Kolonialismus in seiner neuesten Form in unserem Zeitalter.
Frage 3: Vielen Dank für Ihre Glückwünsche. Können wir uns nun den Vorgängen in Syrien zuwenden? Ich kann die Faktoren hinter der Widerstandsfähigkeit Ihrer Bevölkerung nicht  verstehen, vor allem wenn wir dies mit den Vorgängen im Irak und Libyen vergleichen wollen. Die Erfinder der neuen Ideologien, die Organisatoren der samtenen Revolutionen sind weiterhin am Werk. Was macht Ihre Bevölkerung so widerstandsfähig?
Präsident Dr. al-Assad: Da gibt es eine Reihe von Faktoren: erstens, Syrien ist ein altes Land und Sie befinden sich nun in Damaskus. Damaskus und Aleppo im Norden sind die ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt. Niemand weiß, ab wann darin das Leben begann. Das bedeutet eine historische Akkumulation für Tausende von Jahren. Wenn Sie zur geschriebenen Geschichte zurückgehen, seit es [Geschichts-]schreibung gibt, sehen Sie, daß Syrien immer unter verschiedenen Formen der Besatzung, des Kolonialismus stand. Es wurde überrannt und zerstört. Das bedeutet, daß das syrische Volk Erfahrungen darin angehäuft hat,  wie mit Kämpfen die Geschichte hindurch umzugehen sei. Was also nun passiert ist, ist für das syrische Volk nicht überraschend, da all die Lügen, die am Anfang verbreitet wurden, klar waren.
Zweitens ist die syrische Bevölkerung patriotisch, doch in einem völlig anderen Sinn als dem, der vom Westen seit dem Beginn verbreitet wird, als er den Krieg in Syrien unter Benutzung der konfessionell [gespaltenen] Terminologie zu entfachen begann. Der Westen wollte unter der syrischen Bevölkerung, die konfessionelle Spaltung seit Jahrhunderten nicht gekannt hatte, ein [solches] Problem [künstlich] verursachen. Als der Westen diesen dummen Schritt machte, war das Resultat, daß die syrische Bevölkerung mehr zusammenwuchs, um die nationale Einheit zu bewahren.
Drittens, wenn man vergleicht, was in Syrien und den anderen Ländern geschehen ist, gibt es noch etwas anderes, das die Natur der Beziehung zwischen Staat und Bevölkerung ausmacht. Der Westen versuchte, diesen Krieg darzustellen, als einen, der ausgefochten wurde, um den Präsidenten in seinem Amt zu halten, während die syrische Bevölkerung sich dessen gewahr war, daß es sich um einen Krieg gegen ganz Syrien handelte. Für uns und für mich persönlich bin ich immer, vor und während des Kriegs, ein Sohn, einer der Söhne des syrischen Volkes gewesen. Ich habe nicht getrennt davon gelebt.  Hätte die syrische Bevölkerung anders empfunden, dahingehend, daß der Präsident oder dieser Amtsträger Kämpfe um seiner persönlichen Interessen ausföchte, hätten sie ihn keinen einzigen Tag lang unterstützt.
Der Westen verstand all diese Dinge aufgrund der Kurzsichtigkeit seiner Amtsträger nicht. Daher richteten sie viel Zerstörung in Syrien an, doch sie konnten nicht erreichen, was sie seit Anbeginn planten, d.i. daß all die syrischen Menschen auf die Straßen gingen, um die Demokratie zu unterstützen und die Freiheit zu verteidigen, die jene als nur angeblich existierende ausgaben, das vom Westen so gemalte syrische Paradies zu promoten, das sie nach dem Fall des gegenwärtigen Staates [angeblich] erwartete. All diese Dinge waren der syrischen Bevölkerung klar; deshalb schlug der Plan des Westens fehl. Das zeigt, daß der Westen trotz all des Fortschritts, den er machte, über kein in die Tiefe gehendes Verständnis dieser Region verfügt. Der Westen ist eine Gruppe von Lakai-Amtsträgern gewohnt, die sich ihrer eigenen Interessen wegen bei ihm einschmeicheln. Wenn jedoch [irgendwo] der Status echten Patriotismus` erreicht ist, wie in den tief[verwurzel]ten und erfahrungsmäßig  angehäuften sozialen Konzepten dieser Region, verstehen westliche Amtsträger dies überhaupt nicht. darum scheiterten sie.
Frage 4: Worüber kürzlich viel geredet worden ist, und was auch ich nur hervorheben kann, ist die chemische Attacke in Idlib und der Raketenangriff, welcher die Luftwaffenbasis aš-Šaʽîrât traf. Wer tat das? Was war der Charakter des Vorfalls? Und wer stand dahinter? Und denken Sie, daß das Vorgefallene nur ein Glied in einer Kette von Vorfällen war?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich war das Teil der Kampagne gegen Syrien mit dem Ziel der Dämonisierung des syrischen Staates.
In den Anfängen des Krieg versuchten sie diese Dämonisierung unter der syrische Bevölkerung zu verbreiten, d.h. die syrische Bevölkerung davon zu überzeigen, daß ihr Staat ein übler sei. sie sind in der Lage, einen Teil der syrischen Bevölkerung für ein paar Monate, möglicherweise für ein Jahr  zu täuschen, doch dann konnten sie das nicht mehr; daher gingen sie dazu über, die öffentliche Meinung im Westen dahingehend zu überzeigen, Unterstützung für eine Intervention zu sammeln und Krieg zu führen. Als sie mit ihrer Politik gegen den IS und Ğabhatu_n-Nuṣra mittels ihrer direkten oder indirekten Unterstützung für diese beiden Organisationen via Türkei, Saudi-Arabien oder Qaṭar oder – wie ich sagte- via direkter Unterstützung seitens ihrer Staaten scheiterten, wollten sie ihre Hände davon reinwaschen und es so hinstellen, als sei das Problem in Syrien nicht ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra, sondern der Staat, der seine unschuldigen Bürger mittels Nutzung von Giftgas töte. Es war also ein Deckmantel für die US-Intervention in Syrien, da Trump – wie Sie wissen – einem internen Dilemma und internen Konflikten innerhalb seiner Administration gegenübersteht. Zudem bestehen Konflikte zwischen ihm und anderen Kräften und Lobbys in den USA, den Medien und den großen Unternehmen.
Durch diese Tat wollte er also diesen Gruppen seine Daseinsberechtigung demonstrieren. Die chemische Attacke dient ebenfalls als Rechtfertigung für diese Intervention. Es handelt sich um einen geplanten Prozeß mit dem Zweck, gleichzeitig eine Reihe von  Zielen zu verwirklichen. Sie weigerten sich, Untersuchungen durchzuführen. Rußland und der Iran legten einen Vorschlagsentwurf [Resolutionsentwurf] für die Organization for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW) vor und jene weigerten sich, einer Untersuchung zuzustimmen, da sie nur eines erweisen würde, daß jene gelogen haben.
Frage 5: Wie stehen die Dinge auf dem Schlachtfeld [oder: an der  Front]? Gegen wen kämpft die Armee? Gegen die Opposition, die ISIS-Kämpfer oder gegen fremde Mächte?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich können wir all diese Gruppen nicht voneinander trennen. ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra teilen dieselbe wahhâbitische Ideologie und dieselbe terroristische Doktrin. ISIS, Ğabhatu_n-Nuṣra und Erdogan, der der Muslimbruderschaft nahe steht, die Âl Saʽûd und Âl Ṯânî in Qaṭar halten dieselbe Doktrin hoch. All diese Gruppen haben etwas gemein mit der extremistischen wahhâbitischen Ideologie. Und alle von ihnen sind Instrumente in Händen der USA. Ich sage nicht, sie sind Instrumente in den Händen des Westens, da West-Europa praktisch nicht auf der politischen Landkarte existiert. Europa führt aus, was [US-]Amerika will ohne Widerspruch. Alle diese Gruppen operieren unter [US-]amerikanischer Führung. Ob wir sie also ausländische Mächte nennen, ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra oder anders, der Direktor und Finanzier ist derselbe. Sie alle bilden eine Gruppe nur mit unterschiedlichen Namen und Taktiken.
Frage 6: Meine westlichen Kollegen haben eine Menge an Anschuldigungen gegen Sie vorgebracht und sie sagen, Bašâr al-Assad sei ein Diktator. Nun sitze ichmit Ihnen zusammen und schaue auf einen hochgebideten und liebenswürdigen Mann.Ich kann sogar sagen, sie sind aeine angenehmen Person. Ich möchte Ihnen mitteilen, daß ich mich zum 5. Mal in Syrien aufhalte, herumgereist bin und mit einfachen Leuten gesprochen habe.  Das wichtigste, das ich vorfand, war meines Erachtens, daß sie Sie respektieren und auf Sie vertrauen. Sagen Sie mir ehrlich, sind sie all des Drecks, mit dem Sie beworfen werden, nicht müde? Können Sie wertvolle Dinge um Ihres Landes und seiner Zukunft willen opfern? Oder denken Sie, Sie hätten keinen Grund, zurückzutreten, und müßten es bis zum Ende durchstehen?
Präsident Dr. al-Assad: Bezüglich des Müdeseins, glaube ich, daß jene sich müde fühlen. Ich tue es nicht. sie sind der vielen Lügen müde, die keine Resultate erzielt haben. Auf der anderen Seite ist das positiv, sofern westliche Politikstrategien betroffen sind: wenn sie nämlich einen  Politiker eines anderen Landes negativ beschreiben, heißt das, daß er ein Patriot ist, denn deren Standards von Demokratie werden z.B. durch die Âl Saʽûd repräsentiert, deren enge Freunde. Über die verlieren sie nie ein [böses] Wort. doch das ist bloß ein Beispiel.
Wie Sie wissen, unterstützte der Westen Saudi-Arabien kürzlich darin, in der UN-Kommission für die Stellung der Frauen und dem UN-Menschenrechtsrat vertreten zu sein. Demnach sollte ich nur dann bestürzt sein, wenn der Westen positiv über mich spräche, und das tröstet mich überhaupt nicht. Die Anschuldigungen gegen mich jetzt wurden vor vielen Jahren Präsident Lukaschenko zuteil, da er sich gegen den Westen stellte und nicht akzeptierte, [nur] ein [besser: deren] Mittler zu sein.
Das ist der Westen und wir sollten dem, was sie sagen, nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Wichtig ist die Beziehung zwischen dem Amtsträger und der Bevölkerung in diesem Land, nicht die mit den westlichen Medien oder den westlichen Amtsträgern. Es kümmert mich nicht, was Sie über mich sagen, im negativen oder positiven Sinn.  ein paar Jahre vor dem Krieg, pflegten sie positiv über mich zu sprechen. Zu jener Zeit kümmerte ich mich nicht darum, weil ich denen nicht traute. Sie sind Heuchler und das ist die Wahrheit.
Frage 7:  Es waren sehr weise Worte, als Sie davon sprachen, daß Sie das Vertrauen Ihrer Bevölkerung in Sie hoch schätzen. Stimmen Sie mit mir darin überein, daß die Opposition auch ein Teil Ihrer Bevölkerung ist und wenn Sie mit denen Dialog führen, sie über die Zukunft Syriens sprechen. Wie sehen Sie das? Es gab in Genf Treffen und dann in Astana. Gibt es Unterschiede zwischen diesen Treffen? Und was sind die Resultate beider, hauptsächlich in Bezug auf die Beziehung zur Opposition?
Präsident Dr. al-Assad: Bezüglich Genf ist das soweit nur ein Treffen für die Meiden. Es gibt’s nichts Substantielles bei allen Genfer Treffen. Nicht einmal ein Millionstel Teil. Es ist Null. Der Prozeß dient nur dem Prinzip, uns zu Konzessionen zu drängen. Sie fragten mich bei einer früheren Frage nach Zugeständnissen, worauf ich noch nicht antwortete, ich werde das sozusagen in Klammern gesetzt tun.  Nein, ich werde keine Zugeständnisse machen, aus einem ganz einfachen Grund: dieses Land gehört mir nicht. Jegliche Konzession auf nationaler Ebene ist kein Privileg des Präsidenten; es braucht eine nationale Entscheidung, eine auf Volksebene; derlei passiert durch ein Referendum. Alles, was mit Souveränität, nationalem Interesse, der Verfassung und Unabhängigkeit zusammenhängt, ist kein Privileg des Präsidenten und er kann keine Zugeständnisse diesbezüglich machen.  Ich mache Zugeständnisse bei persönlichen Sachverhalten, welche  für die Bevölkerung nicht von Bedeutung sind, die Krise und sie Leute erfordern mich [in dieser Hinsicht] nicht. Bezüglich Astana ist die Lage anders. In Astana ging es um den Dialog mit den bewaffneten Terroristen unter russischer Schirmherrschaft und basierend auf russischer Initiative. Der Iran und die Türkei stießen später dazu. Die Türkei ist der Garant der Terroristen und Rußland und der Iran sind die Garanten des legitimen syrischen Staates. Dies begann Resultate zu produzieren in mehr als einem Versuch, um Waffenruhe zu erlangen – der letztvergangene war der hinsichtlich der sog. De-Eskalationszonen.
Journalist: Vier Zonen?
Präsident Dr. al-Assad: Ja.
Journalist: Wie ist deren Bedeutung zu verstehen? Was erwartet man von diesen Zonen?
Präsident Dr. al-Assad:  Diese Zonen beherbergen eine Mischung aus Bürgern und Terroristen. Die Terroristen setzen sich aus dem IS, Ğabhatu_n-Nuṣra und anderen Organisationen wie einigen Gangs zusammen. Zielsetzung ist in erster Linie, die Bürger in diesen Zonen  zu schützen.
Zielsetzung in zweiter Linie ist es, den daran interessierten Rebellen, die Möglichkeit zu geben, am Rekonziliierungsangebotdes Staates teilzunehmen so wie schon in anderen Gebieten. Demnach sind die De-Eskalationszonen in diesen Gebieten für sie die Möglichkeit, ihr Konto mit dem Staat zu bereinigen, d.h. ihre Waffen niederzulegen und [in ihr normales Leben] zurückzukehren aufgrund der Amnestie.  Es ist auch eine Chance für andere Gruppen, die die Terroristen, insbesondere den  IS und Ğabhatu_n-Nuṣra, von diesen Gebieten vertreiben wollen. Es gibt also eine ganze Anzahl an Aspekten, doch der wichtigstefür uns ist, das Blutvergießen in jenen Gebieten während der Wartezeit auf interne politische Schritte zwischen uns und den dort operierenden Gruppen zu reduzieren.
Frage 8: Das in Astana unterzeichnete Memorandum bezüglich der De-Eskalationszonen kann also insofern als großer Verhandlungserfolg gesehen werden?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich. Als russische Initiative ist das im Prinzip korrekt. Wir haben sie von Anfang an unterstützte, da die Idee richtig ist. Ob sie Resultate ergeben wird oder nicht, hängt von der Umsetzung ab.  Ergreifen die Terroristen die Chance? Schicken die anderen Staaten, insbesondere die westlichen, welche behaupten, die Initiative zu unterstützten, weiterhin logistische und finanzielle Unterstützung für diese Gruppen? Senden sie mehr Waffen und Rekruten für jene Terroristen, um ihnen zu ermöglichen, [den Zweck dieser] diese Zonen zu verletzen und zur Situation quo ante (square one) zurückzukehren? Das ist sehr wahrscheinlich, so hat es sich auch vorher schon abgespielt: frühere Initiativen versagten nicht, weil sie falsch waren. Sie gingen fehl, weil jene Länder sich dreinmischten, um  [die Situation] militärisch wieder eskalieren zu lassen. Daher hoffen wir, daß dies jenen Staaten eine Gelegenheit bieten wird zu realisieren, daß jegliche Eskalation scheitern wird, da die syrischen und russischen Militärkräfte mit iranischer Unterstützung und dem der Ḥizbullâh jede Bewegung seitens der Terroristen bekämpfen werden, falls sie versuchen, die Vereinbarung zu verletzen.
Frage 9: Bezüglich dieser Sicherheitszonen und den Übergängen, mittels derer Sie den Rebellen erlauben, in andere Gebiete Syriens zu gehen, haben Sie zweifellos gehört, daß viele internationale Organisationen sie der Verletzung von Menschrechten auf ethnischer Basis beschuldigen bzw., daß,  Sie Leute umsiedeln. Auf der anderen Seite gibt es jene, die darin den ersten Schritt zur Teilung Syriens sehen. Was antworten Sie auf solche Aussagen?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist der Versuch, manch naive Leute in Syrien aufzuhetzen, dahingehen daß sich in Syrien ein demographischer Wandel vollziehe. Das ist nicht wahr und die meisten Syrer wissen das.
Wenn Sie die meisten Gegenden aufsuchen, in denen Rekonziliierungen stattgefunden haben, werden sie feststellen, daß sich die [genuine] Bevölkerung dort befindet. Inwiefern siedelten wir also Leute von einem Teil zu einem anderen um? Warum forderten wir nicht jeden auf, diese Gebiete zu verlassen? Tatsächlich zwingt der syrische Staat niemanden zum weggehen. Rekonziliierung bietet den Leuten der Gegend die Möglichkeit, zu bleiben oder zu gehen. Sie bietet ebenso den Rebellen die Wahl zu bleiben, wenn sie die Waffen niederlegen und ihren Status mit dem Staat bereinigen wollen, oder zu gehen, wenn sie das nicht wollen.
In Wirklichkeit sind die meisten Rebellen, welche gehen, die, die eine Rekonziliierung ablehnen. Und die Bürger, die mit ihnen zusammenleben, sind deren Familienangehörige. Die leben miteinander. Der Staat fordert niemanden auf, zu gehen.
Zweitens, wenn der Staat einen demographischen Wandel bezweckte, warum bringt er dann nicht Leute aus anderen Gebieten an die Orte der originalen Bewohner, um sich dort niederzulassen? Die Gebiete, deren Bevölkerung infolge der terroristischen Akte geflohen ist, sind bis heute leer. Dort lebt überhaupt niemand. Und das Eigentum dort ist nach wie vor unter dem Namen der ursprünglichen Eigentümer registriert. Demnach ist dies [d.h. so etwas zu behaupten] komplett falsch und völlig belanglos.
Frage 10: Ich möchte auf die Frage nach den Flüchtlingen zu sprechen kommen. Es ist ein schmerzlicher Sachverhalt und unglücklicherweise ist die Anzahl der Flüchtlinge während der vergangenen sechs Jahre sehr hoch geworden. Inwieweit ist Syrien Ihrer Meinung nach auf deren Rückkehr vorbereitet? Wie können Sie mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs, hervorgerufen durch den globalen Terrorismus gegen Sie, zurechtkommen? Denken Sie, Sie können Beschwerde einlegen, Strafverfolgung veranlassen, die Staaten, – darunter einige westliche –  deren Repräsentanten in Ihr heiliges syrisches Land  einfielen,  auffordern, Kompensation zu leisten?
Präsident Dr. al-Assad: Die Rückkehr der Flüchtlinge ist notwendig und wir rufen die Flüchtlinge immer dazu auf, nach Syrien zurückzukehren. Zum Zeitablauf: jegliche Zeit ist für jegliche Gruppe an Flüchtlingen zur Rückkehr geeignet. Es gib keine Hindernisse in dieser Hinsicht und der Staat versucht sein Bestes, die notwenigen Dienste für jene vorzuhalten, die innerhalb Syriens vertrieben worden sind und nicht notwendigerweise außerhalb Syriens. Viele von denen wanderten wegen des Terrorismus ab und der Staat wird in dieser Hinsicht mit Hilfe befreundeter Länder die Dienste auf humanitärem Gebiet vorhalten.
Zur Einforderung von Rechten: es gibt keinen Zweifel, daß die syrische Bevölkerung ein Recht auf Kompensationen im Wert von hunderten Milliarden hat. Doch wie Sie wissen, bedürfen diese Kompensationen [besser: die Durchsetzung dieser …] eines rechtlichen undinstitutionellen Rahmens. Stellen Sie sich vor, sie haben ein in Ihrem Land ein bestimmtes echt, doch Sie haben – in Weißrußland z.B. – weder Gesetze, noch Richter, noch Gerichtshöfe. An wen wenden sie sich dann mit Ihrer Beschwerde? In jenem Fall wird Chaos herrschen. Das ist die Realität der internationalen Situation: es gibt keine Rahmenreferenz, keinen Respekt gegenüber dem Völkerrecht, keine fairen und unparteiischen Institutionen. Es gibt Einrichtungen, welche [die verlängerten] Arme des US-Außenministeriums sind, welches den Eigentümern kein Recht einräumen wird. Daher ist es praktisch unmöglich, in dieser Hinsicht Resultate zu erzielen.
Generell brauchen wir sie jetzt nicht. wir können unser Land aufgrund der eigenen Kapazitäten [wieder] aufbauen. Syrien wurde die alte und moderne Geschichte hindurch durch syrische Hände erbaut, nicht durch fremde. Wir haben die Kapazitäten, unser Land wiederaufzubauen. Geld wird schrittweise kommen. Die Flüchtlinge werden ihr Geld mit zurückbringen und die Dinge werden sich vorwärts bewegen.  Darum machen wir uns keine Sorgen diesbezüglich, da wir kein Geld von jenen Staaten oder Amtsträgern brauchen, die den Terrorismus und das Blutvergießen in Syrien während der Krise unterstützten.
Frage 11:  Ich kann nicht umhin, den Sachverhalt Dair az-Zaur anzusprechen. Es ist nun das Hauptziel der syrischen Regierung. Warum übergeht die gesamte Welt blindlings das, was dort vor sich geht? Nach vier Jahren der Belagerung durch den IS herrscht dort Hunger und Zerstörung vor und – was noch erschreckender ist – Kinder und einfache Leute sterben. Sehen sie auf die humanitäre Hilfe, geboten von 124 Staaten in der Welt. Gemäß Informationen, die Ihnen sicher vorliegen, unterstützen sie die Rebellen und während der vergangenen vier Jahre ließen noch nicht einmal einen einzigen Laib Brot [von Flugzeugen aus] abwerfen , geschweige denn humanitär Hilfe. Es sind 200.000 Menschen, die Brot und Wasser mehr als Luft [zum Atmen] brauchen.  
Präsident Dr. al-Assad: Der Grund dafür ist, daß globale Politik nicht von Prinzipien und Ethik regiert wird. Sie wird bestimmt durch Interessen, selbst wenn sie auf Kosten ethischer Werte gehen und oft sogar auf Kosten von Prinzipien und des Völkerrechts. Derzeit existiert eine Gruppe kolonialer staaten, welche von überhaupt keinen Prinzipien geleitet ist. Eine große Anzahl jener Staaten kennen diese Wahrheit auf öffentlicher und  allgemeiner Ebene, doch siewagen es nicht, diese Wahrheit auszusprechen, da sie den Westen fürchten. Doch gibt es eine Gruppe einiger Staaten, die die Wahrheit aussprechen wie sie ist und eine von Prinzipien und Ethik bestimmte Position einnehmen, einschließlich Weißrußlands, Rußlands, des Iran und Nordkoreas. Sie handeln nämlich nicht auf des Westens Geheiß, sie werden undemokratisch oder Mitglieder der Achse des Teufels gescholten oder sie werden  – wie ich vor einer kurzen Weile sagte – negativ beschrieben. Doch dies sind die einzigen Staaten, die die Wahrheit auszusprechen wagen. Das ist der Grund, warum Sie ganz wenig über eine gruppe von hunderttausenden Unschuldiger irgendwo belagerter Leute hören, und niemand über sie spricht.
Spiegelbildlich dazu: wenn die Terroristen in Aleppo einen Teil der Stadt mit seiner Bevölkerung kapern und die Leute im anderen mit täglichen Raketenangriffen töten, sagt niemand etwas darüber. Das kümmert sie nicht. Sie verteidigen die Terroristen. Und wenn wir die Stadt von den Terroristen befreien, ist das eine Verletzung der Menschenrechte, weil für die die Terroristen Menschen sind und alle Nichtterroristen nicht existieren weder auf der politischen noch auf der humanitären Landkarte.
Frage 12:  Damit stimme ich vollkommen überein. während meiner Besuche in Syrien traf ich den Großmuftî, den Patriarchen und auch Repräsentanten anderer Konfessionen und fand, daß alle von ihnen Frieden , nationale Einheit und Solidarität wollen. Alle unterstützen ihr Land. Warum will niemand wissen, was die zu sagen haben? Viele Leute wollen nicht einmal wissen, was wahrhaft in Syrien vorgeht. Sehen Sie das auch so wie ich?
Präsident Dr. al-Assad: Die meisten westlichen Amtsträger kennen die Wahrheit, doch sie sind mit ihren Lügen zu weit gegangen. Sie haben die öffentliche Meinung für sich eingespannt und nun ist es für sie schwierig, eine Totalumkehr zu vollziehen, da jegliche Totalumkehr bedeutet, daß sie gegenüber der öffentlichen Meinung zugeben, daß sie gelogen haben. von daher haben sie sich in einen Tunnel gequetscht und kommen nun nicht mehr daraus hervor. Sie müssen nun bei ihren Lügen bleiben, da das ihre einzige Option ist. Jegliche Totalumkehr bzw. jedes Umschalten wäre politischer Selbstmord für sie – und ihre politischen Interessen sind ihnen wichtiger als nationale Interessen, die anderer Nationen oder  das Leben anderer Leute.  Daher werden sie nur immer wieder dieselben Lügen wiederholen, die sie von Anfang an von sich gaben. Da pflegten sie zu sagen, es fänden friedliche Demonstrationen statt, doch es wurde beweisen, daß sie nicht friedlich waren. später sagten sie, die gehörten zur Opposition, seien aber moderat. Als sich herausstellte, daß sie Extremisten waren ganz wie der IS und Ğabhatu_n-Nuṣra behaupteten sie, der Grund für deren Existenz sei der syrische Staat und der syrische Präsident. mit anderen Worten: sie sind dazu bestimmt, weiterzulügen, doch ändern sie ihre Geschichte ein wenig, nicht drastisch, ab. Ihre politische Zukunft ist verknüpft mit dieser großen Lüge und das können sie nicht ändern.
Frage 13: Ich möchte auf die syrisch-weißrussischen Beziehungen zurückkommen. Unsere Beziehungen, die über Jahrzehnte reichen, haben eine sehr gute Ebene erreicht. sie kennen die offizielle Position von Minsk hinsichtlich der Unterstützung von Frieden, nationaler und Volkseinheit in Syrien, die Position, daß es immer schon globalen Terrorismus verdammt habe, welcher sich in Ihre internen Angelegenheiten mischt und daß unglücklicherweise Medien von westlicher Seite sich gegen Sie wandten. Wie sieht Ihr Rückblick auf Lukaschenko aus in Hinsicht darauf, daß auch Weißrußland wiederholt Wirtschaftssanktionen unterworfen und faktenloser Kritik ausgesetzt war, doch Lukaschenko konnte damit umgehen. Ein Paradebeispiel ist die Ukraine: man kann sehen, daß Minsk nun die einzige Plattform geworden ist, auf der alle Parteien versuchen, eine Friedensübereinkunft zu erzielen, auf die sie schon so lange in der Donbass-Region der Ukraine warten.  Denken sie nicht, Lukaschenko könnte im Fortkommen hin zu einer politischen Lösung für Ihr Land einschreiten?
Präsident Dr. al-Assad: Jede Lösung eines jeden Problems braucht eine Reihe von Eigenschaften oder Elementen, doch das wichtigste Element ist die Glaubwürdigkeit, welche man hat. Sie gehören einem Land an, das Glaubwürdigkeit besitzt, da das, was die weißrussische Politik heute aussagt, Dasselbe ist, was sie zu Beginn der Krise gesagt hat. Es sind dieselben Prinzipien, auf die sie [auch] bezüglich anderer Sachverhalte aufgebaut ist. Die Prinzipien, auf die sie bezüglich Syriens aufgebaut ist, sind dieselben, auf die sie hinsichtlich der Interessen der weißrussischen Bevölkerung und der Interessen Weißrußlands aufgebaut ist. Es sind dieselben Prinzipien, welche die Rolle ausmachen, die sie in der Ukraine spielt. Es ist eine stabile Politik, die eine klare Vision besitzt und klare Prinzipien, die sich nicht ändern. Das ist essentiell, um in irgendeiner Krise ein Rolle zu spielen. Das ist es, was wir in Syrien brauchen. Warum ist die syrische Krise nicht [schon] politisch gelöst? Weil die, die vorgegeben haben, jene Rolle zu spielen – mit Ausnahme von Rußland und dem Iran – Staaten gewesen sind, die keine Glaubwürdigkeit besitzen. sie sagen das eine und tun das andere. Doppelmoral (double standards) ist das Basis-Prinzip der westlichen Politik.
Das ist also das wichtigste Element, das Präsident Lukaschenko und der Staat Weißrußland haben. Zudem unterhalten wir als Staat eine feste und solide Beziehung zu Weißrußland seit den Tagen der Sowjetunion und danach. Und sie existiert weiter trotz all des Drucks auf Ihr Land und auf Syrien vor dem Krieg. Diese Beziehung dauerte an ohne Rücksicht auf die westlichen Wünsche in dieser Hinsicht und ist basiert auf beiderseitigem Interesse.
Diesbezüglich war Präsident Lukaschenko ein Patriot, war wahrhaftig und couragiert. Mit all diesen Attributen kann ich sagen, daß Weißrußland – neben Rußland als Hauptspieler auf der internationalen Arena hinsichtlich Syriens – sicherlich eine vitale und effektive Rolle einnehmen kann. Wenn Weißrußland es wünscht, begrüßen wir seht jede Rolle, die es im gegenwärtigen Krieg spielen kann.
Frage 14: Danke für diese Worte. Ich möchte noch nach unserer Wirtschaftsbeziehung fragen. Verständlicherweise dauert der Krieg seit sieben Jahren an und es herrscht große Zerstörung, doch all das muß eines Tages wiederaufgebaut werden. Wissen sie, daß Weißrußland in dieser Hinsicht über große Kapazitäten verfügt? Denken wir daran, daß der erste in Weißrußland hergestellte LKW von MAZ in Syrien auftrat. Ich erinnere mich ebenso daran, daß als Sie Weißrußland 2010 besuchten, einen MSZ fuhren.  Wann können wir diese Wagen und LKW auf Ihren Straßen sehen?
Präsident Dr. al-Assad: Bei meinem letzten Besuch in Ihrem Land wenige Monate vor dem Krieg, gab es breitgefächerte Wirtschaftsabkommen zwischen uns. Der Krieg kam und zerstörte alles. Doch vor kurzem nach dem gemeinsamen syrisch-weißrussischen Komitee, einem Besuch des weißrussischen Vize-Vorsitzenden des Komitees und dem Treffen mit dem Minister für Industrie vor wenigen Wochen wurden einige Aspekte dieses Abkommens reaktiviert und eine Anzahl Verträge zum Vorteil beider Parteien abgeschlossen.
Ich erinnere mich lebhaft an meinen Besuch der Fabrik zu jener Zeit und wir hofften wirklich, mit der Produktion dieses Autos in weniger als zwei Jahren zu beginnen. Das verzögerte sich aufgrund des Kriegs, doch kürzlich kamen wir auf das Thema zurück und der Export wird in den nächsten Monaten beginnen. Die erste Lieferung an Autoteilen wird zur Montage in Syrien exportiert werden. Trotz der schwierigen Umstände, denen Syrien unterzogen ist, trotz der Sanktionen gegen Weißrußland und als Ergebnis unseres festen Willens sind wir dennoch in der Lage gewesen, diese Beziehungen wiederaufleben zu lassen. und das ist freilich [erst] der Anfang. viele Bereiche, über die wir vor dem Krieg gesprochen haben, können trotz der Sicherheitsbedingungen in Syrien wiederbelebt werden. Wir müssen nicht alle Bereiche reaktivieren, doch können wir dies bei einem wichtigen Teil des Abkommens tun. Das versuchen wir gerade und das Rad hat sich neuerdings zu drehen begonnen.
Frage 15: Zum Ende des Interviews glaube ich, Weißrußland hat wirtschaftliche Kapazitäten. Und es ist wichtig, daß die syrische Bevölkerung und der Präsident den Wunsch haben, die Beziehungen mit und die Freundschaft zu uns aufzubauen. Das ist gleichermaßen bedeutsam und ich glaube, diese Beziehungen und diese Kooperation haben eine große Zukunft. Am Ende möchte ich sagen, daß ich Syrien eine lange Zeit kenne. Dieser Krieg, den Sie seit sieben Jahren kämpfen, trug zur Einigung Ihrer Gesellschaft bei.  
Ich erinnere mich an die Syrer als ruhige und höfliche Menschen. Sie heben sich unter den arabischen Völkern durch ihre Toleranz, ihr Entgegenkommen und ihre Gastfreundlichkeit hervor. Trotz Schmerz und Tränen haben Sie all das dennoch nicht verloren. Und ich sage Ihnen daß Sie persönlich einen Vorbildcharakter zur Einigung der Gesellschaft besitzen. Ich reise um die Welt und habe viele syrische Freunde. Heutzutage gibt es keine syrische Familie, die nicht eine syrische Flagge zu Hause hätte. Das hat die gesamte Gesellschaft in einem Schmelztiegel geeint und miteinander verflochten. Ich möchte, daß Sie wissen, daß ich Ihrem Staat im Namen unseres Volkes und im Namen von Weißrußland von ganzem Herzen Frieden , Wohlstand und Einigkeit wünsche, so daß Sie vorwärts schreiten können und die Mütter, die ihre Söhne haben begraben müssen, dann keinen Schmerz mehr fühlen. Ich hoffe, alles wird sich weiterbewegen wie wir es die Geschichte hindurch gesehen haben, so daß das Leben weitergeht und Syrien so bleibt wie sie immer gewesen ist, die Wiege der Zivilisation, und weiter florieren wird. Das hoffen wir aufrichtig.
Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank für all Ihre freundlichen Worte über Syrien und die syrische Bevölkerung. eine unserer Haupteigenschaften in Syrien ist Loyalität, Loyalität gegenüber all jenen, die in den schwierigen Umständen zu uns gestanden sind, und das hat Weißrußland getan. Ich danke jedem weißrussischen Bürger für das, was er für Syrien getan hat, denn das Nettoresultat dieser Unterstützung ist die vom Präsidenten getroffene Entscheidung, da der weißrussische Präsident Syrien nicht ohne die Bevölkerungsunterstützung für seine Politik beistehen kann. Wir nehmen jede Hilfe, jedes Wort, jede politische Position, die der weißrussische Staat in allen Bereichen eingenommen hat, als Ausdruck der Realität dessen, wie die weißrussische Bevölkerung denkt und fühlt. Ich hoffe, die weißrussische Bevölkerung wird einen weiteren Sieg in anderer Form erringen.
Krieg muß sich nicht immer auf dem Schlachtfeld ab spielen. Die weißrussische Bevölkerung kennt Krieg nun seit über zwei Jahrzehnten. Ich hoffe, sie wird einen weiteren Sieg in jenem Krieg erringen durch Aufhebung der Sanktionen und Hochhalten des patriotischen Staats und im Erzwingen von Respekt insbesondere seitens jenen, die Ihr Land dominieren wollen. Zudem hoffe ich, das wird mit dem Sieg Syriens im Krieg gegen die Terroristen zusammenfallen, da es für uns ebenso ein nationaler Krieg ist. Nochmals danke und Dank für Ihren Besuch Syriens.
Journalist: Ich möchte Sie wissen lassen, daß dies ein Symbol unseres Sieges ist. Heute ist der 9.Mai. Unsere Eltern und Großeltern versorgten sich hier mit Wasser. Es ist das Heiligste. Ich forderte einen meiner Kollegen hier auf, es sich von einer der heiligen Wasserquellen nahe Damaskus abzufüllen und heute will ich Ihnen dieses Wasser in symbolischer Weise eingießen. Diese Wasserflasche stamm aus Weißrußland, aber das Wasser stammt aus der Quelle, die dreimal durch die Terroristen besetzt gewesen ist. Wie Sie wissen, ist Wasser das Symbol für Leben. Ich möchte, daß der langerwartete Friede in Ihrem guten Land vorherrscht, dem Paradies-Land, und daß keine syrische Familie wieder Wasser- und Nahrungsmangel spüren soll. Möge Gott Sie schützen. Es schmeckt wirklich gut.
Präsident Dr. al-Assad: Wasser ist ein Segen, da es ein Geschenk Gottes ist, doch dieses Wasser von der al-Fîğa-Quelle [ʽAin al-Fîğa], das sie trinken, hat eine ganz besondere zusätzliche Bedeutung, da es gemischt ist mit dem Blut der syrischen Streiter in ihrem Kampf um die Wiederherstellung der Wasserversorgung für jeden Haushalt in Damaskus. Millionen Menschen waren wegen der Besatzung durch die Terroristen dieses Segens für Monate beraubt. wir trinken s in der Hoffnung, daß das Blut jener Helden, der Kämpfer der SAA, nicht umsonst vergossen worden ist, sondern zur Wiederherstellung der Versorgung mit Wasser, Elektrizität und Sicherheit für jedes Haus in Syrien.

 

Wasser von der al-Fija-Quelle, Abbildung: syrianfreepress

Ausschenken des Wasser von der al-Fîğa-Quelle, Abbildung: syrianfreepress

 

 

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Präsidenten-Interview  durch das venezolanische Telesur TV vom 27.4.2017
(http://sana.sy/en/?p=105108 mit Video)

 

Journalist: Herr Präsident, danke dafür, daß Sie uns empfangen.
Präsident Dr. al-Assad: Seien Sie und teleSUR TV in Syrien willkommen. Nichts zu danken!
Frage 1: Lassen Sie uns direkt mit den letzten Entwicklungen beginnen: Rußland warnte  davor, daß es weitere vorgebliche Chemie-Attacken geben könnte. Welche Vorsichtsmaßnahmen hat Syrien ergriffen, um das zu verhindern?
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst einmal haben Terroristen mehr als einmal in den vergangenen Jahren und in mehr als einer Region Syriens chemische Stoffe benutzt. Wir baten die  Organization for the Prohibi­tion of Chemical Weapons (OPCW), spezielle Missionen zur Untersuchung der Geschehnisse zu schicken. Und jedes Mal behinderten die USA diese Untersuchungen oder verhinderten die Aussendung solcher Missionen um solche Untersuchungen durchzuführen. Diese passierte auch letzte Woche, als wir zu Untersuchungen bezüglich der vorgeblichen Nutzung von Chemiewaffen in der Stadt Ḫân Šaiḫûn aufriefen. Die USA und ihre Alliierten hinderten die OPCW daran, diese Entscheidung zu treffen.  Soweit es um uns geht, bestehen wir weiterhin auf einer Untersuchung und wir und unsere russischen und iranischen Alliierten versuchen, die OPCW dazu zu bewegen, ein Team zur Untersuchung des Vorfalls zu schicken; denn, wenn sie nicht geschieht, könnten die USA dieselbe Charade wiederholen unter vorgespiegelter Nutzung von Chemiewaffen an einem anderen Ort in Syrien, um eine neuerliche Militär-Intervention zur Unterstützung der Terroristen zu rechtfertigen. Andererseits führen wir den Kampf gegen den Terrorismus fort, da wir wissen, daß der Plan all dieser US- und westlichen Behauptungen betreffend Chemiewaffen die Unterstützung der Terroristen in Syrien ist. Daher werden wir den Kampf gegen diese Terroristen fortführen.
Frage 2: Doch das Pentagon sagt, Syrien besitze Chemiewaffen. Ist es wahr, daß Syrien ein Prozent der Waffen, die es vor vier Jahren auszuhändigen und zu zerstören versprach, zurückbehalten hat?
Präsident Dr. al-Assad: Sie und ich erinnern uns gut daran, was 2003 passierte, als Colin Powell der Welt in den UN das zeigte, wovon er behauptete, es sei ein Beweis dafür, daß Präsident Ṣaddām Ḥussain chemische, nukleare und andere Waffen besitze. als jedoch die US-Streitkräfte in den Irak einmarschierten, erwies sich, daß alles, was er gesagt hatte, eine Lüge war. Powell selbst gab zu, daß die US-Geheimdiensts ihn mit falschen „Beweisen“ getäuscht hätten. Das war nicht das erste und wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Das bedeutet, wenn man in den USA ein Politiker sein will, muß man ein originärer Lügner sein. Das charakterisiert US-Politiker: sie lügen tagtäglich, sagen das Eine und tun das Andere. Daher sollte man nicht glauben, was das Pentagon oder irgendeine andere US-Institution sagt; denn sie sagen Dinge, die ihrer Politik dienlich sind, nicht Dinge, die die Realität und die Fakten auf dem Boden [der Tatsachen] reflektieren.
Frage 3: Was steht hinter dem Wunsch Syriens, die neueste Generation des Raketenabwehrsystems von Rußland zu erwerben?
Präsident Dr. al-Assad: Wir befinden uns immer noch im Kriegszustand mit Israel und Israel hat um sich herum seit seiner Gründung  1948 Aggressionen gegen arabische Staaten begangen. Demnach ist es natürlich, daß wir solche Systeme haben sollten. außerdem haben die Terroristen, die auf israelische, US-, türkische, qaṭarische und saudi-arabische Instruktionen agieren, etliche dieser Systeme zerstört haben.  Für uns ist es selbstverständlich, nun mit den Russen im Hinblick auf eine Stärkung dieser Systeme zu verhandeln, sei es angesichts israelischer Bedrohungen  aus der Luft oder durch US-Marschflugkörper. Das ist zu einer realen Möglichkeit geworden nach der jüngsten US-Aggression auf die Luftwaffenbasis aš-Šaʽîrât in Syrien.
Frage 4: Welche Rolle im Besonderen hat Israel in diesem Krieg gegen Syrien gespielt? Wir wissen, daß israelische Angriffe auf Stellungen der Syrisch-Arabischen-Armee (SAA )in der letzten Woche fortgesetzt worden sind.
Präsident Dr. al-Assad: Es spielt seine Rolle in verschiedenen Formen; erstens durch direkte Aggression, insbesondere unter Nutzung von Kampffliegern, der Artillerie oder von Marschflugkörpern gegen SAA-Stellungen. Zweitens unterstützt es Terroristen auf zwei Wegen: einmal durch direkte Unterstützung mit Waffen und zum anderen durch logistische Unterstützung, z.B. indem es diesen erlaubt, Militärübungen auf dem Gebiet unter seiner Kontrolle durchzuführen. Auch versorgt es sie mit medizinischer Behandlung in seinen Krankenhäusern. Das sind nicht bloß Behauptungen oder Anschuldigungen. Das sind Fakten, verifiziert und veröffentlicht im Internet, belegte Beweise von Israels Rolle bei der Unterstützung der Terroristen in Syrien, zu denen man leicht Zugang hat.
Frage 5: Wie beurteilen Sie die geegnwärtige Politik von Donald Trump in der Welt und in Syrien im Besonderen?
Präsident Dr. al-Assad: Der US-Präsident hat keine Politik. Es gibt vorgegebene politische Vorgehensweisen der US-Institutionen, welche das US-Regime kontrollieren, darunter die Geheimdienste, das Pentagon, die großen Waffen- und Öl-Firmen, die Finanz-Institute und etliche andere Lobbys, welche die US-Entscheidungsfindung beeinflussen. Der US-Präsident führt diese bloß aus und der Beweis dafür ist, daß Trump, als  er während und nach seiner Wahlkampagne versuchte, einen anderen Weg einzuschlagen, es nicht konnte. Da erlebte er eine grimmige Attacke. Wie wir die vergangenen paar Wochen gesehen haben, änderte er seine Rhetorik komplett und unterwarf sich selbst den Bedingungen des tiefen US-Staats bzw. des tiefen US-Regimes. Daher ist es völlig unrealistisch und vergebene Liebesmüh (waste of time) eine Beurteilung der Außenpolitik des US-Präsidenten anzustellen, da er etwas sagen mag, doch am Ende tut, was diese Institutionen ihm diktieren. Das ist nicht neu. Das geht so in der US-Politik seit Jahrzehnten.
Frage 6: Die US-Administration hat eine neue Front gegen Nord-Korea eröffnet. Ist es möglich, daß dies das gegenwärtige US-Vorgehen gegen Syrien berührt?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, die USA versuchen immer, ausnahmslos alle Staaten der Welt zu kontrollieren. Das nimmt Alliierte nicht aus, egal ob das fortschrittliche Staaten sind  wie jene des westlichen Blocks oder andere Staaten der Welt. Jeder Staat sollte ein US-Satellit[enstaat] sein. Das ist der Grund für das Vorgehen gegen Syrien, Korea, den Iran, Rußland und möglicherweise jetzt Venezuela mit dem Ziel, die US-Hegemonie über die Welt wiederzuerrichten, da sie glauben, diese US-Hegemonie sei jetzt bedroht, was konsequenterweise die Interessen der US-Wirtschaft und der politischen Eliten der UA bedroht.
Frage 7: Rußlands Rolle im Syrien-Konflikt ist ganz klar, doch welche Rolle spielt China, der andere große  globale Macht?
Präsident Dr. al-Assad: Es besteht eine umfangreiche Kooperation zwischen Rußland und China China im Sinne politischer Aktion bzw. politischer Positionen. Die Ansichten sind ähnlich und es besteht eine Kooperation im [UN-]Sicherheitsrat. Wie Sie wissen, versuchten die USA und ihre Alliierten verschiedene Male, den [UN-]Sicherheitsrat zu benutzen, um die Rolle der Terroristen in Syrien zu legitimieren sowie deren [eigene] Rolle bei der unrechtmäßigen und aggressiven Intervention in Syrien. Deshalb standen Rußland und China zusammen; Chinas Rolle war – wie die Rolle Rußlands –  in dieser Hinsicht essentiell. Darüber hinaus sind einige der Terroristen Chinesen, die über die Türkei nach Syrien kamen. Die bedrohen uns in Syrien, doch ebenso China. China ist sich der Tatsache bewußt,  daß der Terrorismus sich von jedem Ort in der Welt zu einem anderen bewegt; konsequenterweise könnten diese Terroristen, ob sie nun chinesischer oder anderer Nationalität sind, zurück nach China gehen und dort zuschlagen wie sie es in Europa, in Rußland und Syrien getan haben. Wir arbeiten [daher] jetzt mit China in Sicherheitsfragen zusammen.
Frage 8: In westlichen und US-Medien ist derzeit von moderaten und extremistischen Terroristen die Rede, gibt es einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen?
Präsident Dr. al-Assad: Für die ist ein moderater Terrorist einer, der [Leute] köpft und schlachtet, aber ohne eine al-Qâʽida-Fahne zu führen bzw. ohne zu sagen „Allâhu akbar“, während ein extremistischer Terrorist die al-Qâʽida-Fahne führt und „Allâhu akbar“ bei m Köpfen und Abschlachten  ruft. Das ist der einzige Unterschied. Für die USA sind alle, die ihre Agenda gegen andere Staaten ausführen, als „moderate Opposition“ [MAO, vgl. Syrien] klassifiziert und nicht als Extremisten oder Terroristen, auch wenn sie schlimmste Akte von Terrorismus begehen. [Für sie] sind sie Freiheitskämpfer und nicht Kämpfer, die Zerstörung und Sabotage vertreiben.
Frage 9: Es herrschen nun sechs Jahre Krieg in Syrien. Wie sieht jetzt die syrische Position aus, insbesondere ohne die Handhabe von Statistiken über die Verluste an Menschenleben?
Präsident Dr. al-Assad: Der schlimmste Verlust in jedem Krieg ist der an Menschenleben, das Leiden, mit dem jede Familie konfrontiert ist, wenn sie eines ihrer Mitglieder verliert, da die ganze Familie lebenslang verstört ist. Das ist das natürliche Gefühl in einer Region wie der unseren, wo Familienbande sehr stark sind. nichts kompensiert jenen Verlust und nichts geht über diesen Schmerz hinaus. Freilich gibt es enorme wirtschaftliche und infrastrukturelle Verluste, doch diese Infrastruktur wurde in kaum mehr als 50 Jahren von syrischen Händen, nicht von ausländischen aufgebaut und wir haben die Kapazität, diese Infrastruktur wieder aufzubauen. Dasselbe gilt für die Wirtschaft, da die syrische Ökonomie als erstes und zuvorderst auf syrischen Kapazitäten beruht. Zudem waren unsere ökonomischen Bindungen an den Westen immer limitiert. Wenn der Krieg vorüber ist, wird alles wiederaufgebaut werden. Damit haben wir kein Problem. Es ist wahr, daß das Zeit braucht, doch ist es nicht unmöglich. Demnach ist der größte und schmerzlichste Verlust der an Menschenleben.
Frage 10: Gibt es von den 86 Staaten, welche die Kriegsallianz gegen Syrien bilden, einige, die sich am Prozeß des Wiederaufbaus beteiligen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, selbstverständlich nicht. Vor allem wollen die Syrien nicht wiederaufbauen, doch einige Firmen in jenen Ländern sind sicherlich bereit zu kommen und am wideraufbau Syriens teilzuhaben, um damit Geld zu machen, sobald sie sehen, daß sich das Rad der Wirtschaft bewegt und der Wiederaufbau anläuft und da sie Opportunisten sind. Die syrische Bevölkerung würde das freilich nicht akzeptieren. All die Staaten, die sich gegen die syrische Bevölkerung stellten und an der Zerstörung und Sabotage teil hatten, werden niemals Anteil am Wiederaufbau Syriens haben. Das ist endgültig.
Frage 11: Doch wie war das Leben während dieser vergangenen sechs Jahre in diesem belagerten Land?
Präsident Dr. al-Assad: Das Leben war freilich hart für jeden syrischen Bürger. Die Terroristen zerstörten die Infrastruktur. In gewissen Gegenden gibt es Elektrizität für ein oder zwei Stunden; es gibt auch Gebiete, die überhaupt keine Elektrizität zur Verfügung haben. Es gibt Gebiete, die für mehr als zwei oder drei Jahre von Elektrizität abgeschnitten waren. Die Leute [dort] kennen kein Fernsehen, die Kinder gehen nicht zur Schule, es gibt keine medizinischen Kliniken oder Hospitäler und niemand behandelt die Kranken.  Sie fristen eine prähistorische Existenz dank der Terroristen. Es gibt Gegenden ohne [Trink-]Wasser für Jahre wie z.B. in Aleppo, das  viele Jahre lang kein Wasser hatte [d.h. keine geregelte Wasserversorgung aus der Leitung!]. Manchmal nutzten sie verschmutztes Wasser zum Trinken, Abwaschen und für andere Zwecke. Das Leben war sehr schwer.
Frage 12: Eines der Hauptziele während dieser Jahre war die Person von Bašâr al-Assad. Hatten sie jemals Angst in diesen Jahren?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn sie sich mitten im Krieg befinden, fühlen sie keine Angst. Ich denke, das geht allen Menschen so. Doch tragen sie eine generelle Sorge um Ihr Land mit sich; was ist es wert, als Individuum, als Bürger sicher zu sein, während das Land bedroht ist? Da kann man sich nicht sicher fühlen. Ich denke, was wir in Syrien generell fühlen, ist eher die Sorge um die Zukunft Syriens als die persönliche Angst. Der Beweis dafür ist, daß Mörsergranaten überall einschlagen, auf jedes Haus, dennoch sehen Sie, daß das Leben in Syrien weitergeht. Das Leben ist stärker als die persönliche Angst. Der Beweis dafür ist, daß Mörsergranaten überall einschlagen, auf jedes Haus, dennoch sehen Sie, daß das Leben in Syrien weitergeht. Das Leben ist stärker als die persönliche Angst. Als Präsident ziehe ich Stärke aus dem Gefühl der allgemeinen Öffentlichkeit, nicht von meinen persönlichen Gefühlen. Ich lebe nicht in Isolation von den anderen.
Frage 13: Westliche Medien haben eine Medienkampagne gegen Sie ins Leben gerufen. Sitze ich nun mit hier zusammen mit dem in diesen Medien porträtierten Teufel?
Präsident Dr. al-Assad: Von einer westlichen Perspektive aus: ja, da sitzen sie hier zusammen mit dem Teufel. So vermarkten sie [das] im Westen. Doch das ist immer dann der Fall, wenn ein Staat, eine Regierung oder ein Individuum sich nicht deren Interessen unterwirft und für deren Interessen gegen die Interessen ihres eigenen Volkes arbeitet. Das waren die westlichen kolonialen Forderungen der Vergangenheit. Sie verbreiten [dann], daß diese teuflische Person die guten Leute umbringe. Okay, wenn er die guten Leute umgebracht hätte, wer hätte ihn dann die letzten sechs Jahre hindurch unterstützt? Weder Rußland, noch der Iran, noch irgendein befreundeter Staat kann ein Individuum auf Kosten der {restlichen] Bevölkerung stützen. Das ist unmöglich. Wenn er die Leute tötet, warum kommen sie dann, um ihn zu unterstützen? Das widerspricht dem westlichen Narrativ. Daher sollten wir nicht unsere Zeit mit den westlichen Narrativen verschwenden, da sie die Geschichte hindurch  voller Lügen sind und nichts Neues.
Frage 14: Was kann auch Syrien tun, um angesichts der 6. Runde Genfer Gespräche dem Krieg ein Ende zu setzen?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben schon dargelegt, daß da zwei Achsen gibt: zuerst steht da die Bekämpfung der Terroristen – das unterliegt keiner Diskussion und wir haben keine andere Wahl mit den Terroristen fertigzuwerden als sie zu bekämpfen. Zum Anderen  gibt es die politische Achse, sie schließt zwei Punkte ein: zunächst den Dialog über die Zukunft Syriens mit anderen politischen Kräften; dann die lokalen Rekonziliationen in dem Sinne, daß wir mit Terroristen in einem gewissen Dorf oder einer bestimmten Stadt verhandeln, abhängig von jedem einzelnen Fall als solchem. Ziel dieser Rekonziliation ist im Bezug auf  jene, daß sie die Waffen niederlegen und [dafür] die Amnestie des Staates in Anspruch nehmen und in der Folge in ihr normales Leben zurückkehren. Diese Methode verfolgen wir seit drei Jahren, sie hat Erfolg und besteht weiterhin. Das sind die Achsen, die wir beschreiten, um eine Lösung der syrischen Krise zu finden.
Frage 15: Wie sehen Sie aus der Perspektive eines Landes im Kriegszustand die Situation in Latein-Amerika, speziell in Venezuela, wo etliche Vorgänge ähnlich jenen sind, die den Konflikt in Syrien haben entstehen lassen?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich sollten sie sich ähneln, da die Partei, die diese Vorgänge plant und in die Tat umsetzt, dieselbe ist. Es sind die USA als Maestro und die westlichen Staaten, die den Chor bilden. Latein-Amerika generell und Venezuela im Besonderen stellten für Jahrzehnte gewöhnlich den Hinterhof der USA dar. Mittels dieses Hinterhofs pflegten die westlichen Staaten, insbesondere Nord-Amerika bzw. die USA, ihre ökonomischen Interessen durch den Einfluß großer Konzerne in Ihren Ländern zu sichern. Militärische und politische Coups in Latein-Amerika während der 1960er und 1970er Jahre zielten darauf ab, die [US-]amerikanische Hegemonie über die Interessen Ihrer Länder hinweg zu erhalten. Doch Latein-Amerika befreite sich während der vergangenen 20 Jahre selbst und erlangte seine freie Entscheidungsfindung. Regierungen begannen, die Interessen ihrer Völker zu verteidigen, was für die USA inakzeptabel ist. Daher beuten sie die Vorgänge in der Welt aus, angefangen mit der orangefarbenen Revolution in der Ukraine bis zum gegenwärtigen Coup dort vor wenigen Jahren und was sich so in den arabischen Ländern, in Libyen, Syrien, dem Jemen und anderen abspielt, um es [auch] in Latein-Amerika umzusetzen. In Venezuela begannen sie mit dem Ziel, die nationale Regierung zu stürzen und das wird sich auf andere latein-amerikanische Länder ausweiten.
Frage 16: Einige Leute, vor allem gewöhnliche Bürger Latein-Amerikas, denken, daß sich ein ähnliches Szenarium wie in Syrien in Latein-Amerika wiederholen könnte. Was denken Sie [darüber]?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist wahr. Daher sage ich, solange die planende und umsetzende Partei dieselbe ist, ist es nur natürlich, daß sich das Szenarium nicht nur ähnelt, sondern identisch ist. Manche lokale Elemente mögen anders sein. In Syrien sagten sie zu Beginn, es gebe dort friedliche Demonstrationen; doch als sich diese in Wirklichkeit nicht weit genug ausdehnten, plazierten sie unter jenen Individuen, die auf beide Seiten feuerten: auf die Polizei wie die Demonstranten und da kam es zu Todesopfern. Da begannen sie zu sagen, der Staat töte die Menschen – dieses Szenarium wird überall wiederholt. Dasselbe Szenarium wird in Venezuela wiederholt werden. Daher müssen die Venezolaner sehr achtsam sein. es gibt einen Unterschied, ob man gegen die Regierung oder gegen die Heimat ist, einen gewaltigen Unterscheid. andererseits kann sich kein ausländischer Staat besser um die venezolanischen Interessen sorgen als die Venezolaner selbst. Glaubt nicht dem Westen! Denn ihm geht es weder um die Menschenrechte, noch um die Interessen [anderer] Staaten. Es geht nur um die Interessen des Teils der Regierungselite in den [westlichen] Ländern. und diese Regierungseliten sind nicht notwendigerweise Politiker, es sind ebenso Wirtschaftskonzerne.
Frage 17: Da ich gerade über Latein-Amerika, Venezuela spreche … die bolivianische Revolution war Ihr starker Alliierter. Welche Erinnerung haben Sie an den verstorbenen Hugo Chavez?
Präsident Dr. al-Assad: Präsident Hugo Chavez war eine hervorragende Persönlichkeit von Weltklasse. wenn wir über Latein-Amerika sprechen, denken wir sofort an den verstorbenen Präsidenten Chavez und den verstorbenen Führer Fidel Castro, den Führer der kubanischen Revolution. Das sind herausragende Persönlichkeiten, die das Gesicht Latein-Amerikas veränderten. doch der Führer, den ich persönlich kannte, den ich mehr als einmal traf, mit dem ich eine persönliche Beziehung hatte, das war Präsident Chavez, als er uns in Syrien besuchte und ich ihn in Venezuela. Wir trafen uns zweimal. Wenn man ihn trifft, kann man sagen, daß er [wahrhaft] der Sohn des Volkes ist. Man hat nicht das Gefühl, einen Präsidenten oder Politiker zu treffen, sondern eine Person, die das Leiden seines Volkes erlebte. Alles, was er sagte, und jede Minute seiner Zeit, drehte sich um Details und Belange der Bevölkerung seines Landes. Und wenn er mit einem anderen Staatsoberhaupt oder einem offiziellen Vertreter eines anderen Staates sprach, dachte er immer daran, wie man gemeinsame Interessen schaffen könnte, die sich positiv auf sein Volk auswirkten. er war ein echter und sehr charismatischer Führer. Und er war eine zutiefst aufrichtige Person.
Frage 18: Zuvor haben sie Chavez dämonisiert; und jetzt scheint Nicolas Maduro an der Reihe zu sein.
Präsident Dr. al-Assad: Klar, solange Präsident Maduro dieselbe patriotische Linie verfolgt, die Linie von Venezuelas Unabhängigkeit, und im besten Interesse seiner eigenen Landesbevölkerung handelt, ist es natürlich, daß er das erste Ziel der USA sein sollte. Das erklärt sich von selbst.
Frage 19: Wie stellt sich Bašâr al-Assad das Ende des Krieges vor?
Präsident Dr. al-Assad: Heutzutage ist, die ausländische Intervention in Syrien einmal beiseite gelassen, das Problem nicht kompliziert, da die Mehrheit der Syrer des Kriegs müde ist und eine Lösung will. sie wollen zurück zu Sicherheit und Stabilität. Es findet ein Dialog zwischen uns Syrern statt, es gibt Treffen und Leute leben wieder miteinander d.h. es gibt keine wirkliche Barriere. Das Problem ist jetzt, daß mit jedem Schritt, den wir auf eine Lösung und hin zur Wiedergewinnung von Stabilität unternehmen, die Terroristengangs mehr Geld und Waffen erhalten, um die Situation wieder aufzublähen. Daher sage ich immer, die Lösung sollte durch Stop der auswärtigen Terroristenunterstützung erfolgen. Soweit wir in Syrien betroffen sind, ist Rekonziliierung unter allen Syrern, das Vergeben und Vergessen all des im Krieg Vorgefallenen der Weg zur Wiedererrichtung von Sicherheit in Syrien. Dann kann man damit rechnen, daß Syrien viel stärker sein wird als es zuvor war.
Frage 20: Sind Sie bereit, Rekonziliation mit jenen durchzuführen, die die Waffen gegen syrische Bürger erhoben haben?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich, das findet bereits an vielen verschiedenen Orten statt; manche von denen haben schon Seite an Seite mit der syrischen Armee gefochten, einige sind so gefallen und etliche in ihre Städte zurückgekehrt und leben nun in dem Teil [Syriens] unter staatlicher Kontrolle. Wir haben kein Problem [damit]. Toleranz ist essentiell für die Beendigung eines jeden Krieges. Und wir machen Fortschritte auf diesem Weg.
Frage 21: Herr Präsident, was ist Ihre Botschaft an Latein-Amerika und die Welt?
Präsident Dr. al-Assad: Haltet an Eurer Unabhängigkeit fest! wir in der arabischen Welt feiern die Unabhängigkeit in mehr als einem Land. Doch diese Unabhängigkeit bedeutete für gewöhnlich in einer Anzahl Länder der Region nur den Abzug der Besatzungsmacht. doch wahre Unabhängigkeit besteht dann, wenn Ihr selbst als Nation die Entscheidung für Euch treffen könnt. Für uns war Latein-Amerika ein Modell der Unabhängigkeit in dem Sinn, daß die Besatzer abzogen, sofern es fremde Streitkräfte [im Land[ gab, doch zur selben Zeit die Nation die Entscheidung für sich selbst treffen konnte, Offenheit und Demokratie herrschte. Ihr habt der Welt ein bedeutsames Modell präsentiert. Also haltet daran fest! Denn wenn sich die Länder der Dritten Welt, die Entwicklungsländer entwickeln wollen, sollten sie dem in Latein-Amerika umgesetzten Modell folgen.
Journalist: Herr Präsident, danke dafür, daß Sie teleSUR dieses Interview gegeben haben und danke, daß Sie uns ihre kostbare Zeit gewidmet und uns all diese Informationen gegeben haben.
Präsident Dr. al-Assad: Danke für Ihr kommen und nochmals: ich heiße Sie in Damaskus willkommen.

 

 

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Ausschnitte der Präsidenten-Interviews mit RIA Novosti am 20.4.2017 und Sputnik vom 21.4.2017 sind unter http://de.spuniknews.com/archive/ auf Deutsch nachzulesen. Sie fassen Inhalte jüngster Interviews zusammen.

 

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit AFP vom 13.4.2017
http://sana.sy/en/?p=104255 (inklusive Video in originaler englischer Sprache mit arabischen Untertiteln)

Interview vom 13.4.2017, Photo: SANA

Interview vom 13.4.2017, Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, als Erstes möchte ich Ihnen sehr dafür danken, daß Sie mich für dieses Interview empfangen. Herr Präsident, gaben Sie letzten Donnerstag Order, Ḫân Šaiḫûn mit Chemiewaffen anzugreifen?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich hat bis zu diesem Moment niemand untersucht,  was an jenem Tag in Ḫân Šaiḫûn vorgefallen ist. Wie Sie wissen, befindet sich Ḫân Šaiḫûn unter Kontrolle von Ğabhatu_n-Nuṣra, welche ein Ableger von al-Qâʽida ist; die einzige Information, die die Welt bis zu diesem Moment hat, ist demnach vom  al-QâʽidaAbleger publiziert. Niemand verfügt über andere Informationen.  Wir wissen nicht, ob die ganzen Bilder und Videos, die wir gesehen haben, wahr oder fabriziert sind. Daher forderten wir eine Untersuchung über das Vorgefallene in Ḫân Šaiḫûn an. Das als Erstes. Zum Zweiten sprachen die al-Qâʽida-Quellen davon, daß sich der Angriff um 6.30 Uhr am Morgen ereignete, während der syrische angriff im selben Areal um Mittag 11.30 bis 12.00 Uhr stattfand.  Sie sprechen also von zwei verschiedenen Geschichten bzw. Vorfällen. Also nein, es gab keinen Befehl für irgendeinen [solchen] Angriff; wir haben keine Chemiewaffen, wir haben unser Arsenal vor einigen Jahren aufgegeben [s. Teil I]. Selbst wenn wir sie hätten, würden wir sie nicht einsetzen – wir haben niemals in unserer Geschichte unsere chemisches Arsenal eingesetzt.
Frage 2: Was geschah also an diesem Tag?
Präsident Dr. al-Assad: Wie ich sagte, die einzige Quelle stammt von al-Qâʽida, die wir nicht als ernsthafte ansehen können. Doch unser Eindruck ist, daß der Westen, hauptsächlich die USA, mit den Terroristen Hand in Hand arbeiten. Sie fabrizierten die gesamte Geschichte, um einen Vorwand für den Angriff [auf aš-Šaʽîrât] zu haben. Der Angriff erfolgte nicht wegen des Vorfalls in Ḫân Šaiḫûn. Es ist ein Vorkommnis, Stadium eins des Spiels, das wir in den sozialen Netzwerken und im Fernsehen sahen wie die Propaganda; und Stadium zwei ist der militärische Angriff. Das, denken wir, hat sich abgespielt, da nur wenige Tage – zwei Tage, 48 Stunden – zwischen der Inszenierung und den Angriffen lagen. Und keine Untersuchungen, keine konkreten Beweise über irgend etwas [gab es], das einzige waren Behauptungen und Propaganda und dann der [Militär]schlag.
Frage 3: Wer ist also Ihrer Meinung nach verantwortlich für die vorgebliche Chemieattacke?
Präsident Dr. al-Assad: Die Behauptung an sich stammte von al-Qâʽida,  Ğabhatu_n-Nuṣra; demnach brauchen wir nicht nach dem „wer“  zu fragen;  sie machten es publik, es befindet sich unter ihrer Kontrolle, unter keiner anderen. Bezüglich der Attacke ist, wie ich sagte, nicht klar, ob sie sich ereignet hat oder nicht; wie sollte man ein Video verifizieren können? Wir haben jetzt eine Menge an fake-Videos und Sie haben die Beweis dafür, daß es sich dabei um fake-Videos handelt wie z.B. von den White Helmets; die gehören zu al-Qâʽida, zu Ğabhatu_n-Nuṣra, sie schoren nur ihre Bärte, setzten sich weiße Hüte auf und erschienen sich als humanitäre Helden, was nicht der Fall ist. Dieselben Leute töten syrische Soldaten und Sie haben sowieso den Beweis im Internet. Ebenso steht es demnach um die Chemieattacke; wir wissen nicht, ob jene toten Kinder in Ḫân Šaiḫûn getötet worden sind. Waren sie überhaupt tot? Wer beging den Angriff, falls es überhaupt einer war. Was ist die Substanz? Man hat überhaupt keine Information [in der Hand], überhaupt keine, keiner hat´s untersucht.
Frage 4: Sie halten es also für eine Fabrikation?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, zu 100% ist das für uns eine Fabrikation. Wir haben kein Arsenal, wir nutzen keines. Und man hat viele Indizien, wenn nicht Beweise, da niemand eine konkrete Information oder Nachweise hat, doch man hat Anzeichen. Z.B. rückten die Terroristen vor weniger als zwei Wochen, ca. zehn Tage vor jener Attacke, an vielen Fronten vor, einschließlich [im Gebiet] der Vorstädte von Damaskus und Ḥamâ, welche nicht weit entfernt von Ḫân Šaiḫûn sind  – gesetzt den Fall, wir hätten dieses Arsenal, und lassen Sie uns annehmen, wir wollten es nutzen, warum nutzten wir es nicht, als wir uns zurückzogen und die Terroristen im Vorrücken waren? Tatsächlich fand die Attacke jedoch statt, als die SAA sehr schnell im Vorrücken und die Terroristen am Zusammenbrechen waren Also: warum sie zu jenem Zeitpunkt benutzen, wenn man sie hat und benutzen will, und nicht, wenn man sich in einer schwierigen Situation befindet ? – rein logisch betrachtet. Das als Erstes.
Zweitens, wenn man sie nutzen will, sofern man sie hat und einsetzen möchte – nochmals, das ist hypothetisch – warum sollte man sie gegen Bürger einsetzen und nicht gegen die Terroristen, die man bekämpft.
Drittens haben wir in jenem Sektor keine Armee, es gibt dort keine Gefechte, gar keine, nehmen wir  etwa Ḫân Šaiḫûn als Objekt, es ist nicht einmal strategisch von Bedeutung. Warum es also angreifen? Mit welchem Grund? Militärisch gesehen, da ich vom militärischen Aspekt spreche. Sicher ist der Grund für uns ein moralischer, wir würden es nicht tun, selbst wenn wir [die C-Waffen] hätten, wir hätten nicht den Willen dazu, weil es moralisch nicht akzeptabel ist. Wir hätten [dann] auch keinen öffentlichen Rückhalt. Demnach stehen alle Indizien gegen die ganze Geschichte. Man kann also sagen, daß dieses Stück, das sie inszenierten, sich nicht zusammenfügt.  Die Geschichte überzeugt in keiner Weise.
Frage 5: Mit den US-Luftangriffen scheint Trump seine Haltung Syrien gegenüber drastisch geändert zu haben. Haben Sie das Gefühl, etwas verloren zu haben, was Sie einen potentiellen Partner nannten?
Ich sagte: „falls“. Es war konditional. Falls Sie ernsthaft im Counterterrorismus sind, werden wir Partner sein – und ich sprach nicht nur über die USA; wer auch immer  die Terroristen bekämpfen will, ist unser Partner. Das ist fundamental für uns, ein Basisprinzip sozusagen. Tatsächlich gehen sie – wie ich zuvor ansprach und kürzlich erwiesen – Hand in Hand mit mit jenen Terroristen: die USA und der Westen; sie bekämpfen den Terrorismus nicht ernsthaft; gestern erst verteidigten einige ihrer Staatsmänner den IS.  Sie sagten, der IS besitze keine C-Waffen. Sie verteidigen den IS gegen die syrische Regierung und die SAA. Demnach kann man tatsächlich nicht von Partnerschaft zwischen uns, die gegen die Terroristen vorgehen und den  Terrorismus bekämpfen, und den anderen, die explizit die Terroristen unterstützen, nicht sprechen.
Frage 6: Kann man demnach sagen, daß der US-Schlag Ihre Meinung über Trump geädert hat?
Präsident Dr. al-Assad: Ohnehin war ich im Ausdruck meiner Meinung über ihn, bevor er Präsident wurde und danach, sehr vorsichtig. Ich sagte immer: lassen Sie uns anschauen, was er tun wird; wir kommentierten keine Statements. Tatsächlich ist das der erste Beweis, daß es in den USA nicht um den Präsidenten geht; es geht um das Sytem und den „tiefen Staat“  bzw. das tiefe Regiment der USA ist noch dasselbe, es hat sich nicht geändert. Der Präsident ist nur einer der Akteure im Theater; wenn er ein Führer sein möchte, kann er es nicht – da manche ja sagten, er wolle ein Führer sein, Trump wolle ein Führer sein – doch jeder Präsident dort, nimmt, sofern er ein echter Führer sein will, hinterher alles zurück, schluckt seinen Stolz hinunter, sofern er überhaupt einen hat, und macht eine 180°-Umkehr, ansonsten würde er in politischer Hinsicht den Preis bezahlen.
Frage 7: Doch denken Sie, es wird einen weiteren Angriff geben?
Präsident Dr. al-Assad:  Solange die USA von diesem militärischen Industrie-Komplex, den Finanzgesellschaften, Banken und was man das „tiefe Regime“ nennt, regiert werden, und für die eigensüchtigen Interessen jener Gruppen arbeiten, ganz klar. Es könnte jeder Zeit passieren, überall, nicht nur in Syrien.
Frage 8: Und Ihre Armee bzw. die Russen werden zurückschlagen, falls das passiert?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie tatsächlich über Vergeltung sprechen wollen, [muß man sich klar sein] über Marschflugkörper zu sprechen, welche aus hunderten von Meilen [Entfernung] kommen, was außerhalb unserer Reichweite liegt. Doch er wahre Krieg in Syrien hat nichts mit jenen Marschflugkörpern zu tun. Es geht dabei um Terrorismusunterstützung. Das ist der gefährlichste Teil dieses Krieges, und unsere Antwort wird die sein, die wir vom ersten Tag an geben: es ist die Vernichtung der Terroristen überall in Syrien. Wenn wir die Terroristen los werden, sorgt uns zu jener Zeit nichts anderes mehr. Demnach ist das unsere Antwort. Es ist eine Antwort, keine Reaktion.
Frage 9: Also sagen Sie, Vergeltung durch die SAA bzw. die Russen wäre sehr schwierig, da „die Boote weit ab liegen“ [das jenseits der Möglichkeit liegt]?
Präsident Dr. al-Assad: Für uns als kleines Land  ja, da gilt das freilich; jeder weiß das.  Das liegt außer unserer Reichweite. Schließlich können sie Marschflugkörper von einem andern Land einsetzen. Das wissen wir alle. Sie sind eine Großmacht, wir nicht. Über die Russen zu sprechen, ist wieder etwas Anderes.
Frage 10: Würden Sie das, was die OPCW in ihren Untersuchungen herausfindet, akzeptieren?
Präsident Dr. al-Assad: Seit frühestem Beginn an, als im Jahr 2013 – denke ich – die ersten Angriffe durch die Terroristen mit Chemiekampfstoffen bestückten Raketen  auf die SAA zu jener Zeit erfolgten, baten wir um Untersuchung [des Vorfalls; vgl. Teil I]. Wir waren diejenigen, die jedes Mal nach einer Chemieattacke oder der Behauptung diesbezüglich Untersuchungen verlangten. Wir baten darum.  Und derzeit diskutierten wir mit den Russen gestern und während der letzten paar Tage nach dem Angriff, daß wir mit ihnen bzgl. einer internationalen Untersuchung an die Arbeit gehen. Doch sollte sie unparteiisch sein. Wir können nur Untersuchungen erlauben, wenn sie unparteiisch sind, wenn sichergestellt ist, daß unparteiische Länder an dieser Delegation teilnehmen, um sicherzustellen, daß sie [die Untersuchenden] sie [die Untersuchungsergebnisse] nicht für politisierende Zwecke einsetzen [d.h. mißbrauchen].
Frage 11: Und, falls sie die Regierung beschuldigen, würden Sie zurücktreten?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn sie sie beschuldigen oder ihr etwas nachweisen? Das ist ein großer Unterschied. Nein, sie beschuldigen schon die Regierung, und wenn Sie mit „denen“ den Westen meinen, nein, über den Westen machen wir uns keine Sorgen. Falls Sie die Chemie-Behörde [d.i. die OPCW] meinen, daß die nachweisen könnte, daß es eine Attacke gegeben habe, dann hätten wir herauszufinden, wer die Order zum Angriff gab. Doch zu 100%, von der SAA gesprochen, haben wir keine Mittel, um solch eine Attacke auszuführen und können keine ausführen – selbst wenn wir wollten, könnten wir nicht, und: wir haben nicht den Willen dazu.
Frage 12:  Sie meinen also, Sie haben keine Chemiewaffen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, definitiv nein. Vor einigen Jahren, 2003, haben wir unser ganzes Arsenal aufgegeben und die OPCW gab bekannt, daß Syrien frei von irgendwelchem chemischen [Kriegs-]Material ist.
Frage 13:  Das Pentagon sagt ja, auf der Luftwaffenbasis seien Chemiewaffen [gewesen], Sie verneinen das?
Präsident Dr. al-Assad: Sie griffen jene Luftwaffenbasis an und sie zerstörten die Depots mit unterschiedlichen Materialien und das war kein Saringas. Wie [ist das möglich?] Wenn sie doch behauptet haben, wir hätten von jener Luftwaffenbasis aus die Sarin-Attacke geführt, was ist dann mit dem Syriengas während des Angriffs auf die Depots passiert? Haben wir irgend etwas von Sarin vernommen? Unser Stabschef war wenige Stunden später dort; wie konnte er dorthin, wenn dort Saringas  war? Wie konnte es „nur“ sechs Opfer geben, wenn dort hunderte an Soldaten und Offizieren dort arbeiten; doch es habe dort  Saringas [gegeben] und sie starben nicht daran? [Es verhält sich wie mit] denselben fabrizierten Videos, die wir über Ḫân Šaiḫûn gesehen haben, als die Helfer den Opfern bzw. den vorgeblichen toten oder betroffenen Leuten zu helfen versuchten, doch tatsächlich keine keinerlei [Schutz-]Masken und Handschuhe trugen. Wie [geht das?] Wo war da das Sarin? Sie hätten etwas abkriegen müssen, auf der Stelle. Also ist alles nur Behauptung. Meiner Meinung nach ist dieser Angriff und sind diese Behauptungen ein weiterer Beweis, daß hier etwas fabriziert wurde und es nirgendwo Sarin gab.
Frage 14:  Wenn Sie sagen, daß Sie keinen Befehl gegeben haben,  ist es möglich, daß die Chemieattacke durch ein skrupelloses oder Randelement von der Armee ausgeführt worden sein könnte?
Präsident Dr. al-Assad: Selbst wenn man ein skrupelloses Element hätte, hat die Armee keine chemischen Substanzen. Das zum Ersten. Zweitens, eine skrupellose Armee kann kein Flugzeug nach deren Willen abschicken. Es ist ein Flugzeug, kein kleines Fahrzeug, um es vom einen zum anderen Ort zu bringen, oder ein kleines Maschinengewehr, um es einzusetzen. Man kann jemanden fragen, der seine Pistole für eigenen erwünschten Belange benutzt und das Recht gebrochen hat,  das könnte irgendwo in der Welt passieren, aber nicht mit einem Flugzeug., Das als Zweites.
Drittens, die SAA ist eine reguläre Armee, sie ist keine Milizarmee. Sie ist eine reguläre Armee, sie besitzt eine Hierarchie, sie hat eine sehr klare Befehlskette; demnach gab es so eine Art von „rabiatem Personal, das etwas gegen den Willen der Armeeführung unternehmen will“ die letzten sechs Kriegsjahre in Syrien nicht.
Frage 15:  Warnten die Russen Sie vor der US-Attacke? Und waren sie auf der Luftwaffenbasis präsent?
Präsident Dr. al-Assad:  Nein, sie warnten uns nicht, da sie nicht die Zeit dazu hatten, denn die Amreikaner riefen sie in etwa nur wenige Minuten vor dem Abschuß an.
Frage 16:  Bestätigen Sie, daß 20% Ihrer Luftwaffenbasis in diesem Angriff zerstört worden sind, wie die Amerikaner sagten?
Präsident Dr. al-Assad: Ich kenne die Kriterien nicht, was ist die Referenz für die 20%, was sind für die 100%? Ist es die Zahl der Flugzeuge? Ist es qualitativ? Denn wenn man irgend ein Ziel in Bezug auf die Terroristen angreift, weiß man nicht, was sich darin befindet. Geht es, wie soll man sagen, um die aktiven und die abgestellten Flugzeuge? Ich weiß nicht, was sie damit meinen. Nein, was wir und die Russen über ein paar zerstörte Flugzeuge bekanntgaben, betraf  meistens alte, einige waren sowieso nicht aktiv. Das ist die Realität, und der Beweis dafür ist, daß wir seit dem Angriff nicht aufgehört haben, die Terroristen in ganz Syrien anzugreifen. Demnach fühlten wir uns nicht direkt beeinträchtigt. Unsere Feuerkraft, unsere Angriffsfähigkeit den Terroristen gegenüber wurde durch den Angriff nicht geschmälert.
Frage 17:  Sie wissen, Ihre Regierung sagte zu Beginn, man habe ein Chemiewaffenlager getroffen. Ist das wahr?
Präsident Dr. al-Assad: Das war eine Möglichkeit, denn wenn man irgendein Ziel in Bezug auf die Terroristen angreift, weiß man nicht, was sich darin befindet. Man weiß, daß es das Ziel ist; es könnte ein Lagerhaus sein, ein Warenhaus, ein Depot, es könnte ein Camp sein, ein Hauptquartier, wir wissen es nicht. Man weiß aber, daß die Terroristen diese Örtlichkeit benutzen und so greift man es an wie irgendeine andere Örtlichkeit. Das ist es, was wir seit Beginn des Krieges täglich, manchmal stündlich tun; doch man kann nicht sagen, was drin ist. Also war das eine der Möglichkeiten, daß die Luftschläge ein Depot mit chemischen Substanzen trafen, doch das steht in Widerspruch zum Timing der Ankündigung, wie schon gesagt, denn nicht bloß die Terroristen brachten die Meldung am Morgen, sondern deren Medien, deren Seiten auf Twitter und im Internet machten den Angriff publik wenige Stunden vor dem vermeintlichen von  4.00 am Morgen, 4.00 am Morgen! Sie gaben an, es stehe ein chemischer Angriff bevor, wir sollten bereitstehen.  Wie wußten die davon?
Frage 18:  Sehen Sie nicht Ḫân Šaiḫûn als riesigen Rückschlag für Sie? Zum ersten Mal seit sechs Jahren greifen die USA Ihre Armee an und gestern, nach einem kurzen Honeymoon  sagte gestern Tillerson, daß die Herrschaft der Assad-Familie zum Ende komme; denken sie da nicht, daß  Ḫân Šaiḫûn als riesiger Rückschlag für Sie ist?
Präsident Dr. al-Assad: Es gibt sowieso keine Herrschaft der Assad-Familie in Syrien. Er träumt oder – sagen wir einmal – er halluziniert, daher vertun wir keine Zeit mit diesem Statement. Die Realität ist das nicht, nein.
Tatsächlich waren die USA während der letzten sechs Jahre direkt durch die Unterstützung der Terroristen überall in Syrien involviert, einschließlich des IS, einschließlich Ğabhatu_n-Nuṣra, einschließlich all der anderen ähnlich gesinnten Fraktionen in Syrien; dies ist klar und dies ist in Syrien erwiesen. Wenn Sie indessen über die direkten Angriffe sprechen wollen, nur vor wenigen Monaten gab es tatsächlich einen gefährlicheren Angriff als den kürzlichen, kurz bevor Obama aus dem Amt trat, ich denke, es waren ein paar Wochen vor seinem Ausscheiden, es war in Dair az-Zaur im östlichen Teil Syriens, als sie einen strategisch sehr bedeutsamen Bergrücken angriffen; es war eine syrische Basis, eine reguläre syrische Armeebasis und sie halfen dem IS, diesen Bergrücken [d.i. aṯ-Ṯarda]; und wenn die SAA nicht widerstandsfähig und entschlossen genug gewesen wäre, um den IS zurückzutreiben, wäre die Großstadt Dair az-Zaur nun in den Händen den IS, was eine direkte Verbindung zwischen Dair az-Zaur undMossul im Irak bedeutet hätte, was eins hervorragende strategische Errungenschaft für den IS gewesen wäre.  Demnach [als Antwort auf die Frage:] tatsächlich nein, die [US]-amerikanische  Regierung war direkt involviert. Doch warum griffen sie zu der Zeit direkt an? Da, wie ich sagte, die Terroristen in jenem Gebiet gerade am Kollabieren waren. Damit hatten die USA keine andere Wahl zur Unterstützung ihrer Erfüllungsgehilfen, der Terroristen, als die SAA direkt anzugreifen, da sie denen [den Terroristen] alle Arten an Bewaffnung geschickt hatten und es trotzdem nicht funktionierte.
Frage 19:  Demnach ist das für Sie kein großer Rückschlag?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, es gehört tatsächlich in den sechsjährigen  Kontext; da gab es verschiedenen Formen, doch das Herz der [US-]amerikanischen und der westlichen Politik gegenüber den Vorgängen in Syrien hat sich überhaupt nicht geändert. Vergessen Sie die Statements! Manchmal haben wir hochgestimmte, manchmal niedrig gestimmte Statements, doch es ist dieselbe Politik.
Frage 20:  Sie haben graduell die meisten Rebellen nach Idlib geschafft, planen Sie, die [Stadt]als nächstes anzugreifen?
Präsident Dr. al-Assad: Wir greifen Terroristen überall in Syrien an, in Idlib oder sonstwo. Was das Timing, die Priorität anbelangt, ist das eine militärische Sachfrage und sollte auf militärischer Ebene diskutiert werden.
Frage 21:  Sie sagten zuvor, daß ar-Raqqa eine Priorität für Ihre Regierung darstelle, doch die Kräfte, die auf die Stadt zurücken, sind hauptsächlich US-unterstützte Kurden; befürchten Sie nicht, von der Befreiung ar-Raqqas ausgschlossen zu werden?     
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir unterstützen wen auch immer, der irgend eine Stadt von den Terroristen befreien möchte; doch das heißt nicht, von den Terroristen befreit, aber von den US-Streitkräften besetzt zu sein, z.B., oder von anderen Erfüllungsgehilfen oder anderen Terroristen. Es ist also nicht klar, wer daran geht, ar-Raqqa zu befreien.  Sind es tatsächlich syrische Streitkräfte, die die Stadt (it) der SAA überantworten? Geschieht es in Kooperation mit der SAA? Das ist noch nicht klar. Doch was wir hören, sind nur Behauptungen über die Befreiung von ar-Raqqa. Das hören wir nun fast ein Jahr oder weniger als ein Jahr lang, doch nichts tut sich am Boden. Demnach ist das sozusagen nur eine hypothetische Frage, da sich am Boden nichts Konkretes tut.
Frage 22:  Die USA und Rußland sind die Co-Sponsoren des Genf-Prozesses. Denken Sie, dieser Prozeß kann wegen der spannungen zwischen beiden Ländern fortdauern?
Präsident Dr. al-Assad: Schauen Sie, da gibt es einen großen Unterschied zwischen dem aktiven Prozeß, der jederzeit in die Reaktivierungs- und Effizienzphase eintreten kann. Bis zu diesem Moment ist er nicht effektiv. Warum? Weil die USA nicht ernsthaft an einer politischen Lösung arbeiten. Sie versuchen ihn als Schirm für die Terroristen zu nutzen oder sie wollen in dieses Forum kommen, das ie am Boden des Schlachtfelds nicht erreichen. Deshalb war er [bislang] überhaupt nicht effektiv.  Nun liegt dieselbe Situation vor, wir sehen nicht, daß die gegenwärtige Administration ernsthaft in dieser Hinsicht vorgeht, da sie immer noch die Terroristen unterstützen. Somit können wir feststellen: ja, er kannreaktiviert werden, doch wir können nicht sagen, daß er effektiv oder produktiv sei. Nein.
Frage 23: Herr Präsident, sind Sie nach sechs Jahren nicht müde?
Präsident Dr. al-Assad:
Das, was tatsächlich allein Druck auf einen ausüben kann, ist  nicht die politische Situation, nicht die militärische, es ist tatsächlich die menschliche Situation in Syrien: das täglich Blutlassen, Blutvergießen, das Leiden und die Drangsal, die jedes Haus in Syrien trifft, das ist das einzig Peinvolle, das einen sich müde fühlen lassen könnte, falls „müde“ der  richtige Ausdruck   dafür wäre; doch während die Rede vom Krieg, der Politik, der Beziehung zum Westen ist … nein, da fühle ich mich überhaupt nicht müde, da wir unser Land verteidigen und in dieser Hinsicht werden wir überhaupt nicht müde.
Frage 24: Was läßt Sie nicht schlafen?
Präsident Dr. al-Assad: Nochmals: das Leiden der syrischen Bevölkerung. Die humanitäre Interaktion zwischen mir und einer jeden syrischen Familie – direkt oder indirekt – dies ist das Einzige, das mich von Zeit zu Zeit vom Schlaf abhalten kann, doch nicht die westlichen Statements und die Drohung der Terroristenunterstützung.
Frage 25: Heute wollen Leute von al-Fûʽa und Kafarayâ aus ihren Dörfern nach Damaskus und Aleppo. Fürchten Sie nicht, daß es in der Tat eine Bevölkerungsverschiebung wird , daß Syrien nach dem Krieg nicht dasselbe sein wird wie zuvor?
Präsident Dr. al-Assad: Die Bevölkerungsumsiedlung in jenem Kontext ist zwingend. Wir suchtenn sie uns nicht aus. Wir möchten, daß jeder in seinem Dorf, in seiner Stadt bleiben könnte; doch jene Leute wie viele andere Bürger in verschiedenen Gegenden sind umgeben und belagert von Terroristen; sie wurden tagtäglich getötet, daher mußten sie [ihren Ort] verlassen. Doch sicherlich kehren sie in ihre Städte nach der Befreiung [von den Terroristen] zurück; das passiert in vielen anderen Gegenden, wo die Leute auch in ihre Heime zurückkehren. Es ist also nur vorübergehend. Über Bevölkerungsverschiebungen (demographic changes) zu sprechen, ist nichtim Sinne oder Interesse der syrischen Gesellschaft, wenn es sich um Permanenz dabei handelt. Solange es vorübergehend ist, sollten wir uns nicht darum sorgen.
Journalist: Herr Präsident, ich möchte Ihnen sehr für dieses Interview danken.
Präsident Dr. al-Assad: Danke Ihnen.
Journalist: Es war sehr interessant und danke dafür, daß Sie mit mir gesprochen haben.
Präsident Dr. al-Assad: Danke.

