Reden und Ansprachen von sowie Interviews mit Präsident Dr. al-Assad (in zeitlich absteigender Reihenfolge)

Es geht um eine möglichst textnahe Übersetzung, der sowohl der englische als auch arabische Text zugrunde liegen.

 

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Interview von Präsident Dr. al-Assad mit der Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya
(https://www.sana.sy/en/?p=205538, https://www.sana.sy/?p=1232835 vom 8.10.2020)

Interview

Präsident Dr. al-Assad im Interview mit Rossiya Segodnya vom 8.10.2020, Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, vielen Dank, daß Sie uns die Gelegenheit gegeben haben, dieses Interview in diesen Tagen zu führen, in denen wir uns daran erinnern, daß vor fünf Jahren die russische Hilfe in Syrien ihren Ausgang nahm. Können Sie heute nach fünf Jahren russischer Militäroperation sagen, daß der Krieg in Syrien nun vorbei ist?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, definitiv nicht. Solange Terroristen einige Gebiete unseres Landes besetzen und verschiedene Arten von Verbrechen, Attentate und andere Verbrechen begehen, ist er noch nicht vorbei. Ich denke, ihre Operatoren [d.h., die, die sie im Hintergrund steuern] sind sehr daran interessiert, daß er noch lange anhält. Das ist, was ich denke.

Frage 2: Und an welche Momente russischen Heldentums erinnern Sie sich und behalten sie in Ihrem Herzen? Welche davon halten Sie sozusagen für wert, sie Ihren Enkelkindern zu erzählen?

Präsident Dr. al-Assad: Davon gibt es viele und ich erinnere mich selbstverständlich an einige von ihnen. Nach fünf Jahren dieser Zusammenarbeit zwischen der syrischen und der russischen Armee in einem hinterhältigen Krieg denke ich, daß Heldentum zu einem kollektiven Akt wird; es ist nicht individuell. Es sind nicht [bloß] ein paar Fälle von Heroismus, an die man sich erinnert. Wenn Sie z.B. an Kampf-Piloten denken – die Luftwaffe; russische Piloten flogen tagtäglich über die Terroristen hinweg, sie riskierten ihr Leben; und einige Ihrer Militärmaschinen wurden von den Terroristen abgeschossen. Die anderen Offiziere unterstützten  die syrische Armee nicht im Hintergrund, sondern an der Frontlinie, und in der Konsequenz fielen einige. Was ich einmal meinen Enkelkindern werde, handelt nicht nur von diesem Heldentum, sondern es wird um die gemeinsamen Werte gehen, die in beiden Armeen vertreten sind und uns zu Brüdern in diesem Krieg gemacht haben. [Es sind] diese edlen ihren Anliegen treu bleibenden Werte wie, Zivilisten zu verteidigen, Unschuldige verteidigen. In diesem Krieg gibt es viele Dinge, die es wert sind, angesprochen zu werden. 

Frage 3: Und welcher Moment symbolisiert für Sie einen Wendepunkt während dieses Konflikts, während dieses Krieges?

Präsident Dr. al-Assad: Es ist nun fast zehn Jahre her, daß der Krieg begonnen hat, also haben wir viele Wendepunkte, die ich erwähnen kann, nicht nur einen. Der erste war 2013, als wir mit der Befreiung vieler Gebiete vor allem in der Mitte Syriens von Ğabhatu_n-Nuṣra begannen. Dann 2014, ging es in die andere Richtung, als der IS plötzlich mit US-amerikanischer Unterstützung auftauchte und gleichzeitig einen sehr wichtigen Teil Syriens und des Iraks besetzte. Das war, als die Terroristen andere Gebiete zu besetzen begannen, weil der IS in der Lage war, die syrische Armee von der Erfüllung ihrer Mission zur Befreiung des westlichen Teils Syriens abzulenken. Der andere Wendepunkt war dann, als die Russen 2015 nach Syrien kamen und wir zusammen mit der Befreiung vieler Gebiete starteten. In jenem Stadium, als die Russen zur Unterstützung der syrischen Armee kamen, war das der Wendepunkt zur Befreiung des westlichen Teils von Aleppo; von jenem Punkt an begann die Befreiung anderer Gegenden Syriens. Bedeutsam darunter sind die Befreiung Aleppos und der Beginn der Befreiung, der großflächigen Befreiung, jene erstreckte sich später auf Damaskus und vor kurzem auf den Rest von Aleppo und die anderen Gegenden im Ostteil Syriens und im südlichen Teil.  Das sind demnach die Haupt-Wendepunkte. Wenn Sie sie zusammenfügen, sind sie alle strategischer Natur und alle haben den Verlauf dieses Krieges verändert.

Frage 4: Nun möchte ich zu einigen aktuellen Nachrichten wechseln. Wir in Rußland verfolgen die Vorgänge in der Region des Armenien- und Aserbeidschan-Konflikts und natürlichdie Rolle, die die Türkei dort spielt. Ist es negativ oder positiv, was ich nicht zu entscheiden habe, aber ich möchte Sie zum Kurs der Türkei und der von Erdogan befragen. In den letzten Jahren hat die Türkei versucht, ihren internationalen Einfluß zu maximieren. Wir alle sehen ihre Präsenz in Libyen, ihre Interventionen in Syrien, die territorialen Streitigkeiten mit Griechenland und nun die offene Unterstützung von Aserbeidschan. Was denken Sie über diese Verhaltensweise Ankaras und Erdogans persönlich,  und sollte die internationale Gemeinschaft dieser Art von Neo-Osmanismus mehr Aufmerksamkeit schenken?

Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns klar und deutlich sein: Erdogan hat Terroristen in Syrien unterstützt und er unterstützt Terroristen in Libyen und er ist der Haupt-Impulsgeber und -Initiator des kürzlich [wieder ausgebrochenen] Konflikts in Berg-Karabach zwischen Aserbeidschan und Armenien. Daher würde ich sein Verhalten aus verschiedenen Gründen als gefährlich bezeichnen. Zuallererst, weil es das Verhalten der Muslimbruderschaft widerspiegelt; die Muslimbruderschaft ist eine terroristische extremistische Gruppe.
Zweitens, weil er in verschiedenen Bereichen Krieg führt, um die öffentliche Meinung daheim in der Türkei davon abzulenken, sich auf sein Verhalten in der Türkei zu konzentrieren, insbesondere nach seinen skandalösen Beziehungen zum IS in Syrien; jeder weiß, daß der IS syrisches Öl via Türkei und unter dem Schutz durch die US-Luftwaffe hat, wobei die Türkei freilich in diesen Ölverkauf involviert war.
Das ist also sein Ziel und das ist gefährlich. Unabhängig davon, ob die internationale Gemeinschaft sich dessen bewußt sein sollte oder nicht, ist das Wort „internationale Gemeinschaft“ in Wirklichkeit nur auf ein paar Länder begrenzt: die Großmächte und reiche Staaten; lassen Sie sie uns als die Einflußnehmer auf die politische Arena benennen. Die Mehrheit dieser internationalen Gemeinschaft ist Komplize der Türkei bei der Terroristenunterstützung. Von daher wissen sie, was die Türkei tut, sie sind froh darüber, was die Türkei tut, und die Türkei ist ein Erfüllungsgehilfe von deren Strategie und Träumen für diese Region. Demnach nein, wir können überhaupt nicht auf die internationale Gemeinschaft zählen. Man kann auf das Völkerrecht bauen, doch es existiert nicht [wirklich], da es keine Institution gibt, um das Völkerrecht umzusetzen. Daher müssen wir uns in Syrien auf uns selbst verlassen und auf die Unterstützung durch unsere Freunde.

Frage 5: Also mehr über diesen Konflikt. Es gab Berichte, daß einige Terroristen der Gruppen, die zuvor in Syrien gekämpft hatten, jetzt in diese Konfliktzone zwischen Armenien und Aserbaidschan gebracht werden. Können Sie das bestätigen? Haben Sie irgenwelche Informationen über Kämpfer, die von Syrien nach …?

Präsident Dr. al-Assad: Wir können das absolut bestätigen; nicht weil wir einen Beweis haben, doch manchmal, wenn kein Beweis da ist, gibt es Indizien. Die Türkei benutzte Terroristen, die aus verschiedenen Ländern nach Syrien kamen. Sie benutzten (sic!) dieselbe Methode in Libyen; sie benutzten syrische Terroristen in Libyen, womöglich zusammen mit [Vertretern von] anderen Nationalitäten. Demnach ist es offensichtlich und sehr wahrscheinlich, daß sie dieselbe Methode in Berg-Karabach benutzen; denn, wie ich schon früher sagte, sind sie es, die dieses Problem, diesen Konflikt initiierten; sie haben zu diesem Konflikt angespornt. Sie wollen damit etwas erreichen und sie benutzen dieselbe Methode dafür. Daher können wir sicher sagen, daß sie die syrischen Terroristen und die anderer Nationalitäten in Berg-Karabach benutzen.

Frage 6: Wenden wir uns nun  wierder den Beziehungen zwischen unseren Ländern, Rußland und Syrien zu. Gibt es Pläne für Kontakte oder Treffen Ihrerseits mit Präsident Putin?

Präsident Dr. al-Assad: Wir haben regelmäßigen Kontakt, hauptsächlich per Telefon, wann immer sich etwas Neues ereignet oder wann immer es Gesprächsbedarf gibt. Natürlich werden wir in der Zukunft miteinander sprechen, uns in der Zukunft treffen, aber das hängt von der politischen Situation in Bezug auf Syrien ab. Und wie Sie wissen, ist jetzt aufgrund des Coronavirus die ganze Welt [wie] paralysiert. Ich denke, daß in naher Zukunft die Konversation per Telefon stattfinden wird.

Frage 7: Und werden Sie die Frage nach den neuen Krediten für Syrien aufwerfen? Für neue Anleihen?

Präsident Dr. al-Assad: In unserer wirtschaftlichen Situation ist es sehr wichtig, nach Anleihen zu suchen, aber gleichzeitig sollte man diesen Schritt nicht unternehmen, ohne den Kredit zurückzahlen zu können. Sonst wird es zur Belastung und zur Schuld. Es gibt also zwei Aspekte. Über Anleihen zu sprechen, haben wir im Kopf, und wir haben das mit unseren russischen Kollegen besprochen, doch müssen wir uns auf einen solchen Schritt vorbereiten, bevor er sozusagen ernsthaft bzw. eigentlich besprochen wird. 

Frage 8: Kürzlich kam die Delegation von Rußland und Vize-Premierminister Borisow war hier. Ist Syrien nun am Kauf von Flugabwehrsystemen wie dem S-400 unteressiert oder fordert es weitere S-300?

Präsident Dr. al-Assad:  Tatsächlich haben wir vor zwei Jahren mit [der Umsetzung von] einem Plan zur Aufrüstung unserer Armee begonnen und es ist selbstverständlich, daß wir diese Nachrüstung in Zusammenarbeit mit dem russischen Verteidigungsministerium vollziehen werden; schließlich stützt sich unsere Armee seit Jahrzehnten voll und ganz auf russische Rüstungsgüter. Aber da gibt es Prioritäten, und geht nicht unbedingt um die Raketen; womöglich bestehen jetzt andere Prioritäten in Bezug auf den Konflikt vor Ort. Es besteht also ein umfassender Plan, doch müssen wir uns nach diesen Prioritäten richten. Normalerweise sprechen wir nicht über die Details unserer Militärpläne, aber im Allgemeinen wird, wie gesagt, die Armee in allen Bereichen des Militärbereichs aufgerüstet.

Frage 9: Sie verfolgen sicher die Präsidentschaftskampagne in den USA. Hoffen Sie darauf, daß der neue Präsident, wie auch immer der Name des Gewinnerns lauten mag, die Sanktionspolitik gegen Syrien überdenken wird?

Präsident Dr. al-Assad: Wir erwarten für gewöhnlich bei den [US-]amerikanischen Wahlen keine Präsidenten [vorzufinden], wir erwarten nur CEOs [Geschäftsführer]; denn es gibt da ein Gremium, dieses Gremium besteht aus Lobbys und großen Unternehmen wie Banken, Rüstungsbetrieben, Ölfirmen etc. Womit Sie es also zu tun haben, ist ein CEO, und dieser CEO hat nicht das Recht oder die Autorität, etwas zu überdenken, er hat etwas unmzusetzen. Das widerfuhr auch Trump, als er mach den Wahlen Präsident wurde.

Journalist: Er war ja CEO viele Jahre lang davor.  

Präsident Dr. al-Assad: Genau! Und er ist auf jeden Fall [auch jetzt] ein CEO. Er wollte seine eigene Politik beschreiten oder verfolgen, und er war im Begriff, den Preis dafür zu zahlen – Sie erinnern sich an die Amtsenthebungsangelegenheit. Er mußte jedes Wort runterschlucken, das er vor den Wahlen sagte.  Das ist der Grund dafür, warum ich sagte, es ist kein Präsident zu erwarten, nur ein CEO. Wenn Sie die Politik ändern wollen, haben Sie ein Gremium [vor bzw. gegen sich] und dasselbe Gremium will keine Änderung seiner Politik [hinnehmen]. Der CEO wird demnach eine Änderung durchmachen, denn das Gremium bleibt dasselbe; demnach sollte man nichts erwarten. [Ähnliche Aussagen zum US-Präsidium s. in den Interviews vom 3.6.2017 und 27.4.2017, 13.4.2017, 13.3.2017, 20.1.2017, 14.12.2016, 12.2.2016 etc.!]

Frage 10: Aus wem besteht dieses Gremium? Wer sind diese Leute?

Präsident Dr. al-Assad: Wie ich schon gesagt habe, besteht dieses Gremium aus den Lobbys, die setzten daher um, was immer sie wollen, und sie kontrollieren den Kongreß und die anderen, und die Medien etc. Es besteht also eine Allianz zwischen diesen verschiedenen Interessengruppen in den USA.

Frage 11: Trump versprach ja, die [US-]amerikanischen Truppen aus Syrien abzuziehen, doch er schaffte das nicht. Nun ist er für den Nobel-Preis vorgeschlagen. Denken Sie, wenn er es schafft, die [US-]amerikanischen Truppen nach Hause zu bringen, daß er dann den Friedensnobelpreis erhalten wird?

Präsident Dr. al-Assad: Er ist nominiert?

Journalist: Er ist nominiert.

Präsident Dr. al-Assad: Das wußte ich nicht. Wenn sie über die Nominierung für den Friedensnobelpreis sprechen … Frieden entsteht nicht allein dadurch, seine Truppen zurückzuziehen. Es ist ein Schritt, ein guter Schritt und ein wichtiger Schritt. Doch Frieden hat mit der Politik zu tun, die man macht, es geht darum, wie man sich verhält. Es bedeutet, mit Besetzung, mit dem Umsturz von Regierungen aufzuhören, vor allem wenn sie einem nicht passen, [es bedeutet,] damit aufzuhören, Chaos in verschiedenen Gegenden der Welt zu stiften. Frieden [anzustreben] bedeutet, dem Völkerrecht zu folgen, die UN-Charta zu unterstützen, etc. Das bedeutet es, sich für den Frieden einzusetzen; dafür verdient man den Friedensnobelpreis. Obama erhilt diesen Preis. Er war gerade gewält worden und hatte nichts [dafür] getan. Die einzige Leistung, die er damals möglicherweise vollbrachte, war, von seinem Haus ins Weiße Haus umzuziehen. Und [doch] erhielt er den Friedensnobelpreis. Vielleicht wird er Trump für etwas Ähnliches verliehen. Ich weiß nicht, was es ist, aber es is definitiv nicht [sich für] Frieden [eingesetzt zu haben]. 

Frage 12: Kürzlich bestätigte Trump ja, daß er beabsichtigt hatte, Sie persönlich zu beseitigen, und daß Pentagon-Chef Mattis ihn überredet habe, das nicht zu tun. Wußten Sie das zu jener Zeit und wurden Maßnahmen ergriffen, um das zu verhindern?

Präsident Dr. al-Assad: Mord ist ein [US-]amerikanischer modus operandi ]Vorgehensweise], das, was sie die ganze Zeit über tun, seit Jahrzehnten, überall, in verschiedenen Gebieten der Welt. Das ist nichts Neues. Demnach muß man es immer im [Hinter-]kopf behalten, daß diese Art von Plan aus verschiedenen Gründen stets gegeben ist. Dem müssen wir in unserer Situation in Syrien, in diesem Konflikt mit den [US-]Amerikanern, die unser Land okkupieren und die Terroristen unterstützen, immer entgegensehen. Man ist darauf gefaßt; selbst wenn man keine Information darüber hat, sollte es selbstverständlich sein [darauf gefaßt zu sein]. Wie verhindert man es? Es geht nicht um den Vorfall an sich – es geht nicht um den Plan in Bezug auf diese [oder jene] Person bzw. diesen [oder jenen] Präsidenten. Es geht um die Verhaltensweise. Nichts wird die USA davon abhalten, diese Art von brutalen Taten oder Handlungen zu begehen, außer es besteht ein internationales Gleichgewicht, in dem die USA nicht mit ihren Verbrechen davon kommen können. Ansonsten werden sie mit dieser Art von Handlungen in verschiedenen Gegenden fortfahren und nichts würde sie stoppen.

Frage 13: Gab es während Ihrer Präsidentschaft noch andere Versuche?

Präsident Dr. al-Assad: Ich habe von keinem Versuch gehört, aber es ist, wie ich gesagt habe, offensichtlich, daß es viele Versuche oder möglicherweise Pläne, um präziser zu sein,  gibt. Ich meine, waren sie sozusagen aktiv oder in der Warteschleife? Niemand weiß das.

Frage 14: Ich komme nun zur Lage in Syrien zurück. Wollen sie im Jahr 2021 für die Präsidentschaft kandidieren?

Präsident Dr. al-Assad: Es ist noch zu früh, darüber zu reden, da es noch Monate bis dahin sind. Diese Entscheidung kann ich zu Beginn nächsten Jahres treffen.

 Frage 14:Ich komme nun zur Lage in Syrien zurück. Wollen sie im Jahr 2021 für die Präsidentschaft kandidieren?

Präsident Dr. al-Assad: Es ist noch zu früh, darüber zu reden, da es noch Monate bis dahin sind. Diese Entscheidung kann ich zu Beginn nächsten Jahres treffen.

Frage 15: Interessant. Haben Sie eigentlich Herrn Alexander Lukaschenko zu seiner Amtseinführung in Weißrußland gratuliert und sehen Sie möglicherweise Ähnlichkeiten zwischen politischen Methoden, die von Großbritannien und den USA zur Unterstützung der weißrussischen Opposition eingesetzt worden sind und denen, die gegen Syrien und gegen den syrischen Staat im Informationskrieg benutzt wurden?

Präsident Dr. al-Assad: Ich habe ein Glückwunschschreiben an Präsident Lukaschenko geschickt und das ist gängig. In Bezug auf das, was in Belarus passiert: unabhängig von den Ähnlichkeiten zwischen den beiden Ländern – Syrien und Weißrußland – oder den Unterschieden, unabhängig davon, ob Sie einen echten oder einen künstlichen Konflikt in einem Land haben, pflegt der Westen – solange er seine Hegemonialpolitik rund um die Welt nicht ändert – irgendwo in der Welt dazwischenzufunken. Falls es ein echtes Problem in einem Land gibt, sei es ein großes oder ein kleines, wird er sich einmischen. Und wenn ein inländisches [Problem] besteht, machen sie es zu einem internationalen, nur um dazwischenzufunken und sich in die Angelegenheiten des anderen einmischen zu können.
Bestehen keine Probleme, werden sie ihr Bestes tun, um welche zu kreieren und sie wiederum zu internationalen zu machen, um sich in die [fremden] Angelegenheiten mischen zu können. Das ist deren politische Vorgehensweise. Es geht also nicht um die Vorgänge in Weißrußland. Wie jedes andere Land, Syrien, Weißrußland, Ihr Land, jedes Land hat seine eigenen Probleme. Hat der Westen ein Recht, sich einzumischen oder nicht? Dem müssen wir uns widersetzen.
Um also auf Ihre Frage zurückzukommen: ja, es ist dieselbe Verhaltensweise, dieselbe Strategie, dieselbe Taktik.
Den einzigen Unterschied machen Benennung (branding of the products) und unterschiedliche Schlagzeilen. Sie benutzen bestimmte Schlagzeilen für Rußland, andere für Venezuela, wieder eine andere für Syrien u.s.w. Es geht also nicht Weißrußland, es geht um das Verhalten des Westens und dessen Strategie für die Zukunft, da sie den Aufschwung in Rußland, in China, dem Aufschwung anderer Mächte in der Welt für eine existentielle Bedrohung für sie halten; der einzige Weg, sich dieser Bedrohung zu widersetzen oder sich ihr zu stellen, besteht [für sie] darin, weltweit Chaos zu schaffen.

Frage 16: Sie haben bereits das Corona-Virus erwähnt und es hat die ganze Menschheit betroffen. War jemand von der Regierung infiziert oder vielleicht Sie persönlich?

Präsident Dr. al-Assad: Gott sei Dank nein. Ich denke nicht, daß irgendjemand von unserer regierung infiziert gewesen ist.

Frage 17: Das sind gute Nachrichten. Und würden Sie persönlich den russischen Impfstoff nehmen wollen?

Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich, unter diesen Umständen würde jeder gerne gegen dieses gefährliche Virus geimpft werden. Aber ich denke, es ist noch nicht für den internationalen Markt verfügbar. Wir werden es jedoch mit der russischen Behörde besprechen, wenn es international verfügbar ist, um Impfstoffe für den syrischen Markt zu erhalten. Das ist sehr wichtig.

Journalist: Ja, und Russen haben bereits angedeutet, daß es für unsere internationalen Partner verfügbar sein könne …

Präsident Dr. al-Assad: Sie sagen, es könnte im November verfügbar sein.

Frage 18: Werden Sie dann also um den russischen Impfstoff bitten?     

Präsident Dr. al-Assad: Ja, definitiv, es ist eine Notwendigkeit in diesen Zeiten.

Frage 19: Und in welcher Menge?

Präsident Dr. al-Assad: Das hängt davon ab, wieviel erhältlich ist und wir müssen die Bedarfsmenge für Syrien mit der Gesundheitsbehörde besprechen.

Frage 20: Sie werden demnach detaillierte Verhandlungen mitden russischen Behörden führen?

Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, selbstverständlich. Jeder in Syrien frägt nach dem russischen Impfstoff und wann er erhältlich sein wird.

Frage 21: Besteht jetzt vor dem Hintergrund des Pandemie-Ausbruchs noch öffentliches Interesse an einer Verfassungsänderung? Schließlich hat das Corona-Virus ein neues Bezugssystem in der Welt und sicherlich in der Politik geschaffen. Die Probleme und die Genfer Gespräche werfen demnach Zweifel an der Frage auf, ob die Notwendigkeit einer Änderung der Verfassung noch besteht. Was denken Sie darüber?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, das Corona-Virus und die Verfassung stehen in keinem Bezug. Wir haben die Verfassung 2012 geändert und jetzt erörtern wir die Verfassung in den Genfer Gesprächen. Wir hatten eine Verhandlungsrunde fast einen Monat zuvor. Demnach hat das Corona-Virus jene Runden verzögert, sie aber nicht beendet.
Letztlich sind die Genfer Verhandlungen ein politisches Spiel, nichts, worauf sich die Öffentlichkeit, die Syrier konzentrieren. Die syrische Bevölkerung denkt nicht an die Verfassung, niemand spricht über sie. Ihr Interesse gilt den Reformen, die wir durchführen müssen, und den Richtlinien, die wir ändern müssen, um sicherzustellen, daß ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Das ist, worüber wir derzeit diskutieren und wo unsere Sorgen liegen und worauf die Regierung ihre Bemühungen fokussiert.

Frage 22: Sie sagen also, daß die Genfer Gespräche fortgesetzt werden und die Verfassung auf der Tagesordnung bleiben und es noch weitere Diskussionen geben sollte?

Präsident Dr. al-Assad: Ja, sicher. Wir haben damit begonnen und werden in einigen Wochen damit weitermachen.

Frage 23: Wird Syrien beschließen, einen Prozeß gegen die Weißen Helme (White Helmets) durchzuführen und denken Sie, daß es eine Art internationaler Untersuchung ihrer Aktivitäten geben sollte, womöglich unter dem Schirm der Vereinten Nationen?

Präsident Dr. al-Assad: Wenn es ein Verbrechen gibt, stellen Sie nicht das Messer oder die Waffe vor Gericht, sondern schicken den Verbrecher vor Gericht. In diesem Fall sind die White Helmets nur die Werkzeuge, die Hilfsmittel – die Waffe, die zum Terrorismus benutzt wird. Sie wurden kreiert durch Großbritannien, unterstützt durch die USA und freilich Frankreich und andere westliche Länder, und direkt benutzt durch die Türkei. All diese Regierungen sind die wahrer Vater und wahre Mutter der White Helmets, weshalb sie noch vor den White Helmets selbst zur Verantwortung gezogen werden müßten. Die Frage ist nun, haben wir ein Völkerrecht, um solche Verfahren anzustrengen? Nein, haben wir nicht. Wenn es anders wäre, wären z.B. die USA mit ihren Verbrechen im Irak, im Jemen oder in anderen Gegenden nicht davongekommen. Aber [es geht] nicht nur [um] die USA, sondern ebenso um Frankreich, Großbritannien und verschiedene Länder und die USA in Syrien. Doch es gibt keine Institutionen, die solche Rechtsnormen durchsetzen könnten, wie ich sei vorher erwähnt habe. Daher nein, wir müssen uns mehr auf die Täter konzentrieren, die echten steuernden Hintermänner (supervisors). Das sind die westlichen Länder [besser: Regierungen] und deren Marionetten in der Region.

Frage 24: Sollte aber womöglich irgendein Schritt konkret in Richtung White Helmets unternommen werden? Weil sie noch aktiv sind?

Präsident Dr. al-Assad: Ja, natürlich, sie sind Kriminelle. Ich sage nichts anderes. Bevor sie zu den White Helmets wurden, waren sie Ğabhatu_n-Nuṣra; es gibt Videos und Photos von all diesen Kriminellen, sie müssen also in Syrien vor Gericht gestellt werden. Wenn man aber von den White Helmets als einer Institution spricht, so ist sie vom Westen erstellt. Sie sind demnach Kriminelle als Individuen, doch die White Helmets sind eine westliche Institution – eine extremistische terroristische Organisation – basierend auf der Ğabhatu_n-NuṣraOrganisation. 

Frage 25: Sie sagen, die Präsenz der US- und der türkischen Armee in Syrien ist illegal. Was wollen Sie tun, um sie zu beenden?

Präsident Dr. al-Assad: Es handelt sich um eine Besetzung, in dieser Lasge haben wir zweierlei zu tun: als erstes gilt es die Ausrede zu beseitigen, die sie für ihre Besetzung benutzen, nämlich die Terroristen, in diesem Fall den IS. Der größte Teil der Welt weiß es jetzt, daß der IS von den [US-]Amerikandern kreiiert wurde und von ihnen unterstützt wird; sie erteilen ihm, wie beliebigen [US-]amerikanischen Truppen, seine Aufträge (missions). Man muß also den Vorwand beseitigen, demnach ist die Beseitigung der Terroristen in Syrien Priorität Nr.1 für uns.
Danach, wenn die [US-]Amerikaner und Türken nicht [das Land] verlassen, ist das Natürliche, was passieren wird, der Widerstand der Bevölkerung. Das ist der einzige Weg. Sie werden nicht aufgrund einer Diskussion oder wegen des Völkerrechts gehen, seitdem es nicht mehr existiert. Es bleiben also keinen anderen Mittel übrig außer Widerstand und das passierte im Irak. Was veranlaßte die [US-]Amerikaner 2007 zum Rückzug? Es war der Widerstand der Bevölkerung im Irak.

Frage 26: Was denken Sie demnach über die Vereinbarung zwischen den [US-]Amerikanern und den syrischen Kurden in Bezug auf die Gewinnung von Öl? Und werden Sie irgenwelche Maßnahmen dagegen ergreifen? 

Präsident Dr. al-Assad: Das ist Raub und der einzige Weg, diesen Raub zu stoppen ist, das (your) Land zu befreien. Wenn man es nicht befrfeit, wird nichts sie davon abhalten, da es Diebe sind; und einen Dieb kann man nicht stoppen, außer man steckt ihn ins Gefängnis oder schreckt ihn irgendwie ab, indem man ihn von dem Bereich isoliert, in dem er seinen Raub begehen kann. Dasselbe muß man mit jenen Dieben tun. Sie müssen aus dieser Region vertrieben werden; das ist der einzige Weg. Wenn die syrische Regierung jeden Teil Syriens kontrolliert, wird die Lage zum Normalen zurückkehren. 

Frage 27: Wie bewerten Sie die Lage in Idlib? Wie wird Syrien das Problem der Terroristen-Vertreibung von dort lösen? Und wie viele von ihnen kämpfen jetzt dort, wie viele Terroristen, nach Ihrer Einschätzung?

Präsident Dr. al-Assad: Seit 2013 haben wir eine bestimmte, sagen wir, Methodik angewendet, um mit diesen Bereichen umzugehen, in denen die Terroristen hauptsächlich die Zivilbevölkerung oder die Städte kontrollieren. Wir geben ihnen die Möglichkeit, ihre Bewaffnung abzugeben, und im Gegenzug erhalten sie Amnestie von der Regierung [d.i. Rekonziliierung, vgl.u.]. Das ist in vielen Gegenden Syriens geschehen. Wenn sie aber keine Rekonziliierung (reconciliation) suchen, müssen wir militärisch angreifen, und das ist in jedem Bereich geschehen, den wir seit 2013 befreit haben. Diese Methode findet Anwendung in Gebieten, in denen nationale Rekonziliierung stattfindet und die Kämpfer Syrer sind. Idlib jedoch ist ein an derer Fall: die meisten Ausländer [besser: ausländischen Teroristen] in Syrien sind in Idlib konzentriert, sie gehen demnach in die Türkei – also dorthin, woher oder in das Land, durch das sie eingereist sind, oder sie gehen in ihre Länder zurück oder sie sterben in Syrien.

Frage 28: In [besser: nach] Europa?

Präsident Dr. al-Assad: Hauptsächlich nach Europa. Einige kamen aus Rußland, aus arabsichen Ländern, aus so vielen Ländern in der Welt. All jene djihadistischen [sic!] Extremisten wollten nach Syrien zum kämpfen kommen.

Frage 29: Jetzt steht dieser Bereich also sozusagen unter der Aufsicht und den gemeinsamen Operationen der Russen, der Türken und manchmal der [US-]Amerikaner. Halten Sie diese Zusammenarbeit für effektiv und wie kann diese Erfahrung in Zukunft genutzt werden?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, ich denke nicht, daß es effizient ist, aus einem einfachen Grund: Wenn es effizient etwas gebracht hätte, hätten wir in letzter Zeit in vielen Gebieten in Aleppo und Idlib nicht in den Krieg ziehen brauchen. Die türkische Regierung sollte ja die Terroristen in jenem Gebiet überzeugen, abzuziehen und den Weg für die SAA, die syrische Regierung mitsamt den Institutionen freizumachen, um dort die Kontrolle zu übernehmen; das taten sie [d.i. die Türken] nicht. Jedes Mal gaben sie dieselbe Zusage ab; [doch] sie haben kein einziges ihrer Versprechen oder eine ihrer Zusagen gehalten. Demnach nein, ich würde nicht sagen, daß diese Kooperation funktioniert hat, aber lassen Sie uns sehen. Sie haben noch eine weitere Gelegenheit, die Terroristen unter Druck zu setzen, sich nördlich der Autobahn M4 in Idlib zurückzuziehen. Dies ist ihre letzte Zusage aus dem mit der russischen Seite unterzeichneten Abkommen, aber sie haben es bis jetzt nicht erfüllt. Also lassen Sie  uns abwarten und sehen.

Frage 30: Erwägen Sie die Möglichkeit von Verhandlungen mit Israel über die Einstellung der Feindseligkeiten zu führen? Und ist es möglich, daß Syrien künftig diplomatische Beziehungen mit Israel aufnimmt wie kürzlich andere arabische Staaten?

Präsident Dr. al-Assad: Unsere Position ist seit Beginn der Friedensgespräche in den 1990ern ganz klar, als wir vor fast drei Jahrzehnten sagten, daß Frieden für Syrien mit Rechte zu tun hat. Unser Recht bezieht sich auf unser Land. Wir können nur normale Beziehungen mit „Israel“ haben, wenn wir unser Land zurückbekommen. Es ist ganz einfach. Es ist demnach möglich, wenn Israel dazu bereit ist, aber das ist es nicht. Es war nie dazu bereit. Wir haben niemals einen Beamten in der israelischen Regierung erlebt, der zu einem Schritt in Richtung Frieden bereit gewesen wäre. Die Antwort lautet demnach theoretisch ja, aber in der Praxis bisher nein.

Frage 31: Ich dachte, diese Nachrichten aus anderen arabischen Ländern, die kürzlich Beziehungen aufgenommen haben, könnten ein Anreiz für Syrien und ‚Israel‘ sein, Verhandlungen aufzunehmen, aber wie ich es verstehe, gibt es derzeit keine laufenden Verhandlungen zwischen Ihren beiden Ländern.

Präsident Dr. al-Assad: Nein, es gibt absolut keine Verhandlungen, gar keine.

Frage 32: Sie haben die Verstärkung Ihrer Streitkräfte erwähnt. Was sind die Hindernisse dafür? Sehen Sie irgendwelche Hindernisse für die Ihrer Verstärkung Streitkräfte?

Präsident Dr. al-Assad: Wenn man über große Projekte spricht, gibt es immer Hindernisse, aber die sind überwindbar, nichts ist unmöglich. Manchmal sein sie finanzieller Art, manchmal kann es mit Prioritäten und manchmal mit der Situation vor Ort zusammenhängen. Dies ist das einzige Hindernis, sonst gibt es keine, nein. Wir kommen voran, aber es braucht Zeit. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Frage 33: Einige internationale Akteure sagen, daß der iranische Rückzug aus Syrien eine Voraussetzung für die wirtschaftliche Sanierung des Landes und für die Zusammenarbeit von Regierungen und möglicherweise westlichen Unternehmen mit der syrischen Regierung sei. Wird Syrien dieser Bedingung zustimmen und den Iran jemals zum Rückzug auffordern?

Präsident Dr. al-Assad: Zuallererst: wir haben keine iranischen Truppen [in Syrien] und das ist ganz klar. Sie unterstützen Syrien, sie senden Militärexperten, sie arbeiten mit unseren Treppen vor Ort zusammen und sie sind bei der syrischen Armee. Lassen sie uns doch ein praktisches Beispiel nehmen: vor fast einem Jahr sagten die [US-]Amerikaner den Russen, sie sollten die Iraner davon überzeugen, sich 80km von der Grenze zu den von den Israelis besetzten Golanhöhen fernzuhalten. Obwohl es keine iranischen Truppen [in Syrien] gibt, waren die Iraner sehr flexibel und sagten: „Gut, kein iranisches Personal wird sich südlich jener Linie aufhalten“ und die [US-]Amerikaner sagten, wenn wir uns darauf einigen können, ziehen wir uns aus dem besetzten östlichen Teil Syriens an der Grenze zum Irak, dem Gebiet von at-Tanaf zurück. Doch nichts geschah. Sie [die US-Amerikaner] zogen sich nicht zurück. Demnach ist die iranische Angelegenheit nur ein Vorwand für die Besetzung syrischen Gebiets und die Unterstützung der Terroristen [bei at-Tanaf]. Sie wird als Maske verwendet, um ihre [der US-Amerikaner] wahren Absichten zu verbergen. Die einzige Möglichkeit für sie, das umzusetzen, was sie sagen, besteht darin, daß Syrien ein Marionettenstaat der USA wird. Das ist es, was sie wollen. Nichts anderes. Alles andere, was sie vorbringen, sind Lügen und falsche Behauptungen. Daher glaube ich nicht, daß es mit den [US-]Amerikanern eine echte Lösung gibt, solange sie ihr Verhalten nicht ändern wollen.

Frage 34: Und die letzte Frage: gibt es etwas, auf das Sie stolz sind, etwas, das sie bedauern getan oder nicht getan zu haben?

Präsident Dr. al-Assad: Während des Krieges?

Journalist: Während Ihrer Präsidentschaft.

Präsident Dr. al-Assad: Da ist zwischen Richtlinie und Umsetzung zu unterscheiden. In Bezug auf die Richtlinien haben wir von Anfang an gesagt, wir hören auf das syrische Volk, und deshalb haben wir 2012 die Verfassung reformiert. Wir haben gesagt, wir müssen Terroristen bekämpfen, und das tun wir auch nach zehn Jahren noch. Wir haben gesagt, wir müssen unsere Unabhängigkeit, unsere nationale Unabhängigkeit bewahren. Und das ist es, wofür wir kämpfen, und wir müssen uns mit unseren Freunden verbünden. In Bezug auf diese Richtlinien denke ich, haben wir Recht gehabt. Was unser Mißtrauen gegenüber dem Westen angeht, so hatten wir in vielerlei Hinsicht Recht.
Was die Umsetzung betrifft, da geht es um Taktik, um viele Dinge, von denen Sie sagen könnten, sie seien falsch gewesen, zum Beispiel: Waren die Rekonziliierungen falsch? [Ich sage das,] weil in einigen Gegenden die Personen, denen Amnestie gewährt wurde, nicht zu Gesetz und Staat zurückkehrten. Demnach könnte man sagen, dies war falsch, doch tatsächlich waren jene Rekonziliierungsverfahren wichtige Schritte. Ich denke nicht, daß wir uns in Bezug auf die Richtlinien falsch lagen. Fehler passieren in Bezug auf die überall und manchmal tagtäglich.

Journalist: Unsere Zeit ist abgelaufen, Herr Präsident. Demnach nochmals vielen Dank für dieses offene und ausführliche Interview.

Präsident Dr. al-Assad: Ich danke Ihnen. Und danke, daß Sie nach Syrien gekommen sind.

Journalist: Danke sehr.

 

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Interview mit Präsident Dr. al-Assad, Russia24 vom 4.3.2020
(https://www.sana.sy/?p=1117979, https://www.sana.sy/en/?p=187460)

Journalist: Hallo, das ist die International Review mit Jewgeni Primakow. Heute sind wir in Damaskus in unserem einstweiligen Studio. Seine Exzellenz, Präsident Bašâr al-Assad, ist nicht unser Gast im Studie, eher sind wir seine Gäste. Herr Präsident, vielen Dank dafür, daß sie uns empfangen und die Zeit erübrigen, dieses Interview zu führen. Wir freuen uns, bei Ihnen sein und Sie unter diesen schwierigen Umständen in guter gesundheitlicher Verfassung antreffen zu können.

Präsident Dr. al-Assad: Seien Sie willkommen! Ich freue ich sehr, eine russische nationale Fernsehstation zu empfangen.    

Frage 1: Vielen Dank, Herr Präsident! Freilich sind jetzt – neben dem Krieg gegen den Terrorismus, den Ihr Land führt – das wichtigste Thema die Vorgänge in der Idlib-Provinz und die Gefahr einer Konfrontation zwischen der Syrischen Arabischen Republik und der Türkei. Die türkischen Streitkräfte unterstützen direkt, was „die Opposition“ genannt wird, obwohl in deren rängen Elemente zu sehen sind, die zu Terrororganisationen gehören, die mit al-Qâʽida und anderen Organisationen affiliiert sind. Türkische Streitkräfte nehmen ebenso Teil an Angriffen auf die syrischen Truppen. Die Frage ist:  was hat sich in den Beziehungen zwischen Ihnen und Erdogan, zwischen Syrien und der Türkei geändert? Vor 2011 pflegte Sie Erdogan „Bruder“ zu nennen und ihre beiden Familien waren befreundet. Was hat sich geändert und die Dinge dahin gebracht, wie sie jetzt sind?

Präsident Dr. al-Assad: Der Kern des Problems ist die [US-]amerikanische Politik. Zu einem bestimmten Zeitpunkt haben die USA entscheiden, daß säkulare Regierungen nicht länger ihre Pläne in der Region verwirklichen und die ihnen zugedachte Rolle spielen können. Natürlich beziehe ich mich da auf Länder, welche Alliierte der USA sind. Und nicht auf solche wie Syrien, das es nicht ist.
Sie entscheiden, diese Regierungen durch Muslimbrüder-Regime zu ersetzte, welche die Religion zur Lenkung der Bevölkerung benutzen. Auf diese Weise würden die Dinge für [US-]amerikanische und westliche Pläne im Allgemeinen einfacher. Dieser Ersetzungsprozeß begann mit dem sog. „Arabischen Frühling“. Damals war das einzige von der Muslimbruderschaft geführte Land in der Region die Türkei vermittels Erdogan selbst und seine Zugehörigkeit zur Bruderschaft. Davor waren unsere Beziehungen sowohl in politischer wie wirtschaftlicher Hinsicht gut; wir hatten sogar eine Sicherheits- und Militärkooperation. Es gab keine Probleme zwischen Syrien und der Türkei. Wir haben nichts gegen sie unternommen und auch nicht ihr feindselige Kräfte unterstützt. Wir hielten sie für einen Nachbarn und Bruder. Doch Erdogans Zugehörigkeit zur Bruderschaft ist viel stärker als all dies und so kehrte er zu seiner ursprünglichen Identität zurück und gestaltete seine Politik zu Syrien entsprechend deren Ideologie.  Es ist allgemein bekannt, daß die Muslimbruderschaft die erste Organisation gewesen ist, die Gewalt gutgeheißen und Religion genutzt hat, um Macht zu erlangen.
Nun, wenn sie uns fragen, warum türkische Soldaten in Syrien getötet werden, wofür sie kämpfen, was der Streitpunkt ist … es gibt keinen Grund, nicht einmal Erdogan selbst kann den Türken sagen, warum er seine Armee zum Kämpfen nach Syrien schickt. Der einzige Grund ist die Muslimbruderschaft, es hat nichts zu tun mit türkischen nationalen Interessen. Es hat zu tun mit Erdogans Ideologie und demnach haben Türken konsequenterweise für diese Ideologie zu sterben. Daher kann er den Türken nicht erklären, warum seine Soldaten in Syrien getötet werden.

Frage 2: Besteht irgendeine Hoffnung auf Etablierung einer Art gradueller Kommunikation zwischen der Türkei und Syrien, zumindest zwischen dem Militär und dem Geheimdienst, und in Zukunft – vielleicht – in diplomatischer Hinsicht?

Präsident Dr. al-Assad: Während der letzten beiden Jahre haben zahllose intensive Besprechungen zwischen russischen und türkischen Amtsträgern stattgefunden – und trotz der türkischen Aggression gab es ein paar Zusammenkünfte zwischen syrischen und türkischen Sicherheitsbeamten. Unser mit den Russen geteiltes Ziel war, die Türkei von der Terroristenunterstützung ab- und auf ihren natürlichen Platz zurückzubringen. Für Syrien – und auch für Sie – ist die Türkei ein Nachbarland. Es ist natürlich, gute Beziehungen zu einem Nachbarland zu haben, und unter jedem Vorwand bzw. allen Umständen unnatürlich, schlechte Beziehungen zu haben. Um auf Ihre Frage, ob es möglich sei, zurückzukommen: selbstverständlich ist es das, doch wir können dieses Ergebnis nicht erreichen, während Erdogan die Terroristen zu unterstützen fortfährt. Er muß mit der Terrorismusunterstützung aufhören, dann kann an diesem Punkt die Rückkehr zur Normalität erfolgen, da keine Feindschaft zwischen den beiden Bevölkerungen besteht. Die Feindschaft rührt von politischen Aktionen her bzw. von einer auf ureigensten Interessen beruhenden Politik. Auf Ebene der syrischen und der türkischen Nation gibt es keine Differenzen oder Interessenskonflikte. Demnach also ja, diese Beziehungen sollten zur Nomalität zurückkehren.

Frage 3: Ist das Ihre Botschaft an die Türken, daß keine Feindseligkeit ihnen gegenüber besteht? Habe ich Sie da richtig verstanden?

Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich, wir pflegten sie brüderliches Volk zu nennen, sogar jetzt, ich frage die Türken: was ist Euer Problem mit Syrien? Was ist der Sachverhalt, für den ein türkischer Staatsbürger zu sterben verdient? Worin besteht der feindselige Akt, klein oder groß, den Syrien gegen die Türkei während oder vor dem Krieg begangen hat? Es gibt keinen. Es bestehen Mischehen und gemischte Familien, es gibt tägliche Interaktionen und Interessen zwischen Syrien und der Türkei. In der Türkei gibt es Gruppen mit syrisch-arabischem Ursprung und Gruppen in Syrien mit türkischem Ursprung. Diese Interaktionen hatte es die Geschichte hindurch gegeben; es ist nicht logisch, daß es einen Disput zwischen uns geben sollte.

Frage 4: Herr Präsident, ich bin mir bewußt, daß ich mit einem Staatsoberhaupt spreche, dennoch muß ich nach der menschlichen Dimension fragen. Diese Person [Erdogan] schüttelte Ihre Hand, war Ihr Gast, Sie empfingen ihn und er nannte Sie einen Bruder und Freund etc. und jetzt erlaubt er sich, all diese Dinge [Schmähungen] zu äußern. Wie wirkt das gefühlsmäßig auf Sie?

Präsident Dr. al-Assad: Ich habe aus verschiedenen Ländern Menschen getroffen, die zur Muslimbruderschaft gehörten. Er ist einer davon aus der Türkei; es gab solche aus Ägypten, Palästina usw.; sie taten alles Dasselbe: sie pflegten Nettes über Syrien oder deren persönliche Beziehung zu mir zu sagen, doch sobald sich die Dinge ändern, richten sie sich gegen die Person. So ist die Muslimbruderschaft, sie verfügt über keinerlei politisch, soziale oder religiöse Ethik. Für sie ist Religion nichts Gutes, sie ist Gewalt; das ist ihr Prinzip. Erdogan ist eine Mitglied dieser opportunistischen Muslimbruderschaft und von daher ist es normal für hin, zu tun, was er getan hat. Das Fehlen von Klarheit und endloses Lügen sind Teil ihrer Natur.

Frage 5: Der Krieg in Ihrem Land dauert nun neun Jahre lang an. Zweimal solange als der 2. Weltkrieg, der Große Patriotische Krieg, und bald haben wir den 75. Jahrestag unseres Sieges darin, was für Rußland ein sehr wichtiges Ereignis ist. Auf welche Stärke kann das syrische Volk zurückgreifen, die es ihm ermöglicht, zu überleben, zu triumphieren und Verzweiflung zu vermeiden. Was ist das Geheimnis? Ist es innere Stärke oder etwas Anderes. Oder liegt es einfach daran, daß Sie die besseren Waffen haben?

Präsident Dr. al-Assad: Da gibt es mehrere Faktoren, die zu berücksichtigen sind. Die Tatsache, daß wir ein kleines Land sind, bedeutet, daß diese Faktoren uns zu einem starken Land in diesem Krieg machen.
Zuerst und allem voran ist da das nationale Bewußtsein und die öffentliche Meinung. Ohne dieses weitverbreitete Bewußtsein der Syrer hätte Syrien sehr schnell umgekommen oder zerstört werden können, denn das, was vorgeht ist das Ergebnis einer westlichen Verschwörung gegen ihr Land. Das Verstehen dessen im Volk produzierte eine nationale Einheit jenseits politischer Hinwendung oder unterschiedlicher kultureller und sozialer Zugehörigkeiten, ethnischer, religiöser oder konfessioneller Gruppen. Dieses Bewußtsein schaffte die Einheit mit dem Staat beim Vorgehen gegen den Terrorismus; das ist ein sehr wichtiger Faktor.
Der zweite Faktor ist die legendäre Opferbereitschaft der Syrer, die wir vor allem bei der Syrisch-Arabischen Armee haben beobachten können. Unter normalen Umständen mag vielleicht jemand glauben, diese Opferbereitschaft gebe es nur im Kino oder in Romanen, während sie doch in jedem Gefecht aufschien; und das hat unser Land beschützt. Zur Opferbereitschaft der Armee kommt jedoch die der Bürger selbst. Sie haben unter extrem schwierigen Umständen gelebt: beständiger Beschuß, Sanktionen und schlechte wirtschaftliche Bedingungen. Dennoch standen die Leute weiter zu ihrem Land.
Der dritte Faktor ist der öffentliche Sektor, der eine bedeutende Rolle dabei gespielt hat, den Staat zusammenzuhalten. Auch unter schlimmsten Umständen wurden Gehälter weiter gezahlt, hielten Schulen ihren Betrieb aufrecht und wurden den Bürgern die täglich notwendigen Dienstleistungen erbracht.
Zu diesen Faktoren kommt jedoch noch die Tatsache, daß unsere Freunde uns unterstützt haben, insbesondere Rußland und der Iran. Sie haben uns politisch, militärisch und wirtschaftlich unterstützt.
All diese Faktoren zusammen haben es Syrien ermöglicht, bis heute standfest zu bleiben.

Frage 6: Wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich näher auf diese Faktoren eingehen, beginnend bei der syrischen Gesellschaft und dem, was Sie über ihre vielfältige Kultur und Toleranz zwischen den verschiedenen Ethnien, kulturellen und religiösen Gruppen gesagt haben. Die extremistischen Terroristen haben dieser syrischen Charakteristik einen schweren Schlag versetzt durch das Verbreiten extremistischer Forderungen und einer extremistischen Ideologie. Gestern waren wir in der Altstadt von Damaskus und wir konnten uns nicht vorstellen, wie die Lage wäre, wenn die schwarze Flagge des Kalifats in Damaskus erschiene; etwas, das man sich nur zusammen mit Horror vorstellen kann. Inwieweit ist Syrien bereit, sich selbst als multikulturellen, toleranten und säkularen Staat etc. wieder zu erschaffen?

Präsident Dr. al-Assad: Was ich gleich sagen werde, mag übertrieben klingen, aber von Natur aus benutze ich eine realistische Ausdrucksweise und mag keine Übertreibung. In der Tat ist die syrische Gesellschaft, was die Kohärenz und soziale Integration ihrer verschiedenen Bestandteile betrifft, heute stärker [geschlossener] als jemals zuvor vor dem Krieg. Und zwar aus einem einfachen Grund: Krieg ist eine sehr bedeutsame Lektion für jegliche Gesellschaft, eine Lektion darüber, daß Extremismus zerstörerisch, und den anderen nicht zu akzeptieren gefährlich ist. Daraus ergab sich, daß die Segmente unserer Gesellschaft sich noch mehr zusammenschlossen.
Wenn sie in die Altstadt gehen oder in eine unter Regierungskontrolle stehende Gegend, werden Sie dieses Problem [den Extremismus und seine Folgen] überhaupt nicht sehen. Ganz im Gegenteil sind, wie gesagt, die Dinge besser als zuvor. Das Problem existiert jedoch in Gebieten jenseits staatlicher Kontrolle. Daher bin ich in dieser Hinsicht keineswegs besorgt, trotz der westlichen Narrativ-Versuche, alles so hinzustellen, als sei der Krieg in Syrien ein Konfessionskrieg, was nicht wahr ist.
Einen Konfessionskrieg zeichnet aus, daß man heute in die Gegend kommt und diese Farbe findet, in einer anderen eine andere und so weiter und so fort. Das ist aber [im Gebiet unter staatlicher Kontrolle] nicht der Fall. Sie werden in den staatlich kontrollierten Gebieten alle Farben Syriens sehen ohne Ausnahme. Wohingegen in den von den Terroristen kontrollierten Gebieten nicht bloß eine bestimmte Farbe geachtet wird, sondern sogar auf nur eine Farbschattierung davon, die der Extremisten. Demnach können Extremisten der äußersten Ausprägung nur mit Ihresgleichen leben, was auch der Grund dafür ist, warum eine so große Anzahl an Menschen aus den Terroristen-kontrollierten Gebieten in diejenigen unter Regierungskontrolle geflohen ist. Deswegen bin ich in dieser Hinsicht überhaupt nicht besorgt. Die Herausforderung besteht jedoch in den von den Terroristen besetzten Gebieten.

Frage 7: Das wirft die Frage nach der Möglichkeit einer Amnestie auf. Viele Menschen wurden durch die Propaganda der Terroristen und Extremisten in die Irre geführt. Einige von ihnen begingen Verbrechen. Andere waren Mitglieder von bewaffneten Gruppen, die Terrorakte ausführten. Es gab aber auch solche, die keine Waffen trugen, oder Waffen trugen, ohne mit ihnen zu töten. Was ist Grundlage einer Kommunikation der Regierung mit ihnen? Kann es Kompromisse geben, mittels derer jenen vergeben werden kann? Das ist eine sehr wichtige ethische Frage. Und neben der ethischen Dimension gibt es noch rechtliche Aspekte, wie den nach Anpassung ihres Status, ihre Integration in die Gesellschaft und vielleicht auch in die Armee?

Präsident Dr. al-Assad: In dieser Art von Krieg muß Amnestie eines der Grundelemente der Innenpolitik sein. Wir können keine Stabilität wiederherstellen ohne Gewährung von Amnestie für begangene Fehler. Bereits ganz am Anfang des Krieges haben wir regelmäßig Amnestieverordnungen erlassen für all jene, die die gegen das nationale Interesse gehandelt haben. In den von den Militanten kontrollierten Gebieten haben wir „nationale Rekonziliierung“ betreiben, wie wir es genannt haben, mit dem Resultat, daß der Staat Einzelpersonen legal begnadigt hat. Alle, die ihre Waffen aushändigten, erhielten Amnestie, vorausgesetzt, sie kehrten wieder zu ihrem normalen zivilen Leben und unter die Autorität des Staates und des Gesetzes zurück. Dieser Prozeß war sehr erfolgreich und stellte in großen Gebieten die Stabilität wieder her. Diese Politik setzen wir fort.
Es gibt sehr wenige Fälle, in denen keine Amnestie gewährt werden kann, z.B. jenen, die Verbrechen begangen und vorsätzlich eine große Menge Menschen getötet haben; die meisten davon sind Terroristenanführer. Was die allgemeine Situation betrifft, glaube ich, daß die meisten dieser Menschen zum Staat zurückkehren wollen, denn wie wir heutzutage sehen, ist ein großer Teil derer, die Waffen trugen, tatsächlich dazu gezwungen worden waren. Ihnen blieb keine Wahl: entweder Du greifst zu den Waffen oder Du wirst getötet. Diese Menschen sind nicht notwendigerweise Extremisten. Sie haben keine terroristische Vergangenheit. Es sind normale Menschen, die gezwungen worden sind, Waffen zu tragen.
In ähnlicher Weise gab es Personen, die politische bzw. öffentliche Positionen wie in den Medien zugunsten der Terroristen aus denselben Gründen übernehmen mußten; das sind ermittelte Tatsachen. Daher glaube ich, daß die meisten dieser Personen eigentlich den Staat unterstützen, sie haben überall mit uns zusammengearbeitet und kommuniziert. Demnach stimme ich vollkommen mit Ihnen überein: wir müssen mit der Gewährung der Amnestie fortfahren und diesen Prozeß in den neu befreiten Gebieten fortführen, insbesondere da wir wollen, daß die meisten Syrer innerhalb und außerhalb Syriens in ihre Heimat zurückkehren.