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit der mit der kroatischen Zeitung Vecernji List

vom 6.4.2017 http://sana.sy/en/?p=103658

 

Interview vom 6.4.2017, Photo: SANA

Interview vom 6.4.2017, Photo: SANA

 

Frage 1: Herr Präsident, wir befinden uns nun bereits im sechsten Jahr des Syrienkrieges. Gibt es nach den kürzliche erzielten Siegen der SAA in Aleppo und Tadmur (Palmyra) und den vor sich gehenden Rekonziliierungen einen Hoffnungsschimmer für ein Ende des Syrienkriegs?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, denn ohne Hoffnung hätten weder das Land, noch die Bevölkerung, noch der Staat sechs Jahre eines äußerst grausamen Krieges, unterstützt durch dutzende regionaler und westlicher Länder, darunter die reichsten und mächtigsten Länder der Welt, widerstehen können. Ohne Hoffnung bestünde kein Wille. Doch die Frage ist, wie diese Hoffnung in die Realität umzusetzen ist.  Dies ist insoweit möglich durch zwei praktische Herangehensweisen: zuerst  steht der Counterterrorismus abgesehen von den verschiedenen Namen und Kategorien, die den Terrororganisationen gegeben wurden; zum Zweiten durch das Erreichen von Rekonziliationen mit all denen, die ihre Waffen niederlegen und in ihr normales Leben zurückkehren und sich ihrem Land wieder anschließen wollen. Es hat Fortschritte an beiden Fronten gegeben, bei der Terrorismusbekämpfung und dem Erreichen von Rekonziliationen. Daher sage ich, es besteht nun mehr Hoffnung als in den vergangenen Jahren.
Frage 2: Bei den kürzlich in Astana und nun in Genf geführten Verahandlungen gehörten die meisten Unterhändler der anderen Seite zur Opposition, welche sich auf Wahhâbiten, Salafit(s)ten und Ğihâdisten stützt. Warum verhandeln zunächst einmal sie mit diesen Leuten ? Und gibt es tatsächlich eine moderate Opposition, wie von den Medien beschrieben?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist eine sehr wichtige Frage, denn westliche Amtsträger, vor allem der frühere US-Präsident Obama, sagten, die moderate Opposition sei eine Illusion oder Phantasie. Das ist die deren Aussage, die Aussage derer, die jene Opposition unterstützen  und ihr den falschen Titel „moderat“ gaben. Also existiert diese moderate Opposition nicht. Die Opposition, die existiert, ist eine Ğihâdisten-Opposition, freilich im pervertierten Sinn muğâhid. Sie ist indoktriniert im pervertierten Sinn, der keinerlei Dialog akzeptiert, nur Terrorismus als Lösung.
Daher können wir praktisch gesehen kein aktuelles Resultat mit diesem Teil der Opposition erreichen. Der Beweis ist, daß sie während der Astana-Verhandlungen ihre Attacke auf die Städte Damaskus, Ḥamâ und andere Teile Syriens starteten, in Wiederholung des Terrorismus-Kreislaufs und des Tötens Unschuldiger. Diese Opposition – in Anführungszeichen, da man sie nicht Opposition nennen kann – diese Terroristen können keine Opposition sein und eine Lösung zu erlangen helfen. Von dem abgesehen sind diese Terroristen selbst den Agenden ausländischer Staaten verbunden. Sie gehören nicht zu einer gewissen Strömung oder Bewegung unter der syrischen Bevölkerung, die nach einer politischen Reform oder einer gewissen Lösung sucht, weder vor noch während des Krieges. Ein anderer Teil dieser Gruppen mag politisch wirken in dem Sinne, daß sie keine Waffen tragen, doch sie unterstützen Terrorismus. Ein dritter Teil ist saudischen, türkischen und westlichen Agenda verbunden.
Frage 3: Warum verhandeln Sie mit denen?
Präsident Dr. al-Assad: Wir tun das, weil zu Anfang viele Leute nicht glaubten, daß diese Gruppen ihre Waffen niederlegen würden zugunsten einer politischen Aktion. Daher gingen wir daran, es all jenen nachzuweisen , die Zweifel über diese Gruppen hinsichtlich ihres Engagements in der Politik hegten und meinten, jene seien Terroristen im Herzen und würden es bis zum Ende bleiben.
Frage 4: Die Welt hat dem Terrorismus den Krieg erklärt. Glauben Sie dieser Aussage und worin besteht deren Umsetzung heute, oder könen wir sagen, daß es allein Syrien ist, welches heutzutage den Terrorismus bekämpft?
Präsident Dr. al-Assad: Die Welt, die diese Erklärung abgab, bestand praktisch aus den westlichen Staaten, welche ihrerseits den Terrorismus unterstützen. Die meisten Länder der Welt sind gegen Terrorismus. diese geben keine solche Erklärung ab, doch kooperieren sie praktisch mit uns auf dem einen oder anderen Weg währen des Krieges und davor, weil der Terrorismus nicht erst mit dem Krieg gegen Syrien entstand. Terrorismus existiert schon immer in der Welt und hat sich weiter ausgebreitet infolge verschiedener Krieg im Nahen Osten. Doch die westlichen Staaten, welche den dem Terrorismus den Krieg erklärten, unterstützen weiterhin den Terrorismus bis zum jetzigen Zeitpunkt. Sie bekämpfen ihn nicht. Er wird nur im Namen des heimischen Konsums benutzt. Factum ist, daß sie den  Terrorismus als Karte ausspielen, um verschiedene politische Agenden zu erreichen, sogar dann, wenn der Terrorismus zurückschlägt und seine Opfer in deren eigenen Ländern fordert. Doch dieses Factum ignorieren sie.
In Syrien bekämpft den Terrorismus im Grunde die Syrisch-Arabische-Armee (SAA). Das ist nicht nur eine Behauptung, sondern dies wird durch Fakten am Boden bewiesen. Die SAA konnte diese Erfolge im Counterterrorismus erzielen dank des Willens der syrischen Kämpfer an erster Stelle und dank der Volksunterstützung. Ohne Volksunterstützung ist es unmöglich, solche Siege zu erlangen. Allerdings gab es auch sehr starke Unterstützung durch unsere Alliierten, seien es der Iran, Rußland oder die Ḥizbullâh aus dem Libanon.
Frage 5: Repräsentiert die SAA alle religiösen Strömungen (sects), Ethnien und minoritäten von Syrien?
Präsident Dr. al-Assad:  Natürlich, das erklärt sich von selbst. Eine Armee, die nur einen Teil der syrischen Bevölkerung repräsentierte, könnte keinen Krieg, der syrienweit stattfindet, gewinnen. Das ist selbstverständlich, egal wie das im Westen [erg.: abweichend von der Realität] dargestellt wird. Zu Beginn des Kriegs benutzten die Terroristen selbst bzw. die Syrien-feindlichen Medien im Westen und unserer Region Begriffe derart, als ob es sich dabei um eine Auseinandersetzung zwischen religiösen Strömungen handeln würde.  Diese Darstellung war im Westen sehr verbreitet.  Wäre das wahr gewesen, wäre Syrien von den ersten Monaten an in Teile zerfallen. doch das war nicht der Fall, es widerstand sechs Jahre als ein geeintes Volk. Es ist wahr, daß die Terroristen einige Areale kontrollieren, doch vom syrischen Staat kontrollierten Teile umfassen alle Teilspektren der syrischen Bevölkerung.  Wichtiger noch, sie beherbergen [sogar] einige Familien der Terroristen und die Leute, die aus den von den Terroristen kontrollierten Gebieten in die unter Regierungskontrolle stehenden geflohen sind. Wenn nicht die SAA und die hinter ihr stehende Regierung die gesamte syrische Bevölkerung repräsentieren würde, wäre es nicht möglich gewesen, dieses Abbild eines geeinten syrischen Volkes vor Augen zu haben.       
Frage 6: Herr Präsident, es gibt da eine Frage, die ich Ihnen stellen muß: wenn eine Geheimdient-Kooperation bestanden hätte zwischen der syrischen Regierung und den europäischen Staaten, hätten wir terroristische Operationen, wie sie Frankreich, Belgien etc. heimgesucht haben, vermieden? Ich stelle diese Frage, da nach den terroristischen Operationen in Paris der frühere Chef des französischen Geheimdienstes sagte, Sie hätten denen Namen und Dokumente über die Terroristen dargeboten, doch jene hätten sie zurückgewiesen. Weigerten die sich tatsächlich, sie anzunehmen? Und gab es eine Kooperation, wären wir in der Lage gewesen, diese terroristischen Operationen [erg.: so] zu vermeiden?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, vermutlich sprach er über Kooperation vor dem Krieg, da nach dessen Beginn und aufgrund der französischen Position, die die Terroristenunterstützung vorsah, Syrien die Zusammenarbeit auf der geheimdienstlichen Ebene mit jenen Ländern einstellte; geheimdienstliche Zusammenarbeit und politische Feindseligkeit kann ja nicht gleichzeitig nebeneinander existieren. Da sollte es politische Übereinstimmung auf der einen Seite und eine solche auf anderen Gebieten geben, einschließlich dem geheimdienstlichen.
[Auf die Frage] ob es möglich gewesen wäre, solche Attacken in Europa durch geheimdienstliche Zusammenarbeit zu verhindern, wäre die Antwort unter normalen Umständen „ja“. Doch unter den gegenwärtigen Umständen ist die Antwort „nein“, da Europa bzw. einige europäische Länder Terroristen in beträchtlichem Umfang unterstützen, zehntausende Terroristen nach Syrien schicken oder sie direkt bzw. indirekt unterstützen sei es logistisch, mit Waffen, Geld, politischer Deckung und allem anderen. Ist dieses Stadium der Terrorismusunterstützung erreicht – und wir sprechen über Zehn-, möglicherweise Hunderttausende in Syrien und den Nachbarländern – wird die geheimdienstliche Zusammenarbeit in so einem Fall begrenzt effektiv. Geheimdienstliche Kooperation richtet sich auf dutzende oder hunderte Individuen, kann aber nicht effektiv sein bei Zehn- oder Hunderttausenden an Terroristen
Wenn sich Europa in diesem Stadium selbst schützen will, sollte es zuerst die Terroristenunterstützung in Syrien einstellen. Vorausgesetzt, wir wollten mit denen zusammenarbeiten, können unter diesen [gegebenen] Umständen keine Resultate erzielt werden. Freilich würden wir das nicht tun, solange sie Terroristen unterstützen. sie sollten sofort aufhören, Terroristen in irgendeiner Form zu unterstützen.
Frage 7: Herr Präsident, ich möchte nach Kroatien  zurück gehen. 2009 besuchten Sie die kroatische Hauptstadt Zagreb und trafen kroatische Amtsträger. Zur selben Zeit las ich eine Stellungnahme Ihrer Exzellenz, in welcher Sie sagten, Kroatien sein ein befreundetes Land und die Kroaten ein brüderliches Volk etc. Halten Sie die Kroaten immer noch für Freunde Syriens, insbesondere nach dem Skandalbericht über Schiffslieferungen von Kroatien nach Washington und dann nach Saudi-Arabien und Jordanien, welche letztendlich in die Hände der Terroristen fielen?
Präsident Dr. al-Assad: Sicherlich. Die Kroaten sind befreundete Menschen und unsere Beziehungen Dekaden alt. wir sprechen da über eine Beziehung, die über Generationen geht und andauert. Wir halten nicht die Kroaten verantwortlich für die Fehler, die ihre Regierungen machen.
Noch wichtiger ist, wenn wir die öffentliche Meinung in Kroatien in Bezug auf die Vorgänge in Syrien betrachten, daß sie im Vergleich zu der anderer Länder während des Kriegs im allgemeinen näher am Verständnis dessen dran gewesen ist, was sich in Syrien abspielte, als viele andere europäische Bevölkerungen. Wäre diese Beziehung und Freundschaft keine aufrichtige gewesen, wäre es für die Kroaten schwierig gewesen, die Vorgänge in Syrien zu verstehen.
Daher möchte ich herausstellen, daß das, was vorgefallen ist bzgl. der Lieferung, welche die Terroristen erreicht hat, eine Errungenschaft der vorghergehenden kroatischen Regierung gewesen ist, womöglich aus finanziellen Interessen oder politischen der Art, den durch die großen westlichen Mächte ausgeübten Druck weiterzugeben. Doch, wie auch immer, sie [d.i. die früheren Amtsträger] verkauften die Interessen und Prinzipien der Kroaten im Gegenzug für Petrodollars oder im politischen Eigeninteresse jener Amtsträger.
Frage 8: Ist es möglich, die politischen und diplomatischen Beziehungen und vielleicht die ökonomischen wiederherzustellen, da Kroatien manches Interesse an Syrien hat?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, das ist freilich möglich. doch das hängt von den politischen Orientierungen der existierenden Regierungen [sic!] ab. Hat es politische Fehler gegeben, besonders solche durch die Vorgängerregierungen, ist es sehr einfach für die künftigen Regierungen oder die existierende, diese Politik wieder ins Lot zu bringen. wir bitten diese Regierungen um nichts außer , zuerst an die Interessen ihrer eigenen Bevölkerungen zu denken, und zum Zweiten an das Völkerrecht, welches vor allem auf der Souveränität anderer Länder beruht und der Nichteinmischung in deren innere Angelegenheiten. Wir haben niemals in unserer Geschichte, seit dem Start der Beziehungen zwischen uns und dem heutigen Kroatien, dem früheren Jugoslawien, irgendwelche Feindseligkeiten gegen diese Länder ausgeübt. Wir haben sie immer als Freunde angesehen. wie sieht die Rechtfertigung einer Regierung dafür aus, den Terroristen in Syrien Waffen zu liefern, die dazu dienen, unschuldige Syrer zu töten? Ich glaube nicht, daß es dafür eine Rechtfertigung gibt. und wir hoffen, daß die gegenwärtige Regierung dem [der Waffenlieferung] nicht zustimmt.
Frage 9: Es gibt eine große Anzahl von Ğihâdisten, die aus dem Balkan kommen. Haben Sie Informationen über deren Anzahl?          
Präsident Dr. al-Assad: Darüber gibt es keine genaue Information aufgrund der Existenz unseres türkischen Nachbarn, geführt vom kriminellen Erdogan, der all die negativen Umstände kreiert, die für die Unterstützung und Stärkung der Präsenz jener Terroristen in Syrien nötig sind. Das erlaubt uns keine Grenzkontrollen und in der Folge keine genauen Statistiken über die Anzahl der Terroristen, die kommen und gehen. Doch es geht nicht um die Nationalität dieser Terroristen, da Sie wissen, daß Terroristen die ganze Welt als einzige Arena ansehen. sie kümmern sich nicht um die nationale Ausdehnung oder politische Grenzen. Demnach rührt die Gefahr für Ihr Land bzw. für Europa generell nicht nur von Seiten europäischer Terroristen. Es ist wahr, daß ein Europäer gefährlicher sein kann, da er die Region im Detail kennt; doch kommt er in Begleitung anderer Terroristen aus anderen Ländern – Terroristen, die dieselbe Doktrin teilen, dieselben Bestrebungen, dieselben Ideen, um terroristische Aktionen in jenen Ländern auszuführen.  Wenn wir also über die Anzahl der Terroristen in Syrien sprechen, sprechen wir  sicher über Hunderttausende, zumindest über mehr als hunderttausend. Freilich kommen und gehen sie und manche werden im Gefecht getötet, doch so sieht unsere Schätzung bzgl. der Zahlen aus.
Frage 10: Herr Präsident, der Durchschnittsmensch in Europa oder der Welt frägt nach den Gründen dieser Attacke auf Syrien und die Versuche, Ihre Exzellenz zu Fall zu bringen. Und jeder spricht über die Reform, welche Sie eingeführt haben. Was ist der Grund hinter den Rufen nach Ihrem Sturz?
Präsident Dr. al-Assad: Der Grund ist alt simpel und klar: Jene westlichen Länder unter Führung der USA in hauptsächlicher Partnerschaft mit Großbritannien und Frankreich und unglücklicherweise einigen europäischen Ländern, die keine koloniale Vergangenheit haben, dulden keine unabhängigen Staaten oder ebenbürtige Beziehungen. Sie wollen Satellitenstaaten, welche deren politische Vorgaben umsetzen.
Selbstverständlich sind wir nicht gegen die gemeinsamen Interessen anderer Staaten und mit anderen Staaten, mit welchem Staat auch immer. Große Staaten haben Interessen in der ganzen Welt, und wir als Staat haben Interessen in der Region. Wir sind keine Supermacht, doch wenn wir basierend auf unseren Interessen mit solchen Staaten agieren, dann sollten die Interessen gemeinsame sein. Doch sie wollen, daß wir für deren Interessen entgegen der unseren agieren. Daher befinden wir uns beständig in einem Status des Kämpfens mit diesen Staaten um unsere Interessen. Zum Beispiel wollen wir den Friedensprozeß, während sie Unterwerfung statt Frieden wollen. Sie wollen für uns Frieden ohne Rechte, was nicht annehmbar. Sie wollen, daß wir unsere Souveränität aufgeben, uns unserer Anrechte begeben, die uns das Völkerrecht, die Sicherheitsratsresolutionen  und zahllose UN-Voten bzgl. der Rückerstattung unserer Gebiete zugestehen.  Das sind bloß Beispiele. Es gibt viele ähnliche Sachverhalte, derentwegen sie Syrien als zu unabhängigen Staat erachten. Daher dachten sie daran, den Krieg gegen Syrien zu entfachen und die gegenwärtige Regierung durch eine Klientelregierung zu ersetzen, mit der es einfacher und besser wäre, die eigensüchtigen Interessen durchzusetzen.
Frage 11: Hätten Sie den Frieden, oder wie es nannten, die Unterwerfung, akzeptiert, wäre dann in Syrien geschehen, was sich heute abspielt?
Präsident Dr. al-Assad:
Um über etwas Realistisches zu sprechen, möchte ich Ihnen ein Beispiel geben:  Wir wurden gefragt, an der Seite des Westens, der USA insbesondere, 2003 gegen den Irak inden Krieg zu ziehen. Uns war klar, daß der Irak-Krieg eine Abfolge von Ereignissen mit dem Ziel der Zerteilung der Region war. Und wir wußten sehr gut, daß die zuvor abgehaltenen Konferenzen von der Zukunft des Nachkriegsiraks insgesamt von einem konfessionell (geteilten) und keinem einheitlichen Irak handelten. Daher wußten wir, daß das, was sich im Irak ereignete, auch über Syrien und die ganze Region käme. Hätten wir an solche einem Vorhaben teilgenommen, wäre die Lage für Syrien noch viel schlimmer geworden als nach unserer Weigerung, uns daran zu beteiligen. Daher habe ich schon früher gesagt, daß der Preis für die Zurückweisung und en Widerstand viel weniger ist als der Preis für Unterwerfung und Übergabe. Das sagte ich wiederholt in der Vergangenheit und die Ereignisse in Syrien bewiesen diese Einschätzung. Was Syrien bis heute zu widerstehen half, war die Einigkeit. Wären wir der Vorgabe eines konfessionell (geteilten) Staates gefolgt nach irakischem oder libanesischem Modell , wie die Amerikaner es von uns wollten, wären wir ein in einem wahren Bürgerkrieg zerissenes Land. Der Bürgerkreig wäre nicht nur dem beschreibenden Begriff, sondern den Vorgängen nach Realität geworden.
Frage 12: Warum zahlen die Golfstaaten Geld und leisten den Terroristen Unterstützung, um die Regierung in Syrien zu stürzen?
Präsident Dr. al-Assad: Die meisten Golfstaaten sind Satellitenstaaten, die nicht wagen, „nein“ zu sagen.  Manche von denen sagen: „Wir unterstützen Dich, doch das können wir nicht so öffentlich sagen. Wir wünschen Dir den Sieg in Deinem Krieg und hoffen, Du mögest Syrien einig bewahren können und die Terroristen besiegen“, doch in der Öffentlichkeit sagen sie etwas ganz anderes, weil sie dem Willen des Westens gegenüber fügsam sind.  Die meisten Golfstaaten, wenn nicht alle von ihnen, sind zu einem gewissen Grad Kreationen der Briten und zu einem späteren Stadium den Amerikanern überantwortet worden. Daher können wir nicht dar über urteilen, warum sie das eine Mal dies und im Gegensatz dazu  das andere Mal jenes sagen.
Frage 13: Sie sprechen über die Einrichtung des Föderalismus in Syrien. Ist der möglich? Und stimmen Sie der Einrichtung des Föderalismus in Syrien zu?
Präsident Dr. al-Assad: Föderalismus ist eine Sache der Nation und ob er eingerichtet werden solle oder nicht, hängt von der Verfassung ab.  Die Verfassung wiederum bedarf eines Volksvotums. Daher können wir als Regierung nicht sagen, wir sind für oder gegen Föderalismus. Die Regierung und die ausführende Gewalt drücken [bloß] den Willen der Bevölkerung aus. Jedoch kann ich Ihnen die generelle Ansicht in Syrien wiedergeben: die Mehrheit der Syrer lehnen den Föderalismus ab, da er eine Vorform der Teilung ist. Es gibt keine Rechtfertigung für den Föderalismus, da die Syrer [nun einmal] in demselben Gefüge ohne Probleme seit Dekaden und Jahrhunderten miteinander leben sogar vor der Existenz eines syrischen Staates, sogar während und bevor dem osmanischen Staatsgefüge. Es gibt keine historischen Kriege zwischen den einzelnen Komponenten der syrischen Bevölkerung, welche die Behauptung bestätigten, daß diese religiösen Strömungen oder Ethnien nicht miteinander leben könnten. Demnach ist der Sachverhalt „Föderalismus“ ein gemachter entsprechend  dem Zweck, eine Situation wie [heute] im Irak [erst] zu schaffen. In dem Fall benutzen sie diesen oder jenen Teil des Staates, welcher ihnen stark vorkommt, um aus ihm einen schwachen Staat, eine schwache Regierung, ein schwaches Volk und ein schwaches Heimatland zu machen.
Frage 14: Die Türkei sandte Truppen nach Syrien und behält militärische Präsenz in Syrien. Warum ihrer Meinung nach?
Präsident Dr. al-Assad: Weil Erdogan all seine Hoffnungen auf den Sieg der Terroristen bis zur Schlacht um Aleppo gesetzt hat. Für ihn war es eine entscheidende Schlacht hinsichtlich der politischen, ökonomischen, geographischen und logistischen Bedeutung Aleppos. Das Unvermögen der Terroristen, ihre Position in der Stadt Aleppo beizubehalten als Ergebnis der Ablehnung der Bevölkerung als Teil der Bewohnerschaft der Stadt und der Provinz wie auch als Resultat der Erfolge der SAA brachten Erdogan dazu, sich direkt einzumischen, zumindest um sich einen Platz an der politischen Tafel zu sichern zu einer Zeit, als über die Zukunft Syriens geredet wurde. Er wollte gar Ğabhatu_n-Nuṣra und al-QâʽidaTerroristen ein Facelift verpassen, nachdem weltweit bekannt  geworden war, daß er in enger Verbindung zu jenen in jeglichem Wortsinn stand. Er wollte ihnen andere Namen verpassen, ihnen die Bärte scheren und sie als moderate erscheinen lassen, um wieder die Bedingungen herzustellen, wie sie zu Beginn der Krise waren und – wie ich schon sagte – um die Rolle der Türkei bei der Findung einer Lösung mittels der Terroristen in Syrien in ihrer neuen Form sicherzustellen.   
Frage 15:  Derselbe Sachverhalt ist bezüglich der US-Truppen gegeben, welche sich im Land befinden und nun den Kurden helfen. Halten Sie die für Okkupationstruppen?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich. Jede Intervention –  sogar die Existenz eines einzelnen Soldaten – ohne Erlaubnis der syrischen Regierung, ist eine Invasion im Wortsinn. Und jede Intervention, aus der Luft oder in anderer Weise, ist ebenso eine unrechtmäßige  Intervention und Aggression gegen Syrien.
Frage 16:  Warum ist Amerika hier? Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, Herr Präsident?
Präsident Dr. al-Assad: Generell gesprochen basiert die US-Politik auf der Entfachung von Chaos in verschiedenen Teilen der Welt wie der Entzündung von Konflikten zwischen Staaten. Das ist nicht neu. Es ging so weiter über Dekaden doch in unterschiedlichen Formen; durch diese Konflikte, die Widersprüche und ihre Erfüllungsgehilfen (proxies), die schon dagewesen sind, doch durch die neuen Umstände  prominent wurden. Dann beteiligt es sich am Schachern, um seine Interessen in der Region zu sichern. Das ist altüberkommene amerikanische Politik.  
Frage 17: Wie sehen Sie die Wahl von Trump zum Präsidenten der USA? Und können Sie mit ihm kooperieren, insbesondere nach den kürzlichen Statements über den Teil der neuen US-Administration, die erklärte, es liege am syrischen Volk, das Schicksal des Präsidenten zu bestimmen. Denken Sie, es gibt einen Wandel in der US-Politik?  
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst haben wir den unterschiedlichen Aussagen, ob der der Präsident bleiben oder gehen solle, und seit dem ersten Statement während der Obama-Administration, welche durch die Papageien in Europa wiederholt wurde, niemals Aufmerksamkeit geschenkt und sie nie kommentiert, da es uns nicht anging. Dies ist eine syrische Angelegenheit, die den Syrern zusteht. Demnach ist alles, was zu jenem Sachverhalt gesagt worden ist, einfach für den Mülleimer. Also ist jegliche ähnliche von irgendeinem Staat vorgenommene Stellungnahme, dafür oder dagegen, nicht akzeptabel, da es sich um keinen amerikanischen oder europäischen Sachverhalt handelt, noch irgendein anderes Individuums außerhalb Syriens betrifft.
Bzgl. unserer Beurteilung der neuen US-Administration und trotz der Tatsache, daß sie sich erst am Anfang befindet, [ist zu sagen], daß wir seit der Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Syrien und den USA 1974, als der frühere US-Präsident Richard Nixon uns besuchte, etwas Wichtiges gelernt. Wir lernten, nicht auf eine gute Administration zu setzen. Wir sagen [daher] immer, welche schlecht bzw. schlechter ist, nicht gut bzw. besser oder welche schlecht bzw. gut sei. Was wir derzeit in den USA sehen sind endlose Konflikte: Konflikte im Innern der Administration und Konflikte außerhalb der Administration  mit der Administration. Daher sehen wir nur eins an dieser Administration  ungeachtet der Stellungnahmen, welche besser als jene der anderen Administrationen zu sein schienen. Seit sie nach Syrien Truppen ohne Abstimmung mit und ohne Zustimmung der legitimen syrischen Regierung schickten, heißt das, daß diese wie die anderen Administrationen keine Wirderherstellung der Stabilität in Syrien wollen.
Frage 18:  Herr Präsident, Syrien war kürzlich andauernder israelischer Aggression ausgesetzt. Was ist das Ziel dahinter? Und sind Sie besorgt über die Möglichkeit eines syrisch-israelischen Kriegs?
Präsident Dr. al-Assad: Besorgnis über einen Krieg ist unrealistisch, da wir tatsächlich in diesem Krieg leben. Doch um es einen syrisch-israelischen Krieg zu nennen, können Sie annehmen, daß dieses Terroristen [in Syrien] für Israel kämpfen. Sogar wenn sie keine reguläre israelische Armee darstellen, kämpfen sie für Israel. Und Israel teilt seine Ziele mit [denen] der Türkei, der USA, Frankreichs, Saudi-Arabiens, Qaṭars und anderer Staaten. Sie alle teilen dieselbe Zielsetzung. Es ist ein Krieg neuer Form mit neuen Instrumenten. Damit ist in praxi unser Sieg über die Terroristen als Sieg über all die zusammen zu sehen. Daher tut Israel sein Bestes, um diese Terroristen an jedem Ort, an den die SAA vordringt, zu unterstützen. Sie führen Angriffe in der einen oder anderer Art, um den Terroristen Hilfe sicherzustellen und um den Moment hinauszuzögern, wo sie der SAA gegenüberstehen.
Frage 19:  Kürzlich begannen viele europäische Parlamentarier, nach Syrien zu strömen, manche öffentlich und manche im Geheimen. Bedeutet das, daß sich etwas tut oder deutet dies einen Umschwung der europäischen Politik gegenüber Syrien an? Haben sie verstanden, daß Sie im Recht sind?
Präsident Dr. al-Assad: Die europäische Politik hat sich tatsächlich nicht geändert, da die europäischen Amtsträger mit ihren Lügen zu weit gegangen sind; selbst wenn sie jetzt eine Totalumkehr vollziehen wollten, würde ihnen die europäische öffentliche Meinung sagen: Ihr hab uns belogen. Alles, was Ihr uns sagtet, war unwahr. Daher sind sie [d.i. die europäischen Amtsträger] bei ihren Lügen geblieben wenn auch mit ein paar Modifikationen von Zeit zu Zeit. Sie haben dasselbe Produkt  mit einer anderen Verpackung neuaufgelegt, um ihre Klientel, d.h. die europäische öffentliche Meinung zu täuschen. Die westliche öffentliche Meinung hat sich geändert, zunächst einmal, weil sich solche Lügen keine sechs Jahre entgegen den Fakten halten können. Zum Zweiten ist es dank der sozialen Medien für die mit der politischen Maschinerie im Westen verbundenen  Körperschaftsmedien (corporate media, gemeint: die Mainstream-Medien) schwierig geworden, den In- und Output an Informationen und Daten weltweit zu kontrollieren.
Drittens passierte dies infolge der gewaltigen Migrationswellen, die auf Europa [zuschwappten], und der Terrorakte, welche eine Anzahl europäischer Staaten, insbesondere Frankreich getroffen haben. Diese verschiedenen Vorkommnisse brachten die westlichen Bürger dazu, Fragen darüber zu stellen, was wirklich vorging. Was sich heutzutage tatsächlich in Europa geändert hat, ist, daß die öffentliche Meinung sehr gut weiß, daß die Körperschaftsmedien und die Politiker sie belügen. Doch die öffentliche Meinung kennt nicht die ganze Wahrheit, sie kennt nur einen Teil davon und verssucht, die Wahrheit über die Vorgänge in Syrien, [früher] in Libyen und dem Jemen heute herauszubekommen; sie stellt Fragen über die Beziehung der Amtsträger ihrer Länder und den Petrodollars der Golfstaaten und andere.
Frage 20:  Kürzlich sagten Sie, 2017 werde das Ende des Krieges in Syrien sehen. Glauben Sie noch, daß  der Krieg in Syrien dieses Jahr endet?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das habe ich so nicht gesagt. Ich sagte mehrmals, daß wir ohne westliche Intervention diesen Krieg und alle seine Auswirkungen in ein paar Monaten, d.h. in weniger als einem Jahr  beenden könnten. Das war 2016 [vgl.u.!] und wurde dahingehend interpretiert, als würde der Krieg zu Ende kommen und daß das nächste Jahr das Ende des Kriegs sähe.
Sicher bewegen sich die Dinge in eine bessere Richtung, wie ich sagte, nicht im Interesse der Terroristen, sondern im Interesse der syrischen Bevölkerung; doch Krieg ist etwas Unvorhersagbares, besonders da die Länder, welche die Terroristen unterstützt haben, ihr absolut Bestes tun, um sie zu beschützen, erstens, weil ein Sieg über die Terroristen einen politischen Sieg über sie [selbst] in ihren Ländern bedeutet, und zweitens, weil die Aufreibung Syriens eine ihrer Hauptpflichten ist, die sie durch die Terroristen und den Krieg zu erfüllen haben.  Selbst wenn also Syrien aus diesem Krieg herauskäme, würden sie auf dem niedrigsten Preis bestehen, der da ist: die Auszehrung und Erschöpfung Syriens, so daß Syrien nur noch die Energie hätte, sich nahrungsmäßig am Leben zu erhalten und sich wieder aufzubauen und alles andere darum wie seine Rechtsansprüche und die Pflichten in Bezug auf verschiedene Länder unserer Region zu vergessen. In anderen Worten: Sie wollen, daß es Syrien unmöglich sein soll, eine aktive, wertvolle oder gewichtige Rolle in der Region zu spielen.
Journalist: Vertrauen Sie auf den Sieg der syrisch-russisch-iranischen Allianz?
Präsident Dr. al-Assad: Wie ich schon vor einer Weile sagte, haben wir eine große Hoffnung, die wächst; und diese Hoffnung baut auf Vertrauen, denn ohne Vertrauen kann es keine Hoffnung geben. Wie auch immer, wir haben keine andere Option als den Sieg. Wenn wir diesen Krieg nicht gewinnen, bedeutet das, daß Syrien von der Landkarte verschwindet.  wir haben keine Wahl als uns diesem Krieg zu stellen; und deshalb sind wir vertrauensvoll, beharrlich und entschlossen.
Journalist: Vielen Dank, Herr Präsident.
Präsident Dr. al-Assad: Dank Ihnen.

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Kurzinterview von Präsident Dr. al-Assad mit russischen Medienvertretern vom  20.3.2017
http://sana.sy/en/?p=102574

 

Photo: SANA

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Frage 1: Herr Präsident, sind Sie vertraut mit dem russischen Vorschlag, eine Kommission zur Erarbeitung einer neuen Verfassung zu bilden? Was halten sie davon?
Präsident Dr. al-Assad: Gestern, denke ich, hat unser Repräsentant bei den UN, Herr Dr. Bašâr al-Ğaʽfarî bekanntgegeben, wir unterstützten die russischen Initiativen – unter schiedliche Initiativen, nicht nur diese eine – als Themenkomplexe und nun besprechen wir mit den Russen die Details. Das Problem ist: wir gingen kürzlich nach Astana, wie Sie wissen – die andere Delegation, die der Militanten, nahm nicht am Treffen teil, sie kam nicht nach Astana und wir alle glauben, dies gehe auf den negativen Einfluß der Türken zurück. Wie können wir demnach etwas Konkretes starten,  ohne einen Partner dabei zu haben? Wir sagten, wir seien bereit, alles zu diskutieren, einschließlich der Verfassung, doch müssen wir wissen, wer in Genf sein wird. Werden sie dasselbe Papier diskutieren oder nicht? Doch für uns als Regierung ist unsere Position völlig klar: wir sind bereit, es in all seinen Details zu diskutieren und wir unterstützen natürlich die als Schlagwort gefaßte Thematik.
Frage 2: Herr Präsident, es gibt Meldungen, daß die US-geführte Koalition plane, eine Operation in ar-Raqqa zu Beginn des Aprils zu starten. Haben Sie dazu eine Bestätigung und, falls ar-Raqqa befreit wäre, stünde es dann unter Kontrolle von Damaskus oder gibt es da irgendeine andere Abmachung darüber? Ist denn die US-Truppenpräsenz in Syrien legal?
Präsident Dr. al-Assad: Jegliche Militäroperation in Syrien ohne Einverständnis der syrischen Regierung ist rechtswidrig. Und ich sagte bereits, wenn es irgendwelche Truppen [unter dieser Voraussetzung] auf syrischem Boden gibt, handelt es sich um eine Invasion, egal ob es um die Befreiung von ar-Raqqa oder eines anderen Ortes geht. Das als Erstes. Zum Zweiten wissen wir alle, daß die Koalition niemals ernsthaft den IS oder die Terroristen bekämpft hat, demnach müssen wir über die tatsächliche Absicht hinter dem ganzen Plan nachdenken., falls es einen Plan zur Befreiung von ar-Raqqa gibt. Zur Befreiung von wem? Vom IS? Um es wem zu geben? Deren Plan ist also nicht, Terroristen zu bekämpfen, nicht der, der syrischen Regierung zu helfen, es geschieht nicht für die Einheit Syriens und nicht für dessen Souveränität; es muß also etwas anderes als die gerade von mir genannten Faktoren handeln, doch alles, was wir bis zu diesem Moment haben, sind nur Angaben, wir haben keinerlei Fakten hinsichtlich dieses Vorgangs.
Frage 3: Herr Präsident, soweit wir wissen, tut die syrische Armee ihr Bestes bei der Bekämpfung des Terrorismus; Sie bekämpfen die Terroristen ausgezeichnet, doch der Krieg ist nicht vorbei; daher wollte ich wissen, ob Damaskus daran gehen wird, die russischen Luftstreitkräfte zu bitten, ihre Präsenz in Syrien zu verstärken. Und wollen Sie Rußland darum bitten, eine Operation mit Bodentruppen in Syrien zu starten?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie an und für sich von der Beziehung zwischen der syrischen und der russischen Regierung sprechen, so reicht sie in der Geschichte Jahrzehnte zurück. Sie kennen also die Details über Syrien und wissen mehr darüber, was vorgeht. Wenn wir also über Terrorismusbekämpfung reden wollen, diskutieren wir en Detail, was zur Unterstützung der syrischen Armee erforderlich ist. Für dies Phase war die russische Unterstützung per Luftschlägen ausreichend für die syrische Armee, um an verschiedenen Fronten vorzudringen, hauptsächlich in Aleppo und Tadmur wie Sie wissen. Ich bin sicher, daß die syrischen und russischen Amtsträger und militärischen Offiziere spüren, daß wir mehr Hilfe brauchen, um die Terroristen zu vernichten; sie sind schon damit beschäftigt. Doch bis zu diesem Moment, ist das Ausmaß der Unterstützung gut und effektiv.
Frage 4: Können Sie die Teilnahme der russischen Truppen, der russischen Armee, bei der Befreiung und dem Minenentfernen in Tadmur (Palmyra) gewichten? Und könnte sie uns eventuell etwas über das Ausmaß der Zerstörung in Palmyra im letzten Monat mitteilen? Möglicherweise hat Ihre Regierung einen Plan zum Wideraufbau und der Restaurierung der antiken Stadt?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich geht es da nicht nur um syrisches Erbe, es ist ein internationales Erbe und ich meine, die ganze Welt sollte beunruhigt wegen der Zerstörung in Palmyra sein. Sicher kann einiges Zerstörtes repariert werden. Das eruieren wir gerade, da Sie wissen, daß es für jedermann schwierig sein könnte, dieses Erbe wiederherzustellen, wenn die Steine einmal zertrümmert sind. Sofern man aber den Stein im Ganzen und unversehrt zur Verfügung hat, geht das. Als wir Palmyra das erste Mal befreiten, sagte er mir Präsident Putin selbst, als wir miteinander Sprachen und er mir zur Befreiung Palmyras im letzten Jahr dankte, daß Rußland sehr  interessiert an der Wiederherstellung von Palmyra sei. Freilich wissen sie, daß der IS nach Palmyra zurückkam und es erneut befreit wurde; und nun haben wir noch mehr an Zerstörung; demnach müssen wir erneut eruieren, was wir in Palmyra tun können; doch denke ich, das geht nicht nur Syrien und Rußland an; es geht die UNESCO und die anderen Institutionen sowie die andere Länder an, die immer behauptet haben, über das Menschenerbe und die menschliche Kultur etc. besorgt zu sein.
Journalist:  Und der Anteil der russischen Armee an der Befreiung, können sie dazu etwas ausführen?
Präsident Dr. al-Assad: Für gewöhnlich sprechen wir nicht über militärische Angelegenheiten, doch handelte es sich um eine wichtige Unterstützung am Boden; aber ich muß Ihnen nicht die Details jener Unterstützung ausführen.
Frage 5: Herr Präsident, werden Sie nach der Drohung von Herrrn Avigdor Lieberman damit fortfahren, die syrischen Grenzen zu schützen und zu verteidigen, d.h. natürlich, sie mit Luftabwehrsystemen zu beschützen und wie kann internationale Diplomatie, möglicherweise russische Diplomatie helfen, den Konflikt zwischen Israel und Syrien zu verhindern?
Präsident Dr. al-Assad: Unsere Grenzen zu verteidigen ist unser Recht und es ist unsere Pflicht, nicht nur unser Recht. Wenn wir das als Amtspersonen nicht tun, obwohl wir dazu in der Lage sind, müßten wir uns vor der syrischen Bevölkerung verantworten, wir müßten deswegen dann zur Rechenschaft gezogen werden. Demnach müssen wir uns nicht diese Frage stellen, ob es nun ein Statement von israelischen Amtspersonen gibt oder nicht. Wir bauen unsere Politik und Entscheidungen nicht auf deren Statements.  Demnach also nochmals: sicherlich, es  ist unser Recht und unsere Pflicht. 
Wie wir heute morgen gehört haben, hat das russische Außenministerium den israelischen Botschafter aufgefordert,  also sie haben ihn ins Ministerium geladen, um die israelische Verletzung der syrischen Souveränität zu diskutieren. Demnach denke ich, daß Rußland eine wichtige Rolle in dieser Beziehung spielen kann; denn die ganze Politik Rußlands ist aufgebaut auf dem Völkerrecht, auf der UN-Charter und den UNSC-Resolutionen. Von daher können sie denselben Sachverhalt abhängig von diesen Kriterien mit den Israelis erörtern und sie können eine Rolle spielen dahingehend, daß Israel künftig Syrien nicht mehr angreift.
Frage 6: Nun zu mir. Herr Präsident, die anrüchigen Gruppen wie die White Helmets und das Syrian Observatory for Human Rights [s. SOHR] haben nun kürzlich Meldungen von den Luftschlägen der US-geführten Koalition gebracht, die 50 Zivilisten in einer Moschee nahe Aleppo töteten. Jetzt sagte das Pentagon, sie seine in der Gegend präsent, doch sie hätten nichts zu tun mit der Zerstörung der Moschee. Zuvor hielt Washington jene beiden Gruppen für verläßliche Quellen, wenn sie bedenklich gegenüber Damaskus  vorgingen, doch jetzt schweigen sie darüber. Sehen wir da eine Situation des mit-zweierlei-Maß-Messens (double standards)?
Präsident Dr. al-Assad: Die US-Politik basiert auf vielen Standards, nicht auf doppelten; womöglich haben sie zehn Standards, da sie ihre Politik nicht auf Werte und Völkerrecht gründen; sie gründen sie auf deren eigene Sichtweisen, deren eigene Interessen, manchmal auf das Gleichgewicht verschiedener Lobbys und Mächte innerhalb der US-Institutionen. Wir alle wissen das. Demnach sprechen wir nicht über Doppelmoral (double standards); das ist absolut normal für die USA. Z.B. gelten gemäß deren politischem Vortrag deren Luftschläge gegen den IS in Mossul im Irak als etwas Gutes oder sozusagen als etwas Positives, während dieselben Einsätze der syrischen und russischen Kampfflugzeuge oder Truppen am Boden in Aleppo zur Befreiung der Leute in Aleppo als gegen die Menschenrechte gerichtet gelten sollen. Das ist also selbstverständlich für die US-Politik und die westliche generell, nicht nur für die US-amerikanische. Die White Helmets sind al-Qâʽida, sie sind al-QâʽidaMitglieder und das ist im Netz erwiesen worden; dieselben Mitglieder töten und exekutieren [Menschen] oder setzen sich über toten Körpern in Szene – zur gleichen Zeit sieht man sie als humanitäre Heroen und nun haben sie gar einen Oscar gekriegt, wie Sie wissen. Das muß man also von den US-Amerikanern erwarten und darf nicht auf all deren Geschichten (narratives) hereinfallen, deren eigenes Publikum glaubt keine  von deren Geschichten mehr. Bislang kennen sie die Wahrheit nicht; [das gilt für] die öffentliche Meinung im Westen ganz allgemein; sie wissen, daß es Lügen sind, doch sie wissen nicht, wie die Wahrheit aussieht. Das ist auch der Grund, warum sie ein Problem mit z.B. RT [d.i. Russia Today] haben, aus eben dem Grund.

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Präsident al-Assad im Interview mit europäischen Medien am 13.3.2017:
(http://sana.sy/en/?p=102045, http://sana.sy/?p=521497)

 

Photo: SANA

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Frage 1: Herr Präsident, gestern gab es in Damaskus eine neue Attacke. Die Situation in Syrien ist noch gefährlich. Was denken Sie daher über die Worte von Netanjahu über die Rolle des Irans hier in Syrien, und – sofern Sie dazu eine Meinung haben – wie denken Sie über Donald Trump?
Präsident Dr. al-Assad: Sie sprechen zwei verschiedene Aspekte des Problems an, welches wegen der ausländischen Einmischung sehr kompliziert ist. Wenn sie über Terroristenangriffe in Syrien, wie denjenigen von gestern in Damaskus sprechen … das passiert hier täglich, wenn in manchen Fällen nicht gar stündlich Solange wie sich Terroristen irgendwo in Syrien aufhalten, ist jeder syrische Bürger in Gefahr – das ist gewiß. Die Frage ist hier: wer unterstützt die Terroristen? Das ist auch die frage, die ich an die europäischen Amtsträger weiterreichen möchte, die seit Beginn der Krise in Syrien einen falschen Weg eingeschlagen haben, was zur Zerstörung von Syrien führte und zur Vorherrschaft des Terrorismus in der Region; das wiederum führte zu den vielen terroristischen Attacken in europäischen Ländern und zur Flüchtlingskrise. Wenn Sie also jetzt über die europäische, die westliche Rolle sprechen wollen, dann besteht sie bis zu diesem Moment, da unter US-Leitung stehend, in der Unterstützung der Terroristen. Sie reden nur über den politischen Prozeß, doch gibt es bis zu diesem Moment kein wirkliches Engagement für irgendeine politische Aktion. Wenn sie jedoch über die Rolle des Irans reden, ist sie völlig anders. Die unterstützen Syrien im Counterterrorismus, sie unterstützen Syrien politisch in der regionalen und internationalen politischen Arena. Israel unterstützt von der anderen Seite her direkt die Terroristen, sei es direkt in logistischer Hinsicht oder durch Kampfeinsätze gegen unsere Armee in den benachbarten Gebieten.
Frage 2:  Meine Frage ist: würden Sie von Ihrem Standpunkt aus die Beziehung zwischen Rußland und Syrien beschreiben, da sie in den Medien, in der Weltpresse in einer großen Bandbreite beschrieben wird von einer fruchtbaren Kooperation bis gar hin zur Kolonisation. Was tun sie also hier?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns über die Realität, über die Fakten sprechen: seit die Russen ihre Angriffe auf den IS in Kooperation mit der syrischen Armee begannen – nachdem wir sie freilich gebeten hatten zu kommen und uns im Kampf gegen die Terroristen zu unterstützten – schrumpfte der IS zusammen. Zuvor gab es die sog. US- bzw. westliche Allianz gegen den IS, welche nur eine kosmetische Allianz war, währen der IS sich ausbreitete. Da begannen sie über die russische Rolle in jener negativen Weise zu sprechen, erst nachdem sich deren Erfolge am Boden einstellten. Doch Rußland hatte vor allem und in Wirklichkeit Erfolg bei der Terroristenbekämpfung zusammen mit der syrischen Armee. Sie [beide] gewannen Aleppo und kürzlich Tadmur (Palmyra) zurück und viele weitere Gebiete als konkretem Beweis. also braucht man nicht über Meinungen zu sprechen, das sind die Fakten.
Hinsichtlich der politischen Beziehung zur Regierung seit Beginn an – nicht erst seit der Intervention, der Unterstützung, der Truppenaussendung nach Syrien … ich spreche vom Beginn des Kriegs vor sechs Jahren – seit jener Zeit also ist jeder politische und später jeder militärische Schritt hinsichtlich des syrischen Sachverhalts in Konsultation der syrischen Regierung erfolgt. so sieht deren Politik und deren Verhalten aus. deren Politik und Beziehung zu Syrien basieren auf zwei Dingen, zunächst auf [dem Respekt gegenüber der] Souveränität Syriens, welche Teil der UN-Charter ist, wie die jeden anderen Landes. Das zweite ist Ethik (morals), Ethik als Basis. Daher gibt es [in dieser Hinsicht] keine Kolonisation; dafür besteht eine mehr als sechs Dekaden andauernde Beziehung zwischen Syrien und Rußland [auf dieser Basis],  die immer so gewesen ist auch unter anderen Umständen.
Frage 3:  Herr Präsident, dieser Krieg dauert sehr lang, vierhunderttausend Opfer, Millionen an Flüchtlingen und die UN machen Sie dafür verantwortlich und sie sagen – viele Leute von der anderen Seite – fordern Sie auf, Ihre Machtposition aufzugeben, um den Frieden zu ermöglichen. Welche Antwort geben Sie auf diese Frage?
Präsident Dr. al-Assad: Vor allem sollten die Syrer ihren Präsidenten wählen und für jeglichen Konflikt und jedes Problem einen jeden zur Verantwortung ziehen, nicht die UN, es ist nicht deren Rolle. Wir alle wissen, daß es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion keine politische Balance mehr in den UN gibt, da einige Länder im Sicherheitsrat, die permanenten Mitglieder wie Frankreich, Großbritannien und die USA versuchen, die UN für deren eigene politische Agenda zu benutzen und  Regierungen zu stürzen, wann auch immer diese ihnen nicht parieren oder sich deren Agenden fügen.
Beim Thema, ob der Präsident gehen oder bleiben soll, höre ich ganz persönlich nur auf die syrische Bevölkerung.  Ich kümmere mich nicht darum, was die UN sagen oder irgendein anderer Amtsträger außerhalb Syriens dazu sagen würde. Beim Reden über diese Flüchtlinge und das Töten wie am Anfang Ihrer Fragen, sollten wir meines Erachtens im Hinterkopf haben, daß ein Teil des Tötens auf das Konto der Europäer geht, nicht direkt, aber via Unterstützung der Terroristen von Beginn an – und immer noch bis zu diesem Moment nennen sie die „moderat“, obwohl sie wissen, daß das eine Illusion ist. Es gibt keine moderaten Militanten in Syrien, alle darunter sind Extremisten. Ob sie nun moderat heißen oder nicht, wann immer einer ein Maschinengewehr und Waffen[ in der Hand] hält und damit Leute tötet und deren Eigentum zerstört, ist er ein Terrorist – in Ihrem Land, in meinem Land, in jedem; niemand kann sagen, es gibt eine moderaten Mörder oder einen moderaten Terroristen, solche ein Terminus existiert nicht.
Zum Zweiten ist bzgl. der von Ihnen erwähnten Flüchtlingen und besonders derjenigen, die nach Europa kamen, woher Sie stammen, [ist zu bedenken], daß nicht alle wegen der Terrorattacken oder der Zerstörung ihr Land  verließen – viele von ihnen verließen ihr Land  wegen des Embargos des Westens und Europas, was sich komplementär zur Zerstörung und den Mordattacken der Terroristen verhält, die jene Leute dazu drängten ihre Land in Richtung anderer Orte wie Europa zu verlassen.
Frage 4:  Meine Frage ist: Haben Sie (jemals) irgendwelches Bedauern gefühlt darüber, wie Sie und die Regierung mit der Krise seit Beginn umgegangen sind? Fühlen Sie sich wegen etwas schuldig und würden Sie etwas in der jüngeren Vergangenheit ändern, wenn sie könnten?
Präsident Dr. al-Assad: Vor allem muß man unterscheiden zwischen der Meinung des Präsidenten  oder des Beamten und seiner Pflicht. Die Pflicht leitet sich von der Verfassung ab. Die Pflicht der syrischen Regierung und eines jeden syrischen Beamten ist die Landesverteidigung. Wenn wir es nicht verteidigen, dann ist das ein Punkt, in dem man sich schuldig fühlen kann, deswegen sollte man auch Bedauern empfinden, doch wie könnte man die Verteidigung des Landes bedauern? Das zum Ersten. Zweitens  war unsere Meinung – die nichts mit der Verfassung zu tun hat –mit jedem Syrer einschließlich der Militanten Dialog zu führen, der sehr offen ist; schließlich würde kein Land, keine Regierung auftragen, ich solle Dialog mit Terroristen führen; doch in unserem Fall, sagten wir: nein, wir gehen sogar so weit, mit Terroristen Dialog zu führen, um syrisches Blutvergießen zu verringern. Wie könnten wir also bedauern, Dialog zu führen und offen zu sein? Nein, das können wir nicht. Wenn Sie also über Bedauern bei der Umsetzung von etwas sprechen wollen … jede Politik besteht aus Mißgriffen in der Ausführung, das ist aber etwas anderes, das bedauern Sie nicht, Sie korrigieren es. Bei Fehlern korrigieren Sie diese, Sie brauchen sie nicht zu bedauern, da dies Teil der menschlichen Natur ist, Fehler zu machen.
Frage 5:  Könnten Sie nur einen Fehler benennen? Sie sagten ja, wir müssen Fehler korrigieren bzw. Sie korrigieren Fehler.
Präsident Dr. al-Assad: Meinethalben muß ich mich selber korrigieren. Ich aber sprach über Politik, deren Umsetzung, Sie sprechen über eine Menge Details. Da kommt mir gerade nichts in den Sinn, doch es kann sich manchmal um individuelle Fehler handeln; man kann aber nicht individuelle Fehler mit einbeziehen, von denen man gehört hat, ohne sie vorher untersucht zu haben. Das ist aber die Arbeit der [zuständigen] Institution, nicht die des Präsidenten.
Frage 6: Die ganze Welt fragt sich, welche Art von Land Syrien nach der Krise sein wird. Vielleicht würden Sie Ihre Ideen mit uns teilen wie z.B. Ihre Reformagenda nach der Krise [aussieht], ob dieses Land dann föderaler wird, oder ob es etwa eine Reformagenda zu sozialen Fragen geben wird wie etwa Menschenrechtsschutz, über mehr Rechenschaftspflicht der Armee oder der Sicherheitsleute, die Art von Dingen eben, nach denen Sie alle Menschen der Welt fragen.
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst einmal ist der Krieg an sich eine sehr harte Lektion für jede Gesellschaft. Demnach würde ich sagen, nach dem Krieg ist jedes Land wegen der gelernten Lektionen viel besser, und wenn der Krieg von außen gekommen ist und sie syrische Stellvertreter (proxies) neben Ausländern benutzen, dann ist es nicht genug, die anderen, den Westen oder die Petrodollarstaaten wegen der Terroristenunterstützung zu beschuldigen – wir alle wissen darum – doch es ist nicht genug; am Ende muß man auf sich selbst schauen und sagen: „was läuft schief in meinem Land?“ Dabei rede ich nicht von mir als Präsident, sondern von mir als syrischem Bürger. Es ist also natürlich, so zu reagieren.
Wenn sie nun danach fragen wollen, wie Syrien nach dem Krieg sein wird, dann ist das nicht meine Agenda; meine Agenda ist offen und ermöglicht den Dialog unter den Syrern, weil es sich dabei um eine nationale Diskussion handelt, darüber, welches politische System man wünscht: das kann präsidial, halb-präsidial, parlamentarisch u.s.w. sein. Wenn Sie dann über das politische System reden, können sie gleich über die Institutionen reden, da jene Institutionen wie die Armee, die Ministerien, die Regierung und alles andere eine Reflektion der Verfassung sein sollte. Man kann darüber nicht reden und die Verfassung und das hauptsächliche politische System außer Betracht lassen. Das braucht den Dialog innerhalb des weitesten Spektrums der syrischen Gesellschaft, da es am Ende ein Referendum über diesen Punkt geben wird. die Regierung kann keine Entscheidung fällen und sagen: „das ist gut, jenes schlecht für das Land oder die Zukunft“. Daher möchte ich lieber nicht meine Vision von Syrien mitteilen. Mir geht es eher um die syrische Vision der Zukunft unseres Landes. Es braucht also Dialog; doch momentan ist es noch zu früh, darüber zu sprechen; wir diskutieren das jetzt zwar, doch die Priorität der syrischen Bevölkerung ist derzeit die Terrorismusbekämpfung. Wie?  Es ist ein Luxus derzeit über Politik zu sprechen, wenn man möglicherweise durch Terrorattacken in ein paar Minuten getötet werden könnte. Es ist also Priorität, die Extremisten loszuwerden, eine andere ist, die politische Rekonziliation in verschiedenen Bereichen durchzuführen. Bei Erfolg in diesen beiden Sparten, kann man jegliche Diskussion über jeglichen Sachverhalt führen.
Frage 7: Herr Präsident, haben Sie am Ende des Tages das Gefühl, die Politik in diesem Gebiet im Nahen Osten lautet: töten oder getötet werden?
Präsident Dr. al-Assad: Es gibt diese Kultur, dabei geht es nicht um Politik, es geht um die Kultur, darum, wie manche Leute denken. Unglücklicherweise war diese Kultur nicht Teil der originalen, sie ist etwas Neues, das wir erst seit der letzten Dekaden sehen. Warum? Wegen des Einflusses der wahhâbitischen Ideologie, die nicht anderes akzeptiert. Sie beeinflußt nicht nur die religiösen Leute; diese Atmosphäre der Ablehnung des anderen kann jeden in derselben Gesellschaft infizieren solange sie da ist. Wir haben sie als lokalen focus, lokale foci, in verschiedenen Gebieten der Gesellschaft; das war ein bedeutender Faktor kürzlich bei der Schaffung des Problems in Syrien. Was sie sagen, ist demnach korrekt, doch ist es nicht die  hauptsächliche Kultur in der Gesellschaft. Wenn wir uns nicht ernsthaft damit befassen, wird sie obsiegen, und in der ganzen Gesellschaft wird ein Teil den anderen nicht akzeptieren, das ist dann das, was man Bürgerkrieg nennen kann. Bis jetzt dagegen haben wir keinen Bürgerkrieg. Derzeit besteht der Kampf gegen diese Mentalität, hauptsächlich gegen jene Extremisten der islamistisch-wahhâbitischen Gruppen, die der Rest der Gesellschaft bekämpft. Doch am Ende des Kriegs mag die politische Karte anders aussehen. Von daher ist es keine Kultur, nein, es ist zeitlich begrenzt, es ist lokal umrissen, und wir müssen ernsthaft damit umgehen; sie ist über uns gekommen, sie ist über die europäische Gesellschaft gekommen und Sie sehen in Ihrem Land jetzt das Resultat  [davon], da sie dieselben  foci lokale foci, insbesondere in Frankreich haben, als sie diese Leute isolierten und den wahhâbitischen Klerikern erlaubten [ins Land] zu kommen und deren Denken zu infizieren; dafür zahlen Sie nun den Preis. Das ist der Grund, warum viele der brutalsten Führer von al-Qâʽida in Syrien, sei es bzgl. IS oder Ğabhatu_n-Nuṣra aus Europa, nicht aus arabischen Ländern kommen.  Wir haben so viele Kämpfer aus der arabischen Welt, doch deren Anführer kommen hauptsächlich aus Europa.
Frage 8: Das ist aber ein Problem der Erziehung.
Präsident Dr. al-Assad: Genau, spricht man über Kultur, geht es um Erziehung, Medien, Politik, weil die Politik die Kultur beeinflußt. Alle diese Faktoren beeinflussen gleichermaßen … ich meine, Kultur ist alles um einen herum, die Art des Denkens und des sich Benehmens. Da stimme ich mit Ihnen überein.
Journalist: Vielen Dank.
Präsident Dr. al-Assad: Dank Ihnen.

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit dem Hongkong-chinesischen TV-Sender Phoenix vom 11.3.2017

http://sana.sy/en/?p=101799, http://sana.sy/?p=520408

Photo: SANA

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Frage 1: Vielen Dank dafür, Herr Präsident, daß wir hier bei Ihnen in Damaskus, der Hauptstadt Syriens, sein können. Ich denke, dies ist das erste Interview mit einem chinesischen Medium seit [Ausrufung] der landesweiten Waffenruhe und nach so vielen neuen Gesprächsrunden, sowohl in Astana als auch in Genf, und natürlich nach der Inauguration von US-Präsident Donald Trump, und wie wir dieser Tage gesehen haben, nach stetigem Vorrücken Ihrer Truppen auf den Schlachtfeldern, doch die Friedensgespräche scheinen nicht ganz so produktiv zu sein. Sofern also die Genfer Gespräche betroffen sind, hat Ihr Chefunterhändler, Herr Ğaʽfarî, mühevoll versucht herauszufinden, wer [überhaupt] auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzen würde. Wer sollte, Ihrer Vorstellung nach, dort sitzen?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist eine sehr wesentliche Frage. Wenn man will, daß diese Verhandlungen  erfolgreich sind, müsse wir danach fragen  „wer wird dort zu sitzen kommen?“ Dort könnten, wie ich meine, viele Leute mit guten Absichten sitzen, doch die Frage ist: wen repräsentieren sie? Das ist die Frage.  In dieser Situation  gibt es verschiedene Gruppen, man hat Leute, die – sozusagen – patriotisch eingestellt sind, doch sie repräsentieren niemanden außer sich selbst. Dann gibt es andere, die die Terroristen repräsentieren und es gibt Terroristen am (Verhandlungs)tisch, und wieder andere, die die Agenada ausländischer Staaten wie von Saudi-Arabien, der Türkei, von Frankreich, Großbritannien und möglicherweise der USA repräsentieren. Demnach ist es kein homogenes Zusammentreffen. Wenn man will, daß es erfolgreich verläuft, um zum ersten von mir erwähnten Punkt zurückzukehren, dann sollten es Verhandlungen zwischen wirklichen Syrern untereinander sein. Trotz all dem gingen wir zu jenem Treffen, weil wir der Ansicht sind, daß jegliche Art von Dialog ein guter Schritt hin zur Lösung sein könnte, da sogar jene Leute, die Terroristen sind oder zu den Terroristen oder zu anderen Ländern gehören, ihre Meinung ändern und zurück zu ihrer [alten] Normalität kehren könnten, indem sie wieder echte Syrer werden [und] sich loslösen von ihrer Existenz als Terroristen oder Agenten anderer Gruppen. Das ist der Grund, warum ich sage, wir erwarteten nicht, daß Genf etwas brächte, doch es ist ein Schritt und es sieht nach einem langen Weg aus; es wird weitere [Gesprächs]runden geben, ob in Genf oder in Astana.
Frage 2:  Doch wie auch immer, es sind innersyrische Gespräche, richtig? Aber es ist ein Factum, daß es ein Stellvertreter-Dialog (proxy dialogue) ist. Ich meine, Hauptparteien nehmen nicht teil und es gibt keinen direkten Dialog.
Präsident Dr. al-Assad: Exakt.
Journalist: Sind Sie persönlich zufrieden  mit dem gegenwärtigen Verhandlungsformat bzw. –Mechanismus?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben diesen Mechanismus nicht entworfen, er wurde von de Mistura und den UN entworfen unter Einfluß von Staaten, welche jene Verhandlungen benutzen wollen, um Druck auf Syrien auszuüben, nicht um irgendeine Lösung zu erreichen.
Wie Sie eben sagten, jeder davon repräsentiert eine unterschiedliche Agenda, sogar die oppositionellen Delegationen, es war ja nicht eine Delegation, [sondern] verschiedene Delegationen der Opposition. Wenn man also – als Regierung – zu Verhandlungen mit jemandem geht,  wer wird das dann sein? Welcher [Typus von den genannten]? Wer repräsentiert wen? Das ist unsere Frage. Demnach haben Sie recht, dieses Mal gab es keine Verhandlungen in Genf, doch das ist einer der Gründe, das ist der Grund, warum nichts erreicht wurde. Das einzige, was wir in Genf diskutierten war die Agenda, die Themen, die wir später diskutieren werden, das war´s.
Frage 3:  Doch wie gesehen sind eine Menge an Zeit, Geld und Energie in diese Anstrengung aufgewendet worden und die Kämpfe dauern an, Menschen sterben weiterhin und die Flüchtlingszahlen steigen.
Präsident Dr. al-Assad: Exakt.
Journalist: Was wäre ein möglicher Weg, um zu Verhandlungen zu kommen?
Präsident Dr. al-Assad: Erneut liegen Sie richtig. Je mehr Verzögerung es gibt, desto mehr Leid und Zerstörung, Töten und Blut[vergießen] wird es in Syrien geben. Das ist der Grund, warum wir so erpicht darauf sind, eine Lösung zu erreichen, doch wie und auf welchem Weg? Man muß parallel zwei Wege einschlagen: der erste ist die Bekämpfung der Terroristen – und das ist unsere Pflicht als Regierung, die Syrer zu verteidigen und alle Mittel zu nutzen, die Terroristen zu vernichten, die in Syrien Tod und Zerstörung verbreiten. Der zweite ist die Durchführung des Dialogs. Dieser Dialog hat viele verschiedene Aspekte, [einmal] den politischen, welcher mit der Zukunft Syriens zu tun hat, welches politische System man braucht, welche Art davon. Es spielt keine Rolle, welches das ist, das hängt von den Syrern ab und die werden in einem Referendum darüber [bestimmen], was sie anstreben. Der zweite ist, zu versuchen, viele der Menschen, welche sich den Terroristen angeschlossen oder  irgendwelche terroristischen Akte verübt haben, zurück zu ihrem normalen Leben zu bringen, dazu, daß sie ihre Waffen niederlegen und dank der von der Regierung erlassenen Amnestie zurück in ihr normales Leben finden; gerade diese Richtung verfolgen wir schon seit drei Jahren mit sehr gutem Erfolg. Wenn man also tatsächlich über die wahre politische Lösung seit Beginn der Krise, des Kriegs in Syrien bis zu diesem Moment sprechen will, dann besteht sie einzig in jenen Rekonziliationen zwischen der Regierung und den verschiedenen Militanten in Syrien; viele von denen haben sich nun schon der Regierung angeschlossen und kämpfen zusammen mit der Regoerung.  Manche legten ihre [Waffen] nieder.
Frage 4:  Um aber über den Syrien-Krieg zu sprechen … da kann man nie die Auslandsfaktoren ausschließen. Das saudisch-gestützte high negotiating committee HNC sagt, daß es auf die Trump-Administration zähle als Spieler einer positiven Rolle anstatt verfehlter Politikentscheidungen unter seinem Vorgänger Barack Obama. Was erwarten Sie Ihrerseits aber von Trumps Nahost-Politik, insbesondere bzgl. Syriens?
Präsident Dr. al-Assad: Der erste von Ihnen erwähnte Teil bzgl. deren Hoffnungen hinsichtlich eines fremden Landes – egal welchen ausländischen Staates – bedeutet doch, kein Patriot zu sein; das hat sich auch erwiesen; sie sollten auf die Unterstützung der syrischen Bevölkerung zählen und nicht auf eine fremde Regierung oder Administration.
Bezüglich der Trump-Administration jedoch bestand die Haupt-Rhetorik der Trump-Administration und des Präsidenten selbst während und nach der Wahlkampagne in der Priorität der IS-Bekämpfung. Seit Beginn sagte ich, daß sei ein vielversprechender Ansatz hinsichtlich dem, was in Syrien und dem Irak vorgeht, da wir ja in derselben Region leben und demselben Feind gegenüberstehen.
Bezüglich dieser Rhetorik haben wir noch nichts Konkretes gesehen von gewissen Arten lokaler Angriffe mal abgesehen. doch auf lokaler Basis kann man mit dem Terrorismus nicht fertigwerden; es bedarf umfassender [Maßnahmen], keiner partiellen oder temporären. Auch sie [die Terrorismusbekämpfung] nicht [bloß] aus der Luft kommen, sie sollte in Kooperation mit den Truppen am Boden erfolgen; daher  hatten auch die Russen Erfolg, da sie die syrische Armee beim zurückdrängenden Schrumpfungsprozeß des IS unterstützten und nicht bei dessen Ausbreitung wie es zuvor [d.h. durch die US-geführte Koalition] zu geschehen pflegte. Demnach und unter Einbeziehung des Gesagten hegen wir die Hoffnung, das Reden über den IS meine eigentlich den ganzen Terrorismus. Der IS ist nur eines der Produkte, Ğabhatu_n-Nuṣra ein anderes, es gibt da so viele Gruppen in Syrien, die alle nicht-IS sind, jedoch [wie dieser, vgl.u.] zu al-Qâʽida gehören, sie haben alle denselben Hintergrund, die extremistische wahhâbitische Ideologie.
Frage 5:  Demnach teilen Sie, Herr Präsident, und Mr. Donald Trump tatsächlich dieselbe Priorität, welche im Counterterrorismus besteht; und Sie beide hassen Fake-News. Sehen sie irgendwelchen Raum zur Kooperation?
Präsident Dr. al-Assad: Nun, in der Theorie, ja, doch in der Praxis noch nicht, da keine Verbindung zwischen Syrien und den USA auf formeller Ebene besteht. Sogar deren zuvor von mir erwähnten Luftschläge gegen den IS, die nur ein paar wenige darstellen, geschehen ohne Kooperation oder Konsultation der syrischen Armee oder der syrischen Regierung, was widerrechtlich ist, wie wir immer festgestellt haben.  Demnach teilen wir theoretisch jene Ziele, doch ausdrücklich noch nicht.
Frage 6: Haben Sie persönlichen Kontakt zum US-Präsidenten?
Präsident Dr. al-Assad: Überhaupt nicht.
Journalist: Direkt oder indirekt?
Präsident Dr. al-Assad:  Indirekt gibt es so viele Kanäle, doch man kann nicht auf private Kanäle setzen. Es muß formal geschehen, [nur] dann kann man von einer wirklichen Beziehung mit einer anderen Regierung sprechen.
Frage 7:  Während unserer Unterhaltung treffen sich Topgeneräle aus der Türkei, Rußland und den USA irgendwo in der Türkei, um die Spannungen in Nord-Syrien zu besprechen, wo sich gegenseitig mißtrauende Streitkräfte Alliierte dieser Länder sind. Haben Sie also einen Plan für die finale Attacke gegen den IS, wenn die Hauptakteure tatsächlich eine effektive Koordination benötigen, um Syrien von all den Terrorgruppen zu säubern?
Präsident Dr. al-Assad: Nun, wenn Sie jenes Treffen speziell in Verbindung mit dem IS bringen wollen, wird es nicht sachgerecht sein, da mindestens eine Partei, die türkische, bis zu diesem Moment den IS unterstützt, denn Erdogan, der türkische Präsident, verkörpert (is) die Muslimbruderschaft. er ist ideologisch verknüpft und sympathisiert mit dem IS und der Ğabhatu_n-Nuṣradarüber weiß jeder in dieser Region Bescheid. Er half denen auch durch Bewaffnung, in logistischer Weise und durch Ölexporte. Bezüglich der anderen Partei, welche zumindest unter der Obama-Administration die USA darstellten,  die verkehrte mit dem IS durch Beaufsichtigung von dessen Schmuggel syrischen Öls in die Türkei; damit war [der IS] in der Lage,  sich Geld zur Rekrutierung von Terrroristen aus aller Welt zu beschaffen; die USA versuchten dabei, nicht mehr als in kosmetischer Hinsicht gegen den IS vorzugehen. Die einzig ernsthafte Partei in jener Hinsicht ist Rußland, das effektiv in Kooperation mit uns den IS bekämpft. Demnach ist die Frage, wie die kooperieren können; ich denke, die Russen hegen die Hoffnung, daß die zwei [anderen] Parteien sich Rußland und Syrien in deren Kampf gegen den Terrorismus anschließen. Bezüglich der US-Partei haben wir nun wegen der neuen Administration mehr Hoffnung, während in der Türkei diesbezüglich nichts geändert hat. Der IS besitzt im Norden nur eine Nachschubroute und zwar via Türkei und die IS-Leute sind nach wie vor am Leben und aktiv und widerstehen den unterschiedlichen Angriffswellen wegen diese türkischen Rückhalts.
Frage 8: Nun befinden sich US-Truppen in Manbiğ. Gibt es dafür grünes Licht Ihrerseits? Haben Sie den US-Truppen die Türe geöffnet?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, haben wir nicht. Jegliche ausländischen Truppen, welche ohne Einladung, Konsultation oder Erlaubnis nach Syrien kommen, sind  Invasoren, gleich ob es sich um US-Amerikaner, Türken oder andere handelt. wir denken auch nicht, daß das hilfreich ist. Was tun sie denn? Den IS bekämpfen? Die US-Amerikaner verloren nahezu jeden Krieg: sie verloren im Irak, sie mußten sich schließlich daraus zurückziehen – sogar aus Somalia. Neben Sie nur Vietnam in der Vergangenheit und Afghanistan, Ihr Nachbarland. Sie waren nirgendwo erfolgreich, wohin sie ihre Truppen schickten, sie schafften nur Chaos. sie sind sehr gut im Schaffen von Problemen und im Zerstören, doch sehr schlecht im Finden von Lösungen.
Frage 9: Um über Rußland und China zu sprechen, sie haben vergangene Woche ihr Veto gegen die [geplante] neue UN-Sanktion gegen Syrien eingelegt. Was bedeutet das chinesische Veto für Ihr Land?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns bezüglich deren Position ganz deutlich sein: sie bedeutet keine Unterstützung der syrischen Regierung oder des syrischen Präsidenten, obwohl der Westen dies als personelles Problem hinstellt, so als ob Rußland und China und andere Länder wie auch der Iran die Person des Präsidenten unterstützten. doch das ist nicht der Fall. China ist Mitglied des Sicherheitsrates und der UN-Charter verpflichtet.  Mit diesem Veto verteidigte China vor allem die [Gültigkeit der] Charter, denn die UN wurden geschaffen, um Stabilität auf der Welt wiederherzustellen. Tatsächlich benutzen die westlichen Staaten, vor allem die ständigen Mitglieder des Rates [die UN] als Werkzeug oder Mittel, um Änderungen in Regimen und Regierungen herbeizuführen und ihnen deren Agenda aufzudrücken, nicht um die Stabilität wiederherzustellen, sondern um in der Tat mehr Instabilität in der Welt zu schaffen.
Die andere Seite ist, daß China gewissermaßen durch Schaffen eines politischen Gleichgewichts innerhalb der UN Stabilität wiederherstellt, selbstverständlich in Kooperation mit Rußland, welches für die ganze Welt sehr bedeutend ist. Freilich gab Syrien die Schlagzeile, die Hauptschlagzeile [dafür] ab, es [das Veto] ist gut für Syrien, doch noch einmal, es ist gut für den Rest der Welt.
Zum Dritten, dieselben Staaten, welche die UN-Charter für deren eigene eigensüchtige Interessen benutzen wollten, sind genau diejenigen, welche sich in den späten 1990ern in Ihrem Land einmischten oder es versuchten; dazu nutzten sie unterschiedliche Schlagworte wie die Menschenrechte u.s.w., Sie wissen das, und wenn sie die Möglichkeit dazu hätten, würden sie jede Regierung der Welt austauschen, egal ob es sich um große oder kleine handelt, gerade wenn diese Regierung ein bißchen unabhängig zu sein versucht. Demnach schützte China chinesische Interessen, syrische Interessen und die der Welt, besonders die der kleinen und schwachen Länder.
Frage 10: Wenn ich nicht fehlgehe, sagten Sie, China werde eine Rolle bei m Wiederaufbau Syriens spielen. An welche Sparten denken Sie, in denen China beitragen könnte, daß die syrische Bevölkerung nach so vielen Jahren der Drangsal zurück zum normalen Leben findet?
Präsident Dr. al-Assad: Gerade bei dem Thema, was die Terroristen in den letzten sechs Jahren angerichtet haben, ist es[mit] die Zerstörung jeglicher Infrastruktur. Dennoch ist die syrische Regierung weiterhin effektiv, auf jeden Fall, was die Bereitstellung von minimalen Bedarfsgütern für die syrische Bevölkerung angeht. Doch jene haben alles in jedem Sektor ohne Ausnahme zerstört. Zudem hat das westliche Embargo gegen Syrien dazu beigetragen, Syrien sogar die Basisgüter für den Lebensunterhalt eines jeden Syrers im Land vorzuenthalten. In welchem Sektor also [könnte China helfen]? in jedem Sektor. Ich meine, China könnte ohne Ausnahme in jedem Sektor [hilfreich] sein, da Zerstörung in jedem Sektor herrscht. Doch reden wir über das Jetzt, bevor dieser umfassende Wiederaufbau startet. China ist derzeit in viele Aufbauprojekte direkt involviert, in Syrien hauptsächlich in industrielle Projekte; wir haben auch viele chinesische Experten im Arbeitsprozeß verschiedener Projekte in Syrien, um diese anzustoßen. Doch bei mehr Stabilität ist selbstverständlich der Aufbau der zerstörten Vorstädte am dringendsten. Das ist der wichtigste Teil des Wideraufbaus. der zweit[wichtigst]e ist die Infrastruktur bzgl. des Sanitärsystems, der Elektrizität, der Ölfelder, hinsichtlich allem ohne Ausnahme. als Drittes kommen die industriellen Projekte, welche in Syrien dem privaten oder öffentlichen Sektor angehören können.
Frage 11: Aha. Es scheint auch kein Geheimnis zu sein, daß sich hier einige chinesische Extremisten aufhalten, die auf der Seite des IS kämpfen. Das ist meiner Meinung nach eine Gefahr für Syrien wie für China. Welche konkrete oder effektive Maßnahme haben Sie zur Grenzkontrolle und zur Verhinderung, daß diese Extremisten sich frei in der Region bewegen?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn man über Extremisten oder Terroristen spricht, ist es nicht von Bedeutung, welcher Nationalität sie angehören, da sie keine Grenzen anerkennen; sie gehören zu keinem Land. Der einzige Unterschied zwischen der einen und der anderen Nationalität ist nur der, daß z.B. diejenigen, die aus Ihrem Land kommen, ihr Land besser kennen als die anderen, und so dort mehr Schaden anrichten können; dasselbe gilt für die syrischen Terroristen [in Syrien], die russischen [in Rußland] u.s.w.  Daher ist das Mittel derzeit: jeder Terrorist sollte bekämpft und vernichtet werden, außer er ändert seine Einstellung hin zu einem normalen Leben.
Zum Zweiten, da sie von verschiedenen Nationalitäten – mehr als 80 – sprechen … man sollte mit den anderen Regierungen kooperieren, besonders im Geheimdienstbereich; das ist der Fall z.B. mit dem chinesischen Geheimdienst hinsichtlich der uigurischen Terroristen, die von China über die Türkei [her]kommen. Unglücklicherweise ist das, was wir nicht haben, die Kontrolle über die Grenze zur Türkei, denn die Uiguren kommen insbesondere über die Türkei [ins Land], andere kommen womöglich über den Irak, Jordanien, den Libanon, eventuell übers Meer, der Großteil über die Türkei; die Uiguren kommen hauptsächlich über die Türkei. Warum? Wir wissen es nicht; doch sie genießen die Hilfe der türkischen Regierung: sie werden zusammengeholt und zu einer Gruppe versammelt und in den Norden von Syrien geschickt. Die Mission besteht somit darin, sie anzugreifen, wo auch immer sie sich befinden. sicher, manchmal kann man nicht sagen, um welche [Nationalität] es sich handelt, wer wer ist, sie vermischen sich untereinander, doch manchmal  gehen sie als separate Gruppen nach unterschiedlichen Nationalitäten vor. Es ist ein ganz bedeutsamer Aspekt der Kooperation zwischen dem syrischen und chinesischen Geheimdienst und wir haben in dem Punkt schon viele gute Schritte unternommen.
Frage 12: Herr Präsident, Sie dürften völlig gewahr der Tatsache sein, daß die „White Helmets“ dieses Jahr einen Oscar für den besten Dokumentarkurzfilm erhielten; doch die Leute sagen, daß die Wahrheit über die White Helmets“ nicht das ist, was Netflix als solche präsentierte. Wie ist demnach Ihre Haltung dazu?
Präsident Dr. al-Assad: Zuallererst müssen wir Ğabhatu_n-Nuṣra zum Erhalt des ersten Oscars gratulieren! dies ist ein beispielloser Fall, daß der Westen al-Qâʽida einen Oscar zuerkennt; es ist unglaublich! Und es ist ein weiterer Beweis dafür, daß die [Verleihung] der Oscars der Nobel[preise] und all dieser Dinge politisierte Zertifikate sind. Das ist meine Sicht darauf. Die White Helmets-Story ist ganz simpel: es ist ein Facelifting für Ğabhatu_n-Nuṣra in Syrien [und dient] nur dazu, deren häßliches Gesicht gegen ein humanitäreres auszutauschen. Das ist es. Es gibt viele Videos im Netz und natürlich Darstellungen, produziert von den White Helmets, die die White Helmets als Terrorgruppe bloßstellen, aus denen man ersehen kann, daß dieselbe Person einmal den weißen Helm trägt und sich das andere Mal  über hingeschlachteten Körpern syrischer Soldaten feiern läßt. Damit ging der Oscar an … jene Terroristen. Es handelt sich damit nur um eine Story im Versuch, die syrische Armee während der Befreiung von Aleppo daran zu hindern, mehr Druck bei den Angriffen und der Befreiung der Distrikte innerhalb der Stadt zu machen, die von genau jenen Terroristen besetzt sind, um behaupten zu können, die syrische Armee und die Russen würden die Bürger und die unschuldigen und humanitär tätigen Leute angreifen.
Frage 13:  Richtig. Nun zu Tadmur (Palmyra). Ich unternahm einen eintägigen Ausflug nach Tadmur (Palmyra) in diesen Tagen. Jetzt befindet sich die Stadt unter Ihrer Kontrolle; was ist nun – soweit ihre strategische Lage betroffen ist, da [die Provinz] oms] ja das Herz Syriens ausmacht, sie liegt ja genau in der Mitte – Ihr nächstes Ziel? Werden Sie die Militäroperation nach ar-Raqqa oder Dair az-Zaur ausdehnen?
Präsident Dr. al-Assad: Wir sind jetzt sehr nahe an ar-Raqqa dran. Gestern erreichten unsere Truppen den Euphrat, der nahe an der Stadt ar-Raqqa vorbeifließt und ar-Raqqa ist derzeit der Stützpunkt des IS. Somit wird es zur Priorität für uns, doch das bedeutet nicht, daß andere Städte keine Priorität besitzen; es könnte zeitmäßig parallel verlaufen, da Tadmur auf dem Weg nach Dair az-Zaur im östlichen Teil Syriens liegt, nahe an der irakischen Grenze und solchen Gegenden, durch die die Route für den logistischen IS-Nachschub führt, also zwischen dem IS im Irak und dem IS in Syrien. Das Resultat ist demnach dasselbe, ob man den Stützpunkt angreift oder die Route, die dem IS für den Nachschub dient.
Frage 14: Was denken Sie, wie viele Tage wird dieser Krieg dauern?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn wir voraussetzten, daß es keine ausländische Einmischung gebe, dann würde es nur wenige Monate brauchen. Intern ist es nicht sehr kompliziert. Die Komplexität des Krieges geht auf die ausländische Einmischung zurück. Das ist das Problem. Angesichts jener Einmischung also ist das Gute, das wir erreichten, die Einigkeit der Gesellschaft. Ganz zu Anfang war die Vorstellung vieler Syrer bzgl. dessen, was vorging, nicht klar. Viele hielten die Propaganda aus dem Westen eher für wahr als die Realität, die wahre Geschichte, nämlich daß es gegen Unterdrückung gehe.  Wenn es aber gegen Unterdrückung ginge, warum revoltierten dann nicht – z.B. – die Menschen in Saudi-Arabien?  Dies ist also, was wir demnach erreichten , dies ist unsere stärkste Basis für die Beendigung des Krieges. Wir haben immer die Hoffnung, daß dieses Jahr das letzte [Kriegsjahr]  sein wird. Doch letzten Endes ist das Krieg und man kann nicht voraussehen,  was tatsächlich kommen wird.
Frage 15: Herr Präsident, Sie sind Präsident der syrischen Republik und zur selben Zeit sind Sie ein liebender Ehemann und Vater dreier Kinder. Wie können Sie die Rolle als Präsident, Vater und Ehemann ausbalancierend schultern?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Ihnen die kleine Pflicht in Ihrer Familie nicht glückt, können sie nicht in Ihrer größeren oder umfassenderen Verpflichtung auf der Landesebene erfolgreich sein. Es gibt demnach keine Ausrede dafür, daß man eine Menge Arbeit habe, die einen der Pflichten enthebe, es ist eine Pflicht. Darüber muß man sich ganz klar sein: man muß jene Pflichten auf sehr gutem Weg erfüllen. Sicher erlauben einem die Umstände manchmal nicht, alles zu tun, was man müßte, die Pflichten sozusagen vollständig zu erfüllen.
Journalist:  Wie viel Zeit verbringen Sie am Tag mit der Arbeit und wie viel mit Ihren Familienmitgliedern?
Präsident Dr. al-Assad: In Wirklichkeit geht es nicht um die Zeit, denn selbst wenn Sie zu Hause sind, haben Sie zu arbeiten.
Journalist:  Okay.
Präsident Dr. al-Assad: Sagen wir einmal, morgens und abends gibt es die Möglichkeit, doch dazwischen und nach diesen Zeitpunkten haben Sie den ganzen Tag Arbeit.
Frage 16: Haben Sie jemals daran gedacht, diese Land Ihrer Familie zuliebe zu verlassen?
Präsident Dr. al-Assad: Niemals. Nach sechs Jahren meine ich, sind die schwierigsten Zeiten vorbei, Demnach: nein, nein, das ist keine Option. Wann immer Sie eine Art von Unlust spüren,  verlieren Sie. Sie verlieren nicht an Feinden, Sie verlieren an Ihren Unterstützern. Mit den Unterstützern meine ich jene Menschen, mit denen Sie arbeiten; die Kämpfer, die Armee, sie merken es, wenn Sie nicht entschlossen, Ihr Land zu verteidigen. Ein solches Gefühl hatten wir nie, weder ich noch die Mitglieder meiner Familie.
Frage 17: Und wie macht sich Karîms Chinesisch?
Präsident Dr. al-Assad: Er hat die Grundlagen der chinesischen Sprache gelernt, ich denke zwei Jahre lang. Leider mußten die Dame und der Herr, welche ihn unterrichteten, [das Land] verlassen, da sie zur chinesischen Botschaft gehörte. Sie gingen zurück nach China. Nun hat er aufgehört, sein Chinesisch zu verbessern.
Frage 18: Denken Sie, es ist eine gute Wahl, Chinesisch zu lernen?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, klar, da China eine aufstrebende Macht ist.
Frage 19: Sie haben ihn nicht dazu gezwungen, Chinesisch zu lernen? Es war seine eigene Entscheidung, nicht?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, wir haben ihn tatsächlich nie dazu abgehalten. Ich war nicht der Ansicht, daß er Chinesisch lernen müßte, und ich erwartete nicht, wenn ich es ihm aufgetragen hätte, daß er dazu Ja gesagt hätte, da es für viele auf der Welt schwer ist, die chinesische Sprache zu lernen. Er ergriff die Initiative und sagte, er wolle Chinesisch lernen und [das tat er[ bis zu diesem Moment. Ich fragte ihn nicht nach dem Grund. Ich wollte, daß er sich [in seiner Entscheidung] frei fühlte. Doch wenn er älter [geworden sein] wird, werde ich ihn fragen. Danach fragen, wie es dazu kam, daß er diese Sprache lernen wollte, diese schwierige, aber doch wichtige Sprache.
Journalist:  Sie haben ihn zuvor nicht gefragt?       
Präsident Dr. al-Assad: Nein, bis jetzt nicht.
Journalist:  Denken Sie demnach, daß es eine gute Wahl gewesen ist?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, klar. Wie ich schon sagte, es ist eine aufstrebende Macht, es ist bedeutend.
Der größte Teil der Welt hat, so denke ich, unterschiedliche Arten von Beziehung zu China, entweder im Bereich Wissenschaft, Politik, Ökonomie oder geschäftlich. In jeglichem Feld braucht man es jetzt, denke ich.  Und unsere künftige Beziehung ist dabei zu wachsen. Sie war [schon] gut, doch sie wird noch zunehmen, denn wenn ein Land wie China sich als echter Freund erweist, als ein Freund, dem man trauen kann, dann ist es nur natürlich, daß sich die Beziehung auf dem allgemeinen Sektor verbessert, nicht nur auf dem formalen.
Journalist: Danke, Herr Präsident, danke für Ihrer Zeit.
Präsident Dr. al-Assad: Danke dafür, daß Sie nach Syrien gekommen sind, Sie sind hoch willkommen.

 

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit TF1 und EUROPE 1
vom 16.2.2017 (http://sana.sy/en/?p=100367)

 

Photo: SANA

Photo: SANA

Journalist: Präsident Bašâr-Assad, danke dafür, daß Sie diesem Zusammentreffen mit TF1 und Europe 1 hier in Damaskus  zugestimmt haben. wir werden über die Zukunft Syriens sprechen, über den Krieg gegen den Terror, über die kürzlichen Erfolge, und die Unterstützung, auf die Sie zählen können, wie auch über die heftigen Anschuldigungen, denen Sie sich derzeit gegenübersehen.
Journalist: Guten Morgen, Herr Präsident, bonjour monsieur le président.
Präsident Dr. al-Assad: Guten Morgen.
Frage 1: Eine einfache Frage zu Anfang: kann man nach dem Fall von Aleppo vor zwei Monaten sagen, Sie hätten den Krieg gewonnen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir denken nicht, daß wir über den Sieg im Krieg sprechen können ohne daß wir die Terroristen überall in Syrien besiegt haben. Es ist nur ein bedeutsamer Schritt auf dem Weg zur Niederwerfung und Eliminierung des Terrorismus aus unserem Land, doch denke ich, daß es sich um einen langen Weg handeln wird aus einem ganz einfachen Grund: weil sie immer noch Unterstützung von vielen westlichen Ländern einschließlich Frankreichs, einschließlich Großbritanniens, einschließlich der Türkei und Saudi-Arabiens und Qaṭars in unserer Region erhalten.
Frage 2: Sie sprechen von einem langen Weg; können sie von einem militärischen Blickwinkel aus die Ziele zusammenfassen, die Sie noch erreichen müssen?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, wenn ich von Eliminierung der Terroristen aus unserem Land spreche, bedeutet das, jeden Inch unseres Landes [unter Regierungskontrolle] zu nehmen, es unter die Regierungskontrolle zurückzubringen – das ist nämlich die Pflicht einer jeden Regierung: die Kontrolle über jeden Ort innezuhaben.
Frage 3: In welchem Teil Syriens insbesondere, in welcher Stadt?
Präsident Dr. al-Assad: Sie meinen als nächstes nach Aleppo?
Journalist: Ja.
Präsident Dr. al-Assad: Freilich müssen wir nun, und wir … wir führen unseren Feldzug im Umkreis von Aleppo fort, schon allein um Aleppo geschützter gegenüber irgendwelchen anderen Terroristenattacken aus dem westlichen und nördlichen Teil zu machen, der direkt von der Türkei mittels der türkischen Armee unterstützt wird.
Frage 4: Doch der nächste Schritt ist Idlib? Das sagen zumindest die Leute; die nächste große Schlacht werde Idlib sein.
Präsident Dr. al-Assad: Es könnte Idlib sein, es könnte ar-Raqqa sein, es könnte überall sein. nun, es hängt von der Situation auf täglicher Basis ab, da man seine Pläne auch ändert. Diesen Plan haben wir also nicht festgelegt bevor nicht [derjenige bzgl.] Aleppo als Stadt wie als ländlichem Gebiet beendet ist. Es ist also zu früh, darüber zu sprechen, was als Nächstes kommt. Das hängt von der Entwicklung der Gefechte in den verschiedenen Gebieten ab.
Frage 5: Aber die Situation ist doch jetzt wesentlich besser  als sie zuvor gewesen ist, militärisch gesprochen.
Präsident Dr. al-Assad: Sicher, jeder von den Terroristen befreite Ort macht die Situation besser, doch sie ist noch nicht gut genug für uns.
Frage 6: Sir, für Frankreich ist die terroristische Hauptbedrohung fraglos der IS. Für Sie sind alle bewaffneten Gruppen, oder die meisten davon, Terroristen. Warum ist der IS keine spezifische Bedrohung für Sie?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie mich in zweierlei Hinsicht antworten: zum ersten, wenn wir sagen, die sind Terroristen, geschieht dies nicht unserthalben als Regierung; es geht dabei ums Gesetz und das Völkerrecht.  Wer auch immer ein Maschinengewehr in meinem oder Ihrem Land trägt und beginnt, Leute zu töten und fremdes Eigentum zu zerstören, ist ein Terrorist. Dies ist ein internationales Konzept, es ist also nicht unserethalben so. Was uns betrifft, ist der kein Terrorist mehr, der seine Waffen abgibt, gemäß dem Gesetz. Wenn Sie aber über den IS sprechen, wenn Sie sagen, daß die französische und die europäische Bevölkerung sich wegen des IS sorgt, denke ich, dies ist ein Mißverständnis der Situation; der IS ist ein Produkt, er ist nicht das Problem. Das Problem ist die Ideologie des IS, welche dieselbe ist wie von Ğabhatu_n-Nuṣra, dieselbe wie von vielen anderen Organisationen, gleichgesinnten Organisationen in Syrien, und möglicherweise in Libyen oder irgendeinem anderen Land. Demnach sollten Sie sich über solche Terroristen sorgen machen; die kümmern sich nicht darum, ob sie IS oder Ğabhatu_n-Nuṣra [-Anhänger] sind, sie setzen um, was deren Ideologie ihnen zu tun vorschreibt, hauptsächlich terroristische Aktionen.
Frage 7: Demnach gibt es keinen Unterschied zwischen dem IS und den anderen Gruppen?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, in Syrien sind die Wurzeln dieselben; dieselben Leute, die im ISIS waren, waren zuvor in Ğabhatu_n-Nuṣra, nun wechseln sie von Organisation zu Organisation, da die Ideologie dieselbe ist: es ist die Wahhâbi-Ideologie, sie ist die Quelle dieses Terrorismus.
Frage 8: Die sind für Sie derselbe Feind, alle Terroristen sind gleich?
Präsident Dr. al-Assad: Ja, freilich, gemäß dem Gesetz, nicht meinetwegen. wie ich schon sagte, gemäß dem Gesetz und dem Völkerrecht hat niemand das Recht, Waffen zu führen mit Ausnahme der Armee und der Polizei in welchem Land auch immer. Ich denke, es verhält sich genauso in Frankreich, außer ich liege da falsch, dann sagen Sie mir das; doch das ist, was ich denke, überall auf der Welt.
Frage 9: Also ist ar-Raqqa, welches das IS-Herzstück ist, wo die Terrorattacken in Frankreich vorbereitet wurden, keine vordringliches Ziel für Sie?
Präsident Dr. al-Assad: Nochmals nein; die wurden nicht notwendigerweise in ar-Raqqa geplant; ar-Raqqa ist ein Symbol des IS.
Journalist: Es ist ein Symbol?
Präsident Dr. al-Assad: Sie haben den IS nahe bei Damaskus sitzen, überall, jetzt in Tadmur (Palmyra), im Ostteil Syriens; als nein, es geht nicht um ar-Raqqa; überall besteht Priorität abhängig von der Gefechtsentwicklung, aber für uns ist das alles Dasselbe: ar-Raqqa, Tadmur (Palmyra), Idlib, alles Dasselbe.
Frage 10: Sir, Sie präsentieren sich als den Hauptschild gegen den Terrorismus. Es gib eine Menge Leute, besonders im Westen, die denken, daß der IS auf der einen und Ihre Regime auf der anderen Seite die beiden Seiten, die beiden Gesichter desselben Teufels sind, der versucht, jede Art demokratischen, freien Ausdrucks in diesem Land zu vernichten.  Was würden Sie denen antworten? Das ist eine echte Frage.
Präsident Dr. al-Assad: Zuallererst sind wir kein Regime. wir sind ein Staat, eine Institution. Zum Zweiten: das ist die Dämonisierung durch die westlichen Mainstream-Medien und politischen Schicht bzgl. Syriens, seiner Regierung und Armee, weil die jene „moderaten“  vom ersten Beginn an unterstützten; zu Beginn sagten sie dazu: „friedliche Demonstranten“, dann sagten sie: „sie sind nicht friedlich, aber sie sind Kämpfer – doch moderate“, doch sie ignorierten, daß die damit dieselben Wurzeln wie von al-Qâʽida und ISIS unterstützten. Das ist der Grund, warum sie sagen, wir versuchten jene als Terroristen hinzustellen und sie als Alternative zu benutzen; der Westen kann also nicht [zwischen IS etc. und anderen sog. moderaten] wählen. Vor allem hat der Westen nicht zwischen mit und ISIS zu wählen. Mein Volk hat zu wählen, weil es eine syrische Angelegenheit ist, um ganz offen mit Ihnen zu sein. Daher kümmern wir uns nicht darum, was westliche Amtsträger darüber denken; sie haben sich um ihre Völker zu sorgen und sie vor Terroristenattacken zu beschützen, die sich aufgrund ihrer [verfehlten] Politik ereignet haben.
Frage 11: Sir, klar sind wir extrem geschockt, besonders in Frankreich durch den Horror des Terrorismus, doch sind wir ebenso entsetzt über einen von Amnesty International vor ein paar Tagen letzte Woche herausgegebenen Report. Es geht um das Gefängnis Ṣaidnāyā (Saidnaya). es liegt gar nicht weit von hier, von Damaskus. 13.000 exekutierte Gefangene, massives Hängen, Folter. Amnesty spricht  – ich habe den Report gelesen – von einem Platz, wo der syrische Staat leise seine eigenen Leute schlachtet, der syrische Staat, Ihre Regierung. Herr Präsident, ist alles erlaubt, um den Krieg zu gewinnen? Können Sie alles tun, was Sie wollen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, [nur] alles Legale. Man kann nicht alles …
Journalist: Aber nach dem Amnesty Report scheint es illegal zu sein.
Präsident Dr. al-Assad: Nein. Es besteht ein Unterschied zwischen mir und Ihnen,  wenn wir über die Fakten in dies … in Syrien sprechen bzw. über die Behauptungen [darüber]. Wenn Sie über Behauptungen sprechen, können wir die Zeit mit Gesprächen über Behauptungen verbringen, niemals endende Behauptungen. Jeder kann sagen, was immer er will und wir können es diskutieren, doch in jenem Fall, sprechen wir [dann eben] nicht über Fakten. Wollen Sie aber über Amnesty reden, weil Amnesty rund um die Welt bekannt ist, so ist es beschämend für solche eine Organisation, so einen Report auf [bloßen] Behauptungen auszubauen. Wenn Sie einem Gerichtshof in Ihrem Land irgendwelche Behauptungen vortragen, dann haben Sie ein Gericht, ein Justizsystem; könnten die eine Entscheidung aufgrund von Behauptungen treffen oder müßten nach Beweisen suchen? diese Report ist auf Behauptungen aufgebaut ohne einen dokumentarischen Fetzen, ohne einen einzigen Beweis. sie sagten auch nicht 13.00; sie sagten: zwischen 5.000 und 13.000, was zweieinhalb Mal soviel ist, das bedeutet, es ist nichts Präzises. Da werden keine Namen erwähnt, von keinem der Opfer; nur 36 [Leute als solche] von jenen Tausenden  – [allein] das sind schon viele Mängel. sie sagten z.B. der Großmuftî bestätige die Exekutionen. Die religiösen Personen in Syrien haben nichts mit irgendeinem juristischen Verfahren zu tun. Exekution in Syrien ist legal als Teil des Rechtssystems seit der Unabhängigkeit; also kann die Regierung jemand legal exekutieren lassen; warum dann illegal handeln?
Journalist: Sie können uns sagen, es gebe keine Folter im Gefängnis von Ṣaidnāyā wie Amnesty sagte?
Präsident Dr. al-Assad: Die Frage ist: Folter zu welchem Zweck? Ich meine, wenn Sie sagen wollen, wir folterten, doch wofür? Was erreiche ich damit? Warum? Nur aus Sadismus? Wir sind also Sadisten? Zu welchem Zweck? Ich vermute, um Informationen zu  erhalten?  Wir haben alle Informationen, wir brauchen das nicht., das ist nicht unsere politische Vorgehensweise, [schon] aus einem ganz einfachen Grund:  wenn wir solche Greuel begingen, würde das [bloß] den Terroristen in die Hände spielen, damit die gewännen. Es geht darum, die Herzen der syrischen Bevölkerung zu gewinnen. Wenn wir solche Greueltaten an irgendeinem Abschnitt dieses Konflikts begangen hätten, hätten wir nach sechs Jahren nicht die Unterstützung [der Bevölkerung]. Es ist ein ganz simples Factum. Doch nochmals – zurückkommend auf die Reporte – Berichte sollten auf Fakten aufbauen. Doch es gibt kein einziges Factum in jenem Report; dabei haben sie den Beweis zu führen und sie können es nicht.
Frage 12: Aber Amnesty schlägt vor, internationale Beobachter zu den Haft-Zentren in Syrien zu schicken, um einen Beweis zu finden oder zu beweisen, daß Sie Recht haben und kein Verbrechen begangen worden ist. Wie lautet Ihre Antwort auf diesen Vorschlag?
Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, es bedarf einer Untersuchung über Amnesty selbst, wen die sich einen Report basierend auf [bloßen] Behauptungen zu eigen machen.  dies ist eine Schande, eine Schande für solche eine Organisation, die noch niemals unparteiisch gewesen ist, sie ist immer voreingenommen gewesen.
Journalist: Zeugenaussagen früherer Wächter und Gefangener?
Präsident Dr. al-Assad: Es geht um die Souveränität. Wenn man es jeden Tag  mit anschuldigenden Behauptungen und Reporten zu tun hat, kann man die ganze Zeit mit dem Empfangen von Delegationen verwenden. würden Sie es jetzt akzeptieren, wenn Sie Ihre Regierung fragen, daß eine syrische Delegation es untersucht, warum Ihre Armee unter Sarkozy und unter Hollande Libyen angegriffen und hunderttausende getötet hat? Können wir mit Untersuchungen über das Geld beginnen, das Sarkozy vom libyschen Anführer bekommen hat. Das ist eine Angelegenheit der Souveränität. Nein, wir erlauben Amnesty keinen Aufenthalt – aus irgendeinem Grund. [Dabei] spreche ich nicht über jenen Report, aber Sie – als Mainstream-Medien – haben Untersuchungen anzustellen: jener Report basiert worauf? Nur Behauptungen? Sie nehmen ihn nicht ernst.
Journalist: Ihre Antwort ist also „Nein“ zu Besuch internationaler Beobachter.
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, nein, nein. wir kümmern uns nicht über solche einen kindischen, auf nichts als Behauptungen basierenden Report. Sie sagten [sogar], sie interviewten einige Zeugen, die der Opposition, den Überläufern entstammten, sie sind also tendenziös.
Frage 13: Doch Sie geben zu, es gibt – in Syrien vorgehend – einige Exekutionen, zahlreiche Exekutionen, offizielle, legale Exekutionen.
Präsident Dr. al-Assad: Seit der Unabhängigkeit gib es sie, seit der Unabhängigkeit. Exekution ist Teil des syrischen Rechtssystems, im Fall von Mord gibt es die Exekution.  Es geht dabie nicht um die Krise, nicht um den Report und nicht um jenes Gefängnis. Es gibt legale Mittel dafür, den gerichtlichen Weg.
Frage 14: Sir, lassen Sie uns über die Beziehung zwischen Frankreich und Syrien sprechen. In wenigen Wochen ab heute wird ein neuer Präsident in Frankreich gewählt und unter den Debatten im Inland taucht [auch] das Thema bzgl. des Dialogs mit Ihrer Regierung auf. hoffen Sie auf eine Wiederbelebung der diplomatischen Beziehungen zu Frankreich?
Präsident Dr. al-Assad: Es geht nicht um die diplomatischen Beziehungen. Vor allem geht es um die Politik in Frankreich. Da wir keine diplomatische Beziehung haben, ist das kein so großes Problem zu dieser Zeit. Möglicherweise langfristig sollte man gute Beziehungen zu jedem Land haben einschließlich diplomatischer Beziehungen.
Journalist: Lassen Sie uns also über die Politik in Frankreich reden.
Präsident Dr. al-Assad: Exakt. Die Politik in Frankreich, die von Tag eins an startete, um die Terroristen in Syrien zu unterstützen, direkt verantwortlich  für das Töten in unserem Land.    
Journalist: Wie können Sie das sagen .. das ist eine schwerwiegende Anschuldigung gegen Frankreich. Wie können Sie sagen, daß Frankreich den Terrorismus unterstützt?
Präsident Dr. al-Assad: Sie sagten das, ich habe sie nicht beschuldigt. Sie sagten, viele Male, sie unterstützten den Krieg. Und Hollande sagte kürzlich, es sei ein Fehler gewesen, den Krieg nicht 2013 anzustoßen. Sie sagten, sie hätten Waffen an die geschickt, die sie „moderate“ Gruppen nennen, welche Terroristen sind. Sie sagten das, nicht ich. Die [US-]Amerikaner sagten Dasselbe, die Franzosen,  Ihre Amtsträger also – gehen Sie zurück zu deren Stellungnahmen der letzten zwei, vier Jahre möglicherweise – dann haben sie mehr als eine Selbstanklage durch die französischen Amtsträger.
Frage 15: Francois Hollande wird seine jetzige  Machtposition in Frankreich bald verlassen. Sie befinden sich noch in Ihrer.  Haben sie demnach Ihren Kampf, Ihr Armdrücken mit Francois Hollande gewonnen?
Präsident Dr. al-Assad: Es geht nicht um mich und ihn, es ist nichts Persönliches; ich habe ihn nie getroffen, er interessiert mich nicht, um offen zu sein, und seine Popularität ist kürzlich bei 11% gelegen, was meines Erachtens einen Tiefpunkt für jeden Präsidenten in der Geschichte Frankreichs darstellt. Tatsächlich geht es um mich und die Terroristen und um mich und wen auch immer, der die Terroristen unterstützt. Bis zu diesem Zeit konnten die Terroristen den Krieg nicht gewinnen, doch sie haben Syrien zerstört, hunderttausende Syrer getötet, also kann ich nicht sagen, ich hätte den Krieg gewonnen.  Mit ihrem Plan haben sie [d.h. die Terroristen] keinen Erfolg gehabt, doch bis zu diesem Moment haben wir den unseren Krieg nicht beendet.  Demnach kann ich nicht sagen, ich hätte den Krieg gewonnen.
Frage 16: Haben Sie irgendwelche Kontakte … verfolgen Sie vor allem die französische politische Kampagne, die Präsidentschaftskampagne, die jetzt vor sich geht?
Präsident Dr. al-Assad: Wir verfolgen sie im allgemeinen, nicht im Detail, da wir aus einem Grund, einem simplen Grund nicht auf westliche Wahlen setzen: wir nehmen die westlichen Amtsträger während der [Wahl-]Kampagne nicht beim Wort, da sie etwas für die Wähler nicht für das Land vortragen, für die Wähler insofern, daß sie sie wählen. So ist die Realität, ich bin offen mit Ihnen.
Frage 16: Sir, sehen Sie, zwischen dem rechten und dem linken Flügel in Frankreich hinsichtlich der Beziehung zu Syrien überhaupt einen Unterschied?
Präsident Dr. al-Assad: Ja, das kann man spüren; doch am Ende [zählt], wer wird Präsident und wie wird dessen Politik sein. Ausgehend von Bekanntem begegnet man vor der Wahl Wahlrhetorik oder was [sonst]? Das ist die Frage. Demnach darf man darauf nichts geben. Freilich zieht man jemanden vor, der nicht die Position eines Kriegstreibers einnimmt; man zieht ihn vor, doch man weiß nicht …
Journalist: Als Beispiel, von wem denken Sie, er sei der Beste, der keinen Krieg will?
Präsident Dr. al-Assad: Ja, wir sehen derzeit keinen großen Unterschied, doch nochmals, ich würde nicht auf deren Rhetorik setzen. Bezüglich der Rhetorik gibt es keinen großen Unterschied.
Frage 18: Und, haben Sie Kontakte zu Kandidaten? Zu keinem?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir haben keinerlei Kontakte mit wem auch immer von ihnen.
Journalist: Und mit dem Geheimdienst?
Präsident Dr. al-Assad: In manchen Fällen hatten wir indirekte Kontakte.
Journalist:  Mit dem französischen Geheimdienst?
Präsident Dr. al-Assad: Ja.
Journalist: Sie persönlich, Sie haben Kontakt mit dem französischen Geheimdienst?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich war bei einer der Delegationen, es war eine parlamentarische, einer vom Geheimdienst Teil der Delegation. Er ist demnach involviert.  Freilich sagte die französische Regierung: „das ist eine parlamentarische Delegationen, wir sind nicht involviert, wir sind nicht damit einverstanden“, was jedoch nicht wahr ist. Tatsächlich haben wir so manche Kanäle.
Frage 19:  Ein Land hat schon seinen Präsidenten gewechselt, das sind die USA. Eine der umstrittenen Entscheidungen von Donald Trump ist der Bann gegen Muslime. Sie war darauf ausgerichtet, Bürgern muslimischer Länder, einschließlich Syriens, zu verbieten, in die USA zu reisen. Empfinden Sie als syrischer Bürger, als Syriens Präsident dies gewissermaßen als Demütigung?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, denn es geht nicht gegen die syrische Bevölkerung, das als Erstes. Es geht gegen Terroristen, welche manche der Immigranten im Westen infiltrieren könnten – und das ist [schon]  passiert, passiert in Europa, hauptsächlich in Deutschland, und es könnte in den USA passieren. Daher denke ich, das Ziel von Trump ist, zu verhindern, daß jene Leute an der Einreise gehindert werden; daher schlug er diesen Weg ein. Zum Zweiten …
Journalist: Demnach ist er auf dem richtigen Weg, wenn er …
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, wir sprechen über etwas, dem man als Person zu oder nicht zustimmen kann, doch m ich als Präsident stört das nicht.  Ich sorge mich darum ,wie ich die syrischen Bürger [wieder] nach Syrien bringen und nicht, wie ich sie in den USA schicken kann. Ich wäre nicht glücklich dabei, wenn sie in andere Länder einreisen könnten.  Ich bin glücklich, wenn sie nach Syrien zurückkommen können, weil sie nach Syrien zurückkommen wollen; die meisten Syrer verließen das Land wegen des Terrorismus´ und des Embargos, des westlichen Embargos. Wenn ich also über jene Entscheidung verhandeln wollte, würde ich Trump und die westlichen Staaten bitten, das Embargo aufzuheben und die Terroristenunterstützung zu beenden. Damit hätten sie kein Problem. sie hätten [dann] keine Immigranten oder Terroristen, die die Immigranten infiltrieren. Zum Zweiten, und das ist ein weiterer wichtiger Punkt, all das Trara, von dem wir über Trumps Entscheidung hörten, gab es nicht wegen der Syrer oder wegen irgendeines anderen Landes, sondern darum, unseren Fall, unser Problem, unseren Konflikt als Brennstoff im Konflikt mit Trump zu benutzen; denn es gibt ja andere Entscheidungen, getroffen von Obama wenige Monate zuvor bezüglich derselben Sachlage, doch die Mainstream-Medien in den USA thematisierten es nicht; sie machten nur Trump zu Thema, als er es [d.i. seine Entscheidung] öffentlich machte  und auf schonungslose Weise durchzog.
Frage 20:  Sie fühlen sich also besser mit Donald Trump als mit Mr. Barack Obama?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, ich kann mich nicht wohl fühlen, bevor ich nicht seine Politik gegenüber Syrien erlebt habe. Davon habe ich noch nichts gesehen. Also nochmals: wir müssen vorsichtig mit jeder westlichen Führungsperson sein, da sei das eine sagen und das Gegenteil tun können, dann sagen sie wieder etwas … tun etwas am Morgen und das Gegenteil davon am Abend.  Sie verpflichten sich zu nichts; sie sind sehr pragmatisch bis hin zum Verkauf Ihrer Werte; in ihren  politischen Handlungsweisen haben sie keine Werte.
Frage 21:  Doch da gibt es zumindest ein Ding, das sich bislang nicht geändert hat, es ist eine Art Loslösung der USA von der Region, das ist ganz  offensichtlich. eine zweite Verhandlungsrunde beginnt nun in Astana in Kasachstan und das ist sehr beeindruckend. Die westlichen Länder sind ganz aus dem Spiel, aus dem Rahmen. Ist das tatsächlich gut für die künftigen Verhandlungen und den künftigen Frieden in der Region?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, je mehr Unterstützung man für einen politischen Prozeß hat, desto besser, doch die westlichen Länder, die in jenen Prozeß involviert sind, hauptsächlich Frankreich und Großbritannien, haben Ihre Chance vertan, etwas in Genf zu erreichen, [und zwar] zweimal: es gab zwei [Gesprächs]Runden in Genf und sie erreichten nichts, weil sie jene Gruppen unterstützten, welche die Terroristen gegen die Regierung repräsentierten. Sie wollten keine Frieden in Syrien erreichen. Sie wollten Ihre [eigenen] Ziele durch die Friedensachse im ganzen Prozesses erreichen.
Frage 22:  Doch das Factum, daß das Schicksal des Nahen Ostens  im Augenblick von zwei Staaten, dem Iran und Rußland überwacht wird,  die nebenbei gesagt selbst keine phantastische demokratische Bilanz aufweisen, ist das eine gute Sache?
Präsident Dr. al-Assad: Nochmals, je mehr Beteiligung es rund um die Welt gibt, desto besser; das ist nicht nur unsere Vision, das ist gerade die russische Version; die Russen luden viele Länder zur Bekämpfung des Terrorismus und zur Unterstützung des politischen Prozesses ein, doch die westlichen Länder isolierten sich selbst, nicht [jedoch] der Iran und nicht Rußland. Sie waren sehr passiv im Umgang mit all diesen Initiativen wie etwa Astana; wo sind sie [d.i. die westlichen Länder] ?  Trugen ihnen die Russen auf, nicht zu kommen? Nein, taten sie nicht. Sie kamen [einfach] nicht.
Journalist:  Demnach sind der Iran und Rußland Förderer des Friedens und die westlichen Länder die des Krieges? 
Präsident Dr. al-Assad: Exakt, zu 100%, 100 %.
Frage 23:  Lassen Sie uns mit Rußland fortfahren. Würden Sie sagen, Wladimir Putin ist letztlich der tatsächliche Entscheider in der Region und gerade auch in Ihrem Land, in Syrien?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, ist er nicht. Wir entscheiden bezüglich Syrien. Bezüglich anderer Länder: ich  kann nicht für die anderen sprechen. Sie  [d.h. die Russen] respektieren unsere Souveränität, bei jedem Schritt, den sie tun, ob in strategischer oder taktischer Hinsicht, es war in Kooperation mit Syrien. sie taten keinen einzigen Schritt ohne uns. Sie bauen ihre Politik auf Werte und ihre Interessen auf, insbesondere hinsichtlich der Terrorismusbekämpfung. Von daher: nein, es ist unsere Entscheidung.
Frage 24:  Würden Sie jedoch sagen, ohne Rußland wäre Ihre Regierung vor langer Zeit zusammengebrochen?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist eine hypothetische Frage; niemand kann  Ihnen etwas über den Krieg sagen, da er sich im Fluß befindet. Jedoch, was deutlich für einen jeden ist, ohne die russische Unterstützung, wäre es schlimm gewesen. Wie schlimm? Das kann ich Ihnen nicht sagen, niemand kann das. Ob zusammengebrochen oder standgehalten, kann ich nicht sagen; doch die russische Unterstützung war definitiv sehr wesentlich für das Schrumpfen von ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣradenn sie breiteten sich aus, nachdem die US-geführte Koalition ihre Angriffe gestartet hatte – eine kosmetische Kampagne in Syrien – sie expandierten also bis die Russen intervenierten, da begannen sie zu schrumpfen. Das ist die Realität. Das ist ein Factum.
Frage 25:  Macht es Ihnen etwas aus, daß vor wenigen Jahren die meisten Beobachter und Analysten sagten, Sie würden nicht viel länger an der Macht bleiben – und nun, besonders nach Aleppo, sind sich eine größere Anzahl an Personen einig darin, die Möglichkeit bestehe, daß Sie an der Macht bleiben; Demnach ist die Frage, die Frage nach Ihrem Verbleib an der Macht auch eine Frage bei den Astana-Verhandlungen. Wenn in unserem Land ein Politiker eine schlechte Bilanz hat, bleibt er für gewöhnlich nicht [mehr] sehr lange im Amt. Würden Sie nach 17 Jahren an der Macht, sechs Kriegsjahren, 300.000 und mehr Toten in diesem Land, einem zerstörten, geteilten Land, von einer ethischen, nicht einer gesetzlichen, einer ethischen Perspektive aus sagen, daß diese Bilanz Ihnen einen Verbleib an der Macht erlaubt, wie auch immer das Ergebnis der Verhandlungen [in Astana] sein mag?
Präsident Dr. al-Assad: Sie wissen um jene Terroristen, welche die Attacken vor kurzem in Frankreich im letzten Jahr, begingen, wovon die Polizei einige tötete, Sie wissen darum. Was sagen Sie jenem Polizisten? Sagen Sie ihm, er sei ein Killer oder ein Retter? Er tötete. Dasselbe gilt vom Arzt, der ein Bein abnimmt, weil sich eine Gangrän darin gebildet hat. Würden sie ihm sagen, er habe ein Greuel begangen oder er habe das Leben des Patienten gerettet? Es geht also um den Grund, warum jemand eine Tat begeht, das als Erstes. In unserem Fall bekämpfen wir die Terroristen, um die Bevölkerung zu schützen. Das ist nicht meine Auffassung; es ist eine gesetzlich und konstitutionelle Pflicht. Täte ich das nicht, dann wäre ich der Killer, da ich es den Terroristen erlauben würde, Syrer in Syrien zu ermorden. Franzosen zu beschützen, ist die Pflicht Ihrer Armee, andernfalls würden sie sagen: „nein, wir tun nichts, sonst schimpfen sie uns Mörder“.
Frage 26:  Demnach würden Sie eventuell sagen, sie hätten alles für Ihr Land getan, was sie konnten und sollten?
Präsident Dr. al-Assad: Was ich konnte? Definitiv. Was ich sollte? Die Syrer entscheiden, würden entscheiden, was ich getan haben sollte, da wir verschiedene Auffassungen davon haben. Doch bezüglich dessen, wer entscheidet, ob dies eine schlechte Bilanz ist, wenn Sie über den ethischen Aspekt Ihrer Frage reden, dann ist es ausschließlich Sache der syrischen Bevölkerung, nicht die der europäischen Amtsträger, zu entscheiden, ob es sich um eine schlechte oder gute Bilanz handelt. Die [d.h. die europäischen Amtsträger] sagten „Assad muß gehen“, jetzt sagen sie nicht [mehr], „Assad muß gehen“. Ich kümmere mich weder um das eine noch um das andere.  Seit ganz von Beginn an habe ich mich darum nie gekümmert. Mich kümmert der Krieg gegen den Terrorismus, die Bekämpfung von deren Plänen, unser Land zu zerstören. Das ist meine Sorge von Beginn an. Darum ist das für mich [immer] Dasselbe, unabhängig davon, was die dazu sagen. Die Bilanz ist in jeder Hinsicht eine syrische [Angelegenheit], keine europäische.
Frage 27:  Wann aber kann die syrische Bevölkerung entscheiden, ob sie Ihre Politik billigt oder nicht? Wir haben in Frankreich derzeit Wahlen, wann ist die nächste in Syrien?  Präsident Dr. al-Assad: Sie haben zweierlei Möglichkeiten, die gegenwärtigen und die künftigen bei Kriegsende. Zu jener Zeit können Sie beliebige Möglichkeiten in Betracht ziehen: per Abstimmung, per Wahlen, was auch immer. In der Zwischenzeit haben die Leute eine Möglichkeit, Unterstützung oder keine Unterstützung. Wenn der Präsident nach sechs Jahren des Krieges eine schlechte Bilanz nach Meinung der  syrischen Bevölkerung aufzuweisen hätte, warum würden sie ihn dann unterstützen? Eine simple Frage: warum sollten sie ihn unterstützen? Warum unterstützen sie nicht die Terroristen? Und wenn sie hinsichtlich jener Frage bezüglich der 300.000 oder 400.000 tausend Getöteten, den Präsidenten des Tötens beschuldigten, wäre das, als stellten Sie den Terroristen ein Zertifikat über deren Verhalten aus, da Sie ja die Leute töteten und jene die Leute beschützten.  Al-Qâʽida und Ğabhatu_n-Nuṣra und ISIS beschützen die Leute – das wäre demnach die Kernaussage jener [Ihrer] Frage. Doch nein, tatsächlich kämpfen wir für die syrische Bevölkerung.  Deshalb unterstützt die syrische Bevölkerung ihre Regierung und ihre Armee wir ihren Präsidenten.
Journalist: Danke Herr Präsident, daß Sie Europe 1 und TF1 empfangen haben.
Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank für Ihr Kommen.

Ziel ist eine textnahe Übersetzung, die dem Leser noch Nachvollziehung der Gesprächsdynamik erlaubt.
 

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit Yahoo News
http://sana.sy/en/?p=99897 vom 10.2.2017
[aufgenommen am Vortag für Ausstrahlung um 13.00 Uhr]

Photo: SANA

Photo: SANA

 

Frage 1: Danke, Herr Präsident, daß Sie uns die Möglichkeit bieten. Das ist Ihr erstes Interview mit amerikanischen Medien seit Präsident Trump sein Amt übernommen hat. Hatten Sie irgendeine Kommunikation direkter oder indirekter Art mit Präsident Trump oder jemandem aus seiner Administration?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, noch nicht.
Frage 2: Dies ist eine Möglichkeit für Sie, Präsident Trump eine Nachricht zukommen zu lassen, wenn Sie eine haben. Was würden Sie ihm sagen wollen?
Präsident Dr. al-Assad: Die Nachricht würde ich ihm nicht über die Medien zukommen lassen; ich würde sie über einen anderen Kanal, möglicherweise über diplomatische Kanäle übermitteln. Denn jede Mitteilung ist, was uns betrifft, eine öffentliche, wir haben keine doppelten. Wir haben einen (one) Standpunkt, eine Position demgegenüber, was in Syrien passiert, und das betrifft die Terrorismusbekämpfung.
Frage 3: Gestern, glaube ich, sagten Sie, daß das, was sie von der neuen Administration gehört hätten, sei vielversprechend. Erklären Sie, was Sie damit meinten!
Präsident Dr. al-Assad: Präsident Trumps Position seit seines Wahlkampagnenstarts bis zu diesem Moment ist, daß die Terrorismusbekämpfung Priorität habe. Darüber stehen wir mit ihm im Einklang, das ist unsere Position in Syrien, die Priorität besteht in der Terrorismusbekämpfung – das ist es, was ich mit vielversprechend meinte.
Frage 4: Sie deuteten an, Sie dächten, da gebe es einen Weg zur Kooperation zwischen den USA und Syrien, doch Sie erklärten nicht, was das sein könne. Welche Art Kooperation können Sie sich vorstellen?
Präsident Dr. al-Assad: Gegen Terroristen und gegen den Terrorismus. Das ist selbstverständlich für uns. Dies besteht neben einer Kooperation wie sie zwischen irgendwelchen zwei Nationen besteht, doch in der Zwischenzeit, unter den gegebenen Umständen, liegt die Kooperation zwischen den verschiedenen Nationen in der Terrorismusbekämpfung, einschließlich Rußlands, des Irans und Syriens selbstverständlich.
Frage 5: Der Präsident beauftragte seinen Verteidigungsminister mit der Entwicklung eines Plans zur Bekämpfung des IS bzw. Daesh. Unter den Vorschlägen die nach Meldungen in Betracht gezogen werden, sind mehr Spezialeinheiten, sogar militärische aktive wie Apache-Helikopter in Syrien und Bewaffnung kurdischer Kämpfer, die im Norden gegen Daesh kämpfen. Wenn solche Aktionen ISIS besiegten, würden Sie das begrüßen?
Präsident Dr. al-Assad: Konnte das amerikanische Vermögen (prowess) den Terrorismus in Afghanistan besiegen oder an irgend einem anderen Platz? Nein, konnte es nicht. … Es ist nicht genug, über Apaches oder F-16 oder F-35 zu verfügen, wie auch immer Sie es bezeichnen wollen, um Terroristen zu besiegen. Da braucht es eine umfassendere Herangehensweise an diese komplizierte Angelegenheit. Wenn Sie – als USA – also aufrichtig damit beginnen wollen, muß es mittels der syrischen Regierung geschehen. Wir sind hier, wir sind die Syrer, uns als Syrern gehört dieses Land, niemand könnte es verstehen wie wir. Demnach können Sie Terroristen nicht ohne Kooperation mit der Bevölkerung und der Regierung eines jeglichen Landes besiegen.
Frage 6: Sie haben aber russische Truppen in Ihrem Land willkommen geheißen. Würden Sie amerikanische in Ihrem Land willkommen heißen?
Präsident Dr. al-Assad: Wir luden die Russen ein und die Russen waren aufrichtig in dieser Angelegenheit. Wenn die Amerikaner aufrichtig sind, sind sie freilich willkommen wie jedes andere Land, das die Terroristen besiegen und bekämpfen will. Das können wir sicher und ohne Zögern sagen.
Frage 7: Also wollen Sie, daß amerikanische Truppen nach Syrien kommen, um den IS bekämpfen zu helfen?
Präsident Dr. al-Assad: Truppen sind nur ein Teil der Kooperation. Lassen sie uns nochmals zum Umstand des Umfassenden zurückkommen: Sie könne nicht über Truppenentsendung sprechen, wenn sie nicht ehrlich sind, wenn sie keine klare politische Position gegenüber nicht dem Terrorismus haben, [sondern auch] .gegenüber der Souveränität Syriens und seiner Einheit. All diese Faktoren würden Vertrauen dahingehend begründen, daß Sie Ihre Truppen senden können. Das ist es, wie es mit den Russen gelaufen ist: sie sandten nicht nur ihre Truppen. Vor allem steht da deren klare politische Position hinsichtlich jener Faktoren. Das ist [der Grund], warum die Russen kommen konnten und Erfolg hatten bei der Bekämpfung der Terroristen in Syrien.
Frage 8: Sehen Sie eine Kooperation zwischen den USA und Rußland in der Bekämpfung des IS in Syrien?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist essentiell. Jede Kooperation in irgendeinem Konflikt auf der Welt benötigt – lassen Sie es uns so formulieren – Annäherung zwischen den Russen und den Amerikanern. Das ist ganz essentiell, nicht nur für Syrien.
Frage 9: Nun, Sie sprechen die ganze Zeit mit den Russen, ja?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich.
Frage 10: Ah ja? Wann war das letzte Mal, daß Sie mit Präsident Putin sprachen?
Präsident Dr. al-Assad: Vor ein paar Wochen.
Frage 11: Worüber sprachen Sie?
Präsident Dr. al-Assad: Über das Problem in Syrien, über das Vorrücken der syrischen Armee in Syrien.
Frage 12: Mhm.  Gehen Sie daran, eine Art von Arrangement zwischen den USA und Rußland in diesem Kampf zu vermitteln?
Präsident Dr. al-Assad: Es besteht ein direkter Kontakt zwischen ihnen. Präsident Putin führte ein Telefongeapräch mit Präsident Trumpvor einer Woche oder so. Dabei sprachen sie über verschiedene Angelegenheiten einschließlich Syriens. Sie brauchen mich also nicht in der Rolle, um das zu tun. Und wir haben keinerlei Kontakt zu Amerikanern, um den Russen helfen zu können, Kontakt herzustellen oder ihre Beziehungen zu verbessern. In der Position sind wir nicht.
Frage 13: Kürzlich sagte Präsident Trump, er wolle absolut „Sicherheitszonen“ in Syrien errichten, um die Flüchtlinge zu schützen und möglicherweise vielen erlauben zurückzukehren. Wenn solch eine Aktion Ihren helfen würde, Ihre gefährdeten Bürger zu schützen, würden Sie sie dann unterstützen? 
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich würde ich das nicht. Das würde ich nicht. Sicherheitszonen für Syrer wären nur dann realisierbar, wenn Stabilität und Sicherheit herrschte, wo es keine Terroristen gibt, wo es keinen Zufluß und keine Unterstützung  für jene Terroristen durch benachbarte Länder oder westliche Statten gibt. Das wäre die Plattform, auf der man eine natürliche Sicherheitszone haben könnte, welche unser Land darstellt. sie brauchen überhaupt keine Sicherheitszonen. Es ist ein viel gangbarerer, praktikablerer und kostengünstigerer Weg, [im ganzen Land] Stabilität zu schaffen als Sicherheitszonen. Das ist keineswegs eine realistische Idee.
Frage 14Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Ihre Landes sind Vertriebene. Wie können Sie sagen, daß Sicherheitszonen zu ihrem Schutz vor Bombardierung nicht hilfsreich seien?
Präsident Dr. al-Assad: Die erste Frage, die Sie stellen müssen, ist: warum sie zu Vertriebenen wurden. Wenn Sie jene Frage nicht beantworten können, können sie auch den Rest nicht beantworten. Sie wurden aus zwei Gründen zu Vertriebenen: Vor allem wegen der terroristischen Aktionen und der Unterstützung von auswärts. Und zum Zweiten ist das Embargo gegen Syrien [der Grund]. Viele Menschen verließen Syrien nicht wegen der Sicherheitslage. Wie Sie sehen, ist Damaskus heute sicher, es herrscht fast, freilich nicht ganz normales Leben. Doch sie fanden keine Lebensmöglichkeit in Syrien; demnach mußten sie ins Ausland gehen, um ihr Auskommen zu finden.  Demnach: wenn Sie (you) das Embargo aufheben und die Terroristenunterstützung einstellen – dabei spreche ich nicht über die USA: ich spreche über alle, die Terroristen unterstützen einschließlich der USA während der Obama-Administration –  wenn also Sie alle diese Aktionen beenden, werden die meisten jener Leute zurück in ihre Heimat kommen.
Frage 15Es gibt so um die 4,8 Millionen syrischer Flüchtlinge seit Beginn der Krise. Nur des Vergleiches halber, das sind mehr als viermal soviel als die Gesamtzahl der palästinensischen Flüchtlinge seit den Vorfällen 1967 und 1948.  Akzeptieren Sie das als humanitär Katastrophe?
Präsident Dr. al-Assad: Es ist eine humanitäre Katastrophe, verursacht durch die westliche Unterstützung für jene Terroristen und – selbstverständlich  durch die regionale Unterstützung seitens der Türkei, Qaṭars und Saudi-Arabiens. Es hätte sich ansonsten niemals so abgespielt.
Frage 16: Und tragen Sie irgendeine Verantwortung für all dieses Desaster?
Präsident Dr. al-Assad: Als Präsident?
Journalist: Ja.
Präsident Dr. al-Assad: Bezüglich der politischen Entscheidungen, die ich seit Beginn der Krise getroffen habe,  als da gewesen sind: Unterstützung des Dialogs unter den Syrern, Bekämpfung der Terroristen und Unterstützung der Rekonziliation – die hatten Erfolg. Von daher: nein, bezüglich dieser politischen Entscheidungen denke ich, haben wir korrekt gehandelt und diese Prinzipien verfolgen wir für die Zukunft Syriens bzgl. dieser Krise weiter.
Frage 17: Wie Sie wissen hat Präsident Trump eine sehr umstrittene Durchführungsverordnung  zur Zurückweisung von Flüchtlingen, Immigranten, besonders aus muslimischen Ländern, jedoch spezifisch alle syrischen Flüchtlinge, unterzeichnet,  indem er behauptete, deren einreise sei abträglich für die Interessen der USA unter der Prämisse, einige darunter seien Terroristen.  
Präsident Dr. al-Assad: Ja.   
Journalist: Stimmen Sie darin mit Präsident Trump überein? 
Präsident Dr. al-Assad: Diese Frage beinhaltet zwei Aspekte:  der erste bezieht sich auf Amerika, dies ist eine amerikanische Angelegenheit mit Bezug auf die Souveränität der amerikanischen Nation. Jedes Land hat das Recht, Regelungen zur Einreise zu treffen. damit kann man einverstanden sein oder nicht, doch wenn Sie mich als Präsident fragen, dann besteht meine Verantwortlichkeit als Amtsträger des syrischen Staates  nicht darin, irgendeinen [anderen] Präsidenten um Erlaubnis zu fragen, ob Syrer dorthin gehen dürfen oder er in jenem Land Flüchtlinge dulde. Meine Verantwortlichkeit besteht darin, Stabilität wiederherzustellen, um jene nach Syrien zurückzubringen und Zuflucht in ihrem Land zu finden. Also diskutierte ich nicht, ob das richtig oder falsch ist; es ist eine amerikanische Angelegenheit.
Frage 18: Doch die Frage war, stehen manche dieser Flüchtlinge – Ihrer Ansicht nach – mit Terroristen in Verbindung?
Präsident Dr. al-Assad: Oh, definitiv.
Journalist: Definitiv?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv.
Frage 19: Also, wie viele Terroristen sind unter den 4,8 Millionen syrischen Flüchtlingen, denken Sie?
Frage 20: Denken Sie, es ist eine signifikante Anzahl?
Präsident Dr. al-Assad: Es geht nicht um die Signifikanz, da man keine signifikante Anzahl braucht, um Grausamkeiten zu begehen. Der Anschlag vom 11. September  ereignete sich, obwohl nur 15 Terroristen unter den möglicherweise Millionen an Immigranten der USA beteiligt waren; es geht also nicht um die Anzahl; es geht um die Qualität und um die Absichten [der Leute].
Frage 21: Also, wenn das, was Sie sagen, richtig ist, täte Präsident Trump recht damit, sie aus den USA rauszuhalten?
Präsident Dr. al-Assad: Ich bin kein Amerikaner, um darüber zu urteilen; nur amerikanische Bürger würden entscheiden, das entspricht oder geht gegen die Interessen der USA. Von außerhalb können wir über deren [d.i. die Verordnung] Wert diskutieren, über deren Übereinstimmung mit der humanitären Situation in der Welt oder nicht. Von der Seite können wir sie diskutieren. aber nochmals: ich kann nur als Präsident sprechen: für mich ist es Priorität, jene  Bürger in ihr Land [zurück]zubringen, nicht ihnen bei der Immigration [in die USA] zu helfen. Das ist die selbstverständliche Pflicht gemäß der Verfassung und dem Gesetz.
Frage 22: Würden Sie alle syrischen Flüchtlinge in Ihrem Land wieder willkommen heißen?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, selbstverständlich.
Journalist: Definitiv? Selbst die Terroristen?
Präsident Dr. al-Assad: Die muß ich als Präsident nicht willkommen heißen; mir gehört das Land nicht; es ist nicht mein Haus, es ist nicht meine Firma, nicht meine Farm. dies ist das Land eines jeden Syrers.
Frage 23:  Doch wenn Sie glauben, daß einige davon Terroristen sind, was würden Sie dann tun, wenn die zurück nach Syrien kommen?
Präsident Dr. al-Assad: Es spielt keine Rolle, was ich glaube. es spielt eine Rolle, was das Gesetz bestimmt über jede Person, die sich irgendeine Aktion gegen das Land hat zu Schulden kommen lassen unter Beachtung der Tatsache, daß wir in Syrien als Teil der Rekonziliierung tausenden von Leuten eine Amnestie gewährt haben, die Aktionen oder Taten gegen ihr Land verübt haben.
Frage 24:  Was denken Sie, wie die zurückkehren? Wie sieht Ihre Vision oder Plan dafür aus, Syriens Flüchtlinge zurück nach Syrien zu bringen?
Präsident Dr. al-Assad: Es sind schon eine Menge von ihnen, keine riesige Anzahl, aber viele von ihnen nach Syrien zurückgekehrt – viele von ihnen trotz der Sicherheitsbelange und des Embargos. Demnach würde die Mehrheit der Syrer zurück in ihr Land kommen wollen. Das ist selbstverständlich für jeden Bürger. Sie werden zurückkommen, wenn Sicherheit herrscht und es kein Embargo mehr gibt.
Frage 25: Gerade erst letzten Monat hat Ihr Militär die Rebellen aus Ost-Aleppo vertrieben. Sehen Sie dies als Wendepunkt im syrischen Bürgerkrieg an und glauben Sie, sie hätten den Krieg nun gewonnen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, es ist kein Wendepunkt. Der Wendepunkt war, als wie den Entschluß faßten, den Terrorismus zu bekämpfen statt all die auswärtige Propaganda gegen uns, besonders aus dem Westen, und gegen jegliche Art von Druckausübung. Das war der Wendepunkt. Aleppo ist ein bedeutsamer Schritt gegen die Terroristen, im Kampf gegen den Terrorismus, doch kann ich nicht sagen, es sei ein Wendepunkt, da wir immer noch denselben Weg, dieselben Richtung verfolgen. wir haben unsere Richtung nicht geändert. Mag sein, daß es ein Wendepunkt für die Terroristen [gewesen] ist. Das könnten die besser beantworten. Mag sein, daß es einer für deren Herren (masters) im Westen und der Region [gewesen] ist, möglicherweise, doch müßten die beantworten, ich kann nicht für die antworten.
Frage 26: Vorhin fragte ich Sie nach möglicher Kooperation zwischen den USA und Syrien; das Problem, das viele damit hätten sind die fortlaufenden Vorwürfe über Verstöße gegen Menschrechte durch Ihre Regierung. Gerade erst heute haben wir einen neuen Bericht von Amnesty International über das Gefängnis Ṣaidnāyā (Saidnaya) erhalten, „human slaughterhouse[menschliches Schlachthaus] nannten sie es, 5.000 – 13.000 Gefangene seien dort beim Massenhängen erhängt worden wie entsetzlich [Haft-]bedingungen, Verhandlungen mit Gefangenen, denen die Augen verbunden gewesen sind, bei einer Länge von einer bis drei Minuten ohne Rechtsbeistände, im Geheimen, alle im Geheimen. Das würde, allem Anschein nach, jedem Aspekt des Völkerrechts widersprechen. Was wissen Sie über die Vorgänge in jenem Gefängnis?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns zunächst den ersten Teil Ihrer Frage abhandeln, über das Problem, wie – von US-Seite – Beziehungen mit Syrien unter Berücksichtigung der Menschenrechte aufzunehmen seien.  Da will ich Sie fragen, wie können Sie diese enge, sehr enge, innige Beziehung zu Saudi-Arabien unterhalten? Halten Sie Köpfen für ein Menschenrechtskriterium?
Journalist: Doch ich interviewe nicht den König von Saudi-Arabien, ich interviewe Sie.   
Präsident Dr. al-Assad: Ja, das weiß ich. Ja, selbstverständlich.
Journalist:  Ich frage sie aufgrund von Berichten über Menschenrechtsverstöße in Ihrem Gefängnis, in Ihrem Land.
Präsident Dr. al-Assad: Sie stellen die Fragen, die Antworten sind meine Sache; also: das ist meine Antwort. Wenn Sie demnach die Frage über Ihre Verbindung zu Saudi-Arabien beantworten, können  Sie sich genau in jene Position versetzen. Zweitens: die USA befinden sich nicht in der Position, über Menschenrechte zu sprechen. Vom Vietnamkrieg bis zu diesem Moment haben sie Millionen von Bürgern getötet, falls Sie nicht über die 1,5 millionen im Irak sprechen möchten, und das ohne irgendeine Order des [UN-]Sicherheitsrats. Demnach sind die USA nicht in der Position, zu sagen: „ich nehme keine Beziehungen wegen der Menschrecht[slag]e auf“ und sie müssen ein und denselben (one) Standard benutzen. Das zuerst einmal.
Nun zum zweiten Punkt. Jetzt kann ich auf den anderen Teil zu sprechen kommen, den Report, einen wie viele andere, veröffentlicht von Amnesty International, welche die Glaubwürdigkeit von Amnesty International in Frage stellen; wir schauen nie darauf wie auf einen unparteiischen [Bericht]. Er ist immer parteiisch und politisiert und es ist eine Schande für solch eine Organisation, einen Report ohne einen Fitzelchen von Beweis zu veröffentlichen. Sie sagen, er basiere auf Interviews, auf Interviews!
Journalist: Ja.
Präsident Dr. al-Assad: Was ist mit den Dokumenten? Was ist mit konkreten Belegen? Kein einziger konkreter …
Journalist: Interviews mit vier früheren Gefängnis –Beamten und -wärtern, drei früheren syrischen Richtern, drei Ärzten …
Präsident Dr. al-Assad: Das bedeutet nichts.
Journalist: Das bedeutet nichts?
Präsident Dr. al-Assad: Es sind (is) Interview[s] … nein, nein, wenn Sie einen Bericht anfertigen wollen, brauchen sie konkrete Beweise. Sie können irgendeinen Report anfertigen, können  Geld an irgendwen bezahlen wie Qaṭar es letztes Jahr machte. Sie bezahlten Geld für so einen Report und die brachten ihre eigenen Zeugen gleich mit, und sie fertigten den Report.
Frage 27: Ich möchte Ihnen bloß etwas aus dem Report vorlesen … „Der Prozeß des Hängens ist autorisiert durch Beamte von den höchsten  ebenen der Regierung. Todestrafen werden vom Großmuftî von Syrien ausgesprochen und entweder vom Verteidigungsminister oder dem Stabschef der Armee, welche dazu beauftrag sind, im Namen von Präsident Bashar al-Assad zu agieren“.
Präsident Dr. al-Assad: Zuallererst: was ist der Beweis? Das als Erstes. Zum Zweiten …
Journalist: Ist es wahr oder nicht?
Präsident Dr. al-Assad: Nein; nein, es ist nicht wahr, definitiv nicht wahr.
Journalist: Woher wissen Sie das? Wissen Sie, was in jenem Gefängnis vorgeht? Sind Sie dort gewesen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, ich bin nicht dort gewesen, ich bin im Präsidentenpalast gewesen, nicht im Gefängnis.
Journalist: Sie haben hier damit einen sehr verstörenden Report über Vorgänge in einem Ihrer Gefängnisse, werden Sie eine Untersuchung veranlassen?
Präsident Dr. al-Assad: Also weiß Amnesty International mehr über Syrien als ich, gemäß Ihrer Aussage. Nein, das [im Report Geschriebene] ist nicht wahr. Nein, sie [die Verfasser] sind nicht in Syrien gewesen, sie gründen ihre Reporte ausschließlich auf Behauptungen; sie könne irgendwen vorbringen, das spielt keine Rolle egal, welchen Titel der trägt. Sie können dieser Tage alles fälschen, wir leben in einer Ära der fake news, wie Sie wissen; jeder weiß das. Daher dürfen wir uns nicht darauf verlassen.
Zweitens: Sie müssen übe die Realität sprechen; die sagen also in ihrem Report, wir veranstalteten Massenexekutionen, korrekt?
Journalist: Ja. Massenhängen.      
Präsident Dr. al-Assad: Zuallererst: Exekution[en] sind (is) Teil der syrischen Rechtsprechung. Wenn die syrische Regierung oder Institution eine durchführen will, kann sie das legal tun, da es schon seit Jahrzehnten so geschieht.
Journalist: Geheime Verfahren ohne Rechtsbeistände?                                                                
Präsident Dr. al-Assad: Wozu brauchten sie die, wenn sie es doch auf die legale Weise machen könnten? Sie brauchen nichts im Geheimen zu tun.
Journalist: Ist das [Exekution] legal in Ihrem Land?                                                                    
Präsident Dr. al-Assad: Ja, ja, sicher, es ist legal, seit Jahrzehnten, seit der Unabhängigkeit. Die Exekution gemäß dem Gesetz, nach einer Verhandlung, ist eine legale Aktion, wie in irgendeinem anderen Gerichtshof in vielen Staaten dieser Region.                                     
Frage 28: Werden Sie internationalen Beobachtern erlauben, jenes Gefängnis zu besuchen, zu inspizieren und diesen Bericht zu untersuchen?
Präsident Dr. al-Assad: Es kommt auf die Glaubwürdigkeit jener Organisation an, nicht auf irgend jemand, da die daran gehen, diesen Besuch gerade dazu zu benutzen, die syrische Regierung mehr und mehr und mehr zu dämonisieren, wie es schon geschieht.
Frage 29:
Das ist nicht das erste Mal, daß sehr ernsthafte Menschenrechtsanschuldigungen erhoben worden sind. Erst letzte Woche, strengte in Spanien eine Syrerin einen Prozeß gegen neun höhere Geheimdienst- und Sicherheitsbeamte der Regierung wegen Menschenrechtsverstößen an. Ihr Bruder sei in einem Ihrer Gefängnisse verschwunden. sie fragten nach Dokumenten, die Rechtsanwälte, die dies [die Klage] eingereicht haben, die Ihre Regierung der Menschenrechtsverstöße anklagt, hat 3.000 Seiten an Beweis gesammelt und über 50.000 Photos, aufgenommen von einem Ihrer früheren Regierungsphotographen, die abgemagerte, gefolterte Körper in Ihren Gefängnissen zeigen.
Präsident Dr. al-Assad:
Wer hat diese Bilder überprüft? Wer hat überprüft, das sie nicht bearbeitet, mit Photoshop etc. verändert worden sind?
Journalist:
Haben Sie die Photos gesehen?
Präsident Dr. al-Assad:
 
Nein, habe ich nicht.
Journalist:
Haben Sie die Photos gesehen?
Präsident Dr. al-Assad:
Nein, nein, ich habe einige Photos in vorausgegangenen Reports gesehen. Doch es geht nicht ums Photo. Wie können Sie das Photo verifizieren?
Journalist:
Sie sagten, daß …
Präsident Dr. al-Assad:
Haben Sie ein Photo?
Journalist:
Ich habe die Photos.
Präsident Dr. al-Assad:
Können Sie`s mir zeigen?
Journalist:
Ja, es wird mir eine Freude sein, hier.   
Präsident Dr. al-Assad:
Dieses Photo … haben Sie überprüft, wer die sind?
Journalist:
Ich … kann Ihnen sagen ...
Präsident Dr. al-Assad:
Da sie es doch [dabei] haben und es vor Ihrem Publikum erwähnen …
Journalist:
Es gibt eine Anzahl Photos …          
Präsident Dr. al-Assad: Sie müssen Ihr Publikum überzeugen; Sie können nicht ein Bild erwähnen, ohne es überprüft zu haben, wer jene [Abgebildeten] sind und wo [es aufgenommen worden ist] und alles andere darüber, es nur vor das Publikum zu halten und zu sagen: „die sind von syrischen Soldaten getötet worden“ reicht nicht.
Journalist:  Die Frau, die den Prozeß angestrengt hat, die Syrerin, die den Prozeß angestrengt hat, sie sah [erkannte] Ihren Bruder in jenen Photographien.
Präsident Dr. al-Assad: Am Ende sind dies nur Behauptungen. Wir haben aber im Endeffekt über konkrete Belege zu sprechen. [Nur] darauf können sie Ihr Urteil begründen. Jeder kann sagen, was auch immer er mag.
Frage 30: Das US-Innenministerium übergab diese Photos dem amerikanischen FBI-Kriminallabor, dem Digitallabor. Sie examinierten diese Photos und sagten, die abgebildeten Körper und Szenen – es sind 242 dieser Bilder – die abgebildeten Körper und Szenen wiesen keine Bearbeitungen (artifacts) oder Ungereimtheiten auf, die darauf hinwiesen, sie seien manipuliert worden. Als Ergebnis dieser erwähnten Betrachtung erscheinen alle dieser 242 Bilder reale Körper und Vorgänge abzubilden.
Präsident Dr. al-Assad: Wer hat das gesagt?
Journalist: Das FBI. Haben Sie deren Bericht gesehen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wann war das?
Journalist: Das war 2015.
Präsident Dr. al-Assad: Die Frage ist, wann Ihre Institutionen aufrichtig hinsichtlich der Vorgänge in Syrien waren. Das ist die Frage. Niemals. Für uns, niemals, demnach müssen wir nicht dem vertrauen, was die sagen, falls das FBI etwas sagt, ist das kein Beweis für irgend jemand, ganz besonders [nicht] für uns. Das Wichtigste ist: wenn Sie diese Photos vor irgendeinen Gerichtshof in Ihrem Land bringen, können die dann aufgrund dessen einen Kriminellen verurteilen? Können Sie Ihnen erzählen, welches Verbrechen hier vorliegt, wer es begangen hat?  Wenn Sie nicht dieses ganze Bild beisammen haben, können Sie kein Urteil fällen; es ist nur Propaganda, nur fake news, sie wollen die syrischen Regierung dämonisieren. In jedem Krieg gibt es individuelle Verbrechen, es geschieht hier, überall auf der Welt, überall, doch es ist keine Richtlinie. 
Frage 31: Doch lassen Sie mich bloß … Wenn ich höre, was Sie sagen, das FBI transportiere … propagiere Propaganda, Amnesty International propagiere Propaganda, jedermann konspiriert gegen die syrische Regierung. Warum?                                 
Präsident Dr. al-Assad: Fragen Sie die, wir sind nicht …
Journalist: Sie sind der, der die Anschuldigung vorbringt.
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, ich bringe keine Anschuldigung vor, sie unterstützten Terroristen; und gehen Sie zurück zudem, was sie sagten … John Kerry gab vor ein paar Monaten mit eigener Stimme von sich: „Wir beobachten wie ISIS fortschreitet und wir erwarten, daß der syrische Präsident [dann] Konzessionen macht.“ (we were watching ISIS advancing, and we expected the Syrian president to make concessions). Was bedeutet das? Obama sagte in einer seiner Reden, daß der Krieg gegen den Irak ISIS schuf. Also: wer unterstützte ISIS? Wir schufen ihn nicht, sie schufen ihn, die USA schufen all dieses Chaos. Wer unterstützte die Rebellen und betitelte sie mit „moderate Rebellen“, während sie ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra [Mitglieder] in Syrien wurden. Wir taten es nicht. Demnach ist das keine Verschwörung, es sind Fakten, das ist die Realität. wir haben [denen] kein Geld gegeben, wir unterstützten diese Terroristen nicht. Ihr Land unterstützte sie [und] Großbritannien, Frankreich, in aller Öffentlichkeit; und sie sagten, sie schickten Waffen, wir nicht. Es ist also nicht, was ich vorbringe (allegation), es ist, was Ihre Amtsträger vorgebracht haben einschließlich Joe Biden, der Vizepräsident von Obama. Er sagte über Saudi-Arabien und andere Länder, daß sie Extremisten unterstützen.
Journalist: Das ist Saudi-Arabien, aber die USA …
Präsident Dr. al-Assad: Also, das Vorgebrachte ist, was diese vorgebracht haben; es ist von Amerikanern Vorgebachtes, bevor es von syrischer Seite vorgebracht worden ist.
Frage 32: Die USA und ihre Koalitionspartner bombten ISIS im Irak und Syrien, sie unterstützen die irakischen Armee in ihrem Bemühen, Mossul von ISIS zu befreien. Wie können sie da sagen, die USA unterstützten ISIS?
Präsident Dr. al-Assad: Können sie mir erklären, wie sie ISIS im Irak vernichten konnten und sich ISIS gleichzeitig ausbreitete seit die US-Koalition ihre Angriffe in Syrien begann?
Journalist: Breitet er sich jetzt aus?   
Präsident Dr. al-Assad: Er hat sich ausgebreitet, nein, er …
Journalist: Breitet er sich jetzt aus?
Präsident Dr. al-Assad: Er begann nach der russischen Intervention zu schrumpfen, nicht nach der amerikanischen. wie konnten die unsere Ölfelder nutzen und es mit Trucks mit  tausenden an Barrels in die Türkei transportieren ohne von Euren Drohnen und Satelliten gesehen worden zu sein, während die russischen dazu in der Lage waren, sie angriffen und zerstörten, ja all ihre Einrichtungen vernichteten. Wie [war das möglich]? Dies [die Aktion der US-geführten Koalition] ist eine kosmetische Kampagne gegen ISIS.
Frage 33: Nur um unmißverständlich zu sein: ich habe Ihnen den FBI-Report gezeigt, die Photographien, den Amnesty International-Report.  Wollen Sie an Untersuchungen mitwirken zwecks Bestimmung, ob diese sehr schwerwiegenden Reporte tatsächlich wahr sind?          
Präsident Dr. al-Assad: Sie haben mir viele Dinge gezeigt, doch Sie haben mit keinen einzigen Beweis vorgelegt.
Journalist: Ich habe Ihnen einen FBI-Report gezeigt.
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, das ist keinesfalls ein Beweisstück. Tatsächlich ist es das Gegenteil. Eine jegliche [US-]amerikanische Institution war, was uns betrifft, während der Syrienkrise gegen die Wahrheit [tätig], es war das Gegenteil der Wahrheit. So sehen wir das. Es ist keine syrische Institution, also sorgen wir uns nicht darum. Was mich betrifft kümmere ich mich um Berichte, die ich von der syrischen Bevölkerung erhalte; und wir haben Untersuchungen durchgeführt, da wir viele Anträge [zur Untersuchung] haben, nicht bzgl. Massenverbrechen, tatsächlich betreffen sie eher Handlungen Einzelner, und wir haben schon viele untersucht und viele Personen wurden bestraft, doch das geschieht in jedem Krieg.
Frage 34: Sind Sie …  Sind Sie über irgendwas davon [des vom Journalisten Vorgelegten] genügend beunruhigt, um zu versuchen, die Wahrheit selbst herauszufinden?
Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, Sie sollten es den westlichen Amtsträgern zeigen und ihnen jene Frage stellen: ob sie beunruhigt darüber sind, zu sehen, was vor sich geht, seit sie begannen, die Terroristen in Syrien zu unterstützen. Dieses Töten und diese Zerstörung. Das ist die Frage. Natürlich bin ich bestürzt, ich bin Syrer.
Journalist: Sind Sie darüber bestürzt? Über diese Reporte?
Präsident Dr. al-Assad: Über die Vorgänge in Syrien. Nein, nein, nicht über den Report. Um den sorge ich mich nicht.
Journalist: Nicht darüber [den genannten Report]?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, ich bin besorgt über die Vorgänge in Syrien. Es ist mein Land, es wird zerstört von Proxy-Terroristen [die als Stellvertreter kämpfen]; also [bin ich] selbstverständlich [darüber besorgt].
Frage 35: Sie haben eingestanden, daß Ihre Truppen in diesem Krieg Fehler bei deren Verfolgung (prosecution) der Rebellen gemacht haben, und daß jeder bestraft werden kann. also: über wie viele Fehler sprechen wir da?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das habe ich nicht gesagt. Das habe ich nie gesagt. Ich habe gesagt, daß es immer bei jeder Aktion Fehler gibt; das ist ein menschlicher …
Journalist: Über wie viele Fehler sprechen wir? Wie viele unschuldige Bürger sind durch Fehler Ihrer Armee getötet worden?                                             
Präsident Dr. al-Assad: Das weiß niemand., da tausende und abertausende jener vermißte Personen sind. Niemand weiß irgend etwas über deren Schicksal, überhaupt niemand. Demnach kann man das nicht bis zum Ende des Kriegs erörtern.
Frage 36: War es ein Fehler, Krankenhäuser in Aleppo zu bombardieren?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben niemals Krankenhäuser in Aleppo zu bombardiert. Wozu ein Krankenhaus bombardieren? Können Sie Ihr Publikum davon überzeugen, wir hätten ein Interesse daran, Krankenhäuser zu bombardieren? Tatsächlich gegen das gegen unsere Interessen. Es geht gegen unser Interesse, ein Krankenhaus zu bombardieren, wenn es als Krankenhaus betrieben wird; der „Beweis“ dafür [, wir hätten das getan,] war eine Lüge, jedesmal, wenn sie über die Bombardierung von Krankenhäusern sprachen; jedesmal hieß es, es sei das letzte Krankenhaus im Ostteil von Aleppo; das nächst Mal sprachen sie über ein anderes Krankenhaus und sagten dasselbe: „sie zerbombten das letzte Krankenhaus“. Also sind das Lügen und Lügen und Lügen. wir können das ganze Interview damit verbringen, über Lügen zu reden und wir können über die Wahrheit und die Realität sprechen. Ich habe über die Realität zu sprechen.
Frage 37: Ist es ein Fehler. Faßbomben und Chloringas zu verwenden?
Präsident Dr. al-Assad: Sie müssen wählen, welcher Teil des Narrativs korrekt ist: Einstmals sagten sie, wir würden wahllos bomben und sie nannten es  Faßbomben. Anderntags sagten sie, wir zielten auf Krankenhäusern, Schulen und Konvois. Entweder haben wir eine präzise Waffentechnik oder wir haben eine wahllos [tötende]. Also: welche [Seite] wählen Sie?
Frage 38: Gut, Sie geben also zu, daß unschuldige Bürger … daß es in diesem Krieg Opfer unter den Bürgern gegeben hat?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich, jeder Krieg ist ein schlechter Krieg, jeder Krieg ist ein schlechter Krieg. Man kann nicht über einen guten Krieg sprechen. Lassen Sie uns diesbezüglich übereinkommen. In jedem Krieg gibt es Opfer; in jedem Krieg zahlen unschuldige Menschen den Preis. Das ist das Schlechte am Krieg. Deshalb müssen wir diesen Krieg auch beenden; doch daß es Opfer gibt, bedeutet nicht, daß wir nicht unser Land gegen die Terroristen und gegen die Invasion von außerhalb durch jene Stellvertreter [-kämpfer] ausländischer Staaten wie der westlichen und regionalen Staaten verteidigen.  Das ist selbstverständlich.
Frage 39: Präsident Obama hielt 2013 eine Rede über US-Counterterrorismus-Anstrengungen einschließlich Drohnenangriffen und er sagte, während er solche Angriffe verteidigte, nichtsdestotrotz ist es für mich wie jene, die in meiner Kommandokette stehen, ein schlimmes Faktum, daß US-Angriffe zu zivilen Opfern geführt haben; solche Todesfälle werden uns ein Leben lang verfolgen. Werden Sie verfolgt von von den Todesfällen unschuldiger Bürger verursacht durch die Aktionen ihrer Regierungsarmee?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist ein wichtiges Beispiel bzgl. der Bewaffnung: es spielt keine Rolle, welche bombe Sie benutzen, nennen Sie es Faßbombe oder irgendwie anders; darum geht es nicht. Es geht um die Art, wie sie sie nutzen und ihre Absichten. Das ist der Grund, warum die Beschaffenheit der Kunst-Drohnen mit ihren Marschflugköpern, die amerikanischen Drohnen, viel mehr Bürger töteten als Terroristen. Es geht also nicht um die Drohne, es geht nicht um die Bewaffnung, es geht um Ihre Absichten. In unserem Fall in Syrien müssen wir zivile Opfer vermeiden – nicht nur, weil es unsere Leute sind und weil es sich hierbei um einen ethischen Sachverhalt handelt – es würde tatsächlich  den Terroristen in die Hände spielen. Wenn wir absichtlich Zivilisten töteten, würde das bedeuten, den Terroristen zu helfen. Wir würden es also nicht tun; wieso Bürger verteidigen und sie gleichzeitig töten?  Das geht nicht auf; es ist ein Widerspruch. Wenn wir die Bürger töteten, wen verteidigten wir dann in Syrien? Gegen wen und für wen?
Frage 40: Erst gestern [vgl. vorhergehendes Interview!] wurden Sie gefragt, ob alle Mittel in diesem Krieg gerechtfertigt seien, und sie sagten, Ihre Antwort war „ja“, es ist eine Pflicht. Also können sie jedes Mittel einsetzen, um die syrische Bevölkerung zu verteidigen?
Präsident Dr. al-Assad: Exakt
Journalist: Jedes Mittel?
Präsident Dr. al-Assad: Jedes Mittel.
Journalist: Einschließlich Folter?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das ist keine Verteidigung; Folter ist keine Verteidigung. Wieso Folter benutzen? Wo ist die Beziehung zwischen Folter und Verteidigung Deines Landes?
Journalist: Also wo ist die Linie zu ziehen?
Präsident Dr. al-Assad: Da gibt es Regeln, sehr klare Regeln wie für jede Armee; Wenn man sein Land verteidigen will, benutzt man die eigenen Waffen gegen die Terroristen. Das ist die einzige Regel, über die ich spreche. Die umfaßt alle Mittel, die man zur militärischen Verteidigung seines Landes einsetzen kann, sofern man über das Militärische spricht. Freilich gibt es daneben noch die Verteidigung auf politischer und ökonomischer und jeder weiteren Hinsicht in diesem Sinne des Wortes. doch wenn Sie das Militärische ansprechen, ist Folter kein Teil der Verteidigung des eigenen Landes.
Frage 41: Letzte Frage: können Sie uns ihre Vision von einer Beilegung dieses Konflikts schildern, und kann …  würden Sie, unter irgendwelchen Umständen bereit sein, zur Seite zu treten, falls das dieses Kriegsdesaster für die syrische Bevölkerung beenden kann?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv: von meiner Seite [gilt], wann immer die syrische Bevölkerung mich nicht [mehr] in jener Position haben will, werde ich [sie] geradewegs verlassen. für mich ist das eine ganz einfache Frage, darüber brauche ich nicht erst nachzudenken und es macht mir nichts aus.  Worüber ich mich sorgen würde, wäre, wenn ich in jener Position wäre ohne die öffentliche Unterstützung. Das wäre ein großes Problem für mich, das ich nicht ertragen könnte, so könnte ich nirgends produktiv sein.
Bezüglich des ersten Teils, worin ich die Lösung sehen würde, gibt es zwei Pfeiler: der erste ist die Terrorismusbekämpfung; ohne Bekämpfung des Terrorismus, ohne Auslöschung des Terrorismus würde keine andere Lösung irgendwie Früchte bringen, überhaupt nicht, keine Art von Lösung. Parallel dazu [passiert] der Dialog zwischen den Syrern über die Zukunft Syriens, das alles einbegreift, was auch immer,  bezüglich des politischen Systems, ganz Syriens in allem, was das Wort beinhaltet; wenn wir dann an die Abhaltung von Wahlen gehen  und eine nationale Einheitsregierung haben können,  dann  können Parlamentswahlen stattfinden; wenn dann die syrische Bevölkerung daran denkt, vorgezogene oder was auch immer für Präsidentschaftswahlen  abzuhalten, dann wird das ein gangbarer Weg sein.
Journalist: [Heißt das] vor Ende Ihrer Amtsperiode, demnach  2012, wie ich glaube?      
Präsident Dr. al-Assad: Wenn politischer Konsens darüber besteht.
Frage 42: Wie würden Sie entscheiden [determine], ob diesbezüglich politischer Konsens besteht oder nicht?
Präsident Dr. al-Assad: Das können wir zu jener Zeit entscheiden, es ist noch viel zu früh, darüber zu sprechen. Wir haben noch keine Etappe dahin beendet, die ich angesprochen habe. Wir haben niemals darüber nachgedacht, da wir die Umstände nicht kenne, mit denen wir dann konfrontiert sein werden. Doch am Ende, wenn man in einem Land lebt, kann man es spüren; Syrien ist kein Kontinent, es ist ein kleines Land; war können miteinander umgehen, wir kennen uns untereinander innerhalb Gesellschaft.; an kann erspüren, fühlen, wenn es da einen politischen Konsens gibt; wenn Sie dann etwas per documentum festgehalten haben wollen, dann können Sie ein Referendum abhalten – das ist ganz klar.
Frage 43: Haben Sie Grund zum Optimismus?    
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, ohne Optimismus hätten wir nicht sechs Jahre hindurch kämpfen können. Der einzige … der hauptsächliche [Grund zum] Optimismus, den wir gehabt haben, ist , daß wir daran gehen, jene Terroristen und ihre Herren/Puppenspieler (masters) zu bekämpfen und Stabilität in Syrien wiederherstellen; bedeutsamer als mein Optimismus noch ist die Zielstrebigkeit der syrischen Bevölkerung [dahingehend]. Das ist eine sehr wichtige Quelle des Optimismus‘.  Ohne diese Zielstrebigkeit wäre kein Syrien in diesen sehr schwierigen und  außerordentlichen  Umständen mehr auszumachen vom minimalen [Über]leben einmal abgesehen, [d.h.] nicht vom normalen Leben, sodern sozusagen vom minimalen Nochamlebensein gesehen, und bezüglich der Regierung kein Angebot verschiedener Dienstleistungen und Subsidien  u.s.w .
Journalist: Danke, Herr Präsident.        
Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank.

Ziel ist eine textnahe Übersetzung, die dem Leser noch Nachvollziehung der Gesprächsdynamik erlaubt.

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Interview des Präsidenten mit belgischen Medien vom 7.2.2017
(http://sana.sy/en/?p=99676, http://www.sana.sy/?p=505825)

Photo: SANA

Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, wir sind in Aleppo gewesen, wir haben die Zerstörungen gesehen, wie sehen sie den Weg zum Frieden heutzutage nach Astana?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie auf den Friedensprozeß schauen wollen, ist er im Wesentlichen nicht mit Astana verbunden, er steht in Verbindung zu etwas viel Größerem, nämlich: wie können wir den Zustrom von Terroristen nach Syrien stoppen bzw. wie können wir in Syrien die Unterstützung [der Terroristen] durch regionale Länder wie die Türkei, die Golfstaaten oder von Europa wie aus Frankreich und Großbritannien oder aus den USA während der Obama-Administration stoppen. Falls wir damit fertigwerden, ist das der Punkt, an dem man über den Rest sprechen kann, also über das politische Vorgehen. Astana ist [nur] eine der Initiativen während dieses Krieges in Syrien und es geht dabei um den Dialog zwischen Syrern untereinander. Es ist jetzt zu früh, Astana zu beurteilen, doch zunächst einmal war es positiv, da es um die Grundlagen der Einheit Syriens und die Entscheidung der Syrer über ihre Zukunft ging. [Doch] Wie kann man dieses Kommuniqué umsetzen? Das ist die Frage. So denke ich, wir sollten Astana zwei abwarten usw. Frieden [zu schaffen] bedeutet also zweierlei: den Terrorismus und die Terroristen zu bekämpfen, den [Unterstützungs-]Zufluß für den Terrorismus zu stoppen, jede Art logistischer Unterstützung. Und zum Zweiten: Dialog der Syrer untereinander, um über Zukunft  ihres Landes und des ganzen politischen Systems zu entscheiden. Das sind die Schlagworte dazu, wie wir die Zukunft Syriens sehen.
Frage 2: Wir haben viele Verstöße gegen die Waffenruhe konstatiert, betrachten Sie die Waffenruhe noch als anhaltend oder ist sie vorbei (tot)?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, sie ist nicht vorbei (tot);  es ist ganz natürlich bei jeder Waffenruhe überall auf der Welt, in jedem Krieg, in jedem Konflikt, daß diese Verstöße vorkommen. Es kommt manchmal auf individueller Ebene vor, jedoch bedeutet das keine Methode des Verstoßens gegen die Waffenruhe durch die Regierung oder irgendeine andere Partei; mit Derlei kann man auf täglicher Basis fertigwerden; doch bis zu diesem Moment hält die Waffenruhe.
Frage 3: Denken Sie, im Kampf gegen die Terrorgruppe IS (Daesh) sind alle Mittel gerechtfertigt?
Präsident Dr. al-Assad: Das hängt davon ab, was Sie unter „alle Mittel“ verstehen, man muß …
Journalist: Im wortwörtlichen Sinn „alle Mittel“.
Präsident Dr. al-Assad: Aha, doch weiß ich nicht, um welche zur Verfügung stehenden Mittel es sich handeln soll, um Ihnen antworten zu können, „alle Mittel“, daher  weiß ich nicht [was in Ihrem Sinne] „alle Mittel“ beinhaltet.  Wenn Sie aber über militärische Mittel sprechen wollen, dann ja, denn die Terroristen attackieren die Bürger – und dabei spreche ich nicht nur über den IS –  wenn also der IS und Ğabhatu_n-Nuṣra und alle al-Qâʽidaaffiliierten Gruppen in Syrien die Bürger attackieren, die Bürger töten, Leute köpfen, [fremdes] Eigentum, privates wie öffentliches, zerstören, die Infrastruktur zerstören, einfach alles in diesem Land, dann ist es sozusagen unsere konstitutionelle und gesetzmäßige Pflicht als Regierung und als Armee und als staatliche Institution, die syrische Bevölkerung zu verteidigen. Das ist keine Sache der persönlichen Meinung, das ist eine Pflicht. In diesem Sinn kann jedes Mittel zur Verteidigung der syrischen Bevölkerung.
Frage 4: Doch haben wir die Zerstörung in Aleppo gesehen, Sie haben die Bilder ebenfalls gesehen. Gab es keine andere Vorgehensweise?          
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich nutzten wir seit Beginn der Krise, des Krieges in Syrien jede mögliche Art. Wir ließen nichts unversucht, um die Leute an den Verhandlungstisch zu bewegen; doch wen Sie über die Terroristen sprechen, über Terroristen wie al-Qâʽida, wenn Sie über Ğabhatu_n-Nuṣra und den IS reden, dann glaube ich, keiner in dieser Welt würde glauben, die seien bereit zum Dialog. Sie sagen auch immer, daß sie dazu nicht bereit seien. sie haben ihre eigene Ideologie, ihren eigenen Wag, sie akzeptieren nichts, was mit einem bürgerlichen Staat oder einem bürgerlichen Land zu tun hat. Das tun sie einfach nicht. Und ich denke, sie als Europäer kennen diese Realität. Also nein, Dialog mit Ğabhatu_n-Nuṣra und al-Qâʽida ist keines der Mittel; doch wenn einer auf der individuellen Ebene bereit ist, seinen Weg (course) zu ändern, sind  wir als Regierung bereit, ihn zu akzeptieren und ihm Amnestie zu gewähren, wenn er in das normale Leben zurückkehren und seine Waffen abliefern will.  
Frage 5:  Die belgische Regierung nimmt Teil am Kampf gegen den IS (Daesh). Es befinden sich sechs F-16-Kampfjets im Kampf gegen den IS. Sind Sie der belgischen Regierung dankbar für diese Beteiligung?   
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie mich ganz offen zu Ihnen sein: wenn Sie von Beitrag zur Operation gegen den IS reden, [muß ich sagen], es gab keine Operation gegen den IS; es war eine kosmetische Operation – sofern sie über die US-Operation sprechen wollen. Es war nur eine illusorische Allianz, da sich der IS während jener Operation ausbreitete. Zugleich ist jene Operation eine illegale Operation, da sie ohne Rücksprache mit bzw. Erlaubnis der syrischen Regierung lief, welche die legitime Regierung darstellt,  und sie ist ein Verstoß gegen unsere Souveränität. Zum Dritten bewahrte sie keinen syrischen Bürger davor, vom IS getötet zu werden; wofür sollte man also dankbar sein? Um offen zu sein, gibt es dafür keinen Grund.  
Frage 6: Sie haben so oft bemerkt, es liege an der syrischen Bevölkerung, an der Verfassung, zu entscheiden, wer die (Staats-)Führung innehaben, wer Präsident sein solle. Wenn sich die syrische Bevölkerung für eine neue Führung entschiede, würden Sie erwägen zur Seite zu treten.
Präsident Dr. al-Assad: Wenn die syrische Bevölkerung einen anderen Präsidenten wählt, habe ich gar keine andere Wahl als beiseite zu treten. Ich würde beiseite treten, wäre weg von dieser Position; das ist selbstverständlich, weil die Verfassung den [die Regeln für die Bestimmung des] Präsidenten festsetzt und die Verfassung ihn gemäß der Wahlurne und der Entscheidung durch die syrische Bevölkerung [aus dem Amt] entfernt. Freilich ist das absolut selbstverständlich, nicht nur wegen der Wahlurne; denn wenn Sie keine öffentliche Unterstützung genießen, können sie in Syrien gar nichts erreichen, besonders in einem Krieg. Im Krieg brauchen Sie ganz besonders die öffentliche Unterstützung, um Ihr Land, die Stabilität und Sicherheit wiederherzustellen. Ohne sie können Sie nichts erreichen. Also ja, selbstverständlich.
Frage 7: Herr Präsident, ich bin 43 Jahre alt; wenn ich in Syrien geboren wäre, wäre immer ein Assad an der Exekutivmacht gewesen. Können Sie sich ein Syrien ohne ein Mitglied der Assad-Familie an der Macht vorstellen?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich ist das Land nicht unser Besitz, meiner Familie gehört das Land nicht, um zu entscheiden, daß nur ein Assad in jener Position sein könne. Das ist offensichtlich und könnte ein Zufall gewesen sein, da Präsident [Ḥāfiẓ al] Assad keinen Erben in der Institution als seinen Nachfolger besaß. Er starb, ich wurde gewählt. Er hatte nichts mit meiner Wahl zu tun. Als er Präsident war, hatte ich keinerlei Position in der Regierung inne. Wenn er mich zum Erben gewollt hätte, hätte er mich irgendwo eingesetzt, mir Verantwortung gegeben. Tatsächlich hatte ich keine Verantwortungsposition. Es ist nicht so wie vielfach in westlichen Medien seit meiner Wahl geschildert, da „er seinem Vater nachfolgte“ oder „sein Vater ihn in jene Position hievte“. Demnach ja, es liegt bei den Syrern, und jeder syrische Bürger hat das Recht, in jener Position zu sein.
Frage 8: Denken Sie, daß die EU oder gar die NATO eine Rolle bei so etwas wie dem Wiederaufbau des Landes, dem Wiederaufbau Syriens spielen kann?
Präsident Dr. al-Assad:  Sie können nicht jene Rolle spielen, während sie Syrien zerstören; die EU unterstützt nämlich von aller Anfang an in Syrien die Terroristen unter verschiedenen Benennungen: humanitär, moderat u.s.w. Tatsächlich unterstützen sie Ğabhatu_n-Nuṣra und ISIS von Anfang an. Sie waren Extremisten von Anfang an.  Also können sie nicht zur selben Zeit zerstören und aufbauen.  Zum Ersten müßten sie eine ganz klare Position bezüglich der Souveränität Syriens einnehmen, die Terroristenunterstützung einstellen. Das wäre seitens der Syrer die Voraussetzung dafür – wäre, sage ich – daß jene Länder eine Rolle in dieser Hinsicht spielen dürften. Doch wenn sie in der Zwischenzeitirgendeinem Syrer dieselbe frage stellten, würde er Ihnen sagen: „Nein, wir akzeptieren das nicht; jene Länder , die die Leute unterstützten, die das Land zerstörten, wollen wir hier nicht.“ Das denke ich.
Frage 9: Denken Sie, Belgien kann eine Rolle in Syrien spielen?
Präsident Dr. al-Assad:  Lassen Sie mich etwas über die europäische politische Haltung generell sagen: viele in dieser Region glauben, daß die Europäer politisch gar nicht existieren, sie folgen nur ihrem Herrn, welcher die (Amerikaner) USA sind. Also sollte sich die Frage um die Amerikaner [USA] drehen, und die Europäer werden folgen und umsetzen, was die Amerikaner [USA] wollen. Sie existieren nicht als unabhängige Staaten, und Belgien ist Teil der EU.
Frage 10: Es gibt eine neue Administration in Washington, mit Trump an der Macht. Was erwarten Sie von ihm? Gehen Sie davon aus, mit ihm eng zusammenzuarbeiten?
Präsident Dr. al-Assad: Was wir von Trumps Statements während und des Wahlkampfes und danach hörten ist vielversprechend [gewesen] hinsichtlich der Priorität der Terroristenbekämpfung, hauptsächlich von ISIS; das war ist es [gewesen], was wir während der letzten sechs Jahre erbeten haben. Das ist also vielversprechend; wir müssen abwarten, es ist noch zu früh, irgendwas Praktisches zu erwarten. Es könnte mit der Kooperation zwischen den USA und Rußland zu tun haben, was wir als positiv für den Rest der Welt erachten. Demnach ist es, wie ich schon erwähnt habe, noch zu früh für eine Beurteilung.
Frage 11: Gibt es, wenn Sie auf die letzten paar Jahre zurückblicken, etwas, das sie bedauern? 
Präsident Dr. al-Assad: Jeder Fehler kann ein Grund des Bedauerns sein, seitens eines jeden Individuums und als Mensch …
Journalist: Haben Sie Fehler gemacht?
Präsident Dr. al-Assad: Als Mensch mache ich Fehler, da das menschlich ist. Ansonsten wäre ich keiner.
Journalist: Was würden Sie als Fehler ansehen?
Präsident Dr. al-Assad: Ein Fehler ist, wenn Sie entweder die falsche Entscheidung treffen oder sie in der Praxis falsch umsetzen, das hängt von der Situation ab. Wenn Sei aber über die Krise sprechen wollen, wie ich aufgrund der frage annehme, sind die drei Entscheidungen, die wir von Anfang getroffen haben, ist [einmal] die Bekämpfung des Terrorismus – und die halte ich für korrekt; [die zweite] ist, Dialog unter den Syrern zu führen – das halte ich für korrekt; [letztlich] auf jede politische Initiative zu reagieren, ob sie ehrlich gemeint ist oder nicht – auch das halte ich für korrekt; tatsächlich unterstützten wir die Rekonziliierung zwischen den Syrern – und das halte ich für korrekt. Irgend etwas anderes könnte man als trivial ansehen; demnach haben Sie eine Menge Dinge hinsichtlich der praktischen Seite, hinsichtlich der Institutionen, da gibt es immer Fehler.
Frage 12: War dieser Krieg, wenn Sie zurückblicken, vermeidbar?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, denn da waren die üblen Absichten verschiedener Länder wie Saudi-Arabiens, Qaṭars, der Türkei, Frankreichs, Großbritanniens und der USA, dahingehend, Syrien zu destabilisieren; demnach hing das nicht von den Syrern ab. Da soll nicht heißen, daß wir nicht viele Schwachstellen vor dem Krieg hatten und heutzutage als ein Land, das es vielen anderen Ländern erlaubt, sich einzumischen. Ich schließe da [nichts] aus, sage nicht, daß es nur um jene [ausländischen Regierungen] geht: doch jene waren es, die die Initiative ergriffen, um diesen Krieg zu entfachen. Daher denke ich nicht, daß er vermeidbar war.
Frage 13: Sie hatten kürzlich eine belgische Parlamentsdelegation zu Besuch mit den den Herrn Dewinter und Carcaci – betrachten Sie sie als Freunde?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das sind keineswegs meine Verbündeten. Deswegen kommen sie nicht hierher. Sie sind hier, um zu sehen, was vor sich geht. Sie sind Verbündete der belgischen Bevölkerung. sie kamen hierher, weil die belgische Regierung – wie viele europäische Regierungen –heutzutage blind sind.  Sie haben keine Verbindung zu unserem Land auf welcher eben auch immer; daher sehen sie nicht, was [hier] vor sich geht; sie können demnach keine Rolle spielen. Also sind die einzigen Augen, die Sie haben, Delegationen, die aus Ihrem Land kommen; das ist eines davon, eins der Augen, die Ihre Regierung haben kann; Sie können viele weitere Augen haben in Form von Delegationen, die nach Syrien kommen. Demnach sind das nicht meine Verbündeten, sie kommen nicht meinetwegen hierher; sie kommen hierher, um sich die Situation anzusehen, und ich bin einer der Spieler im syrischen Konflikt; es ist also ganz natürlich, mich aufzusuchen, um meine Sicht der Dinge kennenzulernen.
Frage 14: Herr Präsident, nur noch eine Frage: nach den Siegen in Aleppo und Wâdî Baradâ sind Ihre Truppen nicht weit weg von al-Bâb; denken Sie, daß all diese bedeutenden Siege die Sichtweise der europäischen Regierungen bezüglich der syrischen Regierung ändern können?
Präsident Dr. al-Assad: Das weiß ich nicht. Ich denke, die müssen jene Frage beantworten. Für uns ist das unser Krieg; wir müssen jeden einzelnen Inch auf dem syrischen Territorium von jenen Terroristen befreien. Wenn die europäischen Regierungen  meinen, ihre Anstrengungen [zum Sturz der syrischen Regierung] seien vergeblich gewesen, ist das gut; sie mögen ihre Meinung ändern und letztlich ihre Unterstützung jener Terroristen einstellen, die nicht die Unterstützung der Öffentlichkeit in Syrien haben. Sie [die Terroristen] haben nur deswegen die Unterstützung der Europäer und der Golfstaaten – der wahhâbitischen Golfstaaten – um mehr Terrorismus und Extremismus in Syrien zu entfachen. Wir hoffen – das denke ich über die letzten zwei Jahre – daß die ganze Welt sich geändert habe, die USA haben sich gewandelt, die Situation in Syrien, in der Region generell hat sich geändert. Zwei Dinge jedoch haben sich nicht geändert – zumindest nicht bis zu diesem Moment: erstens und vor allem  ist al-Qâʽida nach wie vor vorhanden in Form von ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra  und – die Denkweise der europäischen Amtsträger, die hat sich nicht geändert, sie leben in der Vergangenheit.
Frage 15: Herr Präsident, was ist Ihrer Meinung nach unser … um zu fragen, wenn sich nach dem Krieg der Internationale Gerichtshof in Den Haag mit einigen Verantwortlichkeiten hinsichtlich der Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegenüber den syrischen Bürgern beschäftigen sollte, unterstützen Sie dann die Sichtweise, daß die Verantwortlichkeiten hinsichtlich der Kriegsverbrechen vor dem Internationale Gerichtshof in Den Haag verhandelt werden sollten?
Präsident Dr. al-Assad: Wir alle wissen, daß die UN-Institutionen nicht unparteiisch sind, sie sind parteiisch hauptsächlich aufgrund des US-, französischen und britischen Einflusses. Daher arbeiten die meisten jener Institutionen nicht daran, Stabilität in die Welt zu bringen oder nach der Wahrheit zu suchen;  sie sind ausschließlich politisiert, um die Agenden jener Staaten umzusetzen. Bezüglich meiner Person als Präsident, wenn ich meine Pflicht tue, dasselbe gilt für die Regierung und die Armee bei der Verteidigung unseres Landes, dann sehen wir nicht auf diesen Aspekt, wir kümmern uns nicht darum. Wir haben unser Land zu verteidigen auf jede Art, und wenn wir es mit allen Mitteln verteidigen müssen, kümmern wir uns nicht um diesen Gerichtshof oder irgend eine andere internationale Institution.
Frage 16: Ja. Akzeptieren Sie die Position der UN?
Präsident Dr. al-Assad: Das hängt von deren Position ab.  Die meisten Sichtweisen sind parteiisch, wie ich schon gesagt habe und zwar bezüglich jeder Organisation, in jedem Sektor, hinsichtlich der meisten Resolutionen gegen Syrien. Daher kam es möglicherweise zum ersten mal vor, daß Rußland und China in wenigen Jahren so oft ihr Veto einlegten, weil sie dieser Realität gewahr waren. Daher nein, wir akzeptieren sie nicht, wir akzeptieren sie nicht.

 

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Präsidenten-Interview mit dem japanischen TBS TV channel vom 20.1.2017
http://sana.sy/en/?p=98592

Interview mit TBS, Photo: SANA

Interview mit TBS vom 20.1.2017, Photo: SANA

Frage 1: Danke, Herr Präsident, danke dafür,  daß Sie uns bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit geben, Ihre  Sicht auf die Vorgänge in Syrien und die Zukunft diese Landes kennenzulernen. Vor allem habe ich eine Frage: jetzt da die Astana-Gespräche nahen, was erwarten und erhoffen Sie sich von dieser Konferenz?
Präsident Dr. al.Assad: Vor allem erst einmal herzlich willkommen in Damaskus;  es freut mich, zum ersten Mal während dieses Krieges zum japanischen Auditorium sprechen zu können.
Wir haben keine Erwartungen, wir haben sozusagen Hoffnungen für Astana, daß es zu einem Podium wird für Gespräche zwischen verschiedenen syrischen Parteien in jeder Hinsicht. Doch denke ich, es wird sich mehr auf den allerersten Anfang fokussieren  – es wird unserer Ansicht nach zur Priorität werden – daß Waffenruhe in den unterschiedlichen Orten Syriens einkehrt, um Menschenleben zu schützen und zu erlauben, daß humanitäre Hilfsgüter die unterschiedlichen Gebiete in Syrien erreichen. Es ist noch nicht klar, ob das Treffen auf einen politischen Dialog zusteuert, da bislang nicht feststeht, wer daran überhaupt teilnimmt. Insofern geht es um Gespräche zwischen der Regierung und terroristischen Gruppen  zum Zweck der Waffenruhe, die es den Terroristen ermöglicht, vom Rekonziliierungsangebot Gebrauch in Syrien zu machen, welches die Abgabe [schwerer und mittelschwerer] Waffen beinhaltet und die Erlangung der Amnestie der Regierung. Das ist das einzige, was wir in der Zwischenzeit davon erwarten können.
Frage 2: Akzeptieren Sie die Diskussion der Formierung einer Übergangsregierung bei der Konferenz?
Präsident Dr. al.Assad: Jegliche Diskussion sollte auf Basis der Verfassung erfolgen, da dies [d.i. diese Thematik] nicht der Regierung und der Opposition oder der Regierung und terroristischen Gruppen obliegt. Das obliegt jedem einzelnen syrischen Bürger, der das Recht hat, über die Zukunft Syriens zu entscheiden. In der Verfassung steht nichts von einer Übergangsregierung. Da gibt es [bloß] die reguläre Regierung, welche verschiedene Parteien und politische Gruppen in Syrien repräsentiert. Das ist unsere Vorgabe. Wenn irgend jemand Teil dieser Regierung werden will, die wir nationale Einheitsregierung nennen, dann, ja, steht dies jeder Seite außerhalb oder innerhalb Syriens frei; nach [Bildung] dieser Regierung kann darüber diskutiert werden über – lassen Sie mich sagen – Gesetzgebungs- bzw. Parlamentswahlen, denen dann später eine andere Regierung folgt, basierend auf den Ergebnissen der Wahlen.  
Frage 3: Der neue US-Präsident, Herr Donald Trump, wird demnächst inauguriert. Was erwarten Sie von Herrn Trump und welche Art Politikwandel erwarten Sei von ihm?
Präsident Dr. al.Assad: Wie Sie wissen, ist er einer der wenigen US-Präsidenten, die zuvor politisch nicht tätig gewesen sind. Die meisten der vorhergehenden Präsidenten hatten zuvor irgend welche politischen Ämter oder Positionen inne. Bei ihm ist das nicht so. Schaut man in die Medien, selbst US-Medien, so beschreiben sie ihn als unvorhersehbar, weil sie wenig über seine Visionen wissen. Die einzige Basis, aufgrund derer wir ihn beurteilen können, ist seine Rhetorik während des Wahlkampfes. Wenn Sie da herausgreifen, was wir als positiv darin und unsere Priorität erachten, dann ist es die Bekämpfung des Terrorismus; Präsident Trump sagte nämlich, seine Priorität sei die Bekämpfung des IS. Freilich ist der IS nur ein Aspekt des Terrorismus, eine der Organisationen. Wenn man über den IS redet, muß man auch über Ğabhatu_n-Nuṣra reden, da gibt es jetzt so viele al-Qâʽidaaffiliierte Gruppen innerhalb Syriens; doch denke ich, er [d.i. Trump] meinte mit dem IS den Terrorismus und so halte ich diese Priorität für sehr wichtig. Somit erwarten, hoffen wir, daß die nächste Administration aufrichtig bei der Umsetzung dieser Rhetorik bezüglich des Terrorismus sein wird und nicht nur Syrien helfen wird, da der Terrorismus heutzutage kein syrisches Problem ist, er ist ein Nah-Ost und ein globales Problem. Daher hoffen wir, daß sie aufrichtig ans Schmieden einer wirklichen und realistischen Allianz zur Terrorismusbekämpfung in der Region gehen und das würde selbstverständlich und vor allem Syrien miteinschließen.
Frage 4: Ich habe auch ein Interview gelesen, in dem sie die Lobbys in Washington DC erwähnten. Sie denken, die stören den Politikwandel?
Präsident Dr. al-Assad: Es ist ganz klar, daß die Mainstream-Medien, die verschiedenen Unternehmen, verschiedenen Lobbys … da besteht ein Verbund, eine Vereinigung dahingehend, daß sie gar keine Veränderung bräuchten, da sie ihr eigenes Interesse an der politischen Ausrichtung der USA haben, an der zerstörerischen Politik der USA, die wir fast die letzten  17 Jahre erlebt haben, seit George Bush  2000 an die Macht gekommen ist. Wir erleben nur, wie die USA Kriege lancieren, direkt oder indirekt durch Erfüllungsgehilfen; und jene verschiedenen Unternehmen, Lobbys, Medien haben ein Interesse am Bestehen dieser Art Probleme. Das kann ein finanzielles Interesse sein wie meist in solchen Fällen. Demnach ist es heutzutage ganz klar, daß die Schwierigkeiten bereiten, um jegliche Neuausrichtung der Politik des neuen Präsidenten zu behindern, sei es die Terrorismusbekämpfung oder die Respektierung der Souveränität anderer Staaten oder gar  die Entspannungspolitik rund um den Erdball durch gute Beziehungen mit Rußland oder irgendeiner anderen Großmacht wie China zum Beispiel.
Frage 5: Würden Sie im Verlauf des Kampfes gegen den sog. Islamischen Staat eine Abstimmung mit Mitspielern wie der Türkei, den Kurden und den USA suchen?
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst einmal, wenn man ganz transparent sein will: der IS wurde kreiert unter Aufsicht der USA wohl im Irak 2006, zuvor hieß er ISIS, er hieß IS, Islamischer Staat, er existierte nur im Irak, beschränkt auf den Irak. Als dann der Konflikt in Syrien losging, wurde aus ihm ISIS: Islamischer Staat im Irâq und in Syrien; noch später protegierte die Türkei diesen „Staat“, da sie [die IS-Anhänger] die syrischen Ölfelder auszubeuten pflegten und damit Geld zu machen, um noch mehr Kämpfer zu rekrutieren – und die Türkei war in den Ölschmuggel direkt involviert unter Einbindung und Komplizenschaft mit ISIS von Seiten Erdogans höchst persönlich. Daher können wir  einen aufrichtigen Kampf gegen ISIS durch die Türkei oder die USA nicht zu erwarten. Das jüngere und noch stärkere Beispiel ist die Attacke auf Palmyra vor ein paar Wochen, als sie [die IS-Terroristen Palmyra unter US-Aufsicht erneut  besetzen konnten, unter der Beobachtung durch die US-Drohnen; sie kamen durch die Wüste und okkupierten Palmyra.  Jetzt, da wir reden, greift ISIS Dair az-Zaur im östlichen Teil Syriens an, doch die [US-]Amerikaner taten nichts, um ISIS zu stoppen. Daher hat die sog. internationale Allianz gegen den Terrorismus inzwischen mehr als eineinhalb Jahre gebraucht und doch nichts erreicht, weil sie es gar nicht ernsthaft will. Bzgl. der Türkei [ist zu sagen:], Erdogan steht für die Muslimbruderschaft, er ist daher instinktiv und von Natur aus ein Sympathisant von bzw. auf engste verbunden mit ISIS  und al-Qâʽida, da sie dieselbe Ideologie teilen, von der er nicht wegkann.  Er spielt manche Manöver durch, um vorzugaukeln, er sei gegen jene Terroristen, gegen ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra; doch derzeit unterstützt er jene Organisation tagtäglich, denn ohne diese Unterstützung können sie [die genannten Terrororganisationen]  nicht überleben.
Frage 6: In Aleppo und andernorts sind Ihre und die russischen Streitkräfte kritisiert worden für das Bombardement auf  Wohngebiete, Wohnviertel und Hospitäler von Flugzeugen aus. Würden Sie sagen, jene menschlichen Tragödien seien unausweichlich für die Befreiung Aleppos?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich sind diejenigen, welche Rußland und Syrien der Bombardierens oder des Begehens von Verbrechen usw. beschuldigen, genau jene Länder, welche die Terroristen unterstützen, angefangen mit den USA, Großbritannien, der Türkei über Qaṭar und Saudi-Arabien wie andere ähnliche Länder. Die, welche die Terroristen direkt durch die Medien, auf politischer Ebene, durch Belieferung mit Waffen, logistischer Hilfe und Finanzierung unterstützt haben, haben kein Recht, um die syrischen Bürger [Krokodilstränen] zu weinen, denn sie sind der Grund dafür, daß syrische Bürger, unschuldige Leute während der letzten sechs Jahre getötet worden sind. Das als Erstes.
Zweitens ist es unsere Rolle als Regierung aufgrund der Verfassung, der Gesetze und unserer ethischen Verpflichtung gegenüber der syrischen Bevölkerung und den syrischen Bürgern, sie von den Terroristen zu befreien. Würde es irgend jemand akzeptieren, daß eine Regierung dabei ruhig zuschaut, wie irgendeine Region in irgendeinem Land unter die Kontrolle von Terroristen gerät, welche die Leute umbringen, alles zerstören und ihnen deren haßerfüllte Ideologie, die wahhâbitische Ideologie aufzuoktroyieren versuchen.
Freilich, Sie wollten über die Todesfälle reden. In jedem Krieg gibt es Todesfälle, jeder Krieg ist ein schlechter Krieg. In jedem Krieg fließt Blut, wird getötet, in jedem Krieg, jeder Art von Krieg. Man kann nicht über einen guten Krieg sprechen, das ist selbstverständlich. Doch wenn man zum Krieg Zuflucht nehmen muß, um den Terrorismus zu bekämpfen, dann wird es leider Todesopfer geben. Wir taten unser Möglichstes, um solche zu vermeiden; doch die, die [Krokodilstränen] um syrische Bürger weinen, haben die auch nur ein Fitzelchen an Beweis dafür bringen können, daß Syrer oder Russen [die Bürger] getötet hätten? Die andere Frage ist: wie kann eine Regierung auf ethische Weise ihre eigenen Bürger töten? Und wenn wir unsere eigenen Leute, die Bürger töteten, wie könnten wir sechs Jahre als Regierung, als Armee oder als Präsident überhaupt weiterbestehen? Das nicht logisch, nicht realistisch. Wir sind da, weil wir die öffentliche Unterstützung haben. Doch am Ende ist es, wie ich schon sagte: es gibt immer Todesopfer und wir hoffen, daß wir diesen Krieg wirklich so bald als möglich beenden können. Das ist der einzige Weg, wie den Syrern weiteres Blutvergießen ersparen können.
Frage 7: Ihre Streitkräfte wurden verdächtigt, Bomben mit Chloringas verwendet zu haben. Würden Sei das bestreiten?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich sprechen Sie über Chemiewaffen; über Chemiewaffen zu reden, bedeutet, Tausende von Menschen zu töten innerhalb sehr kurzer Zeit – doch dergleichen hat sich in Syrien seit Beginn der Krise nicht ereignet. Doch der wichtigste Punkt ist, daß man vom ethischen Standpunkt her als Regierung dies niemals tun würde, man würde – wie ich schon sagte – niemals die eigenen Leute umbringen, niemals Massenvernichtungswaffen gegen die eigene Bevölkerung einsetzen, das ist unmöglich. Doch zum Dritten, was noch wichtiger ist: wir unterzeichneten 2013 die Chemiewaffenkonvention*, gaben unser ganzes Arsenal auf und verfügen seither über keines mehr. Tatsächlich sind die Terroristen diejenigen, welche solche Waffen benutzen, erstmals 2013; im Frühjahr 2013 baten wir die Vereinten Nationen, eine Untersuchungsdelegation zu schicken, doch die [US-]Amerikaner blockten unseren Versuch ab, da sie zu jener Zeit wußten, wenn die Delegation  nach Syrien käme, fände sie konkrete Beweise dafür, daß die Terroristen Chloringas gegen unsere Soldaten eingesetzt haben. Daher widerspreche ich vollends dem Gehalt dieser Aussage [involviert in Frage 7], welche das westliche Narrativ bezüglich Syriens wiederspiegelt als Teil der Dämonisierung der syrischen Regierung wie der syrischen Armee.
Frage 8: Es gibt Millionen an (Binnen)flüchtlingen, einschließlich kleiner Kinder, und hunderttausende Tote. Wie denken Sie als Präsident über Ihre Verantwortlichkeit?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich ist das Los der Flüchtlinge, das sie ansprechen, eine Tragödie, insbesondere wenn sie über Kinder, junge Kinder reden, die Jugend – das sind unschuldige Menschen, sie haben mit diesem Krieg nichts zu tun, außer, daß sie davon negativ betroffen sind. Gerade wenn sie über die Kinder sprechen, die haben keinerlei politischen Bezug dazu; sie sind nur unschuldige Bürger, aber sie bezahlen vor allen anderen in der Gesellschaft den Preis. Sie sprechen also eine Tragödie an, mit der wir alltäglich leben. Daher ist das Gefühle, das wir angesichts dieses angesprochenen tagtäglichen Erlebens haben, der Ansporn für uns als Amtsträger, unser Möglichstes zu tun, um die Terroristen loszuwerden, welche dieses Problem verursacht haben, und Frieden und Stabilität zurück nach Syrien zu bringen. Das ist die Frage, die Syrer dem Präsidenten stellen. Und als Syrer fühle ich selbstverständlich mit jedem Syrer, der wegen des Krieges zu leiden hat. Doch die Frage [der Bürger] derzeit richtet sich nicht nach meinem Gefühl, deren Frage geht dahin, was wir tun; wann wir die Terroristen los sein werden. Doch der wichtigste Aspekt des Flüchtlingsproblems, den viele im Westen und der restlichen Welt nicht wahrnehmen, ist, daß das Flüchtlingsproblem nicht nur mit den Terroristen selbst zu tun hat, sondern mit dem Embargo, das der Westen und seine Alliierten gegen die syrische Bevölkerung verhängt haben. Dieses Embargo wirkt sich nicht auf die Regierung aus, sondern auf jeden einzelnen syrischen Bürger; es schadet dem Leben eines jeden syrischen Bürgers. Deshalb haben viele ihr Land verlassen, nicht nur wegen der Terroristenbedrohung, sondern tatsächlich deswegen, weil ihre Lebensgrundlage nicht ausreicht,  ihren normalen Lebensgrundbedarf weiterhin zu decken, sei es hinsichtlich des Erwerbs von Nahrung, schulischer Bildung, des Erhalts an medizinischer Versorgung, einfach von allem – sie können es nicht mehr bekommen. Daher mußten sie Syrien verlassen, um anderswo zu leben, ein Minimum an Leben zu haben, das jeder sucht.
Frage 9: Als dann, würden Sie im Lauf des  Friedensstiftungsprozesses die Option des Rücktritts in Betracht ziehen, wenn Sie dächten, das sei für die Rekonziliation notwendig?
Präsident Dr. al-Assad: Der Rücktritt des Präsidenten oder sein Verbleib im Amt ist eine Frage der Nation, sie geht jeden einzelnen Syrer an, da in Syrien der Präsident direkt vom Volk gewählt wird. [Darüber zu entscheiden] ist somit nicht das Recht der Regierung oder der Opposition, sondern das Recht eines jeden Syrers. Demnach ist in dieser Hinsicht der einzige Entscheidungsträger die Wahlurne. Wer auch immer möchte, daß der Präsident geht, kann zur Wahlurne schreiten und erklären „nein, wir wollen ihn nicht“. So funktioniert Demokratie überall auf der Welt. Von daher also: nein, das ist etwas, das wir weder mit der Opposition noch mit irgendeinem anderen Staat diskutieren. Das ist eine syrische Angelegenheit, sie ist Teil der Verfassung und betrifft die Verfassung. Dann, wann wir Wahlen haben oder eventuell vorgezogene Wahlen – das steht derzeit nicht auf dem Plan – nur dann ist der einzige Weg gegeben zu entscheiden, ob ich im Amt bleibe oder nicht. Nochmals: ich bin nicht die Problemursache. Als Präsident habe ich meinem Land während der Krise zu helfen, nicht zu fliehen, nicht zu entkommen zu suchen, nicht zu sagen: „Ich muß gehen und lasse die Leute sich selber durchschlagen“. Nein, das ist nicht die Lösung. In der Krise muß der Präsident am Ruder stehen, sich um die Krise kümmern; nach Beendigung der Krise kann er womöglich sagen, er wolle bleiben oder gehen – das ist dann der Punkt, an dem die syrische Bevölkerung ihm sagen kann: „bleib“ oder „nein, Du mußt gehen, wir wollen Dich nicht mehr“.
Frage 10:  Welche Rolle erwarten Sie, daß Japan im Friedensstiftungsprozeß und dem Wiederaufbau Syriens spielen solle; Wiederaufbau und Sanierung als Japans Rolle?     
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie mich ganz frei mit einem japanischen Gast in Syrien sprechen: seit unserer Unabhängigkeit, seit Beginn der Beziehung zwischen Syrien und Japan vor Dekaden spielte Japan eine sehr wichtige und unerläßliche Rolle bei der Entwicklung, bei der Unterstützung der Infrastruktur etc., in verschiedenen Ländern, Syrien eingeschlossen. Japan war auch immer unvoreingenommen hinsichtlich der verschiedenen Sachfragen mit Bezug auf den Nahen Osten. Es respektierte immer das Völkerrecht bis zum  Beginn der Krise; da war es zum ersten Mal, daß Japan mit diesem Verlauf gebrochen hat, als es sagte, der syrische Präsident solle gehen. Nun die Frage: basiert das auf den Werten und der Ethik des japanischen Volkes? Definitiv nicht. Jeder weiß, wie ethisch motiviert die Japaner sind, jeder weiß das. Basiert das [die Forderung] auf dem Völkerrecht? Nein, wir sind ja ein souveränes, ein unabhängiges Land; niemand in der Welt [außerhalb Syriens] hat das Recht zu entscheiden, wer [in Syrien] bleiben oder gehen soll. Leider geschah das im Einklang mit der [US-]amerikanischen und westlichen Politik. Nochmals: Japan trat dem Embargo gegen Syrien bei, Japan, das früher der syrischen Bevölkerung geholfen hatte.  Hat das Embargo gegen die syrische Bevölkerung irgend etwas mit den Interessen der japanischen Bevölkerung, ihren werten oder Gesetzen, ihrer Verfassung etc. zu tun? Das denke ich nicht. Wie kann also Japan in diese Rolle schlüpfen, während es nicht einmal eine Botschaft [im Land[ hat, um zu verfolgen, was hier vorgeht? Tatsächlich ist es im politischen Sinne damit ebenso blind wie viele westliche Länder, die keine [diplomatische] Beziehung zu unserer Regierung oder unserem Land unterhalten; sie können demnach keine Rolle spielen, weil sie nicht wissen, was [hier] vorgeht. Ihre Informationen stammen aus westlichen Ländern, was für uns absurd ist. Wiederaufbau Syriens … Sie können nicht über den Wiederaufbau sprechen während Sie ein Embargo verhängt haben;  sie können nicht mit der einen Hand, Essen an mich austeilen und es mit der anderen wieder wegnehmen. Demnach geht es um die Politik Japans. Es muß zum Völkerrecht zurückkehren, wir sind ein souveränes Land, sie [die Japaner] haben Syrien immer respektiert, daher erwarten wir von ihnen, zu jener Linie zurückzugehen, die Japan von den meisten Ländern der Welt unterschied. Von dort aus kann Japan sicherlich eine wichtige und entscheidende Rolle bezüglich [Erlangen] des Friedens, der Beendigung des Blutvergießens und des Wiederaufbau spielen, um jenen Leuten zu helfen. Die meisten Flüchtlinge brauchen niemanden, der ihnen sagt: „Ihr seid willkommen“ in Deutschland oder in Frankreich oder irgendeinem anderen Land; die wollen zurückkehren in ihr eigenes Land; sie wollen nicht, daß man ihnen dort hilft, sie wollen, daß man ihnen hier hilft.  Das ist unsere Sicht auf die künftige Rolle Japans; wir haben die Hoffnung, daß Japan sich dessen besinnt, wie wir es während der Dekaden davor [vor Beginn der Krise] kannten.
Journalist: Wie Sie wissen, hat Japan Erfahrung in und eine Funktion bei der Bildung einer Nation vor 70 Jahren [gehabt]: Japan könnte Ihrem Land Ratschläge bzgl. Wiederaufbau und Rekonstruktion geben.
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, selbstverständlich. Wir hoffen darauf.
Frage 11: Wie Sie wissen, ist der japanische Journalist Jumpei Yasuda, ein sehr fähiger Journalist und mein Freund, im Juni 2015 in Syrien entführt worden. Haben Sie irgendwelche Informationen über seinen Aufenthaltsort oder über seine Situation?<
Journalist: Er wurde von Ğabhatu_n-Nuṣra als Geisel genommen.
Präsident Dr. al-Assad: Wer Ihnen da mit Informationen weiterhelfen könnte, sind die Türken, denke ich, da sie die Aufsichtsführenden (supervisors) von Ğabhatu_n-Nuṣra sind; sie müßten jegliche Information haben die Ğabhatu_n-Nuṣra hat zusammen mit deren Geheimdienst und deren Regierung.<
Journalist: Und hat die japanische Regierung Ihre Regierung kontaktiert?
Präsident Dr. al-Assad:  Leider nein. Es gab keinen einzigen Kontakt zwischen der syrischen und der japanischen Regierung hinsichtlich irgendeines Sachverhalts einschließlich dieses japanischen Journalisten, der am Ende ein japanischer Bürger ist.
Frage 12:  Sie definierten die Rolle Japans durch … Japan gehört –Ihrer Meinung nach – gehört es zur Koalition der USA, denken Sie das?
Präsident Dr. al-Assad:  In Syrien?
Journalist: Ja.
Präsident Dr. al-Assad:  Die Frage ist doch, was jene Koalition tatsächlich erreicht hat: nichts. Seit Beginn von deren Luftangriffen, die kosmetische Luftangriffe gewesen sind – um ganz offen mit Ihnen zu sein – hat sich ISIS ausgebreitet bis die Russen Ende September 2015 gegen ISIS intervenierten;  ab da begann ISIS zu schrumpfen. Demnach hat jene Koalition nicht ausgerichtet, sie töteten einzig syrische Soldaten, die in jenem Gebiet gegen ISIS kämpften, sie zerstören die Infrastruktur der Syrer, die sie während der letzten 70 Jahre seit der Unabhängigkeit aufgebaut haben, jeden Sektor jener Infrastruktur, sei es die Ölfelder, Schulen, Brücken, Raffinerien, alles ist zerstört durch die Koalition. Das ist leider die einzige Errungenschaft jener Koalition.
Frage 13: Ihr Plan zum Wideraufbau dieses Landes, wie lange wird es dauern? Wie sieht Ihre Zeitplanung aus?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben damit schon vor Beendigung der Krise begonnen, haben Pläne erstellt und begonnen mit den Vorstädten rund um Damaskus und nun planen wir für Aleppo und andere Städte, um weitere zerstörte Vorstädte wiederaufzubauen und zwar auf moderne Weise. Wir haben also nicht erst gewartet und wir warten weiterhin nicht bis zum Ende der Krise. Wir können gleich anfangen, da die Syrer entschlossen sind, ihr Land wiederaufzubauen. Wir erbauen Syrien. Syrien wurde nicht durch irgendwelche Ausländer erbaut. Wir bauten es mit unseren Ingenieuren auf, mit unseren Labors, unseren Ressourcen, mit der Hilfe einiger Freunde – finanzieller Hilfe, nicht technischer! Wir haben also die Fähigkeit, Syrien wiederaufzubauen. Es braucht Zeit, da eine Menge Geld nötig ist. Die Syrer, jeder Syrer baut sein eigenes Haus gemäß seinen Ressourcen auf, sogar wenn sie begrenzt sind; da sind die Auslandssyrer (expatriates), die Flüchtlinge, die Syrien verlassen haben; einige von ihnen sind wohl situiert, sie wollen zurückkommen;  und mit der Unterstützung unserer Freunde Rußland, China [wird es gelingen]. Viele andere Länder haben begonnen, über den Wiederaufbau von Syrien zu diskutieren und sie werden durch ihre finanziellen Ressourcen behilflich sein. Es gibt also viele Ressourcen, um Syrien wiederaufzubauen. Es geht nicht um die Zeit[planung], es wird Zeit brauchen. Jeglicher Wiederaufbau braucht Zeit; doch das Wichtigste ist, daß Sie die Fähigkeit haben, Ihr Land wiederaufzubauen. Darum machen wir uns keine Sorgen. Worüber wir uns sorgen, ist, wie wir die Psyche der Menschen wiederaufbauen können, die so viele Jahre unter Kontrolle von ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra gestanden sind, deren Geist verschmutzt wurde durch Aufoktroyierung dieser Ideologie, dieser, wie ich sagte, wie ich sie nannte haßerfüllten wahhâbitischen Ideologie**. Sie sahen den Tod, das Gemetzel, und manche Kinder töteten gar mit ihren Händen unschuldige Menschen. Wie können wir solche Gemüter wieder in Ordnung bringen, ihre Seelen wieder gesund machen? Das ist unsere große Sorge nach der Krise.
Journalist: Danke, vielen Dank.
Präsident Dr. al-Assad: Ich danke Ihnen.                    

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[Farbliche Hhg. jeweils blogseits]

*Derzeit nicht beigetreten: Ägypten, Israel, Nord-Korea, Süd-Sudan.

**Beispiele dieser gefährlichen Verbildung von Kindern und Jugendlichen im Irak schon mehrfach bekannt geworden. Vgl. „Kinder des Kalifats“ und „Löwenjungen des Kalifats“,  das IS-Waisenhaus oder Jihadi John bzw. Jane.

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Statement von Präsident Dr. al-Assad gegenüber französischen Medien
vom 9.1.2017, http://sana.sy/en/?p=97969

 

Präsident Dr. al-Assad am 9.1.2017, Photo: SANA

Präsident Dr. al-Assad am 9.1.2017, Photo: SANA

 

Frage 1: Gerade erst haben Sie eine Delegation französischer Parlamentarier empfangen. Denken Sie, daß dieser Besuch einen Einfluß auf die französische Position gegenüber Syrien haben wird?

Präsident Dr. al-Assad: Das ist eine [typisch] französische Frage. Wir hoffen, daß jede Delegation, die hierher kommt, die Wahrheit über das, was sich in den letzten Jahre seit Beginn des Kriegs vor sechs Jahren in Syrien abgespielt hat, sehen will. Das Problem nun, insbesondere hinsichtlich Frankreichs ist, daß  es keine Botschaft [in Syrien] und damit keinerlei Beziehungen zu Syrien unterhält. Es ist wie …, ja wie ein blinder Staat. Wie kann man eine Politik bezüglich einer gewissen Region machen, ohne sie sehen zu können, da man blind ist. Man muß sehen können. Die Bedeutung solcher Delegationen besteht darin, daß sie als Augen ihrer Staaten fungieren;  doch das hängt vom [betreffenden] Staat ab: will er [so] sehen [können] oder weiterhin die straußenähnliche Politik beibehalten. Sie [wohl: die leitenden Politiker solcher Staaten] wollen nicht die Wahrheit sprechen, da sich derzeit alles in der Welt bzgl. Syrien auf jeder Ebene im Wandel befindet, auf lokaler, regionaler und internationaler [Ebene]. Bis zu diesem Moment hat die französische Administration ihre Position nicht geändert, sie behält die alte Redeweise bei, die mit der Realität [vor Ort] nichts zu tun hat. Daher nähren wir die Hoffnung, daß es im Staat jemanden gibt, der diesen Delegationen [besser: Delegierten] und den Fakten zuhören will. Dabei spreche ich nicht über meine Meinung, sondern über die Realität in Syrien. Also, wir hoffen.

Frage 2: Herr Präsident, sie sagten, Aleppo sei ein bedeutsamer Sieg für Syrien gewesen und ein bedeutender Wendepunkt in der Krise. Was fühlen Sie beim Anblick der hunderten von Bürgern, die im Bombenhagel getötet worden sind, und angesichts der Verheerung der Stadt?

Präsident Dr. al-Assad: Natürlich ist es schmerzlich für uns als Syrer, jeden Teil unseres Landes zerstört zu sehen oder das Blutvergießen überall, das ist absolut klar (self-evident). Es ist der emotionale Teil. Aber als Präsident  und Amtsträger ist die die Syrer angehende Frage: was werde ich tun. Es geht nicht nur um das Gefühl, jenes ist ganz klar, wie schon gesagt. [Es geht darum:] wie wir unsere Städte wiederaufbauen.

Frage 3: War aber die Bombardierung von Ost-Aleppo die einzige Lösung, die Stadt zurückzubekommen – mit so vielen getöteten Bürgern, Ihren Landsleuten?

Präsident Dr. al-Assad: Es kommt darauf an, welche Art Krieg man sucht. Denken Sie an einen leisen Krieg ohne Zerstörung? Noch niemals in der Geschichte habe ich von einem guten Krieg gehört, jeder Krieg ist schlimm. Warum schlimm? Weil jeder Krieg mit Zerstörung einhergeht und mit Töten – deshalb ist jeder Krieg schlecht. Man kann nicht sagen „das ist ein guter Krieg“, sogar wenn er einen guten, einen noblen Grund hat wie das eigenen Land zu verteidigen. Trotzdem ist er übel. Daher ist Krieg keine Lösung, wenn es noch eine andere gibt. Doch die Frage ist nun: wie kann man die Bürger in jenen Regionen von den Terroristen befreien? Wäre es besser, es sein zu lassen, die Bürger unter deren Kontrolle, unter deren Unterdrückung leiden zu lassen, wo Terroristen über ihr Schicksal bestimmen,  ihnen den Kopf abschlagen, sie töten, wo es alles bloß keinen Staat gibt? Wäre das die Rolle des Staates, zuzuschauen und abzuwarten? Man muß sie befreien und das hat manchmal seinen Preis. Aber am Ende sind die Bürger von den Terroristen befreit. Das ist nun die Frage: sind sie befreit oder nicht? Falls ja, dann ist das das Vorgehen, was wir einzuschlagen haben.

Frage 4: Herr Präsident, am 30. Dezember wurde eine Waffenruhevereinbarung unterzeichnet. Warum kämpft dann die syrische Armee weiterhin nahe Damaskus in der Region von Wâdî Baradâ?

Präsident Dr. al-Assad: Zunächst einmal: die Waffenruhe betrifft verschiedene Parteien. Wenn Sie also sagen, es besteht [nur dann] eine tragfähige Waffenruhe, wenn jede Partei mit dem Kämpfen und Schießen aufhört, [dann] ist das in vielen Regionen Syriens nicht der Fall, wie das russische Überwachungszentrum hierzu berichtet hat. Verstöße gegen die Waffenruhe gibt es täglich, inklusive in Damaskus; doch in Damaskus hauptsächlich, weil die Terroristen die Haupttrinkwasserquelle von Damaskus besetzt halten, wo derzeit seit der letzten drei Wochen mehr als fünf Millionen Menschen vom Wasser abgeschnitten leben; die Rolle der Armee besteht somit darin, jene Region zu befreien, um die Terroristen daran zu hindern, die Wasserquelle dazu zu benutzen, die Hauptstadt auszudursten. Das ist der Grund.

Frage 5: Herr Präsident, der IS nicht Teil der Waffenruhevereinbarung?

Präsident Dr. al-Assad: Nein [ist er nicht].

Journalist: Planen Sie, ar-Raqqa wiedereinzunehmen und wann?

Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie mich erst den zweiten Teil der ersten Frage beantworten: die Waffenruhevereinbarung betrifft nicht den IS und Ğabhatu_n-Nuṣra, und das Gebiet, in dem wir seit kürzlich kämpfen, um es zu befreien, betrifft das Gebiet der Wasserressourcen der Hauptstadt Damaskus; es ist besetzt von Ğabhatu_n-NuṣraĞabhatu_n-Nuṣra hat ganz formell erklärt, daß es das Areal besetzt hält. Demnach ist es nicht Teil der Waffenruhevereinbarung.
Hinsichtlich ar-Raqqa ist es selbstverständlich unsere Mission – entsprechend der Verfassung und den Gesetzen – jeden Zentimeter des syrischen Landes zu befreien. Das steht außer Frage und nicht zur Debatte. Doch es geht um das Wann bei unseren Prioritäten; das [hier] ist eine militärische Angelegenheit, die der militärischen Planung, der militärischen Prioritäten. Doch national gesehen gibt es keine Priorität, denn jeder Zentimeter Syriens sollte sich im Einflußbereich der Regierung befinden.

Frage 6: Ende des Monats werden bedeutsame Gespräche in Astana stattfinden, einschließlich etlicher syrischer Parteien und inklusive einiger, lassen sie uns sagen, oppositioneller Gruppen. In wie fern sind Sie bereit, mit denen direkt zu verhandeln, und in wie fern sind Sie bereit, zu verhandeln, um dem Frieden zurück nach Syrien bringen zu helfen.

Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich sind wir bereit dazu und haben [in der Vergangenheit] bekanntgegeben, daß unsere Delegation bereit ist, an der Konferenz teilzunehmen, wann sie die Zeit für jene Konferenz definieren … festlegen. Wir sind bereit alles zu verhandeln. Wenn Sie über Verhandlung bzgl. des Endes des Konflikts in Syrien oder Gespräche über die Zukunft von Syrien ansprechen, ist alles vollkommen offen; da gibt es keine Grenze für Verhandlungen. Doch wer wird von der anderen Seite hingehen?  Das wissen wir bis jetzt nicht. Wird es die echte syrische Opposition sein – wenn ich sage „echte“, meine ich eine in Syrien gewachsene, keine saudische, französische oder britische – es sollte die syrische Opposition sein, um syrische Belange zu diskutieren. Demnach wird die Tragfähigkeit oder lassen Sie uns sagen, der Erfolg jener Konferenz von diesem Punkt abhängen.

Frage 7: Sind Sie sogar bereit, über ihre Position als Präsident zu diskutieren? Das ist bestritten worden.

Präsident Dr. al-Assad: Nun, meine Position hängt jedoch mit der Verfassung zusammen und die ist sehr deutlich hinsichtlich die Mechanismen, welche jemand zum Präsidenten machen oder wie man einen Präsidenten los wird. Wenn sie also diesen Punkt diskutieren wollen, müssen sie über die Verfassung diskutieren. Die Verfassung aber steht nicht zur Verfügung der Regierung oder des Präsidenten oder der Opposition; sie sollte unter Verfügungsgewalt der syrischen Bevölkerung stehen. Demnach bräuchte es ein Referendum für eine jegliche Verfassung. Das ist ein Punkt, der natürlich bei jenem Treffen besprochen werden könnte. Doch können sie nicht sagen „wir brauchen diesen Präsidenten“ oder „wir brauchen jenen Präsidenten nicht“, eben weil das Präsidentenamt Sache der Wahlurne ist. Wenn sie ihn nicht brauchen, laßt uns zur Wahlurne schreiten! Die syrische Bevölkerung sollte einen Präsidenten wählen, nicht [nur] ein Teil davon.

Frage 8: Und was wird bei diesen Verhandlungen das Schicksal der Rebellenkämpfer sein?

Präsident Dr. al-Assad: Seit der letzten drei Jahre hindurch biete die Regierung – und zwar weil wir grundsätzlich Frieden in Syrien anstreben – Amnestie für jeden militanten an, der seien Waffen abgibt. Das hat Erfolg gehabt. Diese Option wird es weiterhin für die geben, die in ihr normales Leben zurückkehren wollen. Es ist das Maximum des Anbietbaren: Amnestie.