Frage 8: Sprechen wir nun über den Wiederaufbau des Staates. Ein Staat aber besteht immer aus Menschen. Wenn wir über Terroristen sprechen, zwingen wir sie entweder dazu, ihre Waffen niederzulegen, oder überzeugen sie davon, auf den richtigen Weg zurückzukehren. Umgekehrt gibt es diejenigen, die ihre [eigene] Wahrnehmung von Gerechtigkeit haben; sicherlich treffen Sie Staatsbeamte, ob in Sicherheits- oder Polizeibehörden, die den Status derer, die zu denen Kontakt herstellen und ihren Status angleichen müssen, die auf der anderen Seite Terroristen geworden sind. Diese Beamten könnten das ablehnen und es schwierig zu akzeptieren finden. Zum Beispiel, wenn ich eine bestimmte Person sehe, die [früher] ihre Waffe auf mich gerichtet hat und nun mit mir in derselben Straße lebt, Brot in derselben Bäckerei kauft wie ich, wie sollte ich mich da verhalten? Was sagen Sie zu Unterstützern des Staates, die nicht immer bereit sind, solch eine Amnestie oder solche einen Akt der Vergebung zu akzeptieren?

Präsident Dr. al-Assad: Zu Beginn des Krieges sahen wir solche Fälle. Ich erinnere mich, als ich das erste Amnestiedekret erließ, daß viele Syrer, nicht nur innerhalb der Regierung, sondern auch der breiten Öffentlichkeit Ressentiments dagegen hatten, da manche womöglich ein Familienmitglied durch den Terrorismus verloren hatten. Anfangs war es nicht leicht, diesen mitzuteilen, das wir Amnestie gewähren, um Stabilität wiederherzustellen. Doch das war nur die ersten Monate so. Wenn Sie heutzutage jemanden oder zumindest einen fragen, der den Staat unterstützt, einerlei ob er in der Regierung arbeitet oder nicht, ist das nun akzeptiert, da sie die Resultate gesehen haben. Tatsächlich sind sie in vielen Fällen diejenigen, die auf eine Amnestie und eine Einigung drängen, was sehr hilft. Es gibt demnach keine unterschiedlichen Ansichten mehr, da die Tatsachen vor Ort gezeigt haben, daß es richtig ist, so zu handeln, und gut für Syrien.

Frage 9: Noch zur Lage vor Ort. Ich werde nicht danach fragen, wer dieses oder jenes Gebiet kontrolliert, da die Situation vor Ort fließend, stets in Veränderung begriffen ist und dem Militär überlassen werden sollte. Doch ist nun klar, daß der Staat [die Kontrolle über] weite Gebiete im südlichen Teil der Provinz Idlib wiederhergestellt hat. Wie zuvor in anderen befreiten Gegenden wie z.B. in Ost-al-Ġûṭa, Dair az-Zaur usw. wird auch dort das friedliche Leben zurückkehren. Was macht der Staat, wenn er in die befreiten Gebiete geht? Wo beginnt er mit seiner Arbeit? Was ist der wichtigste Aspekt bei der Wiederherstellung eines friedlichen Lebens?

Präsident Dr. al-Assad:In vielen Gebieten, die wir befreit haben, sind keine Bürger mehr, da sie flohen als die Terroristen kamen. Als erstes stellen wir die Infrastruktur wieder her, um der lokalen Bevölkerung die Rückkehr zu ermöglichen. Als Erstes brauchen sie Elektrizität, Wasser, Straßen und andere Dienstleistungen wie Polizei und kommunale Behörden. Alles, was Dienstleistungen bereitstellt. Das ist die erste Herausforderung. Die zweite ebenso wichtige ist der Wiederaufbau von Schulen, so daß Schüler darin wieder lernen können. Wenn die Infrastruktur bereitsteht, aber ich meine Kinder nicht in die Schule schicken kann, was heißt das dann: ich kann nicht in dieses Gegend zurückkehren. Demnach sind Schulen und Gesundheitseinrichtungen nach dem Verschwinden der Terroristen und der Wiederherstellung der Sicherheit fundamental
Später kommunizieren wir freilich mit der [jeweils] örtlichen Gemeinde, um herauszufinden, wer in verschiedene Aktionen mit den Terroristen involviert gewesen ist. Wie ich bereits sagte, ist das ein wichtiger Schritt hin zur Rekonziliierung und Regelung des Status´ dieser Personen, um das normale Leben im Ort wiederherzustellen.

Frage 10: Welche Schwierigkeiten treten während dieses Prozesses auf? Gibt es Schläferzellen, die den Wiederaufbauprozeß untergraben? Was sind die Probleme, mit denen Sie konfrontiert sind?

Präsident Dr. al-Assad: Wenn ich erwähne, daß die Strafverschonungen und Rekonziliierungen erfolgreich gewesen sind, bedeutet das keinen hunderprozentigen Erfolg; nicht ist perfekt. Einige dieser Leute haben immer noch terroristische Neigungen, eine extremistische Ideologie und kooperieren noch mit extremistischem Gruppen in anderen Gegenden und begehen Terrorakte. In den letzten Wochen waren eine Anzahl Sprengsätze an verschiedenen Orten bzw. unter Fahrzeugen platziert worden. Diese Terrorakte haben viele Menschenleben gefordert. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir den Rekonziliierungsprozeß stoppen, sondern diese Schläferzellen aufstöbern müssen. Wir konnte eine große Zahl davon festnehmen, aber andere sind immer noch aktiv. Eine Schläferzelle mag mit einer Reihe von Aktionen den Eindruck vermitteln, es existiere eine vollständige Organisation; tatsächlich ist es jedoch eine einzige Zelle einer Gruppe von Individuen; mit deren Verhaftung kann man die Sicherheit wiederherstellen. Diese Herausfoderung wird aber bestehen bleiben solange der Terrorismus in Syrien existiert und die Unterstützung von außerhalb in Form von Waffen und Geld noch groß ist. Daher erwarten wir nicht, daß wir diese Schläferzellem in absehbarer Zukunft eliminieren können. Wir werden mit der Ausschaltung dieser Zellen und anderem fortfahren, bis die Dinge wieder normal laufen in Syrien.

Frage 11: Herr Präsident, wenn ich nicht falsch liege, wird es im Land in zwei Monaten unter diesen schwierigen Umständen Parlamentswahlen geben. Wie schwierig wird das sein? Oder werden sie nach Plan vorgehen nichts wird sie aufhalten oder behindern?

Präsident Dr. al-Assad: Wir haben eine Verfassung und sind ein Land, das der Verfassung unterliegt,
Wir geben nichts auf westliche Drohungen und westliche Wünsche und ziehen keinen anderen Faktor in Betracht als die Verfassung. Die Frage der Verschiebung von verfassungsgegebenen Fristen für Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen ist bei uns mehrmals aufgekommen und wir haben das [d.h. die Verschiebung] während des Krieges abgelehnt. Die Parlamentswahlen werden in wenigen Monaten stattfinden und wir werden gemäß verfassungsmäßigen Agenda unabhängig von irgendetwas anderem vorgehen.

Frage 12: Wir haben über die innere Lage gesprochen, lassen Sie uns nun über die äußere in der Region reden! Die Syrisch-Arabische Republik ist seit 2011 einer nicht nur durch die [US-]Amerikaner und die Europäer sondern auch durch die Arabische Liga und ihre Mitgliedsstaaten einschließlich der VAE verhängten rigiden Zwangsisolation [Abschließung] unterworfen. Wir wissen, daß die VAR-Botschaft wiedereröffnet worden ist und daß der Oman seine niemals geschlossen, sondern wie gewöhnlich beibehalten hat. Sehen Sie eine positive Veränderung seitens der arabischen Welt oder ist die Situation so wie sie war mit fortdauernder Isolation? Und wie sind die Aussichten Ihrer Kontakte mit der EU? Ich werde nicht nach den Amerikanern fragen, denn alles, was sie betrifft, ist leider klar.

Präsident Dr. al-Assad: Die meisten arabischen Staaten haben ihre Beziehungen zu Syrien beibehalten, jedoch nicht öffentlich aus Angste vor Repression. Diese Länder haben ihre Untertützung für Syrien ausgedrückt wie ihre Wünsche dahingehend, daß wir den Terrorismus besiegen mögen. Dennoch war der westliche, insbesondere der [US-]amerikanische Druck gegenüber diesen Ländern gewaltig, um sie auf Distanz [zu Syrien] zu halten und damit sie ihre Botschaften in Syrien nicht [wieder] eröffneten, insbesondere waren die Golfstaaten betroffen. Mit Europa aber verhält es sich ganz anders. Tatsächlich war Europa für uns mehr als zwei Jahrzehnte und sogar vor diesem Krieg auf der globalen politischen Arena abwesend. Europa hat seit 2003, seit der [US-]amerikanischen Invasion im Irak aufgehört zu existieren. Europa hat sich vollständig den USA unterworfen, Europas Rolle ist darauf beschränkt, umzusetzen, womit sie die US-Administration beauftragt hat. Ob sie also mit uns kommunizieren oder nicht, das Resultat ist dasselbe. Ob sie ihre Botschaften öffnen oder nicht, der Wert ist gleich null. Wir haben uns mit einer Anzahl Sicherheitsbeamten der meisten europäischen Länder getroffen und sie sind vernünftig gewesen, doch sie sind nicht in der Lage, den Kurs zu ändern. Manche haben frei heraus gesagt, „wir können keine Veränderung bewirken, unsere Politiker können ihre Politik nicht ändern, da die europäische Politik mit der [US]amerikanischen verbunden ist.“ Sie sind auf den Baum geklettert und sind einfach unfähig wieder herunter zu kommen. Das ist der Grund, warum wir keine Zeit damit vergeuden, über eine europäische Rolle oder europäische Politik zu sprechen. Der Meister (master) ist der [US-]Amerikaner. Wir können über die [US-]Amerikaner reden und das schließt die Europäer [dann] automatisch mit ein.
Aber um Ihre Frage zu beantworten: ja, es gibt eine Veränderung. Die Überzeugung ist deutlich verbreitet, daß dieser Krieg nicht erreicht hat, was jene Staaten – oder einige der kolonialistischen Staaten – wollten; die Syrer zahlten den Preis, die Stabilität zahlte den Preis und nun bezahlen die Europäer den Preis. Das Flüchtlingsproblem in Europa ist riesig, doch sie wollen in naher Zukunft nichts ändern. Das ist meine Überzeugung.

Frage 13: Jetzt erpreßt die Türkei Europa mittels der Migranten. Das ist, was Erdogan gerade jetzt tut.

Präsident Dr. al-Assad: Die Türkei begann mit der Aussendung der zweiten Flüchtlingswelle gen Europa in einer Spielart der Erpressung. Erdogan hatte damit gedroht, er würde Flüchtlinge losschicken. Gestern gab es auf verschiedenen Medien-Plattformen Videos mit beginnender Migrantenbewegung gen Europa.

Frage 14: In einer Ihrer Antworten sprachen Sie die Beziehung zu Rußland an. Wir sehen sie als Partnerschaftsbeziehung. Doch diese Beziehung hat schwierige Zeiten hinter sich, als Rußland seine Präsenz im Nahen Osten und anderen Teilen der Welt reduzierte. Manche Leute betrachteten das als Betrug, so als ob Rußland seinen alten Alliierten und Partnern den Rücken zuwendete. Wie beschreiben Sie nun diese Beziehungen, die sich natürlich in den neun Kriegsjahren verstärkt haben?
Da ja unsere bereits erwähnten Gegner einschließlich der Europäer und der [US-]Amerikaner, die „böse Zungen“ haben, wie wir in Rußland sagen, behaupten, daß Syrien unter russischer Kontrolle steht … ist das wirklich wahr? Wir von unserer Warte aus sehen die Beziehung als Partnerschaft und Allianz.

Präsident Dr. al-Assad: Unsere Beziehungen zu Ihnen gehen über sieben Jahrzehnte (sechs Dekaden); das ist keine kurze Zeit, sie deckt mehrere Generationen ab. Wir kennen einander sehr gut und während dieser Beziehung wurden verschiedene Erfahrungen gemacht. Die verschiedenen Umstände hindurch, einschließlich der 1990er Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, basierten unsere Beziehungen zu Rußland immer auf gegenseitigem Respekt, es war eine Beziehung unter Kollegen [besser: auf Augenhöhe]. Wir haben zu keiner Zeit, selbst in diesem Krieg nicht das Gefühl gehabt, Rußland versuche, uns seine Sichtweisen aufzuzwingen. Sie haben uns immer mit Respekt behandelt; selbst wenn wir unterschiedlicher Meinung waren, haben sie die Ansichten der syrischen Regierung respektiert. Dies ist eine allgemeine Regel, die die letzten Jahrzehnte bestimmt hat; sie hat sich nicht geändert, da sie hat mit russischen Bräuchen, Traditionen und Konzepten zu tun hat. Auf bilateraler Ebene ist die Beziehung zwischen Syrien und Rußland klar eine partnerschaftliche, insbesondere jetzt nach dem Krieg ist diese Beziehung stärker und noch vertrauensvoller geworden.
Wenn wir jedoch unsere Beziehung zu Rußland von einer anderen Perspektive betrachten wollten, welche Rußlands internationale Rolle betrifft, so ist die Sache eine andere. Heutzutage schauen viele kleine Länder und sogar Länder mittlerer Stärke rund um die Welt auf Rußland und verlassen sich in großem Maße auf dessen Rolle, da es heutzutage Rußlands Aufgabe ist, das internationale Gleichgewicht in der globalen Arena wiederherzustellen. Die Präsenz einer russischen Militärbasis in Syrien zielt nicht nur auf die Bekämpfung des Terrorismus ab, sondern ebenso auf die Herstellung einer internationalen politischen Balance im [UN-]Sicherheitsrat wie auf eine militärische Balance in verschiedenen Gegenden hinsichtlich der Wiederherstellung der russischen Rolle. Diese Rolle wiederherzustellen, ist im Interesse aller Staaten einschließlich Syriens und anderer kleiner und mittlerer Länder, wie gesagt.
Daher sehen wir diese Beziehung von zweierlei Aspekten her: als Partnerschaft auf bilateraler Ebene und als Beziehung basierend auf dieser internationalen Rolle [Rußlands], welche unserer Hoffnung nach weiter zunehmen wird wie es der Fall gewesen ist, seit Präsident Putin 2000 an die Macht kam und Rußlands Position wiederherstellte.

Frage 15: Jetzt haben wir über die militärische und politische Unterstützung gesprochen. Wie steht es mit der wirtschaftlichen? Zurückkommend auf den Wiederaufbau Syriens … gibt es da große russische, oder nicht-russische Projekte, welche bei der Wiederinstandsetzung helfen? Gibt es da einen Staat oder eine Firma, welche bereit ist, zu kommen und in die syrische Wirtschaft zu investieren ohne Angst vor Sanktionen oder politischen Problemen, hervorgerufen durch die USA und Europa? Zum Beispiel gab es früher in Aleppo eine florierende Pharmaindustrie, welche ihre Produkte in den Nahen Osten exportierte; Sie als Arzt wissen das. Gibt es Ideen zur Wiederbelebung der industriellen Produktion im pharmazeutischen Bereich oder in anderen Bereichen? Und inwieweit wirkt sich der Mangel an Ressourcen auf diese Wirtschaftsprojekte aus in Anbetracht dessen, daß sich das Öl nun außerhalb der staatlichen Kontrolle befindet und von einer Macht kontrolliert wird, die von jenseits des Atlantiks kommt und seine Basen dort unter dem Vorwand des Schutzes des Öls errichtet hat?

Präsident Dr. al-Assad: Als wir unsere Infrastruktur in den 1970er und 1980er Jahren in Syrien aufbauten, hatten wir überhaupt kein Öl. Sie wurde mit syrischem Geld und syrischer Kompetenz aufgebaut. Wir wissen also, daß wir die Fähigkeit haben und Ressourcen bereitstellen können. Es gibt eine Menge an syrischem Kapital innerhalb Syriens und hauptsächlich außerhalb; es sollte auf jeden Fall an diesem Prozeß teilhaben.
Seit 2018 besteht ein großes Interesse seitens großer Unternehmen – arabischer und nicht arabischer – außerhalb Syriens, am Wiederaufbau teilzunehmen. Jedoch, was passiert: die [US-]Amerikaner üben enormen Druck aus und bedrohen Einzelpersonen und Unternehmen gleichermaßen; das hat zweifellos einige dieser Firmen abgeschreckt. Dies geschieht auch hinsichtlich russischer Unternehmen. Es gibt etliche russische Firmen, die in Syrien investieren wollen, doch sie fürchten, einen Schritt zu tun. Chinesische Unternehmen haben dasselbe Problem.
Allerdings gibt es für jedes Problem eine Lösung. Erst kürzlich schickte sich eine Reihe großer internationaler Unternehmen an, nach Syrien zu kommen unter Ausnutzung verschiedener Methoden, um die Sanktionen [richtig: wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen] zu umgehen. Daher besteht nun für diese Firmen eine Möglichkeit, in Syrien zu arbeiten ohne es mit den Sanktionen [richtig: wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen] zu tun zu bekommen. Freilich kann ich diese Methoden nicht erläutern, doch beobachten wir eine Rückkehr ausländischen Investments. Es geht langsam vor sich, das ist wahr, aber ich glaube, das ist ein guter, ein vielversprechender Start zur Unterstützung des Wiederaufbauprozesses, mit dem wir begonnen haben. Wir haben nicht abgewartet, wir haben in manchen Gegenden damit angefangen, und um zu expandieren, muß es eine größere Anzahl von Unternehmen und Investitionen geben.

Frage 16: Welche Bereiche betrachten Sie als vorrangig oder am attraktivsten für Investoren?

Präsident Dr. al-Assad: Sicher ist der Wiederaufbau der zerstörten Vororte am wichtigsten. Ich denke, das wird für Investmentgesellschaften von großem Interesse sein, und einige haben bereits Interesse bekundet. Dies ist sicherlich ein profitabler Bereich. Ein anderer Sektor sind Öl und Gas, der ebenfalls profitabel ist. Es gibt bereits eine Reihe russischer Unternehmen, die in den letzten paar Jahren in Syrien ihren Betrieb aufgenommen haben und nun planen, die Produktion zu steigern. Das größte Hindernis für die Expansion in diesem Sektor sind die Terroristen und die [US-]amerikanische Besetzung der wichtigsten Ölquellen in Syrien. Die [US-]Amerikaner wissen das natürlich und aus diesem Grund besetzen sie weiterhin die Ölquellen und behindern den Wiederaufbauprozeß. Kurz gesagt, sind das die wichtigsten Sektoren. Sicher gibt es da viele andere Bereiche, welche jede Gesellschaft braucht, die für internationale Unternehmen jedoch weniger wichtig sind.

Frage 17: Wie wir wissen, gibt es ein großes Problem, das durch das Einfrieren syrischer Gelder bei ausländischen Banken verursacht wird. Ist es deshalb schwierig, einige Verträge zu finanzieren?

Präsident Dr. al-Assad: Das ist wahr. Das ist Raub in jeder Bedeutung des Wortes. Aber wenn das Geld gestohlen wird, heißt das nicht, daß wir als Staat und als Gesellschaft aufhören sollten, Vermögen zu schaffen. Wir haben viel Potenzial und dies ist einer der Gründe, warum wir neun Jahre Krieg überlebt haben. Sie sind sich bewußt, daß die syrische Gesellschaft sich in starker Weise zu erheben vermag, sobald nur der Krieg vollständig beendet ist, und daß wir dann wirtschaftlich stärker dastehen werden als vor dem Krieg. Deshalb haben sie darauf zurückgegriffen, syrischen und ausländischen Unternehmen zu drohen. Mit anderen Worten: wenn ein Syrer in Syrien investieren will, werden sie (sic!) wahrscheinlich sanktioniert oder Öleinnahmen werden nicht wieder nach Syrien gelassen. Der wichtigere Faktor ist der anhaltende Krieg, welcher Firmen entmutigt und sie davon abhält, nach Syrien zu kommen. Wenn diese drei Faktoren eliminiert sein werden, haben wir kein Problem [mehr] beim Wiederaufbau des Landes. Wir haben starke menschliche und materielle Ressourcen und wir haben ebenso treue Freunde wie Rußland und den Iran, die uns helfen werden.

Frage 18: Herr Präsident, wir haben generell über Idlib gesprochen und die von den [US-]Amerikanern kontrollierten Ölfelder östlich des Euphrats angesprochen und wir wissen, daß alle vier Stunden ein Stromausfall auftritt, und wir wissen, daß Kraftwerke hauptsächlich mit Ölprodukten betrieben werden. Dieser Faktor – die Kontrolle über das Öl und Ölprodukte – ist entscheidend für Syriens Wirtschaft. Haben Sie Pläne, die Kontrolle über die Gebiete östlich des Euphrats wiederherzustellen? Wie gehen Sie in diese Richtung vor?

Präsident Dr. al-Assad: Militärisch gesehen, hat jetzt Idlib Priorität. Deshalb sehen wir, wie Erdogan seine ganze Macht einsetzt und zweifellos unter [US-]amerikanischen Richtlinien. Dies liegt daran, daß wir durch die Befreiung von Idlib die Möglichkeit haben, uns in Richtung der östlichen Regionen zu bewegen. Wie ich schon zu verschiedenen Gelegenheiten gesagt habe, ist Idlib [aus militärischer Sicht] für sie ein vorgeschobener (advanced, متقدم) Posten. Sie haben all ihre Macht eingesetzt, um die Befreiung von Idlib zu verhindern, damit wir uns nicht ostwärts bewegen. Doch, obwohl wir uns gegenwärtig nicht in die östliche Region vorbewegen, stehen wir in direkter Kommunikation mit der Bevölkerung dort. Es besteht ein großes Maß an Verärgerung und Groll von ihrer Seite gegenüber der [US-]amerikanischen Besatzung und gegen die Gruppen, die für die [US-]Amerikaner agieren. Ich glaube, daß diese Verärgerung graduell anschwellen wird und es dann zu Widerstandsoperationen gegen die Besatzer kommen wird. Es ist die nationale und verfassungsmäßige Pflicht des Staates, einen jeglichen Akt gegen eine Besatzungsmacht zu untertützen. Mit der Zeit werden sich die [US-]Amerikaner keiner Bevölkerung gegenüber sehen, die sie unterstützt, sondern einer Bevölkerung, die sich gegen die [US-]amerikanische Besatzung stellt. Sie werden [dann] nicht merh bleiben können, weder des Öls wegen noch zur Unterstützung der Teroristen wie des IS und Ğabhatu_n-Nuṣra oder aus irgendeinem anderen Grund. Gleiches gilt natürlich auch für die Türken, die den nördlichen Teil des syrischen Territoriums besetzen. Wenn sie nicht vermittels politischer Verhandlungen [das Land] verlassen, müssen sie es per Gewalt. Das ist, was wir tun werden. Das ist auch unsere patriotische Pflicht als Syrer.

Frage 19: Gut, daß wir bei diesem schwierigen Sachverhalt angelangt sind. Wenn wir über die Kurden reden, die im Osten und Nordosten des Landes leben, die vielleicht nicht glücklich sind mit den [US-]Amerikanern und Türken, besonders den Türken, mit denen sie eine langjährige Feindschaft haben… . Ihre Beziehung zu Damaskus ist schwierig, weil sie Separatisten sind und den USA einmal zur Seite standen und ihre Alliierten wurden. Die Frage dreht sich hier um die Wiedervereinigung der Arabischen Republik Syrien und die Wiedereingliederung ihrer Gebiete innerhalb ihrer gesetzlichen Grenzen. Wie bauen Sie Ihre Politik hinsichtlich der Kurden auf in Anbetracht dessen, daß Damaskus sie fast des Verrats bezichtigt hat, da sie eine Vereinbarung mit den [US-]Amerikanern unterzeichnet haben? Haben Sie in dieser Hinsicht einen Plan? Was ist der Preis für deren Integration? Was können Sie den Kurden geben? Und was können Sie ihnen nicht geben?

Präsident Dr. al-Assad: Wir stehen mit den kurdischen politischen Gruppen in Nord-Syrien in Kontakt; das Problem ist, daß einige dieser Gruppen, nicht alle davon, unter [US-]amerikanischer Autorität operieren. Wir sprechen nicht von „den Kurden“, da der größere Teil der Kurden patriotische Gruppen bzw. Stämme sind, welche den Staat unterstützen. Jedoch haben diese Gruppen keine Stimme. Die, die die Gegend kontrollieren, sind kleine Gruppen, die mit den [US-]Amerikanern zusammenarbeiten. In Bezug auf das, was manchmal als „Kurdenfrage“ bezeichnet wird, [ist zu sagen,] es gibt keine solche Angelegenheit in Syrien aus einem ganz einfachen Grund: aus historischer Sicht gibt es Kurden, die in Syrien leben; diese Gruppen, die in den Norden kamen, taten das während des letzten Jahrhunderts und einzig wegen der türkischen Unterdrückung. Wir haben sie in Syrien aufgenommen. Kurden, Armenier und andere Gruppen kamen nach Syrien und wir hatten kein Problem mit ihnen. Z.B. gibt es keine syrisch-armenische Frage. In Syrien besteht eine große Vielfalt und wir haben kein Problem mit dieser Vielfalt, warum sollten wir also ein Kurdenproblem haben?! Das Problem besteht mit den Gruppen, die vor einigen Jahrzehnten, hauptsächlich in den frühen 1980ern, begannen, für sezessionistische Pläne zu werben. Dennoch, als der türkische Staat in verschiedenen Perioden die Kurden in der Türkei unterdrückte und tötete, standen wir ihnen bei. Wir haben uns nicht gegen ihre Sache gestellt, falls sie es eine Sache nennen. In Syrien erhielten sie eine Staatsbürgerschaft, auch wenn sie keine Syrer waren. Wir sind immer hinsichtlich der kurdischen Angelegenheit positiv [eingestellt] gewesen. Demnach ist das, was als „die Kurdenfrage“ genannt wird, eine unkorrekte, falsche Bezeichnung.
Das Problem gerade jetzt ist der Umgang mit den [US-]Amerikanern. Die [US-]Amerikaner sind Besatzer; sie besetzen unsere Gebiete. Die [US-]Amerikaner sind Diebe, die unser Öl stehlen. Sie können nicht die Mittelposition einnehmen zwischen denen, die das Recht schützen, und denen, die es brechen. Sie können nicht zur selben Zeit zur Polizei und zum Dieb stehen, das ist unmöglich. Sie sind entweder für die Polizei oder für den Dieb. Daher können wir keine Resultate per Dialog mit ihnen erreichen, auch wenn wir uns tausende Male treffen, sofern sie nicht klar Position beziehen, eine patriotische Position [beziehen, nämlich] gegen die [US-]Amerikaner, gegen Besatzung und gegen die Türken, da auch sie Besatzer sind. Das ist, ganz einfach, unsere Forderung. Das ist eine nationale Position und als Regierung sind wir verantwortlich für die Verfassung und für unsere nationalen Interessen. Die gesamte syrische Bevölkerung akzeptiert nichts weniger von ihnen, als daß sie gegen die Besatzung Stellung beziehen. Falls sie bezüglich alles anderem noch Forderungen haben … auch die syrische Bevölkerung hat Forderungen. Wie erzielen wir [da] Resultate? Wir diskutieren miteinander und dann können wir entscheiden: sollen wir die Verfassung ändern? Sollen wir das Gesetz ändern? Oder irgendetwas anderes, all das ist möglich. Das ist ein innersyrischer Dialog. Allerdings ist in Syrien nicht die Regierung maßgeblich für die Verfassung, sondern das Volk, und deswegen ist es der einzige, der die Verfassung ändern kann.

Frage 20: Wenn wir in Betracht ziehen, was in Idlib vor sich geht, worüber wir zu Beginn des Treffens gesprochen haben, und daß die Türkei einer der Hauptgegner der Kurden ist, verlockt Sie aus diesen Gründen die Idee, eine Rekonziliierung mit den Kurden herbeizuführen? Sie können diese Frage auch nicht beantworten, wenn Sie dies möchten.

Präsident Dr. al-Assad: Im Gegenteil, das ist eine logische Frage Diese kurdischen Gruppen, die vorgeben, gegen die türkische Besatzung zu sein, und die Statements ausgeben,wonach sie [gegen sie] kämpfen wollen, haben keine einzige Kugel abgefeuert, als die Türken eingefallen sind. Warum? Weil die [US-]Amerikaner vorgaben, in welche Region die Türken eindringen würden, und die Grenzen festlegten, zu denen sie vorrücken sollten wie auch die Gegenden, welche diese Gruppen räumen sollten. Gehen wir nun konform mit Äußerungen oder mit Taten? Wir wollen mit Taten konform gehen. In ihren Statements haben sie geäußert, gegen die Türken zu sein, doch haben sie überhaupt nichts gegen sie getan. Sie sind neutral. Sie bewegen sich in einer Linie mit den [US-]Amerikanern und türken. Nur die syrische Regierung und andere Segmente der syrischen Gesellschaft bekämpfen die Türken und verlieren jeden Tag Kämpfer [d.h. als Gefallene]. Davon abgesehen stimme ich Ihnen zu. Wenn sie sagen, „wir werden uns mit Euch gegen die Türken stellen“, wäre meine Antwort: „wir sind bereit, schickt Eure Kämpfer, damit wir gemeinsam unser Land verteidigen.“

Frage 21: In dieser Region gibt es einen sehr alten Feind der Syrisch-Arabischen Republik, der sich den Leuten immer selbst in Erinnerung bringt, Israel [in der arabischen Version in Anführungszeichen], oder die zionistische Entität, wie Ihr sie nennen. Wie sehen Sie den „großen“ Deal of the Century, das uns vom [US-]amerikanischen Präsidenten Donald Trump gemachte Geschenk? Wohin bringt er uns womöglich? Ihre Antwort möchte ich in keiner Weise beeinflussen. Ich erinnere mich nur daran, worüber man in Rußland diskutiert, nämlich daß der Deal als Lösung für die Palästinenserfrage einfach eine Sackgasse ist.

Präsident Dr. al-Assad: Unsere Beziehungen zu den USA sind während der Nixon-Administration 1974 wiederhergestellt worden. Seit jener Zeit haben wir uns mit zahlreichen [US-]amerikanischen Amtsträgern der Administration getroffen, mit Präsidenten und Kongreßmitgliedern; gelernt haben wir nur das Eine: was auch immer ein [US-]amerikanischer Politiker tut, zuallererst dient er seinen eigenen Interessen in Bezug auf die nächsten Wahlen. Sie denken an kein höheres nationales US-]amerikanisches Interesse. Sie denken nicht an Stabilität in der Welt oder an das Völkerrecht oder die Rechte der Leute. Das existiert in deren Politik nicht. Sie denken nur an ihre Wahlen und nichts anderes.
Hinsichtlich des Deals des Jahrhunderts … dieser Plan wurde zu dieser besonderen Zeit nur für die bevorstehenden [US-]amerikanischen Wahlen gemacht. Die Präsidentschaftswahlen werden Ende dieses Jahres abgehalten werden. Demnach ist die Idee bedeutungslos, eine faule Nuß. Die Idee, wenn umgesetzt, ist nicht abträglich, sondern verheerend für den Nahen Osten und den Friedensprozeß, der Anfang der 1990er begann. Aber wann würde ihre Idee erfolgreich sein und wann würde sie scheitern? Sie würde Erfolg haben, wenn die Menschen der Region sie annähmen. Wenn Sie alle politischen und offiziellen Stellungsnahmen Revue passieren lassen, wie auch die öffentliche Meinung und soziale Medien, werden Sie eine vollständige Ablehnung dieses Plans vorfinden, einschließlich von Staaten und Regierungen, die mit [US-]Amerika und jenen alliiert sind, die Beziehungen zu Israel [in der arabischen Version in Anführungszeichen] haben. Man kann demnach sicher festhalten, daß der Plan eine Totgeburt ist. Trump mag bei seinen bevorstehenden Wahlen davon profitieren, insbesondere um die pro-israelische Lobby in den Vereinigten Staaten zu befriedigen. Aber danach werden wir womöglich erst [wieder] bei den nächsten Wahlen vom „Deal of the Century“ hören. Dann wird [wohl] ein weiterer, [noch] schlimmerer Plan für die nächsten Wahlen präsentiert werden.

Frage 22: Vielen Dank, Herr Präsident. Ich habe eine letzte Frage, vielleicht eine eher emotionale Frage. Inwieweit waren diese neun Jahre für Sie psychisch schwierig? Inwieweit sind sie für Ihre Familie schwierig gewesen? Ihre Frau gründete und betreibt eine der größten Wohltätigkeitseinrichtungen in Syrien, welche viel für Kinder, Verwundete und zur Wiederherstellung des normalen Lebens tut. Mir ist klar, daß ich hier vielleicht unangenehme Fragen stelle und dafür entschuldige ich mich, aber inwieweit haben Sie unter dem, was in Ihrer Familie geschehen ist, gelitten?
Und wenn Sie zurückblicken auf das, was Sie in den letzten neun Jahren getan haben, sagen Sie sich, daß Sie in bestimmten Fragen nicht das getan haben, was Sie hätten tun sollen, oder daß in einer Hinsicht ein Fehler gemacht und in einer anderen das Richtige getan wurde, und
[besser: oder] mehr hätte getan werden sollen?

Präsident Dr. al-Assad: Diese Frage hat zwei Aspekte, einen formalen, wenn ich über diesen Krieg in meiner in meiner amtlichen Eigenschaft innerhalb des Staates nachdenke, und der andere ist der persönliche.
Als Amtsträger denken Sie in dieser Situation zunächst an den Schutz der Heimat. Dies ist Ihre Pflicht als Staatsbeamter.
Hier können wir als Beispiel eine in Rußland fortlebende Tradierung, die vom Großen Vaterländischen Krieg nehmen. Ihre [i.e. der Sowjetunion] Beziehung zu Deutschland – wie jedem anderen Land – war gut. Sie hatten normale Beziehungen, also Vereinbarungen, Verbindlichkeiten, Zusammenkünfte, und sie hatten nicht gegen Deutschland gehandelt. Nichtsdestotrotz überfielen [هجوم] die Nazis Rußland [i.e. die Sowjetunion] und sie verloren 26 Millionen oder mehr als Gefallene [Märtyrer]. Gab es da eine andere Wahl, als Ihr Land zu verteidigen? Nein, das war die einzige Wahl. Die von der russischen [i.e. sowjetischen] Führung zu jener Zeit getroffene Entscheidung war die richtige, getragen vom russischen Volk, das sein Land verteidigte. Gab es Fehler? Sicher, Fehler gibt es bei jeder Tätigkeit. Gibt es politische oder militärische Entscheidungen, die besser hätten ausfallen können? Bestimmt, denn alles hat Fehler und Irrtümer.
Dasselbe gilt für und in Syrien. Die Entscheidung, die wir von Tag eins an trafen, war die, die Souveränität Syriens zu bewahren und die Terroristen bis zum Ende zu bekämpfen, das tun wir noch. Nach neun Jahren glaube ich, hätten wir eine andere Richtung eingeschlagen, hätten wir die Heimat (الوطن) ab Tag eins verloren. Daher war diese Entscheidung richtig. Was Fehler in alltäglichen Angelegenheiten anbelangt, so sind sie natürlich ständig gegeben. Es gibt immer Fehler, wir sollten sie korrigieren und die Entscheidung modifizieren. Das ist eine ganz normale Angelegenheit.
Auf persönlicher Ebene geht es mir wie jedem anderen Bürger, jedes Individuum hat hinsichtlich seiner Heimat seine Erwartungen, zumal wir vor dem Krieg einen guten Fortschritt und signifikantes Wachstums hatten und sich das Land rasant entwickelte. Es ist wahr, daß wir viele Probleme hatten, denn als der Reformprozeß schnell voranschritt, hatte er negative Aspekte, möglicherweise in Form von Korruption oder politischen Fehlern. Aber insgesamt haben sich die nationalen Fähigkeiten verbessert und fortentwickelt. Wenn man nach neun Jahren sieht, wie weit man ökonomisch, technologisch, kulturell und bildungsmäßig zurückliegt, stellt sich auf persönlicher Ebene natürlich manchmal ein Gefühl der Frustration ein. Schließlich ist jeder Krieg, ungeachtet seiner Gründe und Ergebnisse, eine sehr schlechte Sache. Man gegenüber keinem Krieg positiv eingestellt sein. Man fühlt immer Schmerz und Frustration. Täglich verlieren Sie gute Menschen und Ihre Ressourcen gehen verloren. Daher gibt es da definitiv eine Art Schmerz, den man täglich und auf persönlicher Ebene fühlt. Andererseits sollte dieser Schmerz Motivation und Ansporn für einen sein, mehr zu tun, die Zuversicht und Hoffnung zu haben, stärker und besser als zuvor werden zu können.

Journalist: Sie haben erneut bestätigt, daß eine Person wie Sie keine andere Position als die eines Staatsmannes innehaben kann, da die Ansichten, die Sie geäußert haben, die Ansichten und die Einstellung eines Staatsmannes sind.
Herr Präsident, vielen Dank, daß sie mit diesem Interview einverstanden gewesen sind.

[Zu den Zuschauern gewandt:] Heute sind wir beim Präsidenten der Syrisch-Arabischen Republik, Bašâr al-Assad, gewesen. Das war die “International Review.” Ich bin Jewgeni Primakow und wünsche Ihnen alles Gute.

Präsident Dr. al-Assad: Ich danke Ihnen.

 

Ausgehend von der Abschweifung von Dr. al-Assad in Beantwortung der Frage 22 den Zweiten Weltkrieg sei auf zwei interessante Kommentare verwießen: einmal den Artikel des früheren CDU-Politikers und Juristen Willy Wimmer mit dem Titel „9. Mai 1945 – was für ein Tag? Endpunkt oder nur Zwischenziel?“, veröffentlicht in Pars Today am 3.5.2020 (https://parstoday.com/de/news/world-i51788) sowie das Interview mit dem Bundesvorsitzenden der Partei „Die neue Mitte“, Christoph Hörstel, vom 8.5.2020 im selben Medium. (https://parstoday.com/de/news/world-i51849). Vgl.a. die Veröffentlichung von Viktor Suworow von 2000 (s.u.)!

 

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit Paris Match vom 28.11.2019
https://www.sana.sy/?p=1062762, https://www.sana.sy/en/?p=179399

Präsidenten-Interview vom 28.11.2019 mit Paris Match, Photo: SANA

Die Übersetzung der insgesamt 18 Fragen – inklusive Zwischenfragen – erfolgte wie immer im Abgleich der arabischen mit der englischen Version nah am Text.

Frage 1: Guten Morgen. Vor fünf Jahren, genau im November 2014 habe ich Sie schon einmal getroffen. Zu jener Zeit kontrollierte Ihre Regierung nur ein Drittel des Landes. Heute ist Ihre Armee in die Grenzregionen zur Türkei zurückgekehrt. Haben Sie das Gefühl, den Krieg gewonnen zu haben?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns präzise sein: es ist nicht mein Krieg, der gewonnen oder verloren wird. Das vom Westen verbreitete Narrativ lautet: Der Krieg des Präsidenten, der im Amt bleiben will; tatsächlich ist es jedoch ein nationaler Krieg – der Krieg der Syrer gegen den Terrorismus. Sie liegen richtig mit Ihrer Aussage, daß wir in diesem Krieg seit unserer letzten Begegnung erhebliche Fortschritte erzielt haben, was jedoch nicht bedeutet, daß wir gewonnen hätten. Wir werden gewonnen haben, wenn der Terrorismus eliminiert sein wird. Er ist immer noch gegenwärtig in verschiedenen Gebieten im Norden und, was viel gefährlicher ist, die Unterstützung für diesen Terrorismus seitens der Türkei und von westlichen Ländern hält an- ob es sich nun um die USA, Großbritannien oder Frankreich handelt. Von daher ist es zu früh, um über einen Sieg zu sprechen.
Frage 2: Denken Sie tatsächlich, daß Frankreich damit fortfährt, den Terrorismus zu unterstützen?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv. In früheren Perioden lieferten sie Waffen. Das mag sich in den letzten Monaten oder im vergangenen Jahr geändert haben, aber lassen sie uns die Dinge in den richtigen Zusammenhang stellen: als die französischen Truppen ohne Einladung der rechtmäßigen Regierung nach Syrien kamen, war das eine Okkupation. Es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen Terrorismusunterstützung und Bereitstellung von Streitkräften zur Besetzung eines Landes. Es ist derselbe Kontext nur mit verschiedenen Benennungen.
Zwischenbemerkung: Aber die Franzosen kamen zur Unterstützung der Kurden, die den IS bekämpften. Das war deren Mission.
Präsident Dr. al-Assad: Doch können wir hergehen und Truppen nach Frankreich zur Terrorismusbekämpfung schicken – ohne Aufforderung durch die französische Regierung? Weltweit wird das Handeln der Staaten nur durch das Völkerrecht geregelt, nicht durch Absichten. Es genügt nicht, den Wunsch zur Terrorismusbekämpfung zu haben, es gibt internationale Regelungen dafür. Und natürlich erwarte ich hierbei gute Absichten; jedoch glauben wir nicht, daß gute Absichten vorliegen. Die syrische Regierung bekämpft den IS, warum wurde sie dabei nicht unterstütz? Und warum bekämpfte die französische Regierung den IS und unterstützt doch Ğabhatu_n-Nuṣra, obwohl beide Terroristenorganisationen sind?!
Frage 3: Womöglich beziehen Sie sich auf die Periode, als Hollande Präsident der Republik war. Tatsächlich hat der französische Außenminister Fabius selbst einmal gesagt, Sie verdienten es nicht, am Leben zu sein. Wie ist die Situation jetzt bei Emmanuel Macron? Haben Sie eine Veränderung in der französischen Haltung bemerkt?
Präsident Dr. al-Assad: Der Form nach ja, substanziell nicht. Wenn eine Besetzung besteht, ist es eine Form von Terrorismus. Diese Tatsache müssen wir anerkennen. Wir müssen über  einen Wechsel der Substanz, nicht der Form nach sprechen. Was uns interessiert, sind nicht Aussagen, sondern die Vorgängen vor Ort.
Frage 4: Wie soll sich das vor Ort ändern?
Präsident Dr. al-Assad: Ganz einfach durch Rückkehr zum Völkerrecht. Wir haben die französische regierung um nichts gebeten. Wir haben keine politische, wirtschaftliche oder Sicherheitsunterstützung erbeten. Wir brauchen sie nicht, wir können selbst mit unseren Angelegenheiten in Syrien zurecht kommen. Wir wollen nur, daß sie sich wieder zum Völkerrecht zurückbewegen, was derzeit nicht der Fall ist. Heutzutage herrscht international Chaos. Wir wollen nicht, daß sie den Präsidenten unterstützen; das kommt für mich nicht in Betracht; es betrifft uns nicht, wenn sie sagen, er sei gut oder schlecht, auch das ist eine syrische Angelegenheit. Was wir aber fordern ist ein Ende all dessen, was zu mehr Blutvergießen, Töten und Leiden in Syrien führt.
Frage 5: Frankreich hat ein echtes Problem im Zusammenhang mit den Dschihadisten in Syrien. Haben Sie Dschihadisten in Ihren Gefängnissen?
Präsident Dr. al-Assad: Unabhängig von der Staatsangehörigkeit ist dies Sache der zuständigen Behörden, die über die Statistiken verfügen. Doch wenn da welche sind, unterliegen sie auf jeden Fall den syrischen Gesetzen.
Zwischenbemerkung: Aber Sie sollten doch wissen, ob es [Personen] mit französischer Staatsangehörigkeit in Ihren Gefängnissen gibt?
Präsident Dr. al-Assad: Ich habe keinerlei Statistiken. Für uns sind Terroristen Terroristen, ob sie nun französischer oder syrischer Staatsangehörigkeit sind.
Frage 6: Bei Unterzeichnung eines Abkommens mit der kurdischen YPG Ihrerseits und Vordringen der Armee in jene Region mit Wiederherstellung der Kontrolle über all dies Land werden Sie auf Gefängnisse stoßen und darin auf 400 französische Dschihadisten vorfinden.Was werden Sie mit ihnen tun?
Präsident Dr. al-Assad: Jeder Terrorist in den om syrischen Staat kontrollierten Gebieten unterliegt dem syrischen Recht, und das syrische Recht zum Thema Terrorismus ist klar. Wir haben auf Terrorismus spezialisierte Gerichte in Syrien und sie werden daher strafrechtlich verfolgt.
Zwischenfrage: Sie beabsichtigen sie also nicht nach Europa zurückschicken, wie etwa Recep Tayyip Erdogan?

Präsident Dr. al-Assad: Erdogan versucht, Europa zu erpressen. Ein Mann mit Selbstachtung redet nicht so. Es gibt Institutionen und Gesetze. Die Auslieferung von Terroristen oder verurteilten Personen an einen anderen Staat unterliegt bilateralen Abkommen zwischen Ländern. Aber Menschen aus dem Gefängnis zu entlassen, wissend, daß sie Terroristen sind, und sie in andere Länder zu schicken, um Zivilisten zu töten – das ist eine unmoralische Handlung.
Frage 7: Zurückkommend auf den andauernden Konflikt, dem achtjährigen Krieg, dem verüsteten Land, der Zerstörung ganzer Städte, der Hälfte der Bevölkerung als (Binnen-)Flüchtlingen und Hunderttausenden von Toten. Erkennen Sie an, daß Sie diesen Konflikt bzw. Krieg ohne russische oder iranische Unterstützung nicht gewonnen hätten?
Präsident Dr. al-Assad: Krieg ist brutal und nicht einfach und wir sind keine Supermacht. Wir haben gegen die reichsten und mächtigsten Länder der Welt gekämpft. Folgerichtig besteht kein Zweifel, daß die Unterstützung unserer Freunde die Verluste verringert und uns dabei geholfen hat, unser Territorium wiederzugewinnen. Wenn wir uns fragen, ob Syrien ohne diese Unterstützung der Zerstückelung oder vollständigen Niederlage entgegengegangen wäre, so ist das gegenwärtig eine hypothetische Frage. Denn manchmal ist es schwierig, das Ergebnis eines Tennisspiels mit [nur] zwei Spielern vorherzusagen, geschweige denn einen Krieg mit Zehntausenden von Spielern und Hunderttausenden von Kämpfern!
Frage 8: Haben Sie einen einzigen Moment während dieses Krieges daran gedacht zu gehen, z.B. ins Exil?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich habe ich das nicht, aus einem einzigen Grund: die Option existierte nicht und wurde auch nicht in Betracht gezogen, sie wurde nur von westlichen Amtsträgern in Anschlag gebracht. Doch soweit es um mich geht, existierte sie [d.h. die Frage] nicht und berührt mich nicht. Diese Option wäre für mich bedeutsam, wenn sie von der syrischen Bevölkerung ausginge – und wenn ich sage „syrische Bevölkerung“, meine ich die Mehrheit und keine Terroristenminderheit, auch keine von ausländischen Geheimdiensten ausgeheckte Minderheit, noch eine Minderheit derjenigen, die demonstrierten, weil sie von Qaṭar dafür bezahlt wurden.
Diese Option wurde nie von der Mehrheit vorgeschlagen und deshalb bin ich geblieben.
Frage 9: Aber militärisch langte al-Nusra Front [Ğabhatu_n-Nuṣra] 2013 an Orten an, die nur ein paar Kilometer von Ihrem Wohnort entfernt lagen, sie erreichte den ʽAbbâsiden-Stadtteil, den ʽAbbâsiden-Platz.
Präsident Dr. al-Assad: Damaskus war jahrelang nahezu belagert, manchmal ganz, manchmal teilweise; täglich fielen Granaten auf uns. Das allein war ein größeres Motiv für mich, zu bleiben und mein Land zu verteidigen, nicht zu fliehen. Ich tue meine verfassungsmäßige Pflicht, indem ich die Bevölkerung gegen den Terrorismus verteidige. [Zu – übereinstimmenden! – Antworten aus früheren Jahren zu diesem Thema vgl.u.!]
Frage 10: Lassen Sie uns nun über den Wiederaufbau sprechen. Es heißt, der Wiederaufbau werde 300 oder 400 Milliarden US-$ kosten. Haben Sie einen Plan, um die Menschen aus dieser Zwickmühle herauszuholen, trotz des gegen Sie verhängten Embargos und der Sanktionen, welche tatsächlich der Bevölkerung schaden und ihr Leiden erhöhen?
Präsident Dr. al-Assad: Das stimmt absolut. Trotzdem haben einige unserer Industriezweige expandiert, nicht umgekehrt. Z.B. hat der pharmazeutische Sektor expandiert. Um den Wiederaufbau des Zerstörten zu verfolgen, können Sie Aleppo besuchen, welches von Seiten der Terroristen eine umfangreiche Zerstörung erlitten hat; Jahr um Jahr können sie den Unterschied sehen und [beobachten] wie der Staat zusammen mit der Bevölkerung die Stadt wieder aufbaut.
Zwischenfrage: Aber das syrische Pfund ist in einem sehr schlechten Zustand, auf einem Allzeittief, und Sie müssen Auslandsinvestitionen finden.
Präsident Dr. al-Assad: Gerade in den letzten sechs Monaten haben einige Unternehmen begonnen, in Syrien zu investieren. Sicher, Auslandsinvestitionen laufen unter diesen Umständen noch langsam an; aber es gibt Wege, die Sanktionen zu umgehen; und wir haben mit diesen Unternehmen zusammenzuarbeiten begonnen, und sie werden in Kürze investieren. Das bedeutet jedoch nicht, daß der Investitions- und Wiederaufbauprozess schnell vonstattengehen wird. Da bin ich realistisch.
Zwischenfrage: Was schätzen Sie, wie viele Jahre?
Präsident Dr. al-Assad: Das hängt davon ab, wielange das Embargo noch anhalten wird und welche Methoden dabei eingesetzt werden. Es hängt von den aus dem Ausland zurückkommenden Syrern ab, welche das nach und nach bereits tun. Es ist schwierig, auf diese Frage zu antworten, doch es ist sicherlich ein Prozeß, der Jahre brauchen wird.
Frage 11: Wieviele Syrer sind nach Syrien zurückgekehrt?
Präsident Dr. al-Assad: Über eine Million in weniger als einem Jahr, und der Prozeß akzelleriert, besonders nachdem [Teile von] Damaskus, die südliche Region und das Umland befreit sind. Freilich hängt die rückkehr der Syrer auch mit dem wideraufbau der Infrastruktur zusammen, mit der (Zugangsmöglichkeit zu) Verfügbarkeit von anderen Dienstleistungen wie Elektrizität, Schulen und Krankenhäusern; leider sind gerade diese Sektoren die, welche am meisten vom Embargo betroffen sind. Desweiteren besteht ein westlicher Druck auf die Auslandsflüchtlinge, nicht nach Syrien zurückzukehren; für die ist das eine humanitäre Karte, die sie zwecks Erlangung politischer Ziele ausspielen können.
Frage 12: Eine große Anzahl an Immigranten [d.h. von Europa her gesehen] verließ das Land, weil sie gegen Sie waren und sie unter den Gräueltaten der Armee litten. Wie können sie sie motivieren, zurückzukommen? Wie ermutigen Sie sie, zurückzukommen? Würde es beispielsweise eine allgemeine Amnestie für sie geben?
Präsident Dr. al-Assad: Erstens sind die meisten von ihnen für den Staat und nicht gegen ihn. Der Beweis dafür war die Präsidentschaftswahl, an der sie 2014 teilnahmen und für den Präsidenten stimmten. Die größte Anzahl flüchtete wegen des Kriegs an sich und seiner wirtschaftlichen Konsequenzen; diesbezüglich besteht also kein Problem bei deren Rückkehr; diese Leute können zurückkehren ohne eine Amnestie. Andere sind Dissidenten, die keine Straftaten begangen haben und für die [somit] kein Haftbefehl besteht [bzw.: kein Verfahren gegen sie läuft]. Die Tatsache, daß sie gegen mich sind, ist kein Problem, da wir Oppositionelle in Syrien haben und ständig mit ihnen interagieren.
In Bezug auf die Amnestie haben wir mehr als eine gewährt, die jüngste datiert vor wenigen Monaten, da manche Leute sich sorgten, ohne Amnestie zurückzukehren und glaubten, sie würden verhaftet, obwohl nur solche verhaftet wurden, die Waffen trugen, und selbst denen wurde Amnestie gewährt.
Frage 13: Letztes Jahr, als al-Ghouta [al-Ġûṭa] wieder unter staatliche Kontrolle zurückkehrte, fuhr ich dorthin und traf auf einige junge Aufständische, die Waffen trugen. Die syrischen Offiziere forderten sie auf, ihre Waffen auszuhändigen und ihnen werde kein Schaden zugefügt. Deren Antwort lautete: „Sie wollen, daß wir unsere Waffen ablegen, weil Sie wollen, daß wir uns der Armee anschließen, und das wollen wir nicht. Sie gingen [dann] nach Idlib. Wie ist Ihre Position dazu?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich sehen die Fakten so aus, daß einige von denen, die nach Idlib gegangen sind, ihre Familien bei uns- im staatlich kontrollierten Gebiet – gelassen haben, und wir [als Staat] sorgen für sie; wenn sie also Angst um ihre Familien hätten, würden sie nicht gehen und sie bei uns lassen? Das ist der erste Punkt; der zweite ist, daß einige Bewaffnete, die nach Idlib gegangen waren, später aber zu uns zurückkehrten. Sie baten darum und wir ließen sie zurückkehren. Ihnen wurde Amnestie gewährt, da der Mehrheit von ihnen erzählt [d.h. damit gedroht] worden war, [der Staat bzw.] die Armee würde sie töten. Das geschah freilich zu einem Zeitpunkt, an dem sie bereits sieben Jahre lang vom Staat isoliert gewesen waren. Doch als die Armee nach al-Ġûṭa kam, zog die Normalität wieder ein und die Leute leben nun ein normales Leben.
Wir müssen begreifen, daß einige von ihnen nicht deshalb kämpften, weil sie Extremisten waren, sondern weil sie keine andere Wahl hatten, als mit Terroristen zu kämpfen oder getötet zu werden. Sie kommen nach und nach zu uns zurück, nachdem sie sich rückversichert haben.
Frage 14: Heutzutage gibt es zahlreiche Demonstrationen im Iran, ebenso im Libanon und im Irak. Und all diese Demonstranten fordern Würde und Wohlstand, der nicht in den Händen weniger in ihrem Land konzentriert ist. War das nicht der Fall bei den Demonstranten zu Beginn der Syrienkrise?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn wir über die Header wie „Würde“, „Freiheit“ u.a. sprechen wollen, die vorgeschoben worden sind, können sie schöne Larven sein, doch was dahinter steckt, ist schändlich. Lassen Sie mich ein paar Beispiele anführen: Bush tötete eineinhalb Millionen Iraker unter der Leitlinie „Demokratie“; Sarkozy beteiligte sich an der Tötung hunderttausender Libyer unter der Parole „Freiheit“ für die Libyer; heutzutage brechen Frankreich, Großbritannien und [US-]Amerika das Völkerrecht unter der Schlagzeile „Unterstützung der Kurden“, die ein Teil der syrischen Bevölkerung sind, keine unabhängige Gruppe. 2011 in Syrien wurden genau dieselben Header – Würde und Freiheit – benutzt, um Polizisten und Bürger zu töten und öffentliches Eigentum zu demolieren. Wir sollten uns also eher um die Fakten vor Ort und um das, was geschah, kümmern, als um [solche] Header.
Zwischenfrage: Aber zu Anfang gab es einen Volksaufstand und echte Forderungen. Es gab keine Al-Qaida [al-Qâʽida]. Warum haben Sie zu Anfang Gewalt angewendet?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns über Zahlen sprechen! Als höchste Zahl an Demonstranten in Syrien [wurde] 170.000 [angeführt]. Lassen Sie uns der Argumentation halber annehmen, diese Zahl sei nicht richtig und multiplizieren wir sie demnach mehrmals bis eine Million Demonstranten erreicht ist. Die syrische Bevölkerung beträgt über 23 Millionen. Damit ist diese Zahl in keiner Weise repräsentativ. Vom Ausmaß aus gesehen, kann man demnach keineswegs von einem Volksaufstand reden. Zweitens: ein Volksaufstand kommt nicht zustande, wenn die Leute von Qaṭar bezahlt werden, um zu demonstrieren. Drittens hätte ich mit der Regierung angesichts eines Volksaufstandes nicht neun Jahre lang an der Macht bleiben können. Niemand kann einem Volksaufstand widerstehen – ein Beispiel dafür ist hier der Schah des Irans, der trotz aller westlichen Versuche und Unterstützung nicht an der Macht gehalten werden konnte. Es also Volksaufstand zu betiteln ist falsch bzw. mindestens unrealistisch.
Frage 15: Zu Beginn des Krieges 2011 ließen Sie Gefangene aus Ṣîdnâyâ (Sednaya) frei. Man beschuldigte Sie, dies zu tun, um dschihdistisches Gift in die Reihen der Opposition zu injizieren. Was antworten Sie darauf?
Präsident Dr. al-Assad: Alle paar Jahre gewähren wir Gefangenen in Syrien eine Amnestie. Das war allgemeine Politik vor dem Krieg. Wenn eine Amnestie gewährt wird, gibt es einige Kategorien, die davon ausgenommen sind, wie etwa Spionage, Drogenhandel und anderes. Im Gesetz gibt es jedoch keine „Extremisten“-Kategorie, demnach galt die Amnestie auch für sie. Gerade 2011 gab es Strafgefangene, die freigelassen wurden, weil sie ihre Strafe verbüßt hatten, nicht wegen einer Amnestie. Was würden wir auch damit erreichen, wenn wir Extremisten und Terroristen freiließen, damit sie Offiziere der Armee [SAA] und Bürger töteten?! Das westliche Narrativ besagte, wir hätten so gehandelt, um die friedlichen Demonstrationen zu dämonisieren; doch in Wahrheit dämonisierten die sich selbst, da sie in den ersten Wochen im Internet zu findende Videos [davon] posteten, wie sie Polizisten töten und Bürger angreifen und abschlachten. Das geschah wirklich im Bezug auf die Freilassung von Strafgefangenen.
Frage 16: Ich habe vor kurzem von Ṣîdnâyâ (Sednaya) gesprochen, doch Sie haben andere Gefängnisse und Haftanstalten. Ein Kollege von mir namens Manon Loizeau veröffentlichte Dokumentationen über Vergewaltigungen in Ihren Gefängnissen. Was sagen Sie dazu?
Präsident Dr. al-Assad: Es besteht ein Unterschied zwischen umgesetzter Politik und individuellem Fehlverhalten. Belästigung oder Vergewaltigung sind in der syrischen Gesellschaft nicht weit verbreitet, aber wenn es solche Fälle gibt, werden sie vom Gesetz bestraft. Das sind individuelle Fälle. Einzelfälle. Wir verurteilen solch eine Politik, wo auch immer auf der Welt, da sie amoralisch ist; sie würde auch die Stabilität Syrien unterminieren. Man kann nicht über Stabilität und ein friedliches Miteinander in der Bevölkerung sprechen, wenn es zu Tötungen, Folterungen oder anderen Mißhandlungen gekommen ist
Zwischenfrage: Diese Dokumentarfilme wurden mit syrischen Zeugen gedreht, und diese Vorfälle haben sie durchgemacht. Sie sprachen nicht über Vorfälle in ihrer Gesellschaft, weil sie sich für sie schämten. Aber sie waren, die unter diesen Praktiken litten?
Präsident Dr. al-Assad: Nein. Sie sprechen über eine Story. Die Story ist die eine Sache, dokumentiertes Zeugnis eine andere. Alles, was präsentiert wurde, war unbegründet [unbestätigt], die Photos waren nicht verifiziert. Wer sind diese „Zeugen“? Sie wurden verborgen, nicht beim Namen genannt. In den meisten Fällen finanzierte Qaṭar diese Meldungen; sie zu übernehmen, würde deren professionelle Untersuchung voraussetzen
Wenn wir die Moral beiseitelassen, haben wir – logischerweise – keinerlei Interesse an solchen Handlungen, falls sie vorgekommen sind. Das ist gegen unsere Interessen; warum sollten wir das also tun?! Was gewinnen erreichen wir durch Folter? Was ist der Erfolg – Rache? Wenn sie sich in die Gebiete begeben, die unter Kontrolle der Gegenseite gewesen und dann wieder unter staatliche Kontrolle gestellt worden sind, werden Sie das Gegenteil [des Behaupteten] merken. Wir sind nicht schizophren: tolerant am einen Ort und Menschen folternd an einem anderen. Das sind bloß politisch [motivierte]e Anschuldigungen.
Zwischenfrage: Ich möchte noch einmal betonen, daß es in diesem Punkt eine Versicherung gibt, denn diese Zeugen wurden nicht von Qaṭar finanziert, es waren Zeugen, die in Flüchtlingslagern in der Türkei und Jordanien angetroffen wurden. Und sie litten. Und die Person, welche diese Zeugenaussagen aufgenommen hat, ist ein Journalist, dem man sehr vertraut.
Präsident Dr. al-Assad: In solchen Fällen existiert so etwas wie Vertrauen nicht. Es gibt Mechanismen und verifizierte Fakten, für Storys ist da kein Raum. Wer hat die Geschichten der Zeugen überprüft? Wer hat überprüft, ob diese Zeugen anfangs tatsächlich gelitten haben?
Ich kann mit Ihnen diskutieren, wenn ich Fakten vorliegen habe, aber ich kann nicht über Gerüchte oder Storys diskutieren. Wenn Fakten existieren, werden die, die Straftaten begangen haben, nach syrischem Recht bestraft, das ist selbstverständlich.
Frage 17: Donald Trump erwähnte Syrien, als er sich hinsichtlich des Todes von Abu Bakr al-Baghdadi [Abû Bakr al-Baġdâdî] im weiteren bedankte. Haben Sie den Amerikanern Informationen gegeben und – wußten Sie, wo sich al-Baghdadi aufhielt?
Präsident Dr. al-Assad: Ich muß immer lachen, wenn diese Frage aufkommt, da die wichtigere Frage lauten würde: wurde al-Baġdâdî wirklich getötet oder nicht? Und hat dieses von den [US-]Amerikanern inszenierte, phantastische Stück wirklich stattgefunden?
Zwischenbemerkung: Aber der IS hat es eingeräumt!!
Präsident Dr. al-Assad: Ja, natürlich! Denn der IS ist eine US-Kreation; der IS ist Teil des Stücks; und sie sagten al-Baġdâdî, was er tun solle, als er in [US-]amerikanischen Gefängnissen im Irak saß. Daher sage ich ja, hat dieses gewaltige Stück tatsächlich stattgefunden? Wir wissen es nicht. Das bedeutet nicht, daß er nicht [irgendwann] getötet worden ist; wenn das aber der Fall war, dann nicht weil er ein Terrorist war. Sie wären in der Lage gewesen, den IS zu zerschlagen, als er Öl von Syrien in den Irak transferierte, doch sie taten es nicht; und als der IS die syrische Armee in Dair az-Zaur angriff, bombardierten die [US-]Amerikaner die syrische Armee anstatt den IS.
Also nein, wir haben nicht mit den [US-]Amerikanern kooperiert einerlei in welcher Sache. Sie können bei der Terrorismusbekämpfung mit denen kooperieren, die den Terrorismus unterstützen.
Zwischenfrage: Aber warum dankte Ihnen dann Trump?
Präsident Dr. al-Assad: Es ist einer von Trumps goldigen Scherzen. Es ist [nur] ein Scherz.
Frage 18: Bei unserem Treffen im Jahr 2013 versicherten Sie mir, die syrische Armee habe niemals in al-Ghouta [al-Ġûṭa] Chemiewaffen eingesetzt. Aber danach kam der Fall von Khan Sheikhoun [Ḫân Ŝaiḫûn] und dann Douma [Dûmâ]. Warum häufen sich Beweise dafür, dass die syrische Armee chemische Waffen eingesetzt hat?
Präsident Dr. al-Assad: Bis heute gibt es nicht den Hauch eines Beweises; der Einsatz solcher Waffen hätte hunderte bzw. tausende an Toten zur Folge gehabt und das ist nicht vorgekommen. Zu dieser Häufung: [sie kommt zustande] erstens, weil die syrische Armee Fortschritte bei der Terrorismusbekämpfung macht und sie [die Gegner z.B. die USA] nach einem Vorwand dafür suchen, ihr einen Schlag zu versetzen; und genau das passiert. Dieses Narrativ wurde in zwei Situationen eingesetzt: zum einen war es, wenn wir einen signifikanten militärischen Erfolg zu verzeichnen hatten, ein Versuch, uns zu drohen in der Hoffnung, wir würden dann aufhören; oder wenn wir bei der Vorbereitung einer größeren Operation waren, dann war es der Versuch, uns vom Beginn der Operation abzuhalten; und zweitens: warum sollten wir Chemiewaffen einsetzen, wenn wir am Vorrücken sind und gute Fortschritte machen? Das ist die Frage. Noch bedeutsamer ist: überall, wohin wir [d.h. die SAA] kommen, sind Leute, deren Leben sich wieder normalisiert. Wie könnten sie sich noch dort befinden, wenn wir Chemiewaffen eingesetzt hätten? Tatsächlich kennen die Lügen in westlichen Medien und in der westlichen Politik keine Grenzen diesbezüglich.
Journalist: Danke.
 