Frage 9: Herr Präsident, wie Sie wissen werden in Frankreich Präsidentschaftswahlen stattfinden. Haben sie einen Favoriten oder bevorzugen sie einen der Kandidaten?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir haben keinerlei Kontakt zu irgendeinem von denen und wir können wenig auf die Statements und Rhetorik während der Wahlkampagne zählen. Daher sagen wir immer: laßt uns abwarten und sehen, wie sich die Politik erweist, nachdem sie auf ihren Posten sind. Dennoch haben wir immer die Hoffnung, daß die nächste Administration oder Regierung oder der nächste Präsident, daß sie sich also um die Realität kümmern wollen, um sich von der Politik abzunabeln (disconnect), welche sich abseits (disconnected) der Realität abgespielt hat. Das ist unsere Hoffnung; [so] können sie im Interesse der französischen Bevölkerung arbeiten, weil die Frage nach sechs Jahren ist: fühlen sie sich als französischer Bürger sicherer? Ich denke nicht, die Antwort ist: ja.

Frage 10: Aber ein Kandidat, Francois Fillon, vertritt nicht dieselbe Position wie die offizielle; er will den Dialog mit Syrien wiederbeleben. Erwarten Sie, daß seine Wahl, sollte es dazu kommen, die Position Frankreichs gegenüber Syrien ändern könnte?

Präsident Dr. al-Assad: Seine Rhetorik bzgl. der Terroristen, oder lassen sie mich sagen: zur Priorität der Bekämpfung der Terroristen und der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten, sind willkommen, doch müssen wir vorsichtig sein, da wir in dieser Region während der letzten Jahre gelernt haben, daß viele Amtsträger das Eine sagen und das Andere tun. Damit möchte ich nicht sagen, daß Herr Fillon das tue. Ich hoffe das nicht. Doch wir müssen abwarten und sehen, denn es besteht kein Kontakt. Doch sollte das, was er sagte, auch umgesetzt werden, wäre das sehr gut.

Frage 11: Schätzen Sie Francois Fillon als Politiker?

Präsident Dr. al-Assad: Mit ihm habe ich keinerlei Kontakt oder Kooperation. Demnach hätte nichts, was ich jetzt sagte, irgendeine Glaubwürdigkeit, um ganz offen zu sein.

Frage 12: Haben Sie eine Botschaft für Frankreich?

Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, wenn ich eine solche an die Politiker richten wollte, würde ich etwas Selbstverständliches sagen: sie sollten im Interesse der syrischen [logisch wohl eher: französischen] Bürger handeln, nicht gegen sie wie in den vergangenen sechs Jahren, denn die französischen politischen Entscheidungen  [dieser Jahre] verletzten die französischen Interessen. Den Franzosen würde ich sagen: die Mainstream-Medien haben versagt [a.V.: berichteten falsch] wie die meisten im Westen. Die [besser: ihre] Darstellung ist durch die Realität entlarvt worden; sie haben alternative Medien zur Verfügung, um die Wahrheit zu erfahren. Die Wahrheit ist das Hauptopfer der Ereignisse in Nah-Ost einschließlich Syriens. Jeden Bürger in Frankreich würde ich auffordern, nach der Realität zu suchen, nach echter Information mittels alternativer Medien. Wenn sie nach dieser Information suchen, können sie effektiver mit ihrer Regierung umgehen oder zumindest einigen Politikern nicht erlauben, ihre Politik auf Lügen auszubauen. Das, so denken wir, ist das Wichtigste während der letzten sechs Jahre.

Frage 13: Herr Präsident, Ihr Vater war lebenslang Präsident von Syrien. Denken Sie daran, eines Tages nicht mehr Präsident zu sein?

Präsident Dr. al-Assad: Natürlich. Das hängt von zwei Dingen ab: das erste ist der Wille der syrischen Bevölkerung; wollen sie jene Person als Präsident oder nicht. Wenn ich Präsident sein wollte, während die syrische Bevölkerung mich nicht wollte, auch wenn ich die Wahlen gewänne, hätte ich keinen starken Rückhalt und könnte nichts bewirken, schon gar nicht in einer komplizierten Region wie in Syrien. Sie können nicht nur gewählter Präsident sein, das funktioniert nicht, Sie brauchen die Unterstützung der Bevölkerung. Ohne sie können sie keinen Erfolg haben. Dann hat es keine Bedeutung, Präsident zu sein. Das zweite ist: wenn ich Präsident werden möchte, kann ich mich nominieren; das aber hängt wieder vom ersten Faktor ab: wenn ich merke, daß die Syrer mich nicht haben wollten, werde ich das freilich nicht tun. Es geht also hauptsächlich nicht um mich, sondern um die Syrer: wollen sie mich oder nicht. Das ist meine Sicht der Sache.

Frage 14: Letzte Frage: Donald Trump ist designierter Präsident der USA und im Amt in weniger als zwei Wochen. Er hat ganz klar gesagt, er wolle die Beziehungen zu Rußland verbessern, das einer Ihrer Hauptverbündeten …

Präsident Dr. al-Assad: Ja, genau.

Journalist: Ziehen Sie es in Betracht … erwarten Sie, daß dies die Position der USA gegenüber Syrien ändern wird.

Präsident Dr. al-Assad: Nun, wenn man darüber realistisch sprechen will – das syrische Problem existiert ja nicht isoliert, ist nicht nur ein innersyrisches – der tatsächlich größte Teil oder besser gesagt, der Hauptteil des Syrienkonflikts ist regional und international [basiert]. Der einfachste Teil davon ist innersyrisch. Der regionale und internationale Teil hängt hauptsächlich von der Beziehung zwischen den USA und Rußland ab. Was er gestern abend verkündete war sehr verheißungsvoll; wenn es da eine ehrliche Annäherung oder Initiative hin zur Verbesserung der Beziehung zwischen den USA und Rußland gibt, hätte das Auswirkung auf jedes Problem in der Welt, einschließlich Syriens. Daher würde ich sagen: ja, wir denken, das ist positiv für den Syrienkonflikt.

Journalist: Was ist [daran] positiv?

Präsident Dr. al-Assad: Ich meine die Beziehung, die Verbesserung der Beziehung zwischen den USA und Rußland werde sich positiv auf den Syrienkonflikt auswirken.

Journalist: Ich danke Ihnen vielmals.

 

 

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Stellungnahme von Präsident Dr. al-Assad’s gegenüber Il Giornale
http://sana.sy/en/?p=97317 vom 30.12.2016

Stellungnahme gegenüber Il Giornale, Photo: SANA

Stellungnahme gegenüber Il Giornale, Photo: SANA

Frage 1: Viele Syrer sind wegen des Kriegs nach Europa gekommen. Nach der Befreiung von Aleppo scheint es so, als würde der Krieg enden. Was würden Sie gerne den Leuten sagen, die ihre Heimat verlassen haben?       

Präsident Dr. al-Assad: Wenn sie mich nach deren Wünschen fragen, würde ich Ihnen als Syrer antworten,  dessen Landmänner jene sind, daß sie in ihre Heimat zurücklehren wollen, weil jeder zurück in seine Heimat will, doch brauchen jene zwei Dinge: Stabilität, Sicherheit und zur gleichen Zeit brauchen sie die notwendigen Basisgüter für ihren Lebensunterhalt, die viele aufgrund des Kriegs verloren haben. In dem Fall brauche ich nicht herzugehen und die Menschen einzuladen, zurück nach Syrien zu kommen, weil das ihr Land ist, sie brauchen keine Einladung zur Rückkehr. Doch was ich in dem Fall den europäischen Amtsträgern sagen möchte, die dieses Problem in unserem Land durch direkte oder indirekte Terroristenunterstützung geschaffen  haben –  und sie haben diese Flut an Syrern nach Europa verschuldet, während sie gleichzeitig sagten: wir unterstützen sie von einer humanitären Sicht der Dinge aus – ist: Sie brauchen keine Unterstützung in Ihrem Land, sie brauchen sie in unserem Land.  Sie brauchen ein Ende der Terroristenunterstützung, ein Ende des Embargos, das viele Syrer nach Europa drängte, das und der Terrorismus. Wegen des Embargos haben sie keine Lebensgrundlage mehr in diesem ihrem Land.

Frage 2: Manche politischen Analysten denken, das „Nein“ Syriens zu den geplanten Pipeline-Routen von Qaṭar  sei möglicherweise der Grund für den Kriegsbeginn 2011. Wie wichtig war dieses Ihr „Nein“ gegenüber Qaṭar  zu Beginn des Kriegs.

Präsident Dr. al-Assad: Es ist einer der wichtigen Faktoren, doch wurde uns die Sache nicht offiziell angetragen. Aber ich denke, da gab es eine Planung. Zwei Routen sollten Syrien kreuzen, eine in Nord-Süd-Richtung, welche von Ihnen bzgl. Qaṭar erwähnt wurde, und die andere in Ost-West-Richtung zum Mittelmeer durch den Irak vom Iran her. Zu jener Zeit waren wir dabei, die eine in Ost-West-Richtung zu bauen, und ich denke, viele Länder, die gegen die Politik Syriens eingestellt waren, wollten nicht, daß Syrien ein Knotenpunkt hinsichtlich der Energie wird, sei es elektrische Energie oder auf Öl basierende, oder selbst nur ein Knotenpunkt in verkehrstechnischer Hinsicht durch Eisenbahnen u.s.w. Demnach ist das einer der Faktoren. Doch diejenige in Nord-Süd-Richtung, die Qaṭar betrifft, ist uns nicht offiziell vorgeschlagen worden.

Frage 3: Terrorismus ist eine globale Bedrohung. Letze Woche wurde Deutschland durch den IS angegriffen. Hilft die syrische Regierung Europa bei der Terrorismusbekämpfung? Und wenn ja, wie?

Präsident Dr. al-Assad: Es ist einfach und evident, wenn ich sage, ich kann Ihnen helfen, wenn sie sich selbst helfen wollen, wenn sie das nicht wollen, wie kann ich ihnen dann helfen? Das Problem mit Europa ist, daß sie sich nicht selbst helfen wollen. Sie arbeiten – dabei meine ich die Amtsträger und die Regierungen – gegen die eigenen Interessen, gegen die Interessen ihrer jeweiligen Bevölkerung. Sie sind dabei, Terroristen zu unterstützen. Wie kann ich ihnen helfen, wenn sie in ihrer eigenen Region Terroristen unterstützen, um terroristische Attacken in Europa zu stoppen? Das kann ich nicht.  Wenn Sie keine gute Politik machen bevor der Geheimdienst aktiv wird, können Sie keine Resultate erzielen, weder durch den Geheimdienst noch durch das Militär oder auf einem anderen Weg. Die Politik ist der Schirm. Doch die Politik in Europa ist auf die Unterstützung jener Terroristen ausgerichtet. Wenn sie [d.i. die europäischen Regierungen] ihre Politik ändern, sind wir bereit, ihnen zu helfen.

Frage 4: Die letzte Frage, Herr Assad. Christen haben viel im Krieg zu leiden gehabt. Welche Rolle könnten sie bei der Hilfe für Syrien heute spielen?

Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie auf Syrien schauen, nicht heute, nicht während der letzten paar Jahre, sondern während der letzten Jahrhunderte, dann war es immer mannigfaltig (diverse); es ist ein Schmelztiegel verschiedener Religionen, Sekten und Ethnien.  Wir besitzen ein weites Spektrum an Mannigfaltigkeit. Ohne diese wäre es abgesehen vom Namen und der politischen Grenzen nicht Syrien. Dabei spreche ich von Syrien als Gesellschaft, so wie sie vor dem Krieg war. Denn durch diesen Krieg bedingt gab es viele demographische Verschiebungen, wegen der Fluchtbewegungen innerhalb der Grenzen und über sie hinaus. Mein Eindruck ist, und ich bin zuversichtlich in dieser Hinsicht, daß nach dem Krieg die Mehrheit der Syrer nach Syrien zurückkehren will. Damit ist Syrien sozusagen auf dem Weg, falls sie das Wort gebrauchen wollen, seiner Natur gemäß wiedergeboren zu werden, denn es ist nicht verschwunden, das zum Ersten.  Zum Zweiten hat dieser Krieg viele Syrer zusammengebracht. Sie lernten die Lektionen, so viele Lektionen, etwa, daß es, wenn wir einander nicht akzeptieren und respektieren in jeder Hinsicht des Wortes, keine geeinte Gesellschaft geben kann. Ohne diese geeinte Gesellschaft kann Syrien nicht wiedergeboren werden. Auch jenseits des Gedankens an die Wiedergeburt Syriens kann ich heutzutage fühlen, daß die soziale Gesellschaft, wenn es keinen Terrorismus gäbe, die viel stärker wird als sie vor dem Krieg gewesen ist, aufgrund der Lektionen, die wir gelernt haben.

Journalist: Danke, Herr Assad.

Präsident Dr. al-Assad: Danke Ihnen.

 

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Stellungnahme von Präsident Dr. al-Assad’s gegenüber dem italienischen TV-Kanal TG5
http://sana.sy/en/?p=97309, 29.12.2016

Stellungnahme gegenüber TG5, Photo: SANA

Stellungnahme gegenüber TG5, Photo: SANA

 

Frage 1: Präsident al-Assad, vor einigen Tagen übernahm die syrische Armee, unterstützt durch russische Streitkräfte die Kontrolle über  fast ganz Aleppo. Wir können sagen, der Krieg sei damit nahezu vorüber?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, noch nicht. Man kann nicht darüber reden, der Krieg sei vorüber bis Syrien nicht nicht die Terroristen losgeworden ist. Und jene Terroristen haben leider nach wie vor die offizielle Unterstützung vieler Länder einschließlich der Türkei, Qaṭars, Saudi-Arabiens und vieler westlicher Staaten. Das hat sich nicht geändert. Diese Art Unterstützung wird den Krieg weiter hinziehen. Doch der Sieg über die Terroristen in Aleppo ist ein wichtiger Schritt dem Ende des Kriegs entgegen. Ohne jene Unterstützung der Terroristen von außerhalb wäre es nicht schwer, die Terroristen überall in Syrien loszuwerden. Dann könne wir über das Ende des Kriegs sprechen.          

Frage 2: Aber was könne sie sagen über die enorme Zahl an Opfern unter den Bürgern , das ist schließlich ein großes Problem.

Präsident Dr. al-Assad: In Syrien generell?

Journalist: Ja, genau.

Präsident Dr. al-Assad: Freilich ist das ein großes Problem;  viel wichtiger als die [Zerstörung von] Infrastruktur und Gebäude sind die Menschen, die getötet worden sind, die Familien, die ihre Lieben, ihre Kinder, Söhne, Brüder, Schwestern, Mütter usw. verloren. Das ist das Leiden, die Pein, die sie ihr Leben lang verfolgen wird. Doch am Ende ist der einzige Weg für jedermann, das Problem in Syrien zu lösen, dem jeweils anderen zu vergeben. Meiner Meinung nach ist es unser Empfinden, daß dies auf allgemeiner Ebene der Hauptorientierungspunkt ist.

Frage 3: Und die Rolle des IS hier in Syrien … Sie schlagen den IS, denn wir in Europa haben ebenfalls ein Problem mit dem IS, Sie wissen das, die Berlin-Attacke. Was könne wir mit dem IS anstellen?

Präsident Dr. al-Assad: Als Europäer?

Journalist: Als Europäer und …

Präsident Dr. al-Assad: Ja. Das Problem liegt nicht nur beim IS. Der IS ist das Produkt, ein Produkt des Extremismus. Wenn Sie über den IS sprechen, können sie gleich auch über Ğabhatu_n-Nuṣra reden und viele andere unterschiedliche Organisationen mit derselben Mentalität und derselben düsteren Ideologie. Das Kernproblem dieser Organisationen ist vor allem die Ideologie, die wahhâbitische Ideologie. Wenn Sie sich damit nicht in Europa, unserer Region wie in der gesamten Welt befassen, könne wir uns nicht mit dem Extremismus und seinem Produkt, dem Terrorismus befassen, wo auch immer in der Welt. Ich meine in jener Hinsicht: wenn man sich nicht mit der Ideologie auseinandersetzt, befaßt man sich nur temporär mit dem Problem. Wenn man sich jedoch permanent mit dem Sachverhalt Terrorismus befaßt, muß man  sich um das tragende Gerüst des Terrorismus kümmern, die wahhâbitische Ideologie. Das zum Ersten. Doch gegenwärtig gibt es ein weiteres Traggerüst des Problems: das ist die westliche Unterstützung für jene Terroristen, möglichweise nicht für den IS im allgemeinen, doch geben sie denen andere Bezeichnungen wie „moderate“, „Weißhelme“ (white helmets); all diese – manchmal –  humanitären und moderaten Benennungen verleihen ihnen nur die Tarnung, um so ihre politischen Ziele zu erreichen. Demnach ist deren Priorität- dabei spreche ich über die europäischen Regierungen! –  als ihre Priorität nicht die Bekämpfung des Terrorismus; deren Priorität ist, solche Spielfiguren [eigentlich: cards] zu benutzen, um Regierungen zu stürzen, Präsidenten loszuwerden u.s.w. Mit solche einer politischen Vorgehensweise kann man keinen  Terrorismus auf der Welt bekämpfen. Das ist der Grund, wie sie sehen,  warum in den letzten paar Jahren nichts gegen den Terrorismus in Europa geschehen ist. Die Terroristen sind immer noch frei bei ihren Attacken, die Situation hat sich nicht geändert, weil sich die westlichen Amtsträger nicht ernsthaft mit dem Problem [des Terrorismus] befassen.

Frage 4: Und die letzte Frage: Denken Sie, daß die Wahl von Donald Trump bzgl. der Rolle der USA in dieser Sache etwas ändern könnte?

Präsident Dr. al-Assad: Sagen wir einmal, wir sind mit Vorsicht optimistischer, weil wir nicht wissen, wie die Politik aussehen wird, die er hinsichtlich unserer Region generell dann umsetzen wird. Wir kann er mit den verschiedenen Lobbys in den USA fertigwerden, die gegen irgendeine Lösung in Syrien und gute Beziehungen zu Rußland sind. Doch könnten wir vielleicht etwas optimistischer hinsichtlich der Beziehung zwischen den USA und  Rußland sein, nicht zwischen dem Westen und Rußland, da Europa auf der politischen Landkarte nicht existiert; daher spreche ich nur von den USA. Wenn es eine gute Beziehung zwischen diesen beiden Großmächten gäbe, würde der Großteil der Welt einschließlich so kleiner Länder wie Syrien davon profitieren. Diesbezüglich könnte es dann zu einer Lösung in Syrien kommen. Zur selben Zeit sagte er – Herr Trump während seiner Wahlkampagne –  seine Priorität sei die Terrorismusbekämpfung. Wir glauben ja, daß dies der Beginn der Lösung ist, sofern er umsetzen kann, was er verkündet hat.

Journalist: Okay, danke!

Präsident Dr. al-Assad: Ich danke Ihnen.

 

 

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Präsidenteninterview mit Russia Today, ausgestrahlt am 14.12.2016 (http://sana.sy/en/?p=96185)

Präsident Dr. al-Assad mit Maria Finoshina, Photo: SANA

Präsident Dr. al-Assad mit Maria Finoschina, Photo: SANA

 

Journalistin (Maria Finoschina): Herr Präsident, vielen Dank dafür, daß sie in das Gespräch mit uns eingewilligt haben.

Präsident Dr. al-Assad: Sie sind hoch willkommen in Damaskus.

Frage 1: Wir beginnen mit Aleppo, natürlich. Aleppo erlebt derzeit die härtesten Kämpfe seit der Krieg vor nahezu sechs Jahren hier in Syrien begonnen hat, doch die westlichen Politiker und westlichen Medien sind bei weitem negativ gegenüber dem Voranschreiten Ihrer Armee eingestellt. Warum, glauben Sie, ist das so? Halten die das für ihre eigene Niederlage?

Präsident Dr. al-Assad: Nachdem sie tatsächlich in Damaskus gescheitert sind, da sich die gesamte Darstellung während der ersten drei Jahre um die „Befreiung von Damaskus vom Staat“ drehte. Als sie [dort] scheiterten, zogen sie nach Ḥomṣ, als sie dort scheiterten, weiter nach Aleppo; während der letzten drei Jahre konzentrierten sie sich auf Aleppo; für sie ist das die letzte stärkste Karte, die sie auf dem syrischen Schlachtfeld haben ausspielen können.  Natürlich haben sie noch Terroristen in verschiedenen Gebieten Syriens stehen, doch ist es etwas anderes, als von Aleppo als der zweitgrößten Stadt zu sprechen mit ihrer politischen, militärischen und sogar moralischen Bedeutung, wenn deren Terroristen besiegt werden. Demnach ist für die der Sieg über die Terroristen gleich dem Sieg über deren Erfüllungsgehilfen, um es frei heraus zu sagen. Das sind ihre Erfüllungsgehilfen; für sie ist der Sieg über diese Terroristen wie der Sieg über die Länder, die jene kontrollieren, egal ob es sich um regionale oder westliche Staaten wie die USA, vor allem die USA, und Frankreich mit Großbritannien handelt.

Frage 2: Also denken Sie, die sehen es als ihr eigenes Versagen an, richtig?

Präsident Dr. al-Assad: Genau, das hatte ich gemeint. Der Sieg über die Terroristen ist der Sieg über sie, weil diese deren wirkliche Armee auf dem Boden darstellen. Sie mischten sich nicht ein oder intervenierten direkt in Syrien; sie intervenierten mittels dieser Erfüllungsgehilfen. So haben wir das zu sehen, wenn wir realistisch sein wollen, ungeachtet deren Statements freilich.

Frage 3: Palmyra [Tadmur]  ist nun eine weitere unruhevolle Region, und es ist nun eingenommen von ISIS bzw. ISIL, doch hören wir Diesbezüglich kaum Verurteilungen. Hat das denselben Grund?

Präsident Dr. al-Assad: Exakt, weil sie von der Regierung eingenommen worden ist, sind sie besorgt um das [Welt-]erbe. Wenn wir Aleppo von den Terroristen befreit haben, werden sie – damit meine ich die westlichen Amtsträger und die Mainstream-Medien – besorgt um die Bürger sein. Darüber waren sie nicht besorgt, als das Gegenteil geschah, als die Terroristen die Bürger töteten oder Palmyra angriffen und das Welterbe, nicht nur das syrische, zu zerstören begannen. Sie haben ganz Recht:  wenn Sie auf  die zeitliche Planung des ISIS-Angriffs schauen,  so ist er verbunden mit dem Geschehen in Aleppo. Es ist die Antwort auf das Geschehen in Aleppo gewesen, auf das Vorrücken der SAA; sie wollten damit sozusagen den Sieg in Aleppo untergraben und gleichzeitig die SAA von Aleppo wegbekommen, um sie nach Palmyra zu dirigieren, um dort das [IS-]Vorrücken zu stoppen – doch das funktionierte freilich nicht.

Frage 4: Wir haben ebenso Meldungen vernommen, daß die Belagerung von Palmyra nicht nur mit der Schlacht um Aleppo in Verbindung steht, sondern auch mit dem Geschehen im Irak; es gibt auch Meldungen, wonach die USA-geführte Koalition, die aus mindestens 70 Ländern besteht, den ISIL-Kämpfern erlaubte, Mossul im Irak zu verlassen und daß das ISIL  hier in Syrien stärkte. Denken Sie nicht, daß es sich zugetragen haben könnte?

Präsident Dr. al-Assad: Das könnte sein. Doch da geht es nur um das Händewaschen der US-Politiker in Unschuld für den Angriff, als sie sagen: „selbstverständlich griff die irakische Armee nur Mossuls wegen diese Stadt an und ISIS verließ Mosul in Richtung Syrien.“ Das ist nicht der Fall. Warum? Weil sie [der IS] mit unterschiedlichem und riesigem Aufkommen an Kämpfern und Waffen kamen, die ISIS vor diesem Angriff nicht zur Verfügung stand. Zudem griffen sie in breiter Front von dutzenden Kilometern an, die Armeen gut anstünde. ISIS konnte dies nur mit Unterstützung von Staaten realisieren, von Staaten, nicht von einem Staat. Sie rückten an mit unterschiedlichen Maschinengewehren, Kanonen, Artillerie, alles unterschiedlich. Also konnte dies, als sie in diese Wüste kamen, nur geschehen unter der Kontrolle der US-Allianz, die sie [den IS] angeblich in ar-Raqqa, Mossul und Dair az-Zaur  bekämpfte. Doch das geschah nicht. Sie [die US-geführte Koalition] drückten bzgl. der IS-Aktion entweder ein Auge zu und bzw. oder  – und das ist, was ich glaube – sie drängten sie gen Palmyra. Also geht es nicht um Mossul. In diese Falle dürfen wir nicht tappen. Es geht um ar-Raqqa und Dair az-Zaur.  Sie [die IS-Kämpfer] sind sehr nahe, nur wenige hundert Kilometer entfernt; sie können unter der Kontrolle der US-Satelliten, der US-Drohnen und der US-Unterstützung vorrücken.

Frage 4: Wie stark ist ISIS heute?

Präsident Dr. al-Assad: So stark wie deren Unterstützung seitens des Westens und der regionalen Mächte. Isoliert gesehen, sind sie nicht stark, ISIS isoliert gesehen ist nicht stark, weil ihm der natürliche soziale Inkubator fehlt.  Ohne diesen können Terroristen nicht stark genug sein. Doch die tatsächliche Unterstützung, die sie genießen in finanzieller Art, durch die Ölfelderausbeutung und durch die Deckung aus der Luft durch die US-Alliierten, sind sie stark genug. Demnach sie sie genau so stark wie ihre Unterstützer oder Kontrolleure sind.

Frage 6: Aus Aleppo war zu vernehmen, daß Sie diesen Terroristen erlaubten, frei das Schlachtfeld zu verlassen. Warum taten Sie das? Es ist doch klar, daß die – ich sag mal – nach Idlib zurückkehren und sich für weitere Attacken vorbereiten können. Dann greifen jene möglicherweise Aleppo an.

Präsident Dr. al-Assad: Genau, genau, das ist richtig und hat sich die letzten paar Jahre so abgespielt. Doch es gibt immer Dinge, die man gewinnt und verliert. Wenn aber der Gewinn höher als der Verlust ausfällt,  dann müssen sie dementsprechend handeln.  In dem Fall ist unsere Priorität, das Gebiet vor der Zerstörung im Krieg zu bewahren und die Bürger die dort leben, zu schützen, indem wir solchen Bürgern die Chance zum Entweichen durch die Korridore bieten, damit sie von jenen Arealen in die unter Kontrolle der Regierung stehenden gelangen können wie jenen Terroristen die Chance zu geben, ihre Meinung zu ändern und sich der Regierung anzuschließen und in ihr normales Leben zurückzukehren per Amnestie.  Tun sie das nicht, können sie mit ihren Waffen abziehen inklusive der Schattenseite, die Sie erwähnten; aber das ist nicht unsere Priorität. Denn wenn man sie [Terroristen] außerhalb der Stadt bekämpft, kommt es zu weniger Zerstörung und zivilen Opfern. Deshalb beschreiten wir diesen Weg.

Frage 7: Ich bemerke, Sie nennen jene Terroristen, behandeln sie jedoch gleichzeitig wie menschliche Wesen; sie sagen ihnen: „Ihr habt die Chance, in euer normales Leben zurückzukehren“.

Präsident Dr. al-Assad: Genau! Es sind Terroristen, weil sie Maschinengewehre tragen, töten, zerstören, sich wie Vandalen aufführen u.s.w.; das ist ganz selbstverständlich überall auf der Welt, daß man solche als Terroristen bezeichnet. Doch zur selben Zeit sind es menschliche Wesen, die sich dem Terrorismus verschrieben haben. Sie hätten sich anders entscheiden können. doch sie haben sich aus verschiedenen Gründen Terroristen angeschlossen, entweder aus Abenteuerlust (out of fear), wegen des Geldes, manchmal auch wegen der Ideologie. Diese also zu ihrem normalen Leben als naturgemäßem Bürger zurückzubringen, ist Aufgabe einer Regierung. Es genügt nicht zu sagen: „wir bekämpfen Terroristen“. Terrorismusbekämpfung ist wie ein Videospiel: man kann seinen Feind im Videospiel zerstören, doch das Videospiel wird tausende weiterer Feinde (re-)generieren. Demnach kann man mit der Angelegenheit nicht mittels des American way vorgehen: nur töten, einfach bloß töten! Das ist nicht unser Ziel; das ist die letzte Option, die bleibt. Und es hat Erfolg gezeigt. Es glückte, weil von  vielen jener Terroristen, wenn man deren Position änderte, einige in ihre normales Leben zurückkehrten, und andere sich der Armee anschlossen; sie kämpften [darauf] mit der Armee gegen andere Terroristen. Das ist ein Erfolg aus unserer Sicht der Dinge.

Frage 8: Herr Präsident, Sie haben eben erwähnt, Sie gewännen und verlören. Haben Sie das Gefühl, genug getan zu haben, um die zivilen Opfer während des Konflikts zu minimieren?

Präsident Dr. al-Assad: Wir tun unser Möglichstes. Was genug ist, ist subjektiv.  Jeder hat dazu eine eigene Meinung. Am Ende ist genug, was man tun kann; mein Vermögen als Person, das Vermögen der Regierung, von Syrien als kleinem Land angesichts eines Kriegs, der von dutzenden von Ländern, hunderten von Medienkanälen  und anderen Maschinerien unterstützt wird,, die gegen einen arbeiten. Somit hängt es mit der Definition von „genug“ zusammen; so ist e, wie ich schon sagte: sehr subjektiv; doch bin ich überzeugt, daß wir unser Bestes tun. Nichts ist am Ende genug; die menschliche Vorgehensweise ist voll von Korrekturen, Fluktuationen oder Fehler, das ist sozusagen der natürliche Gang der Dinge.

Frage 9: Wir vernehmen, wie westliche Mächte wiederholt Rußland und den Iran bitten, Druck auf Sie auszuüben, damit Sie, wie sie es nennen „die Gewalt stoppen“; und erst kürzlich forderten sechs westliche Regierungen in einer beispiellosen Botschaft, Rußland und den Iran erneut auf, Druck auf Sie auszuüben hinsichtlich einer Waffenruhe für Aleppo.

Präsident Dr. al-Assad: Richtig.

Journalistin:  Wollen Sie das umsetzen? Gerade als Ihre Armee [dort] Fortschritte macht, fordern die eine Waffenruhe.

Präsident Dr. al-Assad: Genau. In der Politik ist es immer wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen, nicht Buchstabe für Buchstabe. Es spielt keine Rolle, was die fordern; die Übersetzung von deren Statement lautet in Bezug auf Rußland: „Bitte stoppt den Vormarsch der syrischen Armee gegen die Terroristen!“. Das ist die Bedeutung des Statements, den Rest kann man vergessen. „Sie sind bei der Bekämpfung des Terrorismus zu weit gegangen, das sollte nicht passieren! Sie sollten den Syrien auftragen, das zu beenden, wir müssen die Terroristen behalten und schonen.“ Das ist [die Aussage] in Kürze.
Zum Zweiten: Rußland hat niemals – damit meine ich während dieses Krieges, davor und während der [Zeit der] Sowjetunion – nie versucht, sich in unsere Entscheidung einzumischen. Wann immer sie [die Russen] ein Meinung oder einen Ratschlag hatten, egal wie unsere Position dazu war, sagen sie am Ende: „Dies ist Ihr Land, Sie wissen die beste Entscheidung zu treffen. Dies ist unsere Sicht der Dinge, wenn Sie das aber anders sehen …, sie wissen, Sie sind die Syrer.“

Frage 10: Wie stark ist die syrische Armee [SAA] heute?

Präsident Dr. al-Assad: Dabei geht es um den Vergleich in zweierlei Hinsicht: zuerst und vor allem um den Krieg an sich, und zum Zweiten um die Größe von Syrien. Syrien ist kein großes Land, daher können wir keine große Armee im numerischen Sinn haben. Die Unterstützung unserer Alliierten war sehr wichtig, hauptsächlich von Rußland und dem Iran. Nach sechs Jahren, oder nahezu sechs Jahren Krieg, der länger als der Erste und Zweite Weltkrieg dauert, ist es definitiv und selbstverständlich, daß die syrische Armee nicht so stark ist wie zuvor. Was wir aber haben, ist die Bestimmung, unser Land zu verteidigen. Das ist der wichtigste Umstand.  Wir haben in unserer Armee so viele Leben verloren, wir haben so viele Märtyrer, so viele kriegsversehrte Soldaten. Zahlenmäßig  haben wir viel verloren, doch haben wir noch diese Bestimmung; und ich kann Ihnen sagen, diese Bestimmung ist starker als vor dem Krieg. Aber selbstverständlich können wir nicht die Unterstützung seitens Rußlands ignorieren, seitens des Irans, welche diese Bestimmung wirkungsvoller und effizienter machen.

Frage 11: Präsident Obama hat das Verbot zur Bewaffnung einiger syrischer Rebellen erst kürzlich aufgehoben. Welche Auswirkung könnte dies Ihrer Meinung nach auf die Lage am Boden haben; und könnte das direkt oder indirekt einen Auftrieb für die Terroristen bedeuten?

Präsident Dr. al-Assad: Wir sind nicht sicher, ob er dieses Embargo zu dem Zeitpunkt aufhob, als er es verkündete. Womöglich tat er das schon zuvor, verkündete es aber erst später, um dem die politische Legitimität zu verschaffen sozusagen. Das als Erstes. Der zweite Punkt, der sehr bedeutsam ist, ist der Zeitpunkt (timing) der Verkündung wie der Zeitpunkt (timing) des Angriffs auf Palmyra [Tadmur]. Zwischen diesen beiden [Begebenheiten] gib es eine Verbindung. Somit ist die Frage, an wen diese Bewaffnung ging. In wessen Hände [geriet sie]?  In die Hände von IS und Ğabhatu_n-Nuṣra? Da besteht eine Koordination zwischen IS und Ğabhatu_n-Nuṣra. Also ist die Ankündigung dieser Aufhebung jenes Embargos direkt mit dem Angriff auf Palmyra [Tadmur] verbunden wie mit der Unterstützung anderer Terroristen außerhalb von Aleppo; denn, wenn die in Aleppo besiegt sind, müssen die USA und die westlichen Staaten ihre Ausführungsgehilfen (proxies) andernorts unterstützen, da sie kein Interesse an der Lösung des Konflikts in Syrien haben. Demnach ist die Crux der Verkündung, mehr Chaos zu schaffen,  denn die USA schaffen Chaos, um dieses zu managen; und wen sie es managen, wollen sie die verschiedenen Faktoren in jenem Chaos nutzen, um die unterschiedlichen Parteien des Konflikts auszubeuten, [einerlei] ob es sich dabei um interne oder externe Parteien handelt.

Frage 12: Herr Präsident, wie empfinden Sie den Umstand, ein kleines Land inmitten dieses Tornados von Ländern, die nicht an einem Ende des Krieges hier interessiert sind.

Präsident Dr. al-Assad: Genau. Das ist etwas, das wir immer, schon vor dem Krieg gefühlt haben, aber selbstverständlich mehr noch heutzutage, da sich kleine Länder sicherer fühlen, wenn eine internationale Balance existiert; wir fühlten Dasselbe nach dem Kollaps der Sowjetunion, den Sie kürzlich ansprachen, als es nur noch die amerikanische Hegemonie gab und sie verwirklichen wollten, was immer sie wünschten und jedem all ihre Politik zu diktieren. Kleine Länder leiden am meisten. Also, wir fühlen das heutzutage, doch zur selben Zeit gibt es heute mehr Ausgewogenheit durch die Rolle Rußlands. Daher denke ich, wir glauben immer, je stärker Rußland ist – und ich spreche da nicht nur bezüglich Syriens, ich spreche bezüglich aller kleinen Länder in der Welt – wann immer ein stärkeres Rußland, ein aufstrebende China besteht, desto sicherer fühlen wir uns. Die Situation, in der wir haben leben müssen, das ist schmerzlich, ich würde sagen sehr schmerzlich, auf jeder Ebene, der humanitären Ebene, dem Gefühlsbereich, dem Verlust, einfach hinsichtlich allem. Doch am Ende geht es nicht um Verlieren oder Gewinnen; es geht darum, entweder Dein Land zu gewinnen oder zu verlieren. Es ist eine existentielle Bedrohung für Syrien. Es geht nicht darum, daß eine Regierung einer anderen unterliegt, oder eine Armee einer anderen,; entweder das Land gewinnt oder es wird verschwinden. Das ist unsere Sicht darauf. Daher hat man keine Zeit, jenen Schmerz zu fühlen, man hat nur die Zeit zu kämpfen und zu verteidigen und etwas am Boden [des Landes] zu unternehmen.

Frage 13: Lassen Sie uns über die Rolle der Medien in diesem Konflikt sprechen.

Präsident Dr. al-Assad: Ja.

Journalistin: Alle Seiten während des Krieges wurden [der Verursachung] ziviler Opfer angeklagt, doch die westlichen Medien schwiegen  sich fast komplett über die Greuel der Rebellen aus … welche Rolle spielen die Medien hier?

Präsident Dr. al-Assad: Vor allem leiden alle, [d.h.] die Mainstream-Medien mit ihren politischen Partnern, während der letzten paar Dekaden an moralischem Verfall. Also, sie haben keine Ethik mehr.  Worüber sie auch sprechen, was auch immer sie erwähnen oder als Maske benutzen wie Menschenrechte, Bürger, Kinder, all dies benutzen sie nur zugunsten ihrer eigenen politischen Agenda, um bei ihren Konsumenten die Gefühle in der öffentlichen Meinung hervorzurufen, die ihnen bei deren Einmischung in dieser Region dienlich sind, sei sie politisch oder militärisch. Diesbezüglich besitzen sie also keinerlei Glaubwürdigkeit. Wenn Sie einen Blick auf das Geschehen in den USA werfen wollen, [sehen Sie] Aufbegehren gegen die Mainstream-Medien, weil diese ihre Konsumenten belogen haben und es weiter tun.  Wir können konstatieren, daß – sozusagen – die öffentliche Meinung oder die Bevölkerung im Westen nicht weiß, was wirklich in der Region vorgeht. Doch wenigstens wissen sie, daß die Mainstream-Medien und deren [besser: die hinter ihnen stehenden] Politiker sie anlügen zum Zweck der ureigensten Agenda ihrer [besser: der hinter ihnen stehenden] eigennützigen Politiker. Daher denke ich nicht, daß die Mainstream-Medien ihre Storys weiterhin verkaufen können; daher kämpfen sie im Westen auch um ihr Überleben; dennoch haben sie eine Menge Erfahrung, immense Unterstützung, Geld und Ressourcen. Doch fehlt ihnen etwas sehr Wichtiges zum Überleben und das ist die Glaubwürdigkeit. Die haben sie nicht, sie haben sie eingebüßt. Sie bieten keine Transparenz und daher haben sie keine Glaubwürdigkeit. Deshalb sind sie heutzutage überaus feige, sie fürchten ihren [TV-]kanal, fürchten jedes Statement, das die Wahrheit sagen könnte, da das ihre Auslassungen entlarvt. Daher kommt das.

Frage 14: Die Reutersche Agentur hat gar Aʽmâq zitiert, das Sprachrohr des IS, hinsichtlich der Belagerung von Palmyra [besser: Tadmur]. Denken Sie, man verlieh den Extremisten auf diesem Weg Legitimität.  Sie haben schließlich deren Medium zitiert.

Präsident Dr. al-Assad: Selbst wenn sie deren Nachrichtenagenturen  nicht erwähnten, übernehmen sie doch deren Narrativ. Wenn Sie aber auf die technische Seite schauen, wie sich ISIS von Anfang an mittels ihrer Videos und Mitteilungen, ihrer Medien generell und ihrer PR präsentierte, [ist zu erkennen], daß sie westliche Technik [i.S.v. Methode] benutzten. Betrachten sie es, es ist überaus durchdacht. Wie kann einer im Belagerungszustand, geächtet überall auf der Welt, attackiert durch Flugzeuge, einer, von dem die ganze Welt will, daß jede Stadt von seiner Präsenz befreit wird, dermaßen hochentwickelt sein, außer er ist entspannt und genießt umfängliche Unterstützung. Daher denke ich nicht, daß es um  Aʽmâq geht; es geht darum, wie der Westen deren Storys übernimmt, manchmal direkt, manchmal indirekt.

Frage 15: Donald Trump übernimmt in wenigen Wochen das Amt des US-Präsidenten. Sie haben Amerika heute mehrfach erwähnt. Was erwarten Sie von Amerikas neuer Administration?  

Präsident Dr. al-Assad: Seine Rhetorik war während seiner Wahlkampagne bezüglich des Terrorismus [besser: der Terrorismusbekämpfung] positiv, welchem heute unsere Priorität darstellt. Alles andere hat keine Priorität; daher würde ich auf nichts anderes fokussieren; der Rest sind inneramerikanische Angelegenheiten. Darum würde ich mich nicht kümmern.Doch die Frage ist, ob Trump den Willen und die Fähigkeit hat, umzusetzen, was er gerade erwähnt hat. Sie wissen doch, daß die meisten der Mainstream-Medien und großen Firmen, die Lobbys, der Kongreß, sogar einige in seiner Partei gegen ihn sind. Die wollen mehr Hegemonie, mehr Konflikt mit Rußland, mehr Einmischung in verschiedenen Ländern, Regierungen stürzen u.s.w. Er sagte etwas, das in die andere Richtung ging. Kann er das beibehalten gegen all jene, wenn er nächsten Monat anfängt. Das ist die Frage. Wenn er das schafft, denke ich, daß die Welt eine andere sein wird, da am wichtigsten die Beziehung zwischen Rußland und den USA ist. Wenn er die verbessert, werden die meisten Spannungen um den Erdball  beigelegt sein. Das ist für uns in Syrien sehr wichtig. Doch denke ich nicht, daß irgend jemand darauf eine Antwort hat. Er war kein Politiker, somit gibt es keinen Vergleichspunkt, nach dem man ihn beurteilen könnte. Das als Erstes. Zweitens kann niemand vorhersagen, welche Schemata nächsten Monat und danach gelten werden.

Frage 16: Die humanitäre Situation in Syrien ist ein Desaster, und wir vernehmen von der EU-Außenbeauftragten, Madam Mogherini, daß die EU als einziges Syrien humanitäre Hilfe leistet. Ist das wahr?  

Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich war jegliche Hilfe, welches irgendein westliches Land lieferte, die Terroristen, um ganz klar, offen und transparent zu sein. Sie kümmerten sich niemals um ein einziges syrisches Menschenleben. Wir haben so viele Städte  in Syrien, die bis heute von Terroristen belagert sind; die verhindern jegliche Lieferung dorthinein, sei es Nahrung, Wasser, irgend etwas , all die Grundbedarfsartikel des täglichen Lebens. Freilich greifen diese [d.h. die Terroristen] sie [d.h. die Städte] tagtäglich mit Mörsergranaten an und versuchen sie [d.h. die Bürger] zu töten. Was hat die EU an diese [d.h. Städte] geschickt? Wenn sie um das menschliche Leben besorgt sind, wenn sie über die humanitären Aspekte reden – also wenn man man über den humanitären Aspekt bzw. diese Sachlage redet, macht man [doch] keinen Unterschied. All die Syrer sind menschliche Wesen, all die Leute sind Menschen. Doch sie [d.h. die EU-Länder-Politiker] tun das nicht. Daher ist das Doppelmoral, dies ist die Lüge, die sie weiterhin verbreiten. Es ist zur widerwärtigen Lüge geworden. Doch keiner kauft ihnen mehr ihre Geschichten ab.  Es ist nicht wahr, was sie [d.i. Frau Mogherini] sagt, einfach nicht wahr.

Frage 17: Manche Vorschläge gehen ja dahin, das Beste für Syrien sei, es in einzelne Länder aufzuspalten, mit [jeweils] sunnitischer, šîʽitischer, und kurdischer Regierung. Ist das ein gangbarer Weg?

Präsident Dr. al-Assad: Das ist die Hoffnung bzw. der Traum des Westens samt einiger regionaler Länder;  es gibt sogar *Karten für die Aufteilung und Zertrümmerung. Doch wenn man heutzutage tatsächlich auf die Gesellschaft schaut, ist die syrische Gesellschaft mehr eins als vor dem Krieg. Das ist die Realität. Dabei rede ich nicht irgend etwas daher, um die Moral von jemand zu heben; ich spreche gerade auch nicht zu einem syrischen Publikum, ich spreche einfach nur über eine Tatsache. Aufgrund des Lektionen infolge des Krieges wurde die Gesellschaft realistischer und pragmatischer und vielen Syrern war klar, daß fanatisch, extrem hinsichtlich irgend einer Idee zu sein, nicht weiterhalf: Dabei spreche ich nicht nur über Extremismus im religiöser Hinsicht; [ob] politisch, sozial, kulturell, es hilft Syrien nicht. Nur wenn wir einander akzeptieren, einander respektieren, können wir miteinander leben und können ein (one) Land haben. Bezüglich der Zerschlagung Syriens – sofern nicht wirklich eine Desintegration in der Gesellschaft besteht und unterschiedliche Schattierungen und Spektren in der syrischen Gesellschaft, in der syrischen Struktur vorhanden sind, kann es also keine Teilung geben. Das ist keine Karte, die man so zeichnet; Ich meine, selbst wenn Sie ein (one) Land haben, aber die Leute darin voneinander geschieden sind, haben Sie Desintegration. Schauen Sie auf den Irak; er ist ein (one) Land, doch tatsächlich zerfallen. Daher bin ich darüber nicht besorgt. Es gibt keinen Weg dorthin, den die Syrer akzeptieren würden.  Dabei spreche ich von großen Mehrheit der Syrer, denn das ist nicht neu, es ist nicht Gegenstand der letzten paar Wochen oder Monate. Das ist der Gegenstand dieses Kriegs. Daher kann ich Ihnen nach fast sechs Kriegsjahren sagen, die Mehrheit der Syrer würde nichts hinsichtlich einer Zerteilung Syriens akzeptieren, sie wollen in einem [ungeteilten] Syrien leben.

Frage 18: Als eine Mutter fühle ich den Schmerz aller syrischen Mütter. Ich spreche über die Kinder in Syrien, was hält die Zukunft für sie bereit?

Präsident Dr. al-Assad: Das ist der gefährlichste Aspekt unseres Problems – nicht nur in Syrien, [sondern] wo auch immer man von dieser dunklen wahhâbitischen Ideologie spricht – da viele jener Kinder, die während der letzten Dekade – oder mehr als einer Dekade – aufwuchsen  und dieser terroristischen und ideologischen Basis begegneten – und zwar nicht wegen des Geldes oder etwas anderem, oder der Hoffnung wegen – [obwohl] sie, lassen sie mich das sagen, weltoffenen, gebildeten, intellektuellen Familien entstammen. Sie können sich vorstellen, wie stark der Terrrorismus ist.

Journalistin:  Das geschieht also wegen deren Propaganda?         

Präsident Dr. al-Assad: Genau, weil die Ideologie sehr gefährlich ist; sie kennt keine Grenzen, keine politischen Grenzen, und das Netzwerk, das  worldwide web half den Terroristen mit schnellen und nicht teuren Mitteln, ihre Ideologie zu verbreiten; so konnte sie jegliche Familie in der Welt infiltrieren, sei es in Europa, in Ihrem Land, in meinem Land. Sie entstammen einer säkularen Gesellschaft, ich entstamme einer säkularen Gesellschaft; doch das beschützt die Gesellschaft nicht vor der Infiltration.

Frage 19: Haben Sie irgend eine Gegenideologie dafür?

Präsident Dr. al-Assad: Genau, denn sie bauen ihre Ideologie auf dem Islam auf, man muß dieselbe Ideologie nutzen, indem man den realen Islam nutzt, den realen moderaten Islam, um dieser Ideologie zu begegnen. Das ist der schnelle Weg. Wenn man mittel- und langfristig denkt, geht es darum, wie man die Gesellschaft höher entwickeln kann,  [d.h.] die Art, wie Leute analysieren und denken; denn diese Ideologie kann nur funktionieren, wenn man nicht gewohnt ist, zu analysieren und folgerichtig zu denken. Es geht also um den Algorithmus des Verstandes; wenn Sie ein natürliches, gesund operierendes System haben – um das Analogon zur IT [d.i. Informationstechnologie] zu benutzen – wenn sie also ein gut funktionierendes System in ihrem Verstand haben, dann können die [Terroristen mit wahhâbitischer Ideologie] es mit keinem Virus infizieren. Es geht demnach um Medien und Politik, so daß man bisweilen, wenn ein Anlaß, ein nationaler Anlaß besteht und die Leute die Hoffnung verlieren, diese Leute gegen die Extremisten mobilisieren kann; das ist einer der Einflüsse auf unsere Region seit den 1970ern, aus der Zeit nach  dem Krieg zwischen den Arabern und den Israelis, und im Frieden jeder Aspekt scheiterte, das [verlorengegangene] Land zurückzugewinnen,  um es den eigenen Leuten zurückzugeben und auch ihre Rechte, dann hat man es mit größerer Verzweiflung zu tun, die den Extremisten in die Hände spielt. Das ist es, wo die Wahhâbiten  fruchtbaren Boden zur Verbreitung ihrer Ideologie finden.

Journalistin: Herr Präsident, vielen Dank für Ihre Zeit. Ich wünsche Ihrem Land Frieden und Wohlergehen und das so schnell wie möglich.

Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank für Ihr Kommen.

Journalistin: Diese Zeit ist für Sie sehr schwierig gewesen, daher wünsche ich Ihnen, daß sie bald endet.

Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank, daß Sie nach Syrien gekommen sind. Es hat mich sehr gefreut, sie zu empfangen.

Journalistin: Danke sehr.

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*Zum Plan der Zerteilung Syriens [Balkanisierung] inklusive Karten dazu s. Teil IV!

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Das Gesamtinterview ist hier zu sehen: Exklusiv: RT-Gesamtinterview mit Präsident Assad nach Befreiung von Aleppo 

 

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Präsidenteninterview mit Russia 24 and NTV, ausgestrahlt am 14.12.2016

(http://sana.sy/en/?p=96184)

Präsident Dr. al-Assad im Interview mit Russia-24 und ntv; Photo: SANA

Präsident Dr. al-Assad im Interview mit Russia-24 und ntv; Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, vielen Dank dafür, daß Sie uns die Möglichkeit einräumen, Ihre Perspektive dessen, was in Syrien vorgeht kennenzulernen, und wie die Situation in der Zukunft sein könnte. Ich denke, für unser Russischen Auditorium ist es sehr wichtig zu wissen, was außerhalb unseres Landes vorgeht.  Lassen sie uns mit dem errungenen Erfolg in Aleppo beginnen, welcher eine bedeutsame Errungenschaft darstellt, und Ihnen signifikante Kraft verleiht. Doch was wird nach Aleppo passieren? Werden Sie gen Idlib oder ar-Raqqa anrücken oder werden sie ein bißchen innehalten, um Ihre Position zu stärken, oder um Ihre Gegebenheiten neu auszurichten – basierend auf Ihrer gegenwärtigen Stärke – um eine Verständigung mit anderen Mächten zu erreichen, wie der amerikanischen Allianz?

Präsident Dr. al-Assad: All das, was sie erwähnt haben, geschieht parallel: wir befreien ein gewisses Gebiet von den Terroristen und stärken unsere Stellungen in jenem Gebiet, tragen Vorkehrungsmaßnahmen vor Gegenangriffen durch die Terroristen aus jeder Richtung, vor allem gegen die Unterstützung aus einer Anzahl Länder.  Zur selben Zeit und parallel zu den militärischen Operationen, sorgen wir auf täglicher Basis für Möglichkeiten, damit sowohl die Bürger die von Terroristen besetzten für Areale verlassen können,  als auch für einen Abzug der Terroristen selbst, falls sie das Areal mit ihren leichten Waffen verlassen oder sich dem Staat übergeben wollen und im Gegenzug dafür Amnestie erhalten. Wie bei Aleppo ist die Befreiung der Stadt sehr wichtig, doch zuvor sprechen wir über die anderen Gegenden, wir müssen die Stadt von außerhalb verstärken im Sinne der Säuberung der umgebenden Gebiete von Terroristen. Insofern: sie Areale, in denen sich die Terroristen verschanzt halten, sind wenige Quadratkilometer groß, doch die Terroristen von außerhalb beschießen sie tagtäglich mit Raketen und Mörsergranaten. Erst vor zwei Tagen wurde ein Aleppo eine Anzahl von Leuten getötet bzw. verletzt. Demnach endet die Befreiung nicht mit der Befreiung der Stadt allein, da sie auch von außerhalb her sicher sein muß. Danach hängt die Entscheidung, welche Stadt als nächstes kommt, davon ab, in welcher Stadt sich die meisten Terroristen befinden und welche Stadt anderen Ländern die Möglichkeit zu logistischer Unterstützung für sie verschafft. Gegenwärtig bestehen direkte Verbindung zwischen Aleppo und Idlib wegen der Präsenz von Ğabhatu_n-Nuṣra innerhalb und außerhalb von Aleppo wie in Idlib. Doch die letztendliche Antwort darauf muß nach der Befreiung der Stadt [d.i. Aleppo] fallen, das zuerst, und dann durch Diskussionen mit der russischen Führung, welche an diesen Kämpfen an unserer Seite teilnimmt, genauso wie die iranische Führung.

Frage 2: Wenn diese Operation vorbei ist, haben Sie zweifellos Zukunftspläne. Werden Sie [die Kämpfe] beenden und Verhandlungen beginnen? Oder wollen Sie weiter vorwärts rücken, um den Terroristen keine Chance zu lassen?

Präsident Dr. al-Assad: Es wird keine Pause geben, weil dies nur in Gebieten geschieht, in welchen die Terroristen bereit sind, ihre Waffen zu übergeben und das Gebiet zu verlassen. Erst dann werden die Militäroperationen enden. Sie werden während Verhandlungen nicht ausgesetzt, da wir den Terroristen nicht trauen, denn sie sagen manchmal dies und tun das Gegenteil. Bislang forderten sie Waffenruhe allein zu dem Zweck, ihre Stellungen zu verstärken und ihren Nachschub an Waffen und Munition etc. zu ergänzen. Das können wir nicht erlauben. Nur wenn eine spezielle Einigung erzielt worden ist, tun wir das.

Frage 3: Sie haben eine Amnestie verkündet, welche für alle Militanten gilt, die zu kämpfen aufhören und ihre Waffen aushändigen. Haben Sie irgendeine Garantie dafür, daß diese Militanten sich nicht wieder bewaffnen und erneut bewaffnete Gruppen bilden?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir haben keinerlei Garantien dafür. Basierend auf unseren Erfahrungen während der letzten drei Jahre, seit wir diese Verfahrensweisen, die Rekonziliationen und die Amnestiegewährung für die Militanten, eingeleitet haben, könne wir jedoch feststellen, daß die überwiegende Mehrheit von ihnen zurück in ihr normales Leben kehrt. Ja sogar mehr: etliche von ihnen haben mit der Armee gefochten, andere sind offiziell in sie eingetreten und wieder andere schlossen sich den Kämpfen [auf Regierungsseite] als Bürger an. Einige davon fielen tatsächlich als Märtyrer. Man kann nicht von einer einzigen Kategorie sprechen, die all diese Leute umschlösse, doch die allermeisten haben sich dem Staat angeschlossen. Daher fahren wir so fort, da die Gewinne weit größer als die Verluste daraus sind.

Frage 4: Heutzutage ist die Situation in Palmyra schwierig. Reporter melden, Sie hätten 80% der Bevölkerung vor dem Angriff evakuieren können. Was aber ist mit denen, die in der Stadt zurückgeblieben sind? Was ist deren Schicksal?  Und wie konnte es geschehen, daß Terroristen aus Mossul im Irak und Dair az-Zaur so eine gewaltige und starke Streitmacht wie diese nach Palmyra schicken konnten? Wie ging das zu? Kamen die aus eigenem Vermögen her oder hatten sie Hilfe?

Präsident Dr. al-Assad: Lassen sie uns klarer und transparenter in diesem Punkt sein. Wir können die Sachlage in Palmyra nicht nur mit Mossul verbinden, da der IS auch in Syrien existiert, in ar-Raqqa im Norden, wo die US-geführte Allianz vorgibt, die letzten zwei Jahre den IS bombardiert zu haben, was nicht der Wahrheit entspricht. Der IS ist in Dair az-Zaur, wo die US-Streitkräfte und –Kampfflieger zusammen mit denen der Allianz die syrischen Streitkräfte beschossen anstatt den IS. Unsere tatsächliche Erkenntnis  der letzten IS-Attacke auf Palmyra [besser: Tadmur] vor ein paar Tagen mit einer immensen Anzahl von Kämpfern, welche mit hochentwickelten Waffen ausgestattet waren, über die der IS zuvor nicht verfügte,  und in einem Areal, das sich über dutzende Kilometer erstreckte, bedeutet, daß der IS direkte Unterstützung von Regierungen erhielt. Es ist nicht der Fall, daß der IS bloß von Mossul gekommen wäre. Wie konnten die so schwere Artillerie aus Mossul herbeischaffen? Was haben US-Kampfflieger in Mossul oder ar-Raqqa zu tun gehabt? Tatsache ist, daß der größte Teil [des IS] aus ar-Raqqa und Dair az-Zaur kam – entweder mit direkter US-Unterstützung oder die USA wußten im besten Fall davon, drückten aber diesbezüglich die Augen zu und überließen Ausführung der Operation, anders gesagt: die Finanzierung und andere Unterstützung der Türkei, Qaṭar und Saudi-Arabien. Das ist, was heutzutage wirklich in Palmyra [Tadmur!] geschieht] und es steht nicht nur in Verbindung zu Mossul.

Frage 5: Um Palmyra [besser: Tadmur] gibt es viele Öl- und Gas-Ressourcen und sie sind sehr wichtig für den Staat. Nun kontrollieren die Regierungskräfte diese nicht mehr und der IS wird aus diesen Ressourcen wieder materielle Gewinn ziehen.

Präsident Dr. al-Assad: Genau. Das ist wahr. Die Kämpfe halten an  in jener wichtigen Region. Die Bedeutung von Palmyra [Tadmur] ergibt sich in erster Linie durch den Symbolismus als Heimstätte historischer und archäologischer Art [in Palmyra]. Doch die Gebiete drum rum sind für den syrischen Staat und das  syrische Volk von anderem Interesse. Daher sind die Gefechte nicht beendet, sondern gehen bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt weiter.

Frage 6: Woher werden sie Unterstützung für Ihre Streitkräfte, welche in Palmyra [richtig: im Raum Tadmur] die Terroristen kämpfen, bekommen? Können Sie Ihre Position dort stärken und einen neuen Prozeß der Wiedergewinnung von Palmyra [Tadmur] beginnen?

Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich ist der echte Plan der Palmyra-Operation, die zeitliche Abstimmung des Angriffs auf diese Stadt  direkt verbunden mit der Schlacht um Aleppo. Warum griff der IS Palmyra z.B. nicht vor einem Monat an? Das hätte er tun können. Doch der Angriff startete, als in der Stadt Aleppo ein signifikanter Prozeß im Gange war. Das ist der Grund, warum diese Operation zwei Zielsetzungen gehabt hat: einmal, die Bedeutung der Befreiung der Stadt Aleppo zu unterminieren, da die Befreiung sehr wichtig für die Syrer ist, die ihnen viel Freude und moralischen Auftrieb beschert hat. Sie sind hier in Damaskus und werden merken,  was ich meine. Zum anderen scheint die noch bedeutsamere Zielsetzung für jene gewesen zu sein, die syrische Armee von dort abzuziehen und deren Anstrengungen auf unterschiedliche Richtungen hin aufzusplitten, so daß das größere Kontingent, welches nun in Aleppo operiert, nach Palmyra abgezogen worden wäre. Heute findet ein Treffen auf Ebene der syrischen und russischen militärischen Führung statt,  um zu besprechen, wie man dieser Notsituation begegnen solle. Em Ende werden wir, so wie wir Palmyra in der Vergangenheit befreit haben, erneut befreien. Es stand unter IS-Kontrolle, doch die syrische Armee befreite es mit russischer Unterstützung. Das werden wir wieder tun.  Das ist im Krieg so: irgendwo gewinnt man, anderswo verliert man. Doch wir sollten wissen, daß der hauptsächliche Stoß, die Priorität jetzt der Stadt Aleppo gilt.

Frage 7: Letzte Woche hob Barack Obama das Embargo für Waffenlieferungen für die, die sie „moderate Opposition nennen, auf.  Was denken Sie, wie das die Gewichtung der Kräfte auf dem Boden verändern wird?

Präsident Dr. al-Assad: Freilich sind die US-Amerikaner tückisch (treacherous). Die [tatsächliche] Aufhebung des Embargos muß nicht zu dem Zeitpunkt geschehen sein, als Obama sie verkündete. Womöglich wurde sie erst Tage nach der wirklichen Aufhebung verkündet, nur um ihr Legitimität zu verleihen. Daher möchte ich eine Verbindung herstellen zwischen der Obama-Verkündung über die Embargo-Aufhebung und dem IS-Angriff. Wohin gingen diese Waffen? An Ğabhatu_n-Nuṣra oder an den IS, wobei beide dasselbe sind abgesehen von ihren Bezeichnungen. Außerdem bin ich fest davon überzeugt, daß [das Geschehen] in Palmyra die Reaktion auf den Vorstoß der Armee in Aleppo gewesen ist und so möglicherweise auch an anderen Plätzen. Wenn sei jedoch darauf achten, wie sich die US-Amerikaner in solchen Fällen verhalten, wenn ein US-Plan scheitert – was sie [im übrigen] überall auf der Welt tun: sie säen Chaos. Es spielt keiner Rolle in welcher Hinsicht, und dann benutzen sie das Chaos in einer Art, die ihnen erlaubt, die unterschiedlichen {beteiligten] Parteien zu erpressen, bis sie [die US-Amerikaner] in der Lage sind, Stabilität auf einem Weg zu erreichen, die ihren Interessen dient. Demnach war die Aufhebung des Embargos gerade zu diesem Zeitpunkt Teil ihrer Politik. Es gibt noch einen anderen Aspekt: die bestehende US-Administration geht jetzt ihrem Ende entgegen, und man könnte [darin] besorgt sein wegen einer wirklichen Annäherung zwischen den USA und Rußland unter der nächsten Administration, der Trump- Administration. Die endende Administration versucht, die größtmögliche Anzahl an Problemen zu schaffen, so daß diese Probleme die Annäherung zwischen den USA und Rußland behindern. Demnach hat diese Ankündigung, die recht kurz gewesen ist, womöglich verschiedene und signifikante Aspekte und Auswirkungen.

Frage 8: Um das weiterzuverfolgen. Nach Trumps Wahl sagten sie, er könnte ein naturgemäßer  Alliierter Syriens sein. Welche Umstände könnten dem förderlich sein?

Präsident Dr. al-Assad: Trumps Aussagen waren während der Wahlkampagne klar in Bezug auf die Terrorismusbekämpfung, die Nichteinmischung gegenüber [anderen] Staaten, mit dem Ziel Regierungen zu beseitigen, wie es die USA seit Dekaden gehandhabt haben. Das ist gut, doch hängt es von Trumps willen ab, diesen Vorstoß weiterzuverfolgen, und seiner Fähigkeit, das zu tun. Wir wissen doch, daß es mächtige Lobbys in den USA gibt, welche sich gegen Trump positioniert haben,  und die werden ihren größtmöglichen Druck ausüben, wenn er erst im Amt ist, um ihn dahin zu bewegen, zurückzunehmen, was er in dieser oder anderer Beziehung gesagt hat. Andernfalls wird es auf eine Konfrontation zwischen  diesen Lobbys im Kongreß, im Senat, in den Medien und en Industrie-Lobbys geben, die von Krieg profitieren wie es auch bezüglich des Iraks oder kürzlich hinsichtlich des Jemens der Fall gewesen ist. Daher denke ich, wenn Trump es schafft, alle diese Hindernisse zu beseitigen und wirklich gegen den Terrorismus zu kämpfen, dann wäre er unser wie Ihr natürlicher Alliierter. Das ist es, was Sie und was wir andauernd fordern.

Frage 9: In den letzten Tagen wurde in den US-amerikanischen Meiden von etwas geredet, das sie „syrische Elite-Kräfte“ nannten, welche US-amerikanische Unterstützung erhielten und sich nach ar-Raqqa begäben, um den IS zu bekämpfen; es seien 45.000. Kämpfer. Wer sind die? Und wie werden Sie mit denen umgehen?

Präsident Dr. al-Assad: In den letzten paar Jahren versuchten die USA ihre Idee zu verbreiten, es gebe so etwas wie ein „moderate Opposition“ oder „moderate Kämpfer“. Doch sie waren nicht fähig, diese Lüge zu verkaufen, da die Fakten am Boden das Gegenteil aufzeigten, nämlich daß all jene, die sie unterstützen, Extremisten waren, entweder zu Ğabhatu_n-Nuṣra oder zum IS, gehörend oder zu einer Organisation mit derselben extremistischen und terroristischen Ideologie. Nun versuchen sie, den IS in gewissen Gegenden sich selbst zu überlassen und darauf zu setzen, daß diese Gruppen als originäre   Teil von Ğabhatu_n-Nuṣra und IS, jedoch mit geschorenen Bärten und anders gekleidet und unter neuer moderater Benennung, daß also diese jene Gegenden vom IS befreien würden. Es war also eine Scharade, der IS unter US-Kontrolle, der seinerseits die moderaten kontrolliert. Diese Kräfte werden es den US-Amtsträgern ganz einfach ermöglichen, ihre Hände von jeder Verbindung mit den Extremisten in Syrien reinzuwaschen.    

Frage 10: Westliche Analysten und Experten reden über und entwerfen verschiedene Szenarien für Syrien, wie Föderalismus oder Desintegration, da es nicht zu seinem früheren  Zustand zurückkehren werde. Haben sie in dieser Beziehung ein Konzept, z.B. eine eigenständige Regierung für die Kurden oder Föderalismus?  Oder solle zuerst der Krieg enden und danach würden Sie über diese Änderungen nachdenken?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, darüber können wir jetzt nicht nachdenken, da die Syrer solche Sachverhalte je nach Tagesereignis diskutieren.. Ich kann Ihnen sagen, daß diese [d.i. die genannten] Vorstellungen schon vor Jahren entworfen worden sind, nicht erst vor ein paar Wochen. Für uns ist das Bild klar geworden: die meisten Syrer weisen eine Schwächung des syrischen Staates zurück, sie weisen jegliche Unterminierung der Integrität des syrischen Territoriums oder der Form des Staates oder des politischen Systems in seiner gegenwärtigen Form zurück. Und wenn ich sage, die Mehrheit, dann meine ich die überwiegende Mehrheit der Syrer.
Aber wie auch immer, wir als Staat haben keine eigene Meinung hierzu, weil diese Dinge mit der Verfassung zu tun haben und über die Verfassung sollte die syrische Bevölkerung entscheiden;  es sollte das Ergebnis eines Dialogs unter Syrern sein. Daher sage ich, wir sprechen jetzt darüber, doch jede Absicht einer Veränderung der Verfassung kann nicht jetzt während des Krieges erfolgen. Es ist unmöglich, da ein Referendum andere Umstände benötigt. Die Priorität jetzt ist durch den Terrorismus vorgegeben.  En westlichen Plan betreffend, ist es zwar wahr, aber nicht neu. Sie konspirierten gegen Rußland [schon] vor dem Kommunismus und wollten, daß es an Territorien verliert seit den Tagen des Zars. Sie konspirierten dagegen während des Kalten Krieges, nach dem Zerfall der Sowjet-Union und jetzt auch. Das ist die westliche Politik, welche bestrebt ist Länder zu zerteilen: mach sie kleiner, wenn sie groß sind, und mach sie noch kleiner, wenn sie klein sind.  Dann kannst du diese Länder kontrollieren und zu Lakaien bzw. Satelliten umformen, die dann auf Geheiß agieren. Das ist also der Plan für Syrien, ob sie ihn bekannt gemacht haben oder nicht. Er ist absolut so von Beginn an und er wurde vorangebracht schon vor der Krise.

Frage 11: Nach dem Krieg wird es sicherlich eine Rekonstruktionsphase geben und Förderung der Wirtschaft des Landes. Man spricht derzeit von ca. 180 Milliarden US-Dollar wirtschaftichem Verlust  in Syrien. Denken sie, daß Syrien allein, oder sogar mit Rußlands Hilfe in der Lage sein wird, das Zerstörte wieder aufzubauen? Und welches sind die  Länder, die beim Wiederaufbau der syrischen Wirtschaft helfen könnten? Und haben Sie Verständnis dafür, daß  einige jener Länder von Ihnen gewisse Zugeständnisse dafür verlangen könnten?

Präsident Dr. al-Assad: Wiederaufbau ist selbstverständlich für jedes Land, das sich im Nachkriegszustand befindet, eine enorme und sehr nützliche wirtschaftliche Herausforderung. Wir in Syrien haben sehr große materielle Kapazitäten im privaten Sektor, sowohl in Syriens selbst als auch und den Ländern, in die [Syrer] ausgewandert sind, oder unter den Geschäftsleuten, welche während der Krise das Land verlassen haben.  Die meisten davon werden zurückkehren. Sie besitzen [hier] Häuser und Liegenschaften und werden zurückkommen, um ihr Land wiederaufzubauen und konsequenterweise wird sich dann wirtschaftlich etwas vorwärts bewegen. Diesbezüglich bestehen keine großen Bedenken, doch es wird Zeit brauchen. Freilich wird die Unterstützung befreundeter Staaten den Entwicklungsprozeß beschleunigen, dem – wie Sie schon sagten – hunderte Milliarden fehlen.  Der Wiederaufbau ist selbstverständlich nützlich für uns, aber auch für andere Firmen aus dem Ausland.  Und da sage ich Ihnen klar und einfach, daß die syrische Bevölkerung keine Firma aus einem Land akzeptieren wird, das sich feindselig gegenüber Syrien, das syrische Territorium oder den syrischen Staat gezeigt oder Terroristen unterstützt hat. Das ist ganz klar. Wir müssen auch fähig sein, zu unterscheiden zwischen dem privaten Sektor und der Position des Staates selbst. In diesem Fall wird die Priorität den befreundeten Staaten gelten, welche uns direkt unterstützt haben wie Rußland, China, der Iran und andere oder zumindest den Staaten, welche sich nicht gegen Syrien gestellt haben, sogar wenn sie neutral waren und eine ethische Position vertraten.

Frage 12: Nach unterschiedlichen Schätzungen beträgt die Anzahl der syrischen Flüchtlinge im Ausland ungefähr sechs Millionen. Hat Syrien diese Menschen endgültig verloren oder werden sie zurückkehren?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, tatsächlich vollzieht sich das Gegenteil. Sie wären erstaunt zu erfahren, wie viele relativ begüterte Leute, die im Ausland ihre Interessen sichern können, gerade jetzt während der letzten zwei Jahre aus psychologischen Gründen, patriotischen Gefühlen  oder wegen anderer Interessen zurückgekehrt sind.  Demnach hat die Rückkehr schon begonnen, wenn auch noch langsam.  Ich bin sicher, daß die große Mehrheit, die Syrien verlassen hat, zurückkommt, wenn der Krieg erst vorüber ist. Die meisten verließen das Land ja nicht des Staates wegen. Sie verließen es entweder wegen der direkten Bedrohung durch die Terroristen oder weil sie [derentwegen] ihren Lebensunterhalt nicht mehr sicherstellen konnten – deswegen sind sie emigriert, um ihr tägliches Überleben zu sichern. Die meisten Menschen stehen treu zum Staat und ihrer Heimat und so bin ich sicher, daß sie zurückkommen werden. Darüber bin ich nicht besorgt.

Frage 13: Zurückkommend auf den militärischen Aspekt, wie ist der Zustand Ihrer Armee heutzutage? Wie verhält es sich mit dem personellen Verlust? Wie beurteilen Sie die Verfassung der Armee angesichts der Vielzahl der Fronten und militärischen Aktionen, in die sie derzeit involviert ist.

Präsident Dr. al-Assad: Wenn wir über etwas weniger als sechs Jahre militärischer Aktion reden, dann ist das länger als der Erste und Zweite Weltkrieg. Sie können sich denken, wie immens und erschöpfend das sein kann. Jede Armee einer Supermacht wäre in solche einem Krieg erschöpft. Doch die syrische Armee gehört nicht zu einer Supermacht. Wir sind ein kleiner Staat in jeder Hinsicht. Freilich half die Unterstützung befreundeter Länder dieser Armee ihre Pflicht weiterhin auszuüben ohne Rücksicht auf die großen Verluste an Ausrüstung und Soldaten.  Zudem haben wir eine große Anzahl verwundeter Soldaten, die nicht mehr Dienst tun können, weil sie nun infolge ihres Einsatzes körperbehindert sind.  Die Armee ist selbstverständlich beeinträchtigt hinsichtlich der Anzahl der Kämpfenden und der Ausrüstung, aber das ist nicht alles auf dem Schlachtfeld.  Da gibt es noch die Ethik und die Zielstrebigkeit. Trotz aller Verluste kommen wir in Aleppo voran und die syrischen Soldaten kämpfen  verbissener [als zuvor]. Das hängt nicht mit den Verlusten zusammen sondern vor allem mit der gewonnenen größeren Entschlossenheit, zu siegen, dem unbedingten Willen, die Heimat zu verteidigen. Diese Entschlossenheit wächst heutzutage.  Das ist die Wahrheit und es ist die stärkste Waffe, die wir jetzt haben. Ohne diese Entschlossenheit könnte die syrische Armee nicht auch nur einen Teil einer kleinen Stadt befreien, das sage ich Ihnen, und erst recht nicht eine Stadt von der Größe Aleppos. Das ist der Zustand der syrischen Armee von heute. Diese Entschlossenheit ist freilich verbunden mit der Unterstützung, die die Armee von der syrischen Bevölkerung, der syrischen Gesellschaft erfährt, die hinter der SAA (Syrian Arab Army) steht. Ohne all diese Formen der Unterstützung könnte die Armee ihre Pflicht nach etwas weniger als sechs  Jahren nicht mehr erfüllen.

Frage 14: Einige westliche Politiker sagen öffentlich und wiederholt, Rußland solle Druck auf Präsident Assad ausüben, damit er seine Position bezüglich gewisser Sachverhalte ändere. Hat derlei stattgefunden? Hat Moskau versucht, Ihnen ihre Ansicht aufzuoktroyieren?

Präsident Dr. al-Assad: Wenn unsere russischen Freunde den Eindruck gewonnen hätten, wir seien in diesen Krieg verstrickt wegen des Präsidenten, wegen der Regierung, einer Gruppe oder einer speziellen Agenda, dann, so kann ich Ihnen sagen,  hätten sie uns entsprechenden Rat erteilt oder möglicherweise Druck auf uns ausgeübt. Doch sie wissen wie wir auch, daß der Sachverhalt mit dem Krieg gegen den Terrorismus zusammenhängt. Unsere russischen Freunde, die um die Konsequenzen und Gefahren der Verbreitung des Terrorismus wissen, würden uns nicht raten, den vom Westen bevorzugten Weg einzuschlagen. Andererseits führen wir seit ca. sechs Jahren Verhandlungen mit russischen Amtsträgern auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Sektoren. Zählen Sie dazu eine Beziehung, die schon seit sechs Dekaden besteht. Bis zu diesem Interview ist es niemals in der Geschichte dieser Beziehung geschehen, daß die Russen versucht hätten, bezüglich einer Frage, die sie als Teil der syrischen Souveränität erachten, Druck auf uns auszuüben. Wenn sie eine Meinung oder einen Ratschlag loswerden wollen, sagen sie immer: am Ende ist das Ihr Land und Sie wählen die richtige Entscheidung, eine Entscheidung, die zu Ihnen paßt. Die Natur des russischen Staat es ist es demnach nicht Druck zu bevorzugen. Und die Politik, die wir in Syrien verfolgt haben, geht in die richtige Richtung, die unserem gemeinsamen Interesse dient im gegenseitigen Einverständnis.

Frage 15: Wenn Sie mir eine spezielle Frage erlauben, Herr Präsident, heute befinde wir uns im Präsidentenpalast und fünf Kilometer von Ğaubar entfernt, welches von Ğabhatu_n-Nuṣra und anderen Terrorgruppen kontrolliert wird. Können sie sich im Land frei bewegen? Oder zwingt sie der Sicherheitsfaktor dazu, die meiste Zeit  in Damaskus zu bleiben? Wie handhaben Sie Ihren Arbeitsplan generell?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, vom Sicherheitsaspekt aus habe ich die vergangenen sechs Jahre über diesen Umständen bis auf einen minimalen Grad nicht erlaubt, mich einzuschränken. Ich gehe zur Arbeit wie gewöhnlich  und nutze hierzu dieselben Mittel. Da habe ich überhaupt nichts verändert. Im Gegenteil machte es der Krieg notwendig, daß ich mich an die Front begab, um manchmal Soldaten wenige hundert Meter von den Terroristen entfernt zu besuchen. Dazu kam es mehrfach während dieses Kriegs. Der Sicherheitsaspekt ist also unter den gegebenen Umständen nicht ausschlaggebend für mich. Wir alle sind Syrer, wir alle sind denselben Gefahren ausgesetzt. Die Terroristen beschossen die Innenstadt von Damaskus mit Raketen und wir verfuhren weiter wie zuvor, kamen hierher und bewegten uns in alle Richtungen. Doch meine Besuche sind heutzutage natürlich hauptsächlich der Kriegssituation geschuldet: Besuchen bei der Armee, den Familien der Verwundeten, Treffen mit Familien der Gefallen (martyrs). Diese Aktivitäten führe ich aus wie alle anderen, die mit dem Staat zu tun haben, mit dem Fokus auf den Wiederaufbau und die Besserung der wirtschaftlichen Bedingungen zusätzlich zu den militärischen Aspekten.  Dies ist mein Hauptanliegen unter den gegenwärtigen Umständen.

Journalist: Vielen Dank, Herr Präsident, ,für dieses Interview; wir hoffen, daß Friede und Stabilität bald in ganz Syrien vorherrschen werden und daß das Leben wieder sicher wird.

Präsident Dr. al-Assad: Ich möchte Ihnen danken und Ihnen meine Freude über das Zusammentreffen mit Ihnen in Damaskus ausdrücken. Bitte leiten Sie meine besten Grüße nicht nur an die russische Führung , sondern an das ganze russische Volk weiter für all die Unterstützung, die Rußland gegenüber Syrien geleistet hat auf politischer Ebene, durch den [UN-]Sicherheitsrat, oder generell in der internationalen Arena oder durch direkte militärische Unterstützung. Aller Dank gilt der russischen Bevölkerung, die wir als direkte Beteiligte im Krieg gegen den Terrorismus ansehen. Abgesehen vom Ausmaß der politischen, militärischen und materiellen Hilfe gibt es etwas, das mehr wert ist und das ist Blut. Das werden wir nie vergessen zusammen mit den syrisch-russischen Familienbanden, welche in den sechs letzten Jahren entstanden sind: während dieses Kriegs wurde, zusammen mit den russischen Gefallenen (martyrs), die Rußland bei der Verteidigung Syriens und der syrischen Bevölkerung beigesteuert hat, vereint Blut vergossen angesichts des Terrorismus. Das ist der Grund, warum ich meine Grüße an jeden einzelnen russischen Bürger im großen russischen Verband richte.

Journalists: Danke schön.

       

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Präsident Dr. al-Assad im Interview für den portugiesischen TV-Kanal RTP vom 15.11.2016

Im Originaltext bei: http://sana.sy/en/?p=93484 vom 16.11.2016

Interview mit RTP, Photo: SANA

Interview mit RTP, Photo: SANA

 

Möglichst textnahe Übersetzung ins Deutsche:

 

Frage 1:  Herr Präsident, beginnen wir doch mit Aleppo, wenn Sie nichts dagegen haben. Dort sind immer noch tausende an Bürgern eingeschlossen, versuchen unter quasi menschenunwürdigen (sub-human) Bedingungen mitten im Bombenhagel zu überleben. Warum glauben Sie, daß diese sich weigern, dem zu entkommen?
Präsident Dr. al-Assad: Der Teil Aleppos, den Sie erwähnen, der [oft] als Ost-Teil bezeichnet wird, ist seit drei Jahren von Terroristen besetzt und die benutzen die Bürger als menschliche Schutzschilde. Auf unserer, also Regierungsseite bestehen zwei Aufgaben: die erste ist die Bekämpfung  jener Terroristen, um das Gebiet und die Leute von jenen Terroristen zu befreien ; zur selben Zeit ist eine Lösung zu finden, um die Terroristen aus dem Gebiet herauszuschaffen, sofern sie sich damit einverstanden erklären, das wäre sozusagen die Rekonziliierungs-Option; dabei geben sie ihre Waffen ab, um Amnestie zu erhalten oder sie verlassen das Gebiet. Das andere, was wir als Regierung tun, ist, Korridore für die Bürger zu öffnen, durch die sie das Areal verlassen können, und gleichzeitig solche für humanitäre Konvois wie dabei zu helfen, daß diese durch die Korridore in jenen Teil Aleppos gelangen; doch die Terroristen wiesen öffentlich jede Lösung zurück; sie wollten demnach die Situation so beibehalten wie sie ist.
Frage 2:  Aber benutzen Sie nicht die Jihadisten, um alle Oppositionellen in den Augen des nationalen und internationalen  Publikums zu diskreditieren und um am Ende all diese zu eliminieren, Herr Präsident?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das können wir gar nicht, aus einem ganz einfachen Grund: wir haben nämlich mit dieser Art Terrorismus seit den 1950er Jahren zu tun, seit damals die Muslimbruderschaft nach Syrien gekommen ist,  und wir haben unsere Lektion wirklich gut gelernt, speziell in den 1980ern, daß Terroristen nicht als politische Karte ausgespielt werden können; man kann ihn nicht einfach in die Tasche stecken, denn es handelt sich um eine Art Skorpion: er wird Dich eines Tages beißen. Daher können wir Terroristen nicht instrumentalisieren, denn es wäre so, als würde man sich selbst ins Bein schießen. Sie werden früher oder später gegen Dich vorgehen. Das ist die pragmatische Sicht auf die Dinge, doch selbst aus ethischer Sicht würden wir das nicht tun. Terroristen oder Jihadisten für irgendeine politische Agenda zu  instrumentalisieren, ist unmoralisch.
Frage 3:  Aber, Herr Präsident, läßt sich nicht annehmen, daß die Leute, die Bürger in Aleppo womöglich der Regierung, der Armee nicht trauen, daß sie bloß Demokratie, Würde und Freiheit wollen? Können Sie ihnen die geben?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns über diese Punkt aus dem realen Blickwinkel betrachten! Seit Beginn der Krise, seit die Terroristen begannen, einige Gebiete in Syrien zu kontrollieren, verließ die Mehrheit der Syrer diese Gebiete, um sich in die Gebiete unter Regierungskontrolle zu begeben und nicht umgekehrt. Wenn die Mehrheit der Syrer der Regierung nicht vertraute, wäre sie anderswohin gegangen. Lassen Sie mich ein anderes Beispiel bringen, ein stärkeres Beispiel: Sie waren in Dârayâ (Daraya), in al-Muʽaḍamiyya (al-Muadamiya) vor ein paar Tagen, als Sie hierher [nach Syrien] kamen; [selbst] die Terroristen und Militanten, welche jenes Gebiet in Richtung Idlib im Nordteil von Syrien verließen, um sich [dort] ihren Terroristenkumpeln anzuschließen, ließen ihre Familien zurück unter Regierungskontrolle; diese können besuchen gehen, wenn Sie wollen.
Frage 4:  Herr Präsident, erstmals war ich hier vor vier Jahren, dann jetzt. Gewinnen Sie den Krieg, diesen Krieg in Syrien?
Präsident Dr. al-Assad: Wir können sagen, man kann den Krieg nur gewinnen, wenn man die Stabilität in Syrien wiederherstellt. Man kann nicht darüber reden, den Krieg zu gewinnen, wenn einen täglich das Töten und Zerstören umgibt. Das heißt nicht, daß wir den Krieg verlieren würden. Die Armee macht täglich gute Fortschritte gegen die Terroristen: Natürlich haben sie immer noch die Unterstützung der Türkei, von Qaṭar, Saudi-Arabien und einigen westlichen Regierungen einschließlich der USA, aber  die einzige Option, die wir in jener Hinsicht haben, ist die, zu gewinnen. Wenn man nicht gewinnt, sondern der Terrorismus, würde Syrien nicht mehr existieren.
Frage 5: Aber wären Sie auch so vorgegangen ohne Ḥizbullâh, den Iran und Rußland.
Präsident Dr. al-Assad: Die sind hier, weil sie absolut essentielle und wichtige Hilfe anbieten können, denn die jetzige Situation dreht sich nicht nur um ein paar Terroristen aus Syrien, es ist wie ein internationaler Krieg gegen Syrien. Jene Terroristen genießen die Unterstützung von Dutzenden ausländischer Staaten; Syrien allein würde demgegenüber nicht standhalten können ohne die Hilfe von Freunden. Daher ist deren Hiersein und deren Unterstützung absolut essentiell.
Frage 6: Ist nicht Herr Putin Ihr wichtigster Verbündeter?
Präsident Dr. al-Assad: Rußland ist sehr wichtig, der Iran ist sehr wichtig, die Ḥizbullâh ist sehr wichtig. All jene sind wichtig. Jeder einzelne unternahm wichtige Anstrengungen gegen die Terroristen in Syrien; daher ist es schwierig zu sagen, wer wichtiger als der andere sei.
Journalist: Aber was ist die Rolle Rußlands in Syrien heutzutage?     
Präsident Dr. al-Assad: Der bedeutendste Teil der Unterstützung Rußlands ist die Luftunterstützung, welche sehr wesentlich ist. Die russische Luftwaffe (they) besitzt große Feuerkraft und zur gleichen Zeit steht Rußland für die Hauptversorgung unserer Armee seit mehr als 60 Jahren. Von daher hängt unsere Armee vom der russischen Versorgung in verschiedenen militärischen Bereichen ab.
Frage 7: Aber sind Sie frei, Syriens Zukunft zu entscheiden oder hängen sie da von Wladimir Putins Strategien ab?
Präsident Dr. al-Assad: Nein. Zunächst einmal sind wir vollkommen frei, nichtpartiell, sondern vollends in jeder Hinsicht, die die Zukunft Syriens betrifft. Zum Zweiten, was wichtiger oder ebenso wichtig ist wie dieser erste Punkt oder erste Faktor ist, daß die Russen ihre politischen Entscheidungen immer auf Werte gründen und diese sind die Souveränität anderer Länder, das Völkerrecht, der Respekt gegenüber Menschen, anderen Kulturen; daher mischen sie sich in nichts ein, was mit der Zukunft Syriens oder der Syrer zu tun hätte.
Frage 8: Aber sie haben Ihnen tatsächlich etliche Male bei den Vereinten Nationen geholfen. Sie haben ihre Veto eingelegt gegen einige Resolutionen, welche Ihre Regierung und die syrische Armee verurteilten. Es gibt einige Berichte hinsichtlich Syriens über des Einsatzes chemischer Waffen, Menschenrechtsverstöße, Kriegsverbrechen. All das geschah im Rahmen der Vereinten Nationen.
Präsident Dr. al-Assad: Und manche fragen „wofür?“, will sagen: was gibt`s zurück, was fordern sie dafür im Gegenzug; das ist in der Tat die Frage, das ist der Inhalt Ihrer Frage, die ich schon so oft gehört habe – sei es in den Medien oder direkt gestellt.
[Sie tun das] Vor allem tatsächlich wegen ihrer Wertvorstellungen, von denen ich sprach, wie etwa hinsichtlich des Völkerrecht, daneben haben sie auch noch ihre eigenen Interessen. Die Terroristen in Syrien zu bekämpfen, liegt ja nicht nur im Interesse Syriens und der Syrer, sondern auch in dem des Nahen Ostens und Europas – das ist etwas, was Amtsinhaber im Westen nicht sehen oder realisieren oder anerkennen – wie in dem Interesse der Russen, da sie über Dekaden den Terrorismus zu spüren bekommen haben. Daher kämpfen die Russen für uns, für die Welt, aber eben auch für sich selbst.
Frage 9: Wenn Sie aber über Werte sprechen … Demokratie ist auch ein Wert.
Präsident Dr. al-Assad: Sicher.
Journalist: Freiheit ist ein Wert.
Präsident Dr. al-Assad: Ganz klar.
Frage 10: Können Sie sagen, Syrien sei ein Demokratie nach westlichen Standards?
Präsident Dr. al-Assad: Die einzigen, die für diese Werte wie Demokratie und Freiheit kämpfen können, sind die Leute eines Landes, einer Gesellschaft, nicht [aber] Ausländer. Ausländer können keine Freiheit, keine  Demokratie bringen, denn sie ist verknüpft mit der Kultur, den unterschiedlichen Faktoren, die eine Gesellschaft bestimmen und beeinflussen. Man kann sie nicht überbringen oder importieren. Man nichts von außerhalb in ein Land importieren, was die Zukunft dieses Landes betrifft.
Frage 11: Aber würden Sie Syrien als Demokratie definieren?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir sind auf dem Weg zur Demokratie. Wir haben nicht gesagt, wir seien völlig demokratisch, wir sind auf dem Weg, wir bewegen uns [diesbezüglich] vorwärts. Ob langsam oder schnell, ist subjektiv[es empfinden], kann nicht objektiv sein, das ist immer subjektiv. Aber wir bewegen uns mit Sicherheit in dieser Hinsicht vorwärts. Doch das Kriterium oder Musterbeispiel für uns ist nicht der westen., nicht das westliche Beispiel, weil der Westen seine eigene Kultur hat, wir haben unsere eigene, sie haben ihre eigene Realität, wir die unsere. Daher sollte Demokratie unsere Kultur reflektieren, unsere Gepflogenheiten, unsere Gebräuche und unsere Realität zur gleichen Zeit.
Frage 12:  Sicher wissen Sie, daß es einen neuen UN-Generalsekretär gibt. Wie denken Sie über ihn, den Herrn Guterres, unter Bezugnahme auf dessen weithin bekannten humanitären Ansatz in der Situation?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich stimme ich mit dieser generellen Ausrichtung, der headline des Ansatzes überein. Ich sage bewußt „headline“, da es immer unter der „headline“ viele weitere Untereinheiten, „sub-headlines“ oder Titel gibt. Spricht man über Humanitäres , bedeutet das nicht nur, Menschen Hilfe, Nahrung, Grundbedarfsmittel fürs Leben anzubieten. Das erste, was z.B. syrische Flüchtlinge als Wunsch angeben, wenn sie gefragt werden, ist, nach Hause zurückzukehren. Das erste, was sie wollen, ist, in Syrien leben zu können. Das bedeutet Hilfe, humanitäre Hilfe, wie wir sie verstehen, Nahrung, medizinische Versorgung, alles andere, was sozusagen die Basis des täglichen Lebens bildet. An zweiter Stelle kommt Stabilität und Sicherheit, was in humanitärer Hinsicht bedeutet, man kämpft mit seinesgleichen gegen die Terroristen. Sie können nicht gleichzeitig über humanitäre Hilfsmittel und die Unterstützung der Terroristen sprechen. Das können Sie nicht. Sie müssen wählen. Und natürlich spreche da ich nicht über ihn [i.e. Guterres], sondern Länder, welche seinen Plan unterstützen. Denn er braucht die Unterstützung anderer Länder, er kann seinen Plan nicht durchführen, während etliche Länder in der Welt immer noch die Terroristen in Syrien unterstützen.
Von daher unterstützen den Plan (it) selbstverständlich, sei es bei der Hilfe für die Menschen zum [Über-]leben oder zurück in ihre Land zu kommen und dort in Sicherheit ohne Terroristen zu leben.
Frage 13:  Er sagte schon, Frieden in Syrien habe Priorität. Würden Sie mit ihm sprechen, mit ihm [zusammen]arbeiten für dieses Ziel?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, selbstverständlich. Es ist seine Priorität und es ist  – ganz klar – unsere, das erklärt sich von selbst. Es ist aber nicht allein unsere Priorität, sondern die des Nahen Ostens. Wenn der Nahe Osten stabil ist, ist auch der Rest der Welt stabil, weil der Nahe Osten das Herz der Welt im geographischen und geopolitischen Sinn ist und Syrien das des Nahen Ostens im geographischen und geopolitischen Sinn. Wir sind die Verwerfungslinie. Wenn man sich nicht mit dieser Verwerfungslinie befaßt, kommt es zu einem Erdbeben, ein Sachverhalt, auf den wir immer hingewiesen haben. Daher ist diese Priorität von unserer Sichtweise aus hundert Prozent korrekt. Wir sind bereit zur Zusammenarbeit in welcher Weise auch immer, um Stabilität in Syrien zu erreichen, natürlich unter der Voraussetzung, daß dies nicht gegen die Interessen Syriens geht und dem Willen der syrischen Bevölkerung entspricht.
Frage 14:  In unserem Gespräch erwähnten Sie, die UN seien voreingenommen. Denken Sie, daß sich diese mit Mr. Guterres ein bißchen ändern könnte?
Präsident Dr. al-Assad: Jeder weiß, daß die UN und ihr Generalsekretär nicht identisch sind. Jener hat eine wichtige Position inne, doch die UN setzen sich aus den darin vertretenen Staaten zusammen und – um es frank und frei herauszusagen – meinen die meisten Leute, nur aus den fünf permanenten Mitgliedern. Diese machen die UN aus, denn sie besitzen das Veto-Recht. Sie können tun, was immer sie wollen, können ablehnen, was immer sie wollen, und wenn es einmal eine Reform gäbe, die die Organisation unbedingt braucht, könne sie dagegen ihr Veto einlegen und weitermachen wie bisher.
Doch gleichzeitig ist die Art, wie sich der Generalsekretär selbst präsentierte, sehr bedeutsam. Wenn Sie mir die Frage stellen „Was erwarten Sie von solch einem neuen Amtsträger in jener bedeutenden Position“ würde ich zweierlei voraussetzen müssen: zum Ersten, daß Objektivität jede seiner kommenden  Erklärung bestimme, im Hinblick auf jeglichen Konflikt in der Welt einschließlich Syrien. Und zum Zweiten, was mit dem ersten Punkt zusammenhängt und komplementär dazu ist, daß er sein Büro nicht in eine Zweigstelle des US-State Department verwandelt. Das ist, was wir derzeit erwarten.  Klar, wenn er objektiv ist, kann er eine gewichtige Rolle bei den Verhandlungen mit verschiedenen Amtsträgern der UN spielen, um die politischen Sichtweisen unterschiedlicher Staaten – hauptsächlich Rußlands und der USA – hin zu mehr Kooperation und mehr Stabilität im Hinblick auf Syrien zu steuern.
Frage 15:  Bzgl. Syrien gibt es aber ein Menge Besprechungspunkte: Qaṭar, die Türkei, Rußland, der Iran, Saudi-Arabien. Wie kann man mit so vielen Beteiligen [agendas] den Friedensprozeß ermöglichen?
Präsident Dr. al-Assad: Ohne all diese Länder und verschiedenen Faktoren in eine Richtung zu bringen, wird das freilich schwierig. Daher sage ich auch immer, daß das syrische Problem als syrische Angelegenheit nicht sehr kompliziert ist. Was es verkompliziert, ist die Einmischung von außerhalb, speziell durch den Westen, da diese gegen den Willen der Regierung stattfindet, während der Beitrag der Russen, Iraner und Ḥizbullâh auf Einladung der syrischen Regierung erfolgt.
Daher ist die Rolle des UN-Generalsekretärs, all diese Mächte zusammenzubringen, absolut essentiell und wir hoffen, er wird damit Erfolg haben. Freilich ist das nicht einfach.
Frage 16: Lassen Sie mich die Türkei herausgreifen. Deren Armee steht in Ihrem Land, ihr Präsident  sagte letzte Woche, das Interesse der Türkei liege jenseits der natürlichen Grenzen; dabei bezog er sich auf Mossul und Aleppo. Akzeptieren Sie das ?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich nicht. Sie sprechen über eine kranke Person; der [türkische] Präsident ist größenwahnsinnig, instabil. Er lebt noch in der osmanischen Ära, nicht in der Gegenwart, hat den Bezug zur Realität verloren.
Frage 17: Doch wie gehen sie mit deren Armee in Ihrem Land um?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben das Recht zur Selbstverteidigung. Das ist schließlich eine Invasion. Es ist unser Recht, unser Land gegen jegliche Art von Invasion zu verteidigen.   Doch lassen Sie uns realistisch sein: jeder Terrorist, der nach Syrien kam, kam durch die Türkei, mit Unterstützung von Erdogan. D.h. diese Terroristen zu bekämpfen heißt, Erdogans Armee zu bekämpfen, nicht nur die [offizielle] türkische Streitmacht, sondern die Streitmacht Erdogans.
Frage 18: Aber es ist ein NATO-Land. Sind Sie sich dessen bewußt?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, klar! Ob im NATO-Bündnis oder nicht, das Land hat nicht das Recht, in ein anderes einzufallen gemäß dem Völkerrecht und entsprechend anderer ethischer Werte.
Frage 19: Herr Präsident, was erwarten Sie vom neugewählten US-Präsidenten Donald J. Trump?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben keine großen Erwartungen, da die US-Administration nicht nur aus dem Präsidenten besteht. Es geht um unterschiedliche Kräfte innerhalb dieser Administration, die verschiedenen Lobbys, die den Präsidenten beeinflussen. Daher müssen wir warten und zusehen,  wie [when] er seine neue Mission angeht oder anders gesagt, seine Position als Präsident innerhalb dieser Administration während der nächsten zwei Monate. Wir haben immer gesagt, wir würden uns freuen [wishful thinking], wenn die USA unvoreingenommen und respektvoll dem Völkerrecht gegenüber wären, ohne Einmischung in andere Länder rund um den Erdball und – selbstverständlich – ohne Fortführung der Unterstützung der Terroristen in Syrien.
Frage 20: Doch hatte es den Anschein in einem Interview, er sei bereit, mit Ihnen zusammen den Islamischen Staat, den IS zu bekämpfen. Sind Sie bereit zu so einem Schritt?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich. Das klingt wie ein Versprechen, aber kann er es auch wahrmachen? Kann er das umsetzen? Was ist mit den widerstrebenden Kräften innerhalb der Administration, den Mainstream-Medien, die gegen ihn arbeiten? Wie kann er damit umgehen? Daher ist es für uns nach wie vor zweifelhaft, ob er seine Versprechen wahrmachen, ihnen gerecht werden kann oder nicht. Daher sind wir sehr vorsichtig in der Beurteilung ihm gegenüber, besonders da er zuvor noch nie eine politisches Amt innegehabt hat. Wir können daher gar nichts dahingehend sagen, was er tun wird. Doch wenn, sagen wir einmal ,wenn er daran ginge, die Terroristen [ernsthaft] zu bekämpfen, wären wir selbstverständlich an seiner Seite als natürlicher Verbündeter wie im Fall der Russen, der Iraner und vieler anderer Länder, die die Terroristen besiegen wollen.
Frage 21: Demnach wollen Sie mit den Amerikanern im Kampf gegen die Terroristen kooperieren?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, definitiv. Wenn sie aufrichtig daran gehen, wenn sie den [echten] Willen, die Fähigkeit dazu haben, sind wir freilich die ersten, die die Terroristen bekämpfen, da wir am meisten in dieser Welt unter den Terroristen zu leiden hatten.
Frage 22:  Heißt das Kooperation mit den Amerikanern, die gerade die Kurden unterstützen, die YPG, die versucht, nach ar-Raqqa einzudringen?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie über Kooperation sprechen, bedeutet das Kooperation zwischen zwei legalen Regierungen, nicht Kooperation zwischen einer ausländischen Regierung und irgendeiner Fraktion innerhalb Syriens. Jegliche Kooperation an der syrischen Regierung vorbei ist gesetzeswidrig. Wenn sie ungesetzlich ist, können wir damit nicht kooperieren, wir erkennen so etwas nicht an und akzeptieren es auch nicht.
Frage 23:  Wie auch immer, [der designierte] Vizepräsident Pence sagte, er werde das Eingreifen militärischer Macht erlauben, um Ihr Militär daran zu hindern, eine humanitäre Krise in Aleppo anzurichten. Wie sehen Sie das? 
Präsident Dr. al-Assad: Das widerspricht erneut dem Völkerrecht und das ist das Problem mit der amerikanischen Position: sie denken, sie seien die Weltpolizei, der Weltrichter, doch das sind sie nicht. Sie sind ein souveränes unabhängiges Land und da liegt schon ihre Grenze. Sie haben sich nicht in [die Angelegenheiten] irgendwelcher anderen Länder einzumischen. Gerade wegen dieser Einmischung die letzten 50 Jahre über sind sie besonders gut darin, Probleme zu schaffen, nicht sie zu lösen.  Das ist das Problem mit der amerikanischen [selbstzugedachten] Rolle.  Daher sagte ich auch, wir würden wenig Hoffnung auf einen Wechsel in der Administration setzen, da jener Kontext nun schon seit über 50 Jahren besteht, das ist zu erwarten. Wenn die USA mit dieser Haltung, des Problemkreierens rund um die Welt weitermachen wollen, brauchen sie nur eins zu tun: sich in die Angelegenheiten anderer Länder einzumischen.
Frage 24:  Aber kommen wir doch zurück auf das, was der Präsident, der neu gewählte Präsident über die Kooperation mit Ihrer Regierung im Kampf gegen den Islamischen Staat gesagt hat. Erwarten Sei auch einen Wandel innerhalb der europäischen Länder?
Präsident Dr. al-Assad: Hinsichtlich der Terrorismusbekämpfung  sind wir ohne Vorbehalte zur Kooperation mit jedem in der Welt bereit. Das ist die Crux unserer Politik, daß wir das immer wieder sagen, nicht erst seit heute, seit gestern, seit Jahren, sondern sogar bis in die Jahre vor dem Krieg gegen Syrien zurück. In den 1980ern forderten wir um eine internationale Koalition gegen den Terrorismus nach der Muslimbruderschaftskrise in Syrien, als die mit dem Töten begannen, freilich wurden sie nach einiger Zeit besiegt. Wir forderten genau das damals. Es ist also eine seit langem geübte Politik, auf die wir unser Handeln seit Jahren gründen.
Frage 25:  Eine letzte Frage noch, Herr Präsident, die ich Ihnen unbedingt noch stellen muß: weisen Sie nach all den Jahren immer noch eine Verantwortung für das zurück, was in Ihrem Land vorgeht?  
Präsident Dr. al-Assad: Nein, niemals habe ich eine Verantwortlichkeit zurückgewiesen. Das hängt aber von der Entscheidung ab. Wenn man über Verantwortung spricht, fragt man Sie sich selbst, welche Entscheidungen man im Umgang mit der Krise trifft. Hat der Präsident Befehl gegeben, Bürger zu töten oder zu zerstören oder den Terrorismus in seinem Land zu befördern? Natürlich nicht. Meine Entscheidung war, und es war [auch] die Entscheidung der verschiedenen Institutionen, der verschiedenen Amtsträger in Syrien – mit mir an der Spitze – Dialog zu führen, die Terroristen zu bekämpfen, und Reformen [zu starten] als Resonanz auf die allerersten Anfänge, die Vorgaben zu jener Zeit sozusagen; als sie Reform in Syrien brauchten, gingen wir darauf ein. Das ist also die Entscheidung, die ich getroffen habe. Würden sie, würde irgend jemand sagen, Terrorismusbekämpfung ist falsch, Dialog zu führen ist falsch, Reformen anzustrengen ist falsch, Bürger zu beschützen und aus Gebieten unter Terroristenkontrolle zu befreien, ist falsch? Natürlich nicht. Demnach gibt es einen Unterschied der Verantwortlichkeit hinsichtlich der Politik und  der Umsetzung (practice). Bei jeder Umsetzung passieren Fehler. Das ist [aber] ein anderes Thema. Wenn man über den Staat, den Präsidenten spricht, geht es immer um die [getroffenen] Entscheidungen und die politische Richtlinie (policy).
Journalist: Danke, daß Sie sich RTP gewidmet haben, Herr Präsident.      
Präsident Dr. al-Assad: Danke Ihnen.

  

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Präsident Dr. al-Assad im Interview für die serbische Zeitung Politika  http://sana.sy/en/?p=92287 vom 3.11.2016

 

Politika-Interview, Photo: SANA

Politika-Interview, Photo: SANA

Möglichst textnahe Übersetzung ins Deutsche:

Frage 1: Herr Präsident, warum ist die letzte Waffenruhe in Syrien fehlgeschlagen? Wer trägt die Schuld daran?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich haben der Westen, hauptsächlich die USA, Druck in dieser Hinsicht ausgeübt. Dabei rufen sie immer nach Waffenruhe, aber nur, wenn sich die Terroristen in einer schlechten Verfassung befinden, und nicht zum Vorteil für die Bevölkerung. Diese Gelegenheiten der Waffenruhe werden dann benutzt, um den Terroristen logistisch, mit Waffen, Geld, allem Notwendigen unter die Arme zu greifen, damit diese wieder zuschlagen und wieder erstarken können. Wenn die Waffenruhe hält, regen sie die Terroristen an, diese zu sabotieren oder wieder einen Angriff zu starten. Wen trifft demnach  also die Schuld? Es sind die USA und seine Alliierten unter den westlichen Staaten, da für sie Terroristen und Terrorismus Spielkarten für Szenerie in Syrien darstellen. Ihnen geht es dabei nicht um einen Wert wie gegen Terroristen Stellung zu nehmen. Für sie bedeutet Unterstützung des Terrorismus einen Abnutzungskrieg gegen Syrien, gegen den Iran und gegen Rußland, das macht ihre Sicht der Dinge aus. Jedes Scheitern, nicht nur bezüglich dieser Waffenruhe, sondern eines jeden Versuchs dahingehend oder hinsichtlich eines politischen Fortschritt oder einer solchen Initiative  geht auf das US-Konto.
Frage 2: Aber welches Land unterstützt Terrorismus? Saudi-Arabien? Qaṭar?
Präsident Dr. al-Assad: Saudi-Arabien, Qaṭar, die Türkei …
Journalist: Die Türkei?    
Präsident Dr. al-Assad: Weil der Nachschub durch die Türkei kommt mit direkter Unterstützung durch die Regierung.
Journalist: Mit direkter?       
Präsident Dr. al-Assad: Mit direkter Unterstützung durch die Regierung, freilich.
Journalist: Mittels Geld oder Bewaffnung?
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst, sagen wir mal, in Form von Billigung, Grünem Licht [für die Aktion]. Zweitens durch die Amerikanische Koalition, die unter „international coalition“ firmiert, obwohl es eine amerikanische ist. Die bekam mit, wie der US unsere Ölfelder ausbeutete und dieses Öl mit Tankern in die Türkei schaffte, während deren Drohnen umherflogen und …
Journalist: Syrisches Öl?
Präsident Dr. al-Assad: Aus Syrien und von Syrien in die Türkei unter Beobachtung durch deren Satelliten und Drohnen, ohne etwas dagegen zu unternehmen, bis schließlich Rußland intervenierte und mit Angriffen auf IS-Konvois und IS-Stellungen wie -Stützpunkte begann. Aus diesem Grund begann der IS zu schrumpfen. Also gab der Westen Grünes Licht für Länder wie die Türkei, Saudi-Arabien, Qaṭar; tatsächlich sind jene Länder Marionetten, Marionetten des Westens, der USA; sie fungieren als Marionetten und die Terroristen sind deren Erfüllungsgehilfe in Syrien: Erfüllungsgehilfen jener Länder, des Westen und der USA.
Frage 3: Aber das Geld zur Vermarktung dieses Öls, wer hat [bekommt] das Geld? Die Türkei?
Präsident Dr. al-Assad: [Es wird geteilt] In Partnerschaft zwischen dem IS und der Türkei. Ein Teil des Geldes geht an den IS, weil sie damit Rekrutierungen durchführen und den Sold an ihre Kämpfer auszahlen können. Daher war der IS vor dem Eingreifen Rußlands auch am Erstarken, er expandierte in Syrien und dem Irak. Der andere Teil des Geldes geht an türkische Regierungsmitglieder, hauptsächlich an Erdogan und seine Familie.
Journalist:  An Erdogan selbst?   
Präsident Dr. al-Assad: Na selbstverständlich, klar! Sie [die Familie Erdogan] sind direkt involviert in den Handel mit dem IS.
Frage 4: Herr Präsident, denken Sie, die Russen und Amerikaner können sich irgendwann über Syrien einig werden? Können Rußland und die USA Partner im Kampf gegen den Terrorismus in Syrien sein?
Präsident Dr. al-Assad: Das hoffen wir, doch tatsächlich: nein, aus einem ganz einfachen Grund: die die Politik der Russen gründet auf Werten, neben deren Interesse. Die Werte bestehen darin, daß sie sich das Internationale Recht zu eigen machen, und sie bekämpfen den Terrorismus aus dem Interesse heraus, daß die in unserer Region vorherrschenden Terroristen nicht nur diese bedrohen, sondern ebenso Europa, Rußland und den Rest der Welt. Demnach sind die Russen sehr ernsthaft und entschlossen bei der Fortführung der Terrorismusbekämpfung, während die Amerikaner ihre Politik auf einen anderen, gänzlich anderen Nutzwert gründen und dieser ist: „wir können die Terroristen benutzen“. Damit meine ich, daß die Amerikaner  die Terroristen wie eine Spielkarte im politischen Spiel ausspielen, so daß dieses in ihrem Interesse läuft auf Kosten der Interessen der anderen Länder der Welt.
Frage 5: Zum Bombardement gegen die syrische Armee beim Flughafen von Dair az-Zaur … Wie vollzog sich die amerikanische Attacke gegen die syrische Armee? War sie ein Zufall oder nicht?
Präsident Dr. al-Assad: Das war ein vorsätzlicher Angriff durch die amerikanischen Luftstreitkräfte, weil der IS am Schrumpfen war infolge der syrisch-russisch-iranischen Kooperation gegen den IS; und weil Ğabhatu_n-Nuṣra, eine al-Qâʽida affiliierte Gruppe in vielen Gebieten Syriens Verluste erlitten hatte. Daher wollten die Amerikaner die Position der syrischen Armee schwächen und so griffen sie unsere Armee in Dair az-Zaur an. Das war kein Zufall: der Luftschlag dauerte über ein Stunde und die Angriffswellen kamen viele Male.
Journalist:   Eine Stunde [lang]?
Präsident Dr. al-Assad: Mehr als eine Stunde. Es gab etliche Angriffswellen seitens der Amerikaner und ihrer Aliierten auf die syrische Stellung. Zu der Zeit griffen sie ein sehr großes Areal an, nicht ein einzelnes Gebäude nach dem Motto: „das war ein Versehen von uns“. Sie attackierten drei große Anhöhen, keine anderen Gruppen in der Nähe dieser Anhöhen und nur der IS existierte noch in Dair az-Zaur. Da gab es keine – wie sie es nennen – „moderate Opposition“. Demnach war es ein vorsätzlicher Angriff, um dem IS zu ermöglichen, jene Stellung einzunehmen und der IS war gerade dabei, diese Anhöhen anzugreifen, er nahm sie dann auch gleich ein in weniger als einer Stunde nach dieser Attacke.
Journalist:  Der IS griff die syrische Stellung an, nachdem die Amerikaner …?
Präsident Dr. al-Assad: In weniger, ja weniger als einer Stunde darauf griff der IS diese Anhöhen an. Das heißt, daß der IS seine Streitkräfte schon in Vorbereitung dieses Angriffs versammelt haben mußte.  Woher konnte der IS wissen, daß die Amerikaner jene syrischen Stellungen angreifen würden? Es bedeutet ja, daß sie [die IS-Kämpfer] bereit zu und vorbereitet auf den Angriff waren. Das stellt einen expliziten und starken Beweis dafür dar, daß die Amerikaner den IS unterstützen und ihn als Spielkarte einsetzen, um die Balance in Richtung ihrer politischen Agenda zu verändern.
Journalist:  Und danach sagten die Amerikaner,  sorry, ist noch was?
Präsident Dr. al-Assad: Sie sagten, sie bedauerten [es], sie sagten nicht sorry. [lacht]
Frage 6: Herr Präsident,  wer ist verantwortlich für den Angriff auf den Konvoi des Roten Kreuzes nahe Aleppo und welche Waffen wurden für dessen Zerstörung benutzt?
Präsident Dr. al-Assad: Das waren definitiv die terroristischen Gruppen in Aleppo, da nur sie ein Interesse daran hatten. Als wir die Waffenruhe in Aleppo ausriefen, weigerten diese sich [daran teilzunehmen]. Die sagten: „nein, wir wollen keine Waffenruhe.“ Sie verwehrten jedem Konvoi den Zugang zu Ost-Aleppo, das ist öffentlich bekannt (gewesen) und keineswegs Propaganda unsererseits. Wir machten das nicht bekannt, die taten das. Es gab sogar eine Demonstration jener Militanten gegen diesen Konvoi. Daher hatten sie ein Interesse daran, den Konvoi anzugreifen, wir dagegen nicht. Die Tat fand nicht in einem Gebiet statt, in dem sich syrische Truppen befanden; zu eben jener Zeit flog auch kein syrisches oder russisches [Kampf]flugzeug über jenes Areal. Trotzdem wurde dies [Überflug eines syrischen oder russisches [Kampf]flugzeug] Teil der Propaganda, Teil der Dichtung gegen Syrien im Westen, so als hätten wir den humanitären Konvoi angegriffen, da nach westlicher Manier der ganze Krieg in Syrien als humanitärer Krieg dargestellt wird. Das ist die derzeitige westliche Schablone. Sie wollen diese humanitäre Schablone benutzen als Ausrede für noch mehr Intervention in Syrien; und wenn ich sage „Intervention“ meine ich eine militärische bzw. via Unterstützung der Terroristen.
Journalist:  Das ist ja wie die Situation im früheren Jugoslawien, im Krieg in Jugoslawien, also in Bosnien-Herzegowina und im Krieg im Kosovo: humanitäre Probleme.
Präsident Dr. al-Assad: Es ist eine andere Ära, eventuell in anderer Gestalt, aber der Kern dessen, was in Ihrem Land passierte, ist derselbe wie jetzt in Syrien.
Frage 7: Und die westliche Propaganda sprachüber das Problem der Nutzung chemischer Waffen und Faßbomben.
Präsident Dr. al-Assad: [Wieder] dasselbe [Bild] einer schwarz-weiß-Darstellung: sehr sehr böse Jungs gegen sehr sehr gute Jungs.  Es gleicht der Dichtung von George W. Bush während des Kriegs im Irak und in Afghanistan. Sie benutzten solche Schlagzeilen und Bezeichnungen in ihrer Dichtung, um [bestimmte] Emotionen in der öffentlichen Meinung ihrer Länder hervorzurufen. Daher haben sie Unterstützung in der öffentlichen Meinung für ihre Interventionsabsichten, entweder direkt durch militärische Angriffe oder durch Unterstützung ihrer Erfüllungsgehilfen, der Terroristen in unserer Region.
Frage 8: Ich sehe die Nachrichten der letzten Tage [vor mir], als Amnesty International eine Terrorgruppe wegen Nutzung von Chlorin, von chemischen Waffen in Aleppo verurteilte.
Präsident Dr. al-Assad: In Aleppo spielte sich genau das vor wenigen Tagen ab und sogar abgesehen von diesen Angriffen mit chemischen Waffen eröffneten wir gestern, daß in den letzten drei Tagen durch die Terroristen mehr als 80 unschuldige Einwohner Aleppo getötet und mehr als 300 verletzt wurden. Darüber liest oder hört man aber nichts in den westlichen Mainstream-Medien [farbliche Hbg. blogseits]. Sie pflücken sich nur einzelne Bilder und Vorfälle aus dem Gebiet unter Kontrolle der Terroristen [!] heraus, um sie für ihre politische Agenda zu benutzen, d.h. die syrische Regierung [dessen] zu verurteilen und zu beschuldigen; und zwar nicht, weil sie um die syrischen Bürger besorgt sind: unsere Kinder, unschuldige Leute kümmern sie nicht, die Zivilisation, die Infrastruktur kümmert sie nicht. Um all das kümmern sie sich nicht, sie zerstören es. Tatsächlich nutzen sie nur alles aus, was ihren eigennützigen Interessen dienen könnte.
Frage 9: Und nun, Ihre Armee … Sie sind ja der oberste Kommandeur der syrischen Streitkräfte. Ihre Armee hat keine chemischen Waffen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, haben wir nicht. 2013 haben wir unser Arsenal aufgegeben. Jetzt besitzen wir keine [chemischen Waffen] mehr. Aber auch zuvor haben wir sie nie eingesetzt. Ich denke, wenn man von Chemiewaffeneinsatz durch eine Regierung spricht, heißt das, über tausende von Opfern an einem Platz binnen ganz kurzer Zeit zu haben. Solch einen Vorfall gab es bei uns nie gerade angesichts der Behauptungen westlicher Medien.
Frage 10: Herr Präsident, wann, denken Sie, endet der Krieg in Syrien?     
Präsident Dr. al-Assad: Wann?  Ich sage immer, weniger als ein Jahr ist genug, um die internen Probleme zu lösen, da intern [die Situation] nicht sehr kompliziert ist. Es wird nur komplexer je mehr Einmischung durch ausländische Kräfte vorliegt. Überließen diese ausländischen Kräfte Syrien sich selbst, könnten wir als Syrer in wenigen Monaten, in weniger als einem Jahr zu einer Lösung kommen. Das ist sehr simpel, aber nur unter der Voraussetzung  der Beendigung der Einmischung von außen. Freilich wirkt das nicht realistisch, da jeder weiß, daß die USA die Position Rußlands als Großmacht in der Welt unterminieren wollen, auch in Syrien. Saudi-Arabien sucht seit Jahren nach Möglichkeiten den Iran zu vernichten und Syrien könnte einen der Plätze abgeben, wo sich dies realisieren ließe dem saudischen Denken zufolge. Doch wenn wir zu einer Situation kommen könnten, in der die fremden Mächte  Syrien sich selbst überließen, stünde einer Lösung unseres Problems nichts [mehr] im Wege. Wie [das ginge]? Erst einmal durch Beendigung der Terroristenunterstützung  durch ausländische Staaten,  also im regionalen Bereich durch die Türkei, Saudi-Arabien und Qaṭar, und [darüber hinaus] durch den Westen  selbstverständlich, hauptsächlich durch die USA. Wenn man die Terroristenunterstützung in Syrien stoppt, wäre es überhaupt nicht schwer, unser Problem zu lösen.
Frage 11: Herr Präsident, ist es wahr, daß Syrien das letzte sozialistische Land der arabischen Welt ist?
Präsident Dr. al-Assad: Heutzutage, ja.  Aber ich kenne die Zukunft nicht, weiß nicht, wie es weitergeht. Wir sind sozialistisch, aber selbstverstädnlich nicht vom abgeschlossenen Typ.
Journalist: Menschenfreundlicher Sozialismus, denn Ihre Regierung unterstützt Bildung mit Subventionen ähnlich dem schwedischen Sozialismustyp.
Präsident Dr. al-Assad: Über den schwedischen Typus weiß ich nicht so viel, aber in Syrien haben sozusagen eine offene Ökonomie, gleichzeitig haben wir einen starken staatlichen (public) Bereich und der spielte eine sehr wichtige Rolle bei der Belastbarkeit der syrischen Gesellschaft und der Regierung während des Kriegs. Ohne den staatlichen (public) Bereich wäre die Situation viel schwieriger gewesen. Wir sind also noch sozialistisch und ich denke, der Krieg hat gezeigt, daß das sozialistische System für jegliches Land sehr wichtig ist, sofern man in Betracht zieht, daß ich vom offenen Sozialismus spreche, der dem staatlichen Bereich erlaubt, eine vitale Rolle beim Aufbau des Landes zu spielen.
Frage 12: Und Ihre großen Betriebe … sind das staatliche oder private Betriebe?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben beides. Doch üblicherweise in solch einer Situation spielt der staatliche Sektor die bedeutendste Rolle. Wie Sie wissen, kann der private Sektor die Gefahr mehr spüren, mehr unter ihr leiden und in manchen Bereichen könnte er wegen der Unsicherheit ganz die Bühne verlassen. Daher hängt man in solch einer Situation mehr vom staatlichen Sektor ab, doch spielt der private Sektor in Syrien weiterhin eine wichtige Rolle neben dem staatlichen.
Frage 13: Auch haben Sie eine überaus tolerante Atmosphäre bzgl. anderer Glaubensrichtungen: Christen, Muslimen und …
Präsident Dr. al-Assad: Das ist nicht [bloß] Toleranz, tatsächlich sind das Teile der Gesellschaft.
Frage 13: Auch haben Sie eine überaus tolerante Atmosphäre bzgl. anderer Glaubensrichtungen: Christen, Muslimen und …
Präsident Dr. al-Assad: Das ist nicht [bloß] Toleranz, tatsächlich sind das Teile der Gesellschaft. Ohne all diese verschiedenen Färbungen des Gesellschaft – Christen, Muslime, andere Sekten und Ethnien – wäre das nicht Syrien. Jeder Syrer soll sich frei fühlen in Ausübung seiner Riten, seiner Traditionen, seines Glaubens. Er soll diese Freiheit haben, weil dies das Land stabilisiert. Im anderen Fall gäbe es kein stabiles Syrien. Das würde ich aber nicht Toleranz nennen. Toleranz meint doch, etwas gegen unseren Willen zu akzeptieren. Nein, Muslime und Christen leben in Syrien seit Jahrhunderten zusammen, sie sind miteinander verflochten im alltäglichen Leben, sie leben nicht in Ghettos.
Frage 14: Es gibt keine getrennten Schulen für Muslime, für Christen, junge Leute, nein?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein. Freilich gibt es einige Schulen, die einer Kirche angeschlossen sind, doch die sind voller Muslime und umgekehrt. Also nein. Wir erlauben keine Segregation hinsichtlich Religion und Ethnie in Syrien. Das wäre gefährlich. Doch ohne Störung durch eine Obrigkeit [d.i. eine extremistische wie z.B. des IS] würden die Leute naturgemäß miteinander leben in jeder Schule, an jedem Platz, in einer jeden NGO, in der Regierung, das ist natürlich. Das ist auch der Grund, warum Syrien natürlicherweise säkular ist, nicht durch Verordnung durch die Obrigkeit. Die syrische Gesellschaft ist säkular durch ihre Geschichte hindurch.
Frage 15:  Herr Präsident, es ist nun ein Jahr her, daß die russische Luftwaffe am Krieg in Syrien teilnimmt; wie sehr hat Rußland Ihnen geholfen?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns über die Realität sprechen: vor der russischen Beteiligung war der IS auf Expansionskurs, wie ich schon sagte. Als sie [d.i. die Russen] begannen, sich einzubringen, fingen der IS, Ğabhatu_n-Nuṣra und die anderen al-Qâʽida affiliierten Gruppen an zu schrumpfen. Das ist die Realität. Warum [ist das so]? Weil es sich [bei Rußland] um eine Großmacht handelt mit einer großen Armee und großer Feuerkraft, die die syrische Armee im Krieg unterstützen konnte.  Die andere Seite der selben Geschichte ist: wenn ein großes Land, eine Großmacht wie Rußland  in Koordination mit Truppen auf dem Boden – in unserem Fall ist es die syrische Armee – gegen Terroristen vorgeht, werden ganz selbstverständlich konkrete Resultate erzielt. Doch wenn Sie über die amerikanische Allianz sprechen, welche sowieso nicht serös ist, kann die zur selben Zeit ohne  Alliierte am Boden keinerlei Resultate erzielen. Daher war die russische Streitmacht sehr wichtig neben dem politischen russischen Gewicht in der internationalen Arena. Auf beiderlei Art können sie [d.i. die Russen] die Situation ändern und sind bedeutsam bei der Vernichtung der Terroristen auf  verschiedenen Gebieten in er syrischen Arena oder auf dem Schlachtfeld.
Frage 16:  Ist die syrische Gesellschaft heute durch den Krieg gespalten?  
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich ist so homogener als zuvor. Das könnte manchen Beobachter überraschen, da der Krieg eine tiefeinschneidende, bedeutsame Lektion für jeder Syrer war. Viele Syrer redeten zuvor nicht über den Unterschied zwischen fanatischem oder extremistischem Auftreten, zwischen einem Extremisten und einem Terroristen. Jene Abgrenzungen waren für viele nicht klar. Durch den Krieg, die Zerstörung, den schwerwiegenden Preis, den jeder involvierte Syrer zu zahlen hatte, lernten viele Syrer die Lektion und nun wissen sie, daß der einzige Weg, das Land zu beschützen und zu erhalten, ist, homogen zu sein, miteinander zu leben, sich zu integrieren, einander zu akzeptieren und zu lieben. Daher denke ich, daß dieser Effekt des Krieges trotz aller schlimmen Aspekte eines jeden Krieges wie des jetzigen hier auch,  positiv für die syrische Gesellschaft war. Demnach macht mir die Struktur der syrischen Gesellschaft nach dem Krieg keine Sorge. Ich denke, sie wird gesünder sein.
Frage 17:  Noch eine Frage zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen: wen würden sie als Gewinner bevorzugen, Trump oder Hillary?
Präsident Dr. al-Assad: Die Debatte über diese Wahl dreht sich meiner Ansicht nach fast überall in der Welt darum ,wer besser sei, Clinton oder Trump. In Syrien dreht sich die Diskussion darum, wer schlechter ist, nicht besser. Ich denke, keiner von beiden wäre gut für uns, das einmal zuerst. Dann ist, aufgrund unserer Erfahrung mit den amerikanischen Amtsträgern und Politikern allgemein, zu sagen: nimm sie ja nicht beim Wort, sie sind nicht aufrichtig! Was immer sie auch sagen, vertraue ihnen nicht! Wenn sie gut oder schlecht daherreden, wenn sie sehr aggressiv oder sehr friedlich daherkommen, glaube dem [Anschein] nicht! In ihrem Land hängt alles von den Lobbys ab, dem Einfluß der verschiedenen politischen Bewegungen. Das bestimmt dann nach der Wahl deren Politik. Demnach haben wir keine Zeit damit zu verlieren, jetzt deren Rhetorik zuzuhören. Es ist bloß Unsinn. Deren Politik [danach] ist abzuwarten, doch derzeit zeigen sich keinerlei gute Anzeichen dahingehend, daß die USA ihre Politik dramatisch ändern würden hinsichtlich der Vorgänge in der Welt, oder – um angemessen zu sprechen  – bezüglich der Beachtung des Völkerrechts oder des Sich-Scherens um die UN-Charter. Es gibt keine Anzeichen dafür in naher Zukunft. Daher geht es nicht darum, wer Präsident wird. Der Unterschied würde minimal ausfallen, jedem würde erlaubt sein, seinen eigenen Fingerabdruck zu hinterlassen, nur einen persönlichen Fingerabdruck, aber das beinhaltet keine Änderung der Politik. Daher knüpfen wir keine Hoffnung daran [d.i. die US-Präsidentschaftswahl] und verlieren keine Zeit damit.
Frage 18Herr Präsident, eine letzte Frage zur Beziehung zwischen Serbien und Syrien: haben Sie ein Botschaft für die Menschen in Serbien?
Präsident Dr. al-Assad: Meiner Ansicht nach haben wir vor dem Krieg auf beiden Seiten nicht alles getan, was wir hätten tun sollen, um diese Beziehung zu verbessern. Sicher wird der Krieg seine Auswirkungen auf jegliche bilaterale Beziehung zwischen zwei Länder haben, das wäre nachvollziehbar. Doch wir müssen für die nächste Zeit planen. Ihr Land hatte aufgrund der ausländischen Aggression zu leiden, die zur Zerteilung Jugoslawiens führte. Ich denke, die Leute zahlen dort immer noch den Preis für jenen Krieg. Zum anderen  wurde der Krieg in ihrem Land ähnlich porträtiert [wie der in Syrien derzeit], nämlich als humanitärer Krieg, in den sich der Westen einmischen wollte, um ein gewisses Gemeinwesen zu schützen gegen die Aggression eines anderen  Gemeinwesens. Viele Menschen glauben diese Story, es ist die gleiche wie bezüglich Syriens. Sie [die westlichen Machthaber] benutzen dieselbe Schablone, die humanitäre Schablone. Tatsächlich aber kümmert sich der Westen ebensowenig um ihre Bevölkerung wie um unsere. Sie kümmern sich nicht um irgendwen anders in der Welt, nur um ihre eigennützigen Interessen.   Wir haben demnach dieselbe Lektion hinter uns, wenn auch auf verschiedenen Arealen. Auch sprechen wir über zwei unterschiedliche Dekaden, gewisse Unterschiede in den Schlagzeilen, aber der eigentliche Inhalt ist derselbe. Daher  sollten wir, meiner Meinung nach, unsere Beziehungen in jeder Hinsicht verstärken, kulturell, wirtschaftlich und politisch, um unsere Position jeweils in der eigenen Region zu stärken.Frage 19Aber unterstützt die syrische Regierung, unterstützten Sie und der syrische Staat Serbien beim Kosovo-Problem?
Präsident Dr. al-Assad: Das haben wir schon getan, obwohl die Türken ihren Einfluß für das Kosovo, zugunsten des Kosovo  spielen lassen wollten, opponierten wir dagegen. Das war vor dem Krieg, vor etwa sieben oder acht Jahren , als wir opponierten trotz der guten Beziehungen zur Türkei damals. Wir unterstützten Serbien.
Journalist: Herr Präsident, danke für das Interview, danke, daß Sie sich die Zeit genommen haben.
Präsident Dr. al-Assad: Gern geschehen. Danke für Ihr Kommen nach Damaskus.

 

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit dem schweizerischen SRF 1 TV-Kanal:
ausgestrahlt um 22.00 Uhr am 19.10.2016
http://sana.sy/en/?p=91031

 

Interview mit SFR 1, Photo: SANA

Interview mit SFR 1, Photo: SANA

 

Möglichst textnahe Übersetzung ins Deutsche:

Journalist: Vielen Dank Herr Präsident dafür, daß Sie Swiss Television und unsere Rundschau hier in Damaskus willkommen heißen.
Präsident Dr. al-Assad: Sie sind in Syrien sehr willkommen.
Frage 1: Als erstes erlauben sie mir bitte, eines klarzustellen: darf ich Ihnen jede Frage stellen?
Präsident Dr. al-Assad: Jede Frage ohne Ausnahme.
Frage 2:  Meine Frage beruht auf Ihrer Bedingung, daß das Interview in voller Gänze übertragen wird. Befürchten Sie, wir würden ihre Stellungnahmen manipulieren?
Präsident Dr. al-Assad: Diese Frage sollten Sie beantworten. Doch sollten wir dies hier auf Vertrauen gründen. Sie sind wohl besorgt bezüglich des Vertrauen  Ihrer Zuhörer, auf mich trifft das nicht zu. Meiner Ansicht nach haben Sie eine gute Reputation hinsichtlich der Vermittlung der Wahrheit jeglicher Thematik, über die Sie zu berichten  versuchen.
Frage 3:  Betrachten Sie es als Lüge, daß die Welt Sie als Kriegsverbrecher sieht?
Präsident Dr. al-Assad: Das hängt von der Definition, dem Bezug ab. Ist das Bezugssystem das Völkerrecht oder die westliche Agenda oder die westliche politische Stimmung, bestimmt von eigennützig denkenden westlichen Politikern? Gemäß dem Völkerrecht verteidigen der Präsident, also ich, wie die Regierung und die Armee unser Land gegen Terroristen, die in Syrien eingefallen sind als Stellvertreter für andere Staaten. Zurückkommend auf das Wort „Kriegsverbrecher“ sollten als erstes westliche Regierungsmitglieder dahingehend durchleuchtet werden, beginnend mit George Bush, der in den Irak einfiel ohne ein Mandat des UN-Sicherheitsrats; dann  Cameron und Sarkozy, die in Libyen einfielen und es zerstörten, ohne ein Mandat des UN-Sicherheitsrats; dann  Cameron und Sarkozy, die in Libyen einfielen und es zerstörten, ohne ein Mandat des UN-Sicherheitsrats; als Drittes westliche Amtsträger, welche über die letzten fünf Jahre die Terroristen in Syrien unterstützten, entweder durch politischen Schutz für jene oder durch direkte Belieferung mit Waffen, oder via Auferlegung des Embargos gegen die Syrer, das zum Tod von tausenden an syrischen Bürgern führte.
Frage 4: Aber hier geht es um Ihre Rolle in diesem Krieg und der US-Innenminister John Kerry nannte Adolf Hitler und Saddam Hussein im selben Atemzug mit Ihnen. Ärgert Sie das nicht?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, weil das keine Glaubwürdigkeit besitzt. Das zum ersten. Zum zweiten, geht es für mich als Präsident als erstes und vor allem darum, wie mich die Syrer sehen, dann die befreundeten Personen in der Welt, d.h. nicht meine persönlichen Freunde als Präsident, sondern Freunde Syrien wie Rußland, der Iran, China und andere, nicht der Westen; im Westen versucht man immer alles zu personalisieren, gerade wenn es darum geht, die wirklichen Ziele zu verheimlichen, warum man eine Regierung stürzen, einen bestimmten Präsidenten loswerden will, um sie durch Marionetten zu ersetzen, welche zur eigenen Agenda passen. Um zum Anfang zurückzukommen: nein, mich kümmert überhaupt nicht, was Kerry sagt. Das beeinflußt mich nicht.
Frage 5:  Sie sind Präsident eines Landes, dessen Bürger auf der Flucht sind, die Hälfte Ihrer Mitbürger. Sie fliehen nicht nur wegen der Terroristen vom IS oder  der rebellen, sondern auch Ihretwegen.
Präsident Dr. al-Assad:  Wie meinen Sie mit „meinetwegen“? Ich habe keinen Bürger gebeten, Syrien zu verlassen, ich greife keine Bürger an, ich verteidige sie.
Frage 5:  Sie sind Präsident eines Landes, dessen Bürger auf der Flucht sind, die Hälfte Ihrer Mitbürger. Sie fliehen nicht nur wegen der Terroristen vom IS oder  der Rebellen, sondern auch Ihretwegen.
Präsident Dr. al-Assad:  Wie meinen Sie mit „meinetwegen“? Ich habe keinen Bürger gebeten, Syrien zu verlassen, ich greife keine Bürger an, ich verteidige sie. Tatsächlich fliehen die Menschen aus Syrien aus zwei Gründen: Erstens wegen der Taten der Terroristen, die unmittelbar Bürger ermorden. Zweitens wegen der Taten der Terroristen, die deren Lebensgrundlage in Syrien vernichten, indem sie Schulen an greifen, die Infrastruktur auf jedem Sektor zerstören. Drittens ist da das westliche Embargo, das viele Syrer zwang, ihr Auskommen außerhalb Syriens zu suchen. Das sind die Hauptgründe. Der zweite und dritte Faktor hängen zusammen: ich meine die Rolle der Terroristen wie des Westens beim Aushöhlen und Vernichten des Lebensunterhalts der Syrer laufen auf Dasselbe hinaus.
Präsident Dr. al-Assad: Was ich damit meine ist dasselbe, was ein Schweizer darunter versteht: jemand, der Maschinengewehre oder andere Arten von Waffen auf Leute, welcher Benennung auch immer, richtet, um sie zu töten, einer, der sich als Vandale gebärdet, öffentliches und privates Eigentum zerstört, das ist ein Terrorist.  Auch wenn man so jemand als Opposition tituliert, ist er das nicht, weder in Ihrem Land noch in meinem.  
Frage 7:  Schön, sie haben aber keine freie Opposition in Ihrem Land.
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich haben wir die, natürlich. Wir haben eine reale Opposition, Menschen, die in Syrien leben, die ihre Wurzeln in Syrien haben. Opposition sind nicht die, die im Ausland z.B. in Frankreich, Großbritannien, Saudi-Arabien oder der Türkei erschaffen werden. Die Opposition existiert im Inland, sie können sie treffen und mit ihr reden, gern auch vor der Kamera. Das können sie selbst arrangieren.
Frage 8:  Wie erklären Sie ihren drei Kindern, was in Aleppo vorgeht? Ich bin sicher, daß Sie das am Wohnzimmertisch besprechen.
Präsident Dr. al-Assad: Freilich, ganz klar. Ich versuche ihnen das zu erklären, nicht nur was in Aleppo sondern auch was in Syrien vorgeht. Wobei zu beachten ist, daß meine Kinder jetzt schon groß sind, sie verstehen, was um sie herum vorgeht. Wenn man Ihnen aber, einem jeden Kind, erklären will, was passiert, muß man Ihnen die Rolle der Terroristen verständlich machen wie die von Qaṭar, der Türkei, Saudi-Arabien, die jene unterstützen mit Geldmitteln und in logistischer Hinsicht, dazu die Rolle des Westens bei der Terroristenunterstützung, sei es durch Waffenlieferung, via Propaganda und Öffentlichkeitsarbeit zu deren Gunsten. Alles, was dazugehört, erkläre ich ihnen.
Frage 9:  Sagen Sie als Vater auch, Sie hätten nichts mit den Bombardierungen auf Krankenhäuser in Aleppo zu tun?
Präsident Dr. al-Assad: Schauen Sie: wenn es heißt, wir bombardierten Krankenhäuser, meint das, wir töten Bürger. Darauf läuft es hinaus.  Da stellt sich die frage, warum eine Regierung die eigenen Bürger töten wollen sollte, egal ob in Krankenhäusern, auf Straßen, in Schulen oder sonstwo. Es geht immer um das Töten von Syrern. Wenn wir als Regierung, als Armee Syrer töteten, wäre der größte  Teil der syrischen Gesellschaft gegen uns. Man kann nicht im Krieg erfolgreich sein, wenn man die eigenen Bürger tötet. Diese Story, diese Fama ist demnach lügnerisch, um ganz offen mit Ihnen zu reden. Sicher ist jeder Krieg ein schlechter Krieg – leider. In jedem Krieg gibt es unschuldige Opfer, sei es Kinder, Frauen, Ältere oder irgendwelche anderen Zivilpersonen, die keine Kombattanten sind. Es kann sie immer treffen, das ist leider so. Daher bekämpfen wir auch den Terrorismus. Wäre es andersherum, also gemäß der  lügnerischen Fama, auf die sich Ihre Frage bezog, wären die Terroristen, wären al-Qâʽida, Ğabhatu_n-Nuṣra, der IS die Beschützer der Bürger und wir als Regierung die Verbrecher, die die Bürger umbringen. Wer könnte so etwas glauben? Keiner.
Frage 10:  Wer hat denn sonst die Flugzeuge oder bunkerzerstörenden Bomben außer der Armee?
Präsident Dr. al-Assad: Das hört sich so an, als würde jeder, der in Syrien getötet wird, von Flugzeugen, Militärflugzeugen bzw. Fluggeräten getötet.  Die meisten Leute kommen jedoch durch Mörsergranatenbeschuß durch die Terroristen um während sie in der Schule sitzen, im Krankenhaus liegen, sich auf der Straße oder sonstwo aufhalten.  Dafür ist keine Bombardierung aus der Luft verantwortlich. Es gibt natürlich manchmal Lufteinsätze gegen Terroristen, doch das bedeutet nicht, daß jene Explosion von einer Fliegerbombe noch dazu von der syrischen Luftwaffe herrührt. Wenn Sie über einen speziellen Vorfall sprechen möchten, nur zu! Doch das war jetzt generell gesprochen.
Frage 11:  Sie haben aber die Macht, die Situation auch für die Kinder in Aleppo zu ändern.
Präsident Dr. al-Assad: Freilich, deswegen …
Journalist:  Sie wollen das?
Präsident Dr. al-Assad: Genau das ist unsere Mission: gemäß der Verfassung, gemäß dem Völkerrecht haben wir unsere Bevölkerung zu beschützen, in dem wir die Terroristen aus Aleppo loswerden. Auf diese Weise könne wir die Bürger schützen. Wie wäre das möglich, während sie unter Kontrolle dieser Terroristen stünden? In den vollständig von den Terroristen kontrollierten Gebieten werden sie umgebracht. Sollen wir dabei sitzen und zuschauen? Würden wir damit unsere syrische Bevölkerung schützen? Es ist demnach offensichtlich, daß das nur durch Bekämpfung der Terroristen möglich ist.
Frage 12:  Darf ich Ihnen ein Photo zeigen?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich!
Journalist:  Dieser Junge wurde zum Symbol des Krieges.Ich denke, Sie kennen das Photo.
Präsident Dr. al-Assad: Sicher habe ich es gesehen.
Journalist:  Sein Name ist ʽUmrân (Omran). Fünf Jahre alt.           
Präsident Dr. al-Assad: Ja.
Journalist:  Bedeckt mit Blut, verschreckt, traumatisiert. Gibt es etwas, das Sie ʽUmrân und seiner Familie sagen möchten?
Präsident Dr. al-Assad: Es gibt etwas, das ich Ihnen zuvor sagen möchte. Denn ich möchte mit Ihnen in die Zeit vor unserem Interview hier zurückgehen, ins Internet, in dem dasselbe Photo desselben Kindes mit seiner Schwester, beide gerettet von jenen, die der Westen „White Helmets” nennt als Schönfärberei für Ğabhatu_n-Nuṣra  in Aleppo, zu sehen ist. Sie wurden zweimal gerettet, jeder in einem anderen Fall, aber immer als Teil der Publicity jener White Helmets. Doch keiner dieser Vorfälle entspricht der Wahrheit. Sie sind manipuliert, weil man das kann. Ich kann ihnen die beiden Photos aus dem Internet zuschicken, aus denen hervorgeht, daß es sich um Fälschungen und keine realen Aufnahmen handelt. Wir besitzen echte Photos von verletzten Kindern, aber diese spezielle da ist manipuliert worden.
Frage 13:  Aber es ist wahr, daß unschuldige Bürger in Aleppo sterben.
Präsident Dr. al-Assad: Freilich, nicht nur in Aleppo, in Syrien. aber Sie sprechen über Aleppo, weil sich die ganze Hysterie im Westen um Aleppo dreht aus einem Grund: nicht weil es belagert ist, sondern weil Aleppo die letzten vier Jahre über von Terroristen belagert ist. Während dieser Zeit hat kein westlicher Journalist danach gefragt, was in der Stadt vorgeht. Es war auch keine einzige Stellungnahme durch westliche Amtsträger über die Situation der Kinder in Aleppo zu hören. Doch jetzt sprechen die Journalisten ganz plötzlich über Aleppo, weil sich die Terroristen in einer schlechten Lage befinden und die syrische Armee Fortschritte macht. Das ist der einzige Grund, warum sich westliche Staaten, insbesondere die USA samt Alliierten wie Großbritannien und Frankreich, darum kümmern, weil sie fühlen, daß sie die letzten Karten hinsichtlich des Terrorismus in Syrien verspielen, dessen letzte Hauptbastion heutzutage Aleppo ist.
Frage 14:  Für Sie ist alles erlaubt in diesem Krieg?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich nicht. Das Völkerrecht, die Menschenrechts-Charta sind zu beachten. Doch in jedem Krieg in der Welt die Geschichte hindurch kann man nicht zu 100 Prozent sicherstellen, alles in dieser Hinsicht zu kontrollieren. Es gibt immer Schwachstellen. Daher sagte ich auch, jeder Krieg sei schlecht. Doch gibt es einen Unterschied zwischen individuellen Fehlern und einer darauf ausgerichteten Politik einer Regierung. Zu sagen, es sei Regierungspolitik, Bürger zu attackieren, Krankenhäuser, Schulen  anzugreifen, all diese Verbrechen zu begehen, ist nicht möglich, denn es hieße gegen die eigenen Interessen zu handeln. Man kann nicht gegen die Pflicht der Bevölkerung gegenüber verstoßen , sonst verliert man als Regierung [den Rückhalt und damit] den Krieg. Man kann solch einem  grausigen Krieg nicht fünfeinhalb Jahre standhalten, wenn man zur gleichen Zeit die eigenen Leute umbringt. Das ist unmöglich. Fehler aber wird es immer geben, ob es sich um Kreuzfeuer oder individuelle Fehler handelt.  Zeigen Sie mir einen, einen einzigen Krieg in der jüngeren Geschichte, der frei davon gewesen wäre. Das können Sie nicht.
Frage 15:  Haben auch Sie Fehler in diesem Krieg gemacht?
Präsident Dr. al-Assad: Als Präsident gebe ich die Politik des Landes vor. Gemäß unserer Sichtweise ist der Hauptpfeiler dieser Politik während der Krise die Bekämpfung des Terrorismus, was ich für richtig halte und sich nicht ändern wird. Natürlich besteht daneben der Dialog zwischen den Syrern und als Drittes, was sich seit zwei Jahren als effektiv herausgestellt hat, die Rekonziliierung: lokale Rekonziliierung mit den Militanten, die mit Maschinengewehren auf die Bevölkerung, die Regierung und die Armee losgingen; die hat sich als guter Schritt erwiesen. Das sind die Pfeiler der Politik, sie beinhalten keine Fehler. Man kann über Fehler bei der Umsetzung davon sprechen, die betreffen aber Individuen.
Frage 16:  Sie glauben noch an eine diplomatische Lösung?
Präsident Dr. al-Assad: Ganz bestimmt. Man muß nicht von diplomatischer oder militärischer Lösung sprechen, sondern von Lösung. Jeder Konflikt hat viele Aspekte, der eine davon ist die Sicherheit, wie in unserer Situation, der andere ist der politische Aspekt. Wenn Sie mich z.B. fragen, wie mit al-Qâʽida, Ğabhatu_n-Nuṣra, dem IS umzugehen sei, ob Verhandlungen mit jenen möglich seien [muß ich sagen] die würden nicht [verhandeln], sie wären nicht bereit dazu, sie würden sich weigern. Sie hängen ihrer Ideologie an, einer widerwärtigen Ideologie. Daher kann man mit dieser Seite keine politische Lösung anstreben, es bleibt nur, sie zu bekämpfen, sie loszuwerden. Geht es aber um den Dialog, dann ist dieser mit zwei Gruppen möglich, einmal mit irgendwelchen politischen Organisationen, seien sie dafür oder dagegen oder in der Mitte von beidem, und zum anderen mit jedem Militanten, der bereit ist, seine Waffen niederzulegen, um damit Sicherheit und Stabilität für Syrien zurückzugewinnen. Daran glauben wir.
Frage 17:  Es gibt Berichte aus Rußland über eine kurze humanitäre Waffenruhe in Aleppo am Donnerstag. Was hat die zu bedeuten? Können Sie das erklären?
Präsident Dr. al-Assad: Es handelt sich um einen kurzen Stop der Operationen, um humanitäre Hilfsgüter in die verschiedenen Bereiche Aleppos zu bringen und zur gleichen Zeit Zivilisten, welche die von Terroristen besetzten Areale verlassen wollen, in Gebiete unter Regierungskontrolle gelangen zu lassen.
Frage 18:  Das ist ein wirklicher Ansatz, ein bedeutender Ansatz?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich ist dann ein ein bedeutender Schritt als Anfang, doch das ist nicht genug. Es geht um die weitere Entwicklung, wie man solche Zivilisten herausschaffen kann. Die meisten wollen weg von den Terroristen besetzten Gebieten, doch jene lassen sie nicht: entweder schießen sie auf sie selbst oder bringen ihre zurückgelassenen Familienmitglieder um.
Frage 19:  Rußland steht auf Ihrer Seite. Was bedeutet das für Sie?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, Rußland steht nicht auf meiner Seite, es steht auf der Seite des Völkerrechts. Oder anders gesagt, Rußland steht auf der den Terroristen gegenüberliegenden Seite. Das ist die Position Rußlands, die bezweckt, daß das Völkerrecht obsiegt, nicht die westliche Agenda mit dem Ziel des Sturzes von jeder Regierung, die nicht zu ihr Schema paßt. Rußland wollte verhindern, daß der Terrorismus in der Region obsiegt, der die Russen selbst, ihr Land, Europa und den Rest der Welt bedroht. Das bedeutet es, daß Rußland an der Seite der legitimen syrischen Regierung und der syrischen Bevölkerung steht.
Frage 20:  Herr Präsident, Sie benutzen chemische Waffen und Faßbomben in Syrien gegen ihre Bevölkerung, dies besagen UN-Berichte, die können sie nicht ignorieren.
Präsident Dr. al-Assad: Sie sprechen da zwei verschiedene Dinge an. Die Geschichte mit den chemischen Waffen ist erwiesenermaßen falsch, es existiert kein Schatten eines Beweises für deren Einsatz durch die Armee nicht einmal vor Aufgabe unseres Arsenals 2013, während seither gar keine mehr zur Verfügung stehen. Wollte man solche Massenvernichtungswaffen einsetzen, käme es zum Tod tausender Menschen bei einem einzigen Vorfall, doch solch einen gab es nicht, auch nicht vorher, es ist also reine Fiktion. Davon abgesehen würden wir solche Waffen nicht einsetzen, gerade weil sie die eigene Bevölkerung töteten, was gegen die eigenen Interessen wäre. Es handelt sich also um falsche Beschuldigungen. Damit darf man seine Zeit nicht verschwenden. Sie leben in Syrien, das ist ein traditioneller Krieg, der nichts mit Massenvernichtungswaffen zu tun hat.
Journalist: Aber der UN-Bericht sind keine Fiktion 
Präsident Dr. al-Assad: Der UN-Bericht besaß niemals Glaubwürdigkeit, nie. Wenn jemand „Berichte“ basierend auf [bloßen] Anschuldigungen, auf anderen gefälschten Berichten vorlegt und sie „Berichte“ nennt [, sind es noch keine]. Schickten jene [die Beschuldigenden] Delegationen zur Untersuchung des Sachverhalts ab? 2013 kam eine Delegation, die jedoch gerade nicht nachweisen konnte, daß die syrische Armee überhaupt chemische Waffen benutze. Das zum ersten. Zum zweiten und wichtiger als das ist, daß der erste Vorfall zu Beginn des Jahres 2013 in Aleppo stattfand, als wir feststellten, daß die Terroristen chemische Waffen gegen unsere Armee einsetzte. Darauf luden wir die UNO ein, eine Delegation zur Untersuchung zu schicken. Wir waren die Initiatoren! Zu jener Zeit stellten sich die USA gegen solch eine Entsendung, da sie bereits wußten, daß  diese Untersuchung – sofern sie unparteilich ist, natürlich – beweisen würde, daß jene Terroristen, ihre Stellvertreter (proxies) die Chemiewaffen gegen die syrische Armee eingesetzt hatten.
Bezüglich der Faßbomben (barrel bombs) möchte ich Sie fragen, was ist die Definition davon? Wenn Sie unsere Armee besuchen, finden Sie in den Beständen/Verzeichnissen nichts, was man „Faßbomben“  nennen könnte. Daher, nur damit ich Ihnen korrekt antworten kann: was ist eine „Faßbombe“?. Wir haben Bomben.
Journalist: Die Zerstörung … Es geht um die Zerstörung und darum, daß man damit gegen das Völkerrecht verstößt.
Präsident Dr. al-Assad: Jede Bombe verursacht Zerstörungen, wirklich jede. Man hat sie nicht, um nichts damit zu tun. [Bei „Faßbombe“] geht es um eine Bezeichnung, benutzt im Westen als Teil der westlichen Märchen, um zu zeigen, es würde wahllos gebombt, es würden wahllos Bürger getötet. Gerade das aber ist der immanente Fehler: ich werde Ihnen den Widerspruch aufzeigen: im Westen heißt es, wir würden auf unserem Terrain vorsätzlich Krankenhäuser bombardieren – sie erwähnten das – sowie absichtlich Schulen beschießen und letzten Monat genauso vorsätzlich Konvois in Aleppo. Doch solche Ziele bedürften hochpräziser Marschflugkörper. Die „Berichte“schmiede (they) müßten sich demnach schon entscheiden, welche Teil davon zutreffe: haben wir nun Bomben für den wahllosen Einsatz oder hochpräzise? In derselben Geschichte kommen einander widersprechende Details vor, das ist die Realität heute im Westen. Welche Variante wählt man? Doch ich kann Ihnen nochmals versichern, wir haben keine Bomben, die wahllos wirken (indiscriminate bombs). Würden wir Bürger wahllos töteten, bedeutete das, den Krieg zu verlieren, weil in jenem Fall die Bevölkerung sich gegen uns stellte. Ich keine Syrer töten, weder aus moralischen Gründen noch aus Eigeninteresse, weil ich in jenem Fall die syrische Gemeinschaft und Gesellschaft den Terroristen in die Armee triebe und nicht umgekehrt.
Frage 21:  Ich möchte den Sachverhalt der Foltergefängnisse ansprechen, Herr Präsident. Amnesty [International] spricht von 17.000 Toten. Hinsichtlich des Gefängnisses von Ṣaidnāyā (Saidnaya) gibt es erschreckende Berichte. Wann werden Sie unabhängige Beobachter in jenem Gefängnis zulassen?
Präsident Dr. al-Assad: Unabhängig? Amnesty International ist nicht unabhängig und nicht unparteiisch.
Journalist: ICRC?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben das nicht mit dem Roten Kreuz diskutiert. Das sollte in unseren Behörden diskutiert werden. Wenn Sie erlauben wollen … wenn es eine Anschuldigung gibt, kann sie diskutiert werden. Wir sagen nicht ja oder nein, aber der von Ihnen erwähnte Report wurde von Qaṭar fabriziert und finanziert. Die Quelle ist unbekannt, die Namen der Opfer sind unbekannt, nichts aus dem Report ist verifizierbar. Er wurde finanziert durch Qaṭar mit dem Zweck, die syrische regierung und die syrische Armee zu verunglimpfen und anzuschwärzen.
Journalist: Aber es gab etliche Augenzeugen.
Präsident Dr. al-Assad: Niemand weiß jedoch, wer die sind. Nichts ist klar in dieser Hinsicht. Es ist nicht verifiziert. Also: nein.
Journalist: Dann öffnen Sie doch die Türe für Organisationen wie das Rote Kreuz.
Präsident Dr. al-Assad: Das obliegt nicht meiner Entscheidung. Wir haben Institutionen für solche Sachverhalte. Wenn es nötig ist, diese erörtern, muß man sich an die zuständigen Institutionen wenden vor einer Ja- oder Nein-Entscheidung.
Frage 21:  Warum sind Sie sich sicher, diesen Krieg zu gewinnen?
Präsident Dr. al-Assad: Weil man sein Land verteidigen muß. Um es zu verteidigen, muß man daran glauben, daß man gewinnen kann. Ohne diesen Glauben verliert man. Ein Teil des Kriegs ist, woran man darin glaubt. Damit ist es selbstevident und sehr intuitiv, daß man den Glauben daran haben muß.
Frage 23:  Geht man durch Damaskus, ist Ihr Bild überall zu sehen, in jedem Geschäft, in jedem Restaurant, in jedem Auto, ein Symbol für einen Diktator. Ist das Ihr Weg Ihre Macht zu festigen?
Präsident Dr. al-Assad: Es gibt einen Unterschied zwischen einem Diktator und einer Diktatur: ein Diktator ist eine Person. Ich habe niemanden in Syrien gebeten, mein Bild aufzuhängen, niemals. Das zum ersten. Zum zweiten, sollte man, will man jemanden einen Diktator nennen, die Leute fragen. Damit meine ich ausschließlich die eigenen Leute, die allein können entscheiden, ob er ein Diktator oder ein guter Kerl ist.
Journalist: Danke, Herr Präsident, für die Beantwortung unserer Fragen von Swiss Television und der Rundschau.
Präsident Dr. al-Assad: Danke, daß Sie nach Syrien gekommen sind.

 

Englisches Original:

Journalist: Mr. President, thank you very much for having welcomed Swiss Television and our program Rundschau here in Damascus.
President Assad: You are most welcome in Syria.
Question 1: First, please, allow me to clarify one thing: may I ask you every question?
President Assad: Every question, without exception.
Question 2: I’m asking because one of your conditions is that interview is being broadcast in its full version. Are you afraid that we might manipulate your statements?
President Assad: You should answer that question, but I think we should build this relation upon the trust, and I think you are worried about the trust of your audience, so I don’t think so. I think you have good reputation in conveying the truth in every subject you try to cover.
Question 3: Do you see it as a lie, that the world considers you as to be a war criminal?
President Assad: That depends on what the reference in defining that word. Is it the international law, or is it the Western agenda or the Western political mood, let’s say, that’s being defined by vested-interests politicians in the West? According to the international law, as a President and as government and as Syrian Army, we are defending our country against the terrorists that have been invading Syria as proxies to other countries. So, if you want to go back to that word, the “war criminal,” I think the first one who should be tried under that title are the Western officials; starting with George Bush who invaded Iraq without any mandate from the Security Council. Second, Cameron and Sarkozy who invaded and destroyed Libya without mandate from the Security Council. Third, the Western officials who are supporting the terrorists during the last five years in Syria, either by providing them with political umbrella, or supporting them directly with armaments, or implementing embargo on the Syrian people that has led to the killing of thousands of Syrian civilians.
Question 4: But we are here to talk about your role in this war, and the US Secretary of State John Kerry called you “Adolf Hitler” and “Saddam Hussein” in the same breath. Does it bother you?
President Assad: No, because they don’t have credibility. This is first of all. Second, for me as President, what I care about first and foremost is how the Syrian people look at me; second, my friends around the world – not my personal friends as President, I mean our friends as Syrians, like Russia, like Iran, like China, like the rest of the world – not the West, the West always tried to personalize things, just to cover the real goals which is about deposing government and getting rid of a certain president just to bring puppets to suit their agenda. So, going back to the beginning, no I don’t care about what Kerry said, at all. It has no influence on me.
Question 5: You’re the President of a country whose citizens are fleeing, half of your fellow citizens. The people are not only fleeing because of the terrorists, of ISIS, or the rebels, but also because of you.
President Assad: What do you mean by me? I’m not asking people to leave Syria, I’m not attacking people; I’m defending the people. Actually, the people are leaving Syria for two reasons: first reason is the action of the terrorists, direct action in killing the people. The second one is the action of the terrorists in order to paralyze the life in Syria; attacking schools, destroying infrastructure in every sector. Third, the embargo of the West that pressed many Syrians to find their livelihood outside Syria. These are the main reasons. If you can see that the second factor and the third factor are related, I mean the role of the terrorists and the West in undermining and hurting the livelihoods of the Syrians, is one and, let’s say, is commonality between the terrorists and Europe.
Question 6: When you speak of terrorists, who do you mean by that? Surely ISIS, but also the Free Syrian Army or the Kurds?
President Assad: What I mean is like what you mean as a Swiss citizen, if you have anyone who carries machineguns or armaments and killing people under any titles, and committed vandalism, destroying public or private properties; this is a terrorist. Anyone who adopts a political way in order to make any change he wants, this is not a terrorist. You can call him opposition. But you cannot call somebody who is killing people or holding armaments, you cannot call him opposition, in your country, in my country as well.
Question 7: Well, you don’t have any free opposition in your country.
President Assad: Of course we have, of course we have. We have real opposition, we have people who live in Syria, whom their grassroots are the Syrian people, they’re not opposition who were forged in other countries like France or UK or Saudi Arabia or Turkey. We have them, and you can go and meet them and deal with them with your camera. You can do that yourself.
Question 8: How do you explain to your three children what is happening in Aleppo? I’m sure that you are discussing about it at the family table.
President Assad: Yeah, of course if I’m going to explain to them, I’m going to explain about what is happening in Syria, not only in Aleppo, taking into consideration that my children are full-grown now, they understand what is going on Syria. But if you want to explain to them or to any other child what is happening, I’m going to explain about the role of the terrorists, about the role of Qatar, Turkey, Saudi Arabia in supporting those terrorists with money, with logistic support, and the role of the West in supporting those terrorists either through armament or through helping them with the propaganda and the publicity. I’m going to explain to them in full what’s going on.
Question 9: Do you, as a father, also say that you have nothing to do with the bombardments of the hospitals in Aleppo?
President Assad: Look, when they say that we are bombarding the hospitals, it means that we are killing civilians. That is the meaning of the word. The question is why would the government kill civilians, whether in hospitals or in streets or schools or anywhere? You are talking about killing Syrians. When we kill Syrians, as a government, or as army, the biggest part of the Syrian society will be against us. You cannot succeed in your war if you are killing civilians. So, this story, and this narrative, is a mendacious narrative, to be frank with you. Of course, unfortunately, every war is a bad war, in every war you have innocent victims, whether children, women, elderly, any other civilian, any other innocent who is not part of this war, he could pay the price, this is unfortunately. That’s why we have to fight terrorism. When we don’t say that, it’s like saying – according to that question or that narrative, that you may reflect in your question – that the terrorists, Al Qaeda, al-Nusra, ISIS, are protecting the civilians, and we as government are killing the civilians. Who can believe that story? No one.
Question 10: But who else got airplanes or bunker-busting bombs besides your army?
President Assad: It’s like you’re saying that everyone who is killed in Syria was killed by the airplanes or aircrafts, military aircrafts! The majority of the people were killed by mortars shelled by the terrorists on them while they’re at schools, in their hospitals, in the streets, anywhere. It’s not related to the aerial bombardment. Sometimes you have aerial bombardment against the terrorists, but that doesn’t mean that every bomb that fell somewhere was by airplane or by the Syrian Army. If you are talking about a specific incident, let’s say, we have to verify that specific incident, but I’m answering you in general now.
Question 11: But you have the power to change the situation also for the children in Aleppo.
President Assad: Of course, that’s why-
Journalist: Will you do that?
President Assad: Exactly, that’s our mission, according to the constitution, according to the law; that we have to protect the people, that we have to get rid of those terrorists from Aleppo. This is where we can protect the civilians. How can you protect them while they are under the control of the terrorists? They’ve been killed by them, and they’ve been controlled fully by the terrorists. Is it our role to sit aside and watch? Is that how we can protect the Syrian people? We need to attack the terrorists, that’s self-evident.
Question 12: May I show you a picture?
President Assad: Of course.
Journalist: This young boy has become the symbol of the war. I think that you know this picture.
President Assad: Of course I saw it.
Journalist: His name is Omran. Five years old.
President Assad: Yeah.
Journalist: Covered with blood, scared, traumatized. Is there anything you would like to say to Omran and his family?
President Assad: There’s something I would like to say to you first of all, because I want you to go back after my interview, and go to the internet to see the same picture of the same child, with his sister, both were rescued by what they call them in the West “White Helmets” which is a facelift of al-Nusra in Aleppo. They were rescued twice, each one in a different incident, and just as part of the publicity of those White Helmets. None of these incidents were true. You can have it manipulated, and it is manipulated. I’m going to send you those two pictures, and they are on the internet, just to see that this is a forged picture, not a real one. We have real pictures of children being harmed, but this one in specific is a forged one.
Question 13: But it’s true that innocent civilians are dying, in Aleppo.
President Assad: Of course, not only in Aleppo; in Syria. But now you are talking about Aleppo, because the whole hysteria in the West about Aleppo, for one reason; not because Aleppo is under siege, because Aleppo has been under siege for the last four years by the terrorists, and we haven’t heard a question by Western journalists about what’s happening in Aleppo that time, and we haven’t heard a single statement by Western officials regarding the children of Aleppo. Now, they are talking about Aleppo recently just because the terrorists are in a bad shape. This is the only reason, because the Syrian Army are making advancement, and the Western countries – mainly the United States and its allies like UK and France – feeling that they are losing the last cards of terrorism in Syria, and the main bastion of that terrorism today is Aleppo.
Question 14: Everything is allowed in this war for you.
President Assad: No, of course, you have the international law, you have the human rights charter, you have to obey. But in every war, every war in the world during the history, you cannot make sure a hundred percent that you can control everything in that direction. You always have flaws, that’s why I said every war is a bad war. But there’s difference between individual mistakes and the policy of the government. The policy of the government, to say that we are attacking civilians, we are attacking hospitals, we are attacking schools, we are doing all these atrocities, that’s not possible, because you cannot work or go against your interests. You cannot go against your duty toward the people, otherwise you are going to lose the war as a government. You cannot withstand such a ferocious war for five years and a half while you are killing your own people. That’s impossible. But you always have mistakes, whether it’s about crossfire, it’s about individual mistakes… bring me a war, a single war in the recent history, that it was a clean war. You don’t have.
Question 15: Do you have made any mistakes too in this war?
President Assad: As President I define the policy of the country, according to our policy, the main pillars of this policy during the crisis is to fight terrorism, which I think is correct and we will not going to change it, of course, to make dialogue between the Syrians, and I think which is correct, the third one which is proven to be effective during the last two years is the reconciliations; local reconciliations with the militants who have been holding machineguns against the people and against the government and against the army, and this one has, again, proven that it’s a good step. So, these are the pillars of this policy. You cannot talk about mistakes in this policy. You can talk about mistakes in the implementation of the policy, that could be related to the individuals.
Question 16: You still believe in a diplomatic solution?
President Assad: Definitely, but you don’t have something called diplomatic solution or military solution; you have solution, but every conflict has many aspects, one of them is the security, like our situation, and the other one is in the political aspect of this solution. For example, if you ask me about how can you deal with Al Qaeda, with al-Nusra, with ISIS? Is it possible to make negotiations with them? They won’t make, they’re not ready to, they wouldn’t. They have their own ideology, repugnant ideology, so you cannot make political solution with this party; you have to fight them, you have to get rid of them. While if you talk about dialogue, you can make dialogue with two entities; the first one, political entities, any political entities, whether with or against or in the middle, and with every militant who is ready to give in his armament for the sake of the security or stability in Syria. Of course we believe in it.
Question 17: There are news from Russia about a short humanitarian pause in Aleppo on Thursday, what does it mean this humanitarian pause, can you explain?
President Assad: It’s a short halting of operations in order to allow the humanitarian supply to get into different areas in Aleppo, and at the same time to allow the civilians who wanted to leave the terrorist-held areas to move to the government-controlled area.
Question 18: This is really a step, an important step?
President Assad: Of course, it is an important step as a beginning, but it’s not enough. It’s about the continuation; how can you allow those civilians to leave. The majority of them wanted to leave the area held by the terrorists, but they won’t allow them. They either shoot them or they kill their families if they leave that area.
Question 19: Russia is on your side, what does it mean for you?
President Assad: No, it’s not on my side. It’s on the international law’s side.
It’s on the other side which is opposite to the terrorists’ side. This is the position of Russia, because they wanted to make sure that the international law prevails, not the Western agenda in toppling every government that doesn’t fit with their agendas. They wanted to make sure that the terrorism doesn’t prevail in that area, that would affect negatively the Russians themselves, Russia itself as a country, and Europe and the rest of the world. That’s what it means for Russia to stand beside the legitimate Syrian government and the Syrian people.
Question 20: Mr. President, you use chemical weapons and barrel bombs in Syria against your own population, these are UN reports, you can’t ignore it.
President Assad: You are talking about two different issues. The chemical issue, it was proven to be false, and they haven’t a shred of evidence about the Syrian Army using chemical weapons, particularly before we give up our arsenal in 2013, now we don’t have it anyway. Before that, it was fiction because if you want to use such mass destruction armaments, you’re going to kill thousands of people in one incident, and we didn’t have such incidents. Beside that, we wouldn’t use it because you’re going to kill your own people, and that’s against your interest. So, this is a false allegation. We don’t have to waste our time with it. You live in Syria, there is a traditional war, but there is nothing related to mass destruction armaments.
Journalist: But the UN report is not a fiction.
President Assad: The UN report never has been credible, never, and because they put reports based on allegations, based on other reports, on forged reports, and they say this is a report. Did they send a delegation to make investigation? They sent one in 2013, and it couldn’t prove at all that the Syrian Army used chemical weapons. This is first. The second, which is more important, the first incident happened at the beginning of 2013 in Aleppo, when we said that the terrorists used chemical weapons against our army, and we invited the United Nations to send a delegation. We, we did, and at that time, the United States opposed that delegation because they already knew that this investigation – of course if it’s impartial – is going to prove that those terrorists, their proxies, used chemical armaments against the Syrian Army. Regarding the barrel bombs, I want to ask you: what is the definition of barrel bomb? If you go to our army, you don’t have in our records something called “barrel bomb,” so how do you understand – just to know how I can answer you – what a barrel bomb is? We have bombs.
Journalist: The destruction… it’s the destruction, and it is against humanitarian law.
President Assad: Every bomb can make destruction, every bomb, so you don’t have bomb to make nothing. So, this is a word that has been used in West as part of the Western narrative in order to show that there is an indiscriminate bomb that has been killing civilians indiscriminately and that opposes the Western narrative, I’ll show you the contradiction: in other areas they say that we are bombarding intentionally the hospitals, and you mentioned that, and they are targeting intentionally the schools, and we targeted intentionally the convoys to Aleppo last month, those targets need high-precision missiles. So, they have to choose which part of the narrative; we either have indiscriminate bombs or we have high-precision bombs. They keep contradicting in the same narrative, this is the Western reality now. So, which one to choose? I can answer you, but again, we don’t have any indiscriminate bombs. If we kill people indiscriminately, it means we are losing the war because people will be against us; I cannot kill the Syrian people, either morally or for my interest, because in that case I’m going to push the Syrian community and society towards the terrorists, not vice versa.
Question 21: I would like to mention the subject of torture prisons, Mr. President. Amnesty speaks of seventeen thousands dead. Regarding the prison of Saidnaya, there are still horrible reports. When will you allow an independent observer into that prison?
President Assad: Independent, and Amnesty International is not independent and it is not impartial.
Journalist: ICRC?
President Assad: We didn’t discuss it with the Red Cross, we didn’t discuss it. It should be discussed in our institutions, if you want to allow… if there is allegation, it could be discussed. We don’t say yes or no, but the report you have mentioned, it was a report made by Qatar, and financed by Qatar. You don’t know the source, you don’t know the names of those victims, nothing verified about that report. It was paid by Qatar directly in order to vilify and smear the Syrian government and the Syrian Army.
Journalist: But there are a lot of eyewitnesses.
President Assad: No one knows who are they. You don’t have anything clear about that. It’s not verified. So, no.
Journalist: Then open the door for organizations like Red Cross.
President Assad: It’s not my decision to tell you yes or no. We have institutions, if we need to discuss this part, we need to go back to the institutions before saying yes or no.
Question 22: Why are you sure that you are going to win this war?
President Assad: Because you have to defend your country, and you have to believe that you can win the war to defend your country. If you don’t have that belief, you will lose. You know, part of the war is what you believe in, so, it’s self-evident and very intuitive that you have to have that belief.
Question 23: If you walk through Damascus, your picture is everywhere, in every shop, in every restaurant, in every car, a symbol for a dictator, is this your way to fix your power?
President Assad: There is a difference between dictator and dictatorship.
Dictator is about the person. I didn’t ask anyone to put my picture in Syria, I never did it. This is first. Second, to describe someone as a dictator, you should ask his people, I mean only his people can say that he is a dictator or he is a good guy.
Journalist: Thank you Mr. President for having answered our questions for Swiss Television and the Rundschau.
President Assad: Thank you for coming to Syria.

 

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Präsident Dr. Bašâr al-Assad im Interview mit Komsomolskaya Pravda
http://sana.sy/en/?p=90442 vom 14.10.2016

 

Photo: SANA

Photo: SANA

Question 1: Thank you very much, Mr. President. It’s a big happiness for me, and I’m very proud. Okay, I will start from my questions. The situation in Syria become more dangerous and more un­predictable. Why? Because this conflict draws inside more participants and more players. For exam­ple, who do we have now in Syria in the war? Iran, Lebanon – I mean Hezbollah- Russia, Turkey, USA’s huge coalition, China shows interest. I mean, do you have any concerns that this conflict re­sults in a third world war, or maybe it’s already beginning of third world war.

President Assad: If we want to talk about the problem, we have to talk about the crux of the problem, the source of the problem; it’s the terrorism. And no matter who’s interfering in Syria now, the most important thing is who is supporting the terrorists on daily basis, every hour, every day. That is the main problem. If we solve that problem, all this complicated image that you described is not a mat­ter… I mean, it’s not a big problem, we can solve the problem. So, it’s not about how many countries interfering now, it’s about how many countries supporting the terrorists, because Russians, Iran, and Hezbollah are out allies, and they came here legally. They support us against the terrorists, while the other countries that you describe who are interfering, they are supporting the terrorists. So, it’s not about the number, it’s about the main issue that is terrorism. Second, it’s about world war three. This term has been used recently a lot, especially after the recent escalation regarding the situation in Syria. I would say what we have now, what we’ve been seeing recently during the last few weeks and maybe few months is something like more than cold war, less than war, a full- blown war. I don’t know what to call it, but it’s not something that has existed recently, because I don’t think that the West and espe­cially the United States has stopped their cold war, even after the collapse of the Soviet Union.

Journalist: Yes, it’s going on.

President Assad: You have many stages in that regard, and Syria is one of these important stages. You see more escalation than before, but the whole issue is about keeping the hegemony of the Ameri­cans around the world, not allowing anyone to be partner on the political or international arena, whe­ther Russia or even their allies in the West. So, this is the essence of this war that you described as third world war that exists, it is a world war, but it’s not military war. Part of it is military, part of it is terrorism and security, and the other part is political. So, you’re correct, but in a different way, not only about Syria; Syria is part of this war.

Question 2: But you said… Syria became stage of this war. Why Syria? I mean, okay, you are big country, I mean, you have oil but not like Saudi Arabia. Why exactly Syria?

President Assad: It has many aspects. The first one, if you want to talk about the regional conflict, Syria has a good relation with Iran, and Saudi Arabia wanted to, let’s  say, destroy Iran completely, maybe in the political sense and maybe in the material sense or factual sense, for different reasons. So they wanted Syria to go against Iran, that’s why destroying Syria could affect Iran negatively. That’s how I look at it. The West, for them, Syria and Russia are allies for decades now, and again, if we undermine the position of Syria, we can influence the Russians negatively. But there’s something else; it’s about the historical role of Syria. Syria has played that role in the region for centuries, it was always the hub of the geopolitical dynamic in the Middle East. So, controlling Syria – since the Pharaohs, before the Christ, they used to fight for Syria, the Pharaohs and the Hittites, this is historical basis. So, it has a role, geopolitics, the position on the

Mediterranean, the society, because Syria is the fault line between the different cultures in this region; whatever happens in Syria will influence the region, negatively and positively, so controlling Syria is very important. Although Syria is small, it’s very important to control the rest of the region. Second, Syria is an independent country, and the West doesn’t accept any independent country, whether Syria as a small country, or Russia as a great power. What’s their problem with Russia? Because you say “yes” and “no. You have to keep saying “yes.” That’s the problem with the West. So, that’s why Syria.

Question 3: Some Western media found that the war in Syria now became a straight conflict between Russia and USA. You agree with this?

President Assad: Yes, for a simple reason: when I said at the very beginning that the issue about the terrorism; Russia wanted to fight terrorism for different reasons, not only for Syria, not only for Rus­sia, for the rest of the region, for Europe, for the rest of the world. They understand what the meaning of terrorism prevailing, in a certain way, while the United States have always, since Afghanistan in the early eighties, till this day, they think “terrorism is a card we can play. We can put on the table.”

Journalist: Yes.

President Assad: You can put in your pocket, and put it on the table anytime. So, you’re talking about two different entities, two different ideologies, two different behaviors, two different approaches. That’s natural to have this conflict; even if there is dialogue, they’re not on the same page.

Question 4: Now, we have a new player in this region. Okay, I mean, it was Turkish intervention, and nobody speaks about this now, like nothing happened. What’s your opinion about the role of Tur­key in this war, and about this intervention?

President Assad: If we start from today, it’s invasion.

Journalist: Invasion!

President Assad: This incursion is invasion, whether a small part, or large part of the Syrian territory; it’s invasion, against international law, against the morals, against the sovereignty of Syria. But what do the Turks want from this invasion regardless of the mask that they wear to cover their intention, real intentions. They wanted to whitewash their real intention that they used to support ISIS and al-Nusra.

Journalist: You think they don’t support now?

President Assad: No, they still support, but they came, they say “we are fighting ISIS, we’re going to have-“

Journalist: It’s ridiculous. What they tell, it’s ridiculous, when they tell “we are fighting with ISIS.” They made ISIS.

President Assad: Of course, exactly, they made ISIS, they supported ISIS, they give them all the logistical support and they allow them to sell our oil through their borders, through their territory, with the participation of Erdogan’s son and his coterie; they all, all of them, were involved in the relation with ISIS. All the world knows this. But with this invasion, they wanted to change the package of ISIS, to talk about new moderate forces, which have the same grassroots of ISIS. They move it from ISIS. They say ISIS were defeated in some areas because the Turkish bombardment and troops and their proxies in Syria expelled ISIS from certain areas. Just a play, it’s just a play for the rest of the world. The second one, because he wanted to support al-Nusra in Syria.

Journalist: He wanted to support al-Nusra.

President Assad: And he wanted to have – I mean, Erdogan in particular – wanted to have a role in the solution in Syria, doesn’t matter what kind of role. He felt that he’s isolated for the last year because of ISIS.

Journalist: But he still feels like Syria is Ottoman Empire. For him it’s just his territory.

President Assad: Exactly. His ideology is a mixture between the Brotherhood ideology which is violent and extremist, and the Ottoman Empire, or Sultanate.

Journalist: Ambitions, yes.

President Assad: And so he thinks with these two ideologies, he can make a mixture to control this region. That’s why he supported the Muslim Brotherhood in every country, including Syria. You are right.

Question 5: After the Russian plane was shot down by the Turks, Russia stopped relationships with Turkey. Now, after, okay, his excuses, we again… it looks like again friendship, tourism, diplomatic relations everything. Putin called this a “knife in the back” when this plane was beaten by the Turks. Do you think maybe we Russians make a mistake to trust Erdogan again after his betrayal?

President Assad: No, actually, I look positively to this relation.

Journalist: You look positively?    

President Assad: Yeah, positively. Why?

Journalist: Why?

President Assad: We are talking about two parties, we’re taking into consideration that these two parties, again, they don’t see eye-to-eye, they are in different positions; Russia bases its policy on the international law, respecting the sovereignty of other states, and understanding the repercussions of the terrorism prevailing anywhere in the world, while the other party, the Turkish party, bases his policy on the ideology of Muslim Brotherhood; they don’t respect the sovereignty of Syria, and they sup­ported the terrorists. So, you can see there’s polarization, each one is in the exactly or completely the opposite side. So, through this rapprochement, let’s say, between Russia and Turkey, the only hope that we have as Syria is that Russia can make some changes in the Turkish policy. This is our hope, and I’m sure that this is the first goal of the Russian diplomacy toward Turkey these days; in order to decrease the damage of the messing-up with the Syrian territory by the Turkish government. I hope they can convince them that they have to stop supporting terrorists, stop allowing the flow of terrorists and money for those terrorists through their borders.

Journalist: But for Erdogan, these terrorists are instrument of influence. He will never refuse from this instrument, it’s his people, and if he will try to fight with them, they will start to fight with him. I mean, he… it’s a big risk for him to refuse from sponsorship of terrorism, it’s a big risk for his power.

President Assad: Yeah, that’s why I didn’t say the Russians will change his policy; I said they will decrease the damage, because he – I mean, somebody who belongs to the Muslim Brotherhood’s violent and extremist and fanatic ideology cannot be a straight person, to be frank, and to be realistic. So, what you’re talking about is very realistic. I agree with you a hundred percent. But at the mend, you have to try, you try; if he changed one percent, that’s good, if he changed ten percent, then that’s good. You don’t have to have the full change, and we don’t have this hope, we don’t raise our expectations a lot, especially with somebody like Erdogan and his clique, but any change in this moment, that will be good, and this hope, that we have I think the same that the Russians officials have this time, through this relation. And I think this is the wisdom of the movement of the Russian government toward the Turkish government, not because they trust this government, but they need good relations with the people, and that’s completely correct.

Question 6: For me, it’s a very strange thing. Daesh, ISIS, with their ideology, never threaten Israel, and Israel never threaten Daesh, ISIS. It’s like some kind of agreement about – maybe not on friend­ship –  but neutrality. Why, you think, it’s like this? And what’s the role of Israel in this war?

President Assad: Not only ISIS, of course, or Daesh, not only al-Nusra; anyone, any terrorist who holds a machinegun and started killing and destroying in Syria was supported by Israel, either indi­rectly through the logistical support on the frontier, or sometimes by direct intervention by Israel against Syria in different areas in Syria. Why? Because Israel is our enemy, because they occupy our lands, and they look at Syria as enemy of course, and for them they think if they undermine the posi­tion of Syria and make it weaker as a whole, as society, as army, as state, that will prevent Israel from moving toward the peace, and the price of the peace is to give back the Golan Heights to Syria. So, for them, Syria will be busy with another issue now, it would be busy to talk about the Golan or the peace process, or even to do anything to get back its land. That’s why Israel is supporting every terrorist, and there’s no contradiction between Israel and any organization like al-Nusra or ISIS or any Al Qaeda-linked organization.

Question 7: Your army lost a lot of blood, it’s obviously, but on the other side, when I sit in Damascus and see in cafes a lot of young people who drink coffee from morning, and ask “who are these young men, why are they not on the front?” It’s students, it’s students. After this I see fitness centers full of young people, is very good muscles. What are they doing here? Send them all on the front! I mean, I don’t understand why didn’t you make this general mobilization of army? Like, we made this in Patriotic War, in general, when we had big war, we sent all men to front!

President Assad: What we have now is partial, let’s say, mobilization. Why partial? What is the meaning of partial? It’s not the highest level. The highest level of mobilization means for everyone to go to fight, to different, let’s say, military fronts. It means you won’t have anyone at the universities, you won’t have teachers at schools, you won’t have employees to do anything, even the trucks, the cars, will be managed by the government, and anything else that would be part of this war. That would be okay if this war will last for a few weeks, or a few months maybe, but for a war that’s been there for now nearly six years, it means the paralysis of the society, and the paralysis of the state, and you won’t win the war if you have a paralyzed society. So, you need to have balance between the war and between the basic needs of the society, the university, and the services that you should offer to the people. That’s why it’s crucial to make that balance. So, that’s our point of view.

Question 8: But, even your TV programs, I don’t understand Arabic, but when I watch this, it’s like it’s peace in country, little bit from being in about war, and after this about sport, about children, about schools. I watch this and think “oh my God!” In country I hear how mines explosions in city, like nothing happened. Maybe it’s too much, maybe people… if you want to push patriotism in people, you must explain to them every day, “guys, we’re in big war!” And that’s exactly what every country is doing, but I don’t like this picture of peaceful life. It don’t exist here!

President Assad: Our, let’s say, media are not disconnected from what’s going on, but you need again to have the balance between how much you need to have close-to-natural life, not completely normal life…So you need this balance. Of course you have many different points of view regarding the media, because media is about the perception, and what you are saying, what you are talking about now, we hear it in Syria; how they do this? and if they go too much towards the war, they say Okay, not everything is war, we need to live a normal life or we have to keep life going on, let’s say, not normal life; but to keep the life going on. So, this balance is not easy, you have different points of view, but at the end, the main challenge is not only the war; the main challenge is how can you live on daily bases..If you don’t try to live this life, the terrorists will defeat you, because that’s their aim.

Journalist: We was living like this, when it was Great Patriotic War, all cities was empty, it was just women. Okay, doctors of course, some kind of teachers, but everybody was in the front. I will give you example from my family: four brothers was going to front with my father, and my father left school, in thirteen years, he was going to factory to make bombs. And, it was not normal. We would never win this war if we will not put all our men on front.

President Assad: Yeah, but when you talk about war, war is not only military; war is everything. The most important part of our war, not only terrorists, which is in parallel, or as important as the terrorist issue, is the economy. We are under embargo, so we have to do our best to keep this wheel moving forward.

Journalist: I understood.

President Assad: That’s why you need to put all your effort on this life, because without this natural life, you cannot have economy, if everyone wants to stay at home and just to live the life of the war, you don’t produce.

Question 9: Why you ask help of Russia almost in the most critical moment? Almost when everything was crashed, and even your life was in danger?

President Assad: First of all, there’s a traditional relation between Syria and Russia, and during the worst times of this relation, after the collapse of the Soviet Union, the relation was good, it wasn’t bad. It wasn’t warm-

Journalist: That’s why you could ask help much more earlier.

President Assad: No, we asked for the help from the very beginning, but the escalation wasn’t as last year, because before that, the Syrian Army was moving forward, and our enemies – let’s put it in that term – our enemies, when they saw that we are moving forward on the ground, they started escalating by bringing more terrorists coming from abroad, more foreigners coming from more than one hundred countries. At the end, Syria is a small country, and even the population is not very big. So, we needed the help of our friends. Iran intervened, and Hezbollah, and Russia as a great power was very crucial in changing the balance of power on the ground. That’s why it was natural to ask for the Russian help. They helped us before; maybe not directly through the air forces, they used to send us everything, every logistical support we wanted for that war. But they live with us, we have the military experts living in Syria for four decades. They saw on the ground that during that time in 2014, the balance started changing in favor of the terrorists, with the support of the West and other countries like Saudi Arabia and Turkey and Qatar, and the Russians were ready to intervene directly. That’s why we invited them, and because we trust them, of course. We trust their politics, politics based on morals before interests. We trust them because we know that they wanted to support us because they wanted to get rid of the terrorists, not because they want to ask us anything in return, and they never did. Till this moment, they never asked us for anything in return. All these factors encouraged me and the Syrian government and the institutions to ask for the Russian help.

Question 10: Before this so-called revolution, I’m sure you got offers from your present enemies; some kind of offers, some kind of deals. What they wanted from you? I heard, for example, Qatar wanted to make tube through Syria. Is it true or not? You got some kind of offer before?

President Assad: The offers started after the crisis. Journalist: Ah-ha, okay. President Assad: Because they wanted to use the crisis; “if you do this, we’re going to help you.”

Journalist: But what they wanted from you?

President Assad: But before the crisis, it wasn’t an offer; they wanted to use Syria indirectly. Not offer, they wanted to convince us to do something. The main issue was, at that time around the world, was the nuclear file of Iran. It was the main issue around the world, and Syria has to convince Iran to go against its interests, that time. France tried, Saudi Arabia wanted us at that time to be away from Iran with no reason, just because they hate Iran.

Journalist: But what about this tube? It’s real that they wanted to make gas tube through Syria?

President Assad: No, they didn’t talk about it, but because Syria was supposed to be a hub in that regard, of power in general, a tube coming from the east; Iran, Iraq, Syria, Mediterranean, and another one from the Gulf toward Europe. I don’t think the West will accept Syria – this Syria, Syria’s that’s not puppet to the West – it’s not allowed to have this privilege or leverage, it’s not allowed. So, we think this is one of the factors that they didn’t talk about it directly. After the war, the offer was directly from the Saudis; that if you-

Journalist: Directly from who?

President Assad: From the Saudis.

Journalist: From Saudis.

President Assad: If you move away from Iran and you announce that you disconnect all kinds of relations with Iran, we’re going to help you. Very simple and very straight to the point.

Question 11: You said in one of your interviews that this war is difficult

because it’s simple to kill terrorists, but to kill ideology, much more difficult. And when I was speaking on the front with your officers, they told “look, how to fight with man who is not afraid to die?” For him it’s just pleasure to die because 72 virgins wait for him in Paradise, yes. And our people, of course, normal people, they are afraid to die. And already it’s morale spirit not the same, much more higher… terrorists have much more higher morale spirit. How to kill this ideology?

President Assad: You’re correct. If you talk about those fighters, ideological fighters, or terrorists, let’s say, who are fighting our army, the only way is to fight them and kill them. You don’t have any other way. They are not ready for any dialogue, and you don’t have time to make dialogue, you want to protect your citizens, so you have to kill them. But that’s not enough; it’s like regenerating… like video games; you keep regenerating anything you want. You kill one, you’re going to have another ten, so there’s no end to that issue. The most important thing is in the mid-term and in the long-term is to fight this ideology through similar but moderate ideology. I mean you cannot fight extremism in Islam with any other ideology but the moderate Islam. So, this is the only way, but it takes time, it takes young generations, to work on these young generations, to work on the means and to suffocate the money that’s being paid by the Saudi government and Saudi NGOs and Saudi institutions to promote the Wahabi ideology around the world. You cannot say “I’m going to fight this ideology” and at the same time allowing their sheikhs or imams promoting, at their madrasa, promoting this dark ideology. It’s impossible. And that’s what’s happening in Europe. You’re talking about generations that lived there for generations now, the third or fourth generation living in Europe, but they send us terrorists from Europe now. They never lived in mour region, they don’t speak Arabic, maybe they don’t read Quran, but they are extremists, because they allowed the Wahabi ideology to infiltrate Europe. So, we need to deal with many things; you have to deal with the media, how to deal with their strong media that’s being financed by the petrodollar in Saudi Arabia and other Gulf states to promote this extremism. How to deal with it? You need many aspects and many parallel paths at the same time. This is the only way you can defeat it. But dealing with the terrorists, this is the last part, and this is the compulsory part. You cannot avoid it, but it’s not the solution.

Question 12: Yes, but I always felt something mystic in this fighting for Damascus, and I understood after why there’s so many mercenaries come here. One professor of theology, Islamic theologist, explained to me that they really believe in the city “Dabiq,” it will be Apocalypse, and main battle between evil and good, and that’s why they’re now ready… because I was in Bosnia, for example; many mercenaries going through Bosnia, and they all tell “we are going to Dabiq.” For them it’s mystic meaning. How to kill this, I can’t imagine.

President Assad: Exactly, exactly.

Journalist: Because it’s big propaganda of this “go to Dabiq, go to Syria, because here it’s main place for Apocalypse!”

President Assad: A holy place now, for the fighting.

Journalist: Yes, it’s like a holy place.

President Assad: I mean, if you want to go to Paradise, you have to go through Syria. Maybe if you die somewhere else, you won’t go to paradise. This is part of the ideology. That’s why they-

Journalist: They are sure if they will die in Syria, they will go straight to Paradise?

President Assad: That’s how they think. Some of them, they think if they kill more innocents, they may have Iftar in Ramadan with the Prophet, for example. That’s how they believe. They wash their brains completely, so you cannot blame them, they are ignorant, most of them are teenagers, they’re being used.

Journalist: Yes, yes, sometimes children.

President Assad: Exactly. But it’s about the machine that’s been working for decades now to whitewash these brains and to spread this extremism around the Muslim world and the Muslim communities outside this Muslim world.

Question 13: Do you satisfy with results of Russian intervention for this last year? They really made something serious here?

President Assad: In brief, before that intervention, although there was this American alliance, so called “alliance” which is for me an elusive alliance, they did nothing, ISIS was expanding, ISIS and al-Nusra were expanding, they used to have more recruits, more recruitments. They used to have more oil to export through Turkey, and so on. After the Russian intervention, the same land under the control of the terrorists was shrinking.

This is in brief. So, the reality is telling. Any other effect, I mean, is trivial. This is the main effect; they changed the balance on the ground not in favor of the terrorists.

Question 14: About Kurdish question, I was in Qamishli, and they want federation, they want to make federation. They said “our ideal model of state, it’s like Russia. Russia has many nationalities and they make Russian Federation. Why Syria cannot be a federation?” And honestly, nobody from Syrian Kurdish was speaking with me about separation or to make independent state. No, they told “we want to be in Syria, but we want autonomy.” You agree with this or not? Because they are really good fighters against ISIS.

President Assad: Let me clarify the different aspects of this issue. First of all, we cannot talk about a community, a full community in Syria, that it wants something, like talking about the Kurds or the Turks or the Arabs or the Chechens or the Armenians or any other community we have. So, we can talk about part of the Kurds that they need this, part, only part of them. The majority of them, no, they don’t ask for it. They never-

Journalist: I don’t speak about the Kurds in Damascus, of course they live here.

President Assad: Yeah, I mean even in the north, part of them talk about this. This is first. Second, when you talk about federalism or any other similar system, it should be part of the constitution, and the constitution is not owned by the government – the constitution reflects the will of the Syrian people. So, if they need to have a certain political system in Syria, they need to promote it among the Syrians. They cannot discuss it with me, even if I say “yes, that’s a good idea, I don’t mind” as President or as an

official or as a government. I cannot give it to them, I don’t own it, I don’t own the political system in Syria. Everything should be-

Journalist: Like a referendum!       

President Assad: Exactly, to have referendum by the Syrian people to say yes or no. Second, some people, they talk about Kurdish federalism in the north, regardless of what I talked about, about most of the Kurds that they don’t ask for this. Even if you want it, the majority in that area are Arabs. So how can you have Kurdish federalism while you have majority of Arabs?

Journalist: But you have contacts with them?

President Assad: Yeah, of course. We have dealing, we have negotiation, we always-

Journalist: You have negotiations with them?

President Assad: Of course, always, and we supported them during the war against ISIS. We sent them armaments, and your army knows all these details.

Question 15: But honestly, when I was traveling by your country, I don’t see any kind of opposition without guns, I mean, with whom you can speak? You have real partners for negotiations, or it is mission impossible?

President Assad: This is a very important question, but you have to define the word “opposition.” Now, most of the world used the word “opposition” about people who carry guns and kill people. You don’t call them opposition; “opposition” is a political term; it cannot be a military term.

Journalist: Yes, this is the problem, but everybody has guns. With who to speak?

President Assad: Exactly. Now, if you want to talk about political opposition,You can search for names. You have political currents or political movements-

Journalist: Which one? What are the names of this…?

President Assad: You have new parties, we can get you names, we have so many, I mean, not all of them have seats in the Parliament, for example, but during the crisis and even before the crisis, you have so many. We can bring you a list for all these, we have them. You have new parties who announce themselves as oppositions recently. Again, we can give you a list of all these, if I don’t want to mention which name, I can give you the list. But we have them now, but the question here if you want to make negotiation, that’s the crucial point of your question, it’s not about who I am going to make negotiations with; the question is about who is influential on the situation, who can change the situation? Now, If I am going to sit with all these oppositions, whether inside Syria or outside Syria, whether they are real patriotic oppositions or opposition related to other countries, not to the Syrian people, let’s presume that we are sitting with them, and we agreed upon anything, we said “this is good for the future of Syria.” The question is: who is going to influence the terrorists on the ground? We all know that the majority of those terrorists belonging to Al Qaeda-affiliated groups, ISIS, al- Nusra, Ahrar al-Cham, and other organizations. They don’t belong to any political movement, they don’t care about any ideology but their own ideology, the Wahhabi Ideology. So, even if we negotiate with the political opposition, we cannot change the situation. So that’s the most important part of the problem. So, you are correct; who I’m going to deal with?

Journalist: Yes, with whom?

President Assad: The most important is who’s going to change the situation with me? As a government, I have my means. We can change. We are fighting terrorists. What those oppositions can do? That’s the question. I cannot answer it. They have to answer it. They have to say “we can do this and we can do that.”

Question 16: All Western media take information about the situation in Syria from this strange organization “Syrian Observatory of Human Rights,” but I understood that it’s just a one-man band?

President Assad: One man living in London.

Journalist: I don’t understand this. I was shocked when I knew, I mean how they can use this like a source of information? President Assad: Yes, because that’s what the West wants; they don’t need anything real. They need somebody to promote any information that suit their agenda, and they promote it as a real one, as a fact, and as you know now, most of the people in the West are brainwashed regarding what’s going on in Syria, and may be in Ukraine, I mean, the same in Russia; they tried to – and they succeeded – and brainwashed their public opinion, and this is one of the tools. So, it’s not the only one, they have many tools, similar tools like the White Helmets recently.

Journalist: What is… Who are they?

President Assad: Actually, they work with al-Nusra in the area that’s controlled by al-Nusra. How can you work in the same area if you are not under the control of al-Nusra? More importantly, many of their members – there are videos and pictures of them celebrating the death of Syrian Army soldiers, they were celebrating on their bodies-

Journalist: What was… not long time ago, you mean when America was bombing Syrian Army, you mean this case?

President Assad: No, no, in different areas, in Aleppo.

Journalist: In different areas.

President Assad: In Aleppo, you had fights, and they pictured themselves over the bodies of Syrian soldiers, the White Helmets with al-Nusra. So, this is changing of the package of al-Nusra under the word or under the title of White Helmet, that they are the good people who are sacrificing their life to help the others and children, and this emotional picture that would affect the public opinion in the West.

Journalist: And you even don’t know from where these pictures are?

President Assad: Sorry?

Journalist: Nobody knows from where these pictures? 

President Assad: No, no, they don’t verify anything, it’s not important. Now, in the internet, you can find anything, you cannot verify anything on the internet. You just watch, you feel emotional because the picture in Syria it should be in black and white; the good people versus the bad army or the bad President or bad government or the bad officials, let’s say. This is the only picture they wanted to have in order to convince their public opinion that we should continue pressuring, that they are supporting the good Syrian people against their bad government, and so on. You know this propaganda.

Question 17: But what will give you liberation of Aleppo, in strategic point?

President Assad: Aleppo, we call it the “twin of Damascus” for many reasons. It is the second big city in Syria, Damascus is the political capital, while actually Aleppo is the industrial capital in Syria.

Journalist: But no industry now, and I was there, everything is crashed.

President Assad: Exactly. Most of the factories in Aleppo, they don’t work; they were stolen, they were taken to Turkey.

Journalist: But if you will take Aleppo, what will it change in the war?

President Assad: Because it is the second-

Journalist: Second city, but you can cut al-Nusra from-

President Assad: First of all, it has political gain, on the strategic level, political gain and national gain. Then, from the strategic point of view, military point of view, no, you don’t cut; it’s going to be the springboard, as a big city, to move to another areas, to liberate another areas from the terrorists. This is the importance of Aleppo now.

Journalist: Okay, it’s liberation, but what’s your next step? How to cut this connection between Turkey and Idlib? Because this is the main source, main stream of money, soldiers, everything.

President Assad: You cannot cut, because Idlib is adjacent to Turkey, it’s right on the Syrian-Turkish borders. So you cannot cut; you have to clean. You have to keep cleaning this area and to push the terrorists to Turkey to go back to where they come from, or to kill them. There’s no other option. But Aleppo is going to be a very important springboard to do this move.

Question 18: How many foreign mercenaries passed through your country for the last five years, approximately?

President Assad: No one can count, because we don’t have regular borders now; they don’t cross the borders regularly, of course, but the estimation through one of the German research centers that was published a few weeks ago, they talk about hundreds of thousands of terrorists.

Journalist: Hundreds of thousands?

President Assad: Hundreds of thousands. They talk about more than 300 thousand, which is, I don’t know if-

Journalist: More than 300 thousands?

President Assad: Yeah. I don’t know if it’s correct or not, or precise or wrong, but if you talk about hundreds of thousands, even if you talk about one hundred, it’s a full army. It’s a full army.

Journalist: It’s an army. It’s a full army.

President Assad: Exactly. That’s why you keep killing, but you still have recruitment coming from abroad. So, you’re talking about hundreds of thousands coming from different areas in the world, and this is very realistic; you have hundreds of thousands of terrorists around the world having the same ideology, the Wahhabi Ideology. That’s very realistic. This is not an exaggeration.

Question 19: I was speaking with your opposition in 2012 in Istanbul, with young people who told me “we want human rights, we want human rights.” It was secular normal people without beard who were, by the way, drinking beer in Ramadan. But just for few years, they became fanatics. This is strange for me, and there was completely secular. And, who is commanders in Daesh, in ISIS? It’s ex… ex- colonels, ex-majors from army of Saddam Hussein. They’re secular people, too. How this become army of fanatics? I don’t understand.

President Assad: Part of it is related to what happened in Iraq after the invasion in 2003, where the American army or the Americans in general control everything in Iraq, including the prisons, and the leader of ISIS and most of his entourage were in the same prison. So, ISIS was created in Iraq under the American supervision.

Journalist: It was maybe not ISIS, this period, but Al Qaeda?

President Assad: No, it was called IS, it wasn’t ISIS. It was “Islamic State of Iraq.”

Journalist: Islamic State?

President Assad: Because it wasn’t in Syria at that time. That’s why it was called IS. That was in 2006.

Journalist: 2006?

President Assad: 2006, of course.

Journalist: Already, it was Islamic State in 2006?

President Assad: Of course. In 2006, of course, before the withdrawal of the Americans. That’s why they played either direct role or indirect role in creating ISIS. Now, when it comes to Syria, when you talk about the very beginning of the problem before anybody was talking about al-Nusra or ISIS, they called it “Free Army” as a secular power fighting the government and the army. Actually, from the very beginning, if you go back to the internet and you have videos, you have pictures, you have everything, the beheading started from the very first few weeks. So, from the very, very beginning, it was an extremist movement, but they called it “Free Army.” But when it becomes bigger and bigger, and the beheading couldn’t be hidden anymore, they had to confess that there is al-Nusra, but actually it’s the same one; al-Nusra is the same one as the “Free Syrian Army,” the same as the ISIS. You have the same grassroots moving from area to area for different reasons. One of them is the ideology, the other one is out of fear, because if they don’t move from place to place, they may kill you. Third one, for the money. ISIS used to give highest salaries for a certain time, one year ago, two years ago, and before, so many of the al-Nusra and “Free Syrian Army” joined ISIS for the money. So, you have many different factors, but the basic-

Journalist: But, fanaticism?

President Assad: But the same basic, the same foundation of extremism, is the common thing between all these different names and organizations.

Question 20: Can I ask you a personal question?

President Assad: Yeah, of course.

Journalist:  In ,3102 when your life was in so big danger, when America already… almost started to bomb Syria, why you didn’t send your family to a safe place?

President Assad: How can you convince the Syrians to stay in their country while you ask your family to leave your country? You cannot. You have to be the first, in any term used regarding the patriotic, let’s say, headline. You have to be the first as a President; you, your family, anyone around you in the government, your staff. You cannot convince the people in your country that you can defend your country while you don’t trust your army to defend your family. So, that’s-

Journalist: I understood, I understood.  

President Assad: That’s why it was natural. We never thought… I never thought about this, actually.

Journalist: Thank you very much for the interview.

President Assad: Thank you for coming to Syria.

 

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Interview von Präsident Dr. al-Assad für den dänischen Sender TV 2:
http://sana.sy/en/?p=89763 vom 6.10.2016

Eine Ausgabe davon mit deutschen gesprochenen Untertiteln ist zu sehen bei: http://www.kla.tv/9106&from=04.08.2016&to=04.10.2016

Photo: SANA

Photo: SANA

Thematisiert wird u.a. die Rolle der sog. „bewaffneten moderaten Opposition

 

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President al-Assad’s interview given to Associated Press_ Video
http://sana.sy/en/?p=88686 vom 22.9.2016

Übersetzung folgt sobald als möglich!

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Interview von Präsident Dr. al-Assad gegenüber der staatlichen kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina vom 21.7.2016
(http://sana.sy/en/?p=83170, http://www.sana.sy/?p=407522)

Interview mit Prensa Latina

Interview mit Prensa Latina

(Übersetzung paraphrasierend statt Wort für Wort, aber im Bestreben, den Inhalt möglichst genau wiederzugeben.)