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Präsidenten-Interview vom 14.11.2019 mit RUSSIA 24 und ROSSIYA SEVODNYA
https://www.sana.sy/en/?p=178449, https://www.sana.sy/?p=1054496

Wegen Engpässen bei der Übersetzungskapazität muß die Übertragung dieses Interviews vorerst warten.

In Bezug auf einen Teil der Antwort zu Frage 13 sei auf die Veröffentlichung des ehemaligen sowjetischen Geheimdienstoffiziers Viktor Suworow (Pseudonym von Wladimir Resun) aus dem Jahr 2000 verwiesen mit dem Titel: „Stalins verhinderter Erstschlag. Hitler erstickt die Weltrevolution.

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Interview des Präsidenten mit Rai News 24 vom 26.11.2019, die für den 2.12.2019 geplante Aussstrahlung wurde ohne Angabe von Gründen zurückgezogen (dies wurde erst am 9.12.2019 mitgeteilt)!

https://www.sana.sy/en/?p=180156, https://www.sana.sy/?p=1069535

Präsident im Interview mit Rai News 24 vom 26.11.2019, Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, danke, daß Sie uns hier empfangen haben. Können Sie uns bitte sagen, wie es jetzt in Syrien steht? Wie ist die Lage vor Ort und was passiert im Land?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn wir über die syrische Gesellschaft sprechen wollen, ist die Situation viel viel besser, da wir aus diesem Krieg so viele Lektionen gelernt haben. Und ich halte die Zukunft Syriens für vielversprechend. Wir werden aus diesem Krieg stärker hervorgehen.
Zum Thema Situation vor Ort: die syrische Armee hat in den letzten Jahren Fortschritte erzielt und viele Gebiete von den Terroristen befreit, in Idlib gibt es noch  Ğabhatu_n-Nuṣra, unterstützt von den Türken, und da ist noch der nördliche Teil Syriens, in den die Türken letzten Monat eingedrungen sind.
In Bezug auf die politische Situation kann man also sagen, daß sie sehr viel komplizierter wird, weil es viel mehr Akteure gibt, die in den Syrienkonflikt verwickelt sind, um ihn in die Länge zu ziehen und in einen Zermürbungskrieg zu verwandeln.
Frage 2: Wenn Sie über die Befreiung sprechen, wissen wir, daß es in dieser Hinsicht eine militärische Vision gibt, aber der Punkt ist: wie steht es jetzt mit der Situation für Menschen, die sich entschlossen haben, in die Gesellschaft zurückzukehren? Wo ist der Versöhnungsprozess  (process of reconciliation) angelangt? Funktioniert er oder nicht?
Präsident Dr. al-Assad: Den von uns gewählten Ansatz zur Herstellung von – sagen wir einmal – eines guten Klimas, nannten wir in der Tat Rekonziliierung (Versöhnung), um den Menschen das Zusammenleben zu ermöglichen und damit diejenigen, die außerhalb der von der Regierung kontrollierten Gebiete lebten, zur von Institutionen getragenen Rechtsstaatlichkeit zurückkehren konnten. Es sollte jedermann Amnestie gewährt werden, der seine Waffen abgab und dem Gesetz gehorch[en woll]te. Die Situation bezüglich dieses Sachverhalts ist nicht kompliziert. Wenn Sie die Möglichkeit haben, ein Gebiet zu besuchen, werden Sie feststellen, daß sich das Leben wieder normalisiert.
Das Problem waren nicht miteinander kämpfende Menschen. Es war nicht so, wie es das westliche Narrativ darzustellen versuchte, als ob Syrer miteinander gekämpft hätten; sie nennen es ja auch einen „Bürgerkrieg“, was irreführend ist. Die Situation bestand darin, daß Terroristen die Kontrolle über Gebiete übernahmen und ihnen ihre Regeln aufdrückten. Sobald solche Terroristen nicht [mehr] da sind, kehren die Menschen zu ihrem normalen Leben zurück und leben miteinander. Es gab keinen Konfessionskrieg, keinen ethnischen Krieg, keinen politischen Krieg; es waren Terroristen, unterstützt von auswärtigen Mächten, die Geld und Waffen zur Verfügung haben, und die besetzen solche Areale.
Frage 3: Befürchten Sie, daß diese Ideologie, die seit vielen Jahren einwirkte und – wie Sie wissen – die Grundlage für das tägliche Leben der Menschen abgab, auf die eine oder andere Weise in der Gesellschaft erhalten bleibt und früher oder später wieder auftaucht?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist eine der wesentlichen Herausforderungen, der wir uns gegenüber sehen. Die Frage, die sie stellen, hat ihre volle Berechtigung. Es bestehen zwei Probleme:
Die Gebiete, die außerhalb der Regierungskontrolle lagen, wurden von zwei Dingen beherrscht: dem Chaos, weil es kein Gesetz gab; daher wissen die Menschen – insbesondere die jüngere Generation – nichts über den Staat, das Gesetz und Institutionen. Das Zweite ist die tief in den Gemütern verankerte Ideologie, die dunkle Ideologie, die Wahhâbî-Ideologie, die IS-, Ğabhatu_n-Nuṣra-, Aḥrâr aš-Ŝâm– Ideologie oder wie auch immer diese terroristisch-extremistischen islamischen Ideologien hießen. Nun haben wir begonnen, uns mit dieser Realität auseinanderzusetzen, denn wenn eine Region befreit ist, sollte dieses Problem gelöst werden, denn was würde ansonsten Befreiung bedeuten? Der erste Teil der Lösung ist religiös, denn diese Ideologie ist eine religiöse Ideologie und der syrischen Kleriker oder – sagen wir – religiösen Institutionen in Syrien unternehmen große Anstrengungen in diesem Bereich – erfolgreich! Es ist ihnen gelungen, diesen Menschen zu helfen, die wahre Religion zu verstehen, nicht die Religion, die sie ihnen Ğabhatu_n-Nuṣra oder der IS oder anderen Fraktionen beigebracht haben.
Frage 4: Also sind die Kleriker und Moscheen wesentlicher Teil dieses Versöhnungsprozesses?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist der wichtigste Part. Der zweite sind die Schulen. In Schulen haben Sie Lehrer, haben Sie Bildung und Sie haben den nationalen Lehrplan, und dieser Lehrplan ist sehr wichtig, um die Ansichten dieser jungen Generationen zu ändern. Zum Dritten ist da die Kultur, die Rolle der Künste, der Intellektuellen usw. In manchen Gegenden ist es noch schwierig, damit diese Rolle zum Tragen kommt, daher war es viel einfacher für uns, mit der Religion zu beginnen, dann mit den Schulen.
Frage 5: Herr Präsident, kehren wir für einen Moment zur Politik zurück. Sie haben die Türkei erwähnt, richtig? Rußland war in diesen Jahren Ihr bester Verbündeter, das ist kein Geheimnis, aber nun verhandelt Rußland mit der Türkei über einige Gebiete, die Teil Syriens sind. Wie bewerten Sie das?
Präsident Dr. al-Assad: Um die Rolle Rußlands zu verstehen, muß man die Prinzipien Rußlands kennen. Rußland glaubt, daß das Völkerrecht [besser: die Einhaltung des …] – und die darauf basierende internationale Ordnung – im Interesse Rußlands und eines jeden auf der Welt liegt. In ihren [d.h. der Russen] Augen bedeutet Unterstützung für Syrien Unterstützung für das Völkerrecht. Das ist ein Punkt. Zweitens liegt ihr Vorgehen gegen Terroristen im Interesse des russischen Volkes und im Interesse der ganzen Welt. Folglich bedeuten ihre ‚Verhandlungen‘ mit der Türkei und das Eingehen von Kompromissen nicht, daß sie die türkische Invasion unterstützen, sondern daß sie eine Rolle spielen wollen, um die Türken davon zu überzeugen, daß sie Syrien zu verlassen haben. Sie unterstützen die Türken nicht. Sie sagen nicht: ‚Dies ist eine gute Realität, und wir akzeptieren es, und Syrien muß es akzeptieren.‘ Nein, das sagen sie nicht.
Aufgrund der negativen [US-]amerikanischen Rolle und der negativen westlichen Rolle in Bezug auf die Türkei und die Kurden griffen die Russen jedoch ein, um diese Rolle auszugleichen und die Situation – lassen sie es mich so sagen – zu verbessern oder präziser ausgedrückt weniger schlimm zu gestalten. Darin besteht zwischenzeitlich ihre Rolle. In der Zukunft ist ihre Position sehr klar: syrische Souveränität und territoriale Integrität. Syriens territoriale Integrität und Souveränität stehen im Gegensatz zur türkischen Invasion, und das ist ganz klar offensichtlich.
Frage 6: Sie sagen also, daß die Russen Kompromisse eingehen können, Syrien mit der Türkei aber nicht. Ich meine, die Beziehung ist immer noch ziemlich angespannt?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nicht einmal die Russen sind bei der Souveränität einen Kompromiss eingegangen. Sie beschäftigen sich mit der Realität. Die Realität ist derzeit schlecht. Man muß sich deshalb darauf einlassen, um … – ich würde nicht Kompromiss sagen –  da es sich um keine endgültige Lösung handelt. Es mag ein Kompromiss in Bezug auf eine kurzfristige Situation sein, aber auf lange oder mittlere Sicht sollte die Türkei abziehen. Darüber besteht kein Zweifel.
Frage 7: Und gibt es auf lange Sicht einen Plan für Gespräche zwischen Ihnen und Herrn Erdogan?
Präsident Dr. al-Assad: Ich wäre nicht stolz darauf, wenn ich eines Tages müßte. Ich würde mich angewidert fühlen, mit solchen opportunistischen Islamisten [إسلامي] Umgang zu haben. Sie sind keine Muslime, sondern Islamisten [إسلامي], und dies ist ein anderer Begriff, ein politischer Begriff.
Aber ich sage immer, mein Job besteht nicht darin, glücklich oder unglücklich oder etwas sonst mit dem zu sein, was ich tue; es geht nicht um meine Gefühle, es geht um die Interessen Syriens. Wo auch immer diese Interessen sind, werde ich mich wenden. Wohin also auch immer unsere Interessen gehen, werde ich auch gehen.
Frage 8: Wenn Europa auf Syrien sieht, gibt es gegenwärtig – abgesehen von den (eig.: dessen) Überlegungen zum Land – zwei Hauptprobleme: das eine sind die Flüchtlinge und das andere die Dschihadisten oder ausländischen Kämpfer, die nach Europa zurückkehren. Wie sehen Sie diese europäischen Bedenken?
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst müssen wir mit einer einfachen Frage beginnen: Wer hat dieses Problem verursacht? Warum gibt es die Flüchtlinge in Europa? Das ist eine einfache Frage: wegen des von Europa und natürlich den USA, der Türkei und anderen unterstützten Terrorismus wird, aber Europa war der Hauptakteur bei der Schaffung dieses Chaos in Syrien. Was man also sät, erntet man.
Frage 9: Warum sagen Sie: Europa war der Hauptakteur?
Präsident Dr. al-Assad: Weil die Europäische Union Terroristen in Syrien von Tag eins, Woche eins bzw. dem ersten Anfang an offen unterstützt hat. Sie beschuldigten die syrische Regierung und einige Regierungen – wie die französische – schickten [den Terroristen] Waffen; sie sagten – es [war] einer ihrer Amtsträger – ich denke ihr Außenminister, möglicherweise Fabius, der sagte: ,wir schicken Waffen‘. Sie schickten Waffen, sie kreierten dieses Chaos. Das ist der Grund, warum eine große Anzahl von Menschen es schwierig fand, in Syrien zu bleiben; Millionen von Menschen konnten nicht mehr in Syrien leben, und deshalb mußten sie Syrien verlassen
Frage 10: Momentan herrscht in der Region Tumult und ein gewisses Chaos. Einer der anderen Verbündeten Syriens ist der Iran, und die Situation dort wird immer komplizierter. Hat dies Auswirkungen auf die Situation in Syrien?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv. Wann immer Chaos herrscht, wirkt es sich negativ auf alle aus, hat Nebenwirkungen und Konsequenzen, insbesondere wenn es da Einmischung von außen gibt. Wenn es spontan ist, wenn Sie von Demonstrationen sprechen und von Menschen, die Reformen oder Verbesserungen der wirtschaftlichen Situation oder
Rechte einfordern, ist das positiv. Aber wenn es um Eigentumszerstörung geht, um das anrichten von Schäden, um Töten und Einmischung von ausländischen Mächten, dann nein – dann ist es nichts anderes als negativ, nur schlecht und gefährlich für jeden in dieser Region.
Frage 11: Machen Sie sich Sorgen darüber, was im Libanon passiert, der wirklich der unmittelbare Nachbar ist?
Präsident Dr. al-Assad: Ja, in derselben Weise. Natürlich berührt der Libanon [d.h. die Vorgänge dort] Syrien mehr als jedes andere Land, da es unser direkter Nachbar ist. Aber noch einmal: wenn sich spontan etwas tut und es um Reformen und das Loswerden eines konfessionell ausgerichteten politischen Systems geht, wäre es gut für den Libanon. Nochmals: es hängt von der Wachsamkeit der libanesischen Bevölkerung ab, niemandem von außerhalb zu erlauben, die spontane Bewegung oder Demonstrationen im Libanon zu manipulieren zu suchen.
Frage 12: Lassen Sie uns zu den Ereignissen in Syrien zurückkehren! Im Juni sandte Ihnen Papst Franziskus einen Brief, in dem er Sie aufforderte, sich um die Menschen zu kümmern und sie zu respektieren, insbesondere in Idlib, wo die Situation aufgrund der Kämpfe dort immer noch sehr angespannt ist, auch hinsichtlich der Behandlung von Gefangenen in Haft. Haben Sie es geantwortet und wie haben Sie darauf reagiert?
Präsident Dr. al-Assad: Im Schreiben des Papstes ging es um seine Sorge um die Zivilbevölkerung in Syrien und ich hatte den Eindruck, daß das Bild [von Syrien] im Vatikan unvollständig ist – erwartungsgemäß, da sich das Main¬stream-Narrativ im Westen um diese ,schlimme Regierung‘ dreht, die ,gutes Leute‘ tötet. Wie Sie in denselben Medien sehen und hören, tötet jeder Schuß der syrischen Armee nur Zivilisten und trifft, jedes Geschoß, das sie abfeuert, nur Krankenhäuser! Sie [d.h.: die Soldaten] töten keine Terroristen, sondern zielen auf jene Zivilisten, was nicht stimmt.
Daher erläuterte ich in meinem Antwortschreiben dem Papst, daß wir diejenigen sind, die sich am meisten bzw. zuerst um das Leben der Zivilbevölkerung kümmern, da man eine Region nicht befreien kann, während die Menschen gegen Sie sind, und Sie nicht über Befreiung sprechen können, während Zivilbevölkerung oder Gesellschaft gegen einen sind. Man kann nicht von Befreiung sprechen, wenn die Bürger gegen Dich sind oder die Gesellschaft. Der wichtigste Dreh- und Angelpunkt bei der militärischen Befreiung einer Region ist die allgemeine Unterstützung der Bevölkerung in dieser Region. Dies hat sich in den letzten neun Jahren klar gezeigt und das [d.h. fehlende Bürgerunterstützung] ist gegen die eigenen Interessen.
Frage 13: Hat aber dieser Aufruf Sie in gewisser Weise dazu gebracht, über die Bedeutung des Schutzes der Zivilbevölkerung und der Menschen in Ihrem Land nochmals nachzudenken?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das ist etwas, was wir jeden Tag tun; nicht nur aus ethischen Gründen, Prinzipien und Werten sondern schon des eigenen Interesses halber. Wie ich eben erwähnt habe, geht es ohne diese Unterstützung nicht – ohne öffentliche Unterstützung kann man nichts erreichen. Man kann nicht vorankommen, politisch, militärisch, wirtschaftlich wie in jeder Hinsicht.
Wir hätten diesen Krieg nicht neun Jahre lang durchstehen können ohne die öffentliche Unterstützung; und die öffentliche Unterstützung können Sie nicht erhalten, während Sie Zivilisten töten. Dies ist eine Gleichung, dies ist eine selbstverständliche Gleichung, niemand kann sie widerlegen. Deshalb habe ich unabhängig von diesem Brief gesagt, daß dies unser Anliegen ist.
Doch noch einmal: der Vatikan ist ein Staat, und wir glauben, daß die Rolle eines jeden Staates, wenn er besorgt um jene Zivilisten ist, darin besteht, zum Hauptgrund [dafür] vorzustoßen. Der Hauptgrund ist die westliche Rolle bei der Unterstützung der Terroristen wie auch die Sanktionen gegen die syrische Bevölkerung, welche die Lage sehr verschlimmert haben – und das ist der andere Grund dafür, daß die Flüchtlinge nun in Europa sind. Da will man keine Flüchtlinge, kreiert aber zur selben Zeit die Lage bzw. Atmosphäre, die ihnen sagt: ,Verlassen Sie Syrien und gehen Sie woanders hin.‘ Natürlich werden sie nach Europa gehen. Demnach muß sich dieser Staat, muß sich jeder Staat mit den Ursachen befassen und wir hoffen, daß der Vatikan diese Rolle innerhalb Europas und der Welt spielen kann, um viele Staaten davon zu überzeugen, sich nicht mehr in die Angelegenheit Syriens einzumischen und keine Völkerrechtsverletzung mehr zu begehen. Das ist genug. Es reicht uns, daß alle das Völkerrecht einhalten. Dann ist die Zivilbevölkerung in Sicherheit, die Ordnung kehrt zurück und alles wird gut. Nichts weiter.
Frage 14: Herr Präsident, sie sind mehrfach des Einsatzes chemischer Waffen beschuldigt worden
und dies ist ein Instrument vieler Entscheidungen gewesen wie ein wichtiger Punkt, die rote Linie für viele Entscheidungen. Vor einem Jahr, länger als einem Jahr ereignete sich der Dûmâ- (Douma-) Vorfall, der als weitere rote Linie angesehen wurde. Darauf kam es zu Bombardierungen, und es hätte schlimmer kommen können, aber etwas hörte auf. In diesen Tagen kam durch WikiLeaks auf, daß im Bericht [der OPCW] wohl etwas nicht stimmte. Also kann noch niemand sagen, was passiert ist, aber möglicherweise ist beim Verfassen des Berichts ein Fehler aufgetreten. Was denken Sie?

Präsident Dr. al-Assad: Wir haben immer – seit Beginn dieses Narrativs über chemischer Waffen – haben wir immer gesagt, daß wir keine solchen benutzen; wir können sie nicht einsetzen und es ist unmöglich, sie in unserer Situation einzusetzen, aus mehreren Gründen, sozusagen logistischen Gründen.
Zwischenbemerkung: Geben Sie mir einen!
Präsident Dr. al-Assad: Ein Grund, ein sehr einfacher ist: wenn man auf dem Vormarsch ist, warum sollte man da chemische Waffen einsetzen?! Wir rücken vor, warum benötigten wir sie da?! Wir sind in einer sehr guten Lage, also warum sie einsetzen, insbesondere 2018? Das ist ein Grund.
Der zweite, sehr konkrete Nachweis, der dieses Narrativ widerlegt, ist: wenn Sie chemische Waffen – also Massenvernichtungswaffen – einsetzen, heißt das von Tausenden oder mindestens hunderten von Toten zu sprechen. Das ist nie passiert, niemals – es gibt nur diese Videos inszenierter Chemiewaffenangriffe. In dem aktuellen Bericht, den Sie erwähnt haben, besteht ein Widerspruch zwischen dem, was wir in den Videos zu sehen bekamen, und dem, was die Fachleute und Experten sahen.
Die Menge an Chlorin, von der sie sprachen … zunächst einmal ist Chlorin keine Massenvernichtungswaffe … zweitens ist die Menge, die sie gefunden haben, die gleiche Menge, die Sie in Ihrem Haus haben können, sie ist in vielen Haushalten vorhanden und wird zum Reinigen und was immer benutzt; es ist exakt dieselbe Menge.
Was die OPCW (Organisation für das Verbot chemischer Waffen) tat, war, den Bericht zu manipulieren und zu fälschen, nur weil die [US-]Amerikaner dies wollten. Zum Glück hat dieser Bericht bewiesen, daß alles, was wir in den letzten Jahren, seit 2013, gesagt haben, korrekt gewesen ist. Wir hatten recht und sie lagen falsch. Dies ist der Beweise, der konkrete Beweis zu diesem Thema.
Die OPCW erweist sich also erneut als voreingenommen, politisiert und unethisch. Solche Organisationen, die parallel zu den Vereinten Nationen arbeiten sollten, um mehr Stabilität rund um die Welt zu schaffen, werden von den [US-]Amerikanern und im Westen als Waffen eingesetzt, um mehr Chaos zu schaffen.
Frage 15: Herr Präsident, nach neun Jahren Krieg sprechen Sie über die Fehler anderer. Ich möchte, daß Sie über Ihre eigenen Fehler sprechen, wenn es welche gibt. Gab es etwas, das Sie anders hätten handhaben können, und welche Lektion haben Sie daraus gelernt, die Ihrem Land helfen könnte?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv; denn, wenn man über irgendwelche Handlungen spricht, findet man immer Fehler; das ist die menschliche Natur. Wenn Sie aber über politische Praxis sprechen, dann sind da zwei Dinge: Strategien bzw. große Entscheidungen und [andererseits] Taktik bzw. in dem Zusammenhang die Umsetzung. Unsere strategischen bzw. wichtigen Entscheidungen waren, dem Terrorismus entgegenzutreten, die Rekonziliierung [Versöhnung] durchzuführen und sich der äußeren Einmischung in unsere Angelegenheiten zu erwehren. Heute, nach neun Jahren, würden wir dieselbe Politik einschlagen, wir vertreten sie sogar mehr denn je. Hätten wir empfunden, daß sie falsch war, hätten wir sie geändert. In der Tat denken wir nicht, daß diese Politik falsch war. Wir haben unsere Mission erfüllt, wir haben die Verfassung umgesetzt, indem wir die Menschen beschützt haben.
Wenn Sie jetzt über Fehler bei der Umsetzung sprechen, haben Sie natürlich viele Fehler. Ich denke, wenn Sie über die Fehler bezüglich dieses Krieges sprechen wollen, sollten wir nicht über die Entscheidungen sprechen, die während des Krieges getroffen wurden, weil der Krieg – oder ein Teil davon – das Ergebnis von etwas Vorherigem ist.
Zwei Dingen sahen wir uns in diesem Krieg gegenüber: das erste war Extremismus. Der Extremismus begann in dieser Region in den späten 1960ern und nahm an Fahrt auf in den 1080ern, insbesondere der Wahhâbî-Ideologie. Wenn Sie über Fehler im Umgang mit diesem Thema sprechen möchten, dann ja, dann möchte ich sagen, wir waren sehr tolerant gegenüber etwas sehr Gefährlichem. Dies ist ein großer Fehler, den wir über Jahrzehnte begangen haben. Ich spreche von verschiedenen Regierungen, mich eingeschlossen vor diesem Krieg.
Die Zweite ist, wenn es Menschen gibt, die bereit sind, gegen die öffentliche Ordnung zu rebellieren, öffentliches Eigentum zerstören, Vandalismus zu begehen usw., arbeiten sie gegen ihr Land; sie sind bereit, mit ausländischen Mächten und ausländischen Geheimdiensten zusammenzuarbeiten und externe militärische Einmischung gegen ihr Land zu fordern. Das ist dann eine andere Frage: wie konnte es dazu kommen? Wenn sie mich fragen, würde ich sagen, daß wir vor dem Krieg mehr als 50.000 Verbrecher, hatten die beispielsweise nicht von der Polizei gefaßt worden waren. Für diese Verbrecher ist die Regierung ihr natürlicher Feind, weil sie nicht ins Gefängnis wollen.
Frage 16: Und wie sieht es mit der wirtschaftlichen Situation aus? Denn ein Teil davon – ich weiß nicht, ob es ein großer oder kleiner Teil war – aber ein Teil des Geschehens waren auch Unzufriedenheit und Probleme der Bevölkerung in bestimmten Gebieten, in denen wirtschaftlich kein Erfolg zu verzeichnen ware. Ist das eine Lektion, die Sie irgendwo daraus gelernt haben?
Präsident Dr. al-Assad: Dies könnte ein Faktor sein, aber es ist sicherlich kein wesentlicher Faktor. Einige sprachen von vier Jahren Dürre, die die Menschen dazu veranlaßt hätten, ihr Land in ländlichen Gebieten zu verlassen und in die Städte zu gehen … das könnte ein Problem sein, ist aber nicht das Hauptproblem. Einige sprachen über liberale Politik. Wir hatten keine liberale Politik, wir sind immer noch Sozialisten und wir haben immer noch einen öffentlichen Sektor, einen sehr großen öffentlichen Sektor in der Regierung. Man kann nicht über liberale Politik sprechen, solange es einen großen öffentlichen Sektor gibt. Und wir hatten Wachstum, gutes Wachstum erzielt.
Freilich gibt es auch bei der Umsetzung unserer Politik Fehler. Wie kann man Chancengleichheit zwischen Menschen erreichen … zwischen ländlichen Gebieten und Städten? Wenn Sie die Wirtschaft öffnen, profitieren die Städte stärker, und dies führt zu einer stärkeren Migration von ländlichen Gebieten in die Städte… Dies sind Faktoren, die möglicherweise eine Rolle spielen können, aber das ist nicht das Problem, denn in ländlichen Gebieten, in denen ein höheres Maß an Armut herrscht, spielte das Geld aus Qaṭar eine effektivere Rolle als in den Städten, das ist normal. Wenn man denen für eine halbe Stunde einen Wochenlohn auszahlt, ist das sehr gut für sie.
Frage 17: Wir sind fast so weit, aber ich möchte Ihnen noch zwei weitere Fragen stellen. Bei der einen geht es um den Wiederaufbau, und der Wiederaufbau wird sehr kostspielig sein. Wie stellen Sie sich vor, Geld für diesen Wiederaufbau aufbringen zu können; wer könnte Ihr Verbündeter beim Wiederaufbau sein?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben kein großes Problem damit. Zu sagen, Syrien habe kein Geld. … Nein, tatsächlich haben Syrer eine Menge Geld; die Syrer auf der ganzen Welt haben viel Geld, und sie wollen kommen und ihr Land aufbauen. Über den Aufbau des Landes zu sprechen, bedeutet ja nicht den Menschen Geld zu geben, sondern es geht darum, Nutzen zu erzielen – es ist ein Geschäft. Es wollen als viele Menschen, nicht nur Syrer in Syrien Geschäfte machen. Wenn es also um Finanzierungsquellen für den Wiederaufbau geht, sind Quellen vorhanden, aber das Problem ist, daß die verhängten Sanktionen jene Geschäftsleute bzw. Unternehmen daran hindern, nach Syrien zu kommen und dort zu arbeiten. Trotzdem haben wir [mit dem Wiederaufbau] begonnen und einige ausländische Unternehmen haben einen Weg gefunden, diese Sanktionen zu umgehen, und wir haben mit die Planung gestartet. Es geht langsam voran, ohne die Sanktionen hätten wir kein Problem mit der Finanzierung gehabt.
Frage 18: Abschließen möchte ich mit einer sehr persönlichen Frage, Herr Präsident: fühlen Sie sich als Überlebender?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie über einen nationalen Krieg wie diesen sprechen möchten, in dem fast jede Stadt durch Terrorismus, Bombenangriffe von außen oder anderes Schäden erlitten hat, können Sie alle Syrer Überlebende nennen. Ich denke, das ist die menschliche Natur, ein Überlebender zu sein.
Zwischenbemerkung: Und Sie selbst?
Präsident Dr. al-Assad: Ich bin Teil jener Syrer. Ich kann nicht von ihnen abgetrennt werden. Ich habe dieselben Gefühle. Wiederum geht es nicht darum, als Überlebender eine starke Person zu sein. Wenn Sie nicht über dieses Klima, diese Gesellschaft, diesen Inkubator verfügen, um zu überleben, können Sie nicht überleben. Es geht um etwas Kollektives, nicht um etwas Persönliches. Es ist keine Ein-Mann-Show.
Journalistin:Vielen Dank, Herr Präsident.
Präsident Dr. al-Assad: Danke.

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit dem TV-Kanal Russia Today Inter­na­tional World vom Fr., 8.11.2019, ausgestrahlt am 11.11.2019
(https://www.sana.sy/en/?p=178031, https://www.sana.sy/?p=1051631)