Frage 1: Der Interviewer bedankt sich vielmals beim Präsidenten für die gewährte historische Chance, die Sichtweise von Dr. al-Assad über die Realität in Syrien dem Rest der Welt kundgeben zu wollen. Schließlich gebe es ja ein großes Maß an Desinformation über Syrien und die ausländische Aggression, welche gegen das schöne Land ausgeübt werde.
Wie beurteile der Präsident die derzeitige militärische Situation infolge der auswärtigen Aggression gegen Syrien und was sei die größte Herausforderung an die syrischen Streitkräfte am Boden im Kampf gegen die Anti-Regierungstruppen? Wenn es möglich sei, würde man gerne etwas über seine Einschätzung der Gefechte im Raum Aleppo und Ḥomṣ erfahren.
Präsident Dr. al-Assad: In der Tat hätten die Terroristen viel Unterstützung aus dem Ausland rund um die Welt erhalten. Aus mehr als 100 Nationen nähmen Kämpfer an der Aggression gegen Syrien teil. Dazu komme die Unterstützung durch gewisse Staaten wie Saudi-Arabien und Qaṭar  durch deren Finanzmittel und die Türkei in logistischer Hinsicht mit Billigung und  unter Aufsicht durch westliche Länder, vor allem der USA, Frankreichs und Großbritanniens wie einiger anderer Alliierter. Doch seit die Russen entschieden hätten, zu intervenieren und auf legale Weise die syrische Armee [SAA] im Counterterrorismus in Syrien zu unterstützten, besonders gegen Ğabhatu_n-Nuṣra, den IS und einige andere affiliierte Gruppen hätten sich die Waagschalen zuungunsten jener Terroristen bewegt. Die syrische Armee sei mannigfach in vielen verschiedenen Arealen im Land vorgerückt und tue dies weiterhin. Die SAA sei dazu bestimmt, jene Terroristen zu besiegen und zu zerstören.
Zu Aleppo und Ḥomṣ: seit die Terroristen Ḥomṣ seit mehr als einem Jahr verließen, habe sich die Situation sehr verbessert, sei stabiler geworden. Einige Vorstädte seien noch von den Terroristen infiltriert. Der Rekonziliationsprozeß sei in jenen Gegenden im Gang, so daß es den Terroristen frei stehe, dank der Regierungsamnestie die Waffen niederzulegen und zu ihrem normalen Leben zurückzukehren, oder Ḥomṣ zu verlassen und sich irgendwo anders in Syrien niederzulassen. Selbiges habe sich vor mehr als einem Jahr in der [Provinzhaupt-]Stadt selbst abgespielt.
In Aleppo sei die Situation anders, da die Türkei und deren Alliierte wie etwa die Saudi und Qaṭari viel auf den Schlachtfeldern Syriens verloren hätten. Ihr letzte Hoffnung, insbesondere von Erdogan, sei nun Aleppo. Daher hätten sie mit den Saudis solche Mühen unternommen, so viel an Terroristen wie möglich – die Schätzung liegt bei mehr als 5.000 Mann – nach Aleppo zu schicken.
Frage 2:  Über die türkische Grenze?
Präsident Dr. al-Assad: Ja, aus der Türkei nach Aleppo während der letzten zwei Monate, um Aleppo zu (zurückzu)erobern, was nicht geklappt habe. Tatsächlich sei die Armee in Aleppo und dessen Vororten vorgerückt, um die Terroristen einzukreisen und dann , entweder mit ihnen zu verhandeln, damit sie in ihr normales Leben zurückkehren als Teil der Rekonziliierung, oder Aleppo zu verlassen oder [andernfalls] besiegt zu werden. Eine andere Lösung gebe es nicht.
Frage 3:  Nachdem sich der Journalist vielmals bedankt hat frägt er, was die Prioritäten der SAA im Kampf mit den Terrorgruppen seien? Kuba sei besonders an der Role der Volksverteidigungsgruppen interessiert, da es in der Vergangenheit Ähnliches erlebt habe. Welche Rolle spielten die Volksvertei-digungsgruppen innerhalb der [militärischen] Operationen?
Präsident Dr. al-Assad: Priorität für die SAA habe vor allem, den IS, Ğabhatu_n-Nuṣra, Ḥarakat Aḥrâr aš-Šâm al-Islāmiyya und Ǧaiš ul-Islâm zu bekämpfen. Diese vier Organisationen seien durch die Ideologie direkt mit al-Qâʽida verbunden, sie alle teilten dieselbe; sie seien islamische extremistische Gruppen, die jeden zu töten beabsichtigten, der  nicht wie sie aussehe, fühle oder sich verhalte.
Hinsichtlich der Volksmilizgruppen sei zusagen: zu Beginn des Krieges seien die Terroristen auf unkonventionelle Vorgehensweise gegen die Landesarmee vorgegangen, im Gegensatz zum traditionellen Vorgehen der SAA wie jeder anderen Armee der Welt. Daher sei die Hilfe jener Volksverteidigungsgruppen sehr wichtig gewesen, um die Terroristen auf unkonventionelle Weise zu schlagen. Dies sei für die SAA sehr nützlich gewesen. Jene Leute, nationale Kämpfer hätten je  in ihrem eigenen Landstrich gefochten, ihren Städten, ihren Dörfern, ihrer Region, die sie sehr gut kannten. Ihnen sei dort sozusagen das Wegenetz, das Terrain sehr gut bekannt gewesen. Dies sei von gewaltigem Vorteil für die Armee gewesen. Darin bestehe die Rolle der Volksverteidigungsgruppen.
Frage 4:  Wie zeige sich der Widerstand der syrischen Bevölkerung gegen die ausländische Aggression auf dem ökonomischen Sektor? Welcher Wirtschafts-sektor habe – des Präsidenten Ansicht nach bitteschön – trotz des Kriegs, der Wirtschaftsblockade, der Plünderung etc. weiterfunktioniert.
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich habe sich der Krieg in Syrien voll entfaltet und nicht nur wegen der Terroristenunterstützung. Die Terroristenunterstützer gingen auch politisch auf internationalem Niveau gegen Syrien vor. Als dritte Front  hätten sie die ökonomische eröffnet, in dem sie die terroristischen Aktionen und ihre Proxy-Söldner dahin dirigierten, die Infrastruktur Syriens zu zerstören, welche für die Wirtschaft und das tägliche [Über-]leben der Bürger im Land notwendig sei.
Zeitgleich starteten sie direkt an den Grenzen Syriens ein Embargo durch die Terroristen und im Ausland durch die Bankensysteme rund um den Erdball. Trotz all dem hätten die Syrer ein möglichst normales Leben weiterleben müssen. Dies habe viele syrische Geschäftsmänner und Industrielle im kleinen und mittleren Sektor angeregt, aus den Konfliktgegenden und unstabilen Regionen in stabilere in kleinerem Maßstab umzuziehen, um zu überleben, die Wirtschaft am Laufenden zu halten und den Syrern den Lebensbedarf zu sichern. In dieser Hinsicht überdauerten die meisten Geschäftszweige. Vor allem sei der pharmazeutische Sektor zu mehr als 60% aktiv, was sehr bedeutend, hilfreich und eine gute Unterstützung für die Landesökonomie unter solchen Umständen sei. Tatsächlich denke er, die Syrer täten ihr Bestes, die Basis der Wirtschaft trotz der gegenwärtigen Situation auszubauen, besonders nachdem die SAA in verschiedenen Gebieten weit vorgerückt sei.
Frage 5: Der Interviewer würde gerne ein wenig über das internationale Umfeld sprechen. Was denke der Präsident über die Rolle der USA im Syrienkonflikt, die Versuche der US-Administration und ihrer Alliierten, dem UN-Sicherheitsrat ihren Willen aufzuzwingen und die Genfer Friedensgespräche?
Präsident Dr. al-Assad: Über die Rolle der UN und des Sicherheitsrats wäre eine Illusion, da die UN nun tatsächlich ein Arm der USA seien, den sie benutzen könnten, wie sie wollten, und ihm ihre Doppelstandards [Doppelmoral] statt der UN-Charter  aufzudrücken in der Lage seien. sie könnte ihn (be)nutzen wie jegliche andere Institution innerhalb der US-Administration. Mit Ausnahme einiger russischer und chinesischer Standpunkte in bestimmten Fragen wäre es eine reine US-Einrichtung. Der russische und chinesische Part hätten demnach zu einer gewissen Balance innerhalb dieser Institution geführt, hauptsächlich bzgl. der  syrischen Frage während der letzten fünf Jahre. Doch wenn es um die Rolle der UN hinsichtlich ihrer Mediatoren und Gesandten, wie kürzlich de Mistura, gehe und davor Kofi Annan bzw. dazwischen al-Ibrāhīmī (Brahimi) u.s.w. sei festzustellen, daß sie nicht unabhängig seien. sie reflektierten einerseits den Druck seitens der westlichen Länder oder manchmal den [Stand des] Dialog[s] zwischen den Hauptmächten Rußland und USA. Sie seien also nicht unabhängig, weshalb man nicht von der Rolle der UN sprechen könne. Es sei nur eine Reflektion jener Balance. Daher gebe es keine [eigentliche] Rolle der UN im Syrienkonflikt. Es gebe nur den russisch-US-amerikanischen Dialog. Die Syrer wüßten, wie ernsthaft, aufrichtig und hart die russische Seite daran arbeite, die Terroristen zu besiegen, während die US-Amerikaner immer nur Spiele spielten, bei denen sie die Terroristen benutzten statt sie zu vernichten.
Präsident Dr. al-Assad: Der Hauptpunkt hinsichtlich der Harmonie zwischen den verschiedenen Spektren der syrischen Gesellschaft sei, daß sie genuin sei, da durch die Jahrhunderte der Geschichte hindurch gewachsen. Daher könne solche ein Konflikt sie nicht zerstören. Überall wohin man gehe, könne man daher –  sofern unter Regierungskontrolle – alle Farben der syrischen Gesellschaft im Zusammen- leben miteinander beobachten können.
Zwischenbemerkung (des Interviewers): das habe er in Damaskus erlebt.
Präsident Dr. al-Assad: Genau! Was er habe ausdrücken bzw. hinzufügen wollen angesichts des gegenwärtigen Konflikts, sei gewesen, daß diese Harmonie wachse und stärker werde – und zwar tatsächlich in der Realität, nicht nur so dahergesagt. Dies geschehe aus verschiedenen Gründen, da der Konflikt als Lehrstunde tauge. Solch eine gegebene Vielfalt könne auf der einen Seite den Reichtum, auf der anderen Seite ein Problem des Landes darstellen, dazwischen gebe es nichts. Die Menschen lernten also, daß diese Harmonie der besonderen Pflege bedürfe. – denn die erste geäußerte Phrase bezüglich des syrischen Konflikts seitens der Terroristen und ihrer Alliierten in der Region wie im Westen von Beginn an sei die der konfessionellen Separation gewesen. Sie hätten das Volk spalten wollen, um es in einen Konflikt gegeneinander zu führen und einen Brand innerhalb der syrischen Gesellschaft zu entfachen. Das habe nicht funktioniert.  Die Syrer hätten jene Lektion gelernt: Harmonie [Zusammenhalt] habe in den normalen Zeiten vor dem Konflikt geherrscht und es bedürfe besonderer Anstrengung, diese zu stärken.
So könne er ohne Übertreibung sagen, die Situation sei diesbezüglich gut. Dennoch müsse er im Blick auf die – Regionen unter Terroristenkontrolle bemerken –  von denen der Journalist wisse, daß es sich dabei hauptsächlich um mit al-Qâʽida affiliierte extremistische Gruppen handle –  daß jene vehement darauf hinwirkten, die junge Generation mittels ihrer düsteren Ideologie zu indoktrinieren, womit sie in einigen Regionen Erfolg gehabt hätten, einer Ideologie des Tötens, Enthauptens und all diesen Horrorpraktiken. Mit der Zeit werde es immer schwieriger, mit dieser Generation junger Leute umzugehen, denen die wahhâbitische bzw. al-Qâʽida-Doktrin und Ideologie aufoktroyiert worden sei. Das sei die einzige Gefahr, die der zuvor erwähnten syrischen Gesellschaft des Zusammenhalts und der  harmonischen Koexistenz drohe.
Frage 7: Zurückkommend auf die internationale Arena:  was sei des Präsidenten Ansicht nach die Rolle der US-geführten internationalen Koalition in Bezug auf die Gruppen, welche in Nord-Syrien operierten, insbesondere bzgl. der kurdischen Gruppen? Damit meine er die Bombardierungen der US-Kampfjets und der Koalition im Nordteil des Landes. Was denke er darüber?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn die US-Administration Beziehungen zu irgendwelchen Gruppen oder  einer Gemeinschaft in irgendeinem Land knüpft, dann bekanntlich und traditionell nicht zum Vorteil dieses Landes, nicht im Interesse jenes Volkes, sondern um der US-Agenda willen. Demnach müsse man sich nun fragen: warum sollten die US-Amerikaner eine Gruppe in Syrien unterstützen? Nicht im Interesse Syriens. Entsprechend ihrer Agenda wirkten die US-Amerikaner immer spaltens in einem Land. Sie arbeiteten nicht auf eine Einheit hin sondern auf die Spaltung zwischen verschiedenen Arten von Leuten. Bisweilen wählten sie konfessionelle Gruppen, bisweilen ethnische, um sie gegen andere Ethnien zu unterstützen, oder um sie in eine Richtung zu drängen, die sie vom Rest der Gesellschaft trennt. Darin bestehe ihre Agenda [divide et impera!]. Daher sei klar, daß jene Unterstützung nichts mit dem IS,  Ğabhatu_n-Nuṣra oder der Bekämpfung von Terroristen zu tun habe, denn seit Beginn der US-Intervention habe sich der IS ausgebreitet statt zu schrupfen. Der habe erst zu Schurmpfen begonnen, als die SAA im September letzten Jahres russische Hilfe erhielt.
Frage 8:  Wie sehe der Präsident den jüngsten coup d’état in der Türkei und seinen Einfluß auf die gegenwärtige Situation in jenem Land, auf internationaler Ebene  und auf den syrischen Konflikt?
Präsident Dr. al-Assad: Solch ein coup d’état sei zu sehen als Reflektion der Instabilität und der Tumulte innerhalb der Türkei, hauptsächlich auf sozialem Gebiet.  Sei es in politischer oder irgendeiner anderen Hinsicht, am Ende liege doch auf der Gesellschaft das Hauptaugenmerk, wenn Instabilität herrscht. Wer auch immer die Türkei regieren, wer auch immer Präsident  oder Führer der Türkei werde, dies sei eine interne Angelegenheit und die Syrer mischten sich nicht ein, machten nicht den Fehler wie Erdogan, der solle gehen oder jener solle bleiben. Das sei eine türkische Angelegenheit, die das türkische Volk zu entscheiden habe.
Was aber wichtiger sei als der coup d’état an sich, sei, das Vorgehen und die Schritte Erdogans  und seiner Clique während der letzten paar Tage zu beobachten, als sie damit begannen, Richter zu attackieren; mehr als 2.700 Richter wurden aus ihren Positionen entfernt, mehr als 1.500 Universitätsprofessoren, mehr als 15.000 Angestellte im Bildungssektor! Was hätten den Universitäten, Richter und die Zivilgesellschaft mit dem coup d’état zu tun? Dies reflektiere demnach die schlimmen Absichten Erdogans,  sein Fehlverhalten und seine tatsächlichen Absichten für die Zukunft, denn das Ausforschen sei ja noch nicht beendet. Wie sei es also zur Entscheidung gekommen, all jene Personen zu entfernen? Also habe Erdogan den coup d’état benutzt, um seien eigene Agenda umzusetzen, d.h. die der Muslimbruderschaft innerhalb der Türkei und das sei gefährlich für die Türkei, die Nachbarländer und damit Syrien.

Frage 9: Wie beurteile der Präsident die Beziehungen zur Opposition im Land? Was sei der Unterschied zwischen  diesen Oppositionsorganisationen und jenen außerhalb Syrien?
Präsident Dr. al-Assad: Es bestünden gute Beziehungen zur Opposition in Syrien basierend auf den nationalen Prinzipien. Freilich hätten die Oppositionellen ihre eigene Agenda und eigene Anschauungen wie die Regierung die ihren habe. Dialog geschehe entweder direkt oder via Wahlurne. Es könnte auch eine andere Dialogweise geben wie in jedem Land. Doch diese Opposition sei nicht zu vergleichen mit der anderen außerhalb Syriens, da das Wort „Opposition“ bedeute, sich friedlicher Methoden zu bedienen und nicht, Terroristen zu unterstützen, und auch nicht, außer Landes zusammengestellt zu werden. Es bedeute, im Land und im syrischen Volk richtiggehend verwurzelt zu sein. Dem widerspricht, seine Wurzeln im britischen oder französischen Außenministerium, im qaṭarischen, saudischen oder US- Geheimdienst. Das sei keine Opposition, sondern – im gegebenen Fall – ein Verräter. Sie nennten sich Opposition, in Syrien seien das Verräter. Die wahre Opposition arbeite für das Wohl der syrischen Bürger, habe ihre Basis in Syrien und ihre Agenda sei abgeleitet von den Visionen der syrischen Bevölkerung und ihrer Interessen.
Frage 10:  Wie sehe der Präsident das Insistieren seitens der USA samt Verbün-deten, daß er sein Amt aufgeben solle, und deren Kampagne, das Erschei-nungsbild seiner Regierung zu entstellen? Gemeint sei damit die ausländische Milieu. Wie sehe er deren Insistieren auf seiner Entmachtung?
Präsident Dr. al-Assad: Hinsichtlich deren Entmachtungswünschen in Bezug auf seine Person sei festzuhalten, daß sie diese seit fünf Jahren äußerten und niemals darauf eine Antwort durch eine Stellungnahme erhielten.  Die Regierung habe sich nicht darum gekümmert. Dies sei nämlich eine rein syrische Angelegenheit; allein die Syrer könnte entscheiden, wer kommen und gehen bzw. in seiner Position bleiben solle oder sie verlassen. Der Westen kenne diese Haltung sehr genau. Somit sei dies irrelevant und man brauche keine Zeit damit zu vergeuden. Er sei im Amt aufgrund der Unterstützung durch die syrische Bevölkerung. Ohne diese wäre er nicht im Amt, ganz einfach.

Wie diese einen diffamierten oder gewisse Präsidenten zu dämonisieren versuchten, sei der typische „american way“, auf jeden Fall seit dem Zweiten Weltkrieg seit die USA die britische Kolonisierung der hiesigen Region und womöglich sogar in der Welt ersetzten. Mitglieder der US-Administration bzw. US-Politiker hätten kein einziges aufrichtiges Wort bezüglich was auch immer geäußert. Sie lögen immer. Und mit der Zeit seien sie zu eingefleischten Lügnern geworden, das sei Teil ihrer Politik. Ihn zu dämonisieren zu versuchen gleiche der Art, wie Präsident Putin während der letzten beiden Jahre von ihrer Seite zu dämonisieren versucht worden  sei. Dasselbe hätten sie mit Castro während der letzten fünf, sechs Dekaden gemacht. Das sei einfach ihre Art. Es sei demnach nur wichtig, zu wissen, daß dem so sei. Darüber müsse man sich nicht aufregen. Das wichtigste sei, eine gute Reputation unter den eigenen Leuten zu haben. Darum müsse man sich sorgen.
Frage 11:  Wie sei die Meinung des Präsidenten zur Beziehung zwischen Syrien und Lateinamerika, insbesondere die historische Verbindung zu Kuba?
Präsident Dr. al-Assad: Trotz der großen Distanz zwischen Syrien und Lateinamerika sei es immer wieder überraschend, wie viel die Leute in Lateinamerika, nicht nur die Politiker, über die hiesige Region wüßten. Das habe seiner Meinung nach verschiedene Gründe, doch einer seien die historischen Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen der hiesigen Region, zwischen Syrien und Lateinamerika. Lateinamerika habe sich vor langer Zeit unter direkter Okkupation befunden, danach unter der Okkupation von US-Firmen, dem US- coup d’état und der US-Intervention.
 Zwischenbemerkung (des Interviewers): Ja, eine Menge.
Präsident Dr. al-Assad: Daher wüßten diese Leute, was Unabhängigkeit bedeute. Sie verstünden, daß es im Krieg in Syrien um die Unabhängigkeit gehe. Die bedeutendste Rolle spiele jedoch Kuba. Kuba sei die Speerspitze der Unabhängigkeitsbewegung in Lateinamerika gewesen und Fidel Castro die Symbolgestalt in dieser Hinsicht. Auf politischer und Erfahrungs-Ebene bestehe eine starke Harmonie zwischen Syrien und Lateinamerika, besonders Kuba. Doch denke er nicht, daß in anderer Hinsicht genug getan werde, um diese Beziehung zu festigen und denselben Stand hauptsächlich auf dem Bildungs- und Wirtschaftssektor zu erreichen. Diese Beziehung zu beleben sei seine Intention vor der Krise gewesen und auch der Grund für seinen Besuch in Lateinamerika, Kuba, Venezuela, Argentinien und Brasilien. Dann sei der Konflikt ausgebrochen, der ein großes Hindernis in dieser Hinsicht bildete. Doch denke er, die Verbindung auf historischer und politischer Ebene dürfe nicht eingeschränkt werden. doch dem nicht genug. Es gebe so viele andere Bereiche, die Leute sollten mehr übereinander wissen. Die große Distanz könnte ein Hinderungsgrund sein, doch sie sollte es nicht , denn Syrien pflege tiefgehende Beziehungen zum Rest der Welt, im Osten wie im Westen. In diesen Tagen dürfte die Distanz also kein Hindernis darstellen. Wenn Syrien die Krise und den Krieg überwunden habe, sollte man seiner Ansicht nach intensiver an der Vertiefung der Beziehungen in den verschiedenen Bereichen mit Lateinamerika und speziell Kuba arbeiten.
Frage 12:  Knüpfe der Präsident eine Erwartung an  .. wolle der Präsident seine Meinung äußern über den Wahlprozeß in den USA, insbesondere was die Präsidentschaft betreffe? Es gebe ja zwei Kandidaten, der republikanische sei es Herr Donald Trump, auf demokratischer Seite sei es Frau Hillary Clinton, die ja gut bekannt sei. Doch was denke der Präsident über diesen Vorgang, sein Resultat und wie es den hiesigen Konflikt  im Syrienkrieg beeinflussen könne?
Präsident Dr. al-Assad: Syrien habe die Beziehungen zu den USA 1974 wiederaufgenommen, das sei jetzt 42 Jahre her und man habe seither viele US-Präsidenten in verschiedenen Situation erleben können und die Lektion daraus sei, daß niemand auf einen US-Präsidenten setzen solle, das sei das Wichtigste. Es gehe nicht um die Namen, die USA hätten ihre Institutionen, ihre eigene Agenda und jeder Präsident habe diese auf seine Weise umzusetzen, am Ende werde sie also immer umgesetzt.
Alle hätten militaristische Agenden verfolgt, nur auf verschiedene Art. Der eine sende seine Armee wie Bush, der andere sende seine Söldner und Stellvertreterkrieger wie Obama, doch alle setzten dieselbe Agenda um.  Er denke demnach nicht, daß es einem US-Präsidenten erlaubt sei, völlig seinen eigenen politischen Überzeugungen zu folgen. Statt dessen habe er den Institutionen zu gehorchen wie den Lobbys und die Lobbys und die Agenda der Institutionen hätten sich nicht geändert. Demnach könne kein US-Präsident in naher Zukunft einen ernsthaften und dramatischen Wandel in der US-Politik herbeiführen
Frage 13:  Noch eine Frage. Welche Botschaft wolle der Präsident vermittels dieses Interviews mit Prensa Latina den Regierungen und Staatsvölkern von Lateinamerika, der Karibik und –warum nicht – von den USA zur Notwendigkeit der Unterstützung Syriens im Abwehrkampf gegen den Terrorismus senden?
Präsident Dr. al-Assad: Lateinamerika sei ein gutes und wichtiges Beispiel für die Welt, wie Volk und Regierung wieder ihre Unabhängigkeit errungen hätten. Sie seien aus Sicht der USA deren Hinterhof , der von den USA benutzt wurde, um seine eigenen Spielchen zu spielen, seine eigene Agenda umzusetzen und die Leute in Lateinamerika hätten eine Menge geopfert, um ihre Unabhängigkeit widerzugewinnen, wie jedermann wisse. Anschließend hätten sich die Entwicklungsstaaten – oder manchmal auch unterentwickelten Staaten – zu hochentwickelten Staaten gemausert. Demnach  sei die Unabhängigkeit sehr bedeutsam und jedem Bürger Lateinamerikas lieb und teuer. Diese Unabhängigkeit müßten sie festhalten, da die USA nicht aufhörten, jede unabhängige Regierung zu stürzen, jede Regierung, die die große Mehrheit der Leute in jedem Land in Lateinamerika wiederspiegele. Und nochmals: Kuba wisse das, wisse, was er mehr als irgendein anderer in der Welt sage; die Kubaner hätten mehr als irgendwelche anderen unter den US-Versuchen gelitten und es geschafft, diesen allen während der letzten 60 Jahre oder mehr zu widerstehen, nur weil die Regierung das kubanische Volk spiegele. Die Unabhängigkeit zu wahren, sei also seiner Meinung nach entscheidender für die Zukunft Lateinamerikas.
Bezüglich Syriens könne man sagen, daß es den Preis für seine Unabhängigkeit zahle, da es niemals etwas gegen die USA unternommen habe wie auch nicht gegen Frankreich oder Großbritannien. Syrien habe immer gute Beziehungen zum Westen gehabt. Doch deren Problem sei, daß sie kein unabhängiges Land akzeptierten, und das treffe seiner Ansicht nach auch für Kuba zu.
Nie habe Kuba versucht, den US-Bürgern etwas Schlimmes anzutun, doch sie akzeptierten Kuba nicht als unabhängiges Land. Dasselbe gelte für andere Länder Lateinamerikas und daher hätten immer wieder, besonders in den 1960ern und 1970ern, coup d’états [Staatsstreiche] stattgefunden.
Daß sich ein gewisses Land die Unabhängigkeit erhalte, sei demnach nicht nur isoliert zu sehen; wer unabhängig sein wolle, müsse die Unabhängigkeit im Rest der Welt fördern. Demnach werde die Unabhängigkeit [das Unabhängigkeitsbestreben] irgendwo in der Welt einschließlich Lateinamerikas der [dem] eigenen helfen. Wer dagegen allein agiere, sei schwach. Unterstützung für Syrien könne besonders in der internationalen Arena stattfinden. Es gebe da viele internationale Organisationen vor allem innerhalb der UN trotz deren [allgemeiner] Ohnmächtigkeit. Doch am Ende könne deren Unterstützung eine vitale Rolle bei der Hilfe für Syrien spielen und, freilich, der UN-Sicherheitsrat –  wobei es davon ab hänge, wer gegenwärtig Mitglied des UNSC sei. Aber auch jede andere Organisation bei der Unterstützung Syriens sei wichtig.
Frage 14:  Der Journalist wisse, daß der Präsident eine sehr beschäftigte Person sei. Daher schätze er es besonders, wie viel Zeit er sich für das Interview mit Prensa Latina genommen habe.    Er hoffe, es sei nicht das letzte gewesen.
Präsident Dr. al-Assad: Er sei jederzeit willkommen.

Hinweis in eigener Sache: Da die Seite „Syrien, was die meisten Medien nicht bringen, Teil IV“ zum Einstellen von Informationen nicht mehr aufrufbar ist, sind nun weitere Neuigkeiten auf Teil V zu lesen.

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Interview mit Au­stralian SBS TV vom 30.6.2016, ausgestrahlt am 1.7.2016

(http://sana.sy/en/?p=81447 in überwiegend paraphrasierender Übersetzung)

Interview mit SBS Australia

Interview mit SBS Australia

Journalist: Danke, Herr Präsident dafür, daß Sie mit SBS Australia sprechen.
Präsident Dr. al-Assad: Sie sind hochwillkommen in Syrien.
Frage 1: Es seien nun fünf Jahre seit Beginn der Syrien-Krise vergangen. Ca. eine Viertelmillion Menschen seien getötet worden, viele davon Zivilisten. Das sei unweigerlich ein humanitäres Desaster.  Wie fern sei nach Einschätzung des Präsidenten ein Ende der Krise?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich sei ein Ende in Sicht und die Lösung sei einfach Sie sei bloß derzeit nicht umsetzbar. Die Lösung sei einfach, weil klar auf der Hand liege, daß sie durch innersyrischen Dialog über den politischen Prozeß zu erfolgen habe,  jedoch würden gerade der Terrorismus und die Terroristen in Syrien bekämpft. Ohne des Terrorismus-Bekämpfung sei keine echte Lösung umsetzbar und zwar deshalb, weil Staaten, welche den Terroristen umfassende Unterstützung leisten, Staaten des Westens wie aus der Region, z.B. die Türkei, Saudi-Arabien und Qaṭar, damit nicht aufhören wollen. Würde diese Unterstützung aufhören und damit der Dialog  unter den Syrern über die Verfassung und die Zukunft Syriens, die des politischen Systems angegangen, wäre die Lösung sehr bald erreicht.
Frage 2: Viele Berichte befaßten sich momentan mit Mutmaßungen über den drohenden Niedergang des Islamischen Staates. Glaube der Präsident, das entspreche der Wahrheit? Wie weit sei man von der Einnahme ar-Raqqas, dieser wichtigen Stadt, entfernt?
Präsident Dr. al-Assad: Das sei kein Wettrennen. Ar-Raqqa sei ebenso bedeutend wie Aleppo, Damaskus oder eine andere Stadt. Die Gefahr bei den terroristischen Gruppen liege nicht darin, welches Territorium sie besetzten, da es sich dabei um keinen traditionellen Krieg handele. Es gehe eher darum, wie sehr sie ihre Ideologie in die Köpfe der Menschen der Gegend verwurzeln könnten. Indoktrinierung sei die gefährlichste Sache. Ar-Raqqa zu erreichen, sei militärisch nicht so schwierig, sozusagen. Es sei eine Frage der Zeit. Man bewege sich bereits in jene Richtung. Doch wenn man über Krieg spreche, sei die Frage, was die andere Seite, also der Feind tun könne, und das hänge direkt mit der Anstrengung der Türkei, insbesondere von Erdogan,  bei der Unterstützung dieser Gruppen zusammen, was sei dem Beginn [der Krise] so sei. Angenommen man spreche über Syrien als isoliertes militärisches Gebiet, sei jenes Areal [von ar-Raqqa] binnen weniger Monate oder Wochen zu erreichen; doch ohne Berücksichtigung der türkischen Terroristenunterstützung bewege sich jegliche Antwort weit weg von der Realität. Es wäre eine nicht sachgerechte Antwort.
Frage 3: Wie betroffen sei der Präsident über die jüngsten fatalen  Zusammen-stößen zwischen dem langjährigen Alliierten Ḥizbullâh und den eigenen Streitkräften?
Präsident Dr. al-Assad: Kämpfe zwischen der Armee und Ḥizbullâh? Die kämpften nicht gegeneinander. Die Ḥizbullâh unterstütze die SAA [syrische Armee] und bekämpfe sie nicht, sondern kämpfe an  ihrer Seite. Die SAA und Ḥizbullâh, unterstützt durch die russischen Kampfflieger bekämpften alle Terrorgruppen, sei es der IS, Ğabhatu_n-Nuṣra oder andere mit al-Qâʽida affiliierte Gruppen, die damit automatisch mit dem IS und Ğabhatu_n-Nuṣra in Verbindung stünden [als al-QâʽidaAbleger].
Frage 4: Es habe doch kürzlich einige Berichte über Zusammenstöße gegeben …  seien die unkorrekt?
Präsident Dr. al-Assad: Die hätten nicht Kampfhandlungen betroffen, sondern  unterschiedliche Ansichten, Meinungsverschiedenheiten sozusagen. [Anderes] sei nicht wahr. Wenn man auf das kürzlich abgehaltene Treffen zwischen den Verteidigungsministern von Syrien, Rußland und dem Iran in Teheran blicke, zeige das eine gute Koordination bezüglich der Terrorismus-Bekämpfung.
Frage 5: Nur um Klarheit zu schaffen, sehe der Präsident in allen Oppositionsgruppen Terroristen?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv nicht, nein. Spreche man über eine Oppositionsgruppe im politischen Sinn, seien das keine Terroristen. Wenn jemand jedoch Maschinengewehre oder andere Waffen benutze und damit die Bevölkerung terrorisiere, Bürger angreife, gegen öffentliches und privates Gut vorgehe, dann sei man ein Terrorist. Falls, besser wenn man über Opposition spreche, dann müsse es sich um eine syrische Opposition handeln, es könne keine diese ersetzende Opposition sein, die als Stellvertreter für irgendwelche andere Länder agiere wie z.B. Saudi-Arabien. Es müsse sich um eine syrische Opposition handeln, den syrischen Wurzeln verbunden wie in Australien [auch]. Das sei dasselbe, seiner Meinung nach.
Frage 6: Kürzlich habe der Präsident gemeint, die Waffenruhe sei für die Syrer jedenfalls ein Hoffnungsschimmer. Wie denke er jetzt, fünf Monate später darüber?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich sei er das. Und er halte trotz der Tatsache, daß terroristische Gruppen die Abmachung zu torpedieren suchten und zwar täglich. Doch zur selben Zeit habe man aufgrund der Vereinbarung das Recht zurückzuschlagen, wenn die Armee angegriffen werde. Daher könne man tatsächlich konstatieren, die Waffenruhe-Vereinbarung funktioniere in den meisten Gebieten, jedoch in manchen nicht.
Frage 7: Es gebe verschiedene Darstellungen über den Beginn der syrischen Krise. Manche besagten, es seien Kinder-Graffitis mit anti-Regierungs-Slogans gewesen, mit denen von Regierungsseite brutal  umgegangen worden sei. Der Journalist verstehe, daß der Präsident diese Geschichte nicht akzeptiere. Wie sei seiner Meinung nach die Krise entstanden?
Präsident Dr. al-Assad: Es sei eine Mischung aus vielen Komponenten. Manche demonstrierten für Reformen. Das sei nicht zu verneinen. Man könne nicht sagen: nein, jeder sei ein Terrorist oder Söldner gewesen. Aber die Mehrheit jener Demonstranten – dabei rede er nicht von einheimischen Demonstranten – sei bezahlt worden von Qaṭar dafür, daß sie demonstrierten.  Später seien sie dafür bezahlt worden, mit Waffengewalt zu revoltieren. So sei das tatsächlich zustande gekommen. Die Story über die attackierten Kinder sei vorgetäuscht. Das sei nicht passiert.
Selbstverständlich gebe es in der Praxis vor Ort immer Fehler wie z.B. in den USA vor kurzem im letzten Jahr, das aber bringe die Einwohner nicht dazu, Maschinengewehre zur Hand zu nehmen und auf Polizisten und Armeemitglieder zu töten u.s.w.
Frage 8: Das heiße also, daß einige Leute berechtigterweise nach Neuerung gestrebt hätten. Sei das als Folge einer [zu] straffen Führung des Präsidenten zusehen?      
Präsident Dr. al-Assad: Nein, in Syrien habe Neuerung stattgefunden.  Sie habe hauptsächlich nach dem Jahr 2000 begonnen. Für manche sei das [zu] langsam gegangen, für manche zu schnell. Das sei subjektiv[es Empfinden], nicht objektiv[e Bestandsanalyse], aber es habe Bewegung in jener Hinsicht gegeben. Doch daß es nicht um Neuerung gegangen sei, habe sich darin gezeigt, daß die geforderten Reformen nach Beginn der Krise vor fünf Jahren umgesetzt wurden, doch ohne daß das etwas geändert habe. Demnach könne es nicht um Neuerung gegangen sein. Die Verfassung sei geändert worden, die Gesetze auf Anregung der Opposition, vielerlei Dinge, aber nichts sei passiert. Es sei also nicht um die Reformen gegangen sondern ums Geld aus Qaṭar. Die meisten derer, die anfangs wirklich Neuerung erstrebten, demonstrierten gegenwärtig nicht mehr, sie marschierten nicht gegen die Regierung auf, sie kooperierten mit ihr. Sie glaubten womöglich nicht an die politische Linie der Regierung, was ihr gutes Recht und ganz natürlich sei, aber sie agierten nicht gegen die Regierung oder ihre Institutionen. Sie separierten sich demnach von jenen, die Terroristen unterstützen.
Frage 9: Was sei die Antwort des Präsidenten auf das Factum, daß einige seiner Minister sich abgesetzt hätten und Brutalität als Grund angegeben hätten?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich seien jene übergelaufen, weil sie dazu aufgefordert worden seien von einigen Leuten aus Saudi-Arabien und Frankreich, abhängig vom Land, dem sie sich zugehörig fühlten. Und nun zählten sie zu jener sogenannten Opposition, die zu solchen Ländern gehöre, aber nicht zu Syrien. Sie hätten keinen Wert für Syrien, daher mache das nichts aus. Es habe nichts geändert bzw. es habe keinen Einfluß auf die Realität in Syrien gehabt.
Frage 10: Einer der Hauptunterstützer, Rußland,  habe zur Rückkehr zu den Friedensgesprächen aufgefordert. Halte das der Präsident für eine gute Idee?
Präsident Dr. al-Assad: Sei damit Genf gemeint?
Journalist bestätigt.
Präsident Dr. al-Assad: Aber selbstverständlich, die Regierung unterstütze jegliches Gespräch mit jeglicher syrischen Fraktion. Doch solcherlei Gespräche hätten bis jetzt nicht einmal begonnen. Es gebe bisher keine innersyrischen Gespräche, da nur Verhandlungen  mit dem Vermittler Herrn de Mistura statt-gefunden hätten. Sie [die innersyrischen Gespräche] hätten demnach tatsächlich noch nicht begonnen. Daher unterstütze die Regierung das [zugrundeliegende] Prinzip, doch  bedürfe die Praxis einer gewissen Methodologie, die bislang nicht existiere. Demnach müsse man erst einmal damit starten, doch brauche man grundlegende Prinzipien, damit solche Verhandlungen ersprießlich seien.
Frage 11: Etwas, das viele Leute bzgl. der Syrien-Krise interessiere, sei, warum die engen Alliierten, der Iran und Rußland, so loyal zur Regierung stünden.
Präsident Dr. al-Assad: Darum, weil es nicht um den Präsidenten bzw. die Person gehe. Das sei eine Fehlinterpretation oder besser gesagt, der westliche Irrglaube und womöglich Teil der Propaganda, daß Rußland und der Iran Assad unterstützen bzw. den Präsidenten. Doch so verhalte es sich nicht. Es gehe um die Gesamtsituation.  Das Chaos in Syrien setze einen Dominoeffekt in der Region in Gang, der die Nachbarstaaten tangiere, den Iran und [auch] Rußland, in Wahrheit [sogar] Europa. Wenn diese also Syrien verteidigten, verteidigten sie die Stabilität, ihre Stabilität, ihr Interesse. Gleichzeitig gehe es ums Prinzip. Sie verteidigten die syrische Bevölkerung und deren Recht zur Selbstverteidigung. Wenn sie den Präsidenten verteidigten und die syrische Bevölkerung stünde nicht hinter ihm und würden ihn unterstützen, dann hätte er als Präsident die fünf Jahre nicht überstehen können trotz der Unterstützung aus Rußland und dem Iran. Es gehe also nicht um den Präsidenten, sondern um die gesamte Situation, das größere Bild sozusagen.
Frage 12: Bestehe direkter oder indirekter Kontakt zwischen dem Präsidenten und den USA?
Präsident Dr. al-Assad: Überhaupt nicht. Indirekt ja, durch gewisse Kanäle. Fragte man jene jedoch danach, würden sie verneinen und die Regierung ebenfalls. Tatsächlich aber existierten die inoffiziellen Kanäle.
Frage 13: Was seien das für welche?
Präsident Dr. al-Assad: Nun, man könnte es so ausdrücken: Geschäftsleute reisten um die Erde, träfen mit Amtsträgern in den USA und Europa zusammen,  hätten Treffen in Europa und versuchten gewisse Botschaften zu übermitteln. Doch da sei nichts Ernsthaftes, da die Regierung nicht glaube, daß die US-Administration ernsthaft das Problem in Syrien lösen wolle.
Frage 14: Doch gerade erst habe es Berichte über mehr als 50 Diplomaten gegeben, die forderten, was sie als „echte und effektive Militärschläge“ gegen ihn [den Präsidenten] bzw. gegen Syrien bezeichneten. Beunruhige ihn das in irgendeiner Weise und halte er das für Signale einer aggressiveren Politik seitens der USA gegenüber Syrien, um etwas vorwärtszubewegen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, Kriegstreiber existierten in jeder US-Admi-nistration. Das sei nichts Neues. Doch um dieses Kommuniqué kümmere sich die Regierung sozusagen keinen Deut; es gehe [statt dessen] um die [geübte] Politik, die Handlungen.   Der Unterschied zwischen dieser und der vorhergehenden US- Administration von Bush sei, daß dieser seine Truppen ausgeschickt habe. Die jetzige schicke Söldner und sehe über die Handlungen von Saudi-Arabien, der Türkei und von Qaṭar seit Beginn der Krise geflissentlich hinweg. Es sei dieselbe Politik, eine militaristische, nur mit verschiedenen Methoden. Daher unterscheide sich jenes  Kommuniqué nicht von der Realität vor Ort. In jenem fordere man den Krieg und in der Realität herrsche Krieg.
Frage 15: Zurückkommend auf die erwähnte vorhergehende US-Administration unter Bush. Manche seien der Meinung, Präsident al-Assad habe nur deshalb solange im Amt überlebt wegen des Zögerns der USA, Bodentruppen in einen weiteren Krieg in Nahost zu entsenden. Denek der Präsident ebenso aufgrund des zuvor von ihm Angemerkten.
Präsident Dr. al-Assad: Tja, die US-Administration sei äußerst berüchtigt dafür, seit den 1950ern Probleme zu kreieren, doch keines davon zu lösen, wie z.B. im Irak. Bush  sei im Irak eingefallen, in wenigen Wochen habe er den Irak besetzen können, doch was sei danach gekommen? Es gehe [eben] nicht [nur] um die Besetzung. [Die USA] stellten ein große Macht dar, Syrien nicht. Daher gehe es nicht um die Besetzung Syriens seitens der USA. [Denn] was käme danach? Was wollten sie erreichen? Sie hätten nichts erreicht. Sie seien in Libyen gescheitert, im Irak, im Jemen, in Syrien, überall. Sie hätten nur Chaos angerichtet. Wenn die USA also mehr Chaos anrichten wollten, könnten sie das tun. Sie würden Chaos anrichten, doch könnten sie die Probleme lösen. Nein.
Frage 16: Bevorzuge er [Präsident Dr. al-Assad] einen Kandidaten der US-Prä-sidentschaftswahl?
Präsident Dr. al-Assad: In der Tat nein. Die Regierung setze nie auf einen US-Präsidenten, da sie für gewöhnlich während der Wahlkampagne anderes von sich gäben als sie später in der Praxis täten, nachdem sie Präsident geworden seien. Obama sei [auch] ein Beispiel dafür. Daher bestehe keine Grund [auf den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl] zu warten. Allerdings sei abzuwarten, welche Politik die USA vollführten, völlig davon abgesehen, wer die Wahl gewinne.
Frage 17: Sehe der Präsident einen Umstand, dem zufolge Syrien mit den USA und dem Westen zusammenarbeiten würde?
Präsident Dr. al-Assad: Die Regierung habe kein Problem mit den USA, sie seien nicht ihr Feind, sie okkupierten nicht das Land [Syrien]. Es bestünden Differenzen, welche zurückreichten in die 1970er Jahre und möglicherweise noch weiter. Aber zu vielen verschiedenen Zeiten, Gelegenheiten und unter Umständen habe es sozusagen Kooperation mit den USA gegeben. Doch Kooperation bedeute, über etwas zu sprechen, zu diskutieren und darauf hinzuarbeiten im gegenseitigen Interesse, nicht für deren Interessen auf Kosten der eignen. Demnach bestehe kein Problem mit den USA von syrischer Seite her.
Frage 18: Der Präsident habe ja, wie schon gesagt, viel Zeit in Großbritannien verbracht. Sehe er irgendwelche Rückwirkungen für Syrien und die Syrienkrise als Folge des Austritts Großbritanniens aus der EU?
Präsident Dr. al-Assad: Er denke nicht, darüber Ausführungen machen zu können, da das eine britische Angelegenheit sei. Doch sei er weder Brite noch Europäer. Allerdings könne er gleichzeitig sagen, das sei ein überraschendes Ergebnis gewesen möglicherweise mit unterschiedlichen Komponenten, ob innerstaatlich im ökonomischen Bereich oder außerstaatlich in der Beunruhigung seitens des Terrorismus´, bzgl. Sicherheitsfragen, den Flüchtlingen u.s.w.. Doch sei es [auch] ein Indiz  für die syrische Regierung, da jene Amtsträger, die ihm den Ratschlag zu geben pflegten, wie mit der Syrienkrise umzugehen sei, und  schrieen: „Assad muß gehen!“ bzw. „er handelt ohne Bezug [zur Realität, zum Volk]“ nun erführen, daß sie selbst ohne Bezug zur Realität gehandelt haben – sonst hätten sie nicht ein Referendum gefordert. Er halte das für ein Revolte des Volkes dort gegen  nachrangige Politiker, wie er sie  manchmal nenne. Sie bräuchten sozusagen in Staatskunst erfahrene Beamte, um mit ihrem Land [richtig] umzugehen.  Käme eine andere Administration, die es verstünde, mit den Themen Flüchtlinge und Sicherheit, verbunden mit dem Problem in Nahost, umzugehen, dann wäre das eine ganz andere Politik, die positive Auswirkungen auf Syrien hätte. Doch diesbezüglich habe er gegenwärtig wenig Hoffnung. Man könne sagen, es bestehe eine geringfügige Hoffnung, da man nicht wisse, was nach Cameron in  Großbritannien komme.
Frage 19: Australien sei Teil der internationalen [US-geführten] Koalition zur Bekämpfung des IS, was augenscheinlich eines der Ziele Australiens sei. Demnach sei es in dem Fall ein gemeinsames Ziel. Dürfe er fragen, ob der Präsident diese internationale Intervention als gemeinsames Ziel begrüße?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich begrüße die Regierung jegliche Anstren- gung im Kampf gegen den Terrorismus in Syrien, jede, doch sollte diese vor allem aufrichtig sein, keine Augenwischerei wie sie sich nun in Nord-Syrien abspiele, wo 60 Staaten den IS nicht an der Ausbreitung zu hindern vermochten. Erst als die Russen Luftunterstützung zu bieten begonnen hätten,  sei der IS-Vormarsch tatsächlich gestoppt worden. [Das Ansinnen] müsse also aufrichtig sein. Zudem bedürfe es der Legitimation durch die syrische Regierung, nicht nur, weil jene den Terrorismus von überall in der Welt bekämpfen können, wenn sie das wollen, sondern weil die [bestehende syrische] Regierung die legitime sei und Syrien ein souveränes Land. Demnach bildeten diese beiden Umstände den Ausgangspunkt, um ausländische Unterstützung bei der Terrorismusbekämpfung begrüßen zu können.
Frage 20: Eine Anzahl Australier seien im Kampf mit den kurdischen Milizen oder dem IS gestorben. Hin Wut geraten seine, daß sie zum Kämpfen hierher gereist seien.
Präsident Dr. al-Assad: Wieder sei die Antwort dieselbe: wenn da Ausländer kommen ohne Erlaubnis der Regierung, handeln sie illegal, ob sie Terroristen oder irgend jemand anderen bekämpfen wollten. Es sei absolut das Gleiche. Es sei und bleibe illegal.
Frage 21: Australische Politiker hätten sehr scharfe Worte zur Rolle des syrischen Präsidenten in der Krise benutzt wie auch andere Staatsführer im internationalen Feld. Der australische Premierminister habe ihn z.B. „mörderischer Tyrann“ genannt mit der Behauptung, Präsident Dr. al-Assad sei verantwortlich für den Tod Tausender unschuldiger Zivilisten. Der australische Oppositionsführer habe ihn einen „Metzger“ geheißen. Trotzdem sei es Australiens offizielle Position, mit dem syrischen Präsidenten auf ein Friedensabkommen hinzuarbeiten. Wie seien diese sehr unterschiedlichen Positionen für den Präsidenten miteinander in Einklang zu bringen?
Präsident Dr. al-Assad: Das sei in der Tat die Doppelmoral des Westen generell. Sie attackierten die syrische Regierung politisch, schickten aber deren Beamte, um unter der Hand mit der syrischen Regierung zu verhandeln, besonders in Sicher-heitsfragen, das treffe auch hinsichtlich der australischen Regierung zu. Alle verführen sie gleich. Sie wollten schließlich nicht die USA verärgern. Tatsächlich wiederholten die meisten westlichen Amtsträger das, was die USA ihnen zu sagen auftrügen. Das sei die Realität.  Auch wenn er nicht sagen könne, diese Stellungnah- men seien von der Realität [völlig] abgekoppelt, weil er ja bzw. die syrische Armee die Terroristen bekämpfe, die Regierung, die ganzen Institutionen  gegen die Terroristen seien, so sei es doch ein ganz anderer Sachverhalt, Terrorismus-bekämpfung als Metzelei zu betiteln.
Frage 22: Australien habe sich bereit erklärt, weitere 12.000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen; etliche seien schon angekommen. Habe der Präsident eine Botschaft für diese Syrer. Viele von ihnen sagten nach wie vor, sie liebten ihr Land und wollten dorthin zurückkehren.  Habe der Präsident eine Botschaft für diese Leute, die, wie gesagt, in Australien und anderen Staaten der Erde untergekommen seien?
Präsident Dr. al-Assad: Damit habe der Journalist einen äußerst wichtigen Punkt angesprochen.  Die meisten Flüchtlinge, die aus Syrien flöhen, wollten zurückkommen. Natürlich sei die Aktion eines jeden Landes, das diesen helfe, im fremden Land sozusagen ein neues Heim zu finden, als humanitäre zu begrüßen. Doch sei es nach wie vor humanitärer und mit weniger Kosten verbunden, diesen beim Verbleib in ihrem eigenen Land zu helfen, indem man es unterstütze, dort für Stabilität zu sorgen anstatt dort die Terroristen zu beschirmen oder zu unterstützen. Das wolle er klar machen. Diese [Flüchtlinge] wünschten sich von den westlichen Staaten, entschieden gegen Saudi-Arabien und die anderen westliche Staaten wie Frankreich und Großbritannien vorzugehen, die die Terroristen in Syrien unterstützten, nur um die syrische Regierung zu stürzen. Wäre es anders gewesen, hätten jene Syrer ihr Land nicht zu verlassen brauchen. Die meisten verließen es nicht aus Antipathie oder Sympathie der Regierung gegenüber, sondern wegen der so schwierigen Lebenssituation in Syrien dieser Tage.
Frage 23: Hoffe er, daß diese Leute zurückkehrten, und wolle er ihnen die Rückkehr erleichtern?
Präsident Dr. al-Assad: Absolut. Menschen als Flüchtlinge zu verlieren sei seiner Meinung nach genauso wie menschliche Ressourcen zu verlieren. Wie könne man ein Land ohne diese menschlichen Ressourcen aufbauen? Die meisten dieser Menschen seien gut ausgebildet und gebildet, sie gingen in Syrien ihren Berufen in verschiedenen Bereichen. Man verlöre mit ihnen, was man nötig brauche.
Frage 24: Laut der Commission for International Justice and Accountability existierten tausende Regierungsdokumente, welche bewiesen, daß seine Regierung Massenfolterung und -tötung sanktioniert habe. Wie könne der Präsident angesichts dieser Belege sagen, es hätten keine verbrechen stattgefunden? Er verweise auch auf andere unabhängige Organisationen, die sich kritisch und überlegt mit der Thematik Krankenhäuser  beschäftigten. Gebe er zu, es sei zu Fehlverhalten bei der Bekämpfung von manchen Arealen unter Kontrolle der Rebellen gekommen?
Präsident Dr. al-Assad: Der Journalist vermenge hier zweierlei Dinge. Zum einen seien da diese Berichte. Der wichtigste davon sei von Qaṭar finanziert worden, nur um die syrische Regierung zu diffamieren. Sie hätten aber keinerlei Belege. Wer habe die Aufnahmen gemacht, wer seien die Opfer auf diesen Aufnahmen? u.s.w. Wie auch er [sein Gesprächspartner als Journalist] könne man alles per Computer fälschen, was man wolle. Das alles sei daher überhaupt nicht glaubwürdig.
Ein anderes Thema sei es, über die Angriffe auf Krankenhäuser oder Zivilpersonen zu sprechen. Die sehr einfache Frage sei hier: warum sollte die Regierung Krankenhäuser und Zivilpersonen angreifen?  Schließlich begann die gesamte Sache, das ganze Problem in Syrien, als jene Terroristen die Herzen der Syrer zu gewinnen suchten.  Krankenhäuser oder Zivilpersonen anzugreifen, spielte den Terroristen dabei in die Hände. Keine Regierung in vergleichbarer Lage habe ein Interesse daran, die eigenen Bürger zu töten oder Kliniken zu attackieren. Wie auch immer, wenn man ein Hospital angreifen wolle, könne man jedes Gebäude zu einem Hospital erklären. Nein, diese Geschichten seien anekdotische Behauptungen, verlogene Äußerungen. Er könne konstatieren, sie seien in keinster Weise glaubhaft. Die Regierung sende beständig Impfstoffe in Gegenden unter Terroristenkontrolle. Wie könne man dies tun und gleichzeitig Kliniken angreifen? Das sei ein Widerspruch.
Frage 25: Gebe es für den Präsidenten, als Vater und Mann gesprochen, eine Anekdote, eine Geschichte, ein Abbildung aus der Krise, die ihn persönlich mehr als andere gerührt habe.
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich, er sei auch nur ein Mensch und Syrer wie andere Syrer auch. Er wolle mitfühlender sein gegenüber jeder syrischen Tragödie, die irgendeine Person oder Familie getroffen habe. In der [Nahost-]Re- gion seien die Menschen generell recht emotional. Doch als Amtsträger sei er nicht nur eine Person, sondern ein Beamter. Als Beamter frage man sich beim aufkom- men solcher Gefühle als erstes, was man tun könne, tun, um andere Syrer davor zu bewahren, ebensolches Leid zu erfahren. Das sei das Wichtigste. Anders gesagt, dieses Gefühl, dieses traurige, schmerzvolle Gefühl sei Motivation für ihn, mehr zu tun, als nur betroffen zu sein.
Frage 26: Was sei seine Vision für Syrien? Wie sehe er die Dinge in drei Jahren?
Präsident Dr. al-Assad: Nach dieser Krise oder …? Als erstes wolle die Regierung freilich Syrien so stabil sehen wie es zuvor gewesen sei, da es eines der stabilsten und sichersten Länder der Welt, nicht nur in der Region, gewesen sei. Das sei also das Erste. Habe man das geschafft, könne man weitere Ambitionen haben, ohne jedoch nicht. Habe man das geschafft, sei die nächste Frage, wie mit der Generation umzugehen sei,  welche das ganze Töten erlebt, die den Extremismus [hautnah] kennengelernt, die sich den Extremismus zu eigen gemacht habe bzw. indoktriniert worden sei durch al-Qâʽida affiliierte Gruppen u.s.w.. Das sei eine weitere Herausforderung.
Als Drittes müsse man jene menschlichen Ressourcen zurückholen, die als Flüchtlinge weggingen, um Syrien wiederaufzubauen.  Wiederaufbau des Landes sei einfach, sofern es um Gebäude und  Infrastruktur gehe. Die Syrer seien dazu in der Lage. Doch die  [eigentliche] Herausforderung stelle die neue Generation.
Frage 27: Wie denke er, werde die Geschichte seine Präsidentschaft widergeben?
Präsident Dr. al-Assad: Es wäre wünschenswert, wenn es hieße, dies sei derjenige gewesen, der das Land vor den Terroristen und ausländischer Intervention bewahrt habe. Das wünsche er sich. Alles andere bleibe der Beurteilung der syrischen Bürger überlassen, doch das sei sein einziger Wunsch.
Journalist: Herr Präsident, vielen Dank dafür, daß sie mit SBS Australia gesprochen haben.
Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank.

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit RIA Novosti und Sputnik
veröffentlicht von http://sana.sy/en/?p=73304 in zwei Teilen am 30. und 31.3.2016

Quelle: SANA

Quelle: SANA

(Paraphrasierende Wiedergabe des ganzen Gesprächs, Hervorhebungen blogseits)

Teil I:

Frage 1: Vieles werde über die syrischen Flüchtlinge in den Medien gebracht. Die große Mehrheit der Flüchtlinge in Europa präsentiere sich selbst als Syrer, selbst wenn sie aus Pakistan kämen. Nach deutschen Aufstellungen, hätten 77% davon keine Ausweise. Nun interessiere, wie der Präsident die Zahl der Flüchtlinge veranschlage, die gezwungen waren, das Land zu verlassen, warum sie das Land hätten verlassen müssen und dann die Zahl der Binnenflüchtlinge. Schließlich wolle man bzgl. der Thematik korrekte Zahlenangaben erhalten.
Antwort: Selbstverständlich existieren keine akkuraten Zahlen zu den aus Syrien bzw. innerhalb des Landes Geflohenen. Vorliegende Zahlen nähern sich den tatsächlichen Verhältnissen nur an, da sich [wegen der auch in Syrien herrschenden Freizügigkeit] die Landesbewohner auf der Flucht vor den Terroristen von hier nach da z.B. zu Verwandten und Freunden in Gegenden unter staatlicher Kontrolle begeben, ohne daß dies registriert würde. Doch machten die Zahlen nicht das Problem aus, sondern dieses bestehe bis jetzt im Fehlen ernsthaften Bemühens seitens vieler Länder, die Wurzel des Problems anzugehen. Diese Staaten gingen mit dem Thema um, als betreffe es nur die Welt außerhalb [ihrer Grenzen]. Deren Regierungen möchten die Menschen in einigen europäischen Ländern aufnehmen und Hilfe gewähren und vielleicht noch Hilfsmittel an die Vertriebenen in Syrien schicken [also das Pflegen von Symptomen]. Doch das löse nicht das Problem. Das Hauptproblem stelle der Terrorismus dar. Deswegen müsse er bekämpft werden – auf internationalem Level, da das Phänomen ja nicht auf Syrien beschränkt sei. Es existiere auch im Irak mit direkter Unterstützung durch die Türkei, die königliche Familie in Saudi-Arabien und einige westliche Staaten wie Frankreich und Großbritannien. Andere Regierungen verhielten sich wie Zuschauer und Beobachter, ohne ernsthaft gegen den Terrorismus vorzugehen. Hierin liege seiner Meinung nach das Problem, nicht in den Zahlenaufstellungen.
Frage 2: Sicher erwarte der Präsident die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat, doch wohl erst nach Wiederherstellung [des Zerstörten]. Habe der Präsident Schätzungen vorliegen über das Ausmaß der Zerstörungen und Schäden der letzten Jahre in Syrien?
Antwort: Die wirtschaftlichen Schäden wie die bzgl. der Infrastruktur beliefen sich auf über 200 Mrd. US-$. Sobald Ruhe im Land eingekehrt sei, könnten erstere unmittelbar behoben werden. doch die Wiederherstellung der Infrastruktur werde eine lange Zeit in Anspruch nehmen. Mit dem Prozeß habe man bereits begonnen, um so gut wie möglich die Auswirkung von wirtschaftlichen und Infrastruktur-Schäden auf die Bürger zu mildern und gleichzeitig die Abwanderung zu reduzieren. Die Rückkehrwilligen würden durch Hoffnung beflügelt, wenn sie sähen, daß sich die Zustände verbesserten. Doch ist die Abwanderung nicht nur durch den Terrorismus und die Unsicherheit bedingt. Sie sei auch Folge der gegen Syrien vom Westen verhängten Sanktionen. Etliche Bewohner emigrierten aus sicheren Gegenden ohne Terroristen wegen der herrschenden Lebensumstände. Wenn Menschen nicht länger vor Ort für ihren Lebensunterhalt sorgen könnten, zögen sie fort. Deshalb müsse der Staat Maßnahmen ergreifen, wenngleich es sich um anstoßenden handele, die ökonomischen und Versorgungsbedingungen via Dienstleistungssektoren in Syrien zu verbessern. Damit sei die Regierung beschäftigt.
Frage 3: Sicher hänge Syrien auch von der Hilfe der internationale Gemeinschaft ab. Auf wen wolle sich Syrien beim Wiederaufbau des Landes stützen? Wie stelle sich der Präsident die Rolle russischer Unternehmen und Firmen dabei vor?
Antwort: Die Teilhabe am Wiederaufbau sei in jedem Fall profitabel für Unternehmen, vor allem solche, die sich Darlehen von den Ländern sicherten, die sie unterstützten. Sicherlich erwarte man in diesem Fall, daß sich hauptsächlich drei Staaten daran beteiligten, die Syrien auch während der Krise unterstützen: Rußland, China und der Iran. Doch gehe er davon aus, daß viele andere Länder, die gegen Syrien agierten, da seien zuallererst westliche Staaten zu nennen, bemüht seien, daß bei diesem Prozeß deren Firmen im Land Fuß faßten. Doch für Syrer kämen zweifellos die schon früher freundlich gesonnenen Länder in Frage. Man brauche hierzu nur irgendeinen Einwohner diesbezüglich zu fragen und er würde sowohl emotional und was das Politische angehe antworten, Vertreter aus den den eben genannten drei Staaten seien willkommen, insbesondere von Rußland. Und im Hinblick auf die Infrastruktur seien nicht nur dutzende an Gebieten und Fachrichtungen betroffen, sondern hunderte. Daher bestehe ein immenses Feld an Möglichkeiten für russische Unternehmen, am Wiederaufbau Syriens teilzuhaben.
Frage 4: Zum politischen Teil kommend, wie schätze der Präsident die Ergebnisse der Genfer Gespräche bislang ein?
Antwort: Bislang könne man nicht konstatieren, daß bei den Genfer Gesprächen etwas erreicht worden sei. Jedoch habe man mit den hauptsächlichen Themen begonnen, z.B. Vorlage der Prinzipien, auf welchen die Verhandlungen aufbauen sollen. Jegliche Verhandlungen ohne solche Grundlagen würden nur zu chaotischen Debatten führen, die zu keinen Ergebnissen kämen. Das sei der Fall, wenn jeder Partei gestattet wäre, sich beliebig unnachgiebig zu gerieren, und anderen Regierungen erlaubt sei, sich in nicht objektiver Weise einzumischen.  Daher habe man mit der Vorlage eines Prinzipien-Dokuments eröffnet. Hauptsächlich habe man mit Herrn de Mistura zu tun gehabt, nicht mit den anderen Verhandlungsparteien. Die Diskussion über das eben erwähnte Dokument werde in der nächsten Gesprächsrunde fortgesetzt. Damit sei als Ergebnis die Zugrundelegung einer Methode zur Ermöglichung erfolgreicher Unterhandlungen erreicht, wenn man so wolle. Beschreite man diesen Weg weiter, würden die weiteren Gesprächsrunden gut und produktiv verlaufen.
Frage 5: Was seien die Positionen [der Regierung], wenn man bei den weiteren Gesprächen auf den sog. politischen Übergangsprozeß zu sprechen komme und im Anschluß daran auf die Gestalt der Übergangsregierung? Was sei die Herangehensweise des Präsidenten bzgl. Instrumenten bei der Ausformung derselben?
Antwort: Zunächst einmal zur Definition von „transitional period“[Übergangsperiode]: da gebe es keine. In Syrien betrachte man das Konzept „political transition“ [eines politischen Übergangs] als Fortschreiten von einer Verfassung zu einer anderen. Dabei bestimme die Verfassung die Form des erwünschten politischen Systems während der Übergangsperiode. Demnach sollte die Übergangsperiode unter der bestehenden Verfassung fortdauern und dann zur nächsten Verfassung schreiten, nachdem die syrische Bevölkerung darüber bestimmt habe. Bis dahin sei alles, was man aus syrischer Perspektive tun könne, eine [handlungsfähige] Regierung bereitzuhalten.
Die Übergangsstruktur oder –form manifestiere sich in einer Regierung, die das ganze Spektrum der syrischen politischen Kräfte mit einbegreife: Opposition, Unabhängige, die gegenwärtige Regierung u.a. Hauptaufgabe der Regierung sei es, eine [neue] Verfassung zu skizzieren, sie der Bevölkerung zur Abstimmung vorzulegen und dann die neue Verfassung umzusetzen. In keiner Verfassung, weder der syrischen noch der irgendeines anderen Landes stehe etwas von „transitional body“ [Übergangsgremium]. Das wäre auch unlogisch und einer Verfassung zuwiderlaufend. Was seien denn die Behörden dieses Gremiums? Wie solle es die alltäglichen Geschäfte für das Volk führen. Wer würde es kontrollieren? Jetzt existiere ein Parlament und eine Verfassung mit Bestimmungen, der die Regierung und das Staatswesen unterworfen seien. Demnach könne die Lösung nur in der Ausformung einer Regierung der nationalen Einheit bestehen, welche eine neue Verfassung ausarbeite.
Frage 6: Gerade nach dem Mechanismus dieser Ausformung wolle er fragen. Wer werde die Ernennungen vornehmen? Werde das das am 13.4.2016 gewählte Parlament sein oder der Präsident persönlich? Oder erlaube der Präsident eine internationale Vorgabe? Wie werde die Regierung gebildet?
Antwort: Das sei die Zielsetzung für Genf: ein innersyrischer Dialog, in dem man sich auf die Bildung dieser Regierung einige. Sicherlich sei bis jetzt kein endgültiges Konzept vorhanden, weil die anderen Parteien sich bislang mit den Grundlagen nicht einverstanden erklärt haben. Einige haben sich einverstanden erklärt. Doch erst wenn alle einvestanden sind wird besprochen werden, wie sie umgesetzt werden. Es ist selbstverständlich, daß es unabhängige, oppositionelle und zur Regierung stehende Kräfte gibt. Das sei grundsätzlich so. Wie solle die eigentliche Verteilung aussehen? Es gebe ja Ministerien mit Geschäftsbereich und ohne und Minister, die ohne jegliche Erfahrung im Staatswesen an der Regierung teilhaben wollen. Wie würden jene an die Tagesgeschäfte herangehen? Es gebe also viele Detailfragen, die in Genf innersyrisch zu diskutieren seien, doch seien diese nicht kompliziert. Er glaube, nicht, daß sie kompliziert seien. Alle diese Fragen seien lösbar. Das Parlament habe in diesem Prozeß dabei keine Rolle, sondern nur die Regierung und die Opposition außerhalb Syriens. Das Parlament überwache die Arbeit der Regierung, ernenne sie in Syrien aber nicht.
Frage 7: Ob der Präsident denke, die Zusammensetzung des nächsten Parlaments werde buntgemischt (multi-colored) sein.
Antwort: Das hänge von der Wählerschaft in Syrien ab. Werde es neue Färbungen in der syrischen Gesellschaft geben? Oder anders gesagt: es sei nicht genug, was sich bei den Parlamentswahlen 2000abgespielt habe, indem es neue Parteien gab. Man könne 100 Parteien gründen, doch das heiße nicht, daß diese alle dann automatisch bei den Wahlen präsentiert seien. Was sei die für Syrer eine annehmbare Wahlgestaltung? Solcherlei entwickle sich ja nicht auf die Schnelle. Die Bürger bräuchten Zeit. Jede neue Partei müsse erst ihre Sicht der Dinge und ihr politisches Programm am Bürger überprüfen. Gerade in solch schwierigen Umständen wie jetzt oder möglicherweise auch von Natur aus wollten Menschen nicht viele neue Dinge ausprobieren. Eventuell, wenn sich die Sicherheitssituation bessere, sehe es damit besser aus. Bürger würden [wohl] künftig mehr politische Anteilnahme zeigen als bezüglich der Lebensbedingungen. Heutzutage dächten die Leute zunächst an deren (Über)leben und deren Sicherheit und dann erst an die Lebensumstände, die Kindererziehung und Gesundheitsfragen. Weiter Belange kämen nachrangig. Das sei der Grund, warum er – derzeit – nicht einen tatsächlichen bzw. radikalen Wandel erwarte.
Frage 8: Wie würden – von dem allen abgesehen – die militärischen Erfolge dem politischen Übergang helfen? Manche meinen ja, diese Erfolge machten die Regierungsposition bei den Genfer Gesprächen unnachgiebiger (tougher). Gefährde das nicht den politischen Prozeß?
Antwort: Das sei eine sehr bedeutende Frage, da es einige gebe, die der syrischen wie die russischen Regierung diesbezüglich Vorwürfe machten; da werde der russische Counterterrorismus hingestellt als Unterstützung für den syrischen Präsidenten und seine Minister und damit als Hindernis für den politischen Prozeß. Das träfe dann zu, wenn die syrische Regierung nicht von Anfang Flexibilität sondern kompromißlose Unnachgiebigkeit gezeigt hätte. Doch gehe man die fünf Jahre zurück, zeige sich, daß die Regierungspolitik auf alle Initiativen von allen Seiten eingegangen sei – ohne Ausnahme, sogar wenn sie nicht aufrichtig waren. Ziel sei gewesen, keine Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen, die syrische Krise zu lösen.
Als Antwort sei demnach derzeit zusammenzufassen, daß die russische Militärunterstützung, also von Seiten eines [wahren] Freundes Syriens, zusammen mit den Erfolgen der syrischen Armee zu einer Beschleunigung der politischen Lösung führten und nicht zu Gegenteil. Die syrische Regierung habe ihre Position nicht geändert im Vergleich zur Weit vor und nach Einsetzen dieser Unterstützung. Man sei nach Genf gegangen und weiterhin flexibel. Gleichzeitig haben diese Siege einen Einfluß auf die Streitkräfte und jenen Staaten, welche eine Lösung der Syrienkrise unterminieren. Insbesondere Saudi-Arabien, die Türkei, Frankreich und Großbritannien hofften inständig auf Niederlagen auf dem Schlachtfeld, um deren Bedingungen während der politischen Verhandlungen aufoktroyieren zu können. Daher hülfen die militärischen Erfolge und Fortschritte die politische Lösung zu beschleunigen statt sie zu behindern.
Frage 9: Wie denke der Präsident über ausländische Militärbasen auf syrischem Territorium in der Zukunft? Aufgrund welcher Konditionen würden sie Bestand haben? Und: brauche Syrien solche?
Antwort: Hinsichtlich der Zukunft, was den Terrorismus betreffe, ja, da brauche sie Syrien sicherlich, da sie sich als effektiv bei der Terrorismusbekämpfung erwiesen haben. Auch wenn sich die Situation in Syrien selbst wieder stabilisiere, sei die Terrorismusbekämpfung von der Sicherheitsperspektive her Keine kurze flüchtige Phase. Der Terrorismus habe sich Dekaden in der Region ausgebreitet und es brauche eine lange Zeit, ihn auszumerzen. Auf der anderen Seite gehe es nicht nur um den Counterterrorismus, sondern um die generelle internationale Situation. Unglücklicherweise habe der Westen seit den Zeiten des Kalten Krieges seine Politik nicht geändert, d.h. der Westen besteh darauf, die internationalen Entscheidungen zu dominieren. Und leider seien zudem die Vereinten Nationen nicht in der Lage, eine wirkliche Rolle bei der Befriedung der Welt zu spielen. Bis also die Vereinten Nationen diese ihre Rolle ernst nähmen blieben die ausländischen Militärbasen eine Notwendigkeit für Syrien, für Rußland, für das Mächtegleichgewicht in der Welt. Das sei nun einmal ein Factum ganz abgesehen davon, ob man dies begrüße oder nicht – derzeit seien die Militärbasen notwendig.
Frage 10: Von welchen Militärbasen genau sei gerade die Rede?
Antwort: Von den russischen. Andere gebe es nicht, da die Verbindungen zu Rußland (Russia) mehr als sechs Dekaden zurückreichten, basierend auf Vertrauen und eindeutiger Klarheit. Überdies baue die russische Politik auf Prinzipien auf wie auch die syrische. Daher bedeuteten die russischen Militärbasen auch keine Okkupation. Im Gegenteil verstärkten sie die freundschaftlichen Bande wie die Sicherheit. Und genau das wolle man.
Frage 11: Fasse der Präsident für Syrien eine föderale Staatsform ins Auge oder erlaube er sie? Und falls ja, wie würde die kurdische Selbstregierung aussehen? Wie weit würde sie gehen?
Antwort: Schon von der Geographie her sei Syrien zu klein für eine föderale Struktur. Möglicherweise ist es als Land kleiner als die meisten Staaten der russischen Föderation. Gesellschaftlich gesehen bedürfe eine Föderation einer Anzahl konstituierender Einzelgruppen, die ohne einander nicht existieren könnten. Aber das gebe es nicht in der syrischen Geschichte. Daher denke der Präsident nicht, daß Syrien für eine föderale Struktur bereit sei, schon vom Prinzip her nicht. Es existierten keine natürlichen bedingenden Faktoren dafür. Jedoch als Staatsvertreter laute die Antwort, worauf auch immer die syrische Bevölkerung sich einige, werde geschehen. Die Frage der Föderalisierung sei mit der Verfassung verknüpft und diese stütze sich auf den Volkswillen.
Allerdings gebe es ein Konzept, welches hinsichtlich der Kurden korrekturbedürftig sei. Die meisten Kurden wollten in einem geeinten Syrien leben unter einer zentralen Regierung, nicht in einem föderalen System – im politischen Sinn. Man solle daher nicht die wenigen Kurden, die ein föderales System anstrebten in einen Topf werfen mit all den anderen Kurden. Möglicherweise gibt es andere, sehr kleine Bevölkerungsteile, die ebenfalls einen Föderalismus anstrebten, nicht nur kurdische. Doch die Idee des Föderalismus sei kein generelles Vorhaben in Syrien, weshalb er nicht glaube, daß er – zur Wahlentscheidung gestellt – eine Unterstützung im Volk finde.
Frage 12: Nun werde aber über eine neue Verfassung gesprochen. Stimme er darin überein, daß deren Umrisse bis August fertig sein könnten? Das sei das von John Kerry in seinen Gesprächen mit dem Kreml angesetzte Datum, wobei die russische Position hierzu noch nicht bekannt gemacht worden sei. Es sei demnach nur die Position, die Kerry gegenüber Moskau mitteilte.
Antwort: Der Entwurf könnte binnen weniger Wochen in vorliegen. Die Experten seien vorhanden wie auch Vorstellungen, die zusammengetragen werden müßten. Was Zeit erfordere, sei die Diskussion. Die Frage sei demnach, wie lange das Ausgestalten der Verfassung dauere. Doch was sei der politische Prozeß, durch welchen man zur Verfassungsdiskussion gelange? Als Staatsvertreter könne man den Entwurf vorlegen und zur Abstimmung stellen. Wenn man aber über politische Kräfte spreche, wer seien diese? Das wisse man nicht. Diese Frage habe man de Mistura gestellt. Er wußte sie auch nicht. Selbst die Amerikaner wußten keine zu nennen. Der Westen und einige andere Länder, besonders Saudi-Arabien möchten am liebsten die andere Seite [d.i. die oppositionelle] auf die ar-Riyâḍ-Opposition beschränkt wissen, welche Terroristen einschließt. Die Opposition sollte sich als eine darstellen. Doch die existiere nicht. Danach verhandele man über die Verfassung. Davon abgesehen klinge die Zeitspanne bis August gut und ausreichend.

Teil II:

Frage 1: Es gebe da einige, die nach vorgezogenen Präsidentschaftswahlen in Syrien riefen. Sei der Präsident dafür bereit?
Antwort: Diese Frage habe sich im gegenwärtigen Prozeß nicht gestellt. Geplant sei, daß verfassungsgemäß Parlamentswahlen abgehalten würden. Diese würden das Ausmaß der politischen Kräfte im Land zeigen. Darauf würde konsequenterweise eine neue Regierung nach den von den Parteien erzielten Stimmanteilen im neuen Parlament gebildet. Präsidentschaftswahlen seien ein völlig anderer Sachverhalt abhängig von der politischen Situation in Syrien, nämlich, ob ein Volkswille nach vorgezogenen Präsidentschaftswahlen bestehe. Wäre der gegeben, dann habe er als Präsident kein Problem damit. Das sei ganz natürlich in Reaktion auf den Volkswillen und nicht auf den einiger oppositioneller Gruppen. Die Frage gehe jeden syrischen Bürger an, da jeder eine Stimme für die Präsidentenwahl besitze. Prinzipiell gesehen habe er also keinerlei Problem damit, da kein Präsident ohne Unterstützung der Bevölkerung handeln könne. Wenn ein Präsident diese besitze, solle er immer auf solch einen Schritt vorbereitet sein. Demnach habe er prinzipiell kein Problem damit, doch um diesen Schritt zu tun, bedürfe es des Volkswillens in Syrien dazu, nicht der Meinung der Regierung oder des Präsidenten.
Frage 2: Dennoch sei die Meinung des Staatsführers für die Bevölkerung bedeutsam. Daher wolle er fragen, ob der Präsident dafür sei, daß das Staatsoberhaupt (der Präsident) vom Parlament gewählt werde, wie das in vielen Ländern der Fall sei. Habe der Präsident ein Übereinkommen mit Syrern außerhalb des Landes erreicht darüber, wie jene an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen könnten? Hierüber werde viel gesprochen. Welche Methode würde er wählen? Welche sei die angemessenste für Syrien?
Antwort: Der Meinung des Präsidenten nach sei für Syrien die Wahl direkt durch das Volk nicht durch das Parlament die beste Lösung. Das befreie ihn vom Einfluß verschiedener politischer Kräfte und verweise den Bezug, daß er einzig dem allgemeinen Volkswohl dienstbar sein solle (be subject only to the general popular condition). Seine persönliche Anschauung sei, dies sei die bessere Alternative in diesem Fall.
Je größer die Teilnahme der Syrer an den Wahlen ausfalle – schließlich sei jeder mit einem syrischen Paß oder Ausweis zugelassen – desto mehr Kraft besitze die Wahl zur Legitimierung des Staates, des Präsidenten und der Konstitution, welche diesen Prozeß regele. Das schließe jeden Syrer, ob innerhalb oder außerhalb der Landesgrenzen mit ein. Doch die Wahlen außerhalb der Landesgrenzen durchzuführen, sei eine verfahrenstechnische Frage, die nicht innerhalb der politischen Planung diskutiert werde. Jeder Syrer überall in der Welt habe das Recht zu wählen, doch sei noch nicht diskutiert worden, wie diese Wahlen durchgeführt werden sollten, da die Frage der vorgezogenen Präsidentschaftswahlen bislang nicht gestellt worden sei. Das sei verbunden mit den Verfahrensweisen, die jenen [außerhalb Syriens] zu einem vom syrischen Staat beaufsichtigten Wahllokal zu kommen ermöglichten.
Frage 3: Wie beurteile der Präsident den Rekonziliierungsprozeß in Syrien? Habe er eine Menge Partner? Gebe es möglicherweise Gruppen, mit denen er unter irgendwelchen Umständen nicht bereit sei, über die Zukunft Syriens zu diskutieren? Welche Gruppen seien das? Wie stehe es mit internationalen Friedenssicherungstruppen? Sei der Präsident bereit, solche – also UN-Truppen – zu akzeptieren, um die Rekonziliierungen beständiger zu machen?
Antwort: Die [Umsetzung der] Waffenruhe verlief relativ gut, besser als manche erwartet hätten, weil alle dachten, er würde scheitern. Man könne sagen, die Erfolgsrate bzgl. der Waffenruhe sei gut oder sogar ein bißchen besser als gut. Wie sein Gegenüber wisse habe es Verhandlungen zwischen der russischen und US-Regierung gegeben, um die Terrorgruppen zu identifizieren, jedoch habe es diesbezüglich keine Übereinkunft gegeben. Jedoch habe weder die russische Regierung noch sie syrische ihre Einschätzung betreffend der terroristischen Gruppen geändert. Es habe einen Vorschlag zur Vermeidung dieser Falle [tückischen Schwierigkeit] gegeben dahingehend, daß jegliche Gruppe oder Organisation, welche die Waffenruhe respektiere und sich dem Dialog mit der russischen oder syrischen Seite anschließe, betrachtet werde als eine, die sich von terroristischen Aktion ab- und der politischen zugewandt habe. Das versuche man zu erreichen. Daher halte er jetzt das Vorantreiben der Rekonziliierung wie das Weiterverfolgen der Verfahren mit den Militanten, welche ihre Waffen niederlegen oderzusammen mit der syrischen Regierung und den Freunden, die sie dabei unterstützen – besonders Rußland und der Iran – gegen den Terrorismus zu kämpfen für wichtiger als die Klassifizierung der Terrorgruppen. Für den Staat sei daher das grundsätzliche Prinzip bereit zu sein, jeden Militanten zu akzeptieren, welche die Waffen niederlegen wollten, mit dem Ziel, die Umstände wieder zu normalisieren und das Blutvergießen zu beenden.
Frage 4: Was sei aber mit den Friedenssicherungstruppen? Sei der Präsident bereit, diese ins Land zu lassen, um die Rekonziliierungen beständiger zu machen?
Antwort: Das sei unrealistisch, da deren Tätigkeit für gewöhnlich auf internationalen Übereinkünften basiere, welche von den Staaten eingehalten werden sollten. Welche seien aber diese Staaten? Im gegebenen Fall gebe es keine solchen Staaten. Da sei nur der syrische Staat auf der einen Seite, während die andere Seiten aus Terrorgruppen bestehe. Könnten die Vereinten Nationen ein Abkommen mit Terrorgruppen eingehen? Das sei völlig unlogisch.
Sogar wenn sie das wollten, welche wären diese Friedenssicherungstruppen? Diese seien unbekannt und unklar. Die Rede sei von Banden, welche aufträten, verschwänden, sich mit anderen verbänden und sich wieder voneinander trennten. Demnach sei das eine unklare Situation. Zur gleichen Zeit – von einer militärischen Perspektive gesehen – erforderte dies zwei Armeen, die auf beiden Seiten einer Grenze stünden, und in einem Abkommen genau die geographischen Positionen identifizierten. Doch all das existiere nicht. Falls demnach Syrien mit solchen Friedenssicherungstruppen einverstanden wäre, wie sollten diese dann agieren? Deshalb habe er gemeint, es sei unmöglich.
Frage 5: Wie bemesse der Präsident den Beitrag Rußlands, also der russischen bewaffneten Kräfte zum Erfolg im Kampf gegen der Terrorismus in Syrien?
Antwort: Spreche man über die Fakten auf dem Boden, dann hätten jene seiner Meinung nach einen großen Erfolg gezeitigt, jemand anderes möge ihn für klein halten. Das differiere je nachdem, wie die Leute involviert [gewesen] seien. doch man brauche nur einen simplen Vergleich anstellen: Wie sei die Situation vor der russischen Intervention gewesen, als die westliche Koalition seit ihrer Gründung vor mehr als 18 Monaten auf dem Boden agierte? Der Terrorismus habe sich in Syrien wie im Irak weit ausgebreitet. Doch wie sei die Situation nun nach sechs Monaten russischer Intervention? Die terroristischen Kräfte zögen sich zurück, besonders der IS. Die Realität bezeuge vom syrischen Standpunkt aus demnach, daß die Russen einen großen Erfolg erzielt hätten, besonders in großem Ausmaß auf dem militärischen Gebiet, also auf dem Schlachtfeld bei der Bekämpfung des Terrorismus. Doch wie auch immer, der Kampf sei noch nicht vorbei, sondern dauere noch an.
Frage 6: Zurückkommend auf die russischen Basen habe Staffan de Mistura in einem in Genf vorgelegten Plan vorgeschlagen, keine ausländischen Kräfte in Syrien stationiert zu haben. Denke der Präsident, Syrien brauche z.B. die Basis in Ḥumaimîm dauerhaft. 
Antwort: Zunächst einmal, ausländische Kräfte in einen gewissen Staat einzuladen sei das Recht jenes [einladenden] Staates. Das ist das Recht staatlicher Souveränität. Derlei gebe es in vielen Staaten der Welt. Daher könne dies niemand unterbinden, außer es gebe eine Verfassung, welche das klar beinhalte und aussagte, daß ausländische Kräfte einzuladen verboten sei. Doch solch eine Verfassung bestehe derzeit nicht. Außerdem glaube er nicht, daß die öffentliche Meinung in Syrien den Stop der russischen Unterstützung und damit den Abzug der russischen Kräfte wolle, ob jetzt oder künftig.
Zum zweiten befinde sich Syrien unter den gegebenen Umständen mitten in einem Kampf. Der sei noch nicht zu Ende. Daher bemesse sich die Antwort bzgl. der Basis Ḥumaimîm und der Größe der dort stationierten Kräfte proportional zu den Pflichten, die diese auszuüben hätten wie zum Ausmaß des Terrorismus in Syrien. Der sei noch stark. Freilich sei man zusammen mit den russischen Kräften erfolgreich [dagegen vorgegangen] beim Reduzieren der Areale, in denen er existiere, doch er sei noch stark und Freiwillige kämen immer noch von außerhalb nach Syrien. Die Türkei unterstütze fortlaufend. Den Terrorismus, ebenso Saudi-Arabien und andere. Demnach dürfe das Ausmaß der Kräfte auf der Basis nicht geringer sein als für den Abwehrkampf gegen den Terrorismus nötig seien. Wenn dieser völlig zunichte gemacht sei, würde die Diskussion anders aussehen. Er glaube, daß dann der russische Staat von sich aus seine [stationierten] Kräfte reduzieren werde, wenn sie keine Pflichten mehr zu erfüllen hätten. Das wäre dann eine andere Diskussion[sgrundlage].
Frage 7: Doch diese [russischen] Kräfte seien schon reduziert worden. Dennoch seien einige wegen der Aufstellung der S-400-Luftabwehrsysteme in umaimîm besorgt. Bis wann würden diese Systeme nach Ansicht des Präsidenten bleiben? Gebe es da einen Zeitplan? Habe er Rußland gebeten, ihm dieses System zu überlassen?
Antwort: Er glaube, daß die Parteien, welche sich gereizt zeigten wegen der russischen Präsenz, gereizt seien wegen der russischen Bekämpfung des Terrorismus. Hätte Präsident Putin entschieden, daß diese Kräfte die Terroristen unterstützten, hätten ihm jene Seiten applaudiert. Das sei das Problem mit westlichen Staaten. Sie hätten ein Problem mit einer derzeit bestehenden russischen Basis.
Doch es gebe noch einen anderen Aspekt: jene wollten keine russische Präsenz in der internationalen Arena, weder politisch, noch militärisch, noch wirtschaftlich. Demnach sei jede Aktion des russischen Staates – und Rußland sei nun einmal reell eine Erster-Klasse-Supermacht und keine zweitrangige, wie die Amerikaner sie gerne hätten – ein Ärgernis für den Westen ganz generell. Darum reagierten sie gereizt. Die Beibehaltung der russischen Kräfte in Syrien, hänge – wie schon zuvor gesagt – mit der Frage der Terrorismusbekämpfung zusammen und später mit der geopolitischen Lage in der Welt.
Ein kleiner Staat wie Syrien – und viele andere kleine Staaten – fühle sich sicherer und besser, wenn international eine Balance herrsche. Wenn also ein Teil dieser Balance in einer militärischen Aktion oder militärischen bestehe, dann sei er in Syrien willkommen geheißen, weil das dem eigenen Staat politisch weiterhelfe. Das sei eine entscheidende Frage für Syrien und viele Länder der Welt.
Nachhakende Zwischenfrage: Gebe es damit keine Gespräche über Zeitplan für die Überlassung der S-400-Luftabwehrsysteme an die syrische Armee?
Antwort: Nein, die gebe es derzeit nicht. Und das stehe in keinem Zusammenhang mit al-Lâḏa­qiyya. Das habe direkt mit den Verträgen zwischen dem syrischen Staat und der russischen Armee zu tun, also Lieferverträgen.
Frage 8: Könne man das Volumen dieser Verträge bzgl. russischer Waffenlieferungen für die syrische Armee beziffern? Worin bestünden die neu unterzeichneten Verträge?
Antwort: Unter den gegebenen Umständen bestehe der Focus auf den Waffen, die direkt für die Terrorismusbekämpfung benötigt würden.
Frage 8: Könne man das Volumen dieser Verträge bzgl. russischer Waffenlieferungen für die syrische Armee beziffern? Worin bestünden die neu unterzeichneten Verträge?
Antwort: Unter den gegebenen Umständen bestehe der Focus auf den Waffen, die direkt für die Terrorismusbekämpfung benötigt würden, also eher mittlere und leichte Waffen. Konsequenterweise sei es derzeit im gegebenen Fall und dem gegebenen Typus des Krieges nicht nötig, den Focus auf strategische Waffen zu lenken. Bzgl. des Volumens solcher Verträge in finanzieller Hinsicht pflege man diese gewöhnlicher weise nicht öffentlich zu machen. Das bleibe zwischen der syrischen und russischen Armee.
Frage 9: Übergehend zu einem eher friedlichen Thema, wie bereite sich der Präsident auf die Parlamentswahlen am 13. April vor? Fühle er sich wohl mit dem, was vor sich gehe?
Antwort:  Das Gute daran, was vorgehe, sei, daß es nach fünf Jahren des Krieges, des Versuches, den syrischen Staat zu zerstören und des Anschlags (strike) gegen seine von der Verfassung vorgegebene Struktur, trotz allem möglich sei, diese auf verfassungsrechtliche Weise durchzuführen. Das beweise, daß der Staat und die Einheit des Landes nach wie vor Bestand habe trotz des Terrorismus.
Das andere, Positivere für ihn als Person sei, daß die Teilnahme an den Parlamentswahlen in Syrien beispiellos sei. Es sei – in Zahlen ausgedrückt – die größte hinsichtlich der aufgestellten Kandidaten, die aus den vielen Vorwahlen hervorgegangen seien. Das könne man dem Factum zurechnen, daß die Syrer unbeirrt an der Verfassung festhielten und [die Wahl] ein Ausdruck der Hoffnung auf Stärkung der Legitimität ihres Staates und ihrer Verfassung sei. Das sei ein machtvoller Bevölkerungsindikator.
Konsequenterweise fühle er sich also hinsichtlich der erst und nächst genannten Faktoren sehr wohl.
Nachhakende Zwischenfrage: Bislang finde der politische Prozeß in Syrien unter den Bedingungen eines [fremden] Eingreifens in das Land statt, möglicherweise eines nicht völlig angekündigten Eingreifens, doch die Türkei beschieße fortwährend syrisches Territorium. Gebe es da eine rote Linie, bei deren Überschreiten es mit der Geduld zu Ende sei und der Präsident damit wie mit einer direkten Aggression umgehe? Gebe es eine rote Linie, deren Überschreiten durch intervenierende Länder wie die Türkei oder Saudi-Arabien ihn zu schärferen Aktionen zwinge ?
Antwort: Hinsichtlich der Türkei als erstes und dann bzgl. Saudi-Arabiens gesprochen, überschritten diese von den ersten Wochen, möglicherweise den ersten Monaten an jegliche roten Linien. Alles was jene vom Beginn an taten, war eine Aggression, eine politische wie militärische Aggression durch Unterstützung und Bewaffnung der Terroristen und eine indirekte indirekte Aggression durch deren Beschuß durch ihre Artillerie und bisweilen durch deren militärische Vergehen [gegen das Völkerrecht].        
Nachhakende Zwischenfrage: Was tue Erdogan?
Antwort: Zum ersten unterstütze jener die Terroristen direkt. Er erlaube ihnen, sich innerhalb der Türkei zu bewegen, um militärische Übungen mit ihren Panzern durchzuführen, und zwar nichts nur im individuellen Maßstab. Er statte sie mit Geld aus, welches aus Saudi-Arabien und Qaṭar via Türkei komme. Er verkaufe das vom IS geraubte Öl. Zur selben Zeit lasse er seine Artillerie feuern, um die Terroristen zu decken, wenn die syrische Armee anrücke. Er pflege türkische Terroristen schicken, um mit anderen Terroristen in Syrien zu kämpfen. Das komme ständig vor.
Die Aggression gegen das russische Flugzeug im syrischen Luftraum sei ebenfalls eine Aggression gegen Syrien gewesen, weil sich das Flugzeug im syrischen Luftraum aufhielt und konsequenterweise unter syrischer Souveränität befand. All das habe er seit Beginn an getan zusätzlich zu seinen Statements , welche Eingriffe in innere [syrische] Angelegenheiten bedeuteten. Alles was Erdogan getan habe sei eine Aggression in jeglichem Sinn des Wortes.
Man könne also sagen, man habe die Geduld und die Hoffnung auf Änderung dieser Person schon vor langer Zeit verloren. Doch heutzutage finde der Krieg gegen Erdogan und Saudi-Arabien mittels der Terrorismusbekämpfung statt, da heute Erdogans – nicht die türkische – Armee aus Terroristen im Kampf gegen Syrien bestehe. Bekämpfe man diese Terroristen in Syrien, führe dies direkt zur Bezwingung Erdogans. Demnach sollte die syrische Antwort als erstes innerhalb Syriens stattfinden. Er glaube, mit dem Besiegen des Terrorismus würden die Beziehungen gut sein, denn die türkische Bevölkerung sei nicht gegen Syrien und hege keine Animositäten gegen Syrien. Das gelte für den Fall, daß Erdogan an seinem Platz bleibe.
Frage 10: Letzen Herbst habe der Präsident Moskau besucht, um verschiedene Fragen zu erörtern. Worauf hätten er und Präsident Putin sich genau geeinigt? Seien Abkommen unterzeichnet worden? Was seien die Bestimmungen der schriftlichen Abkommen? Oder würden weiterhin Konsultationen untereinander geführt basierend auf einer privaten Beziehung zwischen ihm und Putin, die ihnen ermögliche, nicht alles zu Papier bringen zu müssen?
Antwort: Jener Besuch habe unter speziellen Umständen stattgefunden und zwar etwas weniger als zwei Wochen vor dem Beginn der russischen Unterstützung der syrischen Streitkräfte. Demnach bestehe kein Zweifel darüber, daß die Agenda des Besuchs davon bestimmt worden sei. Er sei das Hauptthema gewesen und die gemeinsame Vision von Präsident Putin und ihm über die nächste Phase der Terrorismusbekämpfung und politischen Aktion. Auf diese beiden Punkte allein habe sich der Besuch konzentriert. Es habe keine Abkommen gegeben, nur Konsultationen und Dialog. Auf diese beiden Punkte hätten sich sie beide fokussiert: zuerst die militärische Operation, welche dann begann, und die Notwendigkeit, gegen den Terrorismus zuzuschlagen. Der zweite Punkt habe darin bestanden, wie die Militäroperation den politischen Prozeß unterstützen könne. Präsident Putins Fragen hätten sich um dieselben Punkte gedreht, die der Interviewer vor kurzem angesprochen habe, also über die eigene Sichtweise zum politischen Prozeß, welcher in Genf starten sollte.
Der zweite Punkt habe darin bestanden, wie die Militäroperation den politischen Prozeß unterstützen könne. Präsident Putins Fragen hätten sich um dieselben Punkte gedreht, die der Interviewer vor kurzer Zeit angesprochen habe oder irgendeinem anderen Platz zur damaligen Zeit starten sollte. Dies seien die einzigen diskutierten jenes Besuches gewesen.
Frage 11: Der Korrespondent bedankt sich beim Präsidenten für das offenherzige Interview. Womöglich gebe es etwas, wonach er hätte fragen sollen, es jedoch nicht tat. Wolle der Präsident daher etwas hinzufügen?
Antwort: Vor allem wolle er sich für den Besuch des Interviewers in Syrien unter den besonderen Umständen bedanken; und er möchte mitteilen, daß er durch die bedeutende [russische] Medienorganisation [von Ria Novosti mit Sputnik] überzeugtermaßen den Dank eines jeden syrischen Bürgers an jeden russischen Bürger übermitteln können für die Unterstützung, die Rußland Syrien während der Krise habe zu Teil werden lassen, sei sie moralischer, humanitärer und wie kürzlich militärischer Art.
Jeder russische Bürger sei ein primärer Unterstützer von Präsident Putin bei seiner Entscheidung hierzu gewesen. Trotz der schwierigen Umstände heute erfahre man die Freude über die Wiedergewinnung der Stadt Tadmur mit Palmyra als Teil des Welterbes der Menschheit. Zusätzlich zur syrischen Armee, die zur Wiedergewinnung der Stadt bestimmt gewesen sei, habe in der eigenen wie allgemeinen Meinung Rußland eine größere Rolle gespielt wie auch der Iran und andere Kräfte, welche mit Syrien zusammen kämpften. Nochmals wolle er jedem russischen Bürger vermittels des Interviewers danken und erklären, daß die Beziehungen, die über eine Periode von 60 Jahren aufgebaut worden seien, enger und solider geworden seien. Zudem habe man eine große Hoffnung bzgl. der russischen Rolle in der globalen Arena, und nicht nur in Syrien, bei der Bekämpfung des Terrorismus und der Wiederherstellung der Balance in der globalen Politik. Danke fürs Kommen.

Teil III

Frage 1: Es stehe außer Frage, daß die Befreiung von Tadmur mit Palmyra international Schlagzeilen machte. Der Ansicht des Interviewenden nach sei das bislang nicht vollkommen verstanden worden. Signifikanterweise sei dies erfolgt nach dem Abzug eines großen Teils der russischen Streitkräfte aus dem Land. Wie sei es dazu gekommen und welche Städte würden als nächstes folgen?
Antwort: Ja, das sei nicht verstanden worden. Wahr sei auch, daß einige in der Welt das verstanden hätten, aber die hätten es nicht glauben wollen. Jetzt, zwei Tage nachdem Tadmur befreit worden sei, hätten etliche Länder, die eigentlich an der Terrorismusbekämpfung beteiligt oder Teil der US-geführten Koalition dazu seien, keine Stellung zur Befreiung von Palmyra bezogen hätten. Er wolle da ganz klar sein: Vor allem habe man in Syrien nichts vom französischen und britischen Regime gehört, keinerlei Kommentar und das seien die Gründe dafür: erstens, die Besetzung von Palmyra durch die Terroristen vor weniger als einem Jahr habe das Versagen der [o.e.] Koalition bewiesen wie deren nicht ernsthafte Bekämpfung des Terrorismus, insbesondere des IS aufgezeigt.
Was die Frage der eigenen Möglichkeiten hierzu angehe, so bestehe der Wille, Syrien vollständig von den Terroristen zu befreien. Das unterliege keiner Diskussion und es gebe keine andere Alternative, Syrien zu schützen als durch die Terrorismusbekämpfung, freilich parallel zum politischen Prozeß. Doch der Abwehrkampf sei das Essentielle. Somit hätten sie, die syrischen Einwohner, den [unbedingten] Willen [hierzu] und die syrische Armee sei entschlossen, jegliche Region zu befreien.
Gleichzeitig sei die Unterstützung seitens der Freunde, die russische Unterstützung essentiell und effektiv gewesen für diesen Erfolg. Auch die Rückendeckung durch die iranischen Freunde und die Hilfe der Ḥizbullâh sei ebenfalls wichtig gewesen. Es gebe noch weitere Gruppen, welche mit der syrischen Armee zusammen kämpften. Freilich sollte man sich nach Befreiung von Palmyra den umgebenden Arealen in Richtung Osten zuwenden wie der Stadt Dair az-Zaur. Zur selben Zeit wolle man gen ar-Raqqa vorrücken, welche derzeit den Hauptstützpunkt der IS-Terroristen ausmache.
Frage 2: Syrien sei ja reich an Geschichte. Wie sehe der Präsident seine Rolle in der Landesgeschichte und wie werde er seiner Meinung nach in der Zukunft durch Historiker wahrgenommen werden?
Antwort: Das hänge von den Historikern und davon ab, wie objektiv sie seien. Es sei ja bekannt, daß Geschichte oft unrichtig geschrieben werde. Und in diesen Tagen, gerade in der Gegenwart werde viel gefälscht. Doch gehe man davon aus, die Beurteilung sei objektiv und die Beschreibung wahrheitsgemäß, meine er, daß die Historiker und das syrische Volk am besten qualifiziert seien, jene Beurteilung abzugeben. Zu sich selbst könne er keine Bewertung abgeben. Jedoch hoffe er, er könne als erstes jemand sein, der sein Land angesichts des terroristischen Angriffs bewahrt habe, von welchem man in den drei vergangenen Dekaden oder möglicherweise während der letzten Jahrhunderte hinsichtlich Brutalität und seines Wesens nicht gehört hatte, und zweitens die Person, die die Region erhalten habe, da Syrien einer der größeren Staaten dieser Region sei. Wäre der Staat Syrien vollends zusammengebrochen mit nachfolgendem Chaos, dann wäre die gesamte Region sicherlich nicht [mehr] sicher gewesen. Das sei es, was er für die Zukunft bezüglich der Wahrnehmung seiner Person hoffe.
Frage 3: Ein Großteil des Geschehens in Syrien habe globale Bedeutung. Was sei der Rat von Dr. al-Assad für einen Staatspräsidenten, der sich einer ähnlichen Situation wiederfinde, auf die Syrien zurückblicke?
Antwort: Zum ersten hoffe er, daß kein Staat und keine Nation durchmachen müsse, was Syrien durchgestanden habe. Das sei inhuman gewesen. Doch man lebe heute in einer Welt ohne internationales Recht. Es gebe keine Moral im politischen Handeln. Damit könne alles irgendwo in der Welt passieren. Was er jedoch auszudrücken versucht habe, basierend auf der Erfahrung in Syrien, sei: erstens, jede Art von Fanatismus, ob religiöser, politischer, sozialer Art oder bzgl. welcher Idee auch immer, sei zerstörerisch für die Gesellschaft. Fanatismus sollte beim Prozeß der Gesellschaftsbildung gemieden werden. dies sei die Pflicht eines Staates, die Pflicht aller anderen Teile der existierenden Gesellschaft und die jedes einzelnen Bürgers.
Zweitens, falls sich eine solche oder andere Krise in irgendeinem Land einstelle, sei das Erste, was irgendeine Amtsperson wissen sollte, daß das Land durch seine Bevölkerung beschützt werde. Wenn er einen Schritt zur Lösung der Krise vorhabe, sollte dieser auf den Bräuchen, Traditionen und der Geschichte wie dem gegenwärtigen Wunsch der Bevölkerung basieren. Die Lösung könne nicht von außerhalb kommen. Freunde könnten einem helfen, wie es derzeit der Fall mit Rußland und dem Iran sei, doch wenn kein Wille im Innern dazu bestehe und es keine gute Beziehung zwischen Staat und Bevölkerung gebe, gebe es keine Lösung.
Die bedeutendste Lektion, die man gelernt habe, die wohl lange Zeit bekannt gewesen sei, sei, daß der Westen und westliche Länder, nicht aufrichtig seien. Deren politisches Handeln bewege sich weit entfernt von Prinzipien, dem Völkerrecht und den Vereinten Nationen. Dem Westen könne man nicht vertrauen bei der Lösung irgendeines Problems. Je besser die Freunde seien, desto schneller komme es zu einer Lösung und zu weniger Verlusten. Demnach müsse jeder Amtsträger die richtige Entscheidung treffen, welche die dem eigenen Land [wirklich] freundschaftlich verbundenen Länder seien, welche ihm in der Krise beistünden.
Frage 4: An einem bestimmten Punkt werde der Krieg in Syrien enden, doch das Land werde als ein anderes daraus hervorgehen. Wie werde Syrien nach dem Krieg sein? Wie wolle der Präsident es sehen?
Antwort: Die angesprochene Wandlung habe sich seiner Meinung nach schon zu vollziehen begonnen, schon die letzten paar Jahre über. Zu Beginn habe der Krieg viele Syrer geschockt und sie in die falsche Richtung denken lassen, ohne daß sie das realisiert hätten, weil die Medien, welche Stories erfanden, und wegen deren Unvermögen, die Wahrheit herauszulesen, welche damals im Nebel lag. Heute sei dagegen das Bild klar und er glaube, daß der stattgehabte Wandel auf der vorher erwähnten Idee basiere, daß vor allem aller Fanatismus ein Unding sei, besonders in einem vielfältigen Land wie Syrien. Es bestünde da eine große ethnische, religiöse und konfessionelle Vielfalt. Um also so leben zu können, wie angestrebt, müßten die Leute in Syrien miteinander leben in Akzeptanz und aufrichtigem, nicht aufgesetztem Zugetansein. Dessen Beginn habe man in der syrischen Gesellschaft gesehen. Er glaube, wenn man es in Syrien schaffe, die Krise friedlich zu überwinden, würde die syrische Gesellschaft sozial [gesehen] besser sein und Syrien wäre in der Lage, die historische Rolle besser zu spielen, die es in der Region innegehabt habe. Diese gegenüber der Gesellschaft offene Rolle würde eine Auswirkung auf andere Gesellschaften haben, weil diese Region eine einheitliche sei, gleiches gelte für die Stämme und die Sitten seien ähnlich. [We] Die arabischen und muslimischen Länder beeinflußten sich gegenseitig. Syrien sollte eine sehr wichtige Rolle in dieser Hinsicht spielen. Auf internationalem Level wäre das natürlich ein politischer Effekt. Es gebe politische Parteien, die teilnehmen wollten [am politischen Geschehen], und die nationale Beschaffenheit dominiere, nicht die Fasziniertheit vom Westen. So sehe er im Grunde Syrien nach der Krise.
Frage 5: Als Politiker und Individuum beobachte und sehe der Präsident täglich, wie Menschen im Land stürben. Viele seien gezwungen außer Landes zu fliehen. Sie ließen ihr Heim hinter sich. Damit könne man nicht konfrontiert werden ohne psychologische Auswirkungen. Wie gehe der Präsident damit vom menschlichen Aspekt aus? wie könne er eine solche bedeutende und schwierige Verantwortung schultern? Was sei die Art von Unterstützung, die er erfahre, und wer seien die Personen, die ihn unterstützten?
Antwort: Das sei so wahr. Man erlebe diese Situation jeden Tag, jede Stunde. Wenn man Nachrichten erhalte über die Ermordung und Verletzungen unschuldiger Menschen oder über die Gefallenen. Abgesehen davon, wie diese Person zu Tode kam, müsse man als Erstes daran denken, was passiere, mit deren Familie in emotionaler Hinsicht, bezüglich deren Lebensunterhalt oder in jeder anderen Hinsicht, und daß die Familie für lange Zeit in einem Zustand der Trauer leben werde. Dieses Thema beschäftige eine als Syrer auf täglicher Basis und es sei tatsächlich und wahrhaftig quälend schmerzlich.
Doch wenn man sich in einer verantwortlichen Position befinde, müsse man diese emotionale Seite beiseite schieben und den Schmerz in Taten umsetzen. Die bedeutendste Frage für einen Amtsträger in diesem Fall sei, was er als Resultat dessen tun wolle, wie er die beschützen wolle, denen kein Leid angetan wurde? Wie beschütze man jene, die noch am Leben seien, aber in nächster Zukunft zu den Opfern gehören könnten. Daher seien die beiden Hauptpfeiler, welche zu wirklichen Resultaten führten, um das Land zu beschützen: erstens der Counterterrorismus, was offensichtlich sei. Zweitens politisches Handeln, um zu beenden, was in Syrien vorgehe. Letzeres schließe politische Verhandlungen einerseits und solche mit den Militanten mit ein, die umkehren, den Staat stärken und wieder ein normales Leben leben wollten. Darin sei man in den vergangenen zwei Jahren schon sehr erfolgreich gewesen.
Die Hauptfrage angesichts dieser beiden schwierigen Umständen bleibe jedoch, wie eine Person die Fähigkeit besitzen könne, all diesen Druck auszuhalten? Für einen Amtsträger stamme die wahre Kraft, besonders die moralische und aktuelle Stärke von der Bevölkerung generell. Als Syrer, Amtsperson und Individuum entstamme diese den Familien der Getöteten [martyrs] und Verwundeten in Syrien, weil sie den höchsten Preis bezahlten, doch umgekehrt sagten jene dauernd, sie hätten ihr Opfer gebracht für die Heimat. Kein Zweifel bestehe, daß die Haltung [Kampfgeist] dieser Familien einem erlaube, weiterhin das eigene Beste zu tun, um das Problem zu lösen.

 

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Präsident Dr. al-Assad im ARD-Interview vom 1.3.2016 (http://www.sana.sy/?p=345544, http://sana.sy/en/?p=70991)(paraphrasierende Wiedergabe in Deutsch)

ARD-Interview, Photoquelle: SANA

ARD-Interview, Photoquelle: SANA

Korrespondent Thomas Aders bedankt sich vielmals dafür, daß der Präsident für das Interview zur Verfügung steht.
Präsident Dr. al-Assad heißt den Journalisten in Syrien willkommen.

Frage 1: Beim Filmen an der Umayyaden-Moschee am Vortag hätten sich Gespräche mit Bürgern über die Waffenruhe ergeben. Einem jungen Verkäufer zufolge könnte der Tag von dessen Ausrufung einmal ein „historischer“ genannt werden. Denke der Präsident ebenso und sei die gegenwärtige Zeit „speziell“ innerhalb der syrischen Geschichte aufzufassen.
Antwort: Er hoffe es eher als daß er das ebenso sehe, da es sich um eine Einstellung der Feindseligkeiten handele, die ausgerufen worden sei. Es sei daher ein Hoffnungsschimmer für die Syrer, für alle ihn eingeschlossen. Doch bei jeder Waffenruhe, jeder Einstellung von Feindseligkeiten, jeder ähnlichen Einigung handele es sich um eine beiderseitige Übereinkunft. Es sei schwer, diese zu bewahren, wenn nur eine Seite das anstrebe. Im vorliegenden Fall sei es eine multilaterale Abmachung, multilateral umfasse hier mehr als 100 terroristische Fraktionen und deren Unterstützerstaaten. Man könnte sagen, es gehe um zwei verschiedene Lager mit unterschiedlichen, einander widersprechenden Zielen, die mit der Waffenruhe verfolgt würden. Demnach könne man nur hoffen. Die Regierung tue dabei ihren Job, um die Waffenruhe zu einem Erfolg werden zu. Nur reiche ein guter Wille hierzu nicht aus.
Frage 2: Was tue er als Präsident und die Regierung für den Erfolg der Waffenruhe?
Antwort: Zwar bestehe die Waffenruhe erst seit 48 Stunden, doch – wie zu erleben gewesen sei – hätten die Terroristen die Abmachung vom ersten Moment an gebrochen. Die syrische Armee habe dennoch Zurückhaltung geübt und nicht auf die Attacken geantwortet, um der Waffenruhe eine Chance zu geben. Mehr könne man nicht tun. Aber alles habe sein Limit. Es liege an der Gegenseite.
Frage 3: Warum habe es solange gedauert bis zu solch einer Vereinbarung?
Antwort: Es habe nicht solange bis zum Zustandekommen einer Vereinbarung gedauert. Nur die anderen Länder, die, welche die Supervision über Terroristen innehatten, brauchten so lange, diesen herbeizuführen, vor allem die Amerikaner. Die begannen erst vor wenigen Monaten, darüber zu sprechen. Die Regierung dagegen habe auf lokaler Basis seit Beginn daran gearbeitet, bekannt geworden als „local reconciliation“ [Reconciliierungsbestrebungen], was Waffenruhe und Amnestie beinhaltete, um ins normale bürgerliche Leben zurückzukehren oder sich eventuell gar der SAA im Counterterrorismus anzuschließen. Dieser Prozeß habe schon Jahren begonnen und seit Jahren auch Erfolg gezeitigt. Doch sei das etwas anderes, das schon in der Vergangenheit wiederholt und umfassend stattgefunden habe, wenn auch nicht allumfassend [wie jetzt].
Frage 4: Vor drei Tagen in Dârayâ sei ein Bombardement von der Gegenseite zu beobachten gewesen. Sei das nicht eines der Probleme von Syrien, wer zu entscheiden habe darüber, wer da nun schieße, Terroristen wie der IS oder Rebellen? Das müsse doch der Präsident entscheiden? Demnach liege der Frieden doch in den Händen des Präsidenten.
Antwort: Was sei damit gemeint, der Friede liege in den Händen des Präsidenten?
Frage 5: Die Entscheidung, des Präsidenten, loszuschlagen oder nicht und gegen wen?    
Antwort: Das sei richtig. Wenn es um eine solche Abmachung gehe, habe man sich zweierlei zu fragen: wie sehe es geographisch aus, im militärischen Sinn; hierzu müsse man seine Arbeit tun, die Kriterien bzw. Mechanismsn festlegen, um die Waffenruhe zu überwachen. Bis zum jetzigen Moment sei es diebezüglich wie schon vor 24 Stunden zu Beginn der Umsetzung der Waffenruhe festgestellt: es existierten keine solchen Karten. Die Übereinkunft sei noch nicht ausgereift. Wenn das der Fall sei, könne man eine der verantwortlichen Seiten auch für die Durchsetzung der Vereinbarung verantwortlich machen                                   
Frage 6: Theoretisch gesprochen, er, der Interviewer sei ein Rebell, kein Terrorist oder Anhänger vom IS oder Ğabhatu_n-Nuṣra, z.B. von der FSA, was müsse er dann tun, um künftig wieder als syrischer Bürger zu gelten?
Antwort: Er brauche nur seine Waffen niederzulegen bzw. bei der zuständigen Behörde abzugeben. Ob er nun an einer Beteiligung am politischen Prozeß interessiert sei oder nicht, spiele keine Rolle. Ausschlaggebend für ihn sei nur, ob rein juristisch oder verfassungsrechtlich gesehen bzw. basierend auf dem Interesse der syrischen Bürger – das Prinzip eines jeglichen Staates, wonach es keinem Bürger gestattet ist, mit Maschinengewehren gegen andere vorzugehen, Mitmenschen zu verletzten oder deren Besitz zu beschädigen. Allein darauf komme es an, sonst gebe es keine Voraussetzungen. Wie schon früher gesagt, werde all jenen Amnestie gewährt und zwar egal, ob sie sich nachher der SAA im Counterterrorismus anschlössen oder am politischen Prozeß im Land teilnähmen oder nicht.
Frage 7: Biete er demnach tatsächlich allen Rebellen Amnestie an?
Antwort: Selbstverständlich. Das sei umgesetzt worden und zwar mit Erfolg.
Frage 8: Warum könne die syrische Regierung nicht akzeptieren, daß es zwei Gruppen gebe, die terroristische mit dem IS und Ğabhatu_n-Nuṣra und die andere der Rebellen, sozusagen der Bürger. Wieso heiße es immer, man bekämpfe nur Terroristen?
Antwort: Wer auch immer Waffen geben seine Mitbürger oder deren oder öffentlichen Besitz benutze, sei juristisch als Terrorist anzusehen. Das werde in Syrien wie in der BRD so gehandhabt. Solche Personen, wenn auch als Rebellen oder „moderate opposition” tituliert, würden nicht geduldet. Eine „Opposition“, die per Waffengewalt an ihr Ziel zu kommen suche, werde nirgendwo geduldet.
Frage 9: Ob er nicht denke, da gebe es tatsächlich einen Unterscheid? Die Terroristen kämen vom Ausland, von Saudi-Arabien, Tschetschenien, von allen Ecken der Welt, während die Rebellen letztlich Syrer seien. Zu jedem Zeitpunkt der Diskussion hätte er mit ihnen sprechen sollen, warum nicht gleich?
Antwort: Das sei doch geschehen. Darüber habe er schon gesprochen. Das habe er mit Reconciliation gemeint. Das bedeute, mit den Militanten zu reden, denn mit einer Opposition erübrige sich das, denn man habe mit denen zu sprechen, die [einen] auf dem Schlachtfeld [be-]kämpften. Das habe die Regierung also schon umgesetzt und deshalb bestehe darüber Einigkeit.
Wenn allerdings die Sprache auf zwei unterschiedliche Arten [an Kämpfern] komme, die der Journalist Rebellen genannt habe, Syrer und Ausländer, müsse er wissen, daß diese zusammenarbeiteten. Man habe keine [separate] Gruppe von Ausländern in Syrien, sondern Ausländer und Syrer gemixt in derselben Gruppe, die auch dieselbe Ideologie teilten, dieselben Hoffnungen auf einen „Islamischen Staat“, wie sie ihn nennten oder etwas Ähnliches. Und ihre Ideologie sei eine, die keinerlei andere dulde, die ihr nicht gleiche.
Frage 10: Der Präsident habe einem Übergangsprozeß zugestimmt. Was seien die nächsten Schritte?
Antwort: Derzeit gehe es darum, eine Regierung der nationalen Einheit zu haben, an der sich wer auch immer beteiligen könne. Diese Regierung sollte die nächste Verfassung vorbereiten. Nach dieser Verfassung sollten Parlamentswahlen stattfinden, um die kommende Form des syrischen Staates zu bestimmen oder anders ausgedrückt: das neues Syrien. Das seien die Hauptschritte während des Übergangsprozesses.
Frage 11: Thomas Aders erklärt, er sei 2012 während der ersten* Wahlen, der Parlamentswahlen vor vier Jahren, im Land gewesen. Wie könne der Präsident da Wahlen während des Bürgerkrieges für durchführbar halten?
Antwort: Vor allem anderen handele es sich nicht um einen Bürgerkrieg, diese Definition sei falsch. Einen Bürgerkrieg kennzeichneten gewisse Fraktionen, Geschsellschaftsfraktionen, man könnte auch von konfessionellen oder ethnischen Fraktionen oder ähnlichen sprechen [die einander bekämpften]. Doch solche gebe es derzeit in Syrien nicht. In den staatlich kontrollierten Gebieten lebten alle unterschiedslos zusammen. Darin sei jeder Teilbereich des sozialen Spektrums Syriens vertreten. Daher könne man nicht von Bürgerkrieg reden. Derzeit stünden sich der Terrorismus und der Rest [kämpfend] gegenüber.
Dann zu den Wahlen. Die seien vor allem kein Steckenpferd, das der Sichtweise des Präsidenten oder der Laune Regierung unterliege. Wahlen reflektierten nichts davon, sondern die Verfassung.
Beim Krieg in Syrien gehe es um die Unabhängigkeit des Landes, weil die Gegenseite – andere Staaten vor allem westliche, Saudi-Arabien und Qaṭar – die Regierung und den Präsident stürzen wolle. Es gehe demnach um die Zerstörung des Staates und darum, aus dem [säkularen] Syrien einen konfessionell [bestimmt]en Staat wie den Libanon oder eventuell auch den [jetzigen] Irak zu machen.
Die heutige Verfassung sei Symbol der Einheit Souveränität und Unabhängigkeit Syriens. An die habe man sich zu halten, denn sie sei nicht bloß beschriebenes Papier, sondern die Umsetzung des Geschriebenen in die Praxis. Eine Art ihrer Umsetzung sind Wahlen, die kein Recht einer Regierung darstellten, sondern das eines jeden syrischen Bürgers. Sie haben die Entscheidung, ob sie wollen oder nicht.
Frage 12: Sei den die Verfassung, die Stabilität Syriens wichtiger, als hunderte von tausenden von Leben?
Antwort: Da bestehe keinerlei Widerspruch, denn wo es keine Stabilität gebe, stürben Tausende. Herrsche jedoch Stabilität, bewahre das Leben. Daher könne man nicht sagen, das eine sei wichtiger als das andere. Vielmehr seien Stabilität und eine Verfassung von Bedeutung, um Leben zu bewahren. Wenn man einen beliebigen Syrer frage, wolle er ein neues Parlament.
Frage 13: Die überwiegende Mehrheit der Länder und Organisationen der Welt sage, es gebe keine Lösung für Syrien mit dem ihm [, dem gegenwärtigen Präsidenten] an der Macht. Sei er willens zurückzutreten?
Antwort: Für jene Staaten und jene Amtsträger? Nein, selbstverständlich nicht. Das sei nicht deren Angelegenheit und damit auch der Grund, warum er nie auf derlei Ansinnen geantwortet habe. Seit jene das gesagt hätten, seien fünf Jahre vergangen. Niemals habe er jene Äußerungen verurteilt. Dann das sei die Angelegenheit der Syrer. Allein die syrischen Bürger hätten das Recht, ihren Präsidenten zu bestimmen. Als Deutscher würde Aders auch nicht akzeptieren, daß ein anderer bestimmte, wer deutscher Kanzler sein und welche Art politischen Systems sein Land haben solle. Er würde es nicht hinnehmen und die Syrer auch nicht. Daher sage er nein, was auch immer die eingangs erwähnten Seiten auch sagten, denn sein politisches Schicksal liegeallein im Willen der syrischen Bevölkerung begründet.
Frage 14: Aber generell, wenn also die syrischen Wähler seinen Rücktritt wollten, würde er dem dann entsprechen?
Antwort: Natürlich, absolut.  Wollten die Syrer, daß er den Posten verlasse, habe er den richtigen Weg einzuschlagen ohne Zögerung. Wolle man Erfolg haben, als Amtsträger, Präsident oder gewählter Premierminister, was auch immer, brauche man dazu die öffentliche Unterstützung. Ohne jenen Rückhalt könne man nichts erreichen. Was also bleibe noch übrig? Wahlvolk und Gewählter hängen voneinander ab, um mit dem Willen der einen und der Fähigkeit des anderen etwas zu erreichen bzw. erfolgreich zu sein.
Frage 15: Gebe es irgendeine Vorstellung davon, wann Zeit für diesen Schritt sei? Schließlich seien einige dafür genannt worden, wie sein Gegenüber wisse. Eine Angabe stamme aus dem Umfeld von de Misturas Büro. Sie meinten, der wahrscheinlichste Termin sei 2018.
Antwort: Nein, gar nicht. Das liege nicht in deren Zuständigkeitsbereich. Das sei nicht Teil eines Planes. Wie schon gesagt, das obliege einzig dem syrischen Wähler. Somit könnten auch nur Syrer diesen Sachverhalt diskutieren.
Frage 16: Stimme er darin überein, daß in Syrien eine humanitäre Katastrophe zu beobachten sei?
Antwort: Selbstverständlich, absolut.
Frage 17: Warum habe es dann so lange gedauert, daß er als Präsident vollen Zugang zu den besetzten Arealen gewährt habe.
Antwort: Tatsächlich treffe das nicht zu, nein. Dafür habe es keine lange Zeit gebraucht. In Wirklichkeit brauchten nur die westlichen Medien so lange, zur Kenntnis zu nehmen, was vor Ort vorging. Er sei ganz offen mit seinem Interviewer: hierzu solle man sich eine logische und lebensnahe Frage stellen: was jene “belagerte Gebiete“ (besieged areas) nennten, die seien von der Armee seit Jahren umgeben (surrounded). Von dort aus werde die Armee bekämpft und würden Wohngebiete und Städte [außerhalb davon] mit Mörsergranaten beschossen. Nun die Frage: wie habe man jenen Nahrungsmittel vorenthalten können, wenn sie doch gleichzeitig genügend Waffen- und Munitionsnachschub hätten erhalten können? Ergebe das einen logischen Sinn? Keineswegs. Demnach hätte die Regierung entweder ein totales Embargo über jene Gebiete verhängt oder keines.
Allerdings habe es kein Embargo gegeben, aus mehreren Gründen: nicht nur aus humanitären Aspekten oder der Verpflichtung gewissen, von einem selbst hochgeschätzten Werten gegenüber oder weil es nun einmal Aufgabe der Regierung sei, sich gegenüber seinen Bürger verantwortlich zu zeigen, sondern – genau genommen – weil man jene Bürger ansonsten auf Gedeih und Verderb den Terroristen ausliefern würde.
Ein anderes praxistaugliches Beispiel wäre: wie könne die Regierung ein Embargo über die vorhin erwähnten oder andere der kürzlich erwähnten Städte verhängen, zur selben Zeit aber weiterhin Gehälter oder Impfstoffe nach ar-Raqqa schicken, das unter Kontrolle des IS steht? Wie gehe es, da ein Embargo zu verhängen und an einem anderen vergleichbaren Ort nicht? Darin liegt ein Widerspruch. Was der Interviewer angeführt habe, sei also nicht wirklichkeitsnah.
Frage 18: Könne der Präsident jetzt nach Eintreten der Waffenruhe garantieren, daß der Zugang für die Hilfsorganisationen in jene besetzten Gebiete kontinuierlich erhalten bleibe?
Antwort: Die Hilfsorganisationen täten ihre Arbeit im Land schon die letzten Jahren über. Sie hätten nie ein Nein zu hören bekommen. Voraussetzung sei jedoch, daß sie die Zusammenarbeit mit der Regierung suchten, statt so zu tun, als gebe es eine solche nicht. Nochmals, ein Nein habe es nie gegeben. Jedoch müsse man immer die Realitäten vor Ort in Betracht ziehen, die Probleme machten, z.B., daß dort gerade gekämpft werde. Manchmal gebe es auch Auseinandersetzungen zwischen Amtsträgern der Regierung und derer der Organisationen. Doch in politischer Hinsicht habe es zwischen jenen und der syrischen Regierung nie ein Problem gegeben. Schließlich unterstütze die Regierung grundsätzlich, daß Hilfeleistungen überall in Syrien ankämen.
Frage 19: Paktiere der Präsident angesichts der schon erwähnten geplanten möglicherweise im April stattfindenden Wahlen mit einer Fraktion, wo doch so viele Syrer das Land verlassen hätten, um dem Chaos dort zu entgehen.
Antwort: Ach ja? Doch auch angesichts der Flüchtlinge sei Syrien kein leeres Land und habe noch seine eigene Bevölkerung. Die große Mehrheit befinde sich in Syrien und nicht umgekehrt. Das war schon vor den letzten Präsidentschaftswahlen so. Dabei war der Großteil des Auslands überrascht von der überwältigenden Wahlbeteilung und vor allem dem sehr hohen Prozentsatz der Geflohenen darunter.** Seiner Meinung nach wolle jeder Syrer Neues in seinem Land vor sich gehen sehen, da der Wandel Hoffnung gebe. Das sei naturgemäß in jeder Kultur, jedem Land so.
Frage 20: Schätze die syrische Regierung die Rolle Deutschlands (Germany) bei der Beherbergung so vieler Syrer?
Antwort: Vom humanitären Aspekt her sicher. Natürlich könne man nicht sagen, es sei nicht gut, Flüchtlinge zu beherbergen, die ihr Land wegen der Notlage dort verlassen haben. Wäre es aber nicht auch vom humanitären Standpunkt her besser, diesen Leuten dazu zu verhelfen im Land bleiben zu können? Wenn man irgendeinen von jenen fragte, würde er antworten, er wolle zurück in seine Heimat. Wäre es also nicht kostensparender, eine weisere klügere Politik hinsichtlich der Krise in Syrien zu verfolgen, damit diese Menschen in ihrem Land bleiben und den Terrorismus bekämpfen, für Stabilität sorgen könnten, anstatt sich in die inneren Angelegenheiten dieses Staates einzumischen. Das wäre doch noch viel humaner.
Frage 21: Nehme Deutschland eine besondere Rolle hinsichtlich der ganzen syrischen Problems ein oder sei es nur irgendein ausländischer Staat unter anderen wie die USA und Saudi-Arabien?
Antwort: Man hoffe, jedes Land könne eine Rolle spielen, besonders die europäischen und größeren EU-Staaten wie Deutschland, das die stärkste Ökonomie habe und vermutlich die führende politische nicht nur wirtschaftliche Rolle in der EU innehabe. Doch das sehe man momentan in der Praxis nicht, da die Rolle vom Willen dazu abhänge und jener von Unabhängigkeit. Die Frage sei demnach, wie viele europäische Amtsträger unabhängig von der US-Position seien. Was man in der Praxis sehe, sei eine copy and paste-Handlung bzgl. dessen [d.i. Entsprechung dessen], was die US-Politiker täten, was auch immer sie täten oder sagten – das beobachte man. Es sei daher müßig über eine bestimmte Rolle zu sprechen, die zu spielen wäre, wenn die dazugehörige Unabhängigkeit nicht gegeben sei.
Frage 22: Infolge des letzten Syrien-Besuches in Aleppo und des jetzigen mit Abstecher nach Ḥomṣ wirkten die aufgenommenen Bilder unvorstellbar wie von einer Apokalypse. Von daher meine er, es bestehe kein Zweifel darüber, daß die Syrische Armee auch ihre Schuld daran habe, was da passiert sei. Die persönliche Frage an den Präsidenten laute daher, ob dieser nachts schlafen könne.
Antwort: Wirklich bedeutsam sei jedoch, ob er arbeiten könne. Es sei nicht so wichtig, ob man schlafe oder nicht, was für die Leute eine Rolle spiele, sei, daß sie sich fragten, was der Präsident tun könne, wie viele Terroristen man loswerden oder dazu bringen könne, sich wieder in ein normales Leben einzufinden. Das sei es, womit er und die Regierung sich jeden Tag befaßten. Schlafe man nicht, liege dies nicht daran, daß man nicht schlafen könne, sondern man schlafe nicht, weil man zu arbeiten habe. Das sei der Punkt.
Frage 23: Die Ärzte ohne Grenzen, eine NGO [d.i. Nichtregierungsorganisation], hätten erklärt, 2015 seien 94 ihrer Hospitäler bombardiert worden mit staatlicher Unterstützung. Wie sei das möglich? Der Präsident könne doch nicht behaupten, all dies sei nur durch die US-geführte Koalition geschehen. Da müsse es schon einen russischen und syrischen Anteil daran geben.
Antwort: In der Tat wisse man nicht, wem dieser eine Vorfall [d.i. MSF-Einrichtung in Maʽrat an-Nuʽmân vom 15.2.2016] zuzurechnen sei. Hätte die syrische Regierung solch einen Angriff ausführen wollen, hätte sie dies schon vor langer Zeit tun können. Jedoch gab es keinen Grund dafür, ein Hospital anzugreifen. Die Einschätzung dessen, was sein Gegenüber Verbrechen genannt habe – und selbstverständlich sei es das – hänge davon ab, welche Kriterien man für die Beurteilung heranziehe. Basierend auf den Kriterien des Präsidenten und seiner Regierung, sei es ein Verbrechen, doch nach westlichen Kriterien? Nein und zwar aus einem einfachen Grund: bislang habe der Westen nicht [einmal] den Krieg gegen den Irak 2003, als mehr als eineinhalb Millionen getötet wurden, als Kriegsverbrechen eingestuft. Auch die durch die Saudis im Jemen gegenwärtig verübten Greueltaten gälten denen nicht als Kriegsverbrechen. Dasselbe treffe auf Syrien zu: wenn die Rebellen Tausende Unschuldiger per Mörsergranaten und Suizidattentätern ermordeten, gelte es jenen nicht als Verbrechen, um ganz offen zu reden. Es hängt also von den zugrundegelegten Kriterien ab. Nach den eigenen sei jeder, der Solches begehe, ein Krimineller.
Frage 24: Nochmals zur Klarstellung: die meisten Kriegsbeobachter sagten, die Syrische Armee und die russische Luftwaffe sei verantwortlich dafür, nicht als Kollateralschaden: Krankenhäuser und Schulen würden zerbombt als Kriegsstrategie. Wiege diese Last nicht schwer auf seinen Schultern?
Antwort: Angesicht solcher Storys habe man nur eine Frage zu stellen, die danach, was die Syrer oder Russen davon hätten [d.i. Frage nach dem cui bono]. Was sollte [auf dieser Seite] für ein Interesse dahinter stehen? Selbst wenn man Werte und Prinzipien ganz beiseite lasse, auch dann gebe es da keinen Gewinn, da die Regierung diese Einrichtungen gebaut habe und die Menschen im Land, vom Volk oder Regierung sie brauchten.
Wolle man die Bevölkerung auf die eigene Seite bringen, müsse man ihr Basisinfrastruktur und Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Das sei ein ganz einfaches Prinzip. Doch auch wenn man all das beiseite lasse, bleibe immer noch die Frage nach dem, was man mit seinem Verhalten [d.i. der Zerstörung dessen] gewinne. Gewinne? Man verliere nur. Demnach habe die Regierung keinerlei Interesse an solch einem Verhalten [selbst wenn man alle Moral und Ethik beiseite lasse]
Daher nochmals und definitiv: er bzw. die Regierung odee Armee täten so etwas nicht. Es handele sich schließlich um syrisches Eigentum. Zudem sei bekannt, wo ein Krankenhaus stehe und daß sich darin keine Terroristen befänden, dafür aber Ärzte. Es sei Dasselbe wie mit ar-Raqqa, wo der IS seinen Sitz habe, mit den weitergezahlten Gehältern und gelieferten Impfstoffen. Wieso sollte man dann in einer anderen Stadt [als ar-Raqqa unter IS-Kontrolle] eine Klinik angreifen? Das sei völlig absurd und widersprüchlich.
Frage 25: Vor zwei Jahren etwa, als die syrische Armee sich in einer Niederlage (defeat) befunden habe, in keiner sehr großen, aber doch, z.B. in al-Quṣair an der libanesischen Grenze: da sei die Ḥizbulâh dazugekommen. Jetzt, Ende letzten Jahres, sei Aleppo beinahe verloren gewesen, da hött4en sich sich die Russen eingeschaltet, um zu helfen. Außerdem seien eine Menge Kämpfer und Berater aus Teheran, dem Iran zu sehen. Was verlangten all diese Mächte für ihre Hilfe?
Antwort: Erst einmal hinsichtlich dessen, was Aders gerade mit „Niederlage“ bezeichnet habe: tatsächlich setze sich jeder Krieg aus einzelnen unterschiedlichen Schlachten zusammen, die eine gewinnt, die andere verliert. So sei es auch der Armee ergangen. Da sei etwas anderes als eine [endgültige] Niederlage bzw. ein [endgültiger] Sieg. Die Kriegsführung sei nicht einfach: zu bekämpfen seien Dutzende von Ländern, die jene[ in Syrien aktiven] Proxy-Söldner und -Terroristen unterstützten. Die syrischen Verbündeten und Freunde, die Syrien in unterschiedlicher Weise im Krieg beistünden, hätten eine andere Sicht der Dinge. Sie seien nicht nach Syrien gekommen, um dem Präsidenten oder Regierung zu helfen usw. Tatsächlich    seien sie gekommen in dem Wissen, daß der Terrorismus, sobald er sich einmal irgendwo eingenistet und die Oberhand erlangt habe, keine Grenzen mehr kenne. Das beste Beispiel dafür sei der IS: von Libyen nach Syrien und in den Irak existierten für die Terrororganisation keine Grenzen. Übernehme also der Terrorismus die Kontrolle über die hiesige Region, werde er sich hier aus ausbreiten und zwar nicht nur über benachbarte Länder. Den Unterstützern Syriens sei das klar. Sie verteidigten damit nicht (nur) Syrien sondern sich letztlich sich selbst. Sie fragten nach keinerlei Gegenleistung. Die [wirklichen] ***Freunde Syriens respektierten seine Souveränität und wollten keine Belohnung für ihr Tun.
Frage 26: Könne der Präsident denn sagen, Syrien sei noch ein souveräner Staat oder bereits „made in“ Teheran bzw. dem Kreml?
Antwort: Souveränität sei ein proportionaler Terminus. Vor der Krise [ab 2011] habe Israel syrisches Land besetzt, demnach habe man die syrische Souveränität als unvollständig empfunden. Das gelte, bis sie [in disem Punkt] wiederhergestellt sei. Jetzt, während der Krise, kämen viele Terroristen über die Grenze und viele Flugzeuge der USA und der Allianz – was jene so als Allianz bezeichneten – brächen in den syrischen Luftraum ein. Von vollständiger Souveränität könne man da nicht sprechen.
Wenn aber gleichzeitig eine Verfassung bestehe, Institutionen wirkten, ein Staat seiner Aufgabe für die syrische Bevölkerung tätig zu sein nachkomme – und sei es nur im minimal möglichen Ausmaß – dann sei der springende Punkt, daß die syrische Bevölkerung keiner fremden Macht unterworfen sei. Denn das bedeute souverän zu sein, wenn auch nicht im vollen Maße.
Frage 27: Gehe man fünf Jahre zurück zur Zeit der Aufstände in der arabischen Welt [sog. arabischer Frühling], auch nach Darʽâ im Süden Syriens an der Grenze zu Jordanien. Da stelle sich der Eindruck von einigen Jungs ein wie sie Graffiti an die Wand aufbrächten und dafür in Haft genommen würden. Als dann deren Eltern deren Herausgabe verlangt hätten, hätten die Sicherheitskräfte sehr sehr hart zurückgeschlagen. Sei es eine gute Idee gewesen so gewaltsam und hart auf eine jugendliche Dummheit zu reagieren und den ganzen Bürgerkrieg ab jenem Punkt in Bewegung zu setzen.
Antwort: Zunächst einmal sei festzuhalten, daß die ganze Geschichte keine Basis habe (didn’t exist). Das sei nicht passiert, sondern ausschließlich Propaganda gewesen. Freilich habe man davon zu Hören, aber nichts von jenen Kindern zu Gesicht bekommen, die damals in Gefängnis gesteckt worden sein sollen. Es sei demnach ein bloßes in die Irre führendes Märchen gewesen.
Gesetzt den Fall, es habe sich ereignet, was tatsächlich nicht stattgefunden habe, und vergliche es mit Ereignissen in den USA während des letzten Jahres, als jeder darüber diskutiert habe, daß viele Schwarze von der Polizei getötet worden seien, und viele in den USA dies verurteilten. Habe da jemand die Leute aufgefordert, zu Maschinengewehren zu greifen und zu töten, nur weil Polizisten Fehler begangen hatten. Das sei keine Entschuldigung.
Nun habe sich der Vorfall in Syrien aber gar nicht ereignet, hätte er das aber doch, dann wäre auch er keine Entschuldigung dafür gewesen, zu Waffen zu greifen und Regierung und Bevölkerung, unschuldige Leute also, umzubringen.
Zudem stelle sich da eine andere Frage: zu welchen Gegenmaßnahmen würde sein Gegenüber greifen, wenn Leute auf Straße andere ermordeten und fremdes Eigentum attackierten? Solle man denen antworten, aber bitte, nur zu? Er spreche ganz offen, müsse man da nicht reagieren? Das sei nicht in Ordnung. Da gebe es nur eine Option: diese zu stoppen und davon abzuhalten, fortzufahren mit dem Töten. Wenn die mit Maschinengewehren auf einen losgingen, solle man dann umgekehrt mit Luftballons auf jene zielen? Gegen Militante müsse man Waffen einsetzen. Das sei die einzige Option zu jener Zeit gewesen.
Frage 28: Der Krieg in Syrien destabilisiere die gesamte Region, die umgebenden Länder wie die Türkei, den Irak, Jordanien, den Libanon, mehr noch, er habe bereits Auswirkungen auf Europa. Große Teile der Welt seien also von Krieg in Syrien betroffen. Was tue der Präsident, um den Alptraum zu stoppen?
Antwort: Dabei gehe es nicht nur um Syrien. Aufgabe der Regierung sei es zweierlei zu verwirklichen. Seit Beginn der Krise würden diese beiden Lösungswege verfolgt und umgesetzt: da sei einmal der Dialog mit jedermann, Ländern, Staaten, Fraktionen, Militanten etc., um Stabilität zu bewahren bzw. wiederherzustellen, und das andere Mal die Bekämpfung der Terroristen bzw. jener, die sich weigerten, die Waffen niederzulegen. Das sei die einzige Möglichkeit. Hierbei sei jedoch die Frage, wer die auf der gegenüberliegenden Seite stehe und mitmachen wolle? Ein Teil des Desasters bzw. des Albtraums, wie erwähnt, sei nicht nur, den Terrorismus und seine Kämpfer zu beseitigen, sondern auch das westliche Embargo, das sich auf die jeden syrischen Bürger ohne Ausnahme auswirke. Was seien jene Amtsträger bereit zu tun, um das Leid und den Alptraum in Syrien zu lindern? Was seien sie bereit, an Druck und Einfluß aufzubieten, um die die Terroristen unterstützenden Länder wie z.B. die Türkei, Saudi-Arabien und Qaṭar zu zwingen, damit aufzuhören, aufzuhören, Terroristen und deren Bewaffnung ins Land zu überführen samt dem Ganzen dazugehörenden logistischen Support. Da sei die Frage. Wenn all diese Länder den Willen hätten, ihre Pflicht diesbezüglich zu tun, könne er versichern, daß Syrien kein Problem damit hätte, dem Albtraum ein Ende zu bereiten.
Frage 29: Die letzte Frage sei: im Jahr 2000, als der Vater des Präsidenten, Ḥāfiẓ [al-Assad] gestorben sei, sei er, der gegenwärtige Präsident [Bašâr], ihm nachgefolgt, als Augenarzt in London. Würde er, in Anbetracht dessen, was die letzten fünf Jahre geschehen sei, nochmals so handeln, würde er wieder nach Damaskus zurückkehren oder in London bleiben?
Antwort: In der Tat könne man in dieser Region, in der die Politik das gesamte Leben eines jeden Bürgers bestimmt, da sie mit ihren Auswirkungen und Einflüssen deren alltägliches Leben präge, nichts anderes als Politiker von Natur aus sein. Das gelte für jeden syrischen Bürger der waltenden Umstände wegen. Und freilich, als jemand, der einer Politikerfamilie angehöre, habe er einen gewissen Hang zur Politik. Doch sei das mehr als ein Steckenpferd, etwas, das man wie einen Branchenbereich andern vorziehe, sondern es gehe darum, wie man seinem Land dienen könne.
Davor habe er als Arzt im öffentlichen Sektor gearbeitet, nun tue er das Gleiche als Politiker. Er sei also nur von einem begrenzteren öffentlichen Sektor in einen größeren gewechselt. Das Prinzip aber sei dasselbe geblieben, indem man mehr syrischen Bürgern helfen könne, sofern man freilich bereit sei dazu, sich zu engagieren, immer und immer wieder, solange nicht die Möglichkeit bestehe, sich davon frei zu machen bzw. die syrischen Bürger einen nicht mehr in dieser Position wollten.
Journalist:  Vielen Dank.
Präsident Dr. al-Assad:  Dank Ihnen!

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Textanmerkungen:
* Der Staatspräsident wurde zuvor – ähnlich wie der Bundespräsident in der BRD heutzutage – nicht vom Volk gewählt. Die Situation in Syrien jetzt entspricht dagegen in etwa derjenigen Österreichs.
** Vgl. dazu die entsprechenden Einträge in Teil II
*** Näheres zur Gruppe „friends of syria“, deutsch: „Freunde Syriens“, deren Handlungen (wie die Unterstützung der Gegener Syriens und die Sanktionen gegen das Land) mit dem gewählten Titel schwer in Einklang zu bringen sind, s. unter den Einträgen von Teil I an.

 

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Allgemeine Anmerkung: Nach vielen verfolgten Interviews ausländischer Agenturen mit Präsident  Dr. al-Assad zeigt sich, daß die meisten Fragen, wenn auch unterschiedlich formuliert, sich wiederholen und damit die Antworten des Präsidenten ebenso, was im kriminalistischen Bereich normalerweise als Indiz einer wahrheitsgemäßen Darstellung gilt.

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Präsidenten-Interview mit El Pais vom 20.2.2016
(http://sana.sy/en/?p=70035 und http://www.sana.sy/?p=339402)

 

Photoquelle: SANA

Photoquelle: SANA

 

Übersetzung verkürzt paraphrasierend (für Zitate bitte das Original benutzen!):

Frage 1: Kürzlich sei humanitäre Hilfe für die besetzten Areale erlaubt worden. Manche gäben an, es leben mindestens 486.000 Menschen seit mehr als drei Jahren dort. Warum habe die Regierung erst so spät gehandelt.
Antwort durch Präsident Dr. al-Assad: Diese humanitäre Hilfe existiere nicht erst seit kurzem sondern bereits seit Beginn der Krise. In Syrien verhänge niemand ein Embargo. Zudem besteh ein Unterschied zwischen einem Embargo und dem Sachverhalt, daß Orte (von der Armee) umstellt seien. Das Problem in solchen Gebieten stellten jedoch die Terroristen dar, welche [wie im Fall Maḍâyâ u.v.a.), die die angelieferten Nahrungsmittel, Bedarfsgüter etc. den Leuten wegnähmen und für sich beanspruchten, oder horteten und zu Rekordpreisen an die Bevölkerung verkauften. Selbstverständlich schließe die Regierung keine Bevölkerungsgruppen von der Hilfe aus, auch nicht in den von Terroristen, z.B. dem IS, besetzten Gebieten wie ar-Raqqa. Selbst dorthin würden z.B. Impfstoffe geliefert, die Gehälter und Ruhestandsgelder weiter bezahlt etc.
Frage 2: Es würden also Nahrungsmittel, Gehälter sogar nach ar-Raqqa in die IS-Hochburg geschickt.
Antwort: Ganz genau. Schließlich sei eine Regierung für die Bevölkerung verantwortlich. Derlei sei schließlich ihre Pflicht und Schuldigkeit und zwar hinsichtlich jeder Region des Landes und gegenüber jedem Bürger. Alles andere sei ein Unding.
Frage 3: Und das werde fortgesetzt?
Antwort: Selbstverständlich.
Frage 4: Sei die Regierung willens, die von Rußland und den USA in Aussicht gestellte Waffenruhe einzuhalten?
Antwort: Definitiv. Diese Bereitschaft habe die Regierung auch bekannt gegeben. Aber das reiche für eine Verwirklichung nicht aus. Auch die Gegenseite müsse ihre Bereitschaft zeigen und eine solche Vereinbarung einhalten wollen. Letztlich gehe es um das, was sich wirklich am Boden abspielt beim Waffenstillstand, obwohl dieser Begriff allein schon falsch sei. Ein Waffenstillstand werde zwischen den Armeen zweier Staaten geschlossen. Demnach sollte man eher von einer Einstellung der Kampfhandlungen oder einer Beendigung der [militärischen] Operationen reden. Es gehe also um Feuereinstellung. Doch wichtiger seien hierbei andere – nicht genannte Faktoren, nämlich die Terroristen daran zu hindern, diese Einstellung der Kampfhandlungen dafür zu nutzen, ihre Position zu verbessern und Staaten wie z.B. und vor allem die Türkei davon abzuhalten, mehr Terroristennachschub an Söldnern, militärischer Ausrüstung und logistischer Unterstützung an die in Syrien aktiven Terrorgruppen zu liefern. Schließlich gebe es ja die darauf bezüglichen [verpflichtenden] UN-Sicherheitsrats-Resolutionen. Beuge man all dem nicht vor, so führe die Waffenruhe nicht zu Stabilität sondern zu noch mehr Chaos und de facto zu einer Zerteilung Syriens. Das sollte bedacht werden.
Frage 5: Das heiße also, es werde trotz der Waffenruhe einerseits andererseits noch Gefechte geben, zumindest gegen bewaffnete Gruppen?
Antwort: Ja, natürlich, gegen den IS, Ğabhatu_n-Nuṣra und andere mit al-Qaida in Verbindung stehende Terrorgruppen. Diesbezüglich seien von syrischer und russischer Seite [bislang] vier Gruppen genannt worden, neben den o.e. noch Ḥarakat Aḥrâr aš-Šâm al-Islāmiyya und Ǧaiš al-Islâm.
Frage 6: Die Armee habe Aleppo, einen Hauptsitz der Opposition umstellt. Wann sei mit der Verwirklichung der vollständigen Kontrolle über die Stadt zu rechnen.
Antwort: Die Lage in Aleppo sei etwas anders: die Armee befinde sich mitten in der stadt, deren meiste teile unter staatlicher Kontrolle stünden, während die meisten Einwohner aus den von den Terroristen besetzten Arealen in die von der Regierung kontrollierten geflohen seien. Demnach handele es sich nicht um eine Rückerobeung einer Stadt.
Aktuell gehe es um das Abschneiden der Hauptverbindungen von der Türkei her und zwischen den Terroristengruppen untereinander als Ziel, dem man durch die kürzlichen Fortschritte schon sehr nahe gekommen sei. Damit sei die Lage für die Türkei [hinsichtlich Terroristenunterstützung] schwieriger geworden, woraus die Angriffe auf die Kurden in letzter Zeit resultierten.
Frage 7: Was komme nach Aleppo, ar-Raqqa, die IS-Hochburg?
Antwort: Prinzipiell könnte es überallhin gehen, denn derzeit kämpfe man an gut 10 Fronten gleichzeitig. Die Armee sei schon näher an ar-Raqqa vorgerückt, dennoch weit entfernt davon. Die Planungen hingen letztlich von den Ergebnissen der jetzigen Gefechte ab und könnten damit noch nicht konkretisiert werden.
Frage 8: Rußlands Luftangriffe gegen feindliche Schlüsselpositionen hätten eine Wende im Konflikt herbeigeführt. Manche meinten, die Regierung habe nun die Oberhand, sei das auch ohne ausländische Hilfe möglich gewesen?
Antwort: Tatsächlich seien die russische und iranische Hilfe essentiell gewesen. Die gestellte Frage ist in der Rückschau hypothetischer Natur, man weiß nicht, was andernfalls gewesen wäre. Aber Unterstützung sei definitiv notwendig, da mehr als 80 Länder die im Land aktiven Terrorruppen unterstützten und zwar auf vielfältige Weise wie per Finanzierung, auf logistischem Wege, durch Bewaffnung, Anwerbungen, auf politischem Terrain, in den verschiedenen internationalen Foren etc. etc. andererseits sei Syrien ein kleines Land. Zwar könne man kämpfen, doch wenn die Unterstützung für den Feind keine Limits kenne, brauche man selbst auch Hilfe vom Ausland.
Frage 9: Sei der Präsident betroffen von zivilen [Kollateral]schäden infolge dieser russischen Lufteinsätze, wie kürzlich am Montag [15.2.2016], als 50 Personen getötet wurden beim Angriff auf ein Krankenhaus, das die USA den Russen anlasteten?
Antwort: Andere hohe US-Beamte erklärten, sie wüßten nicht, auf wen der Angriff zurückgehe. Derart widersprüchliche Angaben aus den USA sei man gewohnt, doch sie seine kein Beweis für Sachverhalte. Jedoch die menschlichen Verluste so vieler Unschuldiger, die jeden Krieg kennzeichneten, machten ihn freilich sehr traurig. Jeder Krieg sei schlecht, es gebe keine guten, denn immer gebe es unschuldige Leidtragende darin, die den Preis bezahlen müsse.
Frage 10: Wie erkläre er dann der Bevölkerung diese von einer ausländischen Macht im Inland verursachten Opfer?
Antwort: Nein, es gebe keinen Beweis dafür, daß russische Kampfjets die Verantwortung für diesen Angriff trügen. Zudem gingen die Russen bei ihren Luftschlägen äußerst präzise vor. Ziele seien täglich terroristischer Art. Tatsächlich hätten die Amerikaner die Angriffe im NO-Teil Syriens mit vielen getöteten Zivilisten zu verantworten, nicht die Russen. Bislang hätten letztere kein einziges ziviles Opfer verursacht, da sie Siedlungen nicht Angriffen. Die aktuellen Luftschläge lägen hauptsächlich auf dem [unbewohnten] Land.
Frage 11: Wie wäre die Reaktion auf die Intervention fremder Armeen, wie z.B. unlängst angekündigt durch die Türkei und Saudi-Arabien zur angeblichen Bekämpfung des IS?
Antwort: Das Wort „angeblich“ sei der springende Punkt. Wenn die Invasionen doch verwirklicht würden, wären Einfallenden zu behandeln wie die Terroristen, nämlich in Verwirklichung der Landesverteidigung. Denn es würde sich um eine Aggression, einen Bruch des Völkerrecht handeln, da ihnen weder politisch noch militärisch ein Recht hierzu zustehe. Als Syrer gebe es da nur eine Option, zu kämpfen, um sich zu verteidigen.
Frage 12: Nun, die Türkei habe schon mit Bombardements auf syrisches Territorium begonnen.
Antwort: Richtig! Aber schon zuvor habe die Türkei Terroristen ins Land geschafft. Selbes Ziel, andere Vorgehensweise. Tatsächlich hat sich die Türkei so eingemischt seit Beginn der Krise
Frage 13: Saudi-Arabien habe versucht, die Opposition in ar-Riyâḍ zu vereinen. An der Konferenz hätten auch Leute mit Verbindung zu al-Qaida teilgenommen. Erachte der Präsident irgendeine Rebellengruppe als legitimen Verhandlungspartner innerhalb der Opposition?
Nachfrage: Seien damit die „Rebellen“ gemeint, die in Syrien kämpften?
Bestätigung (Frage 14): Ja, die seien gemeint.
Antwort: Nein: Sowohl juristisch als auch verfassungsmäßig sei jeder, der ein Maschinengewehr auf Bürger richte und gegen die Regierung kämpfe als Terrorist anzusehen, auch in Spanien und jedem anderen Land der Erde. Solche Leute könnten zu Gesprächspartnern werden, wenn sie ihre Waffen niederlegten und sich am politischen Prozeß beteiligten. In jedem Land werde so die Zukunft des Landes erschaffen wie auch jede Änderung z.B. bzgl. der Verfassung, der Gesetze, egal worauf bezogen. Doch immer geschehe dies durch Teilnahme am politischen Prozeß, nicht durch Waffengewalt.
Frage 15: Demnach halte er alle, die kämpften, für Terroristen?
Antwort: Außer sie erklärten sich bereit, künftig am politischen Prozeß teilzunehmen. Damit gebe es kein Problem.
Frage 16: Wenn solche Leute also ihre Absichten aufgäben und ihre Waffen niederlegten, könnten sie zurückkommen?
Antwort: Ja, diese Personen erhielten Amnestie. Das gehe schon seit zwei Jahren so und der Prozeß beschleunige sich zusehends. Eine derer, die ihre Waffen niedergelegt hätten, kämpften heute Seite an Seite mit der Armee gegen den IS oder seien sogar der Armee beigetreten. Dabei würden sie auch durch die russischen Luftstreitkräfte unterstützt.
Frage 17: Wenn also alle, die gegen die Bevölkerung und die Regierung unter Waffen agitierten Terroristen sind, mit wem solle dann in Genf verhandelt werden?
Antwort: Die Frage sei hinsichtlich einer neuen Konferenz in Genf zu beantworten, da die Genf-III-Konferenz bereits gescheitert sei. Die Gruppe, die zuletzt in ar-Riyâḍ geformt wurde, war wohl eine Mixtur aus Terroristen, Extremisten und deren Unterstützern. Einige stammten von al-Qaida. Es gibt oppositionelle – auch unabhängige – innerhalb und außerhalb Syriens. Verhandeln könne man mit Syrern, patriotischen Syrern, die ihrem Land verbunden seien. Mit Terroristen aber werde nicht verhandelt.
Frage 18: Was sei mit jenen oppoisitonellen aktivistenanführern, die vor Ausbruch des Konflikts 2011 unhaftiert gewesen seien?
Antwort: Allesamt seien sie schon seit langer Zeit frei und die meisten davon machten die inländische Opposition aus.
Frage 19: Alle?
Antwort: Alle. Das geschah schon vor 2010. Einige davon waren Terroristen, die zu einigen Jahren Haft verurteilt waren. Als dann die Krise begann, traten sie Terrorgruppen bei.
Frage 20: Gebe es dafür Beweise?
Antwort: Selbstverständlich. Einer von den letzteren sei Zahrân ʽAlûš gewesen, der [am 3.10.2015 durch russische Bomber] getötet worden sei. Er habe wegen seiner Verbundenheit mit al-Qaida eine Haftsrafe von mehreren Jahren zu verbüßen gehabt. Als der Konflikt ausgebrochen sei, habe er er seine eigene Terrorgruppe geformt. Sie sei eine der vier, die er zuvor erwähnt habe [d.i. Ǧaiš al-Islâm].
Frage 21: Manche gäben an, es gebe 35.000 ausländische Dschihadisten in Syrien, wovon 4.000 aus Europa kämen. Laut spanischer Regierung seien es wohl 300 mit spanischem Paß. Was passiere mit solchen Personen, wenn sie von der Armee gefangengesetzt würden.
Antwort: Mit denen aus Spanien?
Frage 22: Nein generell mit ausländischen Dschihadisten.
Antwort: Zunächst einmal würden sie behandelt wie alle anderen Terroristen. Die juristische Grundlage der Einordnung mache schließlich keine nationalen Unterschiede. Sobald es aber darum gehe, die gefangengenommenen Terroristen wieder ihrem Heimatland zu überstellen bzw. auszuliefern – falls das gemeint sei – dann würden sich die entsprechenden Behörden beider involvierter Länder untereinander verständigen.
Frage 23: Was ziehe so viele Ausländer [in den Kampf] nach Syrien?
Antwort: Der Grund liege vor allem in der ausländischen Unterstützung der Terrorgruppen, hier in der Form der Anwerbung per finanzieller Verlockung. Sie würden geschickt. Es sei also eher ein passives, weniger ein aktives Geschehen. Saudi-Arabien sei bekannt als Hauptfinanzier. Der Söldnernachschub werde in Saudi-Arabien in Flugzeuge gesetzt mit Ziel Türkei, von dort würden sie nach Syrien geschleust. Andere „attraktive“ Faktoren seien das Chaos im Land, das manche „Krawallbrüder“ magisch anziehe und somit zum Terroristennachwuchs werden lasse. Der dritte Faktor sei die Ideologie, die schon al-Qaida ausmachte, von der die im Inland aktiven Terroristen generell abstammten. Syrien habe infolge der vor Ort prägenden islamischen Kultur eine wichtige Stellung inne nach anderen bedeutsameren Örtlichkeiten wie Mekka und weiteren heiligen Orten, z.B. Jerusalem. Demnach dächten jene Extremisten, dies sei ein besonders geeigneter Boden zur Errichtung ihres eigenen [ideologisch geprägten] Staates. Auch wenn sie ihr Territorium dann in andere Gebiete ausdehnen oder verlagern, sei es doch von Bedeutung [erst einmal] hierherzukommen, um, wie sie es nennen, für Gott („god“) und den Islam im Ğihâd zu kämpfen.
Frage 24: Was würde passieren, wenn die Regierung verkünden könnte, das gesamte syrische Territorium sei wieder unter staatlicher Kontrolle? Würde er als Präsident dann einen politischen Prozeß starten. Würde er willens sein, Neuwahlen zu verkünden, was würde er in Aussicht nehmen?
Antwort: Naturgemäß wäre der erste Schritt vor allen anderen, eine Regierung der nationalen Einheit zu formen, in der jede politische Partei teilnehmen kann, sofern sie möchte. Seine Regierung sei bereit für eine neue Verfassung. Wolle man über die Zukunft des Landes, die Lösung der anstehenden internen Probleme – die externen durch die ausländischen Terrorismusunterstützer einmal beiseite gelassen – mit allen möglichen unterschiedlichen Parteien diskutieren, müsse man zunächst über die Verfassung sprechen. Ob man die Verfassung ändern oder beibehalten oder das ganze politische System umgestalten wolle, all das hänge von der Verfassung an sich ab, aufgrund derer ja Dergleichen zu geschehen habe. Danach sollten bald Wahlen gemäß der (neuen) Verfassung durchgeführt werden und zwar Parlamentswahlen. Manche dächten an Präsidentschaftswahlen. Was auch immer die Syrer der verschiedensten Parteien bestimmen würden, würde geschehen. Zu guter Letzt: die Lösung der Probleme vom politische Aspekt her habe nichts mit seiner persönlichen Meinung zu tun.
Frage 25: Wo sehe sich der Präsident in zehn Jahren?
Antwort: Mehr Bedeutung habe für ihn die Frage, wie es um das Land nach dieser Zeit stehe, dessen Teil er sei. Könne er in 10 Jahren sagen, er habe als Präsident Syrien retten können, Syrien sei sicher und stabil – ohne daß dies einschließe, daß er damit rechne, dann noch Präsident zu sein – dann würde er froh sein, seine Arbeit getan wie seine Pflicht erfüllt zu haben. So sehe er sich in Bezug auf seine Position, die er einnehme, wobei er als Bürger des Landes spreche.
Frage 26: Ob er in zehn Jahren noch an der Macht sein wolle?
Antwort: Das sei nicht sein Ziel und er sorge sich nicht um seinen Posten. Für ihn spiele eine Rolle, ob die syrischen Bürger ihn (wieder)wählten wollten. Wenn ja, würde er das Amt annehmen, wenn nein, dann könne er nicht [mehr] als Präsident für sein Land Dienst tun.
Frage 27: Ausgehend von einem Report, veröffentlicht vom United Nations Human Rights Council am 3. Februar, heißt es, Gefangene seien in Regierungsgewahrsam zu Tode geprügelt worden oder gestorben infolge der Mißhandlungen. Auch Kriegsverbrechen seien begangen worden. Was sei sein Kommentar hierzu?
Antwort: Der Ursprung dieser Behauptungen liege in Qaṭar einige Jahre zurück, als dort nicht verifizierte Photos von mißhandelten Personen und nicht authentische Quellen zu einem „Bericht“ zusammengeschustert und an die UN geschickt wurden. Dies sei ein typisches Beispiel der üblichen antisyrischen Propaganda. Leider benutzten westliche Länder derartige ungeprüfte Meldungen – und demnach Propaganda – um Syrien anzuklagen und zu beschuldigen und agieren dann entsprechend daraufhin.
Frage 28: Die ganze Welt sei geschockt gewesen, vom Bild der angespülten Leiche des kleinen *A[y]lan Kurdi, eines syrischen Flüchtlings an einem türkischen Strand. Was fühle er, wenn er solches sehe?
Antwort: Es sei eine der traurigsten Auswirkungen des Konflikts in Syrien, daß Menschen aus verschiedenen Gründen das Land verließen. Aber einmal von der gefühlsmäßigen Betroffenheit abgesehen, stellt sich für die Behörden-Angehörigen die Frage, was man unternehmen könne, damit die Flüchtlinge den Entschluß faßten, wieder heimzukehrten bzw. es erst gar nicht zu verlassen. Hier gebe es zwei Ansatzpunkte: einmal die Bekämpfung des Terrorismus, nicht nur weil jener die Menschen verängstigt, sondern ihnen die Lebensgrundlagen entzieht. Der zweite Ansatzpunkt ist das Syrien durch westliche Länder – hauptsächlich durch die USA – aufoktroyierte Embargo bzw. die Wirtschaftssanktionen, die das Leben der Menschen in Syrien deutlich erschwerten besonders im medizinischen Bereich. Gegen diese beiden negativen Faktoren gelte es also vorzugehen.
Frage 29: Demnach flohen also diese Menschen vor dem IS. Jedoch heißt es auch, sie seien vor der Regierung geflüchtet bzw. vor den Aktionen der Regierung in manchen Gegenden Syriens.
Antwort: Da könne er Fakten präsentieren, die gerade das Gegenteil bewiesen, von denen man sich selbst überzeugen könne, wenn man nach Syrien komme, nämlich daß die meisten Leute, die in Gebieten lebten, die schließlich unter Kontrolle der Terroristen gekommen waren und flohen [ein kleiner Rest blieb vor Ort zum vermeintlichen „Schutz“ des eigenen Hab und Guts!], flüchteten sich gerade dorthin, wo der Staat die Kontrolle inne hatte. Wenn also die Regierung ein Grund zur Flucht wäre, warum flöhen die Leute dann ausgerechnet in das von ihr kontrollierte Gebiet? Das widerspräche jeder Logik. Es sei allerdings natürlich und verständlich, daß Menschen von dort, wo sich die Armee mit den Terroristen Gefechte liefere, und wo geschossen werde, flöhen, das täten die meisten [die wenigsten halten dort aus]. Das bedeute aber eben nicht, daß sie vor der Regierung flüchteten. Im Gegenteil, sie zögen sich in die von der Regierung gesicherten Areale zurück wie z.B. auch die Familienangehörigen von Soldaten und Volkswehr.
Frage 30: Nach international erhobenen Zählungen gebe es fünf Millionen syrischer Flüchtlinge. Eine Million habe sich nach Europa aufgemacht. Welche Garantien hätten diese Menschen dafür, frei und unbehelligt wieder in ihr Heimatland zurückkehren zu können?
Antwort: Selbstverständlich könnten sie ohne Bedenken zurückkommen, es gebe keinerlei Repressalien. Schließlich sei dies ihr gutes Recht als Staatsbürger – außer es handele sich um Terroristen oder Mörder [die hätten eine juristische Sanktionen zu befürchten]. Schließlich flohen sie ja nicht vor der Regierung, sondern wegen der [durch die Terroristen und Sanktionen] entzogenen Lebensgrundlagen – ein Zustand, der sich die Jahre über verschlimmert hat. Ein gut Teil dürfte sich sogar Regierungsbefürwortern zusammensetzen. Daher können die Flüchtlinge freilich zurückkehren. Wir wollen ja gerade, daß sie nach Syrien zurückkommen.
Frage 31: Was könne der syrische Staat tun, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen, der so vielen Menschen den Tod im Mittelmeer gebracht habe?
Antwort: Wie schon gesagt, liegt das nicht allein an Syrien, sondern auch am Rest der Welt. Zunächst sollte Europa das **Embargo gegen syrische Bürger aufheben, denn bei denen wirke es sich letztlich aus. Dann sollte die Türkei aufhören, ständig Terroristen nach Syrien zu schicken. Zum Dritten obliege es der Regierung die Terroristen zu bekämpfen, absolut! Auch seien schon deutliche Fortschritte zu sehen, daß es mit dem Broterwerb für die Menschen wieder vorangehe, das den Syrern den Verbleib in ihrer Heimat sichert. Diese positive Entwicklung werde auch die Flüchtlinge wieder zurückbringen. Außerdem sei er überzeugt, daß die meisten in ihre Heimat zurückkommen wollten. Aber wie schon dargelegt, müsse man im Land auch überleben können auf die eine wie die andere Weise. Ein gewisses Minimum an Lebensgrundlage müsse dazu vorhanden sein.
Frage 32: Als er an die Macht gekommen sei, habe er demokratische Reformen versprochen. Jene Zeiten habe man auch als Frühling von Damaskus in Erinnerung. Manche hätten diese Reformen gerne schneller bzw. früher verwirklicht gesehen, behaupteten, so wären viele Leben verschont geblieben. Andere, hauptsächlich von der Opposition bzw. die US-Regierung, führten ins Feld, mit einem Rücktritt des Präsidenten hätte man viele Leben schonen können. Was erwidere er darauf?
Antwort: Die Frage sei doch: worin die Beziehung zwischen dem eben Erwähnten und der Tatsache bestehe, daß Qaṭar Geld und Waffen sende und die Terroristen direkt unterstütze? Worin bestehe die Beziehung zwischen jenem und der Existenz des IS oder dem Auftauchen von Ğabhatu_n-Nuṣra in Syrien? Zwischen all dem gebe es keine Verbindung.
Um eine Amtsperson, sei es den Präsidenten oder den Premierminister in jeglichem System, sei es in Spanien oder in einem anderen Land auszutauschen, seit nur den Weg durch den politischen Prozeß zulässig und nicht per Waffengewalt. Politischen Wechsel herbeizuführen, seit keine Entschuldigung für den Griff zur Waffe. Und gerade Demokratie lasse sich nicht per Waffengewalt schaffen. Das zeige auch die Erfahrung der US-Regierung im Irak. Das zeige sich im Jemen. Dort gab Präsident Ṣāliḥ vor, aus demselben Grund das Land zu verlassen. Was aber sei im Jemen geschehen? Sei es dort jetzt besser? Keineswegs. Zwischen beiden Sachverhalten bestehe eben keine Relation.
Demokratie sei durch Dialog zu erreichen, aber gleichzeitig durch das Wachsen der Gesellschaft hin zu demokratischen Strukturen. Demokratie bestehe ja nicht nur aus einer Verfassung und einem Präsidenten und Gesetzen usw. Das seien nur Werkzeuge auf dem Weg zum Ziel. Echte Demokratie als Basis jedoch müsse aus der Gesellschaft heraus erwachsen. Wie könnten die Menschen einander akzeptieren, wo es doch – in einem melting pot wie hierzulande – so viele unterschiedliche Ethnien, Sekten, Religionen gebe. Akzeptierten sie sich jedoch in jener Hinsicht, täten sie es auch in politischer, so erreiche man eine demokratische Basis nicht über den Austausch der Person des Präsidenten. Etliche hätten versucht, das Problem derart zu personalisieren, um vorzumachen, die Lösung sei so einfach: tausche den Präsidenten aus und damit sei alles erledigt und gut. Doch so einfach sie das eben nicht und niemand könnte dies als [bloße] Lösung akzeptieren.
Frage 33: Jetzt, wenn man das Land nach fünf Jahren seit Beginn der Krise betrachte mit den zerstörten Kulturdenkmälern und den vielen Toten, würde er als Präsident anders handeln?
Antwort: Generell gesprochen, also wenn es um Prinzipielles gehe, seien von Anfang an beide Wege zur Konfliktbeilegung beschritten worden: die Bekämpfung des Terrorismus und der Dialog. Dieser habe immer gegenüber jedem bestanden mit Ausnahme der Terroristen. doch sogar denen habe man die Tür geöffnet, durch das Angebot, die Waffen niederzulegen und ins zivile Leben zurückzukehren gemäß der gewährten Amnestie [vgl. Reconciliierungsbemühungen Teil IITeil IV]. Fünf Jahre später könne man nicht behaupten, das sei erwiesenermaßen falsch gewesen. Die Umsetzung in der Politik geschehe manchmal auf unterschiedliche Weise, abhängig was von den verschiedenen Amtsträgern, verschiedenen Institutionen, verschiedenen Leuten und Individuen. Jeder könne Fehler begehen und das geschehe auch. Beziehe sich also die Frage darauf, solche Fehler auszumerzen, dann würde er zustimmen, wenn man die Zeit zurückdrehen könnte.
Frage 34: Seien vom Standpunkt des Präsidenten aus dann also von Beginn an jene Protestaktionen in Darʽâ und Damaskus, die von ausländischen Mächten unterwandert wurden, mit Terrorismus gleichzusetzen? Wie stufe er diese ersten Demonstrationen ein?
Antwort: Schon zu Beginn habe es eine Mixtur bei den Demonstranten gegeben. Zu aller Anfang stünden jene, die Qaṭar bezahlt habe, um sie beim Sender al-Ğazîra zu zeigen und damit die internationale Meinung dahingehend zu beeinflussen, das Volk revoltiere gegen den Präsidenten.
Dadurch seien – die höchste Zahl angenommen – 140.000 Demonstranten auf ganz Syrien verteilt ins Feld geführt worden. Das sei nichts im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, als kein Grund zu einer Beunruhigung. Unter diese wurden dann Militante gemischt, die auf die Polizei schossen, welche dann zurückschoß [so daß der Eindruck entstand, als schieße die Polizei auf die Demonstranten]. Das habe eine Revolte beflügelt. Als dies dennoch nichts brachte [d.h. keinen Umsturz brachte], wurden andere Wege eingeschlagen über die Einschleusung von Terroristen und deren Unterstützung. Daneben gebe es in Syrien auch Demonstranten, die friedlich demonstrierten, um einen Wandel nach ihren Vorstellungen zu erreichen, diese seien freilich keine Terroristen.
Frage 35: Zweimal schon habe der Präsident Spanien besucht. Beide Präsidenten, José María Aznar und José Luis Rodríguez Zapatero hätten ihm in Syrien einen Gegenbesuch abgestattet. Wie stehe es seither um die Beziehungen zu Spanien?
Antwort: Spanien sei gegen jede abenteuerliche Lösung in Syrien. Das schätze man. Spanien unterstütze keine Militäraktion gegen Syrien. Das verkompliziere die Situation nur. Auch kam dort nicht auf, den syrischen Präsidenten abzusetzen oder sich anderweitig in die inneren Angelegenheiten Syriens zu mischen. Statt dessen stellte man dort auch auf Lösungen durch den politischen Prozeß ab. Das alles sei sehr gut. Andererseits sei Spanien Teil der EU, was Spanien durch deren Entscheidungen einschränke. Von Spanien erwarte man die Rolle dessen einzunehmen, der seine Grundsätze und politische Sicht der Dinge hinsichtlich dieses Konflikts auch in der EU einbringe.
Frage 36: Zweimal schon habe der Präsident Spanien besucht. Beide Präsidenten, José María Aznar und José Luis Rodríguez Zapatero hätten ihm in Syrien einen Gegenbesuch abgestattet. Wie stehe es seither um die Beziehungen zu Spanien?
Antwort: Spanien sei gegen jede abenteuerliche Lösung in Syrien. Das schätze man. Spanien unterstütze keine Militäraktion gegen Syrien. Das verkompliziere die Situation nur. Auch kam dort nicht auf, den syrischen Präsidenten abzusetzen oder sich anderweitig in die inneren Angelegenheiten Syriens zu mischen. Statt dessen stellte man dort auch auf Lösungen durch den politischen Prozeß ab. Das alles sei sehr gut. Andererseits sei Spanien Teil der EU, was Spanien durch deren Entscheidungen einschränke. Von Spanien erwarte man die Rolle dessen einzunehmen, der seine Grundsätze und politische Sicht der Dinge hinsichtlich dieses Konflikts auch in der EU einbringe.
Frage 37: Und wie stehe es um Lateinamerika? Woher erfahre er von dort seiner Meinung nach die meiste Unterstützung?
Antwort: Generell gesprochen hätten diese – manchmal bedauerlicherweise – weit, sehr weit entfernt gelegenen Länder merkwürdigerweise die realistischere Betrachtungsweise gegenüber den Vorgängen in Syrien als europäische, die näher lägen, denen Syrien schon als Hinterhof Europas erscheine. Diese Einschätzung beziehe sich auf die formelle offizielle Ebene wie auch auf die Volkssicht. In den erstgenannten Ländern gebe es mehr Wissen um das Land, daher auch politische Unterstützung in jeglichem internationalen Forum. Auch hätten sie ihre Positionen seit Beginn der Krise nicht geändert.
Frage 38: Im Ausland habe Brasilien eine der größten syrischen Gemeinden. Wie sei die Beziehung zur brasilianischen Regierung?
Antwort: Diese Beziehung sei ganz normal wie auch jene mit Argentinien, Venezuela, Kuba, ja mit allen lateinamerikanischen Ländern.
Das habe sich auch durch die Krise nicht geändert. In diesen Ländern wachse das Verständnis mehr und mehr und in der Folge auch die Unterstützung für Syrien. Dies kontrastiere mit der europäischen Position.
Journalist: Vielen Dank für das Gespräch.
Präsident Dr. al-Assad: Danke Ihnen.

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Anmerkungen:
* Zu Aylân Kurdî s. unter der Abbildung von: Bild der Schande
** Zu den tatsächlichen Auswirkungen des Embargos bzw. (Wirtschafts)sanktionen siehe unter dem Stichwort „Sanktionen“ in Teil II und Teil III.

 

Leseempfehlung zu den Hintergründen des Beginns der syrischen Krise:
4 Years Ago, in March 2011, the War Started in Syria: Who Was Behind the Protest Movement? Fabricating a Pretext for “Humanitarian Intervention” ((http://www.globalresearch.ca/syria-who-is-behind-the-protest-movement-fabricating-a-pretext-for-a-us-nato-humanitarian-intervention/24591)

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Interview mit Präsident Dr. al-Assad vom 12.2.2016 für L’Agence France-Presse (AFP) (englisch: http://www.sana.sy/?p=335714) in paraphrasierender (zwecks zeitsparender) Übersetzung.

Während des Interviews mit den französischen Journalisten beantwortete der syrische Präsident 26 Fragen.

Nach Danksagung für die erübrigte Zeit während eines derart kritischen Punkts in der syrischen Geschichte erkundigte sich der Interviewer [Frage 1] nach den Gefühlen den Präsidenten angesichts der Tausenden aus Hunger und vor den russischen Bombardements aus dem Land fliehenden Bewohner, die versuchen, über die türkische Grenze und später über das Mittelmeer zu gelangen. – Dr. al-Assad stellt als erstes bezogen auf die persönlichen Gefühle klar, daß ihn wie jedes Individuum menschliches Leid stark berühre und auch er wie andere Bürger persönlich von Verlusten betroffen sei. Er fühle daher mit jedem Bürger. Als Amtsträger stelle sich für ihn jedoch die Frage, was in Verantwortung für die Bürger des Landes zu tun sei. Damit müsse man die [wahren] Gründe für das Leid angehen, als da wären die terroristischen an- bzw. Übergriffe – und nicht die russischen Lufteinsätze! – wie das seit fünf Jahren bestehende, letztlich den Syrern die Lebensgrundlage entziehende, von den Westmächten erlassene Embargo gegen Syrien.
Der Reporter will wissen, ob nicht die Beendigung der Belagerung von Orten wie des Beschusses der Bevölkerung mittels eines Waffenstillstandes hilfreich sei. [Frage 2] – Der Präsident entgegnet, daß letztlich, und zwar seit Beginn der Krise, den Ausschlag gebe, wen bzw. welche Seite die Bevölkerung unterstütze, und knüpft daran die theoretisch-rhetorische Frage, ob solche eine breite Unterstützung seit nunmehr fünf Jahren durch diese Bevölkerung möglich sei, wenn die falschen Anschuldigungen, z.B. des Bombardements gegen die eigne Bevölkerung oder der Blockade von Orten, wahr wären. Doch auch in der Praxis sei überprüfbar, daß für alle Menschen, welcher Schicht auch immer, und selbst die Militanten mit Angehörigen an jeglichem Ort unter Regierungskontrolle nach Möglichkeit gesorgt werde. Ja selbst in die Gegenden unter Kontrolle von Terroristen wie des IS, also etwa in ar-Raqqa, würden Impfstoffe etc. geliefert und den Beschäftigten (employees) die Gehälter weiter gezahlt. Das heiße nicht, daß keine Fehler passierten. Fehler gänzlich vermeiden könne niemand und keine Regierung. Leider sei es eine traurige Erfahrungstatsache des Kriegs seit jeher, daß unschuldige Menschen zu Schaden kämen. Man könne nur das Mögliche tun, dies zu verhindern und etwaig straffällig Gewordene zu betrafen. Daß Menschen zu Schaden kommen, sei jedoch keineswegs Politik des syrischen Staates, im Gegenteil.
Der Interviewende erkundigt sich, ob der Präsident den Fliehenden etwas sagen, sie zur Rückkehr auffordern wolle. [Frage 3] – Natürlich wolle er jeden Einzelnen zur Rückkehr bewegen, erwidert Dr. al-Assad, doch sei das nicht genug. Dafür müsse sie Rückkehr für die Flüchtlinge auch positive Erwartungen erfüllen, z.B. müsse die terroristische Bedrohung aufgehört und wieder Umstände eingetreten sein, die den täglichen Lebensbedarf sicherten. Wer emigriere, sei deswegen nicht gegen Syrien bzw. die Regierung eingestellt sondern suche aus momentaner Not heraus bessere Lebensumstände. Hätten die sich nach Ausmerzung des Terrorismus geändert, brauche es keines expliziten Rückkehraufrufs, die Menschen wollten von selbst wieder in ihre Heimat. Er rufe daher die europäischen Regierungen auf die direkten Einfluß auf die Zustände in Syrien via Unterstützung der dort aktiven Terroristen bzw. Auferlegung der Sanktionen gegen Syrien hätten, diese zu beenden und somit beizutragen, daß die Geflohenen wieder zurück nach Syrien könnten.
Frage 4 bezieht sich auf die Rückeroberung von [allen Teilen der Stadt] Aleppo und den Stand der Kontrolle über die Provinzhauptstädte al-Lâḏaqiyya und Idlib. – Dr. al-Assad stellt klar, daß es sich nicht um eine Rückeroberung handele, denn Aleppo unterstehe ja dem Staat. Bei den Gefechten gehe es um das Kappen der Versorgungswege für die Terrorgruppen von der Türkei her, welche den Hauptnachschub sicherstellten. Es werde derzeit an mehr als zehn Fronten gleichzeitig gekämpft, vom Norden her, nach Süden, Osten, den entfernten Osten und gen Westen in al-Lâḏaqiyya. In Ḥomṣ sei man bereits erfolgreich gewesen.
Sei es möglich, die Gesamtkontrolle über Syrien wieder zu erlangen und in welchem Zeitrahmen. [Frage 5] – Ersteres sei das Ziel, ob es schließlich erreicht werde oder nicht. Hinsichtlich des Zeitrahmens seien zwei Szenarien zu beachten: wäre die Situation in Syrien losgekoppelt von ausländischen Einflüssen, wäre das Ziel in weniger als einem Jahr erreichbar durch Beseitigung des Terrorismus und durch politischen Diskurs. Im anderen –tatsächlichen Fall ! – mit ständigem Nachschub für die Terrorgruppen via Türkei, Jordanien und teilweise durch den Irak, indem der IS ja ebenfalls aktiv sei, mittels saudischer, türkischer und qaṭarischer Unterstützung sei schwerlich ein Zeitrahmen zu nennen, was bedeute, daß Syrien ein hoher Preis abverlangt werde.
Auf das Nachhaken des Journalisten bzgl. einer Zeitangabe [Frage 6], erwidert der Präsident, daß diese davon abhänge, wie lange Saudi-Arabien und die Türkei ihre Terrorismusunterstützung aufrechthielten bzw., wann sich die westlichen Mächte endlich dazu entschlössen, Druck auf jene Staaten [gemäß den entsprechenden UN-Resolutionen] auszuüben, die Hilfsleistungen einzustellen.
Frage 7 befaßt sich mit dem Hauptfeind nach Ansicht des Präsidenten, sei(en) das die sog. „moderate Oppo­sition“, die Islamisten, der IS, da doch gegen jene Gruppen vorgegangen werde?
Hier stellt der Präsident erst einmal klar, was logischerweise unter dem Begriff „Opposition“ subsumierbar ist. Dies sei ein Begriff für eine politisch engagierte Gruppe, nicht für Bewaffnete, die gewaltsam gegen den Staat und seine Bürger vorgehen. Letztere hießen – wo auch immer in der Welt – Terroristen. Dennoch würde ersterer Begriff für die – wenigen! – Gruppen benutzt, nur weil sie nicht dem IS, Ğabhatu_n-Nuṣra, Ḥarakat Aḥrâr aš-Šâm al-Islāmiyya  u.s.w. verbunden seien. Das bedeutete aber sinnwidrig von „moderaten Terroristen“ zu sprechen. Ein derartiger Sprachgebrauch würde auch in anderen Ländern nicht als tolerabel erachtet. Inzwischen hätten selbst Obama und Biden zugegeben, daß die „moderate Oppo­sition“ in Syrien eine Fiktion sei. Damit sei jeder Terrorist ein zu bekämpfender Feind. Eine [echte] Opposition existiere in Syrien an sich wie auch im Parlament. Sie werde respektiert. Ihre Mitglieder verträten knallhart ihre eigenen, von der Regierung abweichenden Standpunkte, würden dafür aber nicht attackiert.
Um es noch einmal klarzulegen, frägt der Reporter, al-Assad mach zwischen den bewaffneten, gegen den Staat und seine Bürger aktiven Gruppen und solchen wie dem IS, Ğabhatu_n-Nuṣra u.a. keinen Unterschied? [Frage 8] Vom rechtlichen Aspekt her sei das so, erwidert der Staatschef. Wer sich so verhalte, müsse bekämpft werden, da spiele zunächst die ihn anspornende Ideologie keine Rolle. Tatsächlich unterschieden sich jedoch die Gruppen darin, daß die Extremisten verneinen, eine Ideologie zu verfolgen, sie würden nur kämpfen, sterben und dann in den Himmel kommen, das sei ihre Doktrin, weshalb sie auch jeglichen Dialog ablehnten. Dann gebe es noch Kämpfer, die [von einer Propaganda] irregeleitet seien. Viele davon hätten schon [von den Rekonziliierungsprogrammen, die Amnestie garantieren, Gebrauch gemacht und] ihre Waffen niedergelegt und sich wieder in ihr bürgerliches Leben zurückgezogen oder kämpften inzwischen sogar zusammen mit der Armee. Mit jenen könne man in Dialog treten.
Frage 9 beschäftigt sich mit den Gruppen Ǧaiš al-Islâm und Ḥarakat Aḥrâr aš-Šâm al-Islāmiyya, die [als Teil der sog. HNC-Delegation des] nach Genf gekommen waren. Dr. al-Assad verweist darauf, daß jene Delegation von der saudischen Regierung zusammengestellt worden sei, die den [auf der wahhâbitischen Ideologie basierenden] Terrorismus weltweit unterstütze. Demnach sei klar, daß es sich dabei nicht um Politiker sondern um Terroristen handele.
Rückfrage 10: mit ihnen werde also nicht verhandelt. Der Präsident bestätigt dies für direkte Verhandlungen, für indirekte über de Mistura laufend, seien sie jedoch vom UN-Gesandten nach Genf geladen worden. Diese seien jedoch keine Syrer, sondern Repräsentanten von Saudi-Arabien, Frankreich, Großbritannien und anderen. Demnach könnten sie an innersyrischen Gesprächen, wie die Genf-III-Konferenz eigentlich ausgelegt sein sollte, per se nicht teilnehmen. Dialog mit Syrern bedeute, daß jene Personen ihre Wurzeln in Syrien hätten wie eben die im Land existierende Opposition. Für alle anderen, auch wenn sie sich „Opposition“ titulierten, treffe dies jedoch nicht zu. Also sollten sie auch von innersyrischen Gesprächen ausgeschlossen sein.
Der Interviewer frägt nach [Frage 11], seien die [als „Opposition“] nach Genf Geladenen demnach allesamt Nicht-Syrer gewesen. Doch, für einige gelte das, antwortet der Präsident. Allerdings gehörten auch sie einem Bündnis an, das im Ausland geformt worden sei, um für die Agenden auswärtiger Staaten zu handeln [und nicht für syrische Belange, wie es dem Konzept nach sein sollte].
Frage 12 behandelt die Situation der in Syrien vertretenen Opposition. Sei dieser in der Vergangenheit zu wenig Toleranz wiederfahren, so daß der Konflikt hätte vermieden werden können. Das Staatsoberhaupt stellt klar, daß niemand niemals Fehler mache. Solche passierten in jedem Staat. Auch wolle er nicht behaupten, daß Syrien im Mittleren Osten ein herausragendes Beispiel für politische Offenheit sei. Jedoch sie dieses das Ziel des Weges, auf dem man sich beständig befinde.
Um aber auf die Frage direkt zurückzukommen, ausschlaggebend sei doch, daß es keine gegen Oppositionelle gerichtete staatliche Aktionen gebe. Selbst Radikale Vertreter, die den Staat angriffen, würden nicht verfolgt oder gar inhaftiert, weder jetzt noch vor Eintreten der Krise. Insofern gehe der Ausdruck mangelnder „Toleranz“ fehl.
Vielleicht sei es aber für die Opposition vor der Krise schwer gewesen, sich zu versammeln oder zu organisieren und die Stimme zu erheben oder sie hatten zu wenig Handlungsspielraum [Frage 13]. Diese Frage sei für den ganzen Mittleren Osten angebracht, urteilt Dr. al-Assad. Teilweise träfen diese Bedingungen für die arabische Welt zu. Doch sei das keine Frage der Toleranz sondern der überkommenen legalen, soziokulturellen Umstände, die die von ihnen geprägten Individuen beträfen. Demokratie basiere eher auf [einer bestimmten] Kultur als auf einer [bloßen] Rechtssatzung. Man könne nicht einfach nur gewisse Gesetze erlassen, während die Kulur nicht mit Schritt halte.
Ob er mit einer türkischen oder saudischen Militärinterention rechne, wird als nächstes gefragt [Frage 14] Gehe es nach der Logik, dann nein, doch etliches gehe nicht nach logischen Erwägungen; z.B. sei Erdogan eine fanatische Person mit einem Hang zur Muslimbruderschaft und im Traum eines [neu zu schaffenden] Osmanischen Reiches befangen. Mit seinem islamistischen Sendungsbewußtsein empfinde er die Zusammenbrüche dieser Ansätze in Tunesien, Libyen, Ägypten und Syrien als sei er persönlich involviert. Dasselbe treffe auf die Âl-Saʽûd zu. Den Zusammenbruch der [wahhâbitisch orientierten] Terroristen in Syrien verstünden jene Regierungen daher als eigenen. Diesen [ideologischen] Attacken werde Syrien jedoch wehren.
Ob er nach Beendigung der Krise Nord-Syrien den Kurden zur Eigenverwaltung überlassen wolle, lautet Frage 15: Dies beantworte allein die syrische Verfassung, die nicht von der Regierung erstellt worden sei. Demnach gelten alle Staatsbürger einschließlich der Kurden als Syrer. Über Änderungen der Verfassung – in welcher Art auch immer – habe ein Referendum zu entscheiden, das sei nicht die Aufgabe eines Beamten der Regierung. Somit seien derartige Themen auch Gegenstand eines innersyrischen politischen Dialogs.
Entspreche es den Tatsachen, daß die russische Seite den Präsidenten zu überzeugen versucht habe zurückzutreten. Sei diesbezüglich nicht ein russisch-amerikanischer Deal zu befürchten? [Frage 16] – Grundsätzlich sei das eine Möglichkeit, jedoch sprächen die Fakten eine andere Sprache: die Russen behandelten die Syrer mit großem Respekt, nicht wie eine Supermacht einen Untergebenen. Daher sei derlei auch niemals in irgendeiner Form Thema gewesen.
Sei der Präsident bereit, den Russen und dem Iran ständige Basen auf syrischem Territorium einzuräumen und führe das nicht zu einem Satellitensstaatendasein? [Frage 17] – Nur weil man einem anderen Staat im Inland eine Militärbasis gewähre, sei man noch lange kein Satellitenstaat, jedenfalls solange sich diese nicht einmischten im Bereich der Verfassung, des Rechtswesens, der zu verfolgenden Politik etc. Davon abgesehen hätten die Russen seit langem eine Militärbasis [d.i. der Hafen Ṭarṭûs mit etlichen Einschränkungen], während die Iraner niemals danach gefragt hätten. Tatsächlich habe man diesbezüglich nie Problem gehabt.
Und wenn der Iran eine solche Bitte äußerte? [Frage 18] – Das ist aufgrund keiner vorliegenden Anfrage rein hypothetisch, jedoch generell wie im Falle Rußlands prinzipiell akzeptabel und zudem abhängig von den Möglichkeiten eines anderen Staates und dessen Rolle in der regionalen und internationalen Arena.
Habe Rußland um Erlaubnis für den Aufbau einer neuen Basis in Syrien gebeten? [Frage 19] – Dies wird verneint.
Da die US-Präsidentschaftswahlen bevorstünden, verspreche sich Dr. al-Assad eher etwas von den Bewerbern Trump oder Clinton oder einer dritten Person? [Frage 20] – Darauf habe sei in Syrien nie gesetzt worden, sondern nur auf die tatsächlich von der US-Administration verfolgte Politik. Letztere bestimme nicht der Präsident allein, sondern das Establishment im Ganzen, die Lobbys etc. Immer habe sich alles darum gedreht, wer mehr einen Hang zum Kriegführen habe, was nichts Gutes verheiße.
Zwischenfrage: Aber wer sei denn nun aggressiver, kriegsaffiner, Trump oder Clinton? – Problematischerweise beobachte man im US-Wahlkampf der verschiedenen Perioden, daß die Kandidaten zuvor etwas anderes versprachen als sie dann hinterher umsetzten.
Erneute Zwischenfrage: Ängstigten ihn demnach die Versprechen von Trump nicht? – Nein, denn es sei falsch, auf die Versprechen von US-Kandidaten vor der Wahl zu bauen. Daher erübrige sich auch jeder Kommentar zu Äußerungen von Präsidentschaftskandidaten.
Ob er lebenslang Präsident bleiben wolle wie sein Vater, oder – wenn nicht – ob er einen Nachfolger heranziehe, einen Sohn etwa? [Frage 21] – Zunächst einmal sei eine Staatspräsidentschaft kein Hobby, sondern eine Verantwortung, insbesondere unter solchen Umständen. Zudem sei ein Land weder ein Bauernhof noch eine Firma, für die man ein Nachfolger aussuchen könne. Ob er Präsident bleibe, hänge einmal von seinem Willen, ab, weitermachen zu wollen, wie genauso vom Wählerwillen, für ihn als Präsidenten zu stimmen. Es sei demnach viel zu früh, über Derlei zu reden, denn: wenn die nächsten Wahlen anstünden und es zeichne sich ab, daß die Bevölkerung ihn nicht wählen wolle, werde er nicht im Amt bleiben. Aber bis zu den nächsten Wahlen sei es noch eine Weile hin.
Es habe ja mehrere Vorwürfe gegen die Regierung unter einer Präsidentschaft wie gegen ihn selbst gegeben wie erst kürzlich wieder, z.B. bzgl. Genozids oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Vergangenen Monat habe der UN Human Rights High Commissioner von der Blockade einer Anzahl von Städten gesprochen wie Madaya [Maḍâyâ], oder vom Abwurf von Faßbomben auf Zivilisten. Rechne er nicht eines Tages mit einem Verfahren vor einem internationalen Gericht? [Frage 22] – Zunächst einmal obliege es den UN eine Balance zwischen den Großmächten und deren Konflikten aufrecht zu erhalten. Die UN-Institutionen kontrollierten hauptsächlich die Westmächte. So sei es ersichtlich, daß deren „Berichte“ einer politischen Agenda folgten. Dies sei schon allein daran abzulesen, daß jene Organisationen kein Wort zu den von den Terroristen ständig gegenüber der unschuldigen Zivilbevölkerung begangenen Verbrechen verlören. Was eindeutig gegen jene UN-Berichte spreche, sei zudem, daß sie keinerlei Beweise für ihre Anschuldigungen anbringen könnten – was generell der Fall sei. Den „Berichten“ widerspreche jedoch auch die Logik. Wenn tatsächlich westliche und reiche Golfstaaten gegen eine Einzelperson [i.e. den syrischen Präsidenten] agierten und dieser sich tatsächlich solcher Verbrechen schuldig machte, wie könne dann dieser und die Regierung unter ihm fünf Jahre lang solchem Druck widerstehen. Da dies alles nicht der Fall sei, sei er von solchen Anschuldigungen nicht betroffen.
Bezüglich der letzten Berichte über Tausende von Toten in syrischen Gefängnissen soll es jedoch Augenzeugen gegeben haben. Wie stehe es damit? [Frage 23] – Es besteht ein gravierender Unterschied zwischen Verbrechen, die Individuen begehen, und solchen, die sozusagen eine staatliche politische Richtlinie des systematischen Tötens darstellen. In jedem Krieg sterben Unschuldige. Doch was Kriegsverbrechen ausmacht, ist, daß eine [staatliche] Order existiert, Massaker zu welchem Zweck auch immer zu begehen. Wäre dem so in Syrien von Staats wegen, würden sich nicht die Menschen von terrroristenkontrollierten Gebieten in jene unter staatlicher Kontrolle flüchten, sondern umgekehrt.
Wie er denke, einmal in den Geschichtsbüchern bewertet zu werden. [Frage 24] – Das hänge nach Dr. al-Assads Meinung ganz davon ab, w e r diese Geschichte schreibe. So wie es derzeit stehe, würde ihm der Westen wohl alle negativen Eigenschaften zuschreiben. Relevant sei jedoch etwas anderes, wie er selbst vor sich bestehe. Er versuche einfach alles zu tun, um Syrien zu beschützen, jedoch nicht den Stuhl, auf dem er [von Amts wegen] sitze.
Wie auch immer, Europa werde immer mehr durch den mit der Dschihadisten-Bewegung verbundenen Terrorismus bedroht; einige hätten Kontakte nach Syrien, gemeint seien der Islamische Staat (IS) bzw. al-Qaida. Die Frage sei hier, ob Syrien den europäischen Ländern Hilfe leisten könne, gegen die Bedrohung durch den Terrorismus vorzugehen? [Frage 25] – Wie bei einem Gebäude könne man dieses nicht errichten, ohne die Fundamente dafür gelegt zu haben. Was sei also als fundament in diesem Fall anzusehen? Zuerst brauche es in Europa Amtsträger, die willens seien, den Terrorismus zu bekämpfen. Im Moment fehle es daran. Das zweite wäre ein kluge Politik. Die sei mit überheblichen, dickköpfigen, einzig auf egoistische Ziele bedachten Politikern und ihren entsprechenden Vorgehensweisen nicht zu machen. Zum Dritten – und das sei sehr wichtig – sollte der Counterterrorismus als Wert begriffen und nicht als eine Abart des Opportunismus gepflegt werden, wie es zur Zeit in Europa der Fall ist: da man dort jetzt auch darunter zu leiden habe und davon in Schrecken versetzt sei, wolle man ihn in der eigenen Region bekämpfen. Was aber sei vor einigen Jahren gewesen, als diese Bedrohung in Europa noch nicht vorgelegen habe?
Ob er mit den Anti-Regierungskämpfern tatsächlich verhandeln wolle oder sie lieber militärisch besiegen? [Frage 26] – Auf Verhandlungen und politische Aktionen werde schon immer gesetzt seit Beginn der Krise [d.i. 2011]. Zu verhandeln heiße jedoch nicht, aufzuhören, den Terrorismus zu bekämpfen. Es gebe da zwei unausweichliche parallele Verfahrensweisen: einmal der politische Dialog und auf der anderen Seite der Counterterrorismus. Beide hätten miteinander nichts zu tun.
Was er zum Rücktritt des französischen Außenministers Laurent Fabius ist die letzte Frage an den Präsidenten. Bedeute das eine Änderung der französischen Außenpolitik gegenüber Syrien eventuell mit Auswirkung auf eine gemeinsame counterterroristische Vorgehensweise? [Frage 27] – Personen auszutauschen bedeute nicht die Politik zu verändern. Diese habe sich jedoch [d.h. bzgl. Syrien] unter Sarkozy nicht von der unter Hollande unterschieden. Fortgeführt wurde die destruktive Politik der direkten Unterstützung für die in Syrien agierenden Terroristen. Die Politik mache nicht der Außenminister. Vom syrischen Aspekt aus gesehen gebe es daher keinen Grund für eine Initiative. Vielmehr solle sich Frankreich erst einmal im Counterterrorismus engagieren, statt Terroristen politisch und auch militärisch zu unterstützen. Das sei Frankreichs Pflicht, insbesondere angesichts dessen, daß Hunderte unschuldiger französischer Bürger für die verfehlte Staatspolitik mit ihrem Leben zu bezahlen hatten.
Das Gespräch schließt mit dem gegenseitigen Dank beider Gesprächspartner aneinander.