Präsident Dr. al-Assad im Interview mit Russia Today, Photo: SANA

Einleitende Worte und Frage 1: Ich bin Afschin Rattansi im Präsidentenpalast in Damaskus. Willkommen exklusiv bei RT Inter­na­tional World. Ich bin beim Präsidenten von Syrien, Bašar al-Assad. Herr Präsident, danke daß sie uns ein Interview gewähren. Beginnen mächte ich mit der Frage, warum Sie nun ein Interview geben nach einer Karenz von eineinhalb Jahren?
Präsident Dr. al-Assad: Sie sind herzlich willkommen in Syrien! Die Vorgänge in der Welt generell, in der Region und in Syrien nach der türkischen Invasion haben Syrien wieder ins Blickfeld und ins Zentrum gerückt, das ist ein Grund.  Ein anderer – ich glaube, daß sich die öffentliche Meinung in der Welt und speziell im Westen während der letzten paar Jahre geändert hat. Sie [d.h. die Menschen] wissen, daß ihre Amtsträger ihnen viele Lügen über die Vorgänge in der Region, in Nahost, in Syrien, im Jemen aufgetischt haben. Sie wissen, daß es sich um Lügen handelt, doch sie kennen die Wahrheit nicht. Daher halte ich es für an der Zeit, darüber die Wahrheit mitzuteilen. Zum Dritten habe ich westlichen Medien so viele Interviews gegeben, doch die versuchten erst gar nicht, Informationen zu bekommen, sondern an einen Knüller zu kommen. Sie versuchen nicht, ihrer Leser-/Hörerschaft objektiv das zu vermitteln, was in der Welt vorgeht. Darum habe ich die Jahre über aufgehört , Interviews zu geben.
Frage 2: Nun gut. Während wir uns auf der Fahrt von Flughafen her befanden, haben wir den Wiederaufbau erlebt.Wie viele Soldaten sind in der Vergangenheit seit 2011 getötet worden, wie viele verwundet und aus ihrem Land getrieben worden?
Präsident Dr. al-Assad: Was Sie in den letzten 24 Stunden seit Ihrer Ankunft in Damaskus an Stabilität gesehen haben, ist Resultat des Opfers von mehr als einhunderttausend syrischen Soldaten, die gefallen oder verwundet worden sind. So viele Leben, gar nicht zu reden von Tausenden oder Zehntausenden an Zivilisten bzw. Unschuldigen, die durch Mörsergranaten, Hinrichtungen, Entführungen mit späterer Tötung umgebracht wurden oder verschwunden sind; Ihre Familien warten bis jetzt noch. Es gab also eine Menge Opfer angesichts jener Terroristen. Ihnen sind die jetzige Stabilit und der Wiederaufbau zu danken.
Frage 3:  Es haben Sie Länder unterstützt, darunter der Iran und Rußland freilich.  Bevor ich zur britischen und [US-]amerikan sichen de facto-Unterstützung für den IS und al-Qâʽida in Ihrem Land  übergehe , wie würden Sie … was würden Sie russischen Familien sagen, die ihre russischen Soldaten verloren haben, die ihr Leben riskiert und geopfert haben für einen „Diktator“, für einen „Nahost-Diktator?“ Was würden Sie denen sagen, warum Wladimir Putin Soldaten senden sollte, um Ihrer Regierung zu helfen?
Präsident Dr. al-Assad: Sie haben da eine sehr wichtigen Punkt angesprochen. Selbst in Syrien würde niemand für eine Person sterben. Menschen, insbesondere im Massen, würden eher für einen Grund sterben, und dieser ist die Verteidigung ihrer Heimat, die Verteidigung ihrer Existenz, ihrer Zuknuft, als einer, der aus einem anderen Land stammt, für [irgend]eine Person, ob sie nun ein Diktator wäre oder wie auch immer man sie nennen wollte. Das ist einfach unrealistisch und gegen die Logik, daß jemand käme, weil Präsident Putin ihn geschickt hat, um für eine andere Person oder gar für Präsident Putin zu sterben, alle Interessen seines Landes für eine Person aufs Spiel setzend. Das ist gegen die Logik.
Tatsächlich verteidigt Rußland laut den Amtsträgern, ich meine Putin, Lawrow und die anderen, die russischen Interessen auf unterschiedliche Weise. Ein Aspekt bei deren Terrorismusbekämpfung in einem Land, sei es Syrien oder ein anderes in der Region, ist, daß sie die russische Bevölkerung verteidigen, da Terrorismus und seine Ideologie grenzenlos sind, sie kennen keine politischen Grenzen. Es ist sozusagen ein [und dieselbe[ Arena, die ganze Welt ist die Arena des Terrorismus.
Zum anderen setzen sie [d.h.: die Russen] auf das Völkerrecht und setzen es um. Nach ihrer Auffassung korreliert dieses Völkerrecht, wenn es umgesetzt wird, mit ihrem Interesse, ihren nationalen Interessen. Demnach hilft die Umsetzung des Völkerrechts rund um die Welt dem Interesse der russischen Bevölkerung. Daher steht ihr Handeln im Einklang mit ihren nationalen Interessen, mit der globalen Stabilität und mit dem syrischen Interesse und der syrischen Stabilität.
Frage 4: Nun, Sie wissen, daß in den Medien der NATO-Länder, dieses Land, ihre Regierung, sie persönlich synonym mit Chemiewaffenattacken stehen. Lassen Sie uns zurückgehen zum 21.8.2013 in Ġûa (Ghouta). Setzte Ihre Regierung zu diesem Datum, dem 21.8.2013, in Ġûa Chemiewaffen ein?
Präsident Dr. al-Assad: Das Witzige an diesem Datum ist, daß es das gleiche Datum ist, an dem die erste internationale Delegation, die nach Syrien kam, um den Vorfall zu untersuchen, in Damaskus anlangte, nur wenige Kilometer von diesem Ort entfernt. Gesetzt den Fall, die syrische Armee [SAA] hätte Chemiewaffen gehabt und auch einsetzen wollen, dann hätte sie diese logischerweise nicht gerade an dem Tag eingesetzt, das zum Ersten. Zweitens, es war die Rede von 200 getöteten Bürgern. Wenn Sie in solch einer Gegend, in der die Menschen dicht aneinandergedrängt wohnen, einer äußerst bevölkerten Gegend, Chemiewaffen einsetzten, hätten Sie zehntausend Tote gehabt. Drittens existiert dieser Vorfall nur in den Köpfen westlicher Amtsträger; es ist ein Narrativ, das als Vorwand für den Angriff auf Syrien diente. Das ist, was ich meine. Sie brachten keinen belastbaren Beweis vor, um zu belegen, daß solche ein Angriff stattgefunden habe. Es gab viele Berichte, welche jene Meldung bzw. jene Anschuldigungen zurückwiesen [s. Syrien ab Teil I]. Es handelt sich also um eine bloße Beschuldigung. Die syrische Armee hat nie, niemals Chemiewaffen eingesetzt, bevor wir das gesamte Arsenal dem internationalen Komitee überantwortet haben. Frage 5: Freilich. Dann entschieden Sie, die OPCW einzuladen, die Chemiewaffen zu beseitigen.
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich haben wie sie eingeladen, zu kommen, weil wir ihnen gesagt haben, sie sollten kommen und nachforschen, da wir hundertprozentig sicher gewesen sind, daß es sich um [bloße] Anschuldigungen handelt. Aber natürlich ist die Delegation nicht immer unvoreingenommen, sie ist größtenteils voreingenommen.
Journalist: Nun, ich meine, der OPCW-Präsident Fernando Arias, hat  jetzt möglicherweise seine eigenen Probleme mit Whistleblowern.  Es besteht kein Zweifel, daß Ahmet Üzümcü, der Generaldirektor der OPCW, der sich die Vernichtung hier ansah, sagte, es gebe Lücken, Unsicherheiten und Unstimmigkeiten in Ihrer von der OVCW überwachten Zerstörung chemischer Waffen hier in diesem Land.
Präsident Dr. al-Assad: Lücken in unserem Bericht?
Journalist: Ja.
Präsident Dr. al-Assad: Warum haben sie das nicht hergezeigt?! Das ist 2013 gewesen. Jetzt sind wir hier, mit der gleichen Behauptung, haben sie nach sechs Jahren keinen Beweis erbringen können?
Und jedes Mal sagen sie, Syrien hat Chemiewaffen benutzt. Wäre es denn möglich unter dieser – sagen wir einmal – pingeligen Aufsicht der gesamten westlichen Welt sie wieder und immer wieder einsetzen?! Das ist nicht rational. Wir brauchen das Ganze nicht, wir  kommen voran. Jedesmal wenn das Thema des Chemiewaffeneinsatzes wieder aufkommt, sind wir am Vorrücken, nicht am Verlieren.
Ich meine, selbst wenn man militärisch solche Waffen einsetzen wollte – und dabei klammere ich die SAA aus, da wir keinerlei solche mehr besitzen – würde man diese logischerweise einsetzen, wenn man Boden verliert, aber nicht, wenn man vorrückt.
Journalist: Demnach verneinen Sie die Benutzung in Ğaubar, ašŜai Maqûd, Sarâqib und im Gebiet von Aleppo, vermutlich auch in Ḫân Ŝaiḫûn am 4.4.2017. Bei all diesen Gelegenheiten verneinen Sie die Benutzung von Chemiewaffen durch die syrische Regierung?  
Präsident Dr. al-Assad: Jede dieser Storys war nichts weitere als eine Beschuldigung. Wer behauptet, es habe [irgendwo] einen Chemiewaffeneinsatz gegeben, müßte seine Geschichte auch beweisen. Er wäre derjenige, der einen Beleg dafür erbringen müßte.
Journalist:  Aber die OPCW brachte Großbritannien und die Vereinigten Staaten und Frankreich dazu, zu glauben, Sie hätten sie eingesetzt, um auf Grundlage von deren Bericht Ihr Land zu bombardieren.
Präsident Dr. al-Assad: … zu glauben! … Aber Glauben ist eine Sache und Beweiseerbringen eine andere. Wir reden also über einen Beweis. Wo ist Ihr Beweis für die Geschichte, den zu erbringen sie schuldig sind? Da ist nichts, sie haben keinen.
Frage 6: Gibt es nicht irgendeine Wahrheit in diesen Gerüchten … Kann man nicht von Ihrer Seite aus argumentieren, daß Video-Beweise von Rebellen mittels chemischer Waffen manipuliert wurden, bezogen von der saudi-arabischen Regierung und daß zwar bereits chemische Waffen zum Einsatz kamen, aber durch die sogenannten „Rebellen“ …
Präsident Dr. al-Assad: Ja, das gibt´s auf Youtube, man kann es anschauen. Die inszenierten ein Schauspiel, ein vollständiges Schauspiel, wo einer die Rolle des Opfers bei vielen Vorfällen spielt, nicht nur bei solchen mit Chemiewaffen, sondern auch bei Bombardements … sie inszenierten ein Stück, in dem einer das Opfer gibt, und dann am Ende des Drehs ist er wieder eine normale Person, steht auf und bewegt sich ganz normal. Das kann man auf Youtube sehen. Das ist ganz klar, diesen Beweis können wir Ihnen liefern.
Journalist: Darüber hinaus gibt es aber kein anderes Material, da doch die White Helmets, unterstützt vom britischen Außenministerium und gerade wieder mit Extra-Sponsering der Trump-Administration versehen, behaupten, die Videos seien absolut echt und daß die Leute, die diese Videos gemacht hätten, bis 2018 hundertfünfzigtausend Leben in Ihrem Land gerettet hätten?
Präsident Dr. al-Assad: Nochmals: es ist ganz einfach, man sieht dieselben Gesichter dieser „Engel“ – der White Helmets – dieselben Gesichter! Dieselbe Person, die für die Weißen Helme gearbeitet hat, ist tatsächlich ein Kämpfer für al-Qâʽida. Sie können ihn sehen, die Bilder sind ganz deutlich. Es ist derselbe, der enthauptet, also geköpft hat, und einer von ihnen hat sogar das Herz eines Soldaten gegessen. Diese Videos haben hohe Zuschauerzahlen im Internet, meine ich. In unserer Region glaubt meiner Meinung nach keiner die Tricks, die PR-Tricks der White Helmets. Sie sind ein Ableger von Ğabhatu_n-Nuṣra.
Frage 7: Gut. Das britische Staatsfernsehen BBC und Amnesty International beschuldigen Ihre Regierung, 11.000 Menschen seit 2012 durch die Benutzung von „Faßbomben“ getötet zu haben, was eine Verletzung der UNSC-Resolution Nr.2139 darstellte, Human Rights Watch verweist in der Tat auf Satellitenbilder, und Sie haben Youtube-Videos erwähnt, die Sie als Fake-Videos bezeichneten. Das sind einige der größten NGOs und Sender der NATO-Länder.
Präsident Dr. al-Assad: Kein Krieg ist gut. Das ist ist eine selbstverständliche Wahrheit. Es gibt in jedem Krieg Opfer; aber über eine Armee bzw. einen Staat zu sprechen, der hergeht und seine Bürger, seine eigenen Leute tötet, das ist aus ganz einfachem Grund nicht realistisch. Im Krieg in Syrien ging es darum, die Herzen der Leute zu gewinnen. Man kann aber nicht die Herzen der Leute gewinnen, indem man sie bombardiert. Die syrische Armee bekämpfte die Terroristen; daß einige Zivilisten dabei Querschläger abbekommen haben, könnte passiert sein, man kann dazu eine Untersuchung anstellen, doch wie könnte die syrische Bevölkerung ihren Staat, ihren Präsidenten und ihre Armee untersützen, wenn die sie [absichtlich] töteten.
Frage 8: War der einzige Weg, Ost-Aleppo zurückzubekommen … Haben Ihre Kommandeure oder Sie persönlich  den Befehl gegeben, die einzige Möglichkeit, al-Qâʽida und ISIS-Daesh, die wohl von Großbritannien und den Vereinigten Staaten unterstützt wurden, loszuwerden, also die einzige Möglichkeit, sie loszuwerden sei durch einen Beschuß aus der Luft?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv. Und wir waren erfolgreich. In einigen Gebieten haben wir das Areal ohne Krieg erhalten. Wir haben mit diesen Gruppen verhandelt, sie haben dieses Gebiet verlassen und wir sind dann eingezogen.
Journalist: Aber man sieht auf den Bildern, und Sie sagen vermutlich, daß diese Bilder echt sind, die Zerstörung in Ost-Aleppo. War das tatsächlich der einzige Weg, die mit al-Qâʽida und dem IS-verbundenen Gruppen zu bekämpfen?
Präsident Dr. al-Assad: Solche al-Qâʽida-Gruppen pflegten täglich die Bürger zu bombardieren und töteten hunderttausende Menschen in Aleppo. Aufgabe der Armee und die des Staates ist es nun mal,  jene Bürger  vor jenen Terroristen zu schützen.  Wie könnten wir das, ohne die Terroristen anzugreifen?!
Frage 9: Tja, das wurde in den Medien der NATO-Staaten nicht zu Ihrer Verteidigung gezeigt. Nun, was ist mit der Anwendung von“double tap strikes“ durch die syrische und russische Luftwaffe, indem man einen Teil von Ost-Aleppo bombardiert, dann kommen die Rettungskräfte und man bombardiert wieder? 
Präsident Dr. al-Assad: Es gibt eine Menge irreführender Narrative im Westen, nur um zu zeigen, daß die syrische Armee absichtlich Bürger ohne Grund töte, und um zu zeigen, daß die syrische Armee die, die sie White Helmets nennen, oder ein beliebiges Hospital, das [tatsächlich] ein terroristisches Hauptquartier ist, humanitäre Institutionen angreife, nur um die Zivilbevölkerung darunter leiden zu lassen. Was wirklich passierte ist jedoch das Gegenteil: die Bevölkerung floh aus jenen Gegenden [der Terroristen] in die unter Regierungskontrolle und zwar überall, nicht nur in Ost-Aleppo. Wenn Sie jetzt nach Ost-Aleppo gehen, finden Sie jene Menschen dort vor, sie leebn noch in diesen Gegenden unter Regierungskontrolle. Warum haben wir sie nicht getötet? Warum sind sie nicht in die Türkei geflohen? Das widerlegt in sich selbst das westliche Narrativ.
Journalist: Doch wie ich gesagt habe, Râ´id âli (Raed Saleh), Kopf der britisch unterstützten White Helmets kam auf meinem Programm zu Wort und sagte, sie seien eine humanitäre Organisation, sie seien keineswegs Terroristen, dem, was Sie und die russische Regierung behaupten zum Trotz.
Präsident Dr. al-Assad: Doch da gibt es die Photos, die Videos, Beweise eben. Demnach geben wir keine Behauptungen von uns. Wie sollten wir davon wissen? Durch deren Bilder. Wir können Ihnen all diese Beweie zeigen, wir haben sie.
Frage 10: Gehen wir doch ein wenig zurück zu den ersten Demonstrationen in Darʽâ, in Damaskus; da gibt es ein bekanntes Medienprogramm, wieder vom britischen staatlichen BBC, in dem Walîd Ğunblâṭ (Walid Jumblatt), der drusische Anführer in Beirut, vor der Kamera sagt, Sie hätten die Tötung des 13-jährigen Ḥamza al-Ḫaṭîb (Hamza al-Khateeb) autorisiert, ist das wahr? Und dann interviewten sie ein Rieh von Leuten, die sagten, die Fehler, die Sie machten, hätten zu dem geführt, was passierte, nicht die britische und [US-]amerikanische Unterstützung für al-Qâʽida und den IS in Ihrem Land.
Präsident Dr. al-Assad: Ganz am Anfang während der Demonstrationen, während der ersten paaar Tage, verloren wir fünf Polizisten durch Schüsse. Wie könnten wir über friedliche Demonstrationen sprechen, bei denen Polizisten getötet werden durch … ?!
Journalist: Aber wie könnten Sie die Tötung eines 13-jährigen Jungen autorisieren?
Präsident Dr. al-Assad: Ich fange gerade ganz vom Anfang an. Also, ganz am Anfang war die Bezeichnung „friedliche Demonstrationen“, wie ich meine, nicht korrekt. Da fielen Schüsse, und es ist nicht zu erkennen gewesen, wer auf die Polizei schießt, und wer derjenige ist, der auf die Bürger schießt; in den meisten Fällen damals hatte die Polizei nämlich nicht einmal Maschinengewehre oder Pistolen.
Journalist: Aber dieses Kind wurde gefoltert?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, das ist nicht wahr. Er wurde nicht, wir haben niemals …
Journalist: Es gab Zigarettenverbrennungen an seinem Körper ….
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein. Er wurde getötet und es gab die anschuldigung, er sei gefoltert worden. Er wurde nicht gefoltert, er wurde getötet und ins Krankenhaus gebracht und ich traf seine Eltern.Sie kennen die wahre Geschichte. Dies [d.h. die erwähnte Behauptung] ist genau das, was im Westen, in den westlichen Medien verbreitet wird. In Syrien ist diese Version nicht bekannt. Deshalb wundern mich diese Geschichten, die völlig von unserer Realität abgehoben sind.
Er ist gestorben, wie er starb, wer ihn erschoß, weiß niemand. Es herrschte Chaos. Bei chaotischen Demonstrationen kann sich jeder in die Demonstration hineinschleichen und in alle Richtungen zu schießen beginnen, und Polizisten töten, damit sie reagieren, oder umgekehrt.
Frage 11: Haben Sie von Anwar Raslân (Anwar Raslan) und Iyâd al-Ġarîb (Eyad al-Gharib) gehört, die in [der Bundesrepublik] Deutschland festgenommen worden sind? Die Deutschen behaupten, es gebe etwas, das Zweig 251 heißt,eine Ihrer Foltereinheiten, um Demonstranten zu foltern.
Präsident Dr. al-Assad:
Wir haben keine Foltereinheiten. Wir haben keine Politik der Folter in Syrien. Wozu sollte uns Folter nutzen? Das ist die Frage, wozu, warum? Ist es eine psychologische Situation? Nur weil Sie Menschen auf diese sadistische Weise foltern wollen? Warum foltern? Wegen Informationen?! Wir haben alle Informationen. Die Mehrheit der syrischen Bevölkerung unterstützt die Regierung; das ist der Grund dafür, daß wir seit neun Jahren noch hier sind trotz all der Aggression aus dem Westen und via Petrodollar in der arabischen Region. Das ist der einzige Grund dafür. Warum also die Leute foltern, das ist die Frage. Das ist keine Politik. Wenn Sie über einzelne Vorfälle sprechen, dann ist das ein einzelner Vorfall, den jeder als Rache verüben könnte oder aus irgendeinem anderen Grund. Das kann überall auf der Welt passieren. Aber keinerlei solche Politik. Wir glauben nicht, daß Folter unsere Situation als Staat besser machen könnte, ganz einfach. Also benutzen wir keine.
Frage 12:
Was taten Sie, als die britische Regierung die Royal Navy schickte, um einen iranischen Tanker abzufangen? Sie sagten, die iranische Regierung schicke tatsächlich Heizöl nach Syrien. Werden die von der Europäischen Union verhängten Sanktionen in diesem Winter die ärmsten Menschen in Syrien treffen?
Präsident Dr. al-Assad:
Genau. Zunächst einmal ist das Piraterie. Das ist durch das Regime des Vereinigten Königreichs betriebene Piraterie, und das ist die Grundbedeutung des Ausdrucks „Regime“, weil Regime, Piraterie und Banden einander ähneln. Zweitens: ja, sie wollten die Menschen in Syrien treffen, warum? Da man von solchen Leuten erwartet, daß sie sich während der verschiedenen Stadien des Krieges gegen die Regierung erheben, doch das haben sie nicht. Man nahm an, sie würden die Terroristen unterstützen, die „moderaten Rebellen“, die die „Engel von den Weißhelmen (White Helmets)“, doch das taten die Leute nicht, sie standen zu ihrer Regierung. Deswegen müssen sie nun leiden, sie müssen den Preis dafür zahlen. Vor allem haben sie die Lektion zu lernen, daß sie deren Agenda hätten unterstützen sollen. Zweitens war diese Piraterie möglicherweise der letzte Versuch, sie dazu zu bringen, gegen ihre Regierung vorzugehen. Doch das haben sie letzten Winter schon versucht, und es hat nicht funktioniert, da die Leute die ganze Story kennen und wissen, wo ihre Interessen liegen [besser: wer ihre Interessen vertritt].
Frage 13:
Selbst wenn die Hälfte der südlichen Welt, Sie und Ihre Minister, der Ansicht sein mögen, daß es selbstverständlich sei, die NATO-Regierungen der Unterstützung von al-Qâʽida oder des IS zu beschuldigen, könnten die Zuschauer dieses Interviews in diesen NATO-Mitgliedstaaten dies für lächerlich halten. Warum könnten die britische Regierung oder die Obama-Regierung – weil Donald Trump wohl plötzlich begriffen hat, was möglicherweise vorgeht – Ihrer Meinung nach al-Qâʽida und den IS (Daesh) unterstützen wollen?
Präsident Dr. al-Assad:
Warum? Der Fakten wegen. Diese Tatsachen beginnen damit, daß US-Beamte wie etwa John Kerry, Hillary Clinton und viele andere, dies [zeitlich!] vor allen anderen selbst und mit ihren eigenen Worten gesagt haben, als sie über ihre Rolle bei der Unterstützung von al-Qâʽida in Afghanistan als Instrument gegen die damalige Sowjetunion zu jener Zeit gesprochen haben. Das haben sie gesagt. Dies ist ihr modus operandi, nicht etwas, was wir erfunden haben.
Journalist:
Sie haben gesehen, was am 11. September passiert ist. Warum machen sie dann wieder den gleichen Fehler?
Präsident Dr. al-Assad:
Weil die [US-]amerikanische Politik im Allgemeinen vom Prinzip Versuch und Irrtum abhängt. Sie marschierten in Afghanistan ein und erreichten nichts. Sie marscheirten im Irak ein und erreichten nichts, sie begannen, in andere Länder – aber auf andere Art und Weise – einzumarschieren. Sie haben die Methode geändert. Das Problem mit den Vereinigten Staaten ist jetzt, dass sie aus ihrer Sicht einen Überlebenskrieg führen, weil sie ihre Hegemonie verlieren. Daher wollen sie die Russen, die Iraner, die Syrer, wen auch immer bekämpfen, der „Nein“ sagt; selbst wenn deren Alliierte wie etwa westliche Regierungen „Nein“ sagen, werden sie mit ihnen kämpfen. Sie brauchen Handlanger; sie haben gemerkt, daß es im Irak mit Entsendung ihrer Armee nicht klappt. Sie verloren viel und bezahlten den Preis soagr innerhalb der USA. Es ist also viel einfacher für sie, einen Stellvertreter (proxy) zu schicken. Al-Qâʽida ist daher ein „proxy“ [im Kampf] gegen die syrische Regierung, gegen die russische Regierung und die iranische Regierung. Zu diesem Zweck haben sie sie benutzet, Sie haben doch Beweise [dafür]. Wie entstand der IS 2014 plötzlich; von nirgendwoher, aus dem Nichts! Im Irak und in Syrien zur selben Zeit mit [US-]amerikanischer Bewaffnung. Es ist ganz klar. Wie konnten die [d.i. IS-Terroristen] sonst Millionen an Barrel Öl in die unter US-]amerikanischer Luftwaffendeckung in die Türkei schmuggeln? Deswegen, weil die [US-]Amerikaner sie gegen die SAA einsetzen wollten. Es ist also kein bloße Gerede unsererseits; die [US-]Amerikaner sagten das, und die Fakten bezeugten dieselbe Geschichte.
Frage 14: Aber während sich dies abspielte, redeten Sie mit internationalen Körperschaften und verschiedenen Gesprächspartnern, was halten Sie von dem, was der UN-Gesandte Staffan de Mistura in den letzten Tagen, ich zitiere, gesagt hat: „Nachdem ich mich wirklich gegen das, was in Aleppo, Idlib und Dârayâ passiert ist, gestellt hatte, hätte ich nicht derjenige sein können, der Assads Hand schüttelt und ,macht nichts‘ [maʽš, im arabischen Artikel steht jedoch als Schreibfehler maʽliš] sagt.“ Das sind also die Personen, mit denen Sie als [sogenannte] neutrale Beobachter reden. Wenn Sie zurückblicken, sind einige dieser Personen [wirklich] neutral gewesen?
Präsident Dr. al-Assad: Er könnte sich nicht in dieser Position befinden, wenn er neutral wäre, da die USA ausschließlich Marionetten akzeptieren. Das ist ihre Verhaltensweise.
Journalist: Aber, haben Sie ihm je die Hand gegeben?
Präsident Dr. al-Assad: Später bat er darum, mich zu treffen und ich lehnte ab. Also wollte er mir die Hand geben. Er war voreingenommen, deshalb hat er versagt. Er hätte die [US-]amerikanische Agenda vielleicht ein bißchen pfiffiger umsetzen können, doch das funktionierte nicht, er war eben voreingenommen.
Frage 15: Und was ist mit dem Genfer Vorgehen? Es gibt einige Berichte, wonach die syrische Delegation von Ihrer Regierung unterstützt wird, aber nicht die syrische Regierung repräsentiert. Was genau ist das Genfer Vorgehen? Ein post-conflict-Vorgehen? Ich bin nicht einmal sicher, ob man das so nennt.
[*Des Zusammenhangs wegen hat es den Anschein, als spräche der Journalist den derzeitigen die Verfassung diskutierenden Ausschuß an, während Dr. al-Assad in seiner folgenden Antwort die früheren Genfer Konferenzen im Sinn hat und dann auf den derzeitig aktiven Ausschuß zu sprechen kommt:]
Präsident Dr. al-Assad: Es ist eine amerikanische Masche, die davon handelt, in der Politik das zu gewinnen, wozu zunächst die Demonstrationen, später die Terroristen nicht taugten, also versucht man es via politischem Prozeß zu erreichen. Das ist der Grund, warum es wiederum nicht funktioniert hat. Das ist der Grund, warum Genf mißlang: es ging darum, die Regierung sozusagen durch eine „vorübergehende Einrichtung“ [transitional body bzw. transitional government, s.u.!] zu stürzen. Es spielt keine Rolle, was es ist [oder: wie man es nennt]. Dann käme der friedliche Regierungswechsel und die Kontrolle über Syrien, wie in vielen anderen Ländern geschehen. Deswegen scheiterte Genf und wir fuhren mit den Russen nach Sotschi [d.i. wohl die Syrisch-Nationale Dialogkonferenz von Ende Januar 2018]. Das ist der Grund, warum Sotschi funktioniert. Letzten Monat hatten wir da diese Delegation und letzte Woche begannen sie mit den Verhandlungen über die Verfassung.
Journalist: Wenn also Donald Trump verkündet …
Präsident Dr. al-Assad: Entschuldigung, fragen sie mich nach diesem Genf [-Treffen] oder nach …
[Diese Nachfrage bestätigt die Berechtigung des o.e. Einwurfs*]
Journalist: Ich sprach über dieses Genf [-Treffen].
Präsident Dr. al-Assad: Nun, wenn Sie über dieses Genf [-Treffen] sprechen – es ist nur ein Veranstaltungsort, ein geographischer Ort, doch der politische Prozeß ist meines Erachtens immer noch mit Sotschi [assoziiert]. Sotschi ist [die Grundlage]. Es spielt keine Rolle, wo Treffen abgehalten werden oder wo die Verhandlungen beginnen, [maßgeblich] ist auf jeden Fall Sotschi.
Frage 16: Aber in den wichtigsten westlichen Medien der NATO-Staaten heißt es generell, Genf sei [maßgeblich], nicht Sotschi. Und, glauben Sie die kuriose Geschichte der Russen, wonach die USA jeden Monat Öl im Wert von 30 Millionen US-$ aus Nord-Syrien stehlen? Handelt es sich dabei um ein Druckmittel Trumps bei den Genfer Verhandlungen; warum sollte ein Ölexporteur wie die USA an 30 Millionen Dollar an Öl im Monat interessiert sein?
Präsident Dr. al-Assad: Seit der IS 2014 damit begonnen hat, syrisches Öl zu schmuggeln und zu stehlen, hatte er zwei Partner – Erdogan und seine Clique sowie die [US-]Amerikaner, sei es in Form der CIA oder anderswie. Was Trump tat, war also nur, die Wahrheit zu verkünden. Er erzählt nichts Neues. Selbst als einige Kurden anfingen, syrisches Öl zu stehlen, waren die Amerikaner ihre Partner. Es geht also um Geld und um Öl, das sagte auch Trump kürzlich. Das ist überhaupt nicht neu und hat nichts mit diesen Gesprächen [in Genf] zu tun.
Journalist: Aber warum sind Sie nicht wütender? Schließlich ist das eindeutig ein Verstoß gegen die Vierte Genfer Konvention über die Plünderung von Länder-Ressourcen.
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich sind wir wütend, jeder Syrer ist wütend – definitiv. Das ist Plünderung, aber es besteht nicht wirklich eine internationale Ordnung oder ein Völkerrecht. Das ist aber nicht neu, um offen zu sein, nicht nur während des Kriegs. Die [US-]Amerikaner versuchen immer andere Länder auf unterschiedliche Weise nicht nur in Bezug auf Öl, Geld oder finanzielle Ressourcen auszuplündern. Sie rauben auch ihre Rechte, ihre politischen Rechte und alle anderen Rechte. Das ist ihre historische Rolle mindestens seit dem Zweiten Weltkrieg. Demnach ist es nichts Neues; es ist nicht befremdlich angesichts ihrer früheren Politik und unterscheidet sich nicht davon, sie nimmt nur von Zeit zu Zeit unterschiedliche Formen an und diese Form der Plünderung von Öl ist die offensichtliche Form der [US-]amerikanischen Politik, indem sie Rechte anderer Menschen raubt.
Frage 17: Befaßte sich ein großer Teil des Krieges mit dem Zugang der Pipeline für fossile Brennstoffe aus dem Nahen Osten nach Europa, welcher den Zugang der russischen zur Europäischen Union verhindern würde?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist sehr realistisch; aber einige sagen, sie hätten den Präsidenten gebeten, Syrien für eine Pipeline zu öffnen, Süd-Nord, und er habe den Russen gegenüber „Nein“ gesagt – tatsächlich ist das nicht passiert. Es ist nicht wahr; es gab allerdings eine Pipeline  von Ost nah West aus dem Iran durch den Irak und Syrien zum Mittelmeer. Falls die ein Grund gewesen sein sollte, könnte es sein. Wenn es im Krieg um Öl als Faktor geht, könnte das durchaus sein. Doch ist das nicht der einzige Faktor. Vergessen Sie nicht, daß die USA mit dem Rest der Welt im Krieg sind. Jetzt sprechen wir über tektonische Verschiebungen und [daraus folgende] Erdbeben, weil die Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg verfallen ist, insbesondere nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion; die unipolare Welt funktioniert nicht mehr. Daher gibt es die aufstrebenden Mächte wie Rußland, China, Indien und andere Länder. Die USA akzeptieren keine Partner bei der Führung der Welt, nicht einmal Großbritannien, Frankreich oder andere große Länder; ich möchte sie nicht Großmächte nennen, denn das hat eine andere Bedeutung, sie sind nicht mehr groß. Sie [d.i. die USA] akzeptieren keine Partner [im Sinn von gleichgestellt]. Deswegen stehen nun im Kampf.
Der Krieg in Syrien ist demnach sozusagen der Mikrokosmos des Dritten Weltkriegs, zwar ohne Kriegsmacht, dafür mittels Proxys. Es gibt verschiedene Faktoren. Das Öl ist ein Faktor des Kriegs, er wird aber nicht wegen des Öls geführt, ich bezweifle, daß es bloß ums Öl geht.
Frage 18: Natürlich; manche mögen sagen, Syrien habe in der Vergangenheit immer, [also] Ihr Vater und Sie, die Palästinenser und UN-Resolutionen mit Bezug zu den Palästinensern unterstützt. Denken Sie, daß Israel, von dem viele glauben, daß es nukleare Massenvernichtungswaffen besitzt, die Politik der Europäischen Kommission, des US-Außenministeriums und des Pentagons beeinflußt?
Präsident Dr. al-Assad: Absolut. Israelis sind unsere Feinde, sie besetzen unser Land; es versteht sich unvermittelt von selbst, daß sie Teil von allem sind, was sich gegen Syrien abspielen könnte: jeder Plan, jede Aufwiegelung, direkt durch ihre Beziehung zu den Terroristen, und Netanyahu besuchte die Terroristen, die in ihren Krankenhäusern behandelt wurden.
Journalist: Glauben Sie, solche Darstellungen sind wahr, daß die israelische Regierung direkt mit al-Qâʽida und dem IS verbundene Militante unterstützte, die versuchen, Ihre Regierung zu vernichten?
Präsident Dr. al-Assad: Die Israelis selbst haben diese Photos offiziell als Nachrichten veröffentlicht; es sind keine Beschuldigungen unsererseits. Zweitens: jedesmal wenn die syrische Armee [SAA] gegen jene Ğabhatu_n-Nuṣra-Terroristen im Süden erfolgreich war, pflegte Israel unsere Truppen zu bombardieren, und wann immer wir irgendwo anders in Syrien vorrückten, begannen ihre Flugzeuge mit Luftangriffen auf unsere Armee. Das ist, was vorgeht. Damit ist die Verbindung ganz klar. Es bestand also eine Korrelation zwischen den israelischen Operationen und terroristischen Operationen, einmal direkt durch die Terroristen, zweitens durch die [US]Amerikaner, und drittens durch die Europäer. Sie haben eine (one) Agenda und ein (one) Interesse, schon vor dem Krieg, nicht erst während dessen. Demnach ist es typisch, vorhersehbar und wahrscheinlich, daß Israel Teil all dessen sein wird.
Frage 19: Freilich; während Großbritannien, die USA und europäische Mächte Ihr Land auf dem Luftweg bombardierten, um Ihre Regierung zu vernichten, behandelten die Schlagzeilen in den Medien der NATO-Länder die Ermordung von al-Baġdâdî durch das 75. Ranger-Regiment in der Provinz Idlib. Denken Sie, basierend auf Ihren Aussagen, daß al-Baġdâdî in erster Linie von den Vereinigten Staaten im Gefängnis Abû Ġuraib (Abu Ghraib) im Irak unter Folter [in der arab. Version: im Foltergefängnis] ausgebildet worden ist?
Präsident Dr. al-Assad: Er war in ihren Gefängnissen unter ihrer Aufsicht, und es waren die [US-]Amerikaner, die al-Baġdâdî freiließen; sie hätten ihn also nicht ohne eine Rolle freigelassen; und plötzlich wurde al-Baġdâdî der Kalif der  Muslime in der Welt, zu dem er sich selbst ernannte. Er wurde von den [US-]Amerikanern präpariert, um jene Rolle zu spielen und wir glauben die kürzlich verbeitete Story von seiner Tötung nicht. Vielleicht wurde er getötet, aber nicht wie erwähnt.
Die ganze Geschichte dreht sich darum, die [US-]Amerikaner davon reinzuwaschen, daß sie Hand in Hand mit den Terroristen gingen – nicht nur während der letzten paar Jahre, sondern während der letzten Jahrzehnte. Dies ähnelt Fantasy-Filmen, in denen sie einem das Gedächtnis löschen; sie wollen die Erinnerung der öffentlichen Meinung daran löschen, daß sie in direkter Beziehung zu jenen Terroristen, vor allem al-Qâʽida, dem IS und Ğabhatu_n-Nuṣra, standen. Als Ṣaddām Ḥussain (Saddam Hussein) gefangen genommen wurde, zeigten sie ihn. Als er exekutiert wurde, zeigten sie den Hinrichtungsvorgang. Als seine Söhne getötet wurden, zeigten sie deren Leichen. Dasselbe geschah bei al-Qaḏḏāfī (al-Gaddafi). Warum zeigten sie uns dann nicht die Leiche von bin Lâdin (bin Laden)? Warum zeigten sie uns nicht die Leiche von al-Baġdâdî? Es ist nur eine erfundene Geschichte (fake story) über die Bekämpfung von Terroristen und über diese sehr durchdachte Operation.
Möglicherweise wurde er getötet, weil er als Person sein Ablaufdatum erreicht hatte; sie brauchten jemand anderen; und womöglich wollten sie die ganze Bezeichnung „IS“ in eine andere ändern, um den IS [unter anderem Namen] als als eine gemäßigte Organisation herauszubringen, um sie erneut auf dem Markt gegen die syrische Regierung einzusetzen.
Journalist: Nochmals: die Medien brachten das nicht, aber natürlich dankte die Trump-Administration Ihrer Regierung bezüglich der al-Baġdâdî-Ermordung.
Präsident Dr. al-Assad: Wir hatten keinen Anteil an der Operation.
Journalist: Sie stehen nicht in Dialog mit ihnen?
Präsident Dr. al-Assad: Es existiert absolut keine Beziehung zwischen irgendeiner Institution in Syrien und einer in den Vereinigten Staaten.
Journalist: Auch nicht mit Vertretern der Europäischen Union bei den jüngsten Genfer Gesprächen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nicht ein einziges. Wir haben keine Beziehungen zu den meisten westlichen Ländern, die eine direkte Rolle gegen Syrien spielen.
Journalist: Ich weiß, daß Sie ein Antagonist zur Türkei, einem NATO-Staat, sind, doch Herr Erdogan und womöglich Sie müssen sich darüber im Klaren sein, daß Westpolitik Auswirkungen auf die EU hat. Wie werden die europäischen Regierungen Ihrer Meinung nach auf den möglichen Rückstrom britischer IS-Kämpfer in die EU reagieren? Wie gefährlich ist es jetzt, in London, Paris oder Berlin zu sein?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich ist die Beziehung zwischen Erdogan und der EU zweigleisig: sie [d.h. die Europäer] hassen ihn, aber sie wollen ihn. Sie hassen ihn, weil sie wissen, daß er ein islamischer Fanatiker [englische Version: fanatic Islamist] ist. Sie wissen das und sie wissen, daß er diese Extremisten oder möglicherweise Terroristen zu ihnen schicken wird.
Journalist: Er hat viele Flüchtlinge aus Ihrem Land aufgenommen.
Präsident Dr. al-Assad: Viele von ihnen sind aus Syrien und einige nicht, sie kommen in der Tat aus verschiedenen Teilen der Welt, nicht nur aus Syrien, aber die Mehrheit sind Syrer.
Nicht alle von ihnen sind Extremisten und die meisten sind keine Terroristen. Die meisten Syrer, die in die Türkei gegangen sind, taten dies tatsächlich wegen des Terrorismus in Syrien, wegen des Beschusses durch die Terroristen usw. Sie mögen also Erdogan nicht, gleichzeitig fürchten sie ihn aber. Doch wenn andererseits die Entsendung dieser Syrer und anderer Flüchtlinge sozusagen eine Gefahr für Europa darstellt, ist das Gefährlichste für Europa die Unterstützung der Terroristen in Syrien; das ist der weitaus gefährlichste Teil. Das ist also Heuchelei: wie kann man jene paar Millionen fürchten, von denen die Mehrheit Moderate sind und nur wenige Terroristen, während man
direkt jene Terroristen zu mindestens Zehntausenden oder womöglich Hunderttausenden in Syrien unterstützt, und keine Angst davor hat, daß sie nach Hause zurückkehren.
Frage 20: Nun, die britische Regierung entzieht womöglich ehemaligen britischen IS-Kämpfern die Staatsbürgerschaft.
Aber in Idlib wird derzeit gekämpft, russische Kampfflugzeuge sind dort aktiv. Wie weit entfernt ist die Re-Integrierung von Idlib? Wird es eine Amnestie für diejenigen geben, die versucht haben, ihre syrische Regierung zu stürzen?

Präsident Dr. al-Assad: Militärisch würde es nicht lange dauern, wenn wir mit der Befreiung von  Idlib begännen, aber was wir tun, unser Plan ist, den Zivilisten die Möglichkeit zu geben, [die Gegend] zu verlassen, und genau das passiert. Doch steht es ihnen derzeit tatsächlich nicht  frei, ins regierungskontrollierte Gebiet überzuwechseln, sie werden eher dorthin geschmuggelt, sie – wie soll ich sagen – tröpfeln sozusagen eher ein, einige Familien pro Woche, da sie [von den Terroristen] getötet werden könnten, wenn sie gehen wollten.
Journalist: Nach Süden oder nach Westen …
Präsident Dr. al-Assad: Nach Süden ins ins regierungskontrollierte Gebiet; die Richtung ist tatsächlich süd- oder ostwärts. Es ist uns sehr wichtig, jenen Bügern diese Möglichkeit zu geben, damit ihnen nichts passiert.
Journalist:  Aber es finden Luftangriffe, statt durch russische und Ihre Militärkräfte. Berichten der letzten Tage zufolge starben Zivilisten. Wie bald wird Idlib wiederintegriert sein?
Präsident Dr. al-Assad: Jene Luftangriffe richten sich gegen die terroristischen Einrichtungen, ganz einfach.
Journalist: [Den Sitz] humanitärer Organisationen?
Präsident Dr. al-Assad: Im westlichen Narrativ, in den westlichen Medien … das Narrativ während der letzten neun Kriegsjahre lautete immer dahingehend, daß alle syrischen und russischen Luftschläge sozusagen gegen Zivilisten und humanitäre Einrichtungen gerichtet sein mußten.Denen gemäß können unsere Kugeln, Raketen und bomben unglücklicherweise nur Bürger töten; sie töten keine Militanten. Das ist immer so, wie man sieht. Also „Nein“, das ist wieder Teil des westlichen Narrativs und ich denke, dieses Narrativ zu diskutieren, ist bloß Zeitverschwendung. Nochmals, das [zu tun] ist gegen unser Interesse. Unser Interesse liegt im Töten der Terroristen, um die Bürger zu beschützen, um solche Bürger, Unschuldige nicht unter der Oberhoheit der Terroristen zu überlassen bzw. sie von denen töten zu lassen.
Frage 21: Einverstanden; aber wie sieht Ihre Vereinbarung mit den SDF (Syrian Defense Forces) aus? Es gibt ja so viele verschiedene Bezeichnungen von Organisationen in Ihrem Land; viele von ihnen, die Weißhelme etwa, gelten als die good guys in den Medien der NATO-Länder. Geht da ein power sharing vor? Wer sind die SDF?
Präsident Dr. al-Assad: [Eine Vereinbarung] Mit den SDF? Nein. Es geht darum, die volle Kontrolle über das Territorium, in das die syrische Armee [SAA] zieht, zurückzugewinnen und damit die Regierungsinstitutionen zurückzubringen. Somit ist die volle Souveränität über diesee Gebiete hergestellt. Das Abkommen mit Bezug auf die SDF beinhaltet dagegen deren Rückzug 30km südwärts, um den Vorwand für die türkische Invasion in Syrien zu beseitigen. Wir befinden uns sozusagen in einem Übergangsstadium, da sie ihre Waffen behalten, doch wir haben sie aufgefordert, sich der SAA anzuschließen. Einige sagten dazu „Nein“, in den letzten paar Tagen sagten einige „Ja“ zur Beretischaft, sich der Armee anzuschließen. Wir wissen also noch nicht, was passieren wird, aber wir haben sie aufgefordert, sich der Armee anzuschließen, um zu einer normalen Situation zurückzukehren, wie sie vor dem Krieg herrschte, als es einen Rechtsstaat und eine staatliche Souveränität gab, und sonst niemanden.
Frage 22: Was die kurdischen Streitkräfte betrifft, sind sie nach diesen langen Jahren müde geworden? Sie glauben ja, sie hätten Geld von den Vereinigten Staaten und der CIA erhalten … und jetzt begrüßen Sie ihre Rückkehr?
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst einmal bestehen die SDF nicht nur aus Kurden, sie sind eine Mischung aus Kurden, Arabern und anderen. Zweitens, wenn wir über die SDF bzw. die SDF und die Kurden sprechen, so repräsentieren sie nur einen Teil der Kurden. Die Mehrheit der Kurden unterstützt die Regierung. Aber der Teil mit der Bezeichnung PYD [Partiya Yekîtiya Demokrat] wurde von den [US-]Amerikanern öffentlich unterstützt, mit Waffen, mit Geld; sie schmuggelten zusammen Öl, sie waren Handlanger der [US-]Amerikaner, um offen zu sein, die meisten von ihnen, ich würde nicht sagen, alle von ihnen, ich kenne nicht alle davon. Ihre Politik die letzten Jahre über bestand jedoch darin, die [US-]Amerikaner zum Bleiben zu veranlassen, weshalb sie verärgert waren, als [US-]Amerika gehen wollte, und kürzlich sagten, sie wollten sich der SAA nicht anschließen.
Journalist: Sagen Sie jetzt nicht exakt Dasselbe, was mir Herr Erdogan über die SDF erzählen würde?
Präsident Dr. al-Assad: Über die?? Tatsächlich verfolgt Erdogan seine eigene zweiteilige Agenda, zum einen als [Teil der] Muslimbruderschaft und zum anderen als [US-]amerikanische Marionette. Es sind also zwei Teile, die jedoch synchron laufen. Gleichzeitig lieferten ihm die Gruppen, aus denen sich die PYD zusammensetzt, die Entschuldigung und den Grund, um in Syrien einzufallen, was die Invasion nicht legal macht. Sie ist rechtwidrig in jedem Sinn des Wortes. Aber sie lieferten ihm den Vorwand, da er seit Jahren verkündete, in Nordsyrien einfallen und die Region von Terroristen räumen zu wollen, mit denen er die PYD meinte. Sie gaben ihm ständig diese Ausrede, und genau das ist passiert. Deshalb sind sie schuld, aber Erdogan ist ein Invasor.
Journalist: Gut; aber sehen Sie nicht, daß die NATO oder einige Leute der NATO-Mächte denken könnten, das Einzige, was sie nicht wollten, wäre der Frieden zwischen Ankara und Damaskus? Tragen Sie nicht zur Umsetzung des Spruchs „Teile und herrsche[divide et impera! Praktiziert schon im antiken Rom!]‘ bei, der in westlichen Hauptstädten entworfen wurde. – Gibt es keine Chance für ein Treffen mit Herrn Erdogan?
Präsident Dr. al-Assad: Bei ihm steht ein Treffen mit ihm nicht zur Debatte. Ich glaube nicht, daß jemand, der Ihr Land besetzt, ihr bevorzugter Ansprechpartner wäre. Wir hatten ein paar wenige Treffen….
Journalist: Sie verhandeln mit Ihren Feinden, nicht mit Ihren Freunden.
Präsident Dr. al-Assad: Ja, aber nicht mit Erdogan, nicht ich mit ihm. Nein. Auf Sicherheitsebene vermittels der Russen. Es war ein dreiseitiges Treffen, zwei- oder dreimal. Es führte zu nichts. Demnach sind wir nicht gegen das Prinzip, mit Feinden zu verhandeln, insbesondere da wir die Türken nicht als Feinde betrachten. Die türkische Bevölkerung ist unser Nachbar, wir teilen eine gemeinsame Geschichte, wir können sie nicht zum Feind erklären. Der Feind ist Erdogan, seine Politik und seine Clique.  Demnach bedeutet eine Ablehnung dieser Gruppen in der Türkei und in Syrien nicht, daß wir uns in anderen Fragen auf Augenhöhe sehen, insbesondere nachdem er [d.i. Erdogan] in Syrien ganz öffentlich und formal eingefallen ist.
Frage 23: Gewisse [eigentlich: Brüche-] Länder haben immer ihre eigene politische Entscheidung … in Bezug auf die Palästinenser … und die historische Unterstützung für Befreiungsbewegungen in der südlichen Hemisphäre. Sie begannen, sich den neoliberalen Ökonomien zuzuwenden, Bei meinem letzten Besuch gingen all die Gespräche in Damaskus, zwischen Ihren Ministern in Damaskus, um Privatisierung. Sie sprachen über Eliten in der syrischen Gesellschaft, über diejenigen, die an der Harvard Business School im Westen studierten. War das nicht der Beginn des Konflikts in Syrien, als Sie mit der Umsetzung der neoliberalen Privatisierungspläne begannen, die das Gefüge dieser Gesellschaft zerstörten?
Präsident Dr. al-Assad: Es gab wirklich eine Diskussion über Privatisierung, und wir als Regierung und als Staat im Allgemeinen lehnten sie ab; sogar Gewerkschaften in Syrien lehnten sie ab. Die Mehrheit lehnte neoliberale Politik ab, weil wir wissen, daß sie die Armen vernichtet wird. Das war vor …
Journalist: Jeder sprach hier darüber im Jahr 2009.
Präsident Dr. al-Assad: Nein. Wir haben Schritte unternommen, um die Wirtschaft zu liberalisieren, aber wir haben immer noch einen öffentlichen Sektor, der bis jetzt die Wirtschaft und die Dienstleistungen in Syrien aufrechterhalten hat, die zum staatlichen Sektor gehören. Ohne den staatlichen Sektor hätten wir diesen Krieg nicht überstanden. Die Rolle des staatlichen Sektors ist wichtig, weil wir eine sozialistische Regierung sind …
Journalist: Nominell!
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir haben wirklich noch einen staatlichen Sektor, wir unterstützen noch die Armen, wir geben Brot aus, Jraftstoff, Fördermittel für Schulen, alles nahezu kostenlos in Syrien. Bildung ist kostenlos in Syrien. Wir haben diese Politik nicht geändert, aber wir haben die Türen für den Privatsektor weiter geöffnet. Es kann daher nicht von einer Liberalisierung der Wirtschaft gesprochen werden.
Frage 24: War es ein Zufall, daß der Konflikt unmittelbar nach Ihrer Öffnung der Märkte begann?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, war es nicht.
Journalist: Vielleicht Korruption, mehr Korruption?
Präsident Dr. al-Assad:  Nein, es gab [dahingehend] sozusagen Erklärungen [besser: Erklärungsversuche] zur Konfliktursache; [doch] es hatte überhaupt  nichts damit zu tun. Da gab es überhaupt nichts. Es hieß, es sei wegen der vierjährigen Dürre gewesen und die Menschen seien ärmer geworden; nein, nein [das war es nicht].
Journalist: Klimawandel?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, das ist nicht der Grund. Das stimmt nicht. Das sind rein theoretische Erklärung[sversuche]. Tatsächlich begann das Problem, als das Geld aus Qaṭar nach Syrien floß und wir die Arbeiter kontaktierten, um sie zu fragen, warum sie nicht in Ihren Werkstätten seien, und sie sagten, in einer Stunde könnten sie das begommen, was[sonst] in einer Woche mit Arbeit belämen. Es war ganz einfach:  Sie bezahlten ihnen zu Beginn 50 US-$ und später 100 US-$ pro Woche, was ausreichte, um ohne Arbeit zu leben, so daß sie leichter an den Demonstrationen teilnehmen konnten. Danach war es noch einfacher für sie, diese [bezahlten Leute] an Waffen und zum Schießen zu bringen. Davor hatten wir sehr bedeutende  …
Journalist: Die qaarische Regierung leugnet das sicher
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, absolut!
Frage 25: Ich meine, etwas derart Bizarres wurde zu jener Zeit jedem präsentiert, der sich mit der Komplexität des arabischen Frühlings der arabischen Welt auskannte, beginnend mit der Selbst-Verbrennen von al-Bû ʽAzîzî (Bouaziz)  in Tunesien. Hat das etwas mit diesem Konflikt zu tun, dem arabischen Frühling oder  …?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich gibt es in dieser Region eine Überschneidung, weil die Kultur dieselbe ist, der Hintergrund , gleiche Bedingungen in gewissem Maße, nicht ganz.
Einige Demonstrationen waren anfangs friedlich, um offen zu sein; nicht jede Demonstration wurde von den Militanten infiltriert. Nein, das stimmt nicht , in einigen Bereichen doch. Einige Leute haben teilgenommen, weil sie ihre Situation verbessern wollten. Einige hatten ihre eigenen Ideen zur Verbesserung des politischen Systems, mehr Freiheit, verschiedene Parolen riefen oder nutzten sie in jenen Demonstrationen. Ja, es war hauptsächlich auf die Auswirkungen der Ereignisse in anderen Ländern wie ein neuer Trend zurückzuführen. Aber das war nicht der Grund für ihre Fortsetzung.
Deswegen hörten dieselben Leute, von denen ich sprach, auf, an den Demonstrationen teilzunehmen, als die Schießereien begannen und die Extremisten begannen, sie zu infiltrieren, insbesondere die Muslimbruderschaft, welche die Demonstrationen mit Allâhu Akbar-Rufen  anzuführen und religiöse Parolen zu verwenden begannen, um den Demonstrationen einen religiösen und manchmal sektiererischen Mantel umzuhängen und ihne den Demonstrationen aufzuzwingen.
Frage 26: Könnte im Libanon [derzeit] etwas Ähnliches passieren?
Präsident Dr. al-Assad:  Der Libanon ist ein konfessioneller Staat, wir alle wissen das; er hat schließich eine konfessionelle [d.h. auf die Konfessionen aubstimmte] Verfassung. [In Syrien haben wir keine solche Verfassung], also hat es nicht funktioniert.
Journalist: Aber ich meinte äußere Einflüsse.
Präsident Dr. al-Assad:  Natürlich wird niemand eine der spontane Demonstration verlassen, nur um spontan zu sein; aber wohin würde es führen? Das hängt vom Bewußtsein der Menschen ab.
Frage 27: Ich werde Sie nun nach dem Wiederaufbau fragen. Einige Leute sagen, Sie würden sich zu sehr an China und den Iran binden. Die Wiederaufbaukosten werden auf 230 Milliarden US-$ geschätzt. Ich weiß nicht, wie man diese Zahl berechnet. Erwarten Sie einen massiven Wiederaufbau? Ereignet sich das schon?
Präsident Dr. al-Assad: Nicht sehr bald, da es ein Embargo gegen Syrien gibt, und die Amerikaner haben in den letzten zwei Jahren alles getan, um zu verhindern, daß irgend ein Individuum, geschweige denn Unternehmen, die in Syrien investieren wollen, dazu kommen. Sie sagten, daß Sie dann sofort [selbst] unter Embargo stünden. Doch das ist nicht das größte Problem. Was die Humanressourcen betrifft, so haben wir genug davon, um unser Land aufzubauen, sodaß wir keine Humanressourcen benötigen. Wir können unser Land schrittweise aufbauen. Ich mache mir also keine Sorgen um dieses Embargo, aber sicherlich werden freundlich gesinnte Länder wie China, Rußland und der Iran beim Wiederaufbau Vorrang haben.
Journalist: Nicht EU-Länder?!
Präsident Dr. al-Assad: Kein Land, das sich gegen Syrien gestellt hat, wird die Möglichkeit haben, am Wiederaufbau teilzunehmen.
Journalist:  Kein Handelsabkommen mit Großbritannien?
Präsident Dr. al-Assad: Sicherlich nicht.
Frage 28: Diese Frage wurde bereits gestellt: Glauben Sie, daß die Rückkehr von Terroristen, wie Sie sie nennen, di Massen-Immigration, die nach dem Libyen- und dem Syrien-Krieg stattfand, wirklich den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union aufgrund der Einwanderung nach Europa beeinflußt haben?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich wurde die äußerste Rechte [in GB] davon in ihrem eigenen Interesse beeinflußt. Ich spreche natürlich von ganz rechts. Am wichtigsten ist nicht der politische Aspekt des Themas, sondern der Wandel, der in der Gesellschaft stattfindet, inwieweit Europa bereit oder in der Lage ist, diese Migranten in seine Gesellschaft zu integrieren, und selbst vor der massiven Massenmigration der letzten zehn Jahre nach Europa hatten sie Probleme, Migranten in ihre Gesellschaft zu integrieren. Jetzt gibt es dieses Problem und es gibt den Terrorismus, der Frankreich, Großbritannien und andere Länder getroffen hat. Diese Länder sind betroffen, weil einige dieser Immigranten Extremisten, Terroristen und Menschen sind, die sich nicht integrieren wollen. Sie wollen nämlich nur aus verschiedenen Gründen einschließlich Sicherheit und Wirtschaft diese Region verlassen.
Journalist: Wird es keine Sicherheitskooperation geben, um diesen Ländern zu helfen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, keine, und wir sind nicht bereit dazu. Wir haben ganz klar gesagt, daß wir keinem Land im Sicherheitsbereich helfen werden, während sie in jeglichem Aspekt, wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und politisch Aspekten gegen Syrien vorgehen.
Journalist: Der Chef des britischen Foreign Intelligence Service, Alex Young, sagte in seiner Rede beim Amtsantritt, daß Sie und Putin „eine Wüste gemacht und sie Frieden genannt haben. Die menschliche Tragödie ist herzzerreißend.“
Präsident Dr. al-Assad: Kein britischer Amtsträger ist in der Lage, über den humanitären Aspekt irgendwo auf der Welt zu sprechen. Sie waren Teil der Invasion im Irak, haben bei der Ermordung von mehr als 1,5 Millionen Irakern mitgewirkt; sie haben bei der Bombdierung von Syrien und beim Embargo mitgemacht und hundettausende Syrer getötet – am Ende sind sie nur [US-]amerikanische
Marionetten. Sie sind nicht unabhängig, um offen zu sein.
Sie sind daher nicht in der Position, über humanitäre Fragen irgendwo auf der Welt zu sprechen. Ganz zu schweigen von ihrer Geschichte in Indien in der Vergangenheit, während ihrer Kolonialzeit. Ich spreche über ihre aktuelle Position in der modernen Geschichte. Sie sind nicht in der Position, darüber zu sprechen.
Frage 29: Nun, zum Schluß: Was ist mit den Wahlen hier? Werden 2021 in Syrien Parlamentswahlen abgehalten?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv.
Journalist: Wird es mehr als einen Kandidaten auf dem Stimmzettel geben?
Präsident Dr. al-Assad: Das letzte Mal waren es drei und dieses Mal werden es natürlich so viele sein, wie sich aufstellen lassen wollen.Es wird daher zahlreiche Kandidaten geben.
Journalist: Vielen Dank, Herr Präsident.
Präsident Dr. al-Assad:
Der Dank gilt Ihnen.

 

Die im Interview angeschnittenen Sachverhalte können durch Einträge im Syrien-Thread nachverfolgt werden.

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Prasident Dr. al-Assad im Interview mit as-Sûriyya TV und al-Iḫbâriyya TV vom 31.10.2019

(https://www.sana.sy/?p=1045789, https://sana.sy/en/?p=177331)

 

Prasident Dr. al-Assad im Interview mit as-Sûriyya TV und al-Iḫbariyya TV vom 31.10.2019, Photo: SANA

Die Übersetzung erfolgt je nach freiwerdender Kapazität möglichst textnah auch unter Heranziehung der arabischen Version!
Die im Interview angeschnittenen politischen Sachverhalte können durch Einträge im Syrien-Thread sämtlich nachverfolgt werden.

Journalist: Guten Tag und herzlich willkommen zu diesem speziellen Interview mit dem Präsidenten der Arabischen Republik Syrien, Seiner Exzellenz Dr. Bašar al-Assad. Vielen Dank, daß Sie uns empfangen, Herr Präsident. Ihr letztes Interview mit syrischen Medien ist einige Jahre her und deshalb haben wir viele Fragen. Wir werden mit politischen Fragen beginnen und uns dann internen Fragen zuwenden.
Präsident Dr. al-Assad: Gern geschehen, lassen Sie uns wie immer ganz offen sprechen.
(Zweiter) Journalist: Herr Präsident, vielen Dank, daß Sie uns empfangen.Da momentan die politischen Fragen drängen, werden wir mit Politik beginnen, Herr Präsident. Die USA gaben vor ein paar Tagen bekannt, daß der Führer der Terrororganisation IS, Abû Bakr al-Baġdâdî, getötet wurde. Sie dankten Rußland, Syrien, dem Irak, den Türken und den Kurden für ihre Hilfe bei der Tötung von Abû Bakr al-Baġdâdî. Trump dankte Syrien, aber wir hörten keinen Kommentar aus Damaskus dazu.
Wie sehen Sie Trumps Dank an Syrien? Hat Syrien wirklich an dieser Operation teilgenommen?
Präsident Dr. al-Assad:Absolut nicht. Wir haben darüber nur aus den Medien gehört. Vielleicht liegt der Grund für die Einbeziehung einer Reihe von Ländern als Teilnehmer an dieser Operation darin, [der Mitteilung] Glaubwürdigkeit zu verleihen, [und darin,] damit sich diese Länder nicht beschämt fühlen, sondern den Wunsch hegen, Teil einer „großen“ Operation [gewesen] zu sein, wie die Amerikaner es darzustellen versucht haben. Und auf diese Art wird ihnen die Bekämpfung des Terrorismus geglaubt. Wir brauchen so etwas nicht; [denn] wir sind diejenigen, die den Terrorismus bekämpfen. Wir haben keine Beziehungen und hatten keinen Kontakt zu [US-]amerikanischen Institutionen. Bedeutsamer ist, daß wir nicht wirklich wissen, ob die Operation tatsächlich stattgefunden hat oder nicht. Es wurden keine Fluggeräte auf den Radarbildschirmen angezeigt. Warum wurden die Überreste von al-Baġdâdî nicht gezeigt? Das ist das gleiche Szenarium wie das bei bin Lâdin (bin Laden) befolgte. Wenn da unterschiedliche Vorwände vorgebracht werden, um die Überreste nicht zu zeigen, erinnern wir uns doch daran, wie Präsident Ṣaddâm Ḥussain gefangen genommen wurde und wie die gesamte Operation von A bis Z gezeigt wurde. Sie zeigten Bilder und Videoclips, nachdem sie ihn gefangen hatten. Dasselbe geschah, als sie einige Monate später seine Söhne töteten; sie zeigten die Leichen. Warum also haben sie alles über die bin Lâdin-Operation und jetzt auch die Baġdâdî-Operation verhehlt? Dies ist Teil der Streiche, die von den [US-]Amerikanern gespielt werden. Deshalb sollten wir nicht alles glauben, was sie sagen, es sei denn, sie bringen Beweise vor. [US-]Amerikanische Politiker sind tatsächlich schuldig, bis ihre Unschuld bewiesen ist, nicht umgekehrt.
Journalist: Herr Präsident, falls Baġdâdî tatsächlich getötet worden, bedeutet dies dann das Ende seiner Organisation, oder wird es wie üblich neue Führer und Organisationen geben, die auf den Moment vorbereitet sind, in dem die Karten ihrer Vorgänger in Rauch aufgegangen sind?
Präsident Dr. al-Assad: Erstens repräsentiert Baġdâdî den IS, und der S repräsentiert eine Art Doktrin, die die extremistische Wahhâbî-Doktrin ist. Diese Art des Denkens ist mehr als zwei Jahrhunderte alt. Solange diese Denkweise lebt und nicht schwindet, bedeutet dies, daß der Tod von Baġdâdî oder sogar das Zugrundegehen des IS insgesamt keinen Einfluß auf diese extremistische Denkweise haben wird.
In Bezug auf Baġdâdî als Individuum ist es wohlbekannt, daß er in [US-]amerikanischen Gefängnissen im Irak war und sie ihn rausließen, um diese Rolle zu spielen. Er ist also jemand, der jederzeit ersetzt werden könnte. Wurde er wirklich getötet? Wurde er getötet, aber auf andere, ganz gewöhnliche Weise? Wurde er gekidneppt? Wurde er versteckt? Oder wurde er entfernt und einem Facelift unterzogen? Nur Gott allein weiß das. [US-]amerikanische Politik unterscheidet sich nicht von Hollywood; sie beruht auf der Imagination. Sie können also die [US]amerikanische Politik nehmen und sie in Hollywood sehen, oder Sie können Hollywood heranziehen und es in der [US-]amerikanischen Politik sehen. Ich glaube, das Ganze in Bezug auf diese Operation ist ein Trick. Baġdâdî wird unter einem anderen Namen, einer anderen Person neu kreiert, oder der IS in seiner Gesamtheit wird nach Bedarf unter einer anderen Bezeichnung, jedoch mit demselben Gedankengut und demselben Zweck reproduziert. Der Regisseur des ganzen Szenarios ist derselbe, die [US-]Amerikaner.
Journalist: Es sind Fragen zum russisch-türkischen Abkommen aufgekommen, insbesondere zu dem Punkt, der die Aufrechterhaltung des status quo in der von der türkischen Aggression betroffenen Region Tal Abyaḍ und Ra´s al-ʽAin mit einer Tiefe von 32km betrífft. Einige Leute verstanden darunter, daß es die türkische Besatzung legitimiere, insbesondere daß das Abkommen keine syrische Rolle in diesen Bereichen beinhaltete, die im Abkommen diskutiert wurden. Wie ist Ihre Antwort darauf?
Präsident Dr. al-Assad: Erstens sind die russischen Grundsätze während des gesamten Krieges und sogar noch vor Beginn der Unterstützung der syrischen Armee durch die russische Basis im Jahr 2015 klar gewesen. Diese Prinzipien basieren auf dem Völkerrecht, syrischer Souveränität und territorialer Integrität. Dies hat sich weder vorher noch nachher noch unter sich ändernden Umständen geändert. Allerdings hat die russische Politik mit den Realitäten vor Ort zu tun. Diese Realitäten vor Ort haben zu zwei Dingen geführt, den Rückzug bewaffneter Gruppen von Norden nach Süden in Abstimmung mit der syrischen Armee und damit den Vormarsch der syrischen Armee nach Norden in das von den Türken nicht besetzte Gebiet. Diese beiden Elemente sind positiv, heben jedoch die negativen Aspekte der türkischen Präsenz erst dann auf, wenn sie auf die eine oder andere Weise hinausgedrängt werden.
Diese Vereinbarung gilt vorübergehend, nicht dauerhaft. Nehmen wir zum Beispiel die De-Eskalationsgebiete zu einem bestimmten Zeitpunkt, da glaubten einige Menschen [auch], sie seien dauerhaft und würden Terroristen das Recht einräumen, auf unbestimmte Zeit in ihren Gebieten zu bleiben. Tatsache aber war, daß dies eine Gelegenheit war, die Zivilbevölkerung zu schützen und auch, mit den Terroristen zu sprechen mit dem Ziel, sie später zu vertreiben. Wir müssen also zwischen ultimativen oder strategischen Zielen einerseits und taktischen Ansätzen andererseits unterscheiden.
Kurzerhand ist es eine gute Abmachung – und lassen Sie mich erklären, warum; der türkische Einfall spiegelt nicht nur die territoriale Gier der Türkei wider, sondern drückt auch einen [US-]amerikanischen Wunsch aus. Das russische Verhältnis zur Türkei ist positiv, weil es vereinbar mit den türkischen Bestrebungen ist. Auf der anderen Seite manövriert es das [US-]amerikanische Vorhaben im Norden aus. Lassen Sie mich das erklären:
Der kürzlich gemachte, umgehend von der NATO unterstützte deutsche Vorschlag [BRD-Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer] – die Deutschen würden ihn nicht gemacht haben, wenn nicht im Namen der [US-]Amerikaner, die NATO ist dasselbe wie [US-]Amerika. In dem Vorschlag ging es um die Wiederherstellung der Sicherheit in dieser Region unter internationaler Schirmherrschaft. Dies bedeutet, das Gebiet läge außerhalb der Kontrolle des syrischen Staates und eine Abtrennung würde vor Ort verwirklicht. Durch dieses Abkommen regierten die Russen den Türken hinein, manövrierten die [US-]Amerikaner aus und ließen den von den Deutschen vorgeschlagenen Aufruf zur Internationalisierung scheitern. Deshalb ist dieses Abkommen ein positiver Schritt. Es erreicht nicht alles, in dem Sinne, daß es die Türken nicht zwingen wird, sofort zu gehen. Es begrenzt jedoch den Schaden und ebnet den Weg für die Befreiung dieser Region in der Zukunft oder der unmittelbaren Zukunft, wie wir hoffen.
Zwischenbemerkung [eines der Journalisten]: So Gott will!
Journalist:Sie beschrieben ja das Abkommen als vorübergehend, doch die Türkei hält sich, wie wir sie kennen, nicht an Vereinbarungen. Infolgedessen stellt sich die Frage, ob die Türkei weiterhin die Gebiete besetzt hält, die sie aufgrund ihrer jüngsten Aggression kontrolliert. Sie haben wiederholt gesagt, daß der syrische Staat alle erdenklichen Mittel einsetzen wird, um sich zu verteidigen. Aber berhindert das russisch-türkische Abkommen praktisch nicht die Möglichkeit, solche Mittel einzusetzen?
Präsident Dr. al-Assad: Nehmen wir ein anderes Beispiel, Idlib: Aufgrund des Astana-Prozesses besteht ein Abkommen, demnach sich die Türkei zurückziehen wird. Die Türken haben dieses Abkommen nicht eingehalten, aber wir sidn dabei, Idlib zu befreien. Es gab eine Verzögerung von einem Jahr; der politische Prozeß, der politische Dialog und verschiedene Versuche boten eine Gelegenheit, die Terroristen zu vertreiben. Alle Möglichkeiten waren ausgeschöpft. Am Ende haben wir Gebiete schrittweise durch militärische Operationen befreit. Dasselbe wird auch in der nördlichen Region so sein, nachdem alle politischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
Wir müssen uns daran erinnern, daß Erdogan von Beginn des Krieges an darauf abzielte, ein Problem zwischen dem syrischen Volk und dem türkischen Volk zu schaffen, um es zu einem Feind zu machen, was mittels eines militärischen Zusammenstoß verwirklicht wird. Zu Beginn des Krieges unterstützte die türkische Armee die syrische Armee und arbeitete mit uns im größtmöglichen Umfang zusammen, bis zu Erdogans Coup gegen die Armee. Deshalb müssen wir in dieser Richtung weitermachen und sicherstellen, daß die Türkei kein Feindstaat wird. Erdogan und seine Gruppe sind Feinde, weil er diese Politik führt, aber bis jetzt sind die meisten politischen Kräfte in der Türkei gegen Erdogans Politik. Wir müssen also sicherstellen, daß die Türkei nicht zum Feind wird, und hier kommt die Rolle der Freunde – die Rolle der Russen und die der Iraner [ins Spiel].
Journalist: Diesen Gedanken aufgreifend, Herr Präsident, die von den Türken und insbesondere von Erdogan in letzter Zeit ergriffenen Maßnahmen wie die Türkisierung, der Aufbau von Lehrinstituten, die den Gebrauch bestimmter Sprachen vorschreiben. .. dies sind Maßnahmen, die nicht von jemandem ergriffen werden, der daran denkt zu gehen – nur im Fortspinnen Ihres Gedankens, da Sie sagten, früher oder später würden sie gehen. Was ist mit diesen Aktionen?

Präsident Dr. al-Assad: Wenn er daran gedacht hätte zu gehen, hätte er Idlib verlassen. Sie könnten einwenden, in Idlib stehe keine türkische Armee – im technischen Sinne. Aber wir befeinden uns in ein und derselben Arena, die ganze syrische Arena ist eine [Einheit] – ein einziges Operationsfeld. Vom äußersten Punkt im Süden bis zum äußersten Punkt im Norden ist die Türkei der [US-]amerikanische Stellvertreter (proxy) in diesem Krieg, und überall, wo wir gekämpft haben, haben wir gegen diesen Stellvertreter gekämpft. Wenn er also nicht geht, nachdem wir alle möglichen Mittel ausgeschöpft haben, wird es keine andere Wahl geben als Krieg, das ist selbstverständlich. Ich sage, daßwir in naher Zukunft dem politischen Prozeß in seinen verschiedenen Formen Raum geben müssen. Wenn er keine Ergebnisse zeitigt, ist dies ein Feind und Sie ziehen gegen ihn in den Krieg; es gibt keine andere Wahl.
Journalist: Nichtsdestotrotz sagten einige Leute, der [US-]amerikanische Rückzug aus Nordsyrien, nach dem die türkische Aggression und dann das russisch-türkische Abkommen folgten … all das kam im Rahmen eines amerikanisch-russisch-türkischen Abkommens zustande. Was sagen Sie dazu?
Präsident Dr. al-Assad: Dies sollte zeigen, daß Rußland den türkischen Einfall akzeptierte oder daß Rußland ein Auge zudrücken wollte. Tat sächlich ist es nicht wahr. Über ein Jahr lang waren die Russen in Sorge wegen eines solchen Vorhabens. Wir alle wußten, daß das türkische Vorhaben ernst gemeint war, aber es wurde durch [US-]amerikanische Befehle oder Wünsche unterbunden. Einige Leute mögen die Russen für dieses Ergebnis kritisieren, aufgrund ihrer Position bei den Vereinten Nationen. Wie ich erst kürz zuvor gesagt habe, beschäftigen sich die Russen mit den Realitäten vor Ort , demnach versuchen sie sicherzustellen, daß alle politischen Bedingungen gegeben sind, um den Weg für ihren Abzug aus Syrien zu ebnen und den Schaden durch die Türken zu begrenzen bzw. in die türkische Neuauflage reinzugrätschen, die darauf abzielt, mehr Schaden anzurichten und mehr Land zu besetzen. Aber die Russen waren sicherlich nicht Teil dieses Abkommens – russische Abkommen sind immer öffentlich. Das russisch-türkische Abkommen wurde in allen Punkten sofort verkündet. Auch das Abkommen zwischen uns und den Kurden unter russischer Vermittlung und mit ihrer Unterstützung wurde von Anfang an öffentlich gemacht. Es gibt also keine versteckte Agenda in der russischen Politik, was uns Sicherheit gibt.
Journalist: Die [Inhalte der][US-]amerikanisch-türkischen Besprechungen werden jedoch nicht verkündet. Sie sagten wiederholt, daß Erdogans Ziel bzw. die Schaffung der Pufferzone vom ersten Tag des Krieges gegen Syrien an Erdogans Hauptziel war. Präsident Obama lehnte es ab, diese Pufferzone zu akzeptieren, während wir heute gewisse [dahingehende] Aktionen vor Ort sehen. Bedeutet das, Obama war besser als Trump?
Präsident Dr. al-Assad: Wir sollten auf keinen [US-[amerikanischen Präsidenten setzen.
Erstens, wenn Erdogan sagt, er habe eine Invasion zu unternehmen beschlossen, oder er habe sie haben den [US-]Amerikanern erzählt, er versuche, die Türkei zur Supermacht zu machen oder vorzutäuschen, er treffe seine eigenen Entscheidungen … ist das alles Theater zwischen ihm und den [US-]Amerikanern. Am Anfang durfte sich niemand einmischen, denn die [US-]Amerikaner und der Westen glaubten, die Demonstrationen würden sich ausbreiten und den Ausgang entscheiden.
Die Demonstrationen breiteten sich nicht derart aus, wie sie wollten, daher wechselten sie zum Einsatz von Waffen über. Als Waffen nicht den Ausgang entschieden, gingen sie [zum Einsatz der] terroristischen Extremistenorganisationen mit deren verrückter Ideologie über, um den Ausgang militärisch zu entscheiden. Sie waren aber nicht in der Lage dazu.
Hier kam im Sommer 2014 der IS ins Spiel, um die Bemühungen der syrisch-arabischen Armee [SAA] zu zerstreuen, zwas funktionierte bis zur russischen Intervention. Als all dieses Setzen [auf andere] auf dem [Spiel]eld fehlschlug, mußte die Türkei eingreifen und das Blatt wenden. Das ist ihre Rolle.
Was Trump angeht, stellen Sie mir da eine Frage, auf welche die Antwort Sie vielleicht befremden mag: Ich sage, er ist der beste Präsident, nicht weil er gute Politik macht, sondern weil er der transparensteste Präsident ist. Alle [US-]amerikanischen Präsidenten verüben alle Arten politischer Gräueltaten und Verbrechen und gewinnen dennoch den Nobelpreis und stellen sich selbst als Verfechter der Menschenrechte, der edlen und einzigartigen [US-]amerikanischen oder der westlichen Werte im Allgemeinen dar. Die Realität ist, daß sie eine Gruppe Krimineller sind, die die Interessen [US-]amerikanischer Interessengruppen (lobbies) vertreten, d. h. die der großen Öl- und Rüstungsunternehmen und anderer. Trump spricht transparent und sagt, was wir wollen, ist Öl. Dies ist die Realität der [US-]amerikanischen Politik, zumindest seit dem Zweiten Weltkrieg.
[Zu sagen:] Wir wollen die und jene Person loswerden oder wir wollen einen Dienst gegen Bezahlung anbieten. .. dies ist die Realität der [US-]amerikanischen Politik. Was benötigen wir mehr als einen transparenten Gegner? Deshalb besteht der Unterschied nur in der Form, während die Realität dieselbe ist.
Journalist: Der Führer der aufgelösten Syrischen Demokratischen Kräfte [sog. SDF], Maẓlûm ʽAbdî  (Mazloum Abdi, s. Syrien) teilte in Erklärungen gegenüber den Medien mit, daß Trump ihnen vor dem Abzug versprochen habe, er werde sich mit den Russen in Verbindung setzen, um eine Lösung zur kurdischen Frage zu finden, indem er eine Abmachung mit den Russen und dem syrischen Staat einginge, um den Kurden eine Gelegenheit zur Selbstverteidigung zu geben. Gab es tatsächlich solch eine Abmachung, und wie sieht das Schicksal der Nichtgrenzlandregionen im syrischen al-Ğazîra-Gebiet aus, den Regionen, die zuvor unter Kontrolle der bewaffneten Milizen, genannt SDF, standen? Sind diese Gebiete dem syrischen Staat überantwortet worden, und wenn, auf welche Weise? Gilt das nur im militärischen Sinn? Oder hat schließlich die Rückkehr der syrischen Institutionen in diesen Gebieten stattgefunden?
Präsident Dr. al-Assad: Meinen Sie eine [US-]amerikanisch-kurdische Vereinbarung?
Journalist: Die [US-]Amerikaner versprachen den Kurden eine Lösung für deren Angelegenheit durch Beeinflussung der Russen dahingehend zu finden, daß ein Einverständnis mit dem syrischen Staat erreicht wird, welches ihnen die Möglichkeit zur Selbstverteidigung einräumt.
Präsident Dr. al-Assad: Unabhängig davon, ob ein Kontakt hergestellt worden ist oder nicht, hat das, wie ich zuvor schon gesagt habe, was die [US-]Amerikaner jemals sagen, keine Glaubwürdigkeit; [einerlei] ob sie das zu einem Feind oder Freund sagen, das Ergebnis ist dasselbe – man kann sich nicht darauf verlassen. Deshalb vergeuden wir unsere Zeit nicht mit solchen Dingen.
Die einzige russische Abmachung mit den Kurden war, worüber wir in Bezug auf eine russische Rolle bei der Ermöglichung einer Vereinbarung mit kurdischen Gruppen sprachen – wir sollten [nämlich] nicht von „den Kurden“ sprechen, weil das ungenau ist und wir nicht über ein Segment reden können – Gruppen also, die sich SDF nennen, [zwecks] Stationierung der syrischen Armee.
Freilich kann die syrische Armee nicht der Sicherheit oder militärische Aktionen wegen stationiert werden. Die Stationierung der syrischen Armee ist Ausdruck der Präsenz des syrischen Staates, was die Anwesenheit aller Dienstleistungen bedeutet, die durch den Staat [dem Bürger] zur Verfügung gestellt werden sollten. Das Abkommen wurde geschlossen und wir erreichten die meisten Regionen, allerdings nicht vollständig. Da gibt es noch Hindernisse. Wir greifen ein, weil wir direkte und alte Beziehungen – vor der türkischen Invasion – mit diesen Gruppen unterhalten haben. Manchmal antworten sie, dann wieder nicht. Doch wird die syrische arabische Armee diese Gebiete gleichzeitig mit allen öffentlichen Diensten erreichen, was die Rückkehr der vollen staatlichen Autorität bedeutet. Ich möchte wiederholen, daß dies sukzessive stattfinden sollte.
Zum Zweiten wird die Lage nicht sein wie zuvor. Es gibt da Fakten vor Ort, denen Beachtung geschenkt werden muß, und das braucht Zeit. Da sind neue Gegebenheiten verbunden mit den Leuten vor Ort, die sich ergaben, als der Staat nicht präsent war. Es gibt da bewaffnete Gruppen und wir erwarten nicht, daß sie ihre Waffen sofort aushändigen. Unsere Politik sollte schrittweise und vernünftig sein, und die Gegebenheiten in Betracht ziehen. Aber letztendlich ist die Absicht, zur Ausgangslage zurückzukehren, wie sie vorher war, d.h. unter voller staatlicher Kontrolle.
Journalist: Nach all dem Geschehenen sind sie doch gegen den syrischen Staat, syrische Bürger, die syrische arabische Armee vorgegangen. Im Laufe der Kriegsjahre spielten sie eine üble Rolle und waren [US-]amerikanische Handlanger (proxies); können wir als Syrer nach all dem mit den Kurden noch zu leben?
Präsident Dr. al-Assad: Um genau zu sein, wird diese Frage wiederholt und manchmal im privaten Zusammensein aufgeworfen. Und ich weiß, daß es Teil Ihrer Rolle ist, zu wiederholen, was sie gehört haben, auch wenn es nicht Ihrer persönlich en Überzeugung entspricht. Was während dieses Krieges geschah, ist eine Verzerrung von Vorstellungen; zu sagen, daß diese Gruppe einen bestimmte Charakteristik, negativ oder positiv, hat, ist weder objektiv noch vernünftig. Das ist auch unpatriotisch. Unter den Kurden gab es Leute, die [US-]amerikanische Erfüllungsgehilfen oder Handlanger waren. Das ist wahr. Doch unter den Arabern gab es ähnliche Fälle in der al-Ğazîra-Region und anderen Gegenden in Syrien. Das trifft auf die meisten Segmente der syrischen Gesellschaft zu.
Der Fehler, der gemacht wurde, bestand darin, daß dieses Verhalten von einer Gruppe von Kurden gezeigt wurde, die sich selbst zu Repräsentanten nicht nur der Kurden, sondern der Araber und anderer Segmente der Gesellschaft im al-Ğazîra-Gebiet machten. Die [US-]Amerikaner halfen durch ihre Unterstützung mit Waffen und Geld – freilich stammt das Geld nicht aus den USA, es kommt aus einigen Golfstaaten – die Autorität dieser Gruppen über alle Segmente der Gesellschaft zu etablieren, was uns glauben machte, daß all jene in der Region Kurden waren. Daher befassen wir uns an und für sich mit den unterscheidlichen kurdischen Parteien.
Im Bezug auf die Kurden selbst hatten die meisten von ihnen gute Beziehungen zum syrischen Staat, sie waren immer in Kontakt mit uns und zeigten aufrichtige patriotische Einstellungen. In manchen Gegenden, in die wir einmarscheirten, war die Reaktion der Kurden nicht weiger positiv, nicht weniger erfreut und glücklich als die Reaktion anderer Leute dort.
Demnach ist diese Einschätzung nicht richtig und ja, wir können ganz einfach wieder miteinander leben. Wäre die Antwort nein, bedeutete dies, daß Syrien niemals wieder stabil sein würde.
Journalist: Was aber ist das Problem mit den Kurden, noch vor dem Krieg? Wo liegt das Problem mit ihnen?
Präsident Dr. al-Assad:Obwohl wir jahrzehntelang an der Seite dieser Gruppen stehen, und wir hätten ihretwegen den Preis 1998 in Form eines militärischen Konflikts mit der Türkei bezahlen können, standen wir an deren Seite aufgrund der kulturellen Rechte dieser Gruppen bzw. aufgrund dessen, daß es sich dabei um ein Segment der syrischen Gesellschaft handelt.
Wessen beschuldigen sie den syrischen Staat? Sie beschuldigen ihn, chauvinistisch zu sein, und manchmal beschuldigen sie die Baʽṯ-Partei, eine chauvinistische Partei zu sein, obwohl die 1962 durchgeführte Volkszählung nicht unter der Baʽṯ-Partei stattfand, da sie damals nicht an der Macht war. Sie beschuldigen uns, diese Gruppe ihrer kulturellen Rechte zu berauben. Lassen Sie uns annehmen, daß, was sie sagen, richtig ist: sie beschuldigen ihn, chauvinistisch zu sein, und manchmal beschuldigen sie die Baʽṯ-Partei, eine chauvinistische Partei zu sein, obwohl die 1962 geführte Volkszählung nicht unter der Baʽṯ-Partei war, weil es nicht in der Macht zurzeit war. Sie beschuldigen uns, diese Gruppe ihrer kulturellen Rechte zu berauben. Lassen Sie uns annehmen, dass, was sie sagen, richtig ist. Sie beschuldigen uns, diese Gruppe ihrer kulturellen Rechte zu berauben.
Lassen Sie uns annehmen, was sie sagten, habe zugetroffen: Kann ich als Individuum aufgeschlossen und engstirnig verschlossen zur gleichen Zeit sein? Das kann ich nicht. Kann der Staat zur selben Zeit aufgeschlossen und tolerant und intolerant und engstirnig verschlossen sein? Das kann er nicht.
Nehmen wir etwa die Gruppe, welche als letztes zum syrischen [Gesellschafts]gefüge stießen, die Armenier. Die Armenier sind eine patriotische Gruppe par excellence. Das erwies sich ohne den Schatten eines Zweifels während des Krieges. Zur selben Zeit hat diese Gruppe ihre eigenen Gemeinden, eigenen Kirchen und noch sensibler: eigene Schulen. Und wenn Sie an armenischen Feiern teilnehmen, einer Hochzeit, oder irgendeiner anderen Veranstaltung beiwohnen – und ich habe das getan, weil ich früher Freunde unter ihnen hatte – dann singen sie ihre traditionellen Lieder, aber später singen sie nationale, politisch-orientierte Lieder. Gibt es eine Form von Freiheit, die darüber hinausgeht? Die syrischen Armenier sind die kleinste der armenischen [Gemeinden] in der Welt, aufgegangen in der Gesellschaft. Sie haben sich integriert, sich aber nicht der syrischen Gesellschaft aufgelöst. Sie haben all ihre Charakteristika behalten. Warum sollten wir hier offen sein und bei anderen verschlossen? Der Grund ist, daß es da [bei den Kurden] separatistische Pläne gibt. Es existieren Karten, die ein syrisches Kurdistan als Teil eines größeren Kurdistans zeigen.
Nun, es ist unser Recht, unsere territoriale Integrität zu verteidigen und sich vor separatistischen Plänen zu hüten. Jedoch haben wir kein Problem mit syrischer Vielfältigkeit. Ganz im Gegenteil, die syrische Vielfalt ist reich und schön, welche zu Stärke führt. Wir sehen sie nicht als Nachteil an. Doch Reichtum und Vielfalt sind das Eine und Zerteilung und Zerstückelung des Landes etwas Anderes, etwas Gegenteiliges. Das ist das Problem.
Journalist: Nur um den Gedankengang des Miteinanderlebens aufzunehmen, Herr Präsident: in Ihrer Antwort sagten Sie, wir müßten am Ende miteinander leben. Das Problem besteht hier nicht nur mit der kurdischen Komponente. Es gibt Bevölkerungsgruppen, die in verschiedenen Regionen jahrelang außerhalb der Kontrolle des syrischen Staates lebten. Was ist mit denen? Wie sieht der staatliche Plan zur Reintegration jener in Hinsicht auf den Gedankengang des Zusammenlebens aus, insbesondere bezüglich der Kinder unter jenen, da wir ja im Hinblick auf die Kinder von Syriens Zukunftsgeneration sprechen?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich liegt das Problem in erster Linie bei Kindern und dann in der zweiten bei Jugendlichen. Es gibt mehrere Probleme, von denen eines darin besteht, daß diese Generation die Bedeutung von Staat und Rechtsstaatlichkeit nicht kennt. Sie haben nicht unter [Kontrolle eines] Staatsgefüges gelebt, sie haben unter [der Herrschaft von] bewaffneten Gruppen gelebt. Die schlimmste und gefährlichste Auswirkung für die Kinder besteht jedoch darin, daß sie in einigen Bereichen nicht die arabische Sprache, dafür aber andere, falsche Konzepte gelernt haben – extremistische Konzepte oder solche gegen den Staat oder das Heimatland und andere Konzepte, die von außerhalb Syriens eingebracht wurden und in formellen Lehrplänen unterrichtet wurden.
Dies war in den letzten Wochen, insbesondere in den letzten Tagen, Gegenstand von Diskussionen, da die Stationierung der syrischen Armee in großen Gebieten in den nördlichen Regionen dieses Problem in großem Umfang zum Vorschein brachte. Derzeit befassen sich Ministerien, insbesondere das Bildungsministerium sowie die Ministerien für Verteidigung und Inneres mit diesem Thema.
Ich glaube, es wird in Kürze eine Erklärung und eine Lösung präsentiert werden, wenn auch in der ersten Phase allgemein gehalten, auf die administrative Maßnahmen folgen werden, um diese Menschen in das System des syrischen Staates zu integrieren.
Zum Beispiel, wer wird sich für die syrische Armee eintragen, wer für die Polizei, wer für Schulen? Ein Zwölfjähriger [äußerte dazu]: Wie werden sie sich in das syrische Schulsystem integrieren, wenn sie nichts über den Lehrplan wissen? Gleiches gilt für Grundschüler. Ich glaube, die Lösung besteht darin, alles innerhalb des nationalen Systems anzugleichen, jedoch sollten spezielle Maßnahmen getroffen werden, um sie wieder in dieses System zu integrieren, und ich glaube, daß wir in den nächsten Tagen ein endgültiges Bild davon haben werden.
Journalist: Zurück zur Politik und den USA: insbesondere Präsident Donald Trump verkündete seine Absicht, eine begrenzte Anzahl seiner Truppen in Syrien zu belassen, wobei einige davon an der Grenze zu Jordanien und zum israelischen Feind stationiert werden sollen, während andere die Ölfelder schützen werden. Wie stehen Sie dazu und wie wird der syrische Staat auf diese illegitime Präsenz reagieren?
Präsident Dr. al-Assad: Ungeachtet dieser Statements stellt sich die Realität so dar, daß die [US-]Amerikaner Besatzer sind, einerlei ob im Osten, Norden oder Süden, das Ergebnis ist dasselbe.
Nochmals: wir sollten uns um solche Aussagen nicht kümmern, dafür eher der Realität gemäß handeln. Wenn wir mit den Bereichen fertig sind, die unseren militärischen Prioritäten entsprechen, und wir eine Region erreichen, in dem die Amerikaner anwesend sind, werde ich mich keinen Heldentaten hingeben und sagen, daß wir die Armee den Amerikanern entgegen schicken werden. Wir sprechen von einer Supermacht. Haben wir die Fähigkeiten dazu? Ich denke, daß das uns Syrern klar ist. Wählen wir den Widerstand? Wenn es Widerstand gibt, wird das Schicksal der Amerikaner ihrem Schicksal im Irak ähneln. Das Widerstandskonzept bedarf jedoch einer [entsprechenden] Geisteshaltung im Volk, die im Gegensatz zum Agieren als Handlanger und Erfüllungsgehilfen steht, [nämlich] eine patriotische Haltung im Volk, welche Widerstandshandlungen ausführt. Die natürliche Rolle des Staates besteht in diesem Fall darin, jeglichem Widerstand der Bevölkerung gegen die Besatzer alle notwendigen Bedingungen zu schaffen und die notwendige Unterstützung zu bieten.
Wenn wir die koloniale und auf Gewinnstreben ausgerichtete [US-]amerikanische Denkweise beiseite lassen, die die Kolonisierung bestimmter Gebiete wegen des Geldes, des Öls und anderer Ressourcen fördert, dürfen wir nicht vergessen, daß die Hauptakteure, die die [US-]Amerikaner, die Türken und andere in diese Region gebracht haben, Syrer als Handlanger von Ausländern [gewesen] sind – syrische Verräter.
Bei allen anderen Fällen geht es nur um die Behandlung von Symptome, während wir uns mit den Ursachen befassen sollten. Wir sollten uns mit jenen Syrern befassen und versuchen, die patriotische Beschaffenheit der syrischen Gesellschaft zu erneuern – den Patriotismus und das einheitliche Bewußtsein wiederherzustellen und sicherzustellen, daß es keine syrischen Verräter mehr gibt. Zu gewährleisten, daß alle Syrer Patrioten sind und daß Verrat keine Ansichtssache mehr ist, ist bloß eine Meinungsverschiedenheit zu einer politischen Frage. Wir sollten alle eins sein gegen Besetzung; wenn wir diesen Zustand erreichen, versichere ich Ihnen, daß die [US-]Amerikaner von sich aus gehen werden, da ihnen keine Möglichkeit mehr zum Verbleib in Syrien bleibt; auch wenn [US-]Amerika eine Supermacht ist, wird sie nicht mehr in Syrien bleiben können. So etwas haben wir an einem bestimmten Punkt im Libanon gesehen und später im Irak. Ich denke, das ist die richtige Lösung.
Journalist: Letzte Woche haben Sie eine Tour zur Front in Idlib gemacht, mit der Sie die Syrer und die Welt überrascht haben. Vor den Soldaten der syrisch-arabischen Armee sagten Sie, die Schlacht finde im Osten statt, aber Idlib sei ein vorgeschobener Außenposten des Feindes im Westen, der darauf abziele, die Streitkräfte der syrischen Armee zu zerstreuen. Einige sahen in dem Besuch das Startzeichen oder die Stunde Null für die bevorstehende Schlacht von Idlib. Ist es so?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, es gab keine Verbindung zwischen meinem Besuch und der Stunde Null. Erstens unternehme ich von Zeit zu Zeit Touren in Gebiete, die als Brennpunkte und gefährlich gelten, da diese Helden die schwierigste Pflicht ausüben und es für mich selbstverständlich ist, daran zu denken, sie zu besuchen. Das ist für mich gängige Praxis. Der Besuch in Idlib fand vor allem deshalb statt, weil die Welt womöglich glaubte, die gesamte Syrien-Frage fließe in dem zusammen, was im Norden passiere, wo es zu der Zeit zum Eindringen der türkischen Armee in syrisches Gebiet kam, wobei vergessen wurde, daß all jene, die in Idlib kämpfen, tatsächlich Teil der türkischen Armee sind, auch wenn sie al-Qâʽida, Aḥrâr aš-Ŝâm heißen und andere Namen tragen. Ich versichere Ihnen, daß diese Kämpfer Erdogan mehr am Herzen liegen als die türkische Armee selbst. Das sollten wir nicht vergessen, da politisch betrachtet und in –bezug auf die Türkei im Besonderen die Hauptschlacht in Idlib stattfindet; denn sie ist verbunden mit der Schlacht im Nordosten bzw. der in der al-Ğazîra-Region. Das ist der Grund – ich wollte betonen, daß das, was in der al-Ğazîra -Region passiert, trotz seiner Bedeutung und trotz des weiten Einsatzbereichs uns nicht von der Bedeutung von Idlib im Gesamtkampf ablenkt.
Journalist: Herr Präsident, Sie sagten, es gebe keine Verbindung zwischen ihrem Besuch in Idlib und der Stunde Null; gibt es aber eine Verbindung zwischen ihrem Besuch in Idlib und dem Treffen vom selben Tag zwischen Rußland und der Türkei?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich hatte ich, als ich dort war, völlig vergessen, daß es ein Gipfeltreffen am selben Tag gab. Ich erinnerte mich nicht mehr daran. Ich wußte, daß es einen Gipfel geben würde und daß er am Dienstag wäre, aber …
Tatsächlich hatte ich, als ich dort war, völlig vergessen, daß es ein Gipfeltreffen am selben Tag gab. Ich erinnerte mich nicht mehr daran. Ich wußte, daß es einen Gipfel geben würde und daß er am Dienstag wäre, aber …
Journalist: Aber Ihre Äußerungen machten den Eindruck, als seien sie eine vorweggenommene Ablehnung oder irgendwie gegen das Treffen gerichtet.
Präsident Dr. al-Assad: Das ist wahr.
Journalist: … oder gegen dieses Treffen.
Präsident Dr. al-Assad: Einige Artikel und Kommentare sagten sogar, daß ein Gefühl der Wut gegen den Gipfel bestand und daß der Gipfel gegen uns sei. Tatsache ist, daß ich nicht ärgerlich gewesen bin und meine Aussagen gegen Erdogan beständig sind. Ich sagte, er sei ein Dieb, und von den ersten Tagen an fing er an, alles zu stehlen, was mit Syrien zu tun hatte. Er ist also ein Dieb. Ich habe ihn also nicht beschimpft, ich habe ihn beschrieben. Das ist adjektivisch und diese Beschreibung ist wahr. Wie bezeichnen sie jemanden, der Fabriken, Getreide und schließlich Land stiehlt? Einen Wohltäter? Er ist ein Dieb, dafür gibt es keine andere Bezeichnung. Zuvor in meiner Rede vor der Volksversammlung sagte ich, er sei ein politischer Gangster. Er übt dieses politische Gangstertum im größten Maße aus. Er lügt alle an, erpreßt alle. Er ist ein Heuchler und öffentlich ebenso. Wir erfinden da kein Epitheton; er tut sich durch seine wahren Eigenschaften kund. Also habe ich ihn nur beschrieben.
In Bezug auf das Abkommen glauben wir, wie ich vor einer Weile sagte, daß die russische Einbeziehung überall in unserem Interesse liegt, weil unsere Prinzipien die gleichen sind und unser Kampf ein [und derselbe] ist. Demnach wird die russische Beteiligung sicherlich positive Ergebnisse zeitigen, und wir haben bereits einen Teil davon erlebt. Entgegen Ihrer Aussage waren wir über diesen Gipfel froh und sind es hinsichtlich der russisch-türkischen Beziehungen im Allgemeinen, im Gegensatz zu dem, was manche Leute glauben, [nämlich] daß die Russen die Türken [bloß] beschwichtigten. Es spielt keine Rolle, ob die Russen die Türken beschwichtigen oder nicht oder ein taktisches Spiel mit ihnen spielen. Wichtig ist die Strategie. Daher kann ich sagen, es gab keine Verbindung zwischen meinen Äußerungen und dem Gipfel.
Journalist:Bleiben wir bei Idlib, aber von einer anderen Perspektive aus. Der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, Geir Pedersen, beschrieb in einem Interview mit einer Zeitung über die Situation in Idlib diese als kompliziert, und ich erwähne die Punkte, die er angesprochen hat: Er forderte eine Lösung, die die Sicherheit der Zivilbevölkerung garantiere. Er sprach auch über die Anwesenheit terroristischer Organisationen und die Notwendigkeit, eine uneingeschränkte Militärkampagne zu vermeiden, die seiner Meinung nach, weit davon entfernt, das Problem zu lösen, schwerwiegende humanitäre Konsequenzen hätte. Was halten Sie von dem, was er gesagt hat, und wird die Operation aufgrund des internationalen Drucks oder aufgrund von Pedersens Äußerungen verschoben oder gestoppt?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Pedersen die Mittel oder die Fähigkeit hat, das Problem ohne eine mfassende militärische Operation zu lösen, wäre das gut. Warum löst er das Problem nicht? Wenn er einen klaren Plan hat, haben wir keineb Einwand. Das ist ganz einfach. Er kann die Türkei besuchen und den Türken sagen, die Terroristen zu überzeugen, oder die Türkei auffordern, die Zivilbevölkerung von den Militanten zu trennen mit den Zivilisten in einem Gebiet und den Militanten im anderen. Es wäre noch einfacher, wenn er ausfindig machen könnte, wer militant ist und wer nicht. Die Bekämpfung des Terrorismus wird nicht durch Theorietisieren, rhetorische Äußerungen oder Salbadern erreicht.
Zum Punkt des Verschiebens: hätten wir auf eine internationale Entscheidung gewartet – und mit internationaler Entscheidung meine ich [US-]Amerikaner, Briten, Franzosen und diejenigen, die auf deren Seite stehen – hätten wir seit den ersten Kriegstagen keine Region in Syrien befreit. Diese Druckausübung hat keinen Einfluß. Manchmal berücksichtigen wir bestimmte politische Umstände; wie gesagt, geben wir dem politischen Handeln eine Chance, [schon] um keinen Vorwand zu liefern [für ausländische Intervention]; doch wenn all diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, ist ein militärisches Vorgehen erforderlich, um die Zivilbevölkerung zu retten, da ich Zivilisten nicht retten kann, wenn sie unter der Kontrolle der Militanten stehen.
Das westliche Denken ist ein absichtlich und böswillig unten nach oben kehrendes Denken: es besagt, die Militäroperation zum Schutz der Zivilbevölkerung sollte gestoppt werden, während für sie der Verbleib der Zivilbevölkerung unter Terroristen-Herrschaft eine Form des Schutzes für die Zivilbevölkerung bildet. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: das militärische Einschreiten zielt auf den Schutz der Zivilbevölkerung ab. Indem man die Zivilbevölkerung unter Terroristen-Herrschaft beließe, erwiese man den Terroristen einen weiteren Dienst und beteiligte sich an der Tötung von Zivilisten.
Journalist: Sie warten also nicht auf eine internationale Entscheidung, aber [vielleicht] auf eine russische? Können die Russen den Beginn der Militäroperation verzögern? Wir haben bereits früher gesehen, daß die Militäroperationen in Idlib in dem Maße gestoppt wurden, daß einige Leute sagten, die Russen hätten aufgrund besonderer Absprachen mit den Türken jedes Mal Druck ausgeübt, die Operationen einzustellen. Ist das wahr?
Präsident Dr. al-Assad: „Druck“ ist nicht das richtige Wort. Wir, die Russen und die Iraner sind in denselben militärischen und denselben politischen Kampf verwickelt. Wir sind immer im Gespräch miteinander, um die Umstände zu bestimmen, unter denen eine Operation durchgeführt werden kann. Bei mehreren Gelegenheiten haben wir uns auf einen bestimmten Zeitpunkt für eine bestimmte Operation geeinigt, der später aufgrund militärischer oder politischer Entwicklungen verschoben wurde. Dieser Dialog ist normal. Es gibt Sachverhalte, die wir auf interner Ebene sehen, andere auf regionaler Ebene werden vom Iran bemerkt und dann gibt es jene, die die Russen auf internationaler Ebene wahrnehmen. Wir haben so eine integrierte Herangehensweise, die auf dem Dialog basiert.
Im vergangenen Monat habe ich fünf Treffen mit russischen und iranischen Beamten abgehalten; [sie lagen] also weniger als eine Woche auseinander. Zwischen diesen Sitzungen gab es jeweils militärische und politische Entwicklungen, so daß das, was in der ersten Sitzung vereinbart worden war, in der zweiten, dritten oder vierten Sitzung geändert oder modifiziert wurde; die letzte davon war gestern. Die schnell fortschreitende Entwicklung macht es notwendig, manchmal Operationen zu verschieben.
Andererseits unterhalten wir Kontakte zu den Bürgern jener Gebiete. Wir sind sehr bemüht, es den Bürgern zu ermöglichen, aus diesen Gebieten in unsere Gebiete zu kommen, um Leben zu retten. Darüber hinaus würde es, wenn eine politische Lösung möglich wäre – und es ist uns manchmal gelungen, eine solche Lösung zu finden – das Leben syrischer Soldaten schonen. Dies ist eine Priorität, die wir nicht ignorieren sollten. Es gibt demnach viele Elemente, welche diese Entscheidung beeinflussen und ein Verschieben bedingen, denen allen nachzugehen, jetzt schwierig wäre. Es ist aber keine Frage des Drucks. Die Russen bekämpfen mit Enthusiasmus den Terrorismus wie wir auch; warum würden sie andernfalls ihre Kampfjets geschickt haben. Der Dialog bestimmt das Timing.
Journalist: Präsident Putin verkündete jedoch das Ende größerer militärischer Operationen in Syrien. Würde Rußland uns in Idlib beistehen. Würde es an der Militäroperation teilnehmen?
Präsident Dr. al-Assad: Rußland stand uns in Ḫân Ŝaiḫûn und seiner Umland bei; die Ankündigung eines Endes von Militäroperationen bedeutet nicht das Ende der Terrorismusbekämpfung. Tatsächlich sind die größeren Schlachten geschlagen, da die meisten Regionen entweder freiwillig übergeben worden sind oder negrenzten Operationen unterliegen.Die Operation von Ḫân Ŝaiḫûn mag auf der Karte als größere Schlacht erscheinen, doch tatsächlich war es ein Kollaps auf Seiten der Militanten. Womöglich war dies gemeint mit „Ende größerer Operationen.“ Ihre [d.h. der Russen] Erklärungen, daß Idlib unter staatliche Kontrolle zurückkehren sollte wie auch deren Entschlossenheit, den Terrorismus zu bekämpfen, hat sich nicht geändert.
Journalist: Bleiben wir bei Idlib und demselben Punkt, da hierzu viel gesagt worden ist: Was die Terroristen in Idlib angeht, und es sind dieselben Terroristen, über die Pedersen gesprochen hat, wie wird man mit ihnen umgehen? Werden sie abgeschoben? Es hat Fälle wie diesen gegeben: Terroristen wurden aus verschiedenen Regionen Syriens nach Idlib deportiert. Jetzt sind Terroristen in Idlib. Würden die Türken akzeptieren, daß die Terroristen in die Türkei gebracht werden, oder wie wird man mit ihnen umgehen?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn die Türkei dies nicht akzeptiert, ist dies das Problem der Türkei und geht uns nichts an. Wir werden mit ihnen genauso umgehen, wie wir es in der Vergangenheit getan haben. Einige mögen fragen: Früher gab es Gebiete, die den Terroristen zum Rückzugoffen standen, aber jetzt gibt es keinen anderen Ort, an den Terroristen aus Idlib geschickt werden könnten. Also, wohin sollen sie gehen? Wenn sie nicht in die Türkei gehen, haben sie zwei Möglichkeiten: entweder kehren sie ins syrische Staats[gefüge] zurück und regeln ihre Belange [s. Rekonziliierung!] oder sei sehen sich einem Krieg gegenüber. Es gibt keine andere Wahl, weder für uns noch für sie. Dies sind die beiden einzigen Optionen.
Journalist: Einige Medien haben durchgesickerte Informationen über Treffen mit den Türken verbreitet. Ist das wahr? Auf welcher Ebene? Und was war das Ergebnis dieser Treffen, falls sie stattgefunden haben?
Präsident Dr. al-Assad: Alle diese Treffen fanden zwischen Sicherheitsbeamten auf verschiedenen Ebenen statt; einige Zusammenkünfte, wahrscheinlich zwei oder drei, fanden in Kasab innerhalb der syrischen Grenze oder in der Nähe der gemeinsamen Grenze statt, und eines oder mehrere in Rußland. Ich erinnere mich nicht genau an die Zahl, weil sie im Zeitraum der letzten beiden Jahre stattgefunden haben. Aber es gab keine wirklichen Ergebnisse. Zumindest hatten wir erwartet, eine Lösung hinsichtlich des in Astana vereinbarten Rückzugs 15km westlich und nördlich in der De-Eskalationszone in Idlib zu finden. Es geschah nicht.
Journalist: Demnach bestätigen sie, daß es Treffen mit der türkischen Seite gab, jedoch vor dem Abkommen …
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, es waren dreiseitige Treffen unter russischer Mediation und Präsenz. Wir bestanden auf der russischen Präsenz, da wir den Türken nicht trauen, sie [d.h. die Russen] waren also Zeugen.
Journalist: Keine bilateralen Treffen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, dreiseitige Treffen.
Journalist: Dreiseitige in russischer Gegenwart? War das vor dem jüngsten russisch-türkischen Treffen?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich.
Journalist: Sind Sie heutzutage nach der Aggression [d.h. der derzeit noch stattfindenden türkischen Invasion] und der Vereinbarung [von Sotschi vom 22.10.2019] bereit, sich mit den Türken zusammenzusetzen?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie mich fragen, wie ich mich fühlen würde, wenn ich persönlich einer Person aus der Erdogan-Gruppe oder einer Person ähnlicher Prägung oder jemandem, der seine Ideologie vertritt, die Hand geben müßte – ich würde mich von einem solchen Treffen nicht geehrt fühlen, ich würde mich angewidert fühlen. Jedoch müssen wir unsere persönlichen Gefühle beiseite lassen, wenn ein nationales Interesse auf dem Spiel steht. Wenn ein Treffen Ergebnisse liefern würde, würde ich sagen, daß alles getan werden sollte, was dem nationalen Interesse dient. Das steht in der staatlichen Verantwortung. Ich erwarte nicht, daß ein Treffen Ergebnisse zeitigen würde, außer die Umstände änderten sich für die Türken. Und weil die Türken vom Erdogan-Typ Opportunisten sind und einer opportunistischen Organisation und einer opportunistischen Ideologie angehören, werden sie Resultate gemäß sich ändernden Umständen liefern, wenn sie unter Druck stehen, abhängig von ihren inneren oder äußeren Umständen oder womöglich von ihrem Versagen in Syrien. Dann könnten sie Ergebnisse liefern.
Journalist: Die heikle Frage in diesem Zusammenhang lautet: Die Türken sind Besatzer … wenn ich also willens wäre, oder wenn ich die Chance hätte, oder wenn ich glaubte, die Türken treffen zu können … die Türken sind Besatzer, genau wie die Israelis … wäre es dann auch möglich, sich mit den Israelis zu treffen? Dies ist ein heikles Thema, das jedoch zur Sprache gebracht werden muß.
Präsident Dr. al-Assad: Es wurde tatsächlich zur Sprache gebracht, als wir diese Treffen begannen: wie können wir Besatzer in ʽAfrîn oder anderen Gebieten treffen? Auch wenn sie keine Besatzer wären, sie unterstützen den Terrorismus, sie sind Feinde im nationalen Sinne. Der Unterschied zwischen ihnen [d.h den Türken] und „Israel“ ist, daß wir die Legitimität seiner staatlichen Existenz nicht anerkennen. Wir erkennen die Existenz eines israelischen Volkes nicht an. Es gibt kein israelisches Volk außer dem, das einige Jahrhunderte v.u.Z. existiert hat, nun sind [seine Teile] in der Diaspora, die kommen und Land besetzen und dessen Bewohner vertreiben. Dagegen gibt es eine türkische Bevölkerung, sie ist eine benachbarte Bevölkerung und wir haben eine gemeinsame Geschichte, abgesehen davon, ob diese Geschichte gut oder übel oder etwas dazwischen ist, das ist irrelevant.
Die Türkei ist ein Staat, ein benachbarter Staat. Die Frage der Alexandrette [Liwâ´ Iskandarûn, s. ab Teil II] ist anders gelagert als die, in welcher Menschen ohne Land ein Land und ein Volk ersetzen. Der Vergleich ist unzulässig. Selbst als wir in den 1990ern mit „Israel“ verhandelt haben, haben wir es nicht anerkannt. Wir verhandelten, um Frieden zu erlangen. Wenn dies erreicht und die Rechte [der Palästinenser] eingeräumt würden, würden wir es anerkennen. Wie ich schon sagte: der Vergleich ist nicht unzulässig. Die Türkei wird weiterhin existieren und die Türken sollten eine brüderlich verbundene Bevölkerung bleiben. Erdogan setzte zu Beginn auf Mobilisierung der türkischen Bevölkerung hinter sich, um Feindseligkeit gegen die syrische Bevölkerung zu schüren und konsequenterweise erhielt er freie Hand. Wir müssen aufpassen, die Dinge nicht auf gleiche Weise zu betrachten. Ich betone nochmals, daß einige Leute, nicht die politischen Kräfte, sondern innerhalb der türkischen Armee und der Sicherheitsinstitutionen, gegen Erdogan sind. Dies war der Grund für unser Streben, sie zu treffen.
Außerdem, und das war Thema der Diskussion mit unseren russischen und iranischen Freunden, die sagten, ja, wir verteidigen Euch, aber am Ende ist es Eure Angelegenheit. Das ist wahr, das Land gehört uns, und die Angelegenheit ist unsere, und so sind wir verpflichtet, uns direkt mit ihnen zu treffen, auch wenn wir keine Ergebnisse erwarten. Vielleicht wird ein Tag kommen, an dem wir Ergebnisse erzielen können, insbesondere unter sich ändernden Umständen in der Türkei, in der Welt und in Syrien.
Journalist: Zu „Israel“: manche Leute beschreiben es als den abwesend Gegenwärtigen (the absent present) in Syrien, den am meisten Profitierenden von den [gehabten] Vorgängen in Syrien. In der Tat ist, Syrien, die Ḥizbullâh und den Iran zu schwächen, jetzt vergleichsweise bequemer als jemals zuvor, wie Analysten meinen.
Präsident Dr. al-Assad: Es ist der Immer-Präsente (the always-present). Es ist nie abwesend gewesen. Es mag im wörtlichen Sinn abwesend sein, da wir seine Handlanger (proxies), Erfüllungsgehilfen, Lakaien oder Werkzeuge auf unterschiedliche Weise bekämpfen, einige auf militärische, andere auf politische Art. Sie alle sind Werkzeuge im Dienst von Israel direkt oder mittels der [US-]Amerikaner. Da der Kampf vor Ort mit diesen Kräften stattfindet, ist es normal, daß die Terminologie diese Kräfte beschreibt und nicht „Israel“. „Israel“ stellt in der Tat einen Haupt-Teilnehmer der derzeitigen Vorgänge dar, was von einem feindlichen Staat zu erwarten ist. Wird es sich bereithaltenund zuschauen? Nein, es wird proaktiv und effektiver im Angriff auf Syrien, das syrische Volk, die syrische Heimat und alles, was mit Syrien zu tun hat, sein.
Journalist: Praktisch profitierend von dem, was vorgeht?
Präsident Dr. al-Assad:Das versteht sich von selbst. Selbst wenn wir nicht darüber sprechen, ist es eine der nationalen Gegebenheiten in Syria. Das versteht sich von selbst. Selbst wenn wir nicht darüber sprechen, ist es eine der nationalen Gegebenheiten in Syria.
Journalist: Nach all der durch die israelische feindliche Entität gegen Syrien ausgeführten Aggression hat es nie eine arabische Position [dagegen] gegeben, auch die Arabische Liga ist nicht in die Gänge gekommen. Als die türkische Aggression begann, trat die Arabische Liga auf der Ebene der Außenminister zusammen. Die ersten Eindrücke waren gut und die Schlußerklärung wurde als positiv bezeichnet. Andererseits hörten wir keine Erklärung des syrischen Staates. Warum?
Präsident Dr. al-Assad: Sie erinnern sich, als Syriens Mitgliedschaft in der Arabischen Liga eingefroren war? Haben wir da eine Erklärung abgegeben? Haben wir nicht. Wenn wir also keine Erklärung zu Syriens Ausscheiden von der Arabischen Liga abgegeben haben, warum sollten wir dann eine Erklärung abgegeben zu dem Zeitpunkt,als sie begonnen haben, Syriens Rückkehr in die Arabische Liga diskutieren? Ich denke, die Implikationen meiner Antwort sind all denen klar, die sie verstehen wollen. Ich denke nicht, daß Ihre Zuschauer glauben, daß dieser Punkt mehr als die paar Sätze verdient, die ich formuliert habe.
Journalist: Wohl wahr. Gehen wir zur reinen Politik über und sprechen über das Verfassungskomitee. Wie interpretieren Sie die Kritik der anderen Seite zu diesem Ausschuß, obwohl er eine ihrer Forderungen seit Jahren gewesen ist?
Präsident Dr. al-Assad: Ganz einfach: sie glaubten, wir würden uns gegen die Einrichtung dieses Ausschusses stellen; möglicherweise waren sie geschockt, daß wir ihn einrichten konnten, denn sie pflegten Hindernisse aufzubauen und die syrische Regierung zu beschuldigen. Diese Hindernisse sind wir auf spezifische diplomatische Weise angegangen, ohne Zugeständnisse bei fundamentalen Fragen zu machen, sondern bei einigen solchen Fragen, die unserer Meinung nach die Form betrafen. Am Ende waren sie geschockt, weswegen sie so heftige Attacken dagegen auffuhren. Das ist, kurz gesagt, passiert.
Journalist:Der syrische Staat machte also keine Zugeständnisse unter russischem oder iranischem Druck?
Präsident Dr. al-Assad: Nein. Wenn wir reale Zugeständnisse gemacht hätten, hätten sie ihn [d.i. den Ausschuß] nicht attackiert, sondern die Formierung des Ausschusses bejubelt. Ihr Angriff zeigt, daß wir keinerlei Zugeständnisse gemacht haben; es kann da kein Zugeständnis gemacht werden. Das Verfassungskomitee und die später vielleicht erzielten Ergebnisse, wären [sonst von ihnen] als Startrampe für einen Angriff und Schlag gegen die Struktur des syrischen Staates benutzt worden.
Genau das hatte der Westen seit Jahren geplant und wir wissen das.
Aus diesem Grund war es keine Option, sich auf Grundlagen und bestimmte Standpunkte im Zusammenhang mit Syriens Interesse einzulassen.
Es gab andere Details, die bedeutungslos waren, wie die Tatsache, daß sie sich unter dem Schirm der sogenannten gemäßigten Opposition tarnten. In vielen Fällen schlugen sie In vielen Fällen schlugen sie Namen [von Personen] vor, die mit Ğabhatu_n-Nuṣra affiliiert waren, welche wir wegen dieser Beziehung (affiliation) ablehnten.
Journalist:Terroristen?
Präsident Dr. al-Assad: Sie sind Terroristen. Am Ende haben wir uns auf einige [Mitglieder] geeinigt, was wie eine Überraschung wirken könnte. Wir haben festgestellt, daß das Ergebnis unabhängig davon dasselbe wäre: derselbe Hintergrund, dieselbe Zugehörigkeit (affiliation), derselbe Meister (master, wie in der Sklavenanrede für den Herrn).
Journalist: Das ist wahr.
Präsident Dr. al-Assad: … und Entscheider; so würde das Signal für die Entscheidung aus derselben Quelle stammen. Welchen Unterschied machte es also?
Journalist: Marionetten, nichts weiter!
Präsident Dr. al-Assad: Genau. Wir erklärten uns also einverstanden. Das ist nur ein Beispiel. Es gibt viele andere Details, aber das hat sie überrascht. In grundsätzlichen Fragen haben wir keine Zugeständnisse gemacht.
Journalist: Pedersen sprach über Sitzungen des Verfassungsausschusses in Genf und erklärte, dies würde die Tür zu einer umfassenden Lösung der Syrien-Krise öffnen, und seiner Ansicht nach beinhalte diese Lösung die Abhaltung von Parlaments- und Präsidentschaftswahlen unter Aufsicht der Vereinten Nationen und im Einklang mit der UNSC-Resolution Nr.2254
Er sprach auch davon, die Teilnahme syrischer Expatriierter zu gewährleisten. Würden Sie eine internationale Aufsicht über Parlaments- und Präsidentschaftswahlen akzeptieren? Und ist dieses Thema Teil der Preview dieses Ausschusses? Und wer hat praktisch das Wahlrecht?

Präsident Dr. al-Assad: Daß dieser Ausschuß seiner Aussage nach den Grundstein für eine umfassende Lösung lege, ist nicht wahr. Er bietet – vielleicht – einen Teil der Lösung. In dem er dies sagt, ignoriert er jedoch die Präsenz der Terroristen. Ein Verfassungsausschuß, bei dem Terroristen noch gegenwärtig sind, wird das Problem lösen – wie? Das ist unmöglich; es wird abgelehnt. Die Lösung beginnt mit Bekämpfung des Terrorismus in Syrien. Sie beginnt damit, die ausländische Einmischung in Syrien zu beenden. Jeder syrisch-syrische Dialog bringt eine Ergänzung, leistet einen Beitrag, und spielt eine bestimmte Rolle, ersetzt jedoch nicht die ersten und zweiten Elemente. Ich sage dies, um nicht einen Teil der Erklärung so zu belassen, als hätten wir dem zugestimmt.
Wenn er der Ansicht ist, daß die Resolution 2254 irgendeiner Partei – einer internationalen oder anderen – die Befugnis verleihe, die Wahlen zu überwachen, bedeutet dies ein Rückkehr zur Ära des Mandats [der Mandatsherrschaft]. Ich möchte daran erinnern, daß sich der erste Teil der Resolution auf die Souveränität Syriens bezieht, welche nur durch den syrischen Staat und niemand anderen zum Ausdruck kommt. Wahlen werden abgehalten unter Aufsicht des syrischen Staates von A bis Z. Wenn wir eine andere Partei einladen wollen – eine internationale Körperschaft, bestimmte Staaten, Organisationen, Gesellschaften, Einzelpersonen oder Persönlichkeiten – wird dies weiterhin unter Aufsicht des syrischen Staates der Fall sein und unter der Souveränität des syrischen Staates.
Der Verfassungsausschuß hat nichts zu tun mit den Wahlen, sein Auftrag gilt allein der Verfassung.
Wenn sie glauben, daß sie zu den Tagen des Mandats zurückkehren werden, dann wäre das nur in ihren Träumen.
Journalist: Noch zu Pedersens Äußerungen: Er sagte, daß die bloße Akzeptanz der Bildung des Verfassungsausschusses eine implizite Akzeptanz der anderen Seite sei und ein gemeinsames Engagement vor der syrischen Bevölkerung darstelle, unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen zu versuchen, sich auf die verfassungsmäßigen Regelungen für Syrien zu einigen.
Einige Leute wiesen diese implizite Akzeptanz der anderen Seite durch den Ausschuß zurück, da sie nicht die syrische Bevölkerung vertrete und nicht der syrischen Bevölkerunggewählt sei. Wie ist Ihre Antwort dazu?

Präsident Dr. al-Assad: Alle Ihre Fragen sind stichhaltig, zumindest aus rechtlicher Sicht.
Lassen Sie uns zunächst die erste und die zweite Partei identifizieren. Einige Leute glauben, die erste Partei sei der syrische Staat oder die syrische Regierung. Nein, dies ist nicht der Fall, die erste Partei vertritt den Standpunkt der syrischen Regierung, die syrische Regierung ist jedoch weder an diesen Verhandlungen noch an diesen Diskussionen beteiligt.
Journalist: Die erste Partei hat die Unterstützung der syrischen Regierung.
Präsident Dr. al-Assad: Genau. Die Regierung unterstützt diese Fraktion, da wir glauben, daß wir denselben Standpunkt teilen. Es gibt Leute, die zum gleichen politischen Klima wie die syrische Regierung gehören. Dies bedeutet nicht, daß die Regierung an den Verhandlungen beteiligt ist. Rechtlich gesehen sind wir kein Teil des Verfassungsausschusses, und implementiert nicht die Anerkennung irgendeiner Fraktion durch die Regierung. Dieser Sachverhalt sollte klar sein.
Er [d.h. Pedersen] bezieht sich also auf eine Seite, die den Standpunkt der syrischen Regierung repräsentiert. Da stellt sich die Frage: was meint er mit „implizierter Akzeptanz“, was sollen wir akzeptiert haben?
Die erste Fraktion erklärte sich zunächst bereit, ein Teil von Sotschi [Kongreß vom 31.1.2018, s. Teil VI] zu sein und sich mit der zweiten Fraktion in Sotschi zusammenzusetzen. Sie akzeptierte später, einen Verfassungsausschuss einzurichten und Gedanken zur Verfassung zu diskutieren. Mit denen zusammenzusitzen, impliziert nicht, daß wird deren Art akzeptierten.
Die erste Fraktion befindet sich in Syrien, lebt in Syrien, gehört zu allen Segmenten der syrischen Gesellschaft; ebenso gibt es einen Staat, der denselben Standpunkt vertritt, vom syrischen Volk gewählt ist und von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird.
Die zweite Fraktion ist ernannt von wem? Sie ist bestimmt von der Türkei. Warum verspätete sich die Formierung des Verfassungsausschusses? Ein ganzes Jahr lang haben wir mit der Türkei vermittels der Staatsgaranten Rußland und Iran verhandelt. Die zweite Fraktion wurde nicht von irgendeiner syrischen Seite bestellt; einige [davon] repräsentieren die Terroristen, die Mehrheit repräsentiert die Regierungen, welche sie beeinflussen; das sind ganz besonders die Türkei und selbstverständlich die, die sich im Hintergrund aufhalten: die [US]-Amerikaner und andere.
Und dann ist da noch die andere Fraktion, welche, wie ich sagte, die Terroristen vertritt. Was soll ich also akzeptieren? Akzeptiere ich, daß Terroristen Patrioten seien oder akzeptiere ich jene, die von anderen bestellt worden sind oder akzeptiere ich Handlanger als Patrioten. Lassen Sie uns offen sprechen. Warum sollten wir lügen oder uns um diplomatische Ausdrucksweise bemühen? Die Realität ist, daß es eine patriotische Fraktion gibt, die es mit einer Fraktion von Handlangern und einer von Terroristen zu tun hat, so einfach ist das. Aber um diplomatisch zu sein und niemanden zu verärgern, werde ich es syrisch-syrischen Dialog nennen, aber nur im Sinne eines Personalausweises, Reisepasses, einer Staatsangehörigkeit. Wenn es aber um die [wahre] Zugehörigkeit geht, wäre die Antwort zu weit entfernt von diplomatischer Ausdrucksweise.
Journalist: Pedersen war der Ansicht, der Beginn der Arbeit des Ausschusses stelle eine Rückkehr nach Genf dar. Sind wir nach vier Jahren nach Genf zurückgekehrt? Und was ist mit Sotschi und Astana?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir sind nur geographisch nach Genf zurückgekehrt, wohingegen wir politisch ein Teil von Sotschi [d.i.: Kongreß vom 31.1.2018, vgl.o.] sind und alles, was geschieht, hat seinen Bezugsrahmen in Sotschi und ist eine Fortsetzung davon. Da ist kein Genf[-Bezug], es ist nicht Teil des Prozesses. Die Tatsache, daß die UNO in Sotschi vertreten gewesen ist und daran teilgenommen hat (Teil VI), verleiht dem [Kongreß] eine notwendige internationale Dimension. Das heißt aber nicht, daß Genf Sotschi unterminiert. Da gibt keinen Genf[-Bezug].
Nein, wir sind nur geographisch nach Genf zurückgekehrt, wohingegen wir politisch ein Teil von Sotschi [d.i.: Kongreß vom 31.1.2018, vgl.o.] sind und alles, was geschieht, hat seinen Bezugsrahmen in Sotschi und ist eine Fortsetzung davon. Da ist kein Genf[-Bezug], es ist nicht Teil des Prozesses. Die Tatsache, daß die UNO in Sotschi vertreten gewesen ist und daran teilgenommen hat (Teil VI), verleiht dem [Kongreß] eine notwendige internationale Dimension. Das heißt aber nicht, daß Genf Sotschi unterminiert. Da gibt es keinen Genf[-Bezug].
Journalist: Könnten die Aussagen von Pedersen, alle Aussagen, die wir hier durchgegangen sind, darauf abzielen, die [Ergebnisse der] Arbeit des Ausschusses vorwegzunehmen, oder liegen sie völlig außerhalb des Kontextes von dessen Arbeit? Und was die Verfassung betrifft, handelt es sich insbesondere um eine vollständige Änderung der Verfassung, eine Diskussion über die Verfassung oder die Änderung einiger Bestimmungen der Verfassung?
Präsident Dr. al-Assad: Es wird versucht, die Arbeit des Ausschusses in eine bestimmte Richtung zu lenken. Das ist sicher, wir sind uns dessen voll und ganz bewußt und werden es nicht zulassen. Deshalb hat alles, was außerhalb des Ausschusses verkündet wird, keinen Wert, absolut Null, ganz einfach. Deshalb sollten wir unsere Zeit nicht mit solchen Aussagen vertun oder ihnen irgendeine Bedeutung beimessen. Was ist der zweite Punkt?
Journalist:… zur Art der Arbeit des Ausschusses: Erörtert er die Bestimmungen der Verfassung, ändert er einige Bestimmungen oder ändert er die Verfassung vollständig?
Präsident Dr. al-Assad: Dies macht[e] einen großen Teil der Diskussion bei der Formierung des Verfassungsausschusses aus: sollen wir die Verfassung ändern oder eine neue Verfassung haben? Unser Standpunkt war, wenn wir eine Bestimmung der Verfassung ändern und sie einem Referendum vorlegen, wird sie zu einer neuen Verfassung. Es gibt also keinen wirklichen Unterschied zwischen einer Änderung der Verfassung oder einer neuen, denn es gibt nichts, was die neue Verfassung, eine völlig neue Verfassung definiert. Das ist alles Theorie und keine reale Bedeutung.
Für uns ist von Bedeutung, daß alles, was bei den Sitzungen dieses Ausschusses herauskommt, dem nationalen Interesse entspricht, selbst wenn es von A bis Z eine neue Verfassung wird, werden wir dem zustimmen. Wenn aber die Änderung einer einzigen Verfassungsvorschrift gegen das nationale Interesse ist, werden wir dem entgegentreten.
Um also nicht unsere Zeit mit Sophisterei zu vergeuden, sollten wir uns auf die Implikationen konzentrieren. Wir sind uns vollends des Spiels bewußt, das sie zu spielen versuchen werden. Sie versuchen, den Staat zu schwächen und ihn so umzuwandeln, daß er aus dem Innern nicht zu kontrollieren ist und – demnach – von außen kontrolliert wird. Das Spiel ist klar, es hat in den Nachbarstaaten stattgefunden [siehe z.B. Irak und Libanon], wir brauchen keine Namen zu nennen. Das wird nicht passieren; aber sie werden es versuchen und wir werden das nicht hinnehmen.
Dies ist die Zusammenfassung eines monatelangen oder längeren – ich weiß es nicht – Dialogs. Natürlich meine ich den Dialog über die Zukunft.