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Präsident Dr. al-Assad: Syria won’t be a puppet state for the West

Interview mit Paris Match

im englischen Original bei:

http://www.sana.sy/en/?p=20381 vom 4.12.2014

 

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit Russia Today,
ausgestrahlt am 9.11.2012

(Englische Originalfassung, Untertitel in Französisch)
  (Übersetzung von http://www.voltairenet.org/article177806.html)

 

Russia Today: (Sophie Schevarnadze): Präsident Baschar al-Assad von Syrien, herzlichen Dank für das Gespräch heute.
Baschar al-Assad: Sie sind herzlich willkommen in Damaskus.
RT: Es gibt viele Menschen, die vor einem Jahr davon überzeugt waren, dass Sie es nicht so weit schaffen würden. Jedoch sind wir hier in dem neu renovierten Präsidentenpalast für die Aufnahme dieses Interviews. Wer genau ist ihr Feind zu diesem Zeitpunkt?
BA: Mein Feind ist der Terrorismus und die Instabilität in Syrien. Dies ist der wahre Feind in Syrien. Es geht nicht um die Menschen, es geht nicht um Personen. Das wahre Problem geht auch nicht um mich, ob ich bleibe oder gehe. Es geht darum, ob das Land sicher sein wird oder nicht. Das ist der Feind, den wir als Syrer bekämpft haben.
RT: Ich war in den letzten zwei Tagen hier und hatte die Gelegenheit, mit ein paar Leuten in Damas­kus zu sprechen. Einige von ihnen sagen, ob Sie nun (als Präsident) bleiben oder gehen ist nicht mehr wirklich entscheidend. Was sagen Sie dazu?
BA: Ich denke, ob der Präsident bleibt oder geht, ist Wille des Volkes und kein persönlicher. Und das einzige Mittel ihn zu kennen, geht über die Wahlurnen. Also, es geht nicht darum was man hört. Es geht darum, was die Wahlurnen sagen werden und dieses Ergebnis wird jedem Präsidenten sagen, zu bleiben oder zu gehen. Ganz einfach.
RT: Ich denke, was diese Leute meinten ist, dass zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Sie (als Präsident) gemeint sind; Syrien ist das Ziel.
BA: Ich war nicht das Ziel, ich war überhaupt nicht das Problem. Sie wissen, der Westen schafft seine Feinde. In der Vergangenheit war es der Kommunismus dann wurde es der Islam, und dann wurde es Saddam Hussein aus einem anderen Grund. Jetzt wollen sie einen neuen Feind schaffen, sie sagen Baschar al-Assad wäre das Problem und er müsste weg. Deswegen sagen sie, das Problem sei der Präsident, deswegen soll er gehen. Deshalb müssen wir uns auf das eigentliche Problem konzentrieren und nicht unsere Zeit damit verschwenden, anzuhören was sie sagen.
RT: Glauben Sie persönlich immer noch, dass Sie der einzige Mann sind, der Syrien zusammenhalten kann und der einzige Mann, der, was die Welt einen “Bürgerkrieg” nennt, beenden kann?
BA: Wir können es aus zwei Aspekten betrachten. Der erste Aspekt ist die Verfassung, und ich habe meine Autorität durch die Verfassung. Mit dieser Autorität und der Verfassung, muss ich in der Lage sein, das Problem zu lösen. Aber wenn Sie meinen, dass kein anderer Syrer Präsident sein kann: Nein, jeder Syrer könnte Präsident werden. Wir haben viele Syrer, die für diese Position geeignet sind. Sie können nicht das ganze Land an eine einzige Person knüpfen.
RT: Aber Sie kämpfen für Ihr Land. Glauben Sie, dass Sie dem Konflikt ein Ende setzen und Frieden wiederherstellen können?
BA: Ich muss derjenige sein, der das tun kann, und ich hoffe es, aber es ist nicht allein die Macht des Präsidenten, es geht um die ganze Gesellschaft. Wir müssen dabei sehr genau sein. Der Präsident kann nichts tun ohne die Institutionen und ohne die Unterstützung des Volkes. Also, der Kampf ist jetzt nicht der des Präsidenten, es ist der aller Syrer. Jeder Syrer ist daran beteiligt sein Land zu verteidigen.
RT: Das stimmt und eine Menge von Zivilisten sterben auch in diesem Kampf. Also, wenn Sie diesen Krieg gewinnen könnten, wie würden Sie sich mit Ihren Menschen versöhnen nach allem, was passiert ist?
BA: Lassen Sie uns nochmal präzise bleiben. Das Problem liegt nicht zwischen mir und dem Volk, ich habe kein Problem mit dem Volk, weil die Vereinigten Staaten gegen mich sind und der Westen gegen mich ist und viele andere arabische Länder, darunter die Türkei, die nicht arabisch ist, sind natürlich gegen mich. Wenn das syrische Volk gegen mich wäre, wie könnte ich dann noch immer hier sein?
RT: Ist es nicht gegen Sie?
BA: Wenn die ganze Welt, oder sagen wir einen großer Teil der Welt, einschließlich Ihrer eigenen Leute gegen Sie sind, sind Sie dann nicht ein Supermann? Sie sind einfach nur ein Mensch. Also, das ist nicht logisch. Es geht nicht um die Versöhnung mit dem Volk und es geht auch nicht um die Ver­söhnung zwischen den einen Syrern und anderen Syrern, wir haben keinen Bürgerkrieg. Es geht um Terrorismus und um die Unterstützung von Terroristen aus dem Ausland, um Syrien zu destabilisieren. Dies ist unser Krieg.
RT: Sie glauben nicht an einen Bürgerkrieg, weil ich weiß, es gibt viele,- abgesehen von terroristischen Handlungen in Syrien die jedermann zugibt – und es gibt auch eine Menge konfessionell motivierte Konflikte. Zum Beispiel haben wir alle gehört, über die Mutter, die zwei Söhne hat, ein Sohn kämpft für die Regierungstruppen und der andere Sohn für die Rebellen. Wie kann das kein Bürgerkrieg sein?
BA: Es gibt Spaltungen, aber Spaltungen bedeuten nicht Bürgerkrieg. Das ist etwas völlig anderes. Bürgerkriege sind auf ethnischen oder konfessionellen Problemen basiert. Manchmal haben Sie eth­nische oder religiöse Spannungen, aber sie werden nicht zu einem Problem. Also, wenn es Meinungs­verschiedenheiten in der gleichen Familie oder in einem größeren Stamm gibt, oder auch in der glei­chen Stadt, bedeutet das nicht Bürgerkrieg. Dies ist etwas völlig anderes und das ist normal. Wir sollten das erwarten.
RT: Als ich Sie über die Versöhnung mit Ihrem Volk gefragt habe, ist es dies, was ich meinte: Ich habe Sie öfters wiederholen gehört, dass das einzige, was Sie interessiert, ist, was das syrische Volk über sie denkt und was die Syrer Ihnen gegenüber empfinden und ob Sie Präsident sein sollten oder nicht. Fürchten Sie nicht letztlich, da es so viel Schaden gegeben hat, aus welchem Grund auch immer, dass die Syrer sich nicht für die Wahrheit interessieren werden und sie Sie nur für das Gemetzel tadeln werden, das sie erlitten haben?
BA: Das ist eine hypothetische Frage, denn was die Leute denken, ist das Richtige, und über das, was sie denken, müssen wir sie befragen. Aber ich habe darüber jetzt keine Informationen. Also, ich bin nicht besorgt darüber, was einige Leute denken, ich bin besorgt um mein Land. Darauf müssen wir uns fokussieren.
RT: Seit Jahren gibt es viele Geschichten über die mächtige syrische Armee, die wichtigen und starken syrischen Geheimdienste, aber dann sehen wir, dass die Regierungstruppen nicht in der Lage sind, den Feind wie erwartet zu zerschlagen. Stattdessen sehen wir fast jeden Tag Terroranschläge in der Mitte von Damaskus. Waren dies Mythen über die syrische Armee und über die starken syrischen Geheimdienste?
BA: In der Regel und unter normalen Umständen, wenn Sie die Armee, die Sicherheitskräfte und die Geheimdienste nehmen, konzentrieren wir uns auf den äußeren Feind, auch wenn wir einen inneren Feind, wie den Terrorismus haben, weil die Gesellschaft uns dabei hilft, zumindest keine terroristischen Brutkästen entstehen zu lassen. Jetzt in diesem Fall ist es eine neue Art von Krieg, Terrorismus durch Stellvertreter, entweder Syrer die in Syrien leben oder ausländische Kämpfer, die aus dem Ausland kommen. Also, es ist eine neue Art von Krieg, das ist das erste, und Sie müssen sich darauf einstellen und das braucht Zeit, es ist nicht leicht. Und zu sagen, das ist so einfach wie der normale wäre, oder, sagen wir, ein traditioneller oder regulärer Krieg, nein, es ist viel schwieriger.
Zweitens ist die Unterstützung, die die Terroristen in jeder Hinsicht, einschließlich Waffen, Geld und politischer Art angeboten wurden, beispiellos. Also müssen Sie damit rechnen, dass es ein harter und schwieriger Krieg werden wird. Sie können nicht erwarten, dass ein kleines Land wie Syrien, all jene Länder, die uns durch solche Stellvertreter bekämpfen, in wenigen Tagen oder Wochen besiegt.
RT: Ja, aber wenn man es so betrachtet, einerseits haben Sie einen Führer mit einer Armee, und er befiehlt dieser Armee geradeaus, nach links, nach rechts zu gehen und die Armee gehorcht. Auf der anderen Seite haben Sie Splittergruppen von Terroristen, die nicht einheitlich sind und keine einheitliche Strategie haben gegen Sie zu kämpfen. Also, wie kann das wirklich funktionieren, mit der Bekämpfung?
BA: Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass diese Terroristen im inneren der Städte kämpfen, und in den Städten haben wir Zivilisten. Wenn Sie diese Art von Terroristen bekämpfen, müssen Sie sich bewusst sein, dass Sie Schäden an der Infrastruktur und an der Zivilbevölkerung vermeiden müssen. Aber Sie müssen kämpfen, Sie können nicht einfach zulassen, dass die Terroristen töten und zerstören. Das ist die Schwierigkeit, bei dieser Art von Krieg.
RT: Sie wissen, dass die Infrastruktur und Wirtschaft leiden; es ist fast so, als ob Syrien bald verfallen wird und die Zeit ist gegen Sie. Ihrer Meinung nach, wie viel Zeit brauchen Sie, um den Feind zu vernichten?
BA: Man kann diese Frage nicht beantworten, weil niemand behaupten kann, wann der Krieg beendet sein wird, außer wir wüssten, wann der Schmuggel von ausländischen Kämpfern aus verschiedenen Teilen der Welt aufhört, vor allem aus dem Nahen Osten und der islamischen Welt und wann sie den Waffennachschub an jene Terroristen beenden werden. Wenn sie damit aufhören, könnte ich Ihnen eine Antwort geben; dann kann ich Ihnen sagen, dass wir innerhalb von Wochen alles beenden können. Dies ist kein Problem. Aber solange man die kontinuierliche Versorgung der Terroristen mit Waffen, Logistik und alles anderem aufrechterhält, wird es zu einem langfristigen Krieg werden.
RT: Wenn man auch daran denkt, dass Sie 4.000 km spärlich bewachte Grenzen haben, so dass Ihre Feinde jederzeit über Jordanien oder die Türkei sich medizinisch versorgen können und wiederbewaffnet wieder zurückkehren, um gegen Sie zu kämpfen!
BA: Genau, kein Land der Welt kann seine Grenzen versiegeln. Manchmal wird diese Bezeichnung verwendet, sie ist aber nicht korrekt, sogar die Vereinigten Staaten beispielsweise können ihre Grenze mit Mexiko nicht versiegeln. Das gleiche gilt für Russland, das ein großes Land ist. Also kein Land kann seine Grenzen dicht machen. Sie können jeweils nur eine bessere Situation an der Grenze schaffen, wenn Sie gute Beziehungen zu den Nachbarn haben, und das ist etwas, was wir zumindest mit der Türkei derzeit nicht haben. Die Türkei unterstützt mehr als jedes andere Land den Schmuggel von Terroristen und Waffen.
RT: Kann ich Sie etwas fragen? Ich war vor kurzem in der Türkei und die Menschen dort sind wirklich sehr besorgt über einen möglichen Krieg zwischen Syrien und der Türkei. Glauben Sie, dass ein Krieg mit der Türkei ein realistisches Szenario darstellt?
BA: Rational, nein, ich denke nicht – aus zwei Gründen: Der Krieg braucht die Unterstützung der Öffentlichkeit und die Mehrheit der türkischen Bevölkerung braucht diesen Krieg nicht. Also, ich glaube kein vernünftiger Offizieller würde gegen den Willen der Bevölkerung in seinem eigenen Land vorgehen und das gleiche gilt für das syrische Volk. Also, der Konflikt oder Zwiespalt besteht nicht zwischen der türkischen und der syrischen Bevölkerung, es geht um ihre Regierung und offiziellen Vertreter und unsere offiziellen Vertreter hinsichtlich ihrer Politik. Also, ich sehe keinen Krieg zwischen Syrien und der Türkei am Horizont.
RT: Wann war das letzte Mal, als Sie mit Erdogan gesprochen haben und wie endete das Gespräch?
BA: Im Mai 2011, nachdem er die Wahl gewonnen hatte.
RT: Also sie haben ihm gratuliert und es war das letzte Mal,
BA: Ja, das war das letzte Mal.
RT: Wer setzt die Türkei unter Beschuss? Sind es die Regierungstruppen oder die Rebellen?
BA: Um die Antwort zu finden, muss man ein gemeinsames Komitee zwischen den beiden Armeen bilden, um zu erfahren, wer wen beschießt, weil an den Grenzen Sie eine Menge von Terroristen haben, die Mörser haben, die das Gleiche tun können. Man müsste hingehen, die Bombe in dem Ort selbst zu untersuchen und das ist nicht geschehen. Wir baten die türkische Regierung ein Untersuchungskomitee zu bilden, aber sie weigerten sich, also kennen wir die Antwort nicht. Aber wenn Sie Terroristen an ihren Grenzen haben, können Sie das nicht ausschließen, dass sie so was tun, da die syrische Armee keine Befehle hat, die Türkei anzugreifen, weil wir daran kein Interesse haben, wir haben keine Feindschaft mit dem türkischen Volk. Wir betrachten sie als Brüder, also warum sollten wir das tun, es sei denn es geschehe aus Versehen, deshalb braucht man eine Untersuchung.
RT: Akzeptieren Sie es, dass es irrtümlicherweise durch Regierungstruppen geschehen ist?
BA: Das könnte passieren. Dies ist eine Möglichkeit, und in jedem Krieg passieren Fehler. Wie Sie von Afghanistan wissen, reden sie immer über „friendly fire“, wenn Sie ihre eigenen Soldaten töten. Das heißt, das kann in jedem Krieg passieren, aber man kann nicht sagen, dass es der Fall war.
RT: Warum ist die Türkei, die Sie eine befreundete Nation nennen, ein Standbein für die Opposition geworden?
BA: Nicht die Türkei, sondern nur die Regierung Erdogan, um genau zu sein. Das türkische Volk will gute Beziehungen mit den Syrern. Erdogan meint, wenn die Muslimbruderschaft in der Region und vor allem in Syrien an die Macht kommt, kann er seine politische Zukunft sichern, dies ist einer der Gründe. Der andere Grund, er persönlich glaubt, dass er der neue Sultan des Osmanischen Reiches ist, und er könne die Region, wie sie während des Osmanischen Reiches war, unter einem neuen Dach kontrollieren, das islamisch ist, und nicht osmanisch, nicht um Kalif zu werden. Aber in seinem Herzen denkt er, er sei der Kalif. Dies sind die beiden wichtigsten Gründe für ihn, seine Politik von „null Problemen“ auf „null Freunde“ zu verschieben.
RT: Aber es ist nicht nur der Westen, der zu diesem Zeitpunkt gegen Sie steht, es gibt ebenso viele Feinde in der arabischen Welt; das heißt vor zwei Jahren noch wollte man in der arabischen Welt die Beziehungen zu Ihnen stärken, und jetzt bei der ersten Gelegenheit werden Sie verraten, warum haben Sie so viele Feinde in der arabischen Welt?
BA: Sie sind keine Feinde. Die Mehrheit der arabischen Regierungen unterstützt Syrien in ihren Herzen, aber sie trauen sich nicht, dies explizit zu sagen.
RT: Warum nicht?
BA: Unter dem Druck des Westens, und manchmal unter dem Druck der Petrodollar in der arabischen Welt.
RT: Wer aus der arabischen Welt unterstützt Sie?
BA: Viele Länder unterstützen Syrien, aber trauen sich nicht, das explizit zu sagen. Vor allem Irak, der eine sehr aktive Rolle bei der Unterstützung Syriens während der Krise gespielt habt, weil er ein Nachbarland ist und versteht und erkennt, dass, wenn es einen Krieg in Syrien gibt, werden Sie den Krieg in den benachbarten Ländern bekommen, darunter auch in Irak. Ich denke, es gibt andere Länder, die gute Positionen einnehmen, wie Algerien und Oman hauptsächlich und es gibt noch weitere Länder, die ich jetzt nicht alle aufzählen will, aber ich würde sagen, sie haben positive Positionen, aber ohne aktiv zu sein.
RT: Saudi-Arabien und Katar, warum sind die so hartnäckig bezüglich Ihrer Abdankung und wie würde ein instabiler Naher Osten in deren Agenda passen?
BA: Lassen Sie uns ehrlich sein, ich kann nicht in deren Namen sprechen. Sie müssen diese Frage selbst beantworten, aber ich kann sagen, dass das Problem zwischen Syrien und anderen Ländern, ob in der arabischen Welt oder in der Region oder im Westen, darin besteht, dass wir „Nein“ sagen, wenn wir denken, dass wir „Nein“ sagen müssen. Das ist das Problem. Und einige Länder glauben, dass sie Syrien durch Aufträge, durch Geld oder Petro-dollar kontrollieren können und das ist in Syrien unmöglich. Das ist das Problem. Vielleicht wollen sie eine Rolle spielen. Wir haben kein Problem damit, sie können eine Rolle spielen, ob sie diese verdienen oder nicht, aber sie können keine Rolle zu Lasten unserer Interessen spielen.
RT: Geht es darum Syrien zu kontrollieren oder ihre Vision des Islam nach Syrien zu exportieren?
BA: Sie können das nicht als staatliche Politik bezeichnen. Manchmal sind es Institutionen in bestimmten Ländern, dann sind es Personen, die dies zu fördern versuchen, aber sie kündigen es nicht als offizielle Politik an. Sie haben uns nicht gebeten, um die, sagen wir mal, extremistische Haltung ihrer Institutionen zu fördern, aber das passiert in der Realität, es sei durch indirekte Unterstützung ihrer Regierung oder durch die Gründer der Institutionen und des Personals. Also, das ist Teil des Problems, aber wenn ich als Regierung sprechen will, muss ich über die angekündigte Politik sprechen. Die angekündigte Politik ist wie jede andere Politik, es geht um Interessen, es geht darum eine Rolle zu spielen, aber man kann nicht übersehen, was erwähnt wurde.
RT: Der Iran, ein sehr enger Verbündeter, ist auch wirtschaftlichen Sanktionen ausgesetzt, auch vor einer Bedrohung der militärischen Invasion. Wenn Sie mit der Option konfrontiert wären, die Beziehungen mit dem Iran zu beenden, im Austausch für Frieden in Ihrem Land, würden Sie das tun?
BA: Wir haben keine widersprüchliche Optionen in dieser Hinsicht, warum, weil wir gute Beziehungen mit dem Iran seit 1979 bis heute pflegen, und werden jeden Tag besser, gleichzeitig bewegen wir uns Richtung Frieden. Wir hatten Friedensprozesse und wir hatten Friedensverhandlungen. Iran war kein Faktor gegen den Frieden. Also, das ist Desinformation, die der Westen versucht zu fördern, dass, wenn wir den Frieden brauchen, dürften wir kein gutes Verhältnis mit dem Iran pflegen. Es gibt da keinen Zusammenhang, es sind zwei völlig unterschiedliche Themen. Der Iran unterstützte Syrien, unterstützt unsere Sache, die Sache der besetzten palästinensischen Territorien, und wir müssen sie in ihrer Sache unterstützen. Dies ist sehr einfach. Der Iran ist ein sehr wichtiges Land in der Region. Wenn wir Stabilität wollen, brauchen wir gute Beziehungen mit dem Iran. Man kann nicht über Stabilität reden, während man schlechte Beziehungen mit dem Iran, der Türkei und den Nachbarn pflegt und so weiter. Das ist es einfach.
RT: Haben Sie Informationen, dass westliche Geheimdienste Rebellen hier in Syrien finanzieren?
BA: Nein, soweit wir wissen, unterstützen sie die Aufklärungserkenntnisse der Terroristen hauptsächlich durch die Türkei und manchmal durch den Libanon. Aber es gibt andere Geheimdienste, nicht die westlichen, sondern regionale Dienste, die sehr aktiv sind, aktiver als die westlichen, die aber unter der Aufsicht der westlichen Geheimdienste stehen.
RT: Welche Rolle spielt Al-Kaida in Syrien im Moment? Steuern sie die Koalitionstruppen der Rebellen?
BA: Nein, ich glaube nicht, dass sie versuchen zu steuern; sie versuchen, ihre eigenen Königreiche oder Emirate in ihrer Sprache zu schaffen, aber vor allem versuchen sie, die Menschen durch Explosionen, Attentate, Selbstmordattentäter und Dinge wie diese in Angst und Verzweiflung zu versetzen um diese als Realität zu akzeptieren. Also, sie gehen Schritt für Schritt vor, aber ihr endgültiges Ziel ist es, sozusagen ein islamisches Emirat in Syrien zu errichten, von wo aus sie ihre eigene Ideologie in den Rest der Welt exportieren können.
RT: Von denen, die gegen Sie kämpfen und diejenigen, die gegen Sie sind, mit wem würden Sie reden?
BA: Wir sprechen mit jedem, der wahren Willens ist, Syrien zu helfen, aber wir verlieren keine Zeit für diejenigen, der unsere Krise für ihre eigenen Interessen nutzen wollen.
RT: Es kam schon öfter vor … nicht gegen Sie, sondern dass Regierungstruppen wegen Kriegsverbrechen gegen die eigenen Zivilisten beschuldigt wurden. Akzeptieren Sie, dass Regierungstruppen
BA: Wir bekämpfen den Terrorismus. Wir vollziehen unsere Verfassung, indem wir das syrische Volk schützen. Gehen wir einmal zurück zu dem, was vor mehr als einem Jahrzehnt in Russland passiert ist, als sie in Tschetschenien und anderen Orten mit Terrorismus konfrontiert waren; sie griffen Menschen in Theatern und Schulen und so weiter an, und die russische Armee schützte die Bevölkerung. Würden Sie das als Kriegsverbrechen bezeichnen? Nein, würden Sie nicht.
Vor zwei Tagen, anerkannte Amnesty International die Verbrechen, die vor wenigen Tagen von den bewaffneten Gruppen begangen wurden, als sie Soldaten gefangen genommen und hingerichtet haben. Auch Human Rights Watch hat dies anerkannt. Human Rights Watch hat mehr als einmal die Verbrechen dieser terroristischen Gruppen anerkannt und vor wenigen Tagen diese Verbrechen als Kriegsverbrechen beschrieben, das ist der erste Punkt.
Der zweite Punkt, wenn Sie eine Armee haben, die Verbrechen gegen ihr eigenes Volk begeht, ist das ohne Logik, weil die syrische Armee aus syrischem Volk besteht. Wenn Sie Verbrechen gegen das eigene Volk anordnen wollten, dann wird die Armee sich zerteilen, wird zerfallen. Sie können keine starke Armee haben, wenn sie Landsleute töten lassen.
Drittens, kann die Armee nicht seit 20 Monaten in diesen schwierigen Umständen durchhalten, ohne Rückhalt durch die Öffentlichkeit in Syrien. Also, wie könnte man diesen Rückhalt haben, wenn man die eigenen Menschen tötete? Das ist ein Widerspruch. Das ist meine Antwort.
RT: Wann war es das letzte Mal, als Sie mit einem westlichen Führer sprachen?
BA: Es war vor der Krise.
RT: Gab es einen Zeitpunkt, an dem versucht wurde, Ihnen Bedingungen aufzuerlegen, dass, wenn Sie den Posten des Präsidenten aufgäben, es dann Frieden in Syrien geben würde oder nicht?
BA: Nein, niemand hat das direkt vorgeschlagen, nein, aber ob sie es auch direkt oder indirekt vorgeschlagen würden, bleibt es einzig eine Frage der Souveränität; nur das syrische Volk hat darüber etwas zu sagen. Wer auch immer darüber in den Medien oder in einer Erklärung direkt oder indirekt spricht, es hat keine Bedeutung und kein Gewicht in Syrien.
RT: Haben Sie überhaupt eine Wahl, weil so wie es von außen aussieht, könnten Sie nirgends hingehen. Wo würden Sie hingehen, wenn Sie wirklich (Syrien) verlassen wollten?
BA: Nach Syrien. Ich würde von Syrien nach Syrien gehen. Dies ist der einzige Ort, wo ich leben kann. Ich bin keine Marionette. Ich wurde nicht vom Westen gemacht, um in den Westen oder in ein anderes Land zu gehen. Ich bin Syrer, ich wurde in Syrien geboren, ich muss in Syrien leben und in Syrien sterben.
RT: Denken Sie, dass es zu diesem Zeitpunkt eine Chance für Diplomatie oder Gespräche gibt, oder nur die Armee es schaffen kann?
BA: Ich habe immer an Diplomatie geglaubt und ich glaube immer an den Dialog auch mit denen, die das nicht verstehen oder daran glauben. Wir müssen es immer wieder versuchen. Ich denke, dass wir damit immer einen Teilerfolg erreichen können. Wir müssen nach diesem Teilerfolg streben, bevor wir den vollen Erfolg erzielen können. Aber wir müssen realistisch sein. Glauben Sie ja nicht, dass nur der Dialog etwas erreichen kann, denn diese Leute, die solche Taten begangen haben, sind von zweierlei Art:
Die einen glauben nicht an Dialog, besonders die Extremisten und Banditen, die vor Jahren vor der Krise vom Gericht verurteilt worden sind, und ihr natürlicher Feind ist die Regierung, weil sie verhaftet werden, wenn wir eine normale Situation in Syrien haben werden.
Der andere Teil sind die Menschen, die von außen zugeführt wurden und sie können nur von den Regierungen, die sie bezahlen und bewaffnen, belangt werden, sie haben keine Wahl, weil sie keine eigene Entscheidungsgewalt besitzen. Also, man muss realistisch sein.
Und wir haben den dritten Teil der Menschen, ob Kämpfer oder Politiker, die den Dialog akzeptieren. Darum stehen wir in diesem Dialog seit Monaten sogar mit Militanten und viele von ihnen haben ihre Waffen abgegeben und kehrten zurück in ihr normales Leben.
RT: Denken Sie, dass eine ausländische Invasion unmittelbar bevorsteht?
BA: Ich denke, der Preis dieser Invasion, wenn sie passiert, wird mehr sein als die ganze Welt sich leisten kann, denn wenn es auch ein Problem in Syrien gibt, sind wir das letzte Bollwerk des Säkularismus und der Stabilität in der Region und des Zusammenlebens. Dann wird es einen Dominoeffekt geben, der die Welt vom Atlantik bis zum Pazifik und Sie kennen die Auswirkungen auf den Rest der Welt. Ich glaube nicht, dass der Westen in diese Richtung gehen wird, aber wenn er dies tut, kann niemand sagen, was dann kommt.
RT: Herr Präsident, geben Sie sich selbst irgendeine Schuld? Normalerweise müssen Sie bei Entscheidungen die sie treffen, Fehler finden, sonst wären Sie nicht menschlich. Was war Ihr größter Fehler?
BA: Ich weiß jetzt nicht, um ehrlich zu sein. Aber ich berücksichtige immer, sogar bevor ich Entscheidungen treffe, dass ein Teil davon falsch sein kann, aber man kann nicht (im Voraus) über seine Fehler sprechen. Manchmal, vor allem während der Krise, sieht man nicht, was richtig und was falsch ist, bevor man die Situation überwunden hat, in der man sich befindet. Ich würde also nicht objektiv sein, jetzt über Fehler zu reden, weil wir immer noch in der Mitte der Krise stehen.
RT: Also, Sie bereuen bis jetzt noch nichts?
BA: Nicht jetzt. Wenn alles klar ist, kann man über Fehler sprechen, und man macht auf jeden Fall Fehler, und das ist normal.
RT: Wenn heute der 15. März 2011 wäre, das heißt, als der Protest zu eskalieren begann, was würden Sie heute anders machen?
BA: Ich würde tun, was ich am 15. März gemacht habe.
RT: Genau das gleiche?
BA: Genau das gleiche: Verschiedene Parteien einladen, um in den Dialog zu gehen und Terroristen widerstehen, weil es so angefangen hat. Es begann nicht mit Demonstrationen. Sie waren der Deckmantel. Aber innerhalb dieser Märsche gab es Militante, die begannen, Zivilisten und die Armee gleichzeitig zu beschießen. Vielleicht hätte man auf taktischer Ebene etwas anderes tun können, aber als Präsident sind Sie kein Taktiker, Sie treffen Entscheidungen immer auf strategischer Ebene, es ist anders.
RT: Präsident Baschar al-Assad, wie sehen Sie sich in zehn Jahren?
BA: Ich sehe mich durch mein Land, nicht für mich selbst, aber für mein Land nach zehn Jahren. Da ist es, wo ich mich sehen kann.
RT: Sehen Sie sich in Syrien?
BA: Auf jeden Fall, ich muss in Syrien sein. Das liegt nicht an meiner Position. Ich sehe mich nicht als Präsident oder als Nicht-Präsident. Das ist nicht mein Interesse. Ich kann mich in diesem Land sehen, ein sicheres Land, stabiles Land und wohlhabendes Land.
RT: Präsident Baschar al-Assad von Syrien, ich danke Ihnen für das Gespräch mit RT.
BA: Danke, daß Sie wieder nach Syrien gekommen sind.

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Baschar al-Assad im Interview für Izvestia (26.8.2013)

Der Präsident der Syrischen Arabischen Republik spricht im Exklusivinterview mit Izvestia über die Gefahr einer Intervention durch die USA und den Westen, über seine Beziehungen zu Wladimir Putin und die Gemeinsamkeit der Schicksale von Russen und Syrern. (Quelle: Izvestia.ru )
Foto: Pressedienst des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad (via Izvestia.ru)
Auf dem Höhepunkt der Krise trafen sich Aleksandr Potapow und Jurij Mazarskij in Damaskus mit dem Präsidenten des Landes, Baschar al-Assad. In einem Exklusivinterview für Izvestia erzählt er davon, wer es ist, der chemische Waffen einsetzt, er kommentiert die Statements der westlichen Politiker über deren Vorhaben, militärischen Druck auf Syrien auszuüben und bewertet die Hilfe, die das syrische Volk von Russland und dessen Präsidenten erfährt.
Herr Präsident, die brennendste Frage dieser Tage ist – wie ist die Lage in Syrien? Welche Territorien verbleiben unter der Kontrolle der Aufständischen?
Es geht nicht so sehr um Territorien, die unter der Kontrolle der Terroristen sind und jene, welche von der Armee kontrolliert werden. Es gibt keinen solchen Feind, der unser Land besetzt hätte. Wir haben es mit Terroristen zu tun, die in die Dörfer und Vororte von Städten eindringen. Es handelt sich um Verbrecher, welche unschuldige Zivilisten ermorden und Objekte der Infrastruktur zerstören.
Die Armee, die staatlichen Gewaltorgane und die Polizei sind bestrebt, sie aus den bewohnten Ortschaften zu vertreiben und zu vernichten. Die, welche überleben können, begeben sich in andere Territorien und schließen sich anderen Banden an. So kann man sagen, dass der Kern unseres Handelns die Vernichtung von Terroristen ist.
Der Hauptgrund für die anhaltenden militärischen Aktionen ist die enorme Menge von ständig auf syrisches Gebiet eindringenden Terroristen von außerhalb. Jeden Monat kommen Zehntausende von ihnen in unserem Land an. Außerdem werden die Terroristen nach wie vor vom Ausland finanziert, es werden ihnen Waffen geliefert.
Doch ich kann Ihnen versichern, es gibt keinen solchen Ort, an den sich die Regierungstruppen nicht begeben könnten – sie tun das ja auch und vernichten die Terroristen an allen Orten, an denen sie mit ihnen zusammenstoßen.
Foto: Pressedienst des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad (via Izvestia.ru)
Die westliche Presse behauptet heutzutage nicht selten, dass die Terroristen zwischen 40 und 70 Prozent des syrischen Territoriums kontrollieren. Wie viel Territorium befindet sich denn tatsächlich noch unter der Kontrolle des syrischen Staates?
Keine einzige Armee in keinem Land der Welt kann sich auf dem gesamten Territorium ihres Landes gleichzeitig in völliger Einsatzbereitschaft befinden. Das nutzen die Terroristen aus und versuchen überall dort einzudringen, wo die Armee nicht präsent ist. In jeder Provinz, in die Terroristen eingedrungen sind, haben wir Säuberungsaktionen durchgeführt. Deshalb möchte ich noch einmal wiederholen: das Problem besteht nicht im Territorium, auf dem sich Terroristen befinden, das ändert sich täglich, ja stündlich. Das Problem besteht in der großen Zahl der Kämpfer, die von außerhalb eindringen.
Ob die Syrische Arabische Armee in ein jedes beliebige, von Terroristen besetzte Gebiet gelangen und diese vernichten kann? Ich kann Ihnen mit voller Gewissheit sagen: Ja! Das tut die Armee ja auch. Es benötigt mehr Zeit, denn der Krieg, der uns aufgezwungen wurde, geht nicht einfach so schnell zu Ende, sondern benötigt eine verhältnismäßig lange Zeit. Wir zahlen einen hohen Preis für diesen Krieg, dafür, all die Terroristen in Syrien zu vernichten.
Sind denn die Terroristen, von denen Sie sprechen, einzelne, selbständige radikale Gruppierungen oder handelt es sich um Teile einer größeren Macht, deren Ziel es ist, die Situation im gesamten Nahen Osten, darunter auch in Syrien, zu destabilisieren?
Wir haben es sowohl mit einzelnen Gruppierungen als auch mit ganzen Terrorarmeen zu tun. Doch sie ähneln sich in vielerlei, vor allem in ideologischer Hinsicht. Außerdem bekommen sie Gelder aus den gleichen Quellen.
Ihre Ideologie ist der Radikalismus, der keinerlei religiöse Ansichten akzeptiert als die, zu der sich die Terroristen selbst bekennen. Sie haben ein und dieselben ideologischen Führer, solche wie az-Zawahiri, doch dabei hat jede dieser Gruppen auch ihre eigenen Anführer.
Ihre Sponsoren sind, wie ich bereits sagte, ein und dieselben, mitunter sind das ganze Staaten, wie beispielsweise Saudi-Arabien.
Ungeachtet dessen, dass sie versprengt sind, haben ihre Sponsoren und ideologischen Führer die Möglichkeit, jede von ihnen zum Beispiel durch radikale Botschaften zu manipulieren. Beispielsweise können sie äußern: “Moslems sind verpflichtet, in Syrien in den Dschihad zu ziehen”. Tausende von Kämpfern werden auf diese Weise hierher geschickt, um Krieg zu führen.
Die Sponsoren steuern die Banden auch, indem sie ihnen Waffen und Mittel für konkrete Terroranschläge liefern.
Außerdem vereint beispielsweise das erwähnte Saudi-Arabien die Funktionen eines Sponsors und ideologischen Leitbilds in sich: es verbreitet unter den Kämpfern die wahhabitische Weltanschauung und unterstützt sie mit Geldern.
Der syrische Staat spricht von engen Beziehungen zwischen Israel und den Terroristen. Aber ist es nicht so, dass allein die Erwähnung Israels unter den radikalen Islamisten zu Hysterie führt? Wie sollte in diesem Fall eine Zusammenarbeit zwischen ihnen bestehen?
Weshalb eröffnet Israel das Feuer auf unsere Streitkräfte, wenn wir die Terroristen in den Grenzgebieten stellen? Doch wohl dazu, uns zu behindern? Weshalb gibt Israel den an der Grenze festgesetzten Terroristen Gelegenheit, in seinem Gebiet vor unseren Streitkräften Zuflucht zu finden, und greift gleichzeitig unsere Truppen aus einer anderen Richtung an? Aus welchem Grunde hat Israel im Verlauf der letzten Monate mehrmals Teile der Syrischen Arabischen Armee angegriffen?
Doch den Hauptbeweis für die Zusammenarbeit führt ja Israel selbst an.
Israel hat mehrfach verlauten lassen, dass in den Krankenhäusern des Landes dutzende Terroristen behandelt werden. Wenn diese Gruppierungen Israel so sehr hassen, und allein die Erwähnung dieses Namens bei ihnen zu Hysterie und Hass führt, weshalb haben denn diese radikalen Gruppierungen, die jetzt gegen Ägypten und Syrien Krieg führen, noch nie auch nur eine einzige Operation gegen Israel unternommen? Wir wollen uns doch einmal daran erinnern, wer diese Gruppierungen ursprünglich geschaffen hat. Diese Terroristen wurden ursprünglich von den USA und dem Westen angeworben und unterstützt, und finanziert wurden sie von Saudi-Arabien seit Beginn der 1980er Jahre, damit sie in Afghanistan gegen die UdSSR Krieg führen. Wie sollten diese Gruppierungen, die vom Westen und von Amerika geschaffen worden sind, gegen Israel losschlagen?
Foto: Pressedienst des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad (via Izvestia.ru)
Unser Interview wird in eine Vielzahl von Sprachen übersetzt werden, viele Führungspersönlichkeiten der ganzen Welt, darunter auch jene, die gegen Sie Position beziehen, werden es lesen. Was möchten Sie diesen mitteilen?
Unter den Oberhäuptern der Staaten der heutigen Zeit gibt es eine Menge an Stammtischpolitikern und ziemlich wenige Führungspersönlichkeiten. Sie kennen die Geschichte nicht und lernen nicht daraus. Mancher unter ihnen vergisst selbst die jüngere Vergangenheit.
Haben sie denn die Lektionen der vergangenen 50 Jahre gelernt? Haben sie wenigstens die Dokumente ihrer Vorgänger durchgeblättert, die all ihre Kriege seit Vietnam bis heute verpfuscht haben? Haben sie sich klargemacht, dass diese Kriege nichts gebracht haben als Zerstörung und Instabilität, sowohl im Nahen Osten, als auch in anderen Regionen der Welt?
Genau diesen Politikern würde ich gern erklären, dass der Terrorismus kein Trumpf in der Jackentasche ist, den man herausnehmen und einsetzen kann, wenn man das gern möchte, wonach man ihn wieder verschwinden lässt. Der Terrorismus sticht, wie ein Skorpion, in jedem beliebigen Moment. Entsprechend kann man nicht in Syrien den Terrorismus unterstützen und in Mali gegen ihn vorgehen. Man kann nicht den Terrorismus in Tschetschenien unterstützen und ihn gleichzeitig in Afghanistan bekämpfen.
Natürlich rede ich nicht von allen Staatsoberhäuptern, sondern von denen mancher westlicher Staaten. Sie sollten damit aufhören, sich in die Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen und Marionettenregierungen zu installieren, sondern eher auf die Meinung ihrer Völker hören; vielleicht käme die westliche Politik auf diese Weise etwas näher an die Realität heran.
Wenn Sie darauf bestehen, dass ich eine Botschaft an die Welt richte, dann sage ich folgendes: wenn jemand davon träumt, Syrien zu einer Marionette des Westens zu machen, so wird das nicht geschehen. Wir sind ein unabhängiger Staat und werden gegen den Terrorismus Krieg führen, wir werden Beziehungen mit den Ländern, mit denen wir selbst das wollen, frei aufbauen, all das zum Wohl des syrischen Volkes.
Am Mittwoch wurde die syrische Regierung von den Aufständischen mit der Anschuldigung konfrontiert, chemische Waffen eingesetzt zu haben. Diese Anschuldigung wurde sofort von einer Reihe westlicher Führungen aufgegriffen. Was können Sie darauf antworten? Werden Sie es einer UN-Sonderkommission gestatten, eine Untersuchung dieses Vorfalls durchzuführen?
Die Verlautbarungen der Politiker der USA, des Westens und anderer Staaten sind eine Verhöhnung des gesunden Menschenverstandes und Verachtung gegenüber der öffentlichen Meinung ihrer Völker. Es ist Nonsens: erst gibt es Anschuldigungen, und erst dann sammelt man Beweise. Genau das macht das mächtigste Land – die USA. Anders gesagt, am Mittwoch wurden wir angeschuldigt, und erst zwei Tage später ließ die US-amerikanische Regierung verlauten, jetzt mit der Beweisaufnahme zu beginnen. Wie sollten sie denn diese Beweismittel sammeln, wo sie sich doch fernab befinden? Wir werden beschuldigt, die Armee habe chemische Waffen in einem Gebiet eingesetzt, welches angeblich unter der Kontrolle von Rebellenkämpfern stehe. Es gibt aber in diesem Gebiet keine definierbare Frontlinie zwischen der Armee und den bewaffneten Gruppierungen. Kann denn ein Staat chemische oder andere Massenvernichtungswaffen an einem Ort einsetzen, wo seine eigenen Truppen konzentriert sind? Das widerspricht der elementaren Logik. Aus diesem Grunde sind solche Anschuldigungen ausschließlich politischer Art, und Grund dafür ist eine Reihe von Erfolgen der Regierungskräfte gegen die Terroristen.
Was die Untersuchung von Kriegsverbrechen in Syrien angeht, so sind wir die ersten, die eine Untersuchung durch eine internationale Kommission gefordert haben. Als die Terroristen eine Rakete mit Giftgas auf Aleppo abgefeuert haben, und zwar kurz nach vielfachen Verlautbarungen des Westens, die Regierungstruppen seien bereit, chemische Waffen einzusetzen, haben wir eine Untersuchung durch ausländische Fachleute gefordert. Diese Position war mit Russland abgestimmt, wir wollten, dass die USA, Frankreich und Großbritannien sich selbst davon überzeugen, dass das nicht unser Werk ist, sondern dass unsere Feinde chemische Kampfstoffe einsetzen. Sie hätten sich anhand von konkreten Fakten davon überzeugen können, nicht nur anhand von haltlosen Anschuldigungen.
Im Verlauf der letzten Wochen haben wir mit der UNO über die Arbeit einer Kommission verhandelt, und schließlich sind die Fachleute zu uns gekommen (einige Stunden nach dem Interview wurde bekannt, dass die syrische Regierung und die UN-Kommission das gemeinsame Vorgehen bei der Untersuchung des angeblichen Einsatzes von Chemiewaffen abgestimmt haben – Izvestia). Das Ergebnis ihrer Arbeit wird der UNO vorgestellt werden.
Aber dabei wissen Sie natürlich, dass jedes beliebige Resultat nach dem Belieben einzelner Länder interpretiert werden kann. Wir erwarten deshalb ja auch, dass Russland es nicht gestatten wird, die Dokumente im Interesse der amerikanischen oder überhaupt der westlichen Politik zu interpretieren.
Nach Verlautbarungen der US-Führung und denen anderer westlicher Staaten der vergangenen Tage schließen es die USA nicht aus, eine Militärintervention gegen Syrien zu unternehmen. Nehmen Sie an, dass die USA genauso handeln werden wie im Irak, also dass sie nach einem Vorwand für eine Intervention suchen?
Es ist nicht das erste Mal, dass die Frage nach einer militärischen Intervention in Syrien aufgeworfen wird. Von Anbeginn der Krise haben die USA, Frankreich und Großbritannien versucht, eine Militärinvasion zu unternehmen, doch zu ihrem Unglück hat sich die Sache anders entwickelt. Sie haben versucht, Russland und China davon zu überzeugen, ihre Position im UN-Sicherheitsrat zu ändern, doch das ist nicht gelungen.Sie konnten auch ihre eigenen Völker und die gesamte Welt nicht davon überzeugen, dass die von ihnen im Nahen Osten verfolgte Politik durchdacht und nutzbringend sei. Es ergab sich ebenso, dass die Lage sich hier von der in Ägypten und Tunesien unterscheidet.
Ein und dasselbe Szenario der „arabischen Revolutionen“ ist nicht mehr überzeugend. Sie können alle möglichen Kriege vom Zaun brechen, können aber nicht wissen, wie lange ein solcher Krieg andauern und auf welches Territorium er sich erstrecken wird. Sie haben begriffen, dass die Lage außer Kontrolle geraten ist.
Ein weiteres Hindernis für eine Militärinvasion ist, dass alle verstehen: was in Syrien vor sich geht, ist keine Revolution des Volkes, es ist nicht die Forderung nach Reformen. Es ist Terrorismus. Im Anbetracht dieser Tatsachen können die westlichen Führer ihren Bürgern nicht einfach sagen: „Wir gehen nach Syrien, um dort den Terrorismus zu unterstützen.“
Herr Präsident, womit werden es die USA zu tun haben, sollten sie sich dazu entschließen, Syrien anzugreifen oder gar in das Land einzudringen?
Die USA erwartet ein Fiasko, wie auch in all den Kriegen, die sie in der Vergangenheit vom Zaun gebrochen haben, angefangen von Vietnam bis hin zu unseren Tagen. Amerika hat sich an einer Vielzahl von Kriegen beteiligt, konnte seine politischen Ziele, um derentwillen diese Kriege begonnen wurden, aber kein einziges Mal erreichen. Die USA konnten ihren eigenes, aus vielen Nationalitäten bestehendes Volk nicht von der Rechtmäßigkeit dieser Kriege überzeugen, ebenso scheiterten sie immer daran, anderen Ländern ihre eigene Ideologie aufzuzwingen. In der Tat, mächtige Staaten können Kriege entfesseln, aber können sie auch siegen?
Foto: Pressedienst des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad (via Izvestia.ru)
Pflegen Sie weiterhin Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin? Sprechen Sie telefonisch mit ihm? Falls ja, welche Fragen besprechen Sie mit ihm?
Mit Präsident Wladimir Putin verbinden uns langjährige Beziehungen, die lange vor der syrischen Krise entstanden sind. Von Zeit zu Zeit verständigen wir uns mit ihm. Es ist klar, dass man komplexe Fragen wie die syrische Krise nicht am Telefon besprechen kann. Die Beziehungen zwischen unseren Ländern werden derzeit von russischen Amtsträgern gepflegt, die uns hier besuchen, sowie auch von ihren syrischen Kollegen, die nach Moskau reisen.
Haben Sie vor, Russland in nächster Zukunft zu besuchen oder den russischen Präsidenten nach Syrien einzuladen?
Das ist natürlich möglich, aber mir scheint, dass es jetzt notwendig ist, alle Anstrengungen im Landesinnern zu konzentrieren, um die syrische Krise zu lösen. Wir verlieren jetzt täglich Menschen, doch wenn die Umstände sich bessern, dann werde ich selbstverständlich Präsident Putin besuchen oder ihn nach Damaskus einladen.
Um das Thema Russland fortzuführen: Sie wissen, dass Russland der Politik der USA und der EU in der syrischen Frage widersteht. Was wird passieren, sollte Russland diesem Druck stattgeben? Halten Sie eine solche Entwicklung für möglich?
Heute ist es notwendig, die russisch-amerikanischen Beziehungen nicht nur in den Positionen zur Krise in Syrien zu betrachten; es braucht einen weiteren Blickwinkel. Die gegensätzlichen Positionen zu Syrien sind nur einer der Widersprüche zwischen Ihren beiden Ländern. Mit dem Zerfall der UdSSR schien es den USA, dass Russland für immer vernichtet worden ist. Doch seit dem Ende der 1990er Jahre, seit Beginn der Präsidentschaft Wladimir Putins begann Russland allmählich zu erstarken und seine Positionen immer entschiedener zu verteidigen. Schließlich kam es zu einem neuen Kalten Krieg um politischen Einfluss. Die USA traten dabei an mehreren Fronten auf und versuchen vehement, die russischen Interessen in der Welt zu blockieren.
Das Ziel der USA ist es, die Rolle Russlands auf der internationalen Arena herabzusetzen, darunter auch durch Ausübung von Druck in der syrischen Frage.
Sie können fragen, aus welchem Grunde Russland Syrien unterstützt. Es ist sehr wichtig, diese Frage zu klären. Russland verteidigt nicht etwa den Präsidenten Baschar al-Assad oder die Regierung, denn das syrische Volk kann jeden beliebigen Präsidenten und jede beliebige Regierung wählen.
Russland verteidigt die Prinzipien, an die es sich seit mindestens hundert Jahren hält: die Prinzipien von Unabhängigkeit und Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten. Russland hat selbst aus diesem Grunde vielfach gelitten.
Außerdem verteidigt Russland seine eigenen Interessen in der Region, und das ist sein gutes Recht. Diese Interessen beschränken sich nicht auf den Hafen von Tartous. Sie gehen viel tiefer: die Schläge der Terroristen gegen Syrien gefährden die Stabilität im gesamten Nahen Osten. Eine Destabilisierung wird auch für Russland Folgen haben. Die Führung Ihres Landes versteht das, ganz im Unterschied zu vielen Führungen westlicher Staaten. Was die kulturellen und gesellschaftlichen Fragen angeht, so dürfen wir nicht vergessen, dass es tausende russisch-syrische Familien gibt, die eine kulturelle und gesellschaftliche Brücke zwischen unseren beiden Staaten bilden. Würde Russland also schachern, so wäre das vor ein-zwei Jahren passiert, als das politische Bild noch unklar war. Zum heutigen Tage ist dieses politische Bild allen vollkommen klar. Wer damals nicht geschachert hat, wird das auch heute nicht mehr tun.
Gibt es Verhandlungen mit Russland bezüglich der Lieferung von Brennstoff, Waren und Waffen? Besonders möchte ich zum Vertrag über die Lieferung der S-300-Waffensysteme nachfragen – sind diese Ihnen bereits geliefert worden?
Natürlich kann kein Land zum Vorhandensein dieser oder jener Art Waffen oder zu den entsprechenden Lieferverträgen Verlautbarungen anstellen – das ist Teil des Staats- und Militärgeheimnisses.
Doch ich will sagen, dass alle mit Russland geschlossenen Verträge erfüllt werden. Weder die Krise, noch der Druck der USA, Europas oder der Golfstaaten haben ihre Erfüllung behindert. Russland liefert Syrien das, was für dessen Schutz und den Schutz seiner Bevölkerung notwendig ist.
Foto: Pressedienst des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad (via Izvestia.ru)
Welche Hilfe erwartet Syrien von Russland: wirtschaftliche Hilfe oder Waffen? Plant Syrien, bei Russland um einen Kredit zu bitten?
Wenn die Sicherheit des Landes geschwächt ist, führt das ebenso auch zu einer Schwächung der wirtschaftlichen Lage. Dass Russland seine militärischen Verträge Syrien gegenüber erfüllt, wird zweifelsohne auch zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in Syrien beitragen. Die russische Unterstützung unseres Rechts auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung hat von Anfang an unserer Wirtschaft geholfen. Eine Reihe von Staaten, die dem syrischen Volk entgegenstehen, hat der syrischen Wirtschaft ernsthaften Schaden zugefügt, in erster Linie aufgrund der Wirtschaftsblockade, unter der wir jetzt zu leiden haben. Russland hat vollkommen anders gehandelt.
Die politische Unterstützung durch Russland, ebenso auch die exakte Erfüllung der Rüstungsverträge ungeachtet des US-amerikanischen Drucks, hat unsere wirtschaftliche Lage merklich gebessert.
Was nun direkt die Wirtschaft anbelangt: jeder Kredit eines befreundeten Landes wie Russland ist für beide Seiten von Vorteil. Für die russische Seite kann das eine Erweiterung der Absatzmärkte und neue Perspektiven für russische Unternehmen bedeuten, für Syrien ist das die Möglichkeit, Mittel für die Entwicklung der eigenen Wirtschaft zu gewinnen. Und das alles noch ungeachtet der bestehenden, mit verschiedenen russischen Firmen geschlossenen Verträge über die Lieferung verschiedenster Waren.
Ich möchte nochmals bekräftigen, die politische Position Russlands und seine Unterstützung für Syrien schlagen sich positiv auf der Stabilität und dem Wohlergehen der syrischen Bürger nieder.
Könnten Sie auf die bestehenden, gültigen Verträge eingehen: betreffen sie Brennstoff oder Lebensmittel?
Die heutigen Wirtschaftssanktionen hindern die syrischen Bürger daran, Lebensmittel, Arzneimittel und Brennstoff zu erhalten. Das sind Waren des täglichen Bedarfs, die für das Leben notwendig sind. Und entsprechend soll das, was der syrische Staat derzeit unternimmt, indem er Verträge mit Russland und anderen befreundeten Staaten unterzeichnet, es gestatten, die Versorgungslage in diesem Bereich zu stabilisieren.
Um zur syrischen Frage zurückzukehren – wir wissen, dass Sie mehrmals hintereinander Amnestien verkündet haben. Was sind deren Resultate? Gibt es solche unter den durch Amnestie freigekommenen Aufständischen, die jetzt in den Reihen der Regierungskräfte kämpfen?
Ja, das ist richtig, und die Amnestie bringt positive Ergebnisse. Besonders, nachdem das reale Bild dessen, was in Syrien vor sich geht, allen klar geworden ist.
Viele unter den Rebellenkämpfern haben ihre Waffen niedergelegt und sind zu einem normalen Leben zurückgekehrt. Viele von ihnen sind auch auf die Seite der Regierung übergegangen. Die Rebellengruppierungen kann man in zwei Teile teilen: einerseits sind es solche, die sich von den Medien haben betrügen lassen, andererseits solche, die man durch Terrorandrohung dazu gezwungen hat, in die Reihen der Rebellenkämpfer einzutreten. Wir glauben deshalb immer daran, dass wir die Tür für solche geöffnet halten müssen, die von dem Weg abkehren wollen, den sie gegen ihre Heimat beschritten haben. Ungeachtet dessen, dass in Syrien viele gegen diese von der Regierung erklärten Amnestien waren, haben sie sich bewährt und die Spannung in der Gesellschaft abzubauen geholfen.
Herr Präsident, wen würden Sie als Ihren Hauptverbündeten bezeichnen, und wen dahingegen als Gegner? Die Beziehungen Syriens mit einigen Ländern gehen in der letzten Zeit in die Brüche – mit Katar, der Türkei und Saudi-Arabien. Wer trägt die Schuld daran?
Die Länder, die mit uns gemeinsam auf der internationalen Arena auftreten, sind Russland und China, auf regionaler Ebene ist das der Iran. Doch ich kann dazu sagen, dass es auf der Welt eine positive Entwicklung gibt: einige Länder, die einst radikal gegen uns eingestellt waren, haben ihre Position geändert, einige davon gehen daran, ihre guten Beziehungen zu Syrien wiederherzustellen. Es gibt auch solche Länder, die uns indirekt unterstützen.
Dann gibt es eine Reihe von Staaten, die die Terroristen in Syrien offen unterstützen – das sind Katar und die Türkei.
Katar ist der Sponsor der Terroristen, in der Türkei werden sie trainiert und von dort bekommen sie Korridore in unser Land hinein. Jetzt hat Saudi-Arabien Katar als Sponsor abgelöst. Saudi-Arabien ist ein Staat, der nichts als Geld besitzt, und jemand, der nur Geld besitzt, kann keine zivilisierte Gesellschaft aufbauen und den Frieden aufrechterhalten. Während also Saudi-Arabien als Hauptsponsor fungiert, so ist die Lage in der Türkei eine andere. Es ist sehr schade, dass man ein Land wie die Türkei mit einer Handvoll Dollar steuern kann. Leider ist es so, dass dieses große, eine strategisch wichtige Position einnehmende Land durch einen der Golfstaaten gesteuert wird. Dafür trägt der türkische Premierminister die Verantwortung. Natürlich trägt das türkische Volk, mit dem uns viele Gemeinsamkeiten und ein historisches Erbe verbinden, keine Schuld daran.
Was steckt hinter der Gemeinsamkeit der Positionen Russlands und Syriens – einzig geopolitische Interessen oder die Ähnlichkeit der beiden Völker, die ständig gegen Terrorgefahr anzukämpfen haben?
Es gibt in den russisch-syrischen Beziehungen sehr viele Berührungspunkte. Der erste davon wäre, dass Russland im Zweiten Weltkrieg unter einer Okkupation zu leiden hatte, und Syrien ist auch mehrmals okkupiert gewesen. Zweitens hat Russland, wie auch Syrien, unter einer Vielzahl von Versuchen einer äußeren Einmischung in seine inneren Angelegenheiten gelitten. Das dritte wäre der Terrorismus. Wir in Syrien verstehen sehr gut, wie das ist, wenn friedliche Zivilisten im Nordkaukasus von den Händen der Terroristen umgebracht werden, wir wissen, was die Geiselnahme in Beslan und im Musical-Theater „Nord-Ost“ in Moskau bedeutet haben. Auf diese Weise verstehen auch die Russen, womit wir es in Syrien zu tun haben, denn sie haben den Terrorismus am eigenen Leib spüren müssen. Deshalb glauben die Russen es auch nicht, wenn ein westlicher Amtsträger daherkommt und erzählt, es gäbe einerseits böse, und andererseits gemäßigte Terroristen. Es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Russland und Syrien – das sind die gemischten Familien, die ich bereits erwähnt habe. Gäbe es keine kulturellen, gesellschaftlichen und mentalen Gemeinsamkeiten, so würde es solche Familien gar nicht geben, die unsere beiden Länder verbinden. Zu allem Gesagten möchte ich hinzufügen: es gibt geopolitische Interessen, von denen ich auch bereits gesprochen habe. Die Instabilität in Syrien und in der Region im Ganzen wird auch auf Russland Auswirkungen zeigen. Russland versteht sehr gut das, was Europa und der ganze Westen nicht begreift: die Gefahr durch den Terrorismus, der keine Grenzen kennt. Es wäre falsch anzunehmen, dass die Position eines solch großen Landes wie Russland einzig auf einem oder zwei Prinzipien beruht.
Was erwarten Sie von der Genf-II-Konferenz?
Die Mission der Genfer Konferenz ist es, eine Grundlage für eine politische Beilegung in Syrien vorzubereiten. Allerdings können wir keinen Dialog in politischer Richtung beginnen, sofern die ausländische Unterstützung des Terrors anhält. Das, was wir von Genf erwarten, ist Druck auf diejenigen Länder, die den Terrorismus in Syrien unterstützen. Sie müssen den Waffenschmuggel und das Entsenden von Söldnern und Terroristen zu uns einstellen. Sobald das passiert, wird es viel einfacher sein, einen politischen Dialog unter allen syrischen Parteien über die Zukunft des Landes, der Gesetzgebung und die Verfassung in Gang zu bringen.
(Übersetzung gemäß http://apxwn.blogspot.de)
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Interview mit Präsident Dr. al-Assad durch Der Spiegel

vom 7.10.2013, http://www.sana.sy/eng/21/2013/10/07/506130.htm

Der Spiegel: Mr. President, do you love your country?

President Assad: Of course, and in this I am no different from most people. This is not merely about emotions, but rather about what one can do for his country if he has the power and especially in times of crisis; and at this particular time, I realize more than ever how much I love my country and so I must protect it.

Der Spiegel: Wouldn’t you be more patriotic if you stepped down and allowed for negotiations over an interim government or for a cease-fire with the armed opposition?

President Assad: The Syrian people determine my fate; no other party can determine this issue. As for the armed opposition or factions, who do they represent – the Syrian people? If so, this can be pro­ven only through the ballot box.

Der Spiegel: Are you prepared to run in the next elections?

President Assad: My term ends in August next year. The presidential elections should take place be­fore that time. I cannot decide now whether I am going to run; this depends on what the Syrian people want. If people are not behind me, I won’t stand in the elections.

Der Spiegel: Will you seriously consider giving up power?

President Assad: This is not about me or what I want. It’s about what people want. The country is not mine alone, it’s the country for all Syrians.

Der Spiegel: But some people say that you are the cause of the rebellion, because people want to get rid of corruption and tyranny. They call for a true democracy; and according to the opposition, this is not possible with you in power.

President Assad: Do these people speak for themselves, or do they speak on behalf of the Syrian peo­ple or on behalf of the countries that are backing them? Do they speak on behalf of the United States, the United Kingdom, France, Saudi Arabia or Qatar? Let me be clear about this: this conflict is being brought to our country from the outside world. These people live in five-star hotels, they are dictated to by their financial backers and have no grass roots in Syria.

Der Spiegel: Do you deny that there is a strong opposition against you in your country?

President Assad: There is certainly an opposition in our country. What country doesn’t have opposi­tion? It’s impossible for all the Syrians to be on my side.

Obama has no right to tell the Syrian people whom to choose as their president

Der Spiegel: It’s not only us who deny the legitimacy of your presidency. U.S. President Barack Oba­ma said at the U.N. General Assembly meeting in New York that a leader who kills his people and gases children to death has forfeited any right to rule his country.

President Assad: First, he is the president of the United States and has no right to pass judgment on Syria.Second, he has no right to tell the Syrian people whom to choose as their president. Third, what he says in realty has no foundation whatsoever. He has been calling for me to step down for one and a half years. What next? Have his statements made any impact? None whatsoever.

Der Spiegel: For us, it seems that you are ignoring reality. By stepping down, you save the people a great deal of suffering.

President Assad: This has nothing to do with me being president. Killing innocent people and terrori­zing them by explosions and car bombs, brought to our country by al-Qaeda, is what causes pain to the Syrian people. What does that have to do with me being in office?

Der Spiegel: It is relevant because your forces and security services have committed some of these atro­cities and you are responsible for that.

President Assad: Despite the fact that the protests were not peaceful at all, it was our policy from the beginning to respond to the demands of the demonstrators. In the first weeks, we lost soldiers and po­licemen who were killed in those protests. Nevertheless, a specialized committee changed the con­sti­tution to meet protesters’ demands and a referendum was held. On the other hand, we also needed to confront terrorism; it’s the duty of the government to defend the country and take the relevant decisi­ons to that effect. In the context of implementing these decisions, mistakes were made. We must ack­nowledge that.

Der Spiegel: The rebellion started with demonstrations in Dara’a and the victims were not only mem­bers of your security forces. The other side also suffered a great deal. The protesters were beaten and fired at. This harsh treatment was one of the regime’s mistakes.

President Assad: When political measures are implemented – anywhere in the world – mistakes are made; we are only human.

Der Spiegel: So, you acknowledge that the harsh treatment meted out at the protesters was a mistake. President Assad: There were individual errors. We all make mistakes. Even the president might make mistakes. Even if mistakes were made in on the ground, our principal decisions were the right ones.

Der Spiegel: Was the Houla massacre also the result of mere individual failure?

President Assad: Neither the government nor its supporters are to blame for that, because it was the ar­med gangs and the extremists who attacked the families who supported the government. This is ex­actly what happened. If you want to assert something to the contrary, you need to provide the evidence and this is what you cannot do. We, however, and contrary to your claims, can give you the names of the victims who were killed because they stood against terrorism.

Der Spiegel: We have evidence. Our reporters were in Houla and talked to the victims and carried out thorough investigations. The U.N. experts reached a conclusion, after investigating the case, that 108 people in the village were killed, including 49 children and 34 women, victims of your regime. How can you deny responsibility and accuse the so-called terrorists.

President Assad: With respect to your reporters, we Syrians, know our country better, know the truth better and can fully document that.

Der Spiegel: The culprits were ‘shabiha’, members of the militias with links to your regime.

President Assad: Do you have any evidence to prove that?

Der Spiegel: We heard this from people we consider credible.

President Assad: I’ll be candid and even blunt with you: your question is based on wrong information. What you are asserting has no ground in reality. A lie is a lie, no matter how you phrase it or present it.

Der Spiegel: That’s right. So, you don’t acknowledge that your ‘shabiha’ took part in the massacre. President Assad: What do you mean by ‘shabiha?’

Der Spiegel: The militias close to your regime.

President Assad: This name is actually of Turkish origin, in Syria don’t know ‘shabiha.’ The reality is that, when armed groups attack remote areas, and the army and police cannot provide sufficient pro­tec­tion to citizens, villagers arm themselves and create patrols in self-defense. It’s true that some of those fought with our forces, but these are not militias formed to protect the president. What concerns these people is their country, which they are defending against al-Qaeda terrorists that have been at­tacking them for months.

We are defending ourselves and not anything else

Der Spiegel: So, it was only the other side who committed massacres and terrorism, and your soldiers, militias, security forces and intelligence services have nothing to do with that?

President Assad: One cannot make such sweeping generalizations: “They are one hundred percent guilty, and we are zero percent.” The truth is not always black and white; in the middle there are sha­des of grey. But, in principle this is true. We are defending ourselves and not anything else. As to in­dividual mistakes, I cannot, as president of all the Syrians, follow and check on each and every one of the 23 million Syrians.

Der Spiegel: Wouldn’t it be possible that the crimes against the villagers were committed by parts of the Syrian Army outside your control?

President Assad: There are criminals in every country, even in your country. Those can be every­whe­re. This is normal; but we don’t have sufficient information about this.

Der Spiegel: The legitimacy of a president does not rest on slogans and promises, but on actions. As a result of the gas attack against your people, you forfeited every right to be in your position.

President Assad: We did not use chemical weapons; this is not true. And the picture you are drawing of me is not true. The United States, the entire western world, the richest countries in the Arab world and neighbouring Turkey are against me, and terrorists are crossing the borders from Iraq. On top of all of this, I kill my people, who support me nevertheless! Am I superhuman? No. So, why am I still in power two and half years on? The answer is simple: because a large segment of the Syrian people sup­port me, they support the government and the state. Whether they constitute 50% or less, that is a dif­ferent issue. But this large segment also means ‘legitimacy.’ This is how things are in reality.

Der Spiegel: After the U.N. investigation of this crime, U.S. President Obama had no doubt that your regime used chemical weapons on August 21 in an attack that claimed the lives of over a thousand people, including hundreds of children.

President Assad: Once again, Obama never provided one shred of evidence. The only things he pro­vided were lies.

Der Spiegel: But the conclusions reached by the U.N. investigators …

President Assad: What conclusions? When the investigators came to Syria, we asked them to con­tinue their work and we hope that they will provide an explanation of who is responsible for this act.

Der Spiegel: The trajectory of the gas shells could be traced back from their point of impact to their point of launching. And it shows that they were launched from 4th division installations.

President Assad: This doesn’t prove anything. These terrorists can be anywhere; they are even in Damascus itself. They could fire a missile next to my home.

Der Spiegel: But launching rockets containing Sarin gas cannot be done by your enemies. They don’t have the capabilities to do that because it requires military equipment, training and accuracy.

President Assad: Who says so? Terrorists used Sarin gas in a Tokyo attack in the 1990s. Sarin is cal­led the “kitchen gas” because anyone can make it anywhere, in any room.

Der Spiegel: The two attacks cannot be linked or compared. This is about a military operation in Damascus.

President Assad: No one can say with any certainty that they used rockets. We have no evidence. But the certain thing is that Sarin was used. Is it not possible that one of our rockets hit a terrorist site con­taining Sarin? Or that they made a mistake while dealing with it? They are in possession of Sarin and they already used it in Aleppo.

Der Spiegel:13 cases were identified where Sarin was used, but in no case has it been used with such intensity as on August 21st. Have you conducted any investigations of your own?

President Assad: Every investigation should start with identifying the number of the real victims. The armed groups speak about 350. The United States speaks about 1,400. Médecins Sans Frontièresmention about 280. This cannot be right. Even the photos taken of the victims contain dis­cre­pancies. For instance, a dead child appears in two different locations.

Der Spiegel: You mean that the photos of the victims have been manipulated?

President Assad: I want to say this case should be verified thoroughly; and no one has done that so far. We cannot do it, because it is an area where terrorists operate.

Der Spiegel: This close to the city?

President Assad: They are very close to Damascus, close to our military barracks; they could kill our soldiers.

We win with our population support and vice versa

Der Spiegel: Do you think you can regain control of the areas you lost?

President Assad: It is not about winning or losing in territorial terms. We are not two states, one con­trolling an area belonging to the other, as in the case with Israel, which occupies our Golan Heights. This is about terrorism, which should be eliminated. When we liberate a certain area, as we have done in many areas of Syria, it doesn’t mean that we are winning, because the terrorists withdraw to another area and destroy it. That’s why we are also concerned about our citizens’ security.It is also important for us to win the support of our population: we win with their support and vice versa.

Der Spiegel: Do you still control the chemical weapons stockpiles?

President Assad: Yes, certainly. Furthermore, to assure you, I would like to add that the stored mate­rials haven’t been activated; and no one can use them before they are prepared for that purpose.

Der Spiegel: This doesn’t rule out that the army was responsible for the attack. Western intelligence services intercepted phone calls in which your commanders urge the general command to use poiso­nous gas.

President Assad: This is complete fabrication and forgery and I will not waste my time with such allegations.

Der Spiegel: Isn’t it puzzling that we, in the West, have a completely different assessment of the situ­ation?

President Assad:I n fact, your region is always late in recognizing reality and is extremely slow in understanding this reality. In the beginning, we talked about violent protests, while you talked about peaceful demonstrations. When we started talking about extremists, you were still talking about “some militants.”When we talked about al-Qaeda, you were still talking about a few terrorists, although they are actually the majority. Now you realize that it is about 50/50. Take, for instance, Secretary of State Kerry who still sticks to the past and talks about 20%. This is exactly what I meant with the reality de­ficit you have.

Der Spiegel: Is the reluctance the West to trust your assessments due to the lack of confidence in you. Where does the reason lie?

President Assad: I think the West prefers to trust al-Qaeda rather than to trust me.

Der Spiegel: This is absurd!!

President Assad: I mean it. Maybe you didn’t mean it, but it looks like it: all the decisions you have taken in the West for the past ten years have been in support of al-Qaeda. Some might have done that intentionally and some inadvertently. In any case, and through Western support, now we have thou­sands of al-Qaeda fighters from 80 countries. We have to deal with them. I am referring to those who have come from outside Syria.

Der Spiegel: You are losing many soldiers, those who defect to the opposition. Are you telling us that they became al-Qaeda affiliates overnight?

President Assad: No, I am not saying that they are all al-Qaeda, but most of them are. The minority are defectors or criminals. At the beginning of the crisis, we had over 60,000 outlaws at large. Those alone could form a whole army. How many are fighting us? I cannot give a specific figure. Most of them cross the border illegally for jihad. They come to Syria in the belief that they will go to heaven by waging war on atheists and non-Muslims. Even when we get rid of thousands of them, their ranks are replenished by other jihadists.

Der Spiegel: Yet, you believe you will win in this conflict?

President Assad: Even if there was no chance of winning the fight, we have no other choice but to defend our country.

Der Spiegel: On the subject of trust, we want to remind you that you have always denied that you possessed chemical weapons, while now you acknowledge that you have them.

President Assad: We never stated that we had no chemical weapons. We always phrased our state­ments “if we had …, then …” But we never lied.

Der Spiegel: It is reported that German companies supplied you with chemical materials, which you used to make chemical weapons. Do you have more specific information about this? President Assad: No, because these are technical issues. But, in principle, we didn’t receive outside help to make these weapons, because we didn’t need assistance. We are experts in the field.

We are committed to making the whole Middle East a WMD free zone

Der Spiegel: Then, how many tons of Sarin gas or other agents do you have?

President Assad: This remains classified information until it is provided to OPCW.

Der Spiegel: According to intelligence agencies, you have a thousand tons in your stockpile.

President Assad: What’s important is the principle not the figure. We have these weapons – yes, but we are committed to making the whole Middle East a WMD free zone.

Der Spiegel: This is also a matter of trust. You say you have 32 stores, while Western intelligence services put the figure at 50.

President Assad: This is a technical issue better determined by specialists. As president, my focus is on the political track. We are transparent and the experts can access any facility. We’ll provide them with the data, which they can examine and verify and then judge our credibility. When we say we are transparent, we mean it: to date, we have complied with every agreement we have signed. Our history testifies to this. However, we will not bear the costs of destroying the weapons.

Der Spiegel: And the international community should simply accept that you haven’t hidden secret stockpiles somewhere?

President Assad: In international relations, things are not about trust and believing, they are about setting up the mechanisms on which the approach can be based. Whether you trust me as a person is not important. What is important is for institutions to work with each other: my government and the OPCW. What is important for me is to win the trust of the Syrian people and not the West. What is important for me is Syria not the West.

Der Spiegel: Don’t you need the West?

President Assad: Of course, but not to replace the Syrians, or the Russians who are real friends. They understand better than the West the truth about what is happening here in reality. If I am praising them now, this is not because of the close ties that have linked us for years, but because, frankly, the Russi­ans are more independent than you are in Europe. You rely too much on the United States in your poli­cies and easily adopt its policies.

Der Spiegel: The fact of the matter is that the Russians have strategic interests in Syria.

President Assad: You can discuss that with President Putin. But I will say that some Europeans have come and signaled that they are convinced with our political position and that they share our analyses and explanations of the situation. But they cannot say this in public because it’s difficult for them at this moment in time.

Der Spiegel: And this applies to the poisonous gas attack?

President Assad: Of course. I say some, not all. To make this clearer, I’ll elaborate on the accusations against us. Both Obama and Kerry presented lies. But Obama couldn’t convince his people with his lies. According to one opinion poll, 51% of the American people reject a military strike against Syria. The British Parliament was against the strike too; and there was a tough debate in the French parlia­ment. The whole “atmosphere” in Europe was against the strike, including the Vatican. Why? Because most people didn’t believe Obama’s story.

Der Spiegel: Is Germany part of the contacts you are making?

President Assad: We have contacts with some institutions and recently there have been channels that didn’t exist before. We exchange information, but we cannot talk about political communications.

Der Spiegel: Does Germany play a special role for you?

President Assad: When I look at Europe, the question for me is: who is closer to the reality of what is happening in our region? For us now, Germany and Austria have the most objective vision and are the closest to reality. This helps achieve Europe’s interests.

Der Spiegel: Could Germany play an intermediary role?

President Assad: I would be happy if German envoys visited Damascus to engage with us directly. If they talk to us, it doesn’t mean they support our government. They can ascertain for themselves the situation and base their work on the facts. If they think that by not engaging with us, they are isolating us, I tell them: you are isolating yourselves from reality; so, it’s about their interests. What do they gain when al-Qaeda is in their backyard wreaking havoc on the world? After two and half years, they should reconsider their policies. They should ask themselves: what are they gaining. What do their people gain when there is a state of chaos that they are supporting?

Der Spiegel: In light of the unrest in your country, are the chemical weapons stockpiles under control?

President Assad: There is no cause for concern, they are very well protected.

Der Spiegel: This applies to biological weapons too? You have biological weapons?

President Assad: We didn’t give any information in this regard because it is considered classified information. This should not be understood as confirmation that we possess them.

Der Spiegel: You understand the international community’s concern about WMDs falling into the hands of the terrorists.

President Assad: It is not as bad as it is portrayed by the media and believed in the West. There is no need for any undue concern.

Der Spiegel: As far as we know, you lost about 40% of your territories to the armed opposition, and in some areas about two thirds of the land.

President Assad: These are exaggerated figures. 60% of the country is desert and there is nobody there. In other parts of the country, the terrorists don’t control any connected areas.

Der Spiegel: This doesn’t apply to the area adjacent to the Turkish borders.

President Assad: They exist only in the area north of Aleppo, otherwise, there are only pockets. You cannot talk about a real frontline against us. Sometimes, these fighters are completely isolated and exist in areas where we don’t want to deploy the army. The percentage of land is not important to us.People’s solidarity is much more important and this is growing all the time, because they see what the terrorists are doing and what it leads to.

Der Spiegel: As a result of the violence of the conflict, a quarter of the Syrian population, i.e. five million people have become refugees.

President Assad: We don’t have accurate figures; but even four million is an exaggerated figure. Many of those who are displaced within Syria go to live with relatives and don’t appear in any statis­tics.

Der Spiegel: You talk about this issue as if it were an issue of paying taxes and not a humanitarian disaster.

President Assad: The exact opposite is true. You in the West use these figures as if you were reading a spreadsheet: four, five, six, seven million. These figures are of your making: seventy thousand vic­tims, eighty thousand, ninety thousand, one hundred thousand, as if it were an auction.

Der Spiegel: The reason for this exodus is that people are fleeing you and your regime.

President Assad: Is this a question or a statement? If it’s a statement, then it’s completely wrong. If people flee, they do so for a number of reasons, first of which is fear of the terrorists.

Der Spiegel: Nobody flees from your soldiers and security forces?

President Assad: The army represents Syria; otherwise it would have disintegrated long ago. It doe­sn’t pose a threat to anyone. When we talk about refugees, let’s talk about another government – the Turkish government – which uses these figures for its own interests. It manipulates these figures and plays this humanitarian card at the United Nations in order to put pressure on us. Another reason for their interests is the money they receive to help the refugees, the money that moves only in the wrong direction, to their pockets; there are so many reasons. Of course within these large numbers of refu­gees, yes, some did flee in fear of the government but the situation is now changing with about a hun­dred or a hundred and fifty thousand refugees returning home.

Der Spiegel: How could you push those to take that step?

President Assad: We engaged with them in order to dispel their fears. Those who committed no crime have nothing to fear. Our message was: if you want to be against the government: come back and speak against us; and it worked.

Army and people united, no choice but to trust and believe in our victory and saving Syria

Der Spiegel: You cannot show any military victory on any military front: you regaining control over Aleppo, which you announced, hasn’t happened. Ma’aloula is still a big problem. Even parts of Damascus are being shelled. We heard the sound of shelling on our way to your palace.

President Assad: When you are dealing with this kind of crisis, it is impossible for you to be as strong as in the past. The damage is huge and we’ll need a lot of time to overcome this. But the army and the people are united; and we have no choice but to trust and believe in our victory and in saving our country.

Der Spiegel: How can you believe in your victory if you brought Hezbollah in to help you?

President Assad: Lebanon is a very small country, about four million people. Damascus alone has five million, and Syria is too large and wide a country to be covered by Hezbollah. We cooperated on the borders with Lebanon in the fight against those terrorists who were also attacking Hezbollah members. That cooperation was fruitful and successful.

Der Spiegel: So, you can at last do without Hezbollah’s help?

President Assad: I didn’t say that, I only wanted to clarify and correct the western perception that the Syrian army couldn’t fight any more and that’s why Hezbollah intervened.

Der Spiegel: Hezbollah is one of the few entities that continue to support you. It seems that President Putin is gradually losing his patience with you.

President Assad: President Putin is more supportive of us now than any other time. He showed this by using three vetoes at the Security Council to prevent sanctions against us.

Der Spiegel: But he endorsed the most recent resolution, which calls for the destruction of the chemi­cal weapons.

President Assad: That was a good resolution.

Der Spiegel: Because it averted the military strike?

President Assad: There was no item in that resolution that undermined our interests. President Putin knows from his experience in fighting terrorism in Chechnya what we are going through here.

Der Spiegel: That’s why you are confident Moscow will provide you with the S300 air defense system, which you have been waiting months for?

President Assad: He has said more than once that he will support Syria in different fields and that he is committed to the contracts signed between us. This doesn’t only apply to air defense systems but to other weapons as well which enable us to defend ourselves.

Der Spiegel: The international community will do everything to prevent arming you.

President Assad: What right do they have? We are a sovereign state, and we have the right to defend ourselves. We don’t occupy anybody’s land. Why isn’t the international community bothered when Israel gets all kinds of weapons? Why should Israel receive three submarines from Germany, despite the fact that it is an occupying power and still occupies our land? We have the right to arm ourselves in accordance with the U.N. charter. This is why the West isn’t objective in this position; it’s because of these double standards that we don’t trust the West.

Der Spiegel: Aren’t you concerned that Israel will shell the new defense system as soon as it arrives from Moscow?

President Assad: In our case, and in this state of war, we don’t allow ourselves to feel fear. We have to do everything to be strong; and we shall not allow anyone to destroy our armaments and military equipment.

Der Spiegel: And if it happened? President Assad: Then, if things come to that, we shall talk about it then.

We need peace and stability in this region

Der Spiegel: In the past your rhetoric about Israel was more self-confident.

President Assad: No, we need peace and stability in this region. We have always been aware of this. When it comes to revenge and reacting to a strike, we need to ask ourselves: where would that lead, particularly now that we are fighting al-Qaeda. We need to be careful not to ignite a new war.

Der Spiegel: When will you win against al-Qaeda?

President Assad: When we restore stability; that’s why we must get rid of the terrorists. Then, we need to get rid of their ideology that has infiltrated certain areas of Syria, because it is more dangerous than terrorism itself. This ideology, which encourages an eight-year old boy to slaughter a man while adults and children watch and cheer as if they were watching a football match. This actually happened in northern Syria. Getting rid of this mentality and liberating ourselves from it is going to be more difficult than getting rid of the chemical weapons.

Der Spiegel: Such scenes might not be strange in states like Somalia, Liberia and Sierra Leone, but in Syria?

President Assad: The brutality we are witnessing in Syria is incredible. Think of the Bishop whose head the terrorists severed with a small knife.

Der Spiegel: Somalia, Liberia and Sierra Leone have been “failed” states for decades. Yet, you believe you can restore Syria back to pre-rebellion times?

President Assad: Concerning stability, yes, when an end is put to billions of dollars flowing from Sau­di Arabia and Qatar, when Turkey stops its logistical assistance to the terrorists. Then we can solve the problem in a few months.

Der Spiegel: Is a negotiated solution still possible?

President Assad: With the armed groups – no. My definition of the opposition is a political program or entity that doesn’t carry weapons. If they were to lay down their weapons and return to normal life, it would be possible to talk to such people. When we spoke earlier about defectors, it is also important to point out that now many of them are withdrawing from rebel camps and joining the fight on our side.

Der Spiegel: For the international community, you are responsible for escalating this conflict, which has no end in sight. How can you cope with such guilt?

President Assad: It’s not about me, but about Syria. The situation in Syria worries and saddens me; that’s where my concern is, I am not concerned for myself.

Der Spiegel: Do your wife and three children stand at your side?

President Assad: Certainly, they have never left Damascus for one moment.

Der Spiegel: Has it crossed your mind that your end will be similar to President Ceausescu of Roma­nia, when he was killed by a group of his soldiers?

President Assad: I am not worried about myself. Had I been worried and fearful, I would have left Syria a long time ago.

Der Spiegel: Mr. President, thank you very much for this interview. 

 

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Interview Gespräch von Baschar Al-Assad mit Russia Today

ausgestrahlt 9.11.2012

Video (in englischer Originalfassung mit Untertiteln in Französisch)

https://www.youtube.com/watch?v=Kv1nltAZwXw

Übersetzung gemäß: http://www.voltairenet.org/article177806.html

 

Russia Today: (Sophie Schevarnadze): Präsident Baschar al-Assad von Syrien, herzlichen Dank für das Gespräch heute.

Baschar al-Assad: Sie sind herzlich willkommen in Damaskus.

RT: Es gibt viele Menschen, die vor einem Jahr davon überzeugt waren, dass Sie es nicht so weit schaffen würden. Jedoch sind wir hier in dem neu renovierten Präsidentenpalast für die Aufnahme dieses Interviews. Wer genau ist ihr Feind zu diesem Zeitpunkt?

BA: Mein Feind ist der Terrorismus und die Instabilität in Syrien. Dies ist der wahre Feind in Syrien. Es geht nicht um die Menschen, es geht nicht um Personen. Das wahre Problem geht auch nicht um mich, ob ich bleibe oder gehe. Es geht darum, ob das Land sicher sein wird oder nicht. Das ist der Feind, den wir als Syrer bekämpft haben.

RT: Ich war in den letzten zwei Tagen hier und hatte die Gelegenheit, mit ein paar Leuten in Damas­kus zu sprechen. Einige von ihnen sagen, ob Sie nun (als Präsident) bleiben oder gehen ist nicht mehr wirklich entscheidend. Was sagen Sie dazu?

BA: Ich denke, ob der Präsident bleibt oder geht, ist Wille des Volkes und kein persönlicher. Und das einzige Mittel ihn zu kennen, geht über die Wahlurnen. Also, es geht nicht darum was man hört. Es geht darum, was die Wahlurnen sagen werden und dieses Ergebnis wird jedem Präsidenten sagen, zu bleiben oder zu gehen. Ganz einfach.

RT: Ich denke, was diese Leute meinten ist, dass zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Sie (als Präsident) gemeint sind; Syrien ist das Ziel.

BA: Ich war nicht das Ziel, ich war überhaupt nicht das Problem. Sie wissen, der Westen schafft seine Feinde. In der Vergangenheit war es der Kommunismus dann wurde es der Islam, und dann wurde es Saddam Hussein aus einem anderen Grund. Jetzt wollen sie einen neuen Feind schaffen, sie sagen Baschar al-Assad wäre das Problem und er müsste weg. Deswegen sagen sie, das Problem sei der Präsident, deswegen soll er gehen. Deshalb müssen wir uns auf das eigentliche Problem konzentrieren und nicht unsere Zeit damit verschwenden, anzuhören was sie sagen.

RT: Glauben Sie persönlich immer noch, dass Sie der einzige Mann sind, der Syrien zusammenhalten kann und der einzige Mann, der, was die Welt einen “Bürgerkrieg” nennt, beenden kann?

BA: Wir können es aus zwei Aspekten betrachten. Der erste Aspekt ist die Verfassung, und ich habe meine Autorität durch die Verfassung. Mit dieser Autorität und der Verfassung, muss ich in der Lage sein, das Problem zu lösen. Aber wenn Sie meinen, dass kein anderer Syrer Präsident sein kann: Nein, jeder Syrer könnte Präsident werden. Wir haben viele Syrer, die für diese Position geeignet sind. Sie können nicht das ganze Land an eine einzige Person knüpfen.

RT: Aber Sie kämpfen für Ihr Land. Glauben Sie, dass Sie dem Konflikt ein Ende setzen und Frieden wiederherstellen können?

BA: Ich muss derjenige sein, der das tun kann, und ich hoffe es, aber es ist nicht allein die Macht des Präsidenten, es geht um die ganze Gesellschaft. Wir müssen dabei sehr genau sein. Der Präsident kann nichts tun ohne die Institutionen und ohne die Unterstützung des Volkes. Also, der Kampf ist jetzt nicht der des Präsidenten, es ist der aller Syrer. Jeder Syrer ist daran beteiligt sein Land zu verteidigen.

RT: Das stimmt und eine Menge von Zivilisten sterben auch in diesem Kampf. Also, wenn Sie diesen Krieg gewinnen könnten, wie würden Sie sich mit Ihren Menschen versöhnen nach allem, was passiert ist?

BA: Lassen Sie uns nochmal präzise bleiben. Das Problem liegt nicht zwischen mir und dem Volk, ich habe kein Problem mit dem Volk, weil die Vereinigten Staaten gegen mich sind und der Westen gegen mich ist und viele andere arabische Länder, darunter die Türkei, die nicht arabisch ist, sind natürlich gegen mich. Wenn das syrische Volk gegen mich wäre, wie könnte ich dann noch immer hier sein?

RT: Ist es nicht gegen Sie?

BA: Wenn die ganze Welt, oder sagen wir einen großer Teil der Welt, einschließlich Ihrer eigenen Leute gegen Sie sind, sind Sie dann nicht ein Supermann? Sie sind einfach nur ein Mensch. Also, das ist nicht logisch. Es geht nicht um die Versöhnung mit dem Volk und es geht auch nicht um die Ver­söhnung zwischen den einen Syrern und anderen Syrern, wir haben keinen Bürgerkrieg. Es geht um Terrorismus und um die Unterstützung von Terroristen aus dem Ausland, um Syrien zu destabilisie-ren. Dies ist unser Krieg.

RT: Sie glauben nicht an einen Bürgerkrieg, weil ich weiß, es gibt viele,- abgesehen von terroristi-schen Handlungen in Syrien die jedermann zugibt – und es gibt auch eine Menge konfessionell motivierte Konflikte. Zum Beispiel haben wir alle gehört, über die Mutter, die zwei Söhne hat, ein Sohn kämpft für die Regierungstruppen und der andere Sohn für die Rebellen. Wie kann das kein Bürgerkrieg sein?

BA: Es gibt Spaltungen, aber Spaltungen bedeuten nicht Bürgerkrieg. Das ist etwas völlig anderes. Bürgerkriege sind auf ethnischen oder konfessionellen Problemen basiert. Manchmal haben Sie eth­nische oder religiöse Spannungen, aber sie werden nicht zu einem Problem. Also, wenn es Meinungs­verschiedenheiten in der gleichen Familie oder in einem größeren Stamm gibt, oder auch in der glei­chen Stadt, bedeutet das nicht Bürgerkrieg. Dies ist etwas völlig anderes und das ist normal. Wir sollten das erwarten.

RT: Als ich Sie über die Versöhnung mit Ihrem Volk gefragt habe, ist es dies, was ich meinte: Ich habe Sie öfters wiederholen gehört, dass das einzige, was Sie interessiert, ist, was das syrische Volk über sie denkt und was die Syrer Ihnen gegenüber empfinden und ob Sie Präsident sein sollten oder nicht. Fürchten Sie nicht letztlich, da es so viel Schaden gegeben hat, aus welchem Grund auch immer, dass die Syrer sich nicht für die Wahrheit interessieren werden und sie Sie nur für das Gemetzel tadeln werden, das sie erlitten haben?

BA: Das ist eine hypothetische Frage, denn was die Leute denken, ist das Richtige, und über das, was sie denken, müssen wir sie befragen. Aber ich habe darüber jetzt keine Informationen. Also, ich bin nicht besorgt darüber, was einige Leute denken, ich bin besorgt um mein Land. Darauf müssen wir uns fokussieren.

RT: Seit Jahren gibt es viele Geschichten über die mächtige syrische Armee, die wichtigen und starken syrischen Geheimdienste, aber dann sehen wir, dass die Regierungstruppen nicht in der Lage sind, den Feind wie erwartet zu zerschlagen. Stattdessen sehen wir fast jeden Tag Terroranschläge in der Mitte von Damaskus. Waren dies Mythen über die syrische Armee und über die starken syrischen Geheimdienste?

BA: In der Regel und unter normalen Umständen, wenn Sie die Armee, die Sicherheitskräfte und die Geheimdienste nehmen, konzentrieren wir uns auf den äußeren Feind, auch wenn wir einen inneren Feind, wie den Terrorismus haben, weil die Gesellschaft uns dabei hilft, zumindest keine terroristischen Brutkästen entstehen zu lassen. Jetzt in diesem Fall ist es eine neue Art von Krieg, Terrorismus durch Stellvertreter, entweder Syrer die in Syrien leben oder ausländische Kämpfer, die aus dem Ausland kommen. Also, es ist eine neue Art von Krieg, das ist das erste, und Sie müssen sich darauf einstellen und das braucht Zeit, es ist nicht leicht. Und zu sagen, das ist so einfach wie der normale wäre, oder, sagen wir, ein traditioneller oder regulärer Krieg, nein, es ist viel schwieriger.

Zweitens ist die Unterstützung, die die Terroristen in jeder Hinsicht, einschließlich Waffen, Geld und politischer Art angeboten wurden, beispiellos. Also müssen Sie damit rechnen, dass es ein harter und schwieriger Krieg werden wird. Sie können nicht erwarten, dass ein kleines Land wie Syrien, all jene Länder, die uns durch solche Stellvertreter bekämpfen, in wenigen Tagen oder Wochen besiegt.

RT: Ja, aber wenn man es so betrachtet, einerseits haben Sie einen Führer mit einer Armee, und er befiehlt dieser Armee geradeaus, nach links, nach rechts zu gehen und die Armee gehorcht. Auf der anderen Seite haben Sie Splittergruppen von Terroristen, die nicht einheitlich sind und keine einheitliche Strategie haben gegen Sie zu kämpfen. Also, wie kann das wirklich funktionieren, mit der Bekämpfung?

BA: Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass diese Terroristen im inneren der Städte kämpfen, und in den Städten haben wir Zivilisten. Wenn Sie diese Art von Terroristen bekämpfen, müssen Sie sich bewusst sein, dass Sie Schäden an der Infrastruktur und an der Zivilbevölkerung vermeiden müssen. Aber Sie müssen kämpfen, Sie können nicht einfach zulassen, dass die Terroristen töten und zerstören. Das ist die Schwierigkeit, bei dieser Art von Krieg.

RT: Sie wissen, dass die Infrastruktur und Wirtschaft leiden; es ist fast so, als ob Syrien bald verfallen wird und die Zeit ist gegen Sie. Ihrer Meinung nach, wie viel Zeit brauchen Sie, um den Feind zu vernichten?

BA: Man kann diese Frage nicht beantworten, weil niemand behaupten kann, wann der Krieg beendet sein wird, außer wir wüssten, wann der Schmuggel von ausländischen Kämpfern aus verschiedenen Teilen der Welt aufhört, vor allem aus dem Nahen Osten und der islamischen Welt und wann sie den Waffennachschub an jene Terroristen beenden werden. Wenn sie damit aufhören, könnte ich Ihnen eine Antwort geben; dann kann ich Ihnen sagen, dass wir innerhalb von Wochen alles beenden können. Dies ist kein Problem. Aber solange man die kontinuierliche Versorgung der Terroristen mit Waffen, Logistik und alles anderem aufrechterhält, wird es zu einem langfristigen Krieg werden.

RT: Wenn man auch daran denkt, dass Sie 4.000 km spärlich bewachte Grenzen haben, so dass Ihre Feinde jederzeit über Jordanien oder die Türkei sich medizinisch versorgen können und wiederbewaffnet wieder zurückkehren, um gegen Sie zu kämpfen!

BA: Genau, kein Land der Welt kann seine Grenzen versiegeln. Manchmal wird diese Bezeichnung verwendet, sie ist aber nicht korrekt, sogar die Vereinigten Staaten beispielsweise können ihre Grenze mit Mexiko nicht versiegeln. Das gleiche gilt für Russland, das ein großes Land ist. Also kein Land kann seine Grenzen dicht machen. Sie können jeweils nur eine bessere Situation an der Grenze schaffen, wenn Sie gute Beziehungen zu den Nachbarn haben, und das ist etwas, was wir zumindest mit der Türkei derzeit nicht haben. Die Türkei unterstützt mehr als jedes andere Land den Schmuggel von Terroristen und Waffen.

RT: Kann ich Sie etwas fragen? Ich war vor kurzem in der Türkei und die Menschen dort sind wirklich sehr besorgt über einen möglichen Krieg zwischen Syrien und der Türkei. Glauben Sie, dass ein Krieg mit der Türkei ein realistisches Szenario darstellt?

BA: Rational, nein, ich denke nicht – aus zwei Gründen: Der Krieg braucht die Unterstützung der Öffentlichkeit und die Mehrheit der türkischen Bevölkerung braucht diesen Krieg nicht. Also, ich glaube kein vernünftiger Offizieller würde gegen den Willen der Bevölkerung in seinem eigenen Land vorgehen und das gleiche gilt für das syrische Volk. Also, der Konflikt oder Zwiespalt besteht nicht zwischen der türkischen und der syrischen Bevölkerung, es geht um ihre Regierung und offiziellen Vertreter und unsere offiziellen Vertreter hinsichtlich ihrer Politik. Also, ich sehe keinen Krieg zwischen Syrien und der Türkei am Horizont.

RT: Wann war das letzte Mal, als Sie mit Erdogan gesprochen haben und wie endete das Gespräch?

BA: Im Mai 2011, nachdem er die Wahl gewonnen hatte.

RT: Also sie haben ihm gratuliert und es war das letzte Mal,

BA: Ja, das war das letzte Mal.

RT: Wer setzt die Türkei unter Beschuss? Sind es die Regierungstruppen oder die Rebellen?

BA: Um die Antwort zu finden, muss man ein gemeinsames Komitee zwischen den beiden Armeen bilden, um zu erfahren, wer wen beschießt, weil an den Grenzen Sie eine Menge von Terroristen haben, die Mörser haben, die das Gleiche tun können. Man müsste hingehen, die Bombe in dem Ort selbst zu untersuchen und das ist nicht geschehen. Wir baten die türkische Regierung ein Untersuchungskomitee zu bilden, aber sie weigerten sich, also kennen wir die Antwort nicht. Aber wenn Sie Terroristen an ihren Grenzen haben, können Sie das nicht ausschließen, dass sie so was tun, da die syrische Armee keine Befehle hat, die Türkei anzugreifen, weil wir daran kein Interesse haben, wir haben keine Feindschaft mit dem türkischen Volk. Wir betrachten sie als Brüder, also warum sollten wir das tun, es sei denn es geschehe aus Versehen, deshalb braucht man eine Untersuchung.

RT: Akzeptieren Sie es, dass es irrtümlicherweise durch Regierungstruppen geschehen ist?

BA: Das könnte passieren. Dies ist eine Möglichkeit, und in jedem Krieg passieren Fehler. Wie Sie von Afghanistan wissen, reden sie immer über „friendly fire“, wenn Sie ihre eigenen Soldaten töten. Das heißt, das kann in jedem Krieg passieren, aber man kann nicht sagen, dass es der Fall war.

RT: Warum ist die Türkei, die Sie eine befreundete Nation nennen, ein Standbein für die Opposition geworden?

BA: Nicht die Türkei, sondern nur die Regierung Erdogan, um genau zu sein. Das türkische Volk will gute Beziehungen mit den Syrern. Erdogan meint, wenn die Muslimbruderschaft in der Region und vor allem in Syrien an die Macht kommt, kann er seine politische Zukunft sichern, dies ist einer der Gründe. Der andere Grund, er persönlich glaubt, dass er der neue Sultan des Osmanischen Reiches ist, und er könne die Region, wie sie während des Osmanischen Reiches war, unter einem neuen Dach kontrollieren, das islamisch ist, und nicht osmanisch, nicht um Kalif zu werden. Aber in seinem Herzen denkt er, er sei der Kalif. Dies sind die beiden wichtigsten Gründe für ihn, seine Politik von „null Problemen“ auf „null Freunde“ zu verschieben.

RT: Aber es ist nicht nur der Westen, der zu diesem Zeitpunkt gegen Sie steht, es gibt ebenso viele Feinde in der arabischen Welt; das heißt vor zwei Jahren noch wollte man in der arabischen Welt die Beziehungen zu Ihnen stärken, und jetzt bei der ersten Gelegenheit werden Sie verraten, warum haben Sie so viele Feinde in der arabischen Welt?

BA: Sie sind keine Feinde. Die Mehrheit der arabischen Regierungen unterstützt Syrien in ihren Her­zen, aber sie trauen sich nicht, dies explizit zu sagen.

RT: Warum nicht?

BA: Unter dem Druck des Westens, und manchmal unter dem Druck der Petrodollar in der arabischen Welt.

RT: Wer aus der arabischen Welt unterstützt Sie?

BA: Viele Länder unterstützen Syrien, aber trauen sich nicht, das explizit zu sagen. Vor allem Irak, der eine sehr aktive Rolle bei der Unterstützung Syriens während der Krise gespielt habt, weil er ein Nachbarland ist und versteht und erkennt, dass, wenn es einen Krieg in Syrien gibt, werden Sie den Krieg in den benachbarten Ländern bekommen, darunter auch in Irak. Ich denke, es gibt andere Län­der, die gute Positionen einnehmen, wie Algerien und Oman hauptsächlich und es gibt noch weitere Länder, die ich jetzt nicht alle aufzählen will, aber ich würde sagen, sie haben positive Positionen, aber ohne aktiv zu sein.

RT: Saudi-Arabien und Katar, warum sind die so hartnäckig bezüglich Ihrer Abdankung und wie würde ein instabiler Naher Osten in deren Agenda passen?

BA: Lassen Sie uns ehrlich sein, ich kann nicht in deren Namen sprechen. Sie müssen diese Frage selbst beantworten, aber ich kann sagen, dass das Problem zwischen Syrien und anderen Ländern, ob in der arabischen Welt oder in der Region oder im Westen, darin besteht, dass wir „Nein“ sagen, wenn wir denken, dass wir „Nein“ sagen müssen. Das ist das Problem. Und einige Länder glauben, dass sie Syrien durch Aufträge, durch Geld oder Petro-dollar kontrollieren können und das ist in Syrien un­mög­­lich. Das ist das Problem. Vielleicht wollen sie eine Rolle spielen. Wir haben kein Problem damit, sie können eine Rolle spielen, ob sie diese verdienen oder nicht, aber sie können keine Rolle zu Lasten unserer Interessen spielen.

RT: Geht es darum Syrien zu kontrollieren oder ihre Vision des Islam nach Syrien zu exportieren?

BA: Sie können das nicht als staatliche Politik bezeichnen. Manchmal sind es Institutionen in be­stimm­ten Ländern, dann sind es Personen, die dies zu fördern versuchen, aber sie kündigen es nicht als offizielle Politik an. Sie haben uns nicht gebeten, um die, sagen wir mal, extremistische Haltung ihrer Institutionen zu fördern, aber das passiert in der Realität, es sei durch indirekte Unterstützung ihrer Regierung oder durch die Gründer der Institutionen und des Personals. Also, das ist Teil des Problems, aber wenn ich als Regierung sprechen will, muss ich über die angekündigte Politik spre­chen. Die an­gekündigte Politik ist wie jede andere Politik, es geht um Interessen, es geht darum eine Rolle zu spie­len, aber man kann nicht übersehen, was erwähnt wurde.

RT: Der Iran, ein sehr enger Verbündeter, ist auch wirtschaftlichen Sanktionen ausgesetzt, auch vor einer Bedrohung der militärischen Invasion. Wenn Sie mit der Option konfrontiert wären, die Bezie­hungen mit dem Iran zu beenden, im Austausch für Frieden in Ihrem Land, würden Sie das tun?

BA: Wir haben keine widersprüchliche Optionen in dieser Hinsicht, warum, weil wir gute Bezieh­ungen mit dem Iran seit 1979 bis heute pflegen, und werden jeden Tag besser, gleichzeitig bewegen wir uns Richtung Frieden. Wir hatten Friedensprozesse und wir hatten Friedensverhandlungen. Iran war kein Faktor gegen den Frieden. Also, das ist Desinformation, die der Westen versucht zu fördern, dass, wenn wir den Frieden brauchen, dürften wir kein gutes Verhältnis mit dem Iran pflegen. Es gibt da keinen Zusammenhang, es sind zwei völlig unterschiedliche Themen. Der Iran unterstützte Syrien, unterstützt unsere Sache, die Sache der besetzten palästinensischen Territorien, und wir müssen sie in ihrer Sache unterstützen. Dies ist sehr einfach. Der Iran ist ein sehr wichtiges Land in der Region. Wenn wir Stabilität wollen, brauchen wir gute Beziehungen mit dem Iran. Man kann nicht über Sta­bilität reden, während man schlechte Beziehungen mit dem Iran, der Türkei und den Nachbarn pflegt und so weiter. Das ist es einfach.

RT: Haben Sie Informationen, dass westliche Geheimdienste Rebellen hier in Syrien finanzieren?

BA: Nein, soweit wir wissen, unterstützen sie die Aufklärungserkenntnisse der Terroristen hauptsächlich durch die Türkei und manchmal durch den Libanon. Aber es gibt andere Geheimdienste, nicht die westlichen, sondern regionale Dienste, die sehr aktiv sind, aktiver als die westlichen, die aber unter der Aufsicht der westlichen Geheimdienste stehen.

RT: Welche Rolle spielt Al-Kaida in Syrien im Moment? Steuern sie die Koalitionstruppen der Rebellen?

BA: Nein, ich glaube nicht, dass sie versuchen zu steuern; sie versuchen, ihre eigenen Königreiche oder Emirate in ihrer Sprache zu schaffen, aber vor allem versuchen sie, die Menschen durch Explosionen, Attentate, Selbstmordattentäter und Dinge wie diese in Angst und Verzweiflung zu versetzen um diese als Realität zu akzeptieren. Also, sie gehen Schritt für Schritt vor, aber ihr endgültiges Ziel ist es, sozusagen ein islamisches Emirat in Syrien zu errichten, von wo aus sie ihre eigene Ideologie in den Rest der Welt exportieren können.

RT: Von denen, die gegen Sie kämpfen und diejenigen, die gegen Sie sind, mit wem würden Sie reden?

BA: Wir sprechen mit jedem, der wahren Willens ist, Syrien zu helfen, aber wir verlieren keine Zeit für diejenigen, der unsere Krise für ihre eigenen Interessen nutzen wollen.

RT: Es kam schon öfter vor … nicht gegen Sie, sondern dass Regierungstruppen wegen Kriegsverbrechen gegen die eigenen Zivilisten beschuldigt wurden. Akzeptieren Sie, dass Regierungstruppen Kriegsverbrechen gegen ihre eigene Zivilbevölkerung begangen haben?

BA: Wir bekämpfen den Terrorismus. Wir vollziehen unsere Verfassung, indem wir das syrische Volk schützen. Gehen wir einmal zurück zu dem, was vor mehr als einem Jahrzehnt in Russland passiert ist, als sie in Tschetschenien und anderen Orten mit Terrorismus konfrontiert waren; sie griffen Menschen in Theatern und Schulen und so weiter an, und die russische Armee schützte die Bevölkerung. Würden Sie das als Kriegsverbrechen bezeichnen? Nein, würden Sie nicht.

Vor zwei Tagen, anerkannte Amnesty International die Verbrechen, die vor wenigen Tagen von den bewaffneten Gruppen begangen wurden, als sie Soldaten gefangen genommen und hingerichtet haben. Auch Human Rights Watch hat dies anerkannt. Human Rights Watch hat mehr als einmal die Verbre­chen dieser terroristischen Gruppen anerkannt und vor wenigen Tagen diese Verbrechen als Kriegs­verbrechen beschrieben, das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt, wenn Sie eine Armee haben, die Verbrechen gegen ihr eigenes Volk begeht, ist das ohne Logik, weil die syrische Armee aus syrischem Volk besteht. Wenn Sie Verbrechen gegen das eigene Volk anordnen wollten, dann wird die Armee sich zerteilen, wird zerfallen. Sie können keine starke Armee haben, wenn sie Landsleute töten lassen.

Drittens, kann die Armee nicht seit 20 Monaten in diesen schwierigen Umständen durchhalten, ohne Rückhalt durch die Öffentlichkeit in Syrien. Also, wie könnte man diesen Rückhalt haben, wenn man die eigenen Menschen tötete? Das ist ein Widerspruch. Das ist meine Antwort.

RT: Wann war es das letzte Mal, als Sie mit einem westlichen Führer sprachen?

BA: Es war vor der Krise.

RT: Gab es einen Zeitpunkt, an dem versucht wurde, Ihnen Bedingungen aufzuerlegen, dass, wenn Sie den Posten des Präsidenten aufgäben, es dann Frieden in Syrien geben würde oder nicht?

BA: Nein, niemand hat das direkt vorgeschlagen, nein, aber ob sie es auch direkt oder indirekt vorgeschlagen würden, bleibt es einzig eine Frage der Souveränität; nur das syrische Volk hat darüber etwas zu sagen. Wer auch immer darüber in den Medien oder in einer Erklärung direkt oder indirekt spricht, es hat keine Bedeutung und kein Gewicht in Syrien.

RT: Haben Sie überhaupt eine Wahl, weil so wie es von außen aussieht, könnten Sie nirgends hinge­hen. Wo würden Sie hingehen, wenn Sie wirklich (Syrien) verlassen wollten?

BA: Nach Syrien. Ich würde von Syrien nach Syrien gehen. Dies ist der einzige Ort, wo ich leben kann. Ich bin keine Marionette. Ich wurde nicht vom Westen gemacht, um in den Westen oder in ein anderes Land zu gehen. Ich bin Syrer, ich wurde in Syrien geboren, ich muss in Syrien leben und in Syrien sterben.

RT: Denken Sie, dass es zu diesem Zeitpunkt eine Chance für Diplomatie oder Gespräche gibt, oder nur die Armee es schaffen kann?

BA: Ich habe immer an Diplomatie geglaubt und ich glaube immer an den Dialog auch mit denen, die das nicht verstehen oder daran glauben. Wir müssen es immer wieder versuchen. Ich denke, dass wir damit immer einen Teilerfolg erreichen können. Wir müssen nach diesem Teilerfolg streben, bevor wir den vollen Erfolg erzielen können. Aber wir müssen realistisch sein. Glauben Sie ja nicht, dass nur der Dialog etwas erreichen kann, denn diese Leute, die solche Taten begangen haben, sind von zweierlei Art:

Die einen glauben nicht an Dialog, besonders die Extremisten und Banditen, die vor Jahren vor der Krise vom Gericht verurteilt worden sind, und ihr natürlicher Feind ist die Regierung, weil sie verhaf­tet werden, wenn wir eine normale Situation in Syrien haben werden.

Der andere Teil sind die Menschen, die von außen zugeführt wurden und sie können nur von den Regierungen, die sie bezahlen und bewaffnen, belangt werden, sie haben keine Wahl, weil sie keine eigene Entscheidungsgewalt besitzen. Also, man muss realistisch sein.

Und wir haben den dritten Teil der Menschen, ob Kämpfer oder Politiker, die den Dialog akzeptieren. Darum stehen wir in diesem Dialog seit Monaten sogar mit Militanten und viele von ihnen haben ihre Waffen abgegeben und kehrten zurück in ihr normales Leben.

RT: Denken Sie, dass eine ausländische Invasion unmittelbar bevorsteht?

BA: Ich denke, der Preis dieser Invasion, wenn sie passiert, wird mehr sein als die ganze Welt sich leisten kann, denn wenn es auch ein Problem in Syrien gibt, sind wir das letzte Bollwerk des Säku­larismus und der Stabilität in der Region und des Zusammenlebens. Dann wird es einen Dominoeffekt geben, der die Welt vom Atlantik bis zum Pazifik und Sie kennen die Auswirkungen auf den Rest der Welt. Ich glaube nicht, dass der Westen in diese Richtung gehen wird, aber wenn er dies tut, kann niemand sagen, was dann kommt.

RT: Herr Präsident, geben Sie sich selbst irgendeine Schuld? Normalerweise müssen Sie bei Entscheidungen die sie treffen, Fehler finden, sonst wären Sie nicht menschlich. Was war Ihr größter Fehler?

BA: Ich weiß jetzt nicht, um ehrlich zu sein. Aber ich berücksichtige immer, sogar bevor ich Entscheidungen treffe, dass ein Teil davon falsch sein kann, aber man kann nicht (im Voraus) über seine Fehler sprechen. Manchmal, vor allem während der Krise, sieht man nicht, was richtig und was falsch ist, bevor man die Situation überwunden hat, in der man sich befindet. Ich würde also nicht objektiv sein, jetzt über Fehler zu reden, weil wir immer noch in der Mitte der Krise stehen.

RT: Also, Sie bereuen bis jetzt noch nichts?

BA: Nicht jetzt. Wenn alles klar ist, kann man über Fehler sprechen, und man macht auf jeden Fall Fehler, und das ist normal.

RT: Wenn heute der 15. März 2011 wäre, das heißt, als der Protest zu eskalieren begann, was würden Sie heute anders machen?

BA: Ich würde tun, was ich am 15. März gemacht habe.

RT: Genau das gleiche?

BA: Genau das gleiche: Verschiedene Parteien einladen, um in den Dialog zu gehen und Terroristen widerstehen, weil es so angefangen hat. Es begann nicht mit Demonstrationen. Sie waren der Deckmantel. Aber innerhalb dieser Märsche gab es Militante, die begannen, Zivilisten und die Armee gleichzeitig zu beschießen. Vielleicht hätte man auf taktischer Ebene etwas anderes tun können, aber als Präsident sind Sie kein Taktiker, Sie treffen Entscheidungen immer auf strategischer Ebene, es ist anders.

RT: Präsident Baschar al-Assad, wie sehen Sie sich in zehn Jahren?          

BA: Ich sehe mich durch mein Land, nicht für mich selbst, aber für mein Land nach zehn Jahren. Da ist es, wo ich mich sehen kann.

RT: Sehen Sie sich in Syrien?

BA: Auf jeden Fall, ich muss in Syrien sein. Das liegt nicht an meiner Position. Ich sehe mich nicht als Präsident oder als Nicht-Präsident. Das ist nicht mein Interesse. Ich kann mich in diesem Land sehen, ein sicheres Land, stabiles Land und wohlhabendes Land.

RT: Präsident Baschar al-Assad von Syrien, ich danke Ihnen für das Gespräch mit RT.

BA: Danke, dass Sie wieder nach Syrien gekommen sind.      

 

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Weitere Reden sind zu finden bei syrianfreepress:

 

 

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