 

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit dem russischen Kanal NTV vom 24.6.2018
(https://sana.sy/en/?p=140830, https://www.sana.sy/?p=771978)

 

Präsidenten-Interview mit NTV-Rußland vom 24.6.2018, Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, jetzt, da ISIS fast vernichtet, Damaskus nahezu sicher und unter Kontrolle der Regierungskräfte ist und soweit Sie manche Operation im Süden und Osten durchführen,  besteht die Möglichkeit, eine Zusammenfassung gewisser Situationen zu geben. Könnten Sie mir, als Präsident vom Werdegang und als Arzt von der Ausbildung her, mitteilen, was es war … wie Sie die ersten Symptome dieses Krieges – die ersten Symptome dieser Invasion Ihres Landes in Ihrer Ausdrucksweise – übersehen konnten? Was war es?
Präsident Dr. al-Assad: Wir müssen da zwischen den internen und externen Symptomen unterscheiden. Bezogen auf die internen Symptome haben wir Probleme wie jede andere Gesellschaft in unserer Region, wir sind Teil dieser Region und diskutieren diese Probleme andauernd. Mag sein, daß wir ein Defizit bei der Lösung des Problems gehabt haben, das wir vor dem Krieg hätten lösen können, oder auch nicht.  Das unterliegt der subjektiven Einschätzung eines jeden Syrers, man könnte sagen, von dessen anderem Standpunkt aus. Wenn man aber über den externen Faktor sprechen will, so ist er bei der Verursachung dieses Krieges sehr wichtig, denn kein anderes Land in dieser Region hat einen ähnlichen Krieg erlebt, obwohl wir die gleichen Gesellschaften haben, dann bestehen da [noch] die schlimmen Probleme wie in den Golf-Staaten, wo man überhaupt keine Freiheit genießt, einerlei ob es Frauen, die Leute [im Ganzen] oder was auch immer betrifft. Wenn das beispielsweise der Grund wäre – da das der zu Anfang verbreitete Slogan war – warum  passierte Gleiches nicht in jenen Ländern? Demnach war das, was passierte, nicht intern [bedingt], da dieselben Probleme seit Jahrzehnten, manche gar seit Jahrhunderten bestehen. Es ist demnach der externe Faktor, der nicht klar gewesen ist, den wir nicht wahrgenommen haben, da der Plan dazu freilich nicht in Syrien erstellt wurde, sondern in manchen westlichen Ländern, hauptsächlich den USA, Frankreich und Großbritannien. Dann gab es noch andere Satellitenstaaten wie die Türkei, Saudi-Arabien und Qaṭar, die ebenfalls planten und zu Anfang Geld sandten, nachdem es ihnen [allen] nicht geglückt war,  eine Art spontaner Revolution in die Wege zu bringen; daher begannen sie, Geld zu schicken, und damit begann das Problem. Das war uns von Anfang an klar, doch konnten wir es wohl nicht kontrollieren.
Frage 2:  Doch warum bemerkten Sie nicht …  als ich z.B. vor ein paar Monaten nach Ost-al-Ġûṭa kam, sah ich überall die Tunnels, die durch Ingenieure konstruiert [und] mit riesigen Maschinen, mit Bulldozern angelegt worden waren, wie konnte Ihnen das entgehen? Haben Sie dafür jetzt eine Erklärung, wie sie es hinkriegten, diese Untergrundstädte anzulegen?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich konnten sie die Hilfsmittel benutzen, die in jener Gegend verfügbar waren, ob von der Regierung oder von privaten Firmen u.s.w. gestohlen; dazu erhielten sie Unterstützung aus Jordanien geradewegs durch die leere Wüste direkt nach al-Ġûṭa, wo das niemand kontrollieren oder unter Beobachtung halten kann, denn wir haben freilich nicht die Mittel, sprich Satelliten und Dergleichen, um das alles verfolgen zu können. Und: zu der Zeit, als sie zu graben begannen, taten sie das ja im Untergrund der Städte, was man mit dn Augen nicht wahrnehmen kann.
Frage 3: Als ich nach Ost-al-Ġûṭa kam, traf ich Leute, die selbst gesehen zu haben angaben, wie Ğabhatu_n-Nuṣra die C-Waffen in ihr Gebiet abgefeuert  haben. Ich habe die ganzen Schutzanzüge in den Räumlichkeiten gesehen, die Ğabhatu_n-Nuṣra als Hauptquartier dienten, u.s.w. Doch der Westen  verbreitet die Geschichte, daß Sie Ihre eigenen Leute mit C-Waffen vergiftet hätten. Warum ist das so, warum hört niemand auf die Leute [vor Ort], und warum besteht der Westen so hartnäckig  [auf der Fehldarstellung]?
Präsident Dr. al-Assad: Weil das Chemie-Narrativ Teil ihres Haupt-Narrativs gegen die Regierung von Syrien  ist. Doch sie nutzen sie nur, wenn ihre Truppen, ihre Proxies, die Terroristen in gewissen Gegenden Syriens Niederlagen erlitten haben. Sie benutzen diese Story bzw. das Narrativ, um einen Vorwand für eine direkte militärische Intervention zu haben und einen Angriff auf die syrische Armee zu haben.  Das ist schon viele Male passiert und jedes Ma benutzen sie dann diese Story, aber nur, wenn ihre Proxies, die Terroristen, besiegt worden sind. Das sollte doch, meine ich, logisch sein, allein schon, weil wir keine C-Waffen mehr haben, seit wir sie abgeliefert haben …
Nachfrage der Journalistin: Sie haben gar keine mehr?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, gar keine. Seit 2013 haben wir keine mehr. Doch lassen Sie das einmal beiseite! Sogar wenn welche da wären, würde man diese Waffen  zumindest einsetzen, wenn man kurz vor der Niederlage stünde, aber doch nicht, wenn man im Krieg am Siegen ist. Und wirklich: immer wenn wir am Siegen sind, nutzen  sie es [das Narrativ] benutzen das; es ist also gegen die Logik, doch es [das Narrativ] wird benutzt als Vorwand zur Unterstützung der Terroristen in Syrien.
Frage 4: Gibt es einen Weg, all diese Provokationen zu vermeiden, da das russische Verteidigungsministerium mitgeteilt hat, daß eine solche in Dair az-Zaur in Vorbereitung sei, das haben kürzlich mitgeteilt. Wie stoppt man das?
Präsident Dr. al-Assad: Das kann man nicht, da es kein Ergebnis unserer Realität darstellt. Es ist das Ergebnis von deren Imagination, von deren Medien; es ist eine Kreation ihrer eigenen Medien und ihrer eigenen Länder, die dann in ae Welt über das Internet oder andere Mediensparten verbreitet wird. Die [US-]Amerikaner erzählen nur Lügen und sie greifen sofort an. Wenn es kein respektiertes Völkerrecht, keine effektiven UN-Institutionen  mehr gibt, kann man nicht über die Vermeidung von Provokationen sprechen, da es sich überall in der Welt nur noch um eine Dschungel handelt.
Frage 5: Sie sind am Siegen, Sie haben schon die Kontrolle über die meisten Teile des Landes, aber es gibt so viele Spieler in Syrien, so viele Parteien mit [Eigen-]Interessen. [US-]Amerika verhandelt irgendwo mit der Türkei, die Iraner verhandeln, die Kurden haben ihre eigenen Interessen. Wie löst man das alles, wie hält man Syrien zusammen? Heutzutage scheint Syrien doch zerrissen zu sein. Dabei sagten Sie doch, Ihr Hauptformel sei so etwas wie „ein Syrien für eine Nation“.
Präsident Dr. al-Assad: Wenn man über ein zerrissenes Syrien sprechen möchte, ist das – lassen Sie mich sagen – hinsichtlich der Geographie [möglich], aber nicht hinsichtlich der Gesellschaft; die Gesellschaft ist geeint. Diesbezüglich gibt es also kein Problem. Man kann also Syrien als geeint betrachten, sofern die Bevölkerung geeint ist. Was sie Zerrissenheit anbelangt, geht auf die Besetzung [syrischen Gebiets durch Ausländer]  zurück. Verschiedene Teile Syrien sind durch Terroristen mit Unterstützung des Westens, hauptsächlich der USA und ihrer Alliierten, besetzt. Wenn man demnach über Syriens Zukunft reden will, rechnen wir die nicht mit ein.
Das Thema politischer Prozeß wird allein ein syrischer sein. Dabei tragen wir nicht den Interessen irgendwelcher anderer Regierungen Rechnung. Wir haben nicht die Interessen irgendwelcher anderer Regierungen im Blick, wenn es um etwas Internes geht.
Wenn man über den Krieg spricht, so wird er zu einem internationalen Krieg, da das schon in seinem Beginn lag. Tatsächlich ging es nicht nur um die Regierung von Syrien; die Regierung von Syrien ist unabhängig; wir unterhalten gute Beziehungen zu Rußland, zu China, zu anderen Ländern; die USA wollen die Weltkarte in politischer und wohl auch militärischer Hinsicht neu zeichnen. Daher war Syrien eines der Hauptschlachtfelder, um diese Karte – zumindest für den Nahen Osten – neu zu zeichnen. Wenn Sie also über jene Interessen sprechen, ist dies ein Kampf zwischen diesen Mächten: die Hauptmacht sind die USA und deren Alliierte, welche die Terroristen unterstützen mit dem Ziel der Erlangung der Hegemonie; die andere Macht ist Rußland mit seinen Alliierten, deren Ziel die Terrorismusbekämpfung und die Wiederherstellung des Völkerrechts ist.
Frage 7: Was erwarten Sie von Rußland in diesem Fall? Denn es gibt so viele Spieler, denen sie gesagt haben, sie sollen ae Syrien verlassen; Sie sagten, die syrische Nation werde eines Tages jeden auffordern, diesen Boden zu verlassen. Was erwarten Sie demnach von Rußland in diesem Fall? Denn wir sind doch Alliierte, wir sind Freunde.
Präsident Dr. al-Assad: Freundschaft ist ein langfristiges Thema zwischen Syrien und Rußland, sie ist sechs Dekaden alt, doch wir unterzeichneten den Militärvertrag für mehr als vier Dekaden.  Wir haben zwei Erwartungen:  zunächst einmal haben Syrien und Rußland ein Interesse an der Bekämpfung und Beseitigung des Terrorismus, in Syrien, in Rußland, überall in der Welt. Das ist also die erste Erwartung, das erste Ziel.
Die zweite ist eine langfristige: Rußland ist sehr wichtig für das globale Gleichgewicht, das wir mit dem Zerfall der Sowjetunion verloren haben. Rußland in politischer und militärischer Hinsicht hier in Syrien, dem Nahen Osten und dem Rest der Welt zu haben, ist wichtig für das Gleichgewicht. Es nicht nur für Rußland selbst und die anderen Großmächte bedeutsam; dieses Gleichgewicht zu haben, ist wichtig für kleinere Länder wie Syrien. Was wir auf beiden Ebenen von Rußland erwarten ist demnach: Terrorismusbekämpfung und die Beibehaltung des globalen Gleichgewichts.
Frage 8: Ich bin in Ost-al-Ġûṭa gewesen und habe gesehen, wie stark und heftig es zerstört ist; so viel ich weiß, benötigen Sie400 Milliarden US-$ für den Wiederaufbau des Landes. Doch der Westen sagt, er wolle kein Zehncentstück  geben, solange Sie an der Macht seien. Was könne sie in dieser Lage tun, da Sie das ganze Land wieder aufbauen müssen?
Präsident Dr. al-Assad: Offen gesagt ist das das beste westliche Statement während des Krieges, daß sie kein Teil des Wiederaufbaus von Syrien sein wollen, da wir ihnen ganz einfach nicht erlauben würden, ein Teil davon zu sein, ob sie nun mit oder ohne Geld, einem Kredit, einer Spende, einem Zuschuß oder sonst etwas daherkommen; wir brauchen den Westen nicht. Der Westen ist keineswegs aufrichtig, sie geben nicht, sie nehmen nur. Vor allem  aber haben wir Syrien die Geschichte hindurch nicht mit fremdem Geld aufgebaut, sondern mit unserem und  mit unseren menschlichen Ressourcen. Wir haben – trotz des Kriegs – noch die menschlichen Ressourcen, um jeden Sektor in unserem Land wieder aufzubauen. Darüber machen wir uns keine Sorgen. Das Geld betreffend hatten wir vor dem Krieg keinerlei Schulden, da wir unser Land mit Krediten von unseren Freunden aufbauten. Also: wir haben kein Geld, doch man kann von Freunden Anleihen nehmen, man kann Geld haben von Syrern, die im Ausland wie im Inland leben und das Geld der Regierung. Daher machen wir uns darum keine Sorgen. Es mag mehr Zeit brauchen, doch wir sorgen uns überhaupt nicht um den Wiederaufbau von Syrien. Vergessen Sie nicht, daß der Wiederaufbau nach dem Krieg bei einer Summe von 400 Milliarden – mehr oder weniger, das ist eine ungefähre Schätzung –  ein Teil der Gesamtwirtschaft, des gesamten Marktes ist, es ist ein Gesamtinvestment. Wenn also die Europäer davon reden, zwecks des Wiederaufbaus zu kommen, kommen sie nicht, um Syrien zu helfen, sie kommen, um Geld zu verdienen. Viele europäische Firmen machen derzeit Verträge mit uns, um sich die Tür für ein Investment in Syrien zu öffnen.
Nachfrage der Journalistin: In privater Hinsicht?
Präsident Dr. al-Assad: Privat, sicherlich. Aber selbstverständlich mit Unterstützung ihrer Regierungen. Sie brauchen also diesen Markt, sie, d.h. die meisten europäischen Länder  befinden sich wirtschaftlich seit 2008 in einer ganz fatalen Situation. Sie brauchen viele Märkte, Syrien ist einer davon, und wir erlauben ihnen nicht, Teil davon zu sein, ganz einfach.
Frage 9: Wenn wir vom Wiederaufbau des ganzen Landes sprechen, bedeutet das auch die Wiederherstellung von Vertrauen und Freundschaft zwischen den Menschen, da wir das teilweise als Bürgerkrieg ansehen können, wenn der Bruder den Bruder niederschießt wegen unterschiedlicher religiöser oder anderer Ansichten. In diesem Fall beginnen Sie mit dem Verfassungskomitee. Die Opposition erstellte ihre Liste dafür. Werden Sie für die nächste Amtszeit als Präsident kandidieren, oder wie ist diese politische Struktur  Ihres Lands wiederherzustellen?
Präsident Dr. al-Assad: Zu allererst haben wir keinen Bürgerkrieg, da ein Bürgerkrieg auf konfessionellen, ethnischen, religiösen u.s.w. Scheidelinien basiert. Das haben wir in Syrien nicht. Sie können überall hingehen, insbesondere in die Gebiete unter Regierungskontrolle, wo sie das ganze reiche Spektrum der syrischen Gesellschaft abgebildet und die Leute miteinander leben sehen. Das ist tatsächlich keine Übertreibung, sondern ein Faktum. Der Krieg war eine sehr wichtige Lektion, weshalb diese mannigfaltige Gesellschaft viel mehr zusammensteht als vor dem Krieg, eben weil wir die Lektion gelernt haben . Wenn Sie dagegen in Gegenden unter Terroristenkontrolle gehen, dann repräsentieren diese nicht einmal eine Farbe dieser Gesellschaft, sondern reflektieren tatsächlich nur, was ihnen der [terroristische Ideologie]brutschrank vorgibt; die Leute haben ja keine andere Wahl, als in jenen Gegenden zu leben, sie haben keine andere Wahl, Wegen eines Bürgerkriegs brauchen wir uns also keine Sorgen zu machen. Es geht also nicht darum, daß sich die Bürger untereinander erschießen würden, sondern [die Täter] sind Söldner, sind Terroristen.
Sie haben in Ihrem Land, Rußland, Terroristen, und es sind Russen, doch sie repräsentieren keinen Teil der Gesellschaft, sie repräsentieren ihre eigene Ideologie. Dieselbe Situation herrscht in Syrien. Bezüglich der Einheit der Bevölkerung haben wir demnach kein Problem.
Hinsichtlich der Präsidentschaft sind zwei Faktoren [zu beachten]: der erste ist mein Wille und der basiert auf dem zweiten Faktor, dem Willen der syrischen Bevölkerung. wir haben noch drei Jahre Zeit. Dann, 2021, werden die syrischen Bürger bereit sein [zu entscheiden], ob sie jene Person, jenen Präsidenten, [auch als neuen] akzeptieren oder nicht. Wenn nicht, was sollte ich dann mit der Präsidentschaft? [Dann] kann ich nichts tun, kann keinen Erfolg haben ich, kann ich meinem Land nichts geben. Demnach muß die Antwort „nein“ lauten“. Falls aber ja, dann werde ich darüber nachdenken, doch ist es noch zu früh, wir haben noch drei Jahre bis dahin.
Nachfrage der Journalistin: Doch was ist mit all diesen konstitutionellen Reformen, welche von den UN gefordert wurden?
Präsident Dr. al-Assad: wir haben 2012 Reformen durchgeführt, und nun haben wir die Sotschi-Konferenz, sie werden über sie diskutieren. Jegliche Verfassungsreform ist nicht an den Präsidenten gebunden, nicht an die Regierung, sie ist mit dem Volk verbunden. Wenn es also um irgendeine Veränderung, Ergänzung wie auch immer gehen sollte, muß diese durch ein Referendum,  ein nationales Referendum geschehen. Wenn ein nationales Referendum stattfände und die Bevölkerung eines neue Verfassung unterstützte, würden wir sie freilich umsetzen; doch das ist nicht dem Willen der UN oder fremder Länder unterworfen, sondern allein voll und ganz dem der Syrer. Wenn die Syrer keine Veränderung wünschen, wird es keine geben, was auch immer [sonst passiert].
Frage 10: Einer der Hauptspieler sind die USA, und Trump traf sich in Singapur mit Kim. Kürzlich verkündete der Iran, wir würden Trump niemals treffen, da Kim [sic!] kein Muslim ist; er [d.i. Trump] versteht nicht, was vorgeht, wir werden niemals mit Trump zusammentreffen. Würden Sie, wenn es notwendig würd, Trump direkt oder indirekt treffen? Denken Sie, daß es für Sie nötig sei, mit Trump zu sprechen?
Präsident Dr. al-Assad: Wir glauben, mit einem Kontrahenten – und selbstverständlich jedem anderen – zu diskutieren, zu sprechen, zu verhandeln, ist produktiv, doch in diesem Fall, [muß ich feststellen] daß wir seit der ersten Verhandlung mit den USA im Jahr 1974 nichts erreicht haben, was auch immer der Sachverhalt gewesen ist. Das Problem mit den [US-]amerikanischen Präsidenten ist, daß sie Geiseln ihrer Lobbys im Bereich Mainstream-Medien, Finanzen, Öl, Waffen etc. sind.
Demnach können sie einem erzählen, was auch immer man hören will, doch sie werden das Gegenteil tun; so liegt der Fall und es wird schimmer und schlimmer; Trump ist dabei ein sehr treffendes (stark) Beispiel. Daher hat ein Gespräch, eine Diskussion mit den [US-]Amerikanern keinen Sinn, da man damit nichts erreicht, es ist nur Zeitvergeudung.
Frage 11: Jedes Mal, wenn ich an Syrien denke, erinnere ich mich daran, daß sie von der Ausbildung her Arzt sind, daß sie eine lange Zeit in London gelebt haben, daß sie ein Teil jener Gesellschaft gewesen sind, und nun betrachtet jene Gesellschaft Sie als ein  – wie ein Abbild des Bösen auf Erden und jeder dort – wie die Nachrichtenblätter und die Politiker – redet davon, daß Sie die Bevölkerung mit Chemiewaffen vergiften, daß sie all dies schreckliche Zeug Ihren eigenen Bürgern antun würden. Wie fühlen Sie sich dabei, verursacht Ihnen das einen emotionalen Druck – Ihnen und Ihrer Familie? Wie erklären Sie denen, was vorgeht?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich leben wir – emotional – mit diesem Desaster in Syrien seit sieben Jahren. Wenn man ein noch größeres Desaster hat, fühlt man [bzgl. des ersteren] nicht weniger Druck, so ist das nicht. Damit meine ich, jeder Blut[stropfen], der täglich von einem Syrer vergossen wird, sorgt für viel mehr Gemütsbewegung als deren falsches Narrativ. Das als erstes. Zweitens, wenn Sie wissen, daß die lügen, berührt es Sie emotional nicht.  Es macht Ihnen dann etwas aus, wenn es sich um glaubhafte, faktenbasierte Kritik und – sozusagen – überzeugende Geschichten handeln würde. Da kann man, sozusagen, Schmerz und emotionalen Druck spüren. Das Problem mit dem Westen ist, daß sie dort überhaupt keine Staatsmänner mehr haben. Das Ersatzprodukt für  [echte] Staatsmänner und Realpolitik ist Fake-Politik; Fake-Politik braucht dann Fake-Storys und die Storys über C-Waffeneinsätze sind Teil dieser Fake-Storys.
Tatsächlich hat die westliche Politik – und dabei spreche ich nicht über die Leute, nur über die Politiker – keinerlei ethischen Anspruch  [mehr], sie vertritt keinerlei Werte [mehr]. Wenn man also mit Menschen ohne Werte, ohne ethische Prinzipien zu tun hat, bewirken sie nicht in Deinem Herzen oder in Deinem Denken, in Deinem Geist.
Frage 12: Und die wahrscheinlich letzte Frage ist: immer wenn wir nach West-al-Ġûa kommen, sehen wir die vom IS und Ğabhatu_n-Nuṣra hinterlassenen Sprüche: „Wir werden zurückkommen!“ Für uns ist das gruselig, da wir bei der Unterstützung Syriens in seinem Kampfgegen das „Kalifat“ eine Menge Geld ausgegeben und viele Leben verloren haben. Für uns ist es demnach gruselig, daß sie eines Tages zurückkommen könnten. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst einmal ist das eine Ideologie, eine dunkle Ideologie, die die letzten fünf, nahe fünf Dekaden lang propagiert worden ist; denn es begann damit in den späten 1960er Jahren und später, nicht erst in den 1990ern und danach – rund um die Welt hauptsächlich durch die saudischen Wahhâbiten und selbstverständlich mit Unterstützung der USA und des Westens im Allgemeinen. Es handelt sich demnach um eine religiöse Gefahr mit politischer Unterstützung, es ist also beides. Damit ist es nichts Spontanes. Sie werden zurückkommen, sicher, da sie auch weiterhin von westlichen Mächten künftig benutzt werden, möglicherweise aber unter anderem Namen. solche Mächte waren in Afghanistan vor 30 Jahren zugange und Reagan nannte sie „holy fighters“ (heilige Kämpfer), er nante sie nicht Terroristen. Nun werden sie als Terroristen bezeichnet, doch sie [die westlichen Mächte] benutzen jene Terroristen. Möglicherweise werden sie in 10 Jahren irgendwo [anders] in der Welt unter andrem Namen eingesetzt werden; das selbe Produkt, doch in neuer Verpackung (mit neuem Namen). Es ist also ein westliches Instrument. Daher ist die Frage nach dem Empfinden dieser Gefahr berechtigt. Das als Erstes.
Zweitens haben Sie Recht, diese Sorge zu empfinden, sogar in Rußland, nicht weil Rußland Leben in Syrien verloren hat, sondern weil Sie denselben Terrorismus in Rußland haben. Wie ich das sehe? Wenn solche Terroristen in Rußland Erfolg haben , werde ich in Gefahr sein; denn sie werden nach Syrien und in andere Länder kommen und umgekehrt. Bei der Verteidigung von Syrern haben Sie also [auch] Russen verteidigt. Sie bezahlten demnach den Preis in Syrien beim verteidigen der Syrer, doch verteidigten dabei genauso Russen, da Terrorismus keine politischen Grenzen kennt. Für den sind das Gebiet von Rußland bis nach Syrien ein einziges Schlachtfeld, möglicherweise bis Indonesien, bis nach Marokko am Atlantik.
Frage 13: Wie läßt sich die Besetzung in Nord-Syrien stoppen, da doch das Übereinkommen zwischen [US-]Amerika und der Türkei bezüglich des syrischen Territoriums besteht?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben zwei Wege eingeschlagen, der erste und hauptsächliche war die Rekonziliation, sie hatte Erfolg. Damit haben wir solche Areal zurück zur Normalität gebracht, wo die Leute ein normales Leben führen und die Regierung das Leben der Leute mittels ihrer Institutionen kontrolliert. Der andere ist, die Terroristen anzugreifen, wo immer sie sich weitern, aufzugeben und die Rekonziliation verweigern. Wir attackieren sie und übernommen mit Gewalt die Kontrolle, was nicht unser bevorzugtes Mittel ist, doch ist es das einzige, um die Kontrolle über das Land wiederzubekommen.
Nachhaken der Journalistin: Das sieht aber nach getrennten Teilbereichen aus, sie teilten sie untereinander auf, ich meine [US-]Amerikaner und Türken sehen es wie das Territorium, das kontrolliert …
Präsident Dr. al-Assad: Glauben Sie das nicht! [US-]Amerika kontrolliert alles, es kontrolliert die Türkei; [US-]Amerika schickte die Türkei vor und [US-]Amerika hielt die Türkei zurück, fünf Jahre bevor Erdogan in Syrien einfallen wollte, fünf Jahre zuvor sagten sie nein. Warum? Weil zu jener Zeit die Terroristen erfolgreich waren, sie breiteten sich aus; wozu brauchte es da Erdogan? Als sich die Terroristen zurückzuziehen begannen, sagten sie [d.h.: die [US-]Amerikaner] Erdogan, jetzt kannst Du Dich einmischen, da es für die Syrer, die Russen, die Gruppe vom Iran und die Gruppen, die die Terroristen bekämpfen, besser steht; also interveniere jetzt besser, nur u wieder Chaos anzurichten, und das ist auch passiert; doch all diese Gebiete sind unter Kontrolle der USA und niemandes sonst. Nachfrage der Journalistin: Machen sie Ihrer Meinung nach deshalb solchen Druck auf den Iran?
Präsident Dr. al-Assad: Genau, aus unterschiedlichen Gründen, aber am Ende kontrollieren sie, die [US-]Amerikaner, ISIS im Osten und sie unterstützten ISIS im Osten, sie unterstützten Ğabhatu_n-Nuṣra in Idlib und im Nordwesten und sie unterstützten Ğabhatu_n-Nuṣra, ISIS und andere Fraktionen im Süden; aber sie weisen Sie weisen [erg.: ihnen] unterschiedliche Rollen in unterschiedlichen Ländern zu.
Einmal fordern sie die Türken auf, ein anderes Mal die Saudis, dann mal die Qaṭaris u.s.w.; doch all diese Länder, einschließlich Frankreich und Großbritannien, sie alle sind [nur] [US-]amerikanische Marionetten, um es einfach und klar auszudrücken.
Journalistin: Ich danke Ihnen vielmals.
Präsident Dr. al-Assad: Danke ebenfalls.

 

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit einem Journalistin des iranischen TV-Senders al-ʽÂlam, ausgestrahlt am Abend des  3.6.2018
(https://sana.sy/en/?p=140166, https://www.sana.sy/?p=767411)

Präsidenten-Interview vom 13.6.2018, Photo: SANA

Frage 1:  Herr Präsident, es gibt viele Fragen, über die wir sprechen werden; aber im Licht der erreichten Siege bleibt der Hauptfokus auf  Süd-Syrien. Was geht da genau vor, oder: wie ist das Geschehen in Süd-Syrien zu sehen?
Präsident Dr. al-Assad: Einfach gesagt, nach der Befreiung von Ost-al-Ġûṭa wurde vorgeschlagen, daß wir uns dem Süden zuwenden sollten. Uns standen zwei Optionen offen – wie in allen anderen Gegenden Syriens: Rekonziliierung oder Befreiung mit Gewalt. An diesem Punkt schlugen die Russen vor, der Möglichkeit von Rekonziliation eine Chance zu geben, ähnlich wie schon in anderen Gegenden, um die Lage von vor 2011 wiederherzustellen. Mit anderen Worten heißt das für die in dieses Gebiet verlegte SAA, daß es sich um ein Areal der Konfrontation mit dem zionistischen Feind handelt.  Und sicherlich sollten die Terroristen die Gegend verlassen. Dieser Vorschlag ist uns genehm. Bis jetzt gibt es [aber] aus einem ganz einfachen Grund  keine konkreten Resultate: wegen der israelischen und [US-]amerikanischen Einmischung [oder: Übergriffe]; denn sie üben Druck auf die Terroristen in jenem Gebiet aus, um das Erreichen eines Kompromisses oder einer friedlichen Lösung zu verhindern.  So steht es jetzt.
Frage 2: Demnach ist [noch] nicht entschieden, ob es zu einem militärischen Vormarsch oder einer Rekonziliierung kommt?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, Kontakte sind im Gang zwischen den Russen, den [US-]Amerikanern und den Israelis, während niemand mit den Terroristen kommuniziert, da sie bloß Marionetten sind und umsetzen, was ihre Herren (masters) letztlich entscheiden. Das spielt sich ab, d.h. es bestand eine Chance, eine Rekonziliierung zu erreichen, doch die [US-]amerikanische und israelische Störaktion (interference) verhinderte das.
Frage 3:  Sicherlich sieht so die Realität dort aus. Aber andererseits gibt es da jene, die über allerlei Vorgänge im Süden sprechen. Herr Präsident, gibt es da einen gewissen Deal, zu welchem Preis? Gibt es tatsächlich einen Preis für den Abschuß dieses Deals im Süden? Lassen Sie mich offen über diesen Sachverhalt sprechen z.B. [der Art, daß] die Iraner die südliche Region zu verlassen haben im Austausch für at-Tanaf? Was haben die [US-]Amerikaner gefordert, oder, was war sozusagen der Preis, den die [US-]Amerikaner für die Zustimmung zum Rekonziliierungsprozeß im Süden verlangten?  
Präsident Dr. al-Assad: [US-]Amerikaner folgen [nur] einem generellen Prinzip beim Umgang mit jeglichem Problem in der Welt. Der einzige Preis, den sie fordern, ist absolute Hegemonie, ohne Rücksicht auf den Sachverhalt oder den Ort. Freilich werden wir jenen Preis niemals  zahlen; auf der anderenfalls hätten wir niemals jahrelang diesen Krieg führen müssen.  Wir haben für die Unabhängigkeit der syrischen Entscheidungsfindung gekämpft, für die syrische Heimat und für die Einheit des syrischen Territoriums. Was den Irans im besonderen angeht, lassen sie mich ganz klar sagen: die syrisch-iranische Beziehung ist eine strategische, kein Gegenstand eines Deals im Süden oder im Norden. In Bezug auf ihre Auswirkungen und Resultate vor Ort steht diese Beziehung im Zusammenhang mit der Gegenwart und Zukunft der Region. Folglich ist sie kein Gegenstand mit einem Preisschild auf dem internationalen Basar. Weder Syrien noch der Iran haben diese Beziehung auf den internationalen Basar gebracht, um sie der Feilscherei auszusetzen.
Der Vorschlag wurde von den Israelis gemacht mit dem Ziel, den Iran zu provozieren und in Verlegenheit zu bringen. Dies kommt zur gleichen Zeit wie internationale Propagandakampagne gegen den Iran mit Bezug auf die Nuklearakte. Die ist keine separate Frage. Alles, was jetzt vorgeht, ist mit dem Iran verbunden, um eine internationale Haltung gegen ihn zu kreieren – wie gegen uns in Syrien. Wir kämpfen denselben Kampf; und wenn wir eine Entscheidung hinsichtlich des Irans fällen, werden wir darüber mit den Iranern reden und nicht mit irgend einer anderen Partei.
Frage 4:  Sicherlich werden wir uns über den Iran unterhalten und auch detaillierter, doch da wir über die Südfront reden, lassen sie uns das näher ausführen: Praktisch besteht dort im selben Kontext ein MOC [MOC = Mission Operations Center oder Military Operations Command], das seine Tätigkeiten seit Beginn des Kriegs gegen Syrien vor ca. acht Jahren nicht eingestellt hat. Es arbeitet, ist noch aktiv und mit den Israelis verbunden. Doch kürzlich haben wir festgestellt, daß es reaktiviert worden ist und dort mehr Kommunikationsverkehr herrscht. Herr Präsident, bedeutet das, daß der syrische Staat praktisch  auf eine entscheidende militärische Aktion im Süden zubewegt ohne Rücksicht auf die Konsequenzen, ob die Dinge eine Pattsituation erreichen oder nicht?. Steht eine entscheidende Aktion in den Karten der syrischen Führung?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das MOC hat nichts mit dieser Entscheidung zu tun. Das MOC ist verbunden mit der Präsenz und Rolle der Terroristen seit Kriegsbeginn in Syrien. Das ist der Grund für seine Existenz: um diese militärisch zu führen. Folglich bedeutet die andauernde Existenz dieses Operationsraums die Fortdauer der Rolle, die diesen Terroristen zugewiesen worden ist, d.h. sie werden ausgestattet und vorbereitet, um mehr terroristische Akte auszuführen. Das MOC ist mit den Terroristen verbunden und nicht mit der Rolle des syrischen Staats. Unsere Rolle hat nichts damit zu tun. Unsere Entscheidung war von Anfang an klar: wir werden das ganze syrische Territorium befreien. Wann eine Bewegung gen Süden, Norden, Osten oder Westen erfolgt, ist allein eine militärische Frage. Aber die Bewegung gen Süden erfolgt ohne Bezug zum MOC und wir geben dem politischen Prozeß eine Chance. Wenn der fehlschlägt, haben wir keine andere Option als ihn mit Gewalt zu befreien.
Frage 5: Aber es besteht eine Konfrontation im Süden und die Sachlage ist im weiteren politischen Sinn geographisch nicht auf Syrien begrenzt.  Da sind die [US-]Amerikaner, die Russen, die Israelis und die Ḥizbullâh. All diese Parteien befinden sich in dem Gebiet. Was bedeutet das? Wie gehen Sie damit um?
Präsident Dr. al-Assad: Sie sprechen über zwei Achsen: die eine ist die Terrorismusunterstützung und repräsentiert durch die USA, Israel  und einigeLakaien  in der Region einschließlich einiger arabischer und nicht-arabischer Staaten, und die andere ist die anti-terroristische Achse. Die erste Achse unterstützt den Terrorismus und erstrebt Hegemonie, während die zweite Achse nach Unabhängigkeit strebt. Demnach kann es nur ein Resultat dieser Konfronation geben, d.i. der Sieg der einen oder anderen Achse.
Was die anti-terroristische Achse betrifft, wird sie jedenfalls den Prozeß der Reinigung Syriens und der Region vom Terrorismus und auch nicht die Einheit des syrischen Territoriums aufgeben. Was die andere Achse betrifft: wird sie [ihre Pläne] ändern als Resutat der Realität vor Ort? Lassen Sie uns warten und zusehen. Doch in Bezug auf Wesenheit und Überzeugungen wird sie sich nicht ändern, während in Bezug auf die politische, durch die Realität diktierte Praxis und die Fakten vor Ort, könnte das zutreffen.
Frage 6: Werden die [US-]Amerikaner at-Tanaf  verlassen?
Präsident Dr. al-Assad: Die [US-]Amerikaner sagen, sie seien bereit dazu, aber jeder weiß, daß die [US-]Amerikaner in der Politik die Geschichte hindurch (historically) professionelle Lügner sind. Warum sollten wir ihnen demnach glauben? Also müssen wir warten und zusehen.
Frage 7: Herr Präsident,  was geht derzeit in Jordanien vor? Hängt es insbesondere mit den Vorgängen an der Südfront zusammen, d.h. steht es Ihrer Meinung nach in Verbindung, was sich in jener Region abspielt?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich besteht die einzige Information, die wir haben, in dem, was wir durch die Medien erfahren. In jedem Fall wünschen wir Jordanien Stabilität, kein Chaos, da letzteres einen negativen Einfluß auf uns hat.
Frage 8: Da wir über den Süden sprechen, lassen Sie uns diese Akte schließen. Herr Präsident, was würde die israelische Besatzung dazu bringen, sich mit der Rückkehr der syrischen Armee an die Grenze abzufinden, d.h. Rückkehr zur Situation zu  Beginn des Jahres 2011, nach sieben Jahren der wiederholten zionistischen Versuche, direkt oder indirekt den syrischen Staat, die Regierung und die Stabilität in Syrien zu unterminieren .  Warum sollte sie jetzt mit der Rückkehr der syrischen Armee an die Grenze und zum besetzten Golan einverstanden sein  
Präsident Dr. al-Assad: Sicherlich bedeuten den Israelis weder Überzeugung, noch Moral, noch das Völkerrecht irgend etwas. Seit Kriegsbeginn, insbesondere seit er besonders an der südlichen Front eine klare militärische Natur anzunehmen begann, pflegten die Israelis die syrischen Streitkräfte unaufhörlich unter Beschuß zu nehmen und folglich den Terroristen direkte Unterstützung zu bieten. Die israelische Artillerie und Luftwaffe sind die Artillerie und Luftwaffe der Terroristen. Das gilt für Ğabhatu_n-Nuṣra freilich genauso. Nichts wird diese israelische Herangehensweise ändern. Sofern wir betroffen sind, spielt Israels Billigung überhaupt keine Rolle. Trotz der israelischen Terrorismusunterstützung müssen wir unseren Job erledigen und hat sich die SAA ihren Weg an der Südfront zu erkämpfen; sie hat schon eine Anzahl Gebiete innerhalb der Grenzen ihrer Kapazitäten befreit. Demnach ist – mit oder ohne [deren] Billigung – die Entscheidung eine syrische; das ist die nationale Pflicht, die wir zu erfüllen haben.
Frage 9: Demnach ist eine Rückkehr der syrischen Armee besser als z.B. Widerstand auf dem Golan?
Präsident Dr. al-Assad: Für die Israelis?
Journalist: Ja.
Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, beide Optionen sind schlecht für die Israelis. Beide sind schlecht. Sayyid Ḥassan Naṣrullâh hat wiederholt über Syriens Beziehung zum Widerstand und eine syrische Rolle im Widerstand gesprochen. Wie würden also die Israelis zwischen zwei für sie schlechten Dingen wählen?
Frage 10: Wie Sie sagten, Herr Präsident, Israel hat [die Terroristen] finanziert und unterstützt; und noch gefährlicher, es war in der Lage, eine große Anzahl von Syrern anzuwerben; einige davon wurden innerhalb des besetzten Palästinas eingesetzt. Sie sprachen darüber.  Wie werden Sie in Zukunft mit dieser großen Anzahl israelsicher Agenten umgehen? Mag sein, daß einige irregeleitet sind und Israel deren [mißliche] finanzielle Lage und Lebensbedingung ausgenutzt hat; einige [aber] haben die Seite der Israelis gewählt. Wie werden Sie in Zukunft mit denen umgehen?
Präsident Dr. al-Assad: Es ist wahr, wir können nicht alle in denselben Topf werfen.
Es gibt verschiedene Gründe für die Bewegung in die falsche Richtung. Diese Leute haben der Heimat und jedem syrischen Bürger Unrecht getan. Letztlich sind es Kinder ihrer Heimat und wir alle tragen Verantwortung für dieses Problem, nicht nur jene, die sich falsch verhalten haben. Wenn sich z.B. das Verbrechen in einem bestimmten Land ausbreitet, trägt die gesamte Gesellschaft die Verantwortung für dieses Verbrechen, nicht nur die Sicherheitskräfte oder die Kriminellen selbst.
Das erste, was getan werden sollte, ist, diesen Leuten entgegenzukommen. Als Zweites müssen wir die Ursachen ergründen, die zu diesem Fall schwachen Patriotismus führten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und kompliziert und der Umfang dieses Interviews erlaubt nicht, alle von ihnen zu erwähnen.
Frage 11: In demselben Kontext, in dem Sie den Wiederaufbau der syrischen Luftabwehr und das Sich- der -zionistischen -Okkupation -in -den -Weg -Stellens  erwähnten, sind durch Führer der israelischen Entität [] Erklärungen abgegeben worden, daß sie in der Tiefe des syrischen Territoriums zuschlagen würden. Wie würden Sie mit jener Situation umgehen, insbesondere da kürzich das Gleichgewicht errreicht worden ist, will sagen: eine Balance zwischen den israelischen Angriffen und den syrischen Reaktionen?
Präsident Dr. al-Assad: Im Grunde genommen haben wir nicht aufgehört, diesen zu begegnen. Vor allem haben wir nicht aufgehört, die Terroristen zu bekämpfen, und zur selben Zeit haben wir nicht aufgehört, der israelischen Aggression innerhalb der uns erlangbaren Möglichkeiten zu begegnen, sei es in militärischer oder technischer Hinsicht. Darüber hinaus verbessern sich diese Möglichkeiten [und]  die Gegenwehr wir besser und hochwertiger. Doch die stärkste Abwehr gegenüber Israel ist jetzt tatsächlich, die israelische Armee in Syrien zu schlagen, die praktisch aus den Terroristen besteht.
Nachfrage des Journalisten: Sie sehen Sie als israelische Armee?
Präsident Dr. al-Assad: Sicherlich, da sie ganz klar und deutlich in israelischem Interesse handeln. Die ersten Aktionen, welche jene ausführten, waren Angriffe gegen die Luftabwehrsysteme. Was wäre denn die Verbindung zwischen Luftabwehrsystemen und den Terroristen, die vor Ort als Fußsoldaten agieren? Das war ein israelischer Befehl.  Es war ein israelisch-[US-]amerikanischer Befehl, denn das ist Dasselbe.  Demnach bilden sie innerhalb Syriens Israels Armee; und der erste Schlag gegen Israel in politischer, militärischer und in jeder anderen Hinsicht ist, Israels Terroristen innerhalb Syriens zu schlagen, ob sie nun zum IS gehören oder zu Ğabhatu_n-Nuṣra oder einer anderen mit dem israelischen Plan und seiner Strategie verbundenen Plan.
Nachfrage des Journalisten: Wenn Israel eskalierend vorgeht, sind Sie dann bereit, dem mehr entgegenzusetzen (to respond more forcefully)?
Präsident Dr. al-Assad: Das passiert [doch] schon. Es eskaliert und wir entgegnen dem. Letztlich führen wir den Krieg innerhalb unserer erlangbaren Kapazitäten und wir tun unser Bestes innerhalb dieser Kapazitäten. Eine Entgegnung bedarf keiner politischen Entscheidung.  Ich betone, darauf zu reagieren oder nicht zu reagieren, ist keine politische Entscheidung. Es ist eine nationale Entscheidung, und sie wurde vom ersten Tag an getroffen. Doch diese umzusetzen hängt von unseren militärischen und nicht politischen Möglichkeiten ab.
Frage 12: Bezüglich der Möglichkeiten existiert in den Medien ein Sachverhalt, den wir immer verfolgen, d.h. die russischen S300-Marschflugkörper [Luftabwehrsytem!]. Rußland sagt: „Wir werden diese Marschflugkörper  liefern“ und dann sagen sie: „wir werden sie nicht liefern“, was bedeutet, daß die Sache unklar ist. Was geht da genau vor? Woher rührt Ihrer  Meinung nach dieses russische Zögern bei der Lieferung der S300-Marschflugkörper an Syrien, während einige andere Länderschon anfragen nach S400 gestellt haben, d.h. uns schon weiter voraus sind.
Präsident Dr. al-Assad: Sie wissen, daß militärisches Handeln und militärische Überlegungen Teil politischer Überlegungen sind. Folglich beinhaltet eine Stellungnahme, selbst wenn sie militärischer Natur ist, politische Mitteilungen. Warum sagten demnach Russen , sie würden sie oder würden sie nicht schicken?  Zu dieser Verlautbarung sollten die Russen befragt werden, da es Teil von deren politischer Taktik sein könnte. Was den militärischen Aspekt der Stellungnahme in Hinblick auf Syrien betrifft, entspricht es nicht unserer Gewohnheit, über Waffen zu sprechen, welche geliefert oder nicht geliefert werden. Bezeugt ist, daß die in der Abwehr der beiden letzten zwei Aggressionsakte, dem der drei Länder und dem späteren israelischen durch Syrien nicht bekanntgegeben wurden. Wir geben Fälle technisch-militärischer Natur gewöhnlich nicht bekannt.
Nachfrage des Journalisten: Also nicht einmal die Natur  der Reaktion steht in Verbindung zu den S300- Marschflugkörpern?
Präsident Dr. al-Assad:  Nein. Es gilt gleichermaßen: Selbst wenn die S300- Marschflugkörper zur Anwendung gelangten oder nicht, würden wir nicht sagen, daß sie Syrien geliefert wurden. Eine Waffe wird benutzt, wen man sie benutzen muß.
Nachfrage des Journalisten: Besteht die Möglichkeit, daß Sie gewisse Waffen entwickelt haben?
Präsident Dr. al-Assad:  Das bleibt eine Möglichkeit. In jedem Fall bleibt das Resutat das gleiche: man sollte nicht über Waffen sprechen, bevor sie zum Einsatz kommen.  Waffen melden sich dann [zu Wort], wenn sie benutzt werden.
Frage 13:  Herr Präsident, lassen Sie uns, da wir über die Südfront gesprochen haben, zum politischen Aspekt zurückkehren ! Bezüglich der generellen Situation, im Licht all dessen, was heute in der syrischen Arena erreicht worden ist, ist der herausragende Akteur die dreiseitige Allianz , was eben als dreiseitige Allianz gilt. Ich meine Syrien, den Iran und Rußland. Was ist das Wesen dieser Allianz? Ist es eine temporäre Allianz in dem Sinn, daß sie mit der Terrorismusbekämpfung oder mit gewissen Entwicklungen auf der syrischen Arena verbunden ist? In letzter Zeit haben wir einen gewissen Bruch in dieser Allianz wahrzunehmen begonnen oder, sagen wir einmal, manche haben den Fokus auf bestimmte Punkte gelenkt, um dies aufzuzeigen. Wie ist Ihre Meinung dazu und wie sieht die tatsächliche Realität dieser Allianz aus?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn wir zunächst über den syrisch-iranischen Part sprechen, so ist diese Allianz seit 40 Jahren und die unterschiedlichen Bedingungen hindurch, welche der Nahe Osten erlebt hat, stabil. Es gibt demnach keinen Grund zu sagen, sie [d.h. die Allianz] sei temporär oder anderes. Das neue Element im Krieg in Syrien ist das russische und damit der Grund dafür, daß diese dreiseitige Allianz zustande kam. Unsere Beziehung zu Rußland ist nun etwa sieben Dekaden alt. Trotz der Fluktuationen und des Falls der Sowjetunion, der Herrschaft von Präsident Jelzin und der Verschlechterung dieser Beziehungen in hohem Maße für uns hat sie nie die Stufe der Umkehrung dieser Beziehung zu Syrien erlangt. Rußland hat den Umgang mit Syrien als einem freundlichen Staat fortgesetzt und wir haben während der verschiedenen Stadien der gegen Syrien erlassenen Sanktionen alles aus Rußland importiert einschließlich der Waffen. Es entspricht nicht dem Wesen der Russen, temporäre oder eigennützige Allianzen einzugehen oder Beziehungen in den Ausverkauf zu geben, um Geschäfte zu machen. Die Beziehung ist definitiv eine strategische, doch die politischen Statements machten solche Spekulationen [d.h. wie die vom Journalisten erwähnte] möglich. Diese Äußerungen zielen auch auf das Aussenden von Botschaften in verschiedene Richtungen ab. Mag sein, daß die Sprache oder einzelne Wortwahl nicht hilfreich ist und die Aussage eventuell im Widerspruch zu ihrem Inhalt, in eine andere Richtung lenkt. Das passiert von Zeit zu Zeit. Jedoch sollten diese Äußerungen nicht außerhalb ihres Kontextes wahrgenommen werden: die russische Sicht der Beziehung zum Iran ist eine strategische. Was Syrien betrifft, mischen sich die Russen nicht in syrische Belange ein. Falls sie eine gewisse Meinung haben, gehen sie die mit uns durch und sagen am Ende, die Entscheidung liegt bei der syrischen Führung und der syrischen Bevölkerung. Dies ist ein konstantes Prinzip für Rußland. Daher ist die Allianz eine strategische. Und wenn es Differenzen gibt .. solche gibt es [auch] im syrischen Staat, man sieht sie im iranischen und russischen. Es ist ganz selbstverständlich, daß wir hinsichtlich täglicher taktischer Details auseinanderliegen, warum führten wir sonst einen Dialog, wenn wir [von vorneherein] zu allem einer Meinung wären. Wir treffen uns extensiv, um eine Übereinkunft zu erreichen.
Nachfrage des Journalisten: Demnach ist diese dreiseitige Allianz solide?
Präsident Dr. al-Assad: Sicherlich. Das wird diktiert durch die Realität, das [Eigen-]Interesse und die internationalen Veränderungen, die es für die Allianz nötig machen, eine solide zu sein. Solange die andere Achse den Terrorismus unterstützt und wir, zusammen mit dem Iran und Rußland die Gefahr des Terrorismus spüren, nicht nur in Syrien, sondern auch in all diesen Ländern und auf der ganzen Welt und solange Syrien, der Iran und Rußland die Bedeutung der Einhaltung des Völkerrechts realisieren, machen diese Fakten die Existenz dieser Allianz notwendig.
Frage 14: Doch gibt es jene, die sagen, Syrien bekomme etwas dafür, daß die Iraner das syrische Territorium verlassen. Gibt es einen gewissen politischen, moralischen oder militärischen Preis in dieser Hinsicht?
Präsident Dr. al-Assad: Wie ich schon zu Beginn sagte, solange diese Beziehung nicht auf den Basar gebracht wird, können sie keinen Preis [dafür] bieten und die Antwort wird deutlich. Daher wagen sie es nicht, einen Preis [dafür] vorzuschlagen. Die Frage wurde zu Beginn und nicht nur zu Beginn sondern in verschiedenen Stadien des Kriegs von verschiedenen Ländern aufgeworfen wie z.B. von Saudi-Arabien. Der Plan war, daß Syrien seine Beziehung zum Iran kappt und die Lage in Syrien würde normal sein. Dieses Prinzip wurde von uns grundsätzlich verworfen.
Nachfrage des Journalisten: Also gab es, um es so zu formulieren, in dieser Hinsicht Initiativen seitens Saudi-Arabiens.
Präsident Dr. al-Assad: Während des Krieges?
Journalist: Ja.
Präsident Dr. al-Assad: Sicher, mehr als einmal und in klarer Weise.
Journalist: Direkt?
Präsident Dr. al-Assad: Direkt. Die Beziehung zum Iran war die Basis für jeden Vorschlag. Und die Haltung Saudi-Arabiens zu  diesem Sachverhalt ist bekannt. Da enthülle ich kein Geheimnis.
Frage 15: Eine Frage wird, sei es in Syrien, dem Iran oder Libanon, über das Wesen der iranischen Präsenz in Syrien aufgeworfen. Manche nennen sie iranische Berater. Sogar der syrische Außenminister benutzte denselben Terminus. Zur gleichen Zeit nehmen wir iranische Märtyrer [d.h. Gefallene] war. Offen gesprochen, Herr Präsident, wie sieht die iranische Präsenz in Syrien derzeit aus?
Präsident Dr. al-Assad: Der Terminus „Berater“ wir oft in einer breiten Auslegungsweise benutzt, d.h. diese Berater sind seit der lang dauernden Beziehung zum Iran – sogar schon vor dem Krieg – bei uns, da die militärische Beziehung eng ist. Wenn sich eine militärische Formation in eine Kampfposition bewegt, wird der Berater zum Kämpfer. also kann der Begriff in unterschiedlichem Sinn benutzt werden. Freilich gibt es iranische Berater in Syrien und Gruppen iranischer Freiwilliger, die nach Syrien kamen, und diese werden von iranischen Offizieren angeführt. Der Iran hat mit der syrischen Bevölkerung gekämpft und sie verteidigt. Er hat sein Blut [dafür] vergossen. Das ist der Grund dafür, warum wir sagen, der Begriff „Berater“ ist ein übergeordneter Terminus, doch bedeutet das nicht, daß wir uns der iranischen Präsenz schämten, auch wenn es offiziell ist. Wir benutzen daher den Ausdruck „Berater“, da es sich nicht um reguläre iranische Kampfeinheiten in Syrien handelt.
Nachfrage des Journalisten: Ganze Formationen.  
Präsident Dr. al-Assad: Genau. Es gibt keine Bataillone oder Brigaden oder Divisionen. Zum ersten können wir sie nicht verstecken und warum sollten wir uns dessen schämen? Und falls es eine iranische Formation gibt, dann benennen wir sie [auch], da solche Beziehungen zwischen den beiden Staaten das jeweilige Einverständnis des Parlaments benötigen. Solche Beziehungen können nicht verborgen werden.
Nachfrage des Journalisten: Und Sie haben iranische Berater eingeladen?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, von Beginn an haben wir die Iraner eingeladen und dann die Russen. Wir brauchten die Unterstützung dieser Länder, und sie antworteten positiv auf die Anfrage.
Zwischenbemerkung des Journalisten: Herr Präsident, Sie sagten mehr als einmal, es gebe keine iranischen [Militär-]Basen in Syrien.
Präsident Dr. al-Assad: Das ist korrekt.
Nachfrage des Journalisten: Warum gibt es keine iranischen [Militär-]Basen, während wir eine Anzahl russischer Basen wahrnehmen?
Präsident Dr. al-Assad: Es gibt keinen Hinderungsgrund für die Existenz solcher Basen solange der Iran ein Alliierter wie Rußland ist.
Nachfrage des Journalisten: Heißt das, daß sie damit einverstanden wären, wenn der Iran um solche Basen bäte?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn wir [um sie] bäten. Wir würden sie um Einverständnis bitten. Damit meine ich, wir könnten um solche Streitkräfte zu unserer Unterstützung bitten. Der Iran hat uns nie darum gebeten und hat kein anderes Interesse außer der Terrorismusbekämpfung. Doch die Kriegsentwicklung machte es notwendig, daß sich das Wesen dieser Präsenz anglich. Das passierte sofern die Russen betroffen sind. Anfangs sah die russische wie auch die iranische Unterstützung  anders aus als heute. Die Terrorismusunterstützung hat sich international  und global entwickelt, als die SAA gegen jene Terroristen vorging und damit entwickelte sich die russische und iranische Militärpräsenz. In einem gewissen Stadium fanden wir – freilich zusammen mit den Russen – daß die Einrichtung einer Luftwaffenbasis notwendig wäre, um der SAA Luftunterstützung zu bieten. Und jetzt, wenn wir – in Kooperation, Koordination und im Dialog mit den Iranern – fänden, daß ein Bedarf für iranische Militärbasen gegeben wäre, würden wir nicht zögern. Doch derzeit ist die iranische Unterstützung   in ihrer gegenwärtigen Form gut und effektiv.      
Frage 16: Warum haben Sie den Iran so lange nicht besucht, obwohl Sie in Rußland mehr als einmal gewesen sind?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist korrekt. Tatsächlich war ein Besuch im Iran vor einigen Monaten angesetzt, der wurde verschoben, nicht abgesagt. Er wurde verschoben, da es in Syrien einen Notfall in Bezug auf die Schlachtenentwicklung gab. Es besteht sicher kein Grund dafür, solch einen Besuch nicht durchzuführen und ich werde hoffentlich bald den Iran bei der nächst sich bietenden Gelegenheit besuchen. Das ist selbstverständlich, aber dabei geht es um die Logistik, nicht mehr und nicht weniger.
Frage 17: Herr Präsident, ich gehe zu einem anderen Vorgang über. Letzte Woche fand der „Jerusalem International Day“ statt und die palästinensische Frage durchlebt ihre schwierigsten Stadien. Wir sprechen über den „deal of the century”[„Jahrhundertdeal“] und die Verlegung der [US-]amerikanischen Botschaft ins besetzte Jerusalem. Was sagen Sie zu Palästina? Kann Syrien noch die palästinensische Sache unterstützen? War nicht im Wesentlichen eines der wichtigsten Ziele des Krieges gegen Syrien, Syrien aus der Phalanx (axis) des Widerstands herauszulösen und es an der [weiteren] Unterstützung des Widerstands zu hindern, sei es im Libanon oder in Palästina?
Präsident Dr. al-Assad: Der palästinensische Kontext ist seit 1948 bis heute ein komplizierter, da der regionale Kontext kompliziert ist. Freilich ist er das  wegen des sich kolonial verhaltenden Westens, der besonders Israel unterstützt, immer Elemente kreiert hat, welche auf einen einzigen Sachverhalt abzielen: zum ersten, den arabischen Bürger, der historisch gesehen der Palästina-Sache verbunden ist und es immer als eine pan-arabische Sache angesehen hat, die ihn sogar auf nationaler Ebene berührt, in die Verzweiflung zu treiben.
Das andere Ziel ist, die arabischen Menschen insgesamt zusammen mit den Staaten und Gesellschaften generell mit marginalen Sachverhalten abzulenken [und damit zu spalten; im englischen Original steht: distract], so daß sie keine Zeit haben über Israel nachzudenken. Und damit haben sie in großem Ausmaß Erfolg gehabt; erst vor kurzer Zeit durch den sog. „Arabischen Frühling“, welcher darauf abzielte, die politische, militärische und psychologische Infrastruktur der arabischen Gesellschaften zu zerstören.
Trotzdem  hat die kürzliche Entwicklung gezeigt, daß die arabischen Menschen noch gewissenhaft der Palästina- Angelegenheit verbunden sind.
Was Syrien betrifft – seit es Teil dieses Komplotts zur Untergrabung der arabischen Verfassung [als Befindlichkeit] generell ist – sollte es als erstes, um die Palästina-Sache zu unterstützen,  die israelische Armee d.i.: die Terroristen, vgl.o.!] in Syrien destruieren. Wiederherstellung der Stabilität in Syrien, Bekämpfung des Terrorismus und Vereitelung des israelischen Komplotts in Syrien sind sicherlich Teil der Unterstützung der Palästina-Angelegenheit. Die Unterstützung mag indirekt ausfallen, aber mit direkten Folgen, doch diese direkten Folgen sind verknüpft mit der inneren  palästinensischen Verfaßtheit. Wir sollten nicht vergessen, daß die Palästinenser in Gruppen gespalten sind, welche Israel Widerstand leisten und aufrichtig der Palästina- Angelegenheit verbunden sind, und anderen Gruppen, welche gegen den Widerstand sind und kapitulierenden, defätistischen Frieden unterstützen, während es noch andere Gruppen gibt, die den Widerstand als Aushängeschild benutzen, um ihre [eigenen] politischen Ziele unter dem Slogan der Religion zu verwirklichen. Das ist freilich die Herangehensweise der Muslimbruderschaft.
Frage 18: Sind Sie bereit alles zu offerieren, was der Widerstand Ihnen abverlangt, sei es in politischer, militärischer oder irgendeiner anderen Form der Unterstützung?
Präsident Dr. al-Assad: Politisch haben wir uns nicht verändert. Die palästinensische Frage ist für uns noch immer so wie sie vor zehn Jahren und Dekaden davor war. Da hat sich nichts geändert. Das, was wir [als Unterstützung] bieten können, hat mit zwei Sachverhalten zu tun: zunächst Syriens gegenwärtige Kapazitäten –  und da besteht kein Zweifel, daß die Priorität jetzt der Säuberung Syriens vom Terrorismus gilt. Zweitens hat es mit der palästinensischen Verfaßtheit und den Parteien zu tun, mit denen wir innerhalb der palästinensischen Arena umgehen können.
Frage 19: Da wir über Widerstand sprechen .. es gibt da noch die andere Seite. Zusätzlich zu den paar Ländern, welche bei der Terrorismusbekämpfung zu Syrien gestanden sind, spielte auch der Widerstand im Libanon, speziell die Ḥizbullâh, eine Rolle, welche bei der Terrorismusbekämpfung viel geleistet und einen Großteil beigetragen hat. Was sagen Sie, Herr Präsident, zu den Widerstandskämpfern, den Familien von Märtyrern [d.i. Gefallenen] und den Verwundeten?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn alle diese Widerstandsgruppen, einschließlich des libanesischen Widerstands,  der Brüder, die aus dem Irak kamen – manche haben mich dafür getadelt, daß ich sie  genannt habe – zusammenkommen, um den syrischen Boden und die syrischen Bürger zu verteidigen, so ergreife ich die Gelegenheit zu unterstreichen, daß es Brüder aus dem Irak gibt, denen wir dasselbe Gewicht jedes [anderen] Widerstandskämpfers beimessen, der aus irgendeinem sonstigen Land gekommen ist. Da gibt es gleichfalls Familien der Widerstandskämpfer, die aus dem Iran gekommen sind und ihr Blut in Syrien gelassen [eigentlich: geopfert] haben. Wir sollten alle jene auf dieselbe Stufe stellen wie die syrischen Märtyrer [d.i. Gefallenen], Kämpfer  und deren Familien. Denen sage ich, daß all die Briefe, Worte und Sätze, die ganze Literatur weniger sind als ein einzelner Tropfen Bluts. Demnach sind Worte von viel geringerem Wert, als was sie dargeboten haben. Doch wichtiger ist, was die Geschichte über sie schreiben wird.
Wenn wir über Geschichtsschreibung reden, müssen wir tatsächlich hervorheben, daß Geschichte eine Strategie und Taktik braucht; doch es bleibt das Faktum, daß Strategie ohne die Umsetzung vor Ort keinen Wert hat. Sie bleibt dann bloß ein Gedanke, den wir in Büchern und Essays behandeln. Doch die Realität ist, daß diese Individuen in diesen Ländern, diese Gruppe von Widerstandskämpfern die Geschichte schreiben, nicht Politiker. Ich möchte die Antwort auf die Frage gerne nutzen, um all jenen meine Liebe, meinen Respekt und meine Wertschätzung auszudrücken und meine Reverenz den Kämpfern, den Verwundeten, den Märtyrern [d.i. Gefallenen], und all deren Familien, die Mut verkörpern und diese Individuen nach Syrien geschickt haben, um es zu verteidigen und den Terrorismus zu bekämpfen, so daß diese Familien zu Vorbildern an Tugendhaftigkeit und deren Prinzipien für gegenwärtige und künftige Generationen.
Frage 20: Haben Sie die Ḥizbullâh gebeten, Syrien zu verlassen? Vor ein paar Tagen sprach seine Eminenz, Sayyid Ḥassan Naṣrullâh über diesen Sachverhalt und sagte, daß niemand sie aus Syrien rauskriegen könne, außer die syrische Führung würde sie bitten,  zu gehen.
Präsident Dr. al-Assad: Der Kampf ist lang und dauert an. Wenn wir über die dreiseitige Allianz sprechen – und wenn wir sie als vierfache Allianz werten unter Einschluß der Ḥizbullâh – dann tun wir das in Bezug auf die involvierten Staaten, doch am end ist die Ḥizbullâh ein Grundelement in diesem Krieg – der Kampf ist lang und der Bedarf an diesen militärischen Kräften ist für eine lange Zeit gegeben. Wenn das Erfordernis besteht  und wenn die Ḥizbullâh, der Iran oder andere meinen, daß der Terrorismus eliminiert sei, werden sie uns sagen, daß sie heimgehen wollen. Wie Sayyid Naṣrullâh sagte, haben sie Familien und tägliche Interessen, was [ganz] natürlich ist, doch es ist noch zu früh, um über dieses Thema zu sprechen.
Frage 21:  Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es noch Gegenden unter Kontrolle der Terroristen und solche unter Besatzung. Zur selben Zeit  haben, leider, einige arabische Länder, und ich spreche hier insbesondere von Saudi-Arabien, verlauten lassen, daß sie bereit seien, Truppen nach Syrien zu schicken. Auf der anderen Seite  wurden vor wenigen Tagen Volkswehren von Stämmen (popular tribal units) gebildet, um sich der Besatzung zu widersetzen. Sind das wirklich Volkswiderstandsgruppen? Erhalten sie Unterstützung von der syrischen Regierung?Heißt das, daß die Armee jene Gegenden nicht befreien kann und daß sie daher um Hilfe von den Stämmen bittet? Wie verhält es sich damit?
Präsident Dr. al-Assad: Es gibt verschiedene Formen dieses Widerstands, der vor einigen Jahren aufgekommen  ist. Anfangs bekämpften sie ISIS bevor sie begannen, gegen die Besatzer zu kämpfen. sie waren gegen ISIS in der zentralen und östlichen Region und es gab Fälle, in denen sie in anderen Regionen auftauchten, über die nicht von den Medien berichtet wurde und über die wir oft durch Informationen und Hinweise hören.  Nun beginnt sich diese Lage auszuweiten.  Es ist also kein einzigartiger Vorfall. Es gibt viele Fälle, in denen es sich vielleicht um Individuen oder kleine Gruppen handelt, die nicht einer Organisation angeschlossen sind. In jedem Fall ist unsere Position als Staat von Beginn an die, jede Form von Widerstand zu unterstützen, ob gegen Terroristen oder gegen Besatzungstruppen, ohne Rücksicht auf deren Nationalität wie [US-]Amerikaner, Franzosen, Türken oder Israeli. wir unterstützen diese Widerstandskräfte, basierend auf unserer nationalen Rolle als Regierung.
Frage 22: Wie steht es mit Saudi-Arabien und der Aussendung saudischer Truppen nach Syrien?
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst, wenn wir über einen Staat reden, sollten wir annehmen, daß er seine Entscheidungen unabhängig trifft. Darum werden wir nicht über die Rolle von Saudi-Arabien sprechen. Sie sollten mich besser nach der [US-]amerikanischen Entscheidung zur Sache fragen.
Frage 23: Andererseits gibt es eine Anzahl arabischer Länder, über die wir gesprochen haben und welche eine Rolle bei der Zerstörung Syriens spielten oder dazu beitrugen. Diese Länder versuchen nun, nach Syrien über den Wideraufbauprozeß zu gelangen. Was sagen Sie in dieser Hinsicht, insbesondere dazu, daß diese Länder diejenigen sind, die das Kapital und riesige finanzielle Macht haben?  Wie gehen Sie damit um?
Präsident Dr. al-Assad: Der Wiederaufbau in Syrien ist kein Grund zur Besorgnis für uns. Er benötigt zwei Faktoren: zuerst den menschlichen Faktor, welcher wichtiger ist, als der finanzielle. Wenn ein Land wie Syrien über den menschlichen Faktor verfügt, wiegen die finanziellen Kosten weniger, wenn es zum Wiederaufbau kommt. Das ist selbstverständlich und wir verfügen über all diese Faktoren, trotz des Umstands, daß viele kompetente und qualifizierte Syrer wegen des Kriegs ausgewandert (logischerweise müßte das gemeint sein, obwohl im Text „immigrated“ steht) sind.
Doch wir besitzen noch die Kapazität, den Wiederaufbau zu beginnen. Der Beweis liegt klar vor, denn der Staat kommt vorwärts und der Wiederaufbau hat begonnen. Was das Geld betrifft: die syrische Bevölkerung hat finanzielle Kapazitäten, Kapital, das meiste davon befindet sich nicht in Syrien, aber außerhalb Syriens. Doch das Kapital wartet darauf, daß der  Wiederaufbau  beginnt; also wird es investiert werden. andrerseits gibt es freundliche Staaten, welche Kapazitäten besitzen und den Wunsch [zur Investition] haben; und wir haben den Wunsch, daß sie teilhaben am Wiederaufbau, so daß sie von diesem Prozeß profitieren und wir als Syrer ebenso. Am Ende brauchen wir jene Länder nicht und wollen ihnen niemals erlauben, Teil des Wiederaufbaus zu sein.
Nachfrage des Journalisten: Niemals?
Präsident Dr. al-Assad: Absolut!
Nachfrage des Journalisten: Nicht einmal wenn es diesbezüglich einen Bedarf gäbe, ich meine bezüglich finanzieller Ressourcen?
Präsident Dr. al-Assad: Finanzieller Ressourcen sind nicht alles. Wie ich gesagt habe, sind sie zu haben. Es gibt unterschiedliche Quellen für Kapital in der Welt und in Syrien.
Frage 24: Bezüglich dieser harten Jahre sprechen wir über die legendäre Standhaftigkeit der syrischen Armee, der syrischen Bevölkerung, der bewaffneten Kräfte. Wenn Sie über zwei Angelegenheiten sprechen wollten, die  schwierigste Angelegenheit bzw. den schwierigste  Vorfall, mit dem Sie es während dieser Jahre zu tun hatten und auf der anderen Seite den besten und schönsten ….
Präsident Dr. al-Assad: Es liegt in der Natur des Kampfes, daß die besten und schlimmsten Fälle mit der Entwicklung des militärischen Kampfes zusammenhängen. Wenn ich sage, daß die schlimmsten Vorkommnisse die waren, wenn die Terroristen die Kontrolle über gewisse Gebiete erlangten, ist das selbstverständlich, doch es hängt mehr mit bestimmten Schlachten zusammen, insbesondere wenn das Gebiet von strategischer Bedeutung oder die Stadt groß und ihre Bevölkerung zahlreich war. Folglich war der Eindruck psychologisch und in Bezug auf die Stimmung viel schlimmer. Aber es gab eine fortdauernde Situation, in der wir noch leben und an die wir denken müssen: wenn Menschen getötet werden [im Original: wenn ein Märtyrer oder eine Gruppe Märtyrer fällt] – und das widerfährt uns wöchentlich – dann müssen wir daran denken, daß eine Familie einen ihr lieben Menschen verloren hat, der nicht ersetzt werden kann. Es mag eine Entschädigung durch das Erlangen eines Sieges zu einem bestimmten Zeitpunkt geben, aber für die Familie, psychologisch und auf menschlicher Ebene, kann man einer bestimmten Familie einen ihr lieben Menschen – oder sei es einen Freund – nicht ersetzen. Das ist eine sehr schmerzvolle Situation, die wir erlebt haben und weiterhin erleben. Das wird erst enden, wenn der Krieg als solches endet. Allerdings gab es schmerzliche Fälle zu Beginn des Krieges, wenn man diesen  gewaltigen Mangel an Patriotismus bemerkte. Vielleicht war es eine Minderheit, aber eine große Minderheit, an Individuen, die bereit waren, die Heimat zu verkaufen und Handel mit ihr zu treiben wie auch mit ihren Prinzipien, sofern sie überhaupt welche hatten, im Austausch für Geld oder gewisse Vorteile zusammen mit einem gewissen Prozentsatz an Extremismus.
Andererseits waren da die Siege, insbesondere als die Siege mit der Stadt al-Quṣair 2013 begannen und kulminierten in Aleppo 2016, das war der Beginn der großen Siege. Es folgten Dair az-Zaur und heute erleben wir die Freude, Damaskus und sein Umland zu befreien. Dies ist eine Situation, die wir alle durchgemacht haben und Sie mit uns und ich bin mir sicher, daß sie dieselbe Freude empfinden.
Frage 25: Haben Sie sich in einem bestimmten Moment müde gefühlt? Haben Sie in einem bestimmten Moment Bedenken gespürt  angesichts all Ihrer getroffenen Entscheidungen, haben Sie  jemals, auch nur für einen Augenblick, daran gedacht zu gehen?Haben Sie nicht  zu sich selbst gesagt, laßt mich meine Familie in Sicherheit bringen und zurücktreten, wie einige Leute es zu einem bestimmten Zeitpunkt getan haben?
Präsident Dr. al-Assad: Diese Frage mag in persönlicher Art und Weise aufkommen: wenn ich mit einer persönlichen Situation als Individuum konfrontiert bin, könnte ich nach wenigen Monaten Verzagen fühlen, würde ich müde und überdrüssig sein und mich lieber einer andere Sache zuwenden oder aufgeben wollen. Das ist möglich.
Nachfrage des Journalisten: Als ein Individuum?   
Präsident Dr. al-Assad: Freilich als ein Individuum, doch der Fall, den sie ansprechen, betrifft nicht die Person sondern die Nation.  Stellen Sie sich in einem anderen Situation vor, vielleicht bauen Sie etwas auf. Sie fühlen sich müde, doch wenn sie eine große Anzahl Leute sehen, die Ihnen beim Bauen helfen und dieselbe Bestimmung teilen, vergessen Sie die Müdigkeit.
wir befinden uns jetzt in einer nationalen Situation. Wir sprechen über Millionen von Syrern. Wenn Sie irgendwo in Syrien eine Granate ihr Ziel ansteuern und Opfer niedersinken sehen, fühlen Sie sich frustriert. Aber wenn Sie sehen, wie das Leben in derselben Gegend eine Stunde später wieder aufgenommen wird, ändert sich Ihre psychologische Verfassung. Wenn sie sehen, daß die Elektriker, die Ölarbeiter, die Lehrer, die Angestellten sich Seite an Seite mit den Kämpfern einsetzen ohne  Verzagen und ohne Müdigkeit, wie können Sie sich dann müde fühlen? Das ist eine kollektive Haltung, die nicht mich als Person betrifft. Es hat mit unserer menschlichen Verfassung zu tun, wenn wir als eine Gemeinschaft zusammenhalten. Wie leben wir? Das definiert, ob Sie müde sind oder nicht. Hätte die syrische Gesellschaft diese Phase des Verzagtseins und des Aufgebens erreicht, wäre ich sicherlich darunter gewesen. Ich hätte aufgegeben, da ich nicht über die nötigen Komponenten für Standhaftigkeit verfüge. Das ist selbstverständlich.
Journalist: Vielen Dank dafür, Herr Präsident, daß Sie uns diese Gelegenheit gegeben haben und für Ihre Offenheit bei der Beantwortung dieser Fragen. Vielen Dank.

  

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit einer Journalistin von Mail on Sunday, veröffentlicht am So., 10.6.2018 (https://sana.sy/en/?p=139864, https://www.sana.sy/?p=765582 je mit Video)

Prasident Dr. al-Assad im Interview mit der Journalistin der Mail on Sunday, Photo: SANA

Angesprochen wurden vom Präsidenten u.a. die als Propaganda-Schauspiel (fake) ins Szene gesetzte Giftgasattacke von Dûmâ, deren Hintermänner mit Kontakten zu den Geheimdiensten in den USA, Großbritannien und Frankreich, die White Helmets als al-Qâʽida-Ableger mit Verbindungen zum britischen Geheimdienst, die völkerrechtswidrige Präsenz nicht ins Land gebetener Militärs, d.h. der USA, Briten etc., welche als Invasion zu werten sei, die Fortführung der Terrorismusbekämpfung durch die hierin am meisten engagierte SAA bis jede Handbreit syrischen Bodens befreit sei, und die Betonung, daß es allein Sache der Syrer sei, über ihre Belange zu entscheiden. Im Interview werden 22 Fragen beantwortet. – Informationen zu angesprochenen Sachverhalten sind in Teil VI oder früheren Beiträgen zu finden.

Frage 1: Herr Präsident, die Gesamtsumme der durch die britische Regierung den White Helmets, auch bekannt als „Syrian Civil Defense“  geleisteten monetären Unterstützung beläuft sich bis zum 31.3.2018 auf 38,4 Millionen £. Zur selben Zeit beschuldigt Rußland Großbritannien, bei der Inszenierung des Angriffs von Dûmâ mittels dieser Organisation, der White Helmets, geholfen zu haben. Glauben Sie, als Syriens Präsident, daß das wahr ist?
Präsident Dr. al-Assad: Absolut, ohne einen Zweifel. Großbritannien, Frankreich und die USA verfolgen dieselbe Politik. Das heißt, ganz offen und kraß gesagt, Großbritannien und Frankreich sind politische Satelliten der USA. Großbritannien unterstützte öffentlich die White Helmets, einen Ableger von al-Qâʽida, Ğabhatu_n-Nuṣra in verschiedenen Gegenden Syriens. Sie (Großbritannien) verwendeten viel Geld dafür und wir betrachten die White Helmets als PR-Nummer Großbritanniens. Also ja, absolut, es wurde von diesen drei Ländern zusammen inszeniert und Großbritannien ist involviert.
Frage 2: Die britische Premierministerin Theresa May sagte, sie habe keinen Zweifel, daß das syrische Regime hinter den Chemieattacken vom 7. April stecke, und erzählte ihren Kritikern, daß Großbritanniens Beteiligung richtig, legal und nach dem Völkerrecht erlaubt gewesen sei, um das menschliche Leiden zu lindern. Haben Staaten nicht die Verantwortung, Schutz gegen Kriegsverbrechen zu gewähren? In welcher Weise ist die Beteiligung Großbritanniens an den Angriffen gegen Syrien nach dem Völkerrecht nicht gerechtfertigt?
Präsident Dr. al-Assad: Also gemäß ihrer Stellungnahme, als Großbritannien und die USA 2003 völkerrechtswidrig den Irak angriffen,  Millionen töteten, massenhafte Zerstörungen anrichteten, die Zahl der Witwen und Invaliden (amputees) gar nicht eingerechnet, hätte jede Regierung – gemäß Mays Logik – das Recht, Großbritannien oder die USA anzugreifen , wenn sie dächte, dieser Akt sei gerechtfertigt, rechtmäßig und nach Völkerrecht erlaubt, um menschliches Leiden zu lindern. Das als Erstes. Zweitens, sie log, sie bot der öffentlichen Meinung, der britischen Öffentlichkeit, keinen Beweis. Nachdem wir al-Ġûṭa befreit hatten, wo die angebliche Attacke stattgefunden haben soll, befragten viele ausländische Journalisten, einige davon waren sogar gegen die syrische Regierung eingestellt, die Leute vor Ort und sie sagten: „Wir haben keine Chemie-Attacke bemerkt, die hat es nicht gegeben.“ Es war eine Lüge; gerade nachdem  wir die Gegend befreit hatten, bestätigten die Informationen, daß es keine Attacke gegeben hatte. Die britische Regierung sollte zuerst mit Beweisen aufwarten, daß eine Attacke überhaupt stattgefunden hat und dann sollten sie prüfen, wer dafür verantwortlich ist – doch das passierte freilich nicht.
Es gab keine Attacke, da beginnt schon die Lüge. Und nochmals, es geht nicht um die Attacke; die Crux bei der Sache ist, daß sie von den Anfängen des Kriegs in Syrien nötig an  die syrische Regierung unterminieren, austauschen und [zuvor] stürzen mußten. Sie scheitern damit  bislang, verbreiten die Lügen weiterhin und führen den Zermürbungskrieg gegen unsere Regierung fort.
Frage 3: Unbestätigte Berichte zirkulierten, daß die syrische Regierung westliche reguläre Streitkräfte, darunter britiche, gefangengenommen habe. Können Sie dies bestätigen oder ein Licht auf diese Berichte werfen?
Präsident Dr. al-Assad: Es gibt Kämpfer von überall in der Wet, die den Jihadisten helfen. Ich würde nicht sagen, wir haben britische Kämpfer, die am Leben sind. Die meisten jener Kämpfer sind tot, sie kamen hierher, um zu sterben und ins Paradies zu kommen gemäß ihrer Ideologie.
Nachfrage der Journalistin: Aber Sie bestätigen, daß sie tot sind und aus diesen Ländern stammten?
Präsident Dr. al-Assad: Ja.
Frage 4: Gab es irgendwelche Versuche, selbst via Mediatoren oder eine dritte Partei seitens der britischen Regierung oder ihrer Geheimdienste, um aus irgendeinem Grund Kommunikationswege Verbindungen mit Syrien für nachrichtendienstliche Zwecke herzustellen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein. Wir hatten tatsächlich Verbindung  von Seiten verschiedener Geheimdienste in Europa, doch diese wurde kürzlich eingestellt, da sie nicht ernst zu nehmen waren. sie wollten Informationen austauschen, obwohl ihre Regierungen politisch gegen usn eingestellt waren. Daher sagten wir, wenn Sie eine politische Deckung für diese Art der Kooperation haben, ober lassen Sie mich sagen, wenn Sie Ihre politische Haltung ändern, sind wir bereit. Nun, es besteht keine Kooperation mit europäischen Geheimdiensten, einschießlich des britischen.
Frage 5: Aber gab es, soweit Sie wissen, gar keine Ansätze seitens der Briten zu versuchen, Kommunikationskanäle zu eröffnen, wenn auch durch Mediatoren?
Präsident Dr. al-Assad: Selbst wenn es eine Art Versuchs dazu gegeben hätte, diskutieren wir das nicht, es ist [zu] trivial, ob es nun einen gegeben hätte oder nicht.
Frage 6: Was denken Sie über May und Trumps Behandlung der Nahost-Frage, insbesondere bezügich Syriens, und was sind die Unterschiede zwischen deren Eingriffen in der Region und jenen von Putin?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist ein großer Unterschied! Die Russen wurden durch die syriche Regierung gebeten, ihre Anwesenheit in Syrien ist demnach eine rechtmäßige.
Dasselbe gilt für die Perser. Dagegen ist die der USA und Großbritanniens unechtmäßig, es ist eine Invasion, sie verletzen die Souveränität Syriens  eines souveränen Staates. Demnach ist deren Anwesenheit überhaupt nicht rechtmäßig, es ist eine rechtswidrige Anwesenheit.
Nachfrage der Journalistin: Aber wie haben sie, May und Trump, Ihrer Einschätzung nach Syrien behandelt?
Präsident Dr. al-Assad: Es geht [dabei] nicht nur um May und Trump, sondern um die westlichen Politiker generell, die westlichen Regime allgemein.Sie akzeptieren keinen, kein Land, keine Regierung, keine Persönlichkeit mit anderer Ansicht. So verhält es sich auch mit Syrien. Syrien ist sehr unabhängig in seiner jweiligen politischen Haltung. wir arbeiten in unserem Interesse, wir sind [also] kein Marionettenstaat. Diese Tatsache akzeptieren sie nicht. Demnach ist die ganze Herangehensweise des Westen gegenüber Syrien: „Wir müssen diese Regierung ersetzen, wir müssen diesen Präsidenten dämonisieren, weil sie [beide] nicht mehr zu unserer Politikausrichtung passen.“
Das ist die Situation, a lles andere ist [nur] Beigeschmack (like flavors); sie erzählen Lügen, reden über Chemiewaffen, darüber, daß der böse Präsident gute Leute töte, über Freiheit, friedvolle Demonstrationen; all diese Lügen sind nur variable Geschmäcker mit einem Ziel, dem Surz der Regierung (regime change). Meine Antwort auf Ihre Frage, wie ich das sehe, lautet demnach: das ist Kolonialpolitik, so sehen wir das und das ist nicht neu. Seit den alten Tagen des Kolonialismus, wie er zu Anfang des 20. Jh. und des 19. Jh. und davor existierte, haben sie diese Politik niemals geändert, doch heute wird das verschleiert, er [der Kolonialismus] trägt eine neue bzw. verschiedene Masken.
Frage 7: Ihre bedeutendsten globalen Gegner  sind heutzutage Trump, Netanyahu und der saudische Kronprinz Muammad bin Salmân, eine Aufreihung eine Aufstellung ungewöhnlicher, unpopulärer Charaktere. Sehen Sie im Vergleich da plötzlich gut aus?
Präsident Dr. al-Assad: Ich kann mich selbst mit niemandem vergleichen, da ich mich nicht objektiv beurteien würde; Sie sollten diese Frage demnach besser anderen stellen. Wenn Sie aber eine objektive antwort wünschen, müssen Sie sich die echten Fakten ansehen, nicht ie Propaganda, die jetzt seit sieben Jahren in westlichen Medien zirkuliert. Am Ende also, kümmere ich mich nicht darum, wie ich im Vergleich zu jenen aussehe. Für mich ist wichtig, wie ich in den Augen der syrischen Bevölkerung aussehe, das ist mein Fokus.
Frage 8: 2013 sagten Sie zu mir, „Syrien liegt an der geographischen, politischen, sozialen und ideologischen Verwerfungslinie“ und warnten vor einem Spiel mit dieser Verwerfungslinie, da es ernsthafte Auswirkungen auf den gesamten Nahen Osten und Europa hätte.
Präsident Dr. al-Assad: Ja, wir befinden uns an einer Verwerfungslinie, die letzten fünf Jahre haben bewiesen, daß ich richtig lag. Denn schauen Sie nur auf die Auswirkungen auf die ganze Welt, schauen Sie, wie sich der Terrorismus über die Welt verbreitet dank  des Chaos´, das der Westen in Syrien unterstützt hat. Schauen Sie auf die verschiedenen Angriffe in Europa, in Großbritannien, in Frankreich, in anderen Ländern. Schauen Sie auf die Flüchtlingskrise in Europa. Das kommt von der Verwerfungslinie, von der ich vor fünf Jahren sprach.
Frage 9:  Fünf Jahre ist es her, daß sie mir das sagten bzw. daß Sie das sagten, währen dieser Zeit kam der ISIS auf; Sie scheinen sich als das Hauptbollwerk gegen ihn zu sehen, warum?
Präsident Dr. al-Assad: Bezüglich des ISIS sind wir die Hauptpartei, die den ISIS bekämpft mit Unterstützung durch die Russen und Perser während der letzten Jahre. Keine andere Partei leistet Dasselbe, nicht einmal zum Teil. Wenn Sie über den Westen oder das westliche, von den USA geführte Militärbündnis  reden wollen, das hat tatsächlich den ISIS unterstützt, da sie jedes Mal die SAA (Syrisch Arabische Armee) angegriffen haben, wenn wir den ISIS angegriffen haben oder er die SAA attackierte. Der letzte Vorfall ereignete sich erst vor wenigen Tagen, als der ISIS die SAA angriff und wir ich freilich besiegten und als Reaktion darauf griffen die [US-]Amerikaner unsere Truppen im Ostteil von Syrien an.
Frage 10:  Lag die Welt damit falsch, Sie die letzten sieben Jahre lang zu isolieren?
Präsident Dr. al-Assad: Das Konzept der Isolierung eines Landes ist generell falsch. Man braucht Kommunikation in der Welt, in der modernen Politik, sogar in der Politik der alten Tage. Wenn man ein Land isoliert, isoliert man sich selbst von der Realität in jenem Land; damit werden Sie politisch blind. Demnach ist das Konzept falsch.
Frage 11:  Herr Präsident, manche sehen in Ihnen einen internationalen Paria, einen Diktator mit But an den Händen; geben Sie mir ein Argument, warum das nicht stimmt, [wo doch] in den letzten sieben Jahren hunderttausende Syrer getötet, verhaftet, ins Gefängnis gesteckt, gefoltert worden sind?
Präsident Dr. al-Assad: Also, die Story, die sie wiedergeben, das westliche Narrativ sozusagen, daß das ein schlechter Präsident ist – er tötet  seine eigenen Leute und die ganze Welt ist gegen ihn, weil er ein internationaler Paria ist –  [ist das eine], aber er ist seit sieben Jahren in seiner Position, obwohl er doch  jeden in der Welt bekämpft. Können  Sie mit so einer Geschichte Ihre Leser überzeugen? Es geht einfach nicht zusammen, ich meine, die verschiedenen Faktoren dieses Narrativs, es ist nicht logisch, es ist nicht realistisch. Dieser Präsident befindet sich demnach in seinem Amt, weil er die Unterstützung seiner eigenen Leute hat; wie könnte er diese Unterstützung erhalten, wenn er dieselben Leute töten würde? Die Story ist demnach nicht korrekt.  Wir bekämpfen die Terroristen und jene Terroristen werden von der britischen Regierung, der französischen, der [US-]amerikanischen und derer ihrer Marionetten unterstützt, sei es in Europa oder in unserer Region. Wir bekämpfen sie und haben die öffentliche Unterstützung in Syrien bei der Bekämpfung jener Terroristen. Das ist auch der Grund, warum wir uns auf dem Vormarsch befinden. Diesen Fortschritt könnten wir nicht machen, obwohl wir russische und persische Unterstützung haben; sie könne nämlich nicht die Unterstützung des Volkes ersetzen.  Und der Beweis für das, was ich sage ist: der persische Schah, eine westliche Marionette, konnte der starken Gegenreaktion der iranischen Bevölkerung nicht standhalten, er brach zusammen, das ganze System brach in wenigen Wochen zusammen und er mußte aus seinem Land fliehen.
Frage 12:  Aber trotz der Unterstützung durch viele Syrer bleibt die Tatsache, daß tausende, zehntausende Menschen getötet und inhaftiert wurden.
Präsident Dr. al-Assad: Sicher, Sie sprechen über einen Krieg; es gibt keinen guten Krieg, es gibt keinen friedlichen Krieg. Das ist der Grund, warum Krieg schlecht ist. Wenn Sie also von Krieg sprechen, ist das natürlich und selbstverständliche Resultat Tod und Blut[vergießen] überall; doch die Frage ist: wer begann den Krieg und wer befördert diesen Krieg? Der Westen. der Westen unterstützte diesen Krieg von aller Anfang an und unterstützte die Terroristen, die geradezu überall explodierten, überall und jeden töteten und köpften. Der Westen unterstützte al-Qâʽida.  Demnach genügt es nicht zu sagen, da wurde getötet. Natürlich ist das so; das ist evident, doch wer hat angefangen? Der Westen ist zuallererst verantwortlich dafür.
Frage 13:  Der Westen ist verantwortlich, doch manche sagen, auch Herr Assad oder Präsident Assad sollte ebenso Verantwortung übernehmen.
Präsident Dr. al-Assad: Jeder Syrer könnte Verantwortung übernehmen, da, was sich abspielte, in Syrien geschah.  Das ist ein anderer Sachverhalt, es ist eine syrische Angelegenheit; wir diskutieren sie nicht mit dem Westen. Es ist nicht die Rolle des Westens, uns zu sagen, wer in Syrien verantwortlich ist, der Präsident oder die Regierung oder die Arme oder die Terroristen; das ist eine syrische Angelegenheit; wir entscheiden das „wer“.  Der Westen befindet sich nicht in der Position, uns zu belehren (tell us); am Ende ist es nicht seine Rolle; aber er griff in einen souveränen Staat ein und ist verantwortlich für das Töten in unserem Land, wie auch immer dagegen sein Narrativ und seine Lügen lauten.
Frage 14:  Es scheint, als ob Rußland eine Menge Entscheidungen für Syrien treffe, sei es, daß sich ausländische Truppen wegen Abkommen mit Israel bezüglich Süd-Syrien zurückzuziehen haben oder welche Waffen sie hätten oder nicht.  Trifft Rußland nun Ihre Entscheidungen?
Präsident Dr. al-Assad: Rußland kämpft für das Völkerecht und ein Teil des Völkerrechts ist die Souveränität verschiedener Staaten, der souveränen Staaten; Syrien ist einer davon. Ihre Politik, ihr Verhalten, ihre Werte gehen nicht in Richtung des Sicheinmischens oder Diktierens, sie tun das nicht. Wir haben seit mehr als sechs, fast sieben Dekaden gute Beziehungen zu Rußland. Niemals während dieser Beziehung, haben sie versucht zu diktieren, auch wenn es Differenzen gab; schließlich herrscht Krieg und jetzt eine hohe Dynamik in der Region, da ist es natürlich, daß es Differenzen zwischen den unterschiedlichen Parteien gibt, sei es innerhalb der Regierung oder mit einer anderen Regierung: Rußland mit Syrien, Syrien mit dem Iran, der Iran mit Rußland […] und innerhalb dieser Regierungen; das ist ganz natürlich; doch am Ende siegt die Entscheidung über das, was in Syrien vorgeht und vorgehen wird, allein bei Syrien. Niemand sollte das bezweifeln wie auch immer die Statements lauten mögen, die sie vielleicht hören. Denn ich weiß, auf welcher Basis die Frage fußt.
Zwischenbemerkung der Journalist: Basierend auf unterschiedichen Statements.
Präsident Dr. al-Assad: Genau.
Frage 15: Nun, warum hat Rußland Ihnen zu einer Zeit, in der Israel praktisch jede Woche Syrien angreift, nicht die S300 gegeben wie vor Jahren versprochen, und warum koordiniert Rußland die Angriffsziele hinter den Kulissen mit Ihren Feinden?
Präsident Dr. al-Assad: Rußland hat niemals mit irgend jemandem gegen Syrien etwas koordiniert, weder politisch, nicht militärisch; das ist auch ein Widerspruch: wie könnten sie der SAA beim Vormarsch helfen und zur selben Zeit mit unseren Feinden [zusammen]arbeiten, um unsere Armee zu zerstören?
Nachfrage der Journalistin: Aber sie wissen gewöhnlich im voraus, wo sie die Attacken ereignen werden. …
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, das ist nicht wahr, definitiv! Wir kennen die Details. Bezüglich der S300, warum sie sie angekündigt und dann das Gespräch darüber beendet haben, sollten Sie besser die russischen Amtsträger fragen. Es ist eine politische Stellungnahme, sie haben ihre eigene Taktik. Doch, ob sie sie schicken oder schicken werden oder nicht, das ist eine militärische Frage; darüber sprechen wir nicht.
Frage 16: Höhere Amtsträger im Pentagon haben Sie gewarnt, sie würden militärisch Vergeltung üben, sollten Sie deren Allianz ins Gehege kommen.  Werden Sie jemals die US-Militärpräsenz in Syrien loswerden? Sind Sie bereit, sie direkt zu bekämpfen?
Präsident Dr. al-Assad: Seit Beginn des Krieges haben die [US-]Amerikaner und ihre Aliierten nicht aufgehört, Syrien zu drohen, die Terroristen zu unterstützen und uns bei unzähligen Gelegenheiten direkt anzugreifen.  Aber dennoch sind wir gegenüber den Terroristen im Vormarsch begriffen und wir haben gesagt, wir würden jede Handbreit [zum Ausdruck vg.u.!] von Syrien befreien ohne Rücksicht auf irgendein [geäußertes drohendes] Statement oder irgendeine [ausgeführte] Attacke. Dies ist unser Land und unsere Pflicht, es ist keine politische Meinung, es ist eine nationale Pflicht.  Wir sind in jener Richtung auf dem Vormarsch, ungeachtet der militärischen oder politischen Haltung unserer Gegner.
Frage 17: Sie haben gesagt, Sie würden jede Handbreit syrischen Territoriums zurückholen; wie lange wird das Ihrer Erwartung nach dauern?
Präsident Dr. al-Assad: Dabei geht es nicht nur um die SAA und die Terroristen oder um Vorfälle innerhalb der Grenzen unseres Landes; andernfalls hätte ich Ihnen, lassen Sie mich sagen, vielleicht einen präzisen Zeitrahmen geben können. Doch ich habe immer gesagt, wir könnten diesen Konflikt in weniger als einem Jahr lösen; es ist nicht sehr kompliziert. Was es verkompliziert ist die ausländische Einmischung. Je weiter wir vorrücken, desto mehr nimmt die Unterstützung der Terroristen aus dem Westen zu. Schauen Sie z.B. auf den südlichen Teil Syriens: wir waren gerade vor zwei Wochen dabei, Erfolg mit der Rekonziliierung zu haben, doch der Westen ging dazwischen und bat die Terroristen, sich nicht darauf einzulassen, um den syrischen Konflikt zu verlängern. Daher sind wir der Auffassung, je mehr wir politische und militärische Fortschritte machen, desto mehr versucht der Westen, speziell die USA, Großbritannien und Frankreich ihn [d.h. den Konflikt] in die Länge zu ziehen und die Lösung weiter von den Syrern zu entfernen.  Doch werden wir trotzdem den Abgrund zwischen beidem schließen.
Frage 18: Herr Präsident, in drei Jahren wird Ihre Präsidentschaft enden und es sind jetzt lange sieben Jahre gewesen und die nächsten zwei [erg.: werden es sein]; denken Sie, daß Sie sich erneut um die Präsidentschaft bemühen oder es genug sein lassen werden und entscheiden, daß es Zeit für Sie ist zu pausieren?
Präsident Dr. al-Assad: Es ist noch zu früh, darüber zu reden; es sind von jetzt ab noch drei Jahre bis dahin. Noch drei Jahre, niemand weiß, wie die Lage in unserem Land [dann] sein wird. Wenn ich mich um die Präsidentschaft bewerbe, spielen zwei Faktoren eine Rolle: zuallererst ist das der Wille, der persönliche Wille, Verantwortung zu übernehmen, und zweitens, was noch wichtiger ist, ist das der Wille der syrischen Bevölkerung. akzeptieren sie die Person? Ist die Stimmung bezüglich meiner Person als Präsident dieselbe oder wird die syrische Bevölkerung ihre Haltung ändern? Also müssen wir in drei Jahren den Blick auf diese zwei Faktoren lenken und dann entscheiden, ob es angemessen ist oder nicht.
Frage 19:  Was denken Sie, wie die Geschichte Sie in Erinnerung behalten wird?
Präsident Dr. al-Assad: Das hängt davon ab, um wessen Geschichte es sich handelt: die westliche Geschichte? Die wird verzerrt sein; sie wird Lügen und nochmal Lügen erzählen, dieselben Lügen, die wir nicht nur über unsere Gegenwart wie Vergangenheit gehört haben.  Unsere Geschichte auf der anderen Seite, die mir wichtig ist, wird, so hoffe ich, mich als jemanden in Erinnerung behalten, der gegen den Terrorismus kämpfte, um sein Land zu bewahren, und das ist meine Pflicht als Präsident.
Frage 20: Mit der Fußballweltmeisterschaft um die Ecke: haben Sie ein bevorzugtes Team?
Präsident Dr. al-Assad: Unter diesen [besser: gegebenen] Umständen, ja, mein bevorzugtes Team ist die SAA im Kampf gegen die Terroristen.
Nachfrage der Journalistin: Irgendwelche britischen Teams, Fußball-Teams?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das verfolge ich nicht.               
Frage 21: Es herrschen nun sieben Jahre Krieg, was tun Sie, um Dampf abzulassen, haben sie irgendwelche Hobbys?
Präsident Dr. al-Assad: Sport ist kein Hobby, es wird Teil Ihrer Gesunderhaltung und Ihrer täglichen Routine, da eine gute Gesundheit wichtig ist, um aktiv zu bleiben. Demnach könne wir es nicht als Unterhaltung ansehen; es bleibt keine Zeit und existiert auch nicht die Stimmung für Unterhaltung.  Man lebt mit dem Krieg, dem Töten, dem Terrorismus. Also ist dies das einzige Hobby, das zu einer Haltung geworden ist abhängig von der Zeit und den Umständen.
Frage 22:  Ihre Frau ist Britin und Sie haben viele Jahre in London gelebt, gibt es irgend etwas besonderes, das Sie aus Ihren Tagen dort vermissen?
Präsident Dr. al-Assad: Ich habe in London gelebt, meine Ausbildung als Arzt gemacht. Es ist unmöglich für einen, in einer Stadt zu leben und kein Gefühl einer speziellen Verbindung zu jener Stadt oder den Leuten, mit denen man täglich zusammenarbeitet zu entwickeln. Demnach ist es  wohl diese Verbindung, die man vermißt; aber manchmal lebt man im Widerspruch [dazu]; [erg.: im Fall] daß dieselbe Stadt, die man mag, das selbe Land [erg.: verkörpert], das Dein Land angreift, was nicht gut ist.
Journalistin: Vielen Dank, Herr Präsident.
Präsident Dr. al-Assad: Danke.

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit einem Journalisten von Russiyâ al-Yaum (d.h.: Rußland heute) vom 30.5.2018  (https://sana.sy/en/?p=139186, http://www.sana.sy/?p=761582)

Präsident Dr. al-Assad im Interview mit RT, Photo: SANA

Der Präsident stellt sich u.a. der Frage von RT-Korrespondent Marat Gazdiew, wie er die jüngsten israelischen Drohungen gegen ihn und gegen den syrischen Staat sehe. Weitere Themen sind die Fortführung des Counterterrorismus bis ganz Syrien befreit ist. Dazu gehört auch der Abzug sämtlicher nicht ins Land gebetener und sich daher darin völkerrechtswidrig aufhaltender Militärs wie z.B. der US-Truppen. Diese würden das Land noch verlassen. Die israelische Regierung sei in Panik, da sie ihre Proxies von Ğabhatu_n-Nuṣra und dem IS in Süd-Syrien einbüße.
Belege für die angesprochenen Sachverhalte sind Teil VI und eventuell früheren Teilen zu entnehmen.

Frage 1: Herr Präsident, vielen Dank für die Einladung an uns hierher. Sie bietet uns, die wir nun seit Jahren nach und durch Syrien reisen, die Gelegenheit, von hier zu berichten. Es ist eine Ehre, Sie zum Ende hin zu treffen. Doch da die Zeit kurz ist, Herr Präsident,  nun die erste Frage: Ihre letzten Siege in al-Ġûa, in al-Yarmûk haben die Situation vor Ort in Syrien drastisch verändert.  Wie nah am Ende dieses Kriegs sind wir nun, Ihrer Einschätzung nach?
Präsident Dr. al-Assad: Zuallererst: Sie sind sehr willkommen in Syrien. Mit jeder Bewegung vorwärts auf dem Schlachtfeld, mit jedem Sieg, mit jedem befreiten Areal bewegen wir uns näher an das Ende des Konflikts. Und wie ich immer schon sagte: ohne ausländische Einmischung würde es kaum mehr als ein Jahr brauchen, um die Situation in Syrien zu klären. Doch zur selben Zeit versuchen bei jeder Vorwärtsbewegung der SAA (Syrisch-Arabische Armee), im politischen Prozeß und der ganzen Situation – wobei „vorwärts“ im positiven Sinne hin zu mehr Stabilität gemeint ist – versuchen also unsere Feinde und Opponenten, hauptsächlich der von den USA geführte Westen und deren Marionetten in Europa und in unserer Region mit ihren Söldnern in Syrien, dieses [Ende] weiter in die Ferne zu schieben, sei es durch mehr Terrorismusunterstützung, durch das Verbringen von mehr Terroristen nach Syrien, oder durch Hindernisse im politischen Prozeß. Unsere Herausforderung ist demnach, wie wir diese Bresche zwischen deren und unseren Plänen schließen können. Und ich denke, wir sind in dieser Hinsicht schon erfolgreich. Doch zur selben Zeit ist es für jemand schwierig zu sagen, wann [das gelingt]. Doch [der Zeitpunkt] rückt näher, das versteht sich.
Frage 2: Ihre letzten militärischen Siege waren – objektiv gesprochen – spektakulär, [wenn man] die Geschwindigkeit [betrachtet], mit der die Rebellen, deren Widerstand Jahre lang standhielt, zusammenbrach. Planen sie, ganz Syrien mit Gewalt zurückzuerlangen? Es geht um Idlib, die Grenzen zu Israel und die SDF-kontrollierten Gebiete.
Präsident Dr. al-Assad: Der Krieg ist die schimmste Wahl. Ich denke, jeder Syrer stimmt da zu. Doch manchmal  hat man nur diesr Wahl, insbesondere wenn man über  Fraktionen wie al-Qâʽida, den IS, Ğabhatu_n-Nuṣra und die gleich-gesinnten Gruppen spricht – tatsächlich haben die meisten davon dieselbe Ideologie; Ğaiš al-Islâm, Ḥarakat Aḥrâr aš-Šâm al-Islāmiyya u.s.w. sind nicht bereit zum Dialog, sie haben keinerlei poitischen Plan, sie haben nur ihren finsteren ideologischen Plan, der überall auf al-Qâʽidakontrolliertem Gebiet überall auf der Welt gilt. Die einzige Option, mit jenen Fraktionen umzugehen, ist demnach Gewalt. Gleichzeitig haben wir in anderen Gebieten Erfolg bei der Umsetzung der Rekonziliierung, vor allem wenn die Gemeinschaft in jenen anderen Gebieten Druck auf jene Militanten ausübt dahingehend, jene Areale zu verlassen. Demnach denke ich, die beste Alternative ist Rekonziliierung. Die ist unser Plan. Doch wenn der nicht aufgeht, ist die einzige Entscheidung, die man fällen kann, die Gewalt.
Frage 3:  Wie weise ist es, hinsichtlich der Rekonziliierung, alle diese Jihadisten-Veteranen mit ihren leichten Waffen nach Idlib zu schicken? Inzwischen sind zehntausende nach Idlib gegangen, haben sich konsolidiert, ihre Verteidigung aufgebaut.  Möglicherweise müssen Sie sie, wie Sie schon sagten, bekämpfen. auf der anderen Seite, planen Sie vielleicht, ein Areal außerhalb der Regierungskontrolle zu erstellen?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich sagen wir immer, wir werden jedes Gebiet befreien, demnach ist unmöglich, daß absichtlich einen Teil syrischen Bodens außer Regierungskontrolle ließen. Das ist selbstverständlich. Wie Sie wissen wurde Idlib 2015 von Terroristen mit türkischer Unterstützung eingenommen. Es wurde hauptsächlich von Ğabhatu_n-Nuṣra und einigen anderen unterstützenden Fraktionen erobert. In der Tat begannen wir mit der Rekonziliierung schon vor jener Zeit. Doch bei jeder Rekonziliierung nach dieser Zeit – es war, denke ich, Mai 2015 – wollte jede Fraktion den  [jeweiligen Ort], Stadt  oder Dorf, in Richtung Idlib verlassen. Das ist eine sehr gute Indikation dafür, daß sie dieselbe Ideologie teilen, da sie beschlossen, in das Ğabhatu_n-Nuṣrakontrollierte Gebiet zu gehen. Sie wollten in kein anderes Gebiet gehen. Wir haben also keine Leute nach Idlib geschickt, sie wollten dorthin, da sie demselben Inkubator entstammen, dieselbe Atmosphäre, dieselbe Art zu denken haben u.s.w.
Das ist der eine Part, der andere Part ist der militärische Aspekt Ihrer Frage. Der Plan der Terroristen und ihrer Herren (masters) war es, die SAA auseinanderzureißen, indem sie die unterschiedlichen Einheiten über ganz Syrien verstreuten, was für eine Armee nicht gut ist. Unser Plan war es, sie in einem, zwei , drei Arealen zusammenzubringen. Es ist sozusagen besser, zwei oder drei Fronten zu haben als zehn oder vielleicht mehr als hundert Fronten gleichzeitig zu haben. Vom militärischen Gesichtspunkt ist das also besser. Sie habe es so gewollt, aber für uns ist es vom militärischen Gesichtspunkt her besser.
Frage 4: Auf der anderen Seite, bezüglich gleicher Denkweise, ist Idlib hauptsächlich …die Rebellen dort sind hauptsächlich Sunniten. Ich als Sunnit habe einen weit entfernten Verwandten, der nach Syrien kam, um gegen Sie zu kämpfen, sich Ihnen entgegenzustellen, da ihm erzählt worden war, Sie würden die Sunniten ins Visier nehmen, Sie würden Sunniten töten, und das ist, was viele Leute in Idlib glauben. Was ist es, das so viele Menschen in all den unterschiedlichen Ländern, in Amerika, in Rußland, glauben läßt, daß Sie diese Sunniten, diese Muslime unterdrücken würden?
Präsident Dr. al-Assad: [Das liegt daran, daß] das erste Narrativ, als es international – hauptsächlich freilich im Westen – und in Syrien und in einigen Mainstream-Meiden in unserer Region und im Westen startete,[also] der Plan [dahinter] war, diesen Riß durch die Gesellschaft hervorzurufen.
Es machte es einfacher für sie, „wenn man solch einen Bürgerkrieg, solche eine Art Bürgerkrieg zwischen Glaubensströmungen oder Ethnien hätte“, doch das ging schief. Nun benutzen sie dasselbe Narrativ, um wenigstens einige Fanatiker an verschiedenen Orten in der Welt zu ermutigen, ihre „Brüder“ in dieser Gegend zu verteidigen, denn das ist, was sie. Sie stellen sich vor, daß es da einen Konflikt zwischen Glaubensströmungen gebe. Also wegen ihrer engstirnigen Denkweise oder womöglich ihrer Ignoranz, kamen sie hierher nur um ihre „Brüder“ zu unterstützen.
Wenn ich Ihnen nun erzähle, das ist richtig oder falsch, kennt mich Ihr Publikum nicht, es hat keinen Eindruck von meiner Glaubwürdigkeit; doch ich sage Ihnen, der Sie Syrien gut kennen, es ist besser, hinzugehen und sich die Realität vor Ort anzuschauen. Wenn es also so eine Geschichte – sagen wir einmal –  tatsächlich gäbe [besser: wenn das Narrativ der Realität entspräche, also], das Töten von Angehörigen anderer Glaubensströmungen  untereinander, dann müßte Syrien geteilt sein entlang der [Verbreitungs]linie dieser Glaubensvertreter. Sie sollten in dieses Gebiet unter (im Englischen folgt: our) [Regierungs]Kontrolle gehen und eine oder einige Facetten der syrischen Gesellschaft vorfinden, dann sollten sie in das andere  Gebiet gehen, wo die Terroristen [die Kontrolle ausüben], und Sie sollten [davon] verschiedene Facetten vorfinden – doch die Realität sieht anders aus.
Nun, in Damaskus, in Aleppo, in Ḥomṣ, in jedem Gebiet unter syrischer Regierungskontrolle, werden Sie ein ganzes Spektrum der syrischen Gesellschaft sehen, ohne Ausnahme. Diese Realität läßt demnach dieses Narrativ in sich zusammenfallen. Damit meine ich: wie könnten sie miteinander leben, während die Regierung sie auf Basis der [Scheidung der] Glaubensströmungen  umbrächte. Das geht  nicht.

Frage 5: In Ordnung, aber im Hinblick auf Verhandlungen und Rekonziliierung gab es Bemühungen, Gespräche mit dem Ziel, Resultate zu erhalten, in Genf und Astana – mit begrenztem Erfolg, es war nicht so toll. Nun, seien wir ehrlich, Sie gewinnen, sie gewinnen auf dem Boden, Ihre Streitkräfte sind auf dem Vormarsch, die Rebellen auf dem Rückzug. Warum wollen Sie mit denen jetzt verhandeln, da sie doch am Verlieren sind?
Präsident Dr. al-Assad: Seit Anfang an haben wir gesagt, wann immer wir das Blutvergießen unter Syrern mindern können, müssen wir losgehen und uns mit jeder Initiative  befassen, jeder Art von Initiative, sogar  wenn [auf der anderen Seite] böser Wille vorliegt. Einigen Initiativen liegt böser Wille zugrunde, aber dennoch haben wir uns damit befaßt. Und die Wirklichkeit jetzt, wenn Sie in Syrien herumkommen, die Wirklichkeit, die Resultate, die die Rekonziliierungsakte erbracht haben, sind der Beweis für das, was ich gesagt habe. Ohne diese Vorgehensweise, ohne die Absicht, Blutvergießen einzudämmen,  zu verhandeln, mit den Leuten zu reden, hätten wir diese Rekonziliierung[serfolge] nicht vollbringen können.
Das ist das eine. Das andere ist, nicht jeder, der gegen die Regierung kämpfte, tat das aufgrund derselben Basis. Manche haben einen ideologischen Hintergrund, manche einen finanziellen, manche haben anfangs einen Fehler gemacht, sie wurden in jene Richtung gezwungen und konnten nicht zurück. Also müssen Sie die Türen öffnen und zwischen den verschiedenen Arten unterscheiden. Und noch wichtiger als das ist, daß die Mehrheit der Leute, die sich gegen die Regierung stellten, offensichtlich – in den befreiten Gegenden ist das tatsächlich [zu sehen] – in ihren Herzen bei der Regierung sind; sie könne nämlich den Unterschied benennen zwischen [dem Leben mit] einer Regierung oder mit Chaos.

Frage 6: Gut; zurückkommend auf  unser Gespräch, Sie wissen schon, bzgl. Rückgewinnung von Gebieten per Gewalt … nehmen wir mal als Beispiel die SDF-kontrollierten Gebiete in Dair az-Zaur.  Es gab dort Kämpfe zwischen Truppen, die Ihnen gegenüber loyal sind und der SDF, den Partnern der USA. Die USA brachten mit sich die Gewalt, um Truppen, die loyal Ihnen gegenüber sind, bei der Einnahme von Gebieten zu stoppen. Das geschah ebenso in at-Tanaf.  Wie gehen Sie mit der US-Präsenz , der militärischen US-Präsenz, in Syrien um?

Präsident Dr. al-Assad: Nach der Befreiung von Aleppo und später von Dair az-Zaur, und davor von Ḥomṣ und nun von Damaskus verlieren die USA in der Tat ihre [Spiel]karten. Die Hauptkarte war Ğabhatu_n-Nuṣra, tituliert als „moderate“. Doch als der Skandal ruchbar wurde, daß sie nicht moderat waren, daß sie al-Qâʽida [verbunden] waren, von der man annahm, daß sie von den USA bekämpft werde, hielten sie nach einer anderen Karte Ausschau.  Diese ist nun die SDF; denn, als wir offenbar in verschiedenen Gebieten vorrückten, wie Sie erwähnt haben, um die Terroristen zu besiegen, blieb als einziges Problem in Syrien die SDF übrig. Wir gehen mittels zweier Optionen mit ihr um: die erste ist, wir begannen die Türen für Verhandlungen zu öffnen, da die Mehrheit derselben Syrer sind und vermutlich ihr Land lieben; sie wollen nicht die Marionetten irgendwelcher Ausländer sein, wie wir glauben. Demnach haben wir dieselbe Basis. Wir ae trauen den [US-[Amerikanern seit Jahrzehnten nicht, nicht wegen des Kriegs, sondern weil sie immer das eine sagen und das andere tun, täglich geben sie Lügen von sich. Demnach ist die eine Optionen miteinander zu leben wie immer. Das ist die erste Option. Wenn [das] nicht [geht], werden wir darauf zurückgreifen, mit Gewalt zu befreien, jene Gebiete mit Gewalt zu befreien. Wir haben keine andere Option, sei es mit den [US-]Amerikanern oder ohne sie. Also, das ist unser Land, es ist unser Recht und unsere Pflicht, es zu befreien, und die [US-]Amerikaner sollten gehen, irgendwie werden sie gehen. Sie kamen in den Irak ohne rechtliche Grundlage, und sehen Sie, was mit ihnen passiert ist. Sie müssen die Lektion lernen. Der Irak ist keine Ausnahme und Syrien ist keine Ausnahme. Die Bevölkerung wird keine Ausländer mehr in dieser Region dulden.

Frage 7: Doch mit Bezugnahme auf die Rückerlangung von Gebieten scheint es unerklärlich, daß, wann immer Sie eine Bedrohung eliminiert haben, eine andere sich zu materialiseren scheint wie z.B. in al-Ġûṭa, das hat sich wiederholt abgespielt. Jetzt haben wir den israelischen Energieminister, der droht, sein Land könnte – Zitat: „Sie und Ihre Regierung auslöschen“ (liquidate you and your government). Sind Sie besorgt und wie gehen Sie mit dieser Drohung um?

Präsident Dr. al-Assad: Seit unserer Geburt – dabei spreche ich von meiner Generation, und die meisten Generationen jetzt in Syrien – leben wir unter der Drohung der israelischen Aggression. Das ist etwas in unserem unbewußten Gefühl; demnach zu sagen, besorgt zu sein, während man mit derselben Bedrohung seit Jahrzehnten lebt, ist Unsinn. Die Israelis morden, töten, besetzen  nun schon seit Jahrzehnten, seit gut sieben Jahrzehnten in dieser Region; doch tun sie das alles üblicherweise, ohne zu drohen. Warum drohen sie also auf diese Weise? Das ist Panik, das ist eine Art hysterischen Empfindens, weil sie „ihre Lieben“, ihre Lieben von Ğabhatu_n-Nuṣra und dem IS eingebüßt haben; das ist [der Grund], warum Israel unlängst in Panik geriet, und wir verstehen deren Empfinden.

Frage 8:  Nun, Israel scheint jetzt in ganz Syrien zuzuschlagen, mit Luftangriffen, nach Belieben. Sie prahlen wieder und wieder öffentlich vor der Kamera damit, daß Ihre Verteidigung ohnmächtig sei, diese zu stoppen daß sie in Syrien tun könne, was immer sie wollen. Ist das wahr? Gibt es irgend etwas, das sie tun können, um Israel an weiteren Luftangriffen auf Syrien zu hindern?

Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich war das erste Ziel der Söldner in Syrien die Luftabwehr, bevor irgendeine andere Militärbasis angegriffen wurde; es war die Luftabwehr; und Sie wären zu jener Zeit überrascht darüber gewesen; warum greifen sie die Luftabwehr an? Die Luftabwehr hat ja nun nichts zu tun mit „friedlichen Demonstranten“ wie es hieß oder „moderaten [Streit]kräften“ und kann auch in keiner Weise mit Extremisten zu tun haben. Sie ist etwas ganz anderes, sie existiert zur Landesverteidigung. Das ist der andere Beweis dafür, daß Israel direkter Verbindung mit jenen Terroristen in Syrien stand. Sie attackierten also jene Basen und zerstörten einen Großteil unserer Luftabwehr.
Nun, trotzdem ist unsere Position sozusagen viel stärker als zuvor  dank der russischen Unterstützung; die gegenwärtigen Angriffe seitens der Israelis, der [US-]Amerikaner, Briten und Franzosen zeigten, daß wir uns jetzt in einer besseren Lage befinden.
Meine Antwort auf Ihre Frage ist nun, die einzige Option ist, unsere Luftabwehr zu verbessern, das ist das Einzige, was wir tun können, und das tun wir auch.

Frage 9:  Israel sagt, daß seine Angriffe soweit nicht gegen Sie als Präsidenten oder Regierung gerichtet sind, sondern sie seine gegen den Iran gerichtet, und daß sie den Iran, der Ihr Alliierter ist –  in Syrien schwach halten sollen. Das ist befremdlich, doch der Iran ist hier, er ist Ihr Verbündeter, das ist kein Geheimnis; sie haben [Ihnen] geholfen, doch ihr Hiersein stellt nun für Sie eine Bedrohung dar. Würden Sei je in Erwägung ziehen, den Iran zu bitten, zu gehen?

Präsident Dr. al-Assad: Das wichtigste Faktum bezüglich dieses Sachverhalts ist, daß wir [hier] keine iranischen Truppen haben. Wir haben nie welche gehabt und man kann sie nicht verstecken und wir schämen uns nicht zu sagen, daß wir ebenso wie die Russen – auch die Iraner hätten herbitten können. wir haben iranische Offiziere, die helfend  mit der SAA arbeiten, aber sie haben keine Truppen [mit sich]. Das stärkste Faktum gegen die Lügen in dieser Sache, der iranischen Angelegenheit, ist, daß der letzte Angriff vor ein paar Wochen, bei dem sie sagten, sie hätten angeblich iranische Basen und Lager attackiert, tatsächlich dutzende syrische tote und verletzte Soldaten hinterließ, aber keinen einzigen Iraner. Es ist also eine Lüge. Wir sagen immer, daß wir iranische Offiziere [hier] haben, doch die arbeiten mit der SAA, wir haben keine [iranischen] Truppen [hier].

Frage 10:  Andern wir jetzt das Thema hin zu chemischen Angriffen. Es gibt jetzt regelmäßig chemische Angriffe, die sich angeblich in Syrien abspielen sollen. IhrecRegierung und Ihre Aiierten haben gesagt, Sie hätten nichts damit zu tun. Ihre Verbündeten haben Ihre Angaben bestätigt, jede Verantwortlichkeit verneint, erkärt, sie hätten keinerei Kenntnis davon, daß Sie diese Attackenausgeführt hätten. Die Frage ist, in wessen Interesse ist es, die Opposition gegen Sie zu vergasen?
Präsident Dr. al-Assad: Darin liegt der größte Teil der Antwort: in wesssen Interesse? Das ist die Frage. Ist es in unserem Interesse? Warum, und warum nicht? Weil das Timing dieses angeblichen Angriffs [zeitich] nach dem Sieg der syrischen Truppen in al-Ġûṭa lag. Lassen wir einmal das Fakrum beseite, daß wir überhaupt keine Chemiwaffen haben, und auch das andere Faktum, daß wir  sie nicht gegen die eigene Bevökerung einsetzen, da es im Kampf in Syrien um das Gewinnen der Herzen der Bürger ging, das ist der hauptsächiche Kampf und den haben wir gewonnen. Wie könnten wir also Chemiewaffen gegen Bürger einsetzen, von denen man will, daß sie einen unterstützen? Das als Erstes.
Zum zweiten: wenn man sie einsetzen wollte, lassen Sie uns einmal vorstellen, Sie besäßen sie und wollten sie einsetzen; würden Sie sie dann einsetzen, wenn die Schlacht schon geschlagen wäre oder [doch] davor oder während derselben? Es ist [einfach] nicht logisch [erg.: sie danach einzusetzen]. Zweitens, wenn man sich zu jenem Gebiet begibt – es war eine sehr mit Armeen, Fraktionen und Zivilisten bevölkerte Gegend – wann immer Sie solche Waffen in jenem Gebiet, einsetzten, würden Sie jedem damit Schaden zufügen. So etwas passierte aber nicht. Und wenn Sie in jene Gegend gehen und die Leute fragen, dann [sagen sie], es gab keinen Chemieangriff von vom auch immer. Selbst die westlichen Journalisten, die dorthin kamen, nachdem al-Ġûṭa befreit war, sagten: „Wir fragten die Leute und die sagten, wir erlebten keine Chemieattacke.“ Es war also eine eine erfundene Geschichte [a narrative], nur ein Vorwand für den Angriff gegen Syrien.
Frage 11: Okay, es mag ein Vorwand gewesen sein, doch das haben wir nicht zu beweisen; Sie wissen, sogar wenn wir [bloß] Gerüchte auf Twitter haben, ein paar Videos, verstörende Videos, die angeblich die Folgen einer Attacke zeigen, ist das genug für die USA und ihre Alliierten, Marschflugkörper in Richtung Syrien zu schicken. Was wäre, wenn es – bequemerweise – eine weitere Attacke, eine weitere angebiche Attacke gäbe? Könnten dann viel mehr Marschflugkörper auf Syrien zusteuern?
Präsident Dr. al-Assad: Sicher, das könnte sein, denn wenn die USA auf dem Völkerrecht herumtrampeln – manchmal täglich in verschiedenen Gegenden aus unterschiedlichen Gründen, hätte jedes Land in der Welt mit solche einer Attacke zu rechnen. Was ist denn die Rechtsbasis des Angriffs? Was ist die Rechtsbasis [der Präsenz] ihrer Flugzeuge zusammen [mit denen] der Koalition, der sog. „anti-terroristischen Allianz“, welche tatsächlich die Terroristen unterstützt, was ist die Rechtsbasis jener Allianz? Nichts! Was ist die Rechtsbasis des Angriffs auf den Jemen, auf Afghanistan, an der Grenze zu Pakistan, etc.? Es gibt kein Völkerrecht gibt, das auch die USA und ihre Marionetten im Westen befolgen, gibt es keine Garantie, daß das nicht passiert. Es ist erst vor wenigen Wochen passiert und letztes Jahr, im April 2017, und es könnte irgendwann [wieder] passieren, ganz genau, darin stimme ich mit Ihnen überein.
Frage 12: Doch Trump hat eine extreme und ernste Reaktion versprochen, seinen anfänglichen Worten gemäß. Die Reaktion, die wir sahen, der Angriff, den wir nach der letzten angeblichen Chemieattacke erlebten, schien viel eher symbolisch zu sein, viel geringer im Ausmaß und es gab unerwarteterweise wieder ein Verzögerung, im Hinblick dessen, was Trump hinsichtlich des Angriffs versprach und wann er dann erfolgte. Warum diese Verzögerung? Hatte es vielleicht etwas mit Rußland zu tun?
Präsident Dr. al-Assad: Wie wir das sahen, gab es da zwei Aspekte: Der erste ist: sie erzählten eine Story, eine Lüge, und die öffentliche Meinung rund um die Welt und im Westen kauft sie nicht; doch sie konnte nicht mehr zurück. Also mußten sie etwas tun, wenn auch in geringerem Ausmaß.
Der zweite Sachverhalt hat mit der russischen Position zu tun: wie Sie wissen, verkündeten die Russen öffentlich, sie würden die Basen zerstören, die zum Start der Raketen verwendet würden. Unsere Informationen dazu – wir haben keinen Beweis, nur Informationen und jene Informationen sind glaubhaft – daß sie an eine umfassende Attacke ganz Syrien einbeziehend dachten; und das ist der Grund, warum die Drohung den Westen dazu brachte, es in einem viel kleineren Maßstab anzugehen.
Frage 13: Nun, hinsichtlich der Beziehung der USA zu Ihnen: Präsident Trump hat Sie, ich zitiere: „Animal Assad“ (Tier Assad) genannt. Haben sie einen Spitznamen für den US-Präsidenten?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist nicht meine Redeweise, demnach kann ich keine ähnliche Redeweise benutzen. Das ist seine Redeweise. Sie steht für ihn; ich denke, es gibt ein sehr bekanntes Pronzip, nämlich daß das, was Du sagst, Deine Wesensart wiederspiegelt („what you say is what you are“,  d.h. wörtlich: was Du sagts, ist, was Du bist). Er wollte also demnach repräsentieren, was er ist – und das ist normal. Wie auch immer, es hat nichts gebracht (wörtlich: bewegt). Solch eine Sprache sollte sich [auch] in keiner Weise für niemanden auswirken (wörtlich: sollte auch nichts für irgend jemand bewegen). Das einzige, was einen bewegt, ist, was Leute [denken], denen man vertraut, die besonnen sind, die sich Gedanken machen, die eine Moral, eine Ethik haben, das ist es, was einen im Innern antreiben sollte, ob positiv oder negativ. Jemand wie Trump wird für mich nichts bewegen.
Frage 14: In Bezug auf die US-Präsidentschaft gibt es etwas Interessantes, wie Sie wissen, kam mir da  vor einer Weile ein Gedanke in den Sinn: in Syrien befinden sich jetzt Streitkräfte von fünf Atommächten, fünf Atommächte sind direkt in die Militäroperationen in Syrien verstrickt., seien es Fußtruppen oder die Luftwaffe. Einige jener staaten befinden sich auf unterschiedlichen Seiten. Wie syrisch ist dieser Bürgerkrieg noch?
Präsident Dr. al-Assad: Das Wort „Bürgerkrieg“ wurde seit Beginn des Konflikts in Syrien verbreitet benutzt, sogar von unseren Freunden und unseren Alliierten – irrtümlich und ohne den Inhalt dieser Bedeutung zu verstehen. Syrischer „Bürgerkrieg“ würde bedeuten, daß es sektiererische Fronten [erg.: innerhalb der syrischen Gesellschaft] gäbe, sei es in ethnischer oder religiöser oder konfessioneller oder womöglich in Hinsicht politischer Meinungen oder Strömungen sozusagen, etwas, das wir in Syrien nicht haben. Tatsächlich umfaß das von der Regierung kontrollierte Gebiet, was die Mehrheit Syriens ausmacht, all diese unterschiedlichen Ausrichtungen. Somit ist das Wort „Bürgerkrieg“ nicht korrekt. Was wir tatsächlich von Beginn an haben, sind Söldner, Syrer und Ausländer, die dafür vom Westen bezahlt wurden, damit sie die Regierung stürzen. Das ist die Realität, die bloße Realität, die absolut absolut nackte Realität. Alles andere sind nur Maskierungen zur Verdeckung der realen Intentionen. Ist die Rede von politischen Differenzen, Moderaten und friedlicher Demonstration, dann gibt es keinen Bürgerkrieg in Syrien. Hätten wir sieben Jahre lang Bürgerkrieg gehabt, wären wir inzwischen geteilt. [Dann] könnte es kein einheitliches, geeintes Land, keine einheitliche Gesellschaft geben; das ist nicht geographisch zu verstehen wegen der US- und türkischen Marionetten  jetzt.
Man kann kein einheitliches, geeintes Land, keine einheitliche Gesellschaft haben, wenn Bürgerkrieg herrschen würde, dann müßte die Gesellschaft gespalten sein. Ziehen Sie selbst los, befassen Sie sich mit den Spektren der syrischen Gesellschaft, und sie können sich Ihre Frage selbst in der gleichen Weise beantworten, wie ich es getan habe.
Frage 15:  Aber im Hinlbick auf eine mögliche Eskalation … Okay … da sind die Proxa-Streitkräfte
von allen fünf Atommächten wie auch die anderen in Syrien involvierten Streitkräfte, aber nochmals, Sie als Präsident müssen Informtaionen haben: Wie nahe sein wir in diesem Bürgerkrieg, in diesem Krieg an eine Eskalation zwischen den Atommächten gekommen?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich sind wir nahe dran an einem direkten Konflikt zwischen den russischen Streitkräften und den [US-]amerikanischen und zum Glück ist er vermieden worden, nicht aufgrund der Weisheit der [US-]amerikanischen Führung, sondern aufgrund der Weisheit der russischen Führung, da es im Interesse von niemandem, niemandem in dieser Welt und vor allem nicht der Syrer ist, diesen Konflikt auszutragen. Wir brauchen die russische Unterstützung, aber zur seben Zeit ist es notwendig, die [US-]amerikanische Narretei zu vermeiden, um in der Lage zu sein, unser Land zu stabilisieren.
Frage 16: Und ganz kurz, eine letzte Frage. Je näher wir dem Ende kommen, mindert sich Ihrer Meinung nach da die Gefahr einer Eskalation oder wächst sie eher?
Präsident Dr. al-Assad: Als ich ganz zu Anfang sagte, je mehr wir uns dem Ende nähern, desto mehr in die Ferne wollen sie es rücken. Was bedeutet das?  Je mehr Stabilität herrscht, desto mehr Eskalation wird es geben. Je mehr Rekonziliation in einer Gegend glückt, desto weiter wird das Töten, die Zerstörung, der Versuch, mehr Areale durch die Terroristen einzunehmen, gehen. Das ist der Grund dafür, warum wir, mitten in der Rekonziliierung steckend –  als wir mit den Rekonziliierungen in vielen Gegenden begannen – [sahen,] wie die anderen Fraktionen in derselben Gegend versuchten, diese zu sabotieren; denn sie hatten die Order vom Ausland erhalten, sich nicht an der Rekonziliierung zu beteiligen, freilich gingen die Befehle mit der Geldbörse einher. Daher ist das, was Sie gesagt haben, korrekt. Doch, je mehr Eskalation wir haben, desto mehr sind wir entschlossen, das Problem zu lösen, da es keine andere Wahl gibt: entweder haben Sie ein Land oder kein Land.    
Journalist: Herr Präsident, vielen Dank für die von Ihnen gegebenen Einsichten und vielen Dank auch dafür, daß Sie uns empfangen haben und uns so viel Ihrer Zeit geschenkt haben.  Wir wünschen Ihnen, der syrischen Bevölkerung nur das Beste sowie eine schnelle Beendigung dieses schrecklichen Konflikts. Vielen Dank, Herr Präsident.
Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank, vielen Dank, daß Sie wieder nach Syrien gekommen sind.

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit einem Korrespondenten der griechischen Zeitung  Kathimerini am 10.5.2018 (https://sana.sy/en/?p=137019, https://www.sana.sy/?p=751436)

Präsidenten-Interview vom 10.5.2018, Photo: SANA

Journalist: Herr Präsident, vielen Dank dafür, daß sie sich zu diesem Interveiw bereit finden. Es ist eine Freude, hier in Damaskus zu sein.

Präsident Dr. al-Assad: Sie sind hochwillkommen in Syrien.

Frage 1: Lassen Sie mich zuallererst die Frage nach der von US- und europäischer Seite erhobenen Beschuldigung stellen, die sich  wie Sie wissen, auf den Einsatz chemischer Waffen bezieht und auf den darauffolgenden Angriff. Was ist Ihre Erwiderung darauf? Gab es einen C-Waffenangriff? Sind Sie dafür verantwortlich?

Präsident Dr. al-Assad: Zunächst einmal und vor allem haben wir keinerlei chemisches Waffenarsenal, nachdem wir es 2013 aufgegeben haben; die internationale Behörde für chemische Waffen untersuchte diesen Sachverhalt, damit ist es klar und dokumentiert, daß wir keine haben.
Zum anderen: selbst wenn wir solche hätten, würden wie sie nicht einsetzen aus vielen unterschiedlichen Gründen. Doch lassen wir einmal diese beiden Punkte beiseite und lassen Sie uns einmal annehmen,  die Armee verfüge über C-Waffen und wir befänden uns mitten im Krieg. Wann sollten sie eingesetzt werden?  Etwa am Ende der Schlacht? Doch wohl irgendwann mittendrin, oder wo den Terroristen ein Vorstoß gelungen wäre, nicht dann, wenn die Armee die Schlacht zu Ende gebracht hat und die Terroristen aufgegeben und erklärt haben: „Wir sind bereit, uns zurückzuziehen.“ und die Armee die volle Kontrolle über das Areal hat.
Die westliche Geschichte begann nämlich nach dem Sieg der SAA, nicht davor. Als wir den Krieg beendet hatten, brachten sie vor: „sie benutzten Chemiewaffen!“
Sodann:  beim Einsatz von Massenvernichtungswaffen in einem dermaßen dicht bevölkerten Areal wie Dûmâ – das gemeinte Areal ist Dûmâ und die sprechen von etwa 45 Opfern! – also wenn es da zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen kommt, müßte es hunderte oder gar tausende Opfer auf einmal geben.
Drittens; warum töten alle die C-Waffen, die angeblichen oder vermuteten C-Waffen, nur Kinder und Frauen? Die töten keine Militanten. Wenn Sie sich die Videos anschauen, die sind komplett fingiert. Ich meine, wie können Ärzte und Krankenpfleger beim Einsatz von Chemiewaffen sicher sein, wenn sie es mit der vergifteten Atmosphäre zu tun haben, jedoch keinerlei Schutzkleidung tragen. Da übergießt man die Opfer mit Wasser und alles ist o.k.? –  bloß weil man sie mit Wasser abgewaschen hat? Das ist doch eine Farce! Ein Schauspiel! Es ist ein primitives Schauspiel, bloß um die SAA anzugreifen, weil … ja, warum? Das ist der wichtigste Punkt. [Der Vorwurf kommt zu dem Zeitpunkt, an dem] die Terroristen verloren haben, an dem die USA, Frankreich, Großbritannien und ihre anderen Alliierten, die Syrien destabilisieren wollen, eine ihrer Trumpfkarten verloren haben – und das ist der Grund, warum sie die SAA angreifen mußten, nur um die Kampfmoral der Terroristen zu heben und zu verhindern, daß die SAA mehr Areale in Syrien befreit.

Frage 2: Doch sagen Sie damit, es habe einen Vorfall, einen Angriff mittels Chemikalien gegeben, für den jemand anderes verantwortlich ist, oder daß es nichts dergleichen gegeben habe?

Präsident Dr. al-Assad: Das ist die Frage, denn, ich meine, die Seite, welche sagte, behauptete, daß es einen solchen Vorfall gegeben habe, müßte gerade das beweisen.
Demnach haben wir zwei Szenarien:  entweder hatten die Terroristen chemische Waffen und setzten diese absichtlich ein, oder es gab möglicherweise Explosionen oder so, oder es gab überhaupt keinen angriff, denn schließlich sagten bei den Untersuchungen in Dûmâ alle Personen aus: „wir hatten keinerlei chemische Attacke, wir sahen bzw. schmeckten keinerlei chemisches Gas“ u.s.w. wir haben demnach überhaupt keine Indizien dafür, was vorgefallen ist. Die westliche Darstellung handelt davon. Also sollten wir diese Frage an die westlichen Amtsträger richten, die sagten, es habe einen Angriff gegeben.  Wir sollten sie fragen, wo ihr konkreter Beweis dafür sei, was sich zugetragen hat. sie reden nur von Meldungen. Meldungen können Behauptungen sein. Videos der White Helmets, wobei die White Helmets eine Gründung des britischen Außenamts sind, u.s.w.

Frage 3: Präsident Trump benutzte in einem Tweet einen sehr starken Ausdruck. Er sagte: „Animal Assad“ [d.h. Tier Assad]  Erinnern Sie sich daran? Was antworten Sie darauf?

Präsident Dr. al-Assad: Nun, wenn man sich tatsächlich in der Position befindet, ich meine, Präsident eines Landes zu sein, hat man zuallererst die sittlichen Einstellungen der jeweiligen Bevölkerung zu repräsentieren anstatt der eigenen. Schließlich repräsentiert man sein Land. Frage: steht diese Art Sprache für die [US-]amerikanische Kultur? Das ist die Frage. Das ist [besser: wäre] sehr schlimm. Ich denke das nicht. Ich denke nicht, daß es in der Welt ein Gemeinwesen gibt, das eine solche Sprache sein eigen nennt.
Zweitens: das Gute bezüglich Trump ist, daß er sich selbst in einer sehr transparenten Art ausdrückt, was in dieser Hinsicht positiv ist. Persönlich kümmert es mich nicht, da ich mit der Situation als Politiker, als Präsident umgehe.  Mit persönlich macht es nichts aus. Von Belang dagegen ist, ob etwas auf mich, mein Land, unseren Krieg, die Terroristen und die Atmosphäre, in der wir leben, Einfluß hat.

Frage 4: Er sagte, die Mission sei erfüllt. Er sagte: „mission accomplished in Syria“ [die mission in Syrien ist erfüllt]. Was fühlen Sie dabei?

Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, eine erfüllte Mission war bloß jene, als sie dem IS aus ar-Raqqa zu entkommen halfen, als sie ihm halfen und auch noch – und das ist durch ein Video belegt – unter ihrem Schutz den IS-Anführern aus ar-Raqqa zu entkommen halfen, just um nach Dair az-Zaur zu  gehen, um gegen die SAA zu kämpfen.  Eine andere erfüllte Mission war, als sie Ende 2016 im Areal von Dair az-Zaur die SAA angriffen, als der IS gerade Dair az-Zaur einschloß und die einzige Streitkraft [die SAA war.  Ich meine damit, die einzige Streitkraft, die die Stadt vor dem IS verteidigen konnte, war die SAA. Und wegen des Angriffs der [US-] Amerikaner – und freilich ihrer Alliierten –  war Dair az-Zaur im Begriff in die Hände des IS zu fallen.
Also das  ist die einzige Mission, die erfüllt worden ist. Wenn er über die Zerstörung Syriens spricht, dann ist das freilich eine andere erfüllte Mission.
Da wir schon beim Thema Terrorismusbekämpfung  sind, ist uns allen doch ganz klar, daß die einzige Mission, die die USA in Syrien vollführen, die Unterstützung der Terroristen ist,  ungeachtet dessen, wie die Namen ihrer Fraktionen lauten.

Frage 5: Allerdings, benutzte er [d.i. Trump] auch solch eine Sprache bezüglich des nordkoreanischen Führers, und nun wollen sie sich treffen. Könnten Sie sich eventuell vorstellen, sich mit Trump zu treffen? Was würden Sie ihm sagen, von Angesicht zu Angesicht?

Präsident Dr. al-Assad: Die erste Frage, die sie [sich] stellen sollten, ist, sei es bei einem Treffen, einer Kontaktherstellung oder  was auch immer, was bringt es? Die andere Frage [wäre], was ist zu erreichen mit einem, der vor einer Kampagne etwas sagt, und das Gegenteil nach der Kampagne tut, der heute dies sagt, und morgen – oder vielleicht noch am selben Tag – das Andere tut. Es geht also um Konsequenz. Haben sie jeden Tag dieselbe Frequenz oder denselben Algorithmus? Demnach denke ich inzwischen, daß wir mit solch einer Administration nichts erreichen können. Ein anderer Grund ist, daß wir nicht denken, daß der Präsident jenes Regimes die Kontrolle hat. Wir alle glauben, daß der „tiefe Staat“, der wirkliche Staat, die Kontrolle hat oder die Kontrolle über den Präsidenten, und das ist nichts Neues. So war es immer in den USA, mindestens die letzten 40 Jahre, mindestens seit Nixon, womöglich schon zuvor, doch es wird krasser und krasser und am krassesten ist der Fall Trump.

Frage 6: Wann wird Ihre Mission erfüllt sein in Anbetracht der Situation jetzt in Syrien?

Präsident Dr. al-Assad: Ich habe immer gesagt, ohne einmischung werde es weniger als ein Jahr dauern, Stabilität in Syrien wiederzuerlangen; da habe ich keinen Zweifel. Der andere Fsktor ist, wieviel Unterstützung die Terroristen erhalten. Das ist etwas, das ich nicht beantworten kann, da ich nicht weissagen kann. Der Hauptfaktor ist, daß wir eines Tages diesen Konflikt beenden und Syrien  wieder unter Kontrolle der Regierung einen werden. Wann? Ich hoffe, es wird bald sein.

Frage 7: Derzeit hat es einige Kritik gegeben wegen eines Gesetzes, das Sie scheinbar haben, das besagt, dwer auch immer seine Eigentumsansprüche nicht innerhalb eines Monats anmeldet, könne nicht [nach Syrien] zurückkommen. Ist das ein Weg, um Ihnen mißliebige Personen außen vor zu halten?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir können niemanden von Gesetzes wegen enteignen,  da die Verfassung da sehr klar ist hinsichtlich der Eigentümerschaft eines jeden syrischen Bürgers. Gesetze können hinsichtlich der Vorgehensweise erlassen werden.  Es ist nicht das erste Mal, daß wir ein Gesetz haben gerade für die Wiederverplanung von zerstörten und illegalen Arealen, da man es mit einer Mixtur aus zerstörten und illegalen Vorstädten in verschiedenen Teilen Syriens zu tun hat. Demnach hat diese Gesetzt nichts mit Enteignung zu tun. Das geht nicht. Ich meines, selbst wenn es sich um einen Terroristen handeln würde, bräuchte man ein Gerichtsurteil eines Justizsystems, wenn man ihn enteignen wollte, das ginge nicht einfach per Gesetzeserlaß. Es herrschat also entweder ein Fehlinterpretation jenes Gesetzes vor oder die Absicht, sozusagen eine neue Mär über die syrische Regierung in die Welt zu setzen, um die Flamme der öffentlichen Meinung im Westen erneut  gegen die syrische Regierung zu entfachen . Doch noch zum Gesetz: selbst wenn es um Verfahrenssachen ginge, läge es an der lokalen Verwaltung, an den gewählten Körperschaften der unterschiedlichen Regionen, jenes Gesetz umzusetzen, nicht an der Regierung.

Frage 8: Wer sind nun Ihre größten Verbündeten in diesem Kampf? Offensichtlich Rußland und der Iran. Sind Sie besorgt darüber, daß sie in der Zukunft des Landes nach dem Ende des Kriegs eine zu bedeutende Rolle spielen könnten?

Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie nach meinen  Verbündeten als Präsident fragen, dann sind das die syrischen Bürger. Wenn Sie über Syriens Verbündete sprechen, sind das sicherlich die Iraner und die Russen. Das sind die stärksten Verbündeten, und freilich China, das uns politisch im [UN-]Sicherheitsrat unterstützt hat. Hinsichtlich deren bedeutender Rolle in der Zukunft  des Landes, ist zu sagen, daß sie Syriens Souveränität und nationale Entscheidungsfindung  respektieren und Unterstützung bereitstellen, um diese zu sichern. Für diese Länder es daher keinen Sinn machen, an einem Krieg teilzunehmen, der Syrien hilft, seine Souveränität zu verteidigen, und zur selben Zeit diese Souveränität zu verletzten oder ihr in die Quere zu kommen. Der Iran und Rußland sind Länder, die Syriens Souveränität am meisten respektieren.

Frage 9: Wie steht es nun mit der Türkei? Die Türkei  drang in einen Teil Ihres Landes ein, veranstanltete eine Invasion. Sie hatten früher ein ganz gute Beziehung zu Präsident Erdogan. Wie steht es um diese Beziehung jetzt nach jenem Eindringen?

Präsident Dr. al-Assad: Zuallerst ist das eine Aggression, eine Okkupation. Jeder türkische Soldat auf syrischem Boden stellt eine Okkupation dar. Das bedeutet nicht, daß die Türken unsere Feinde wären. Vor wenigen Tagen  nur hatten wie eine politische Delegation aus der Türkei hier. Wir müssen zwischen den Türken allgemein und Erdogan unterscheiden. Erdogan ist mit der Muslimbruderschaft verbündet.  Möglicherweise gehört er nicht direkt der Organisation an, doch ist er deren Ideologie verbunden, ich nenne es eine düstere Ideologie.
Als die Terroristen die Kontrolle über verschiedene Gebiete verloren, konnten sie die Agenda der Türkei bzw. des Westens, Qaṭars, Saudi-Arabiens nicht mehr verwirklichen, also mußte jemand einschreiten, soweit es ihn [Trump] wie den Westen anging. Also kam es zu den kürzlich erfolgten Ein- bzw. Angriffen seitens des Westens auf Syrien und der Anweisung an Erdogan durch den Westen, hauptsächlich durch die USA, einzuschreiten, die Situation zu verkomplizieren. Denn, ohne diese Intervention hätte sich die Lage viel schneller gebessert. Es geht also nicht um persönliche Beziehungen. Hauptgegenstand der Muslimbruderschaft überall in der Welt ist es, den Islam zu benutzen, um Kontrolle über die Regierung eines Landes zu erlangen, viele Regierungen dieser Art zu kreieren, die ein Beziehungsnetzwerk der Muslimbruderschaft rund die Welt ergeben.

Frage 10: Während einer Wahlveranstaltung vor zwei Tagen sagte er [Erdogan], daß er an ein weiteres Eingreifen in Syrien plane. wie werden sie darauf reagieren, wenn es dazu kommt?

Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich unterstützt Erdogan seit den frühesten Kriegstagen die Terroristen, doch damals konnte er sich hinter Worten verstecken wie: „Schutz der syrischen Bevölkerung“, „Unterstützung der syrischen Bevölkerung“,  „Unterstützung der Flüchtlinge“, „dem Töten wehren“ u.s.w. Er vermochte es sozusagen als humanitärer Präsident aufzutreten. Der veränderten Umstände wegen muß er nun die Maske abnehmen und zeigen , wie er ist, ein Aggressor und das ist das Gute daran. Es macht daher keinen großen Unterschied, ob Erdogan als Kopf des türkischen Regimes seine Truppen nach Syrien schickt, oder die Terroristen unterstützt, die als seine Proxies agieren. Nun bekämpfen wir seit sieben Jahren seine Armee. Der tatsächliche Unterschied zwischen jetzt und früher ist das Auftreten/Erscheinungsbild,  der Kern ist derselbe.
Damals konnte man  nicht von Okkupation sprechen, sondern von Terroristenunterstützung, aber jetzt kann man über Okkupation reden, welche der Mitteilung von Erdogan entspricht, daß er nun das Völkerrecht verletze, was das Gute an seiner Bekanntmachung ist.

Frage 11: Aber wie können Sie dem entgegnen?      

Präsident Dr. al-Assad: Zuallererst bekämpfen wir die Terroristen, und wie ich schon sagte, sind sie seine Armee, die US-amerikanische Armee, die saudische Armee. Vergessen Sie die unterschiedlichen Fraktionen und wer sie im einzelnen finanziert! Am Ende setzen sie nur eine Agenda um, jene unterschiedlichen Spieler gehorchen nur einem Meister: dem us-amerikanischen.
Erdogan vollführt nicht seine eigene Agenda; er führt nur die us-amerikanische aus, und dasselbe gilt für die anderen Länder in diesem Krieg. Demnach müssen zuallererst die Terroristen bekämpft werden. Zweitens, wenn die Kontrolle über mehr Gebiete erlangt ist, ist jeder Aggressor, jede Armee zu bekämpfen, die türkische, die französische, welche auch immer; sie alle sind Feinde, solange sie [völker]rechtswidrig nach Syrien kommen, sind sie alle Feinde.
Frage 12: Sorgt Sie der mögliche Beginn eines Dritten Weltkriegs hier in Syrien? Ich meine, wie Sie wissen, attackieren die Israelis die Iraner hier in Ihrem Land. Dann sind da die Russen, die US-Ameikaner.  Sind Sie in Sorge wegen dieser Möglichkeit?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, aus einem Grund: Rußland besitzt zum Glück eine weise Führung und die kennt die Agenda des „tiefen Staats“ in den USA, die dabei ist, einen Konflikt zu schaffen. Seit dem Wahlkampf von Trump ging die Hauptagenda gegen Rußland, lief auf die Schaffung eines Konfliktes hinaus, auf die Demütigung und Unterminierung Rußlands u.s.w. Wir befinden uns im selben Prozeß unter anderer Titulierung bzw. andere mit anderen Mitteln. Dank der Weisheit der Russen, können wird dies [den 3. Weltkrieg] vermeiden. Mag sein, daß es sich nicht um einen vollentfalteten 3. Weltkrieg handelt, aber um einen ‚Weltkrieg, womöglich in anderer Gestalt, nicht in der des ersten oder zweiten; womöglich nicht nuklear. Doch ist definitiv kein „kalter Krieg“; es ist mehr als das und weniger als ein vollentfalteter Krieg. Ich hoffe, wir sehen keinen direkten Konflikt zwischen diesen Supermächten, denn dann laufen die Dinge außer Kontrolle für den Rest der Welt.

Frage 13: Eine sehr wichtige Frage ist nun, ob Syrien wieder ein vereintes voll-souveränes Land sein kann. Ist das nach all dem, was geschehen ist, möglich?

Präsident Dr. al-Assad: Das hängt von dem Kriterium für „vereint“ oder nicht ab. Der Hauptfaktor für ein vereintes Land ist eine Einheitlichkeit im Denken der Leute zu haben und umgekehrt. Wenn die Leute untereinander als Fremde ansehen, können sie nicht miteinander leben. Ab dem Punkt beginnt die Spaltung. Wenn Sie über Fakten und die Realität reden wollen, und nicht über meine Meinung, kann ich Ihnen sagen, daß es [Syrien] nicht zerteilt werden wird und freilich würden wir das [die Zerteilung] nicht akzeptieren; doch hängt es nicht von meinem Willen oder meiner Rhetorik ab, in dem ich behaupte, wir werden vereint bleiben, es geht dabei um die Realität.
Wenn Sie auf Syrien während der Krise blicken, nicht nur heute, sondern schon von Beginn an, sehen sie das ganze unterschiedliche Spektrum der syrischen Gesellschaft und die Realität sieht so aus, daß dessen Teile miteinander leben und noch besser als bevor. Diese Beziehungen sind besser als zuvor, mag sein des Effekts des Krieges wegen. Wenn Sie auf die Gebiete unter Terroristenkontrolle sehen, dann sehen sie eine einförmige (eigentlich: einfarbige) syrische Gesellschaft, eine sehr, sehr, sehr begrenzte. Wenn Sie über Spaltung sprechen wollen, müssen sie die Scheidelinie entweder zwischen den Ethnien oder den religiösen Richtungen erkennen können, etwas, das nicht zu sehen ist. Demnach gibt es reell bis zu diesem Moment keine Spaltung. Es gibt nur Areale unter Kontrolle der Terroristen.
Doch was führte zu jener Spekulation? Die Tatsache, daß die USA ihr Äußerstes tun, um die Kontrolle, insbesondere im östlichen Teil Syriens, jenen Terroristen zu überlassen, um den Anschein zu erwecken, Syrien könne nicht vereint sein. Doch es wird vereint sein. Darüber hege ich keine Zweifel.

Frage 14: Aber warum sollten die USA das tun, wenn sie doch denselben Feind bekämpfen, den islamischen Terrorismus?

Präsident Dr. al-Assad: Da die USA wie üblich eine Agenda und ihre [eigenen] Ziele haben. Wenn sie ihre Ziele nicht erreichen können, nehmen sie zu etwas anderem Zuflucht, dem Kreieren von Chaos. Chaosverursachung bis sich die ganze Atmosphäre verändert; womöglich geben die verschiedenen Parteien auf und geben ihren [d.h. den US-]Zielen nach; damit können sie [die USA] dann doch wieder ihre Ziele verfolgen. Oder möglicherweise ändern sie ihre Ziele; doch wenn sie sie nicht erreichen können, ist es besser, jede Partei zu schwächen und einen Konflikt zu kreieren; das ist nichts Einzigartiges in Syrien. Das ist jetzt ihre Politik seit Dekaden in jeder Weltgegend. Wenn Sie sich die Konflikte rund um die Welt ansehen, dann sind die Briten, die [US-]Amerikaner verantwortlich für jeden Konflikt zwischen unterschiedlichen Ländern überall auf diesem Globus.

Frage 15: Denken Sie, daß Sie irgendeinen Fehler im Umgang mit dieser Krise gemacht haben, und dem Bürgerkrieg, als er begann, wenn Sie zurückblicken.

Präsident Dr. al-Assad: Wenn man keine Fehler macht, ist man kein Mensch, sei es täglich oder manchmal. Je mehr man arbeitet, je komplizierter die Lage ist, desto mehr Fehler wird man wahrscheinlich machen. Doch wie schützt man sich so gut wie möglich davor, Fehler zu begehen?  Vor allem dadurch, indem man den größten Teil der Bevölkerung befragt, nicht nur Institutionen einschließlich des Parlaments, der Verbänden etc.; auch der größte Teil der Gesellschaft, die größte Menge davon muß an jeder Entscheidung beteiligt sein.
Wenn Sie danach fragen, wie ich mich verhalten oder wie ich sozusagen die Regierung oder den Staat während des Krieges geführt habe, dann sind die Hauptpfeiler der  Staatspolitik die Terrorismusbekämpfung gewesen – und ich denke, den Terrorismus zu bekämpfen, ist nicht falsch gewesen – und den politischen Initiativen verschiedener auswärtiger und inländischer Parteien ohne Ansehung derer Interessen zu entsprechen, um einen Dialog mit jedem herzustellen, einschließlich der Militanten, und schließlich zur Rekonziliierung [Versöhnung] zu kommen. Ich glaube nicht, daß man sagen könnte, das sei falsch gewesen. Soweit zu den Säulen unserer Politik. Ich denke, die Realität hat gezeigt, daß wir recht hatten. Bei den Details gibt es freilich immer Fehler.

Frage 16: Nun, wieviel wird es kosten, dieses Land wieder aufzubauen, und wer wird dafür bezahlen?

Präsident Dr. al-Assad: Hunderte Milliarden, das Minimum ist 200, nach manchen Schätzungen sind es 400 Milliarden Dollar. Warum das so unpräzise ist? Weil einige Gebiete noch unter Terroristenkontrolle stehen; daher können wir nicht präziser schätzen, was die Zahl betrifft. Es ist demnach mehr oder weniger, sozusagen.

Frage 17: Derzeit gibt es eine Menge Spekulationen. Leute sagen, damit eine politische Lösung lebensfähig ist, müssen Sie sich vielleicht für das Wohl des Landes opfern. Sie kennen diese Art des Spekulierens. Ist Ihnen das schon in den Sinn gekommen?

Präsident Dr. al-Assad: Den Hauptteil meiner Zukunft als Politiker bestimmen zwei Dinge: mein Wunsch und der der syrischen Bevölkerung. Natürlich ist der Wille der  syrischen Bevölkerung wichtiger als meiner, also mein Wunsch, diese Position zu bekleiden bzw. meinem Land zu helfen oder eine politische Rolle zu spielen. Denn wenn ich den Wunsch und den Willen habe, jedoch nicht die öffentliche Unterstützung, kann ich nichts bewirken, werde ich versagen. Wenn ich in sieben in dieser Position nicht die Unterstützung der Mehrheit der syrischen Bevölkerung gehabt hätte, wie hätte ich bislang mehr als sieben Jahre standhalten können  – bei all dieser Feindseligkeit der  mächtigsten und wohlhabendsten Länder ?  Wer unterstützt mich? Wenn die syrische Bevölkerung gegen mich ist, wie kann ich bestehen? wie könnte ich irgend etwas erreichen? Wie könnte ich standhalten?  Wenn ich also merke, daß mich die syrische Bevölkerung mich nicht länger will, dann habe ich freilich ohne Zögern [meinen Platz] zu räumen.
Frage 18: Aber es gibt viel Blut, das, wie Sie wissen, geflossen ist, und all das. Können Sie sich also der Opposition gegenüber sitzen und die Macht in irgendeiner Weise teilen sehen?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie über Blut sprechen, müssen auch darüber sprechen, wer das Blut[vergießen] verursacht hat. Ich war 10 Jahre Präsident schon vor dem Krieg. Habe ich zehn Jahre lang die syrische Bevölkerung getötet? Nein, definitiv nicht. Der Konflikt startete also, weil jemand, vor allem aus dem Westen, jene Terroristen unterstützte, und die tragen die Verantwortung für diesen Krieg. Es war vor allem der Westen, der militärische und finanzielle Unterstützung sowie die politische Deckung bereit- und sich gegen die syrische Bevölkerung stellte, die syrische Bevölkerung verarmen ließ und eine bessere Atmosphäre für die Terroristen schuf, damit die mehr Syrer töten konnten. Demnach ist ein Teil des Westens, hauptsächlich Frankreich, Großbritannien und die USA, und genauso Saudi-Arabien, Qaṭar und die Türkei verantwortlich für diesen Part. Es genügt nicht zu sagen, da herrscht Blut[vergießen], das ist eine sehr generelle Aussage. Freilich ist da Blut[vergießen]; es ist Krieg! Doch wer ist dafür verantwortlich? die, die dafür verantwortlich sind, sollten dafür auch zur Verantwortung gezogen werden.
Frage 19: Es ist nun ein paar Jahre her, daß Sie Griechenland besucht haben. Ihr Vater pflegte enge Beziehungen zu einigen griechischen politischen Führungskräften. Wie sind die Beziehungen zwischen Griechenland und Syrien dieser Tage und welche Botschaft würden Sie den Griechen schicken wollen?      
Präsident Dr. al-Assad: Im momanet gibt es keine formalen Beziehungen zwischen Griechenland und Syrien; die Botschaften sind geschossen; es gibt also keine Beziehungen. Zur gleichen Zeit war aber Griechenland[s Haltung] nicht aggressiv gegenüber den Vorgängen in Syrien. Es unterstützte immer eine politische Lösung., es unterstützte nie Krieg oder Angriffe gegen Syrien. Sie spielten keine Rolle bei der Unterstützung der Terroristen, doch zur selben Zeit konnten Sie als Mitglied – und ein bedeutendes Mitglied der EU – keine Rolle dabei spielen, die anderen Regierungen von der Terroristenunterstützung, der Verletzung des Völkerrechts durch das Angreifen und Belagern eines souveränen Landes ohne irgendeinen Grund, ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats zurückzuhalten.
Wir schätzen es also, daß sich Griechenland nicht aggressiv zeigte, doch  gleichzeitig denke ich, Griechenland müßte jene Rolle übernehmen, da es Teil unserer Region ist. Es ist geographisch ein Teil der EU, doch es ist eine Brücke zwischen unserer Region und dem Rest von Europa und es wird schon tangiert, ist schon betroffen durch die Flüchtlingssituation; der Terrorismus hat schon seit den letzten Jahren Einfluß auf Europa und Griechenland ist Teil des Kontinents. Daher denke ich, es ist [besser: wäre] normal für Griechenland, damit anzufangen, eine Rolle in der EU zu spielen, um das Problem in Syrien zu lösen und das Völkerrecht zu schützen.
Journalist: Vielen Dank, Herr Präsident.
Präsident Dr. al-Assad: Danke schön.

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Präsident Dr. al-Assads Gespräch mit arabischen Autoren und Schriftstellern
https://www.sana.sy/?p=692969, https://sana.sy/en/?p=124449 vom 15.1.2018

Präsidenten-Empfang vom 15.1.2018, Photo: SANA

Präsident Dr. Bašâr al-Assad empfing heute [15.1.2018] die Leiter der Delegationen, die an der Sitzung des General­sekretariats der Union der arabischen Autoren und Schriftsteller teilgenommen hatten.
Thema des Gesprächs war die Kultur und das arabische Denken [Gesinntheit], deren Funktion und bedeutender Einfluß auf die arabischen Gesellschaften und  die Probleme, die sie zu bewältigen haben.
Präsident Dr. al-Assad gab zu Bedenken, daß man die Krisen und Kriege in manchen arabischen Ländern nicht verstehen könne, wenn man die Art arabischen Denkens nicht verstehe. Er betonte die Notwendigkeit, einen Status geistigen [a.: ideellen, gedanklichen] Schutzes in arabischen Gesellschaften zu schaffen. Das erfordere  innovatives Denken und  einen systematischen Diskurs zwischen arabischen Intellektuellen, um dringende Prioritäten hin zu einer Besserung  zu setzen und beständigen Kontakt zu den Menschen zu halten.
Präsident Dr. Bašâr al-Assad  merkte an, die jungen Generationen tendierten entweder in Richtung Extremismus oder Verwestlichung. Denn der wahre Widerstand [Abwehr] beginne im Kopf durch Widerstand  gegen die  Auflösung der Identität und des Zugehörigkeitsgefühls. Man müsse schließlich bedenken, daß das Denken [eigentlich: die Gesinntheit] der Haupt-Promotor der Unbeirrbarkeit [a.: des Durchhaltevermögens] der Syrer war. Denn der Krieg, der gegen Syrien geführt wurde, war ein Krieg des Denkens [Gesinntheit] und ein Informations- [a.: Medien-] Krieg.

Die Delegationsmitglieder bemerkten ihrerseits, daß die arabischen Länder in den letzten Jahren einem Geschehen ausgesetzt gewesen seien, das einen neuen arabischen Bürger schaffen sollte, der seine Identität ablehnt.
Diese Identität sei eine stolze, eine arabische, die ohne Syrien nicht aufrechterhalten werden könne. Daher rühre auch das ausländische Insvesiernehmen von (Abzielen auf) Syrien, um es in seiner intellektuellen [gemeint immer noch die „Gesinntheit“], militärischen und gemeinarabischen Rolle zu schlagen. Doch den Syrern gelang es, diese Pläne zu durchkreuzen.

Bemerkung: Die englische Fassung taugt in diesem Fall wenig, um den Sinn des Gesagten im Deutschen widerzugeben.
Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an die Veröffentlichung (in Neu-Auflage): Charakterwäsche: Die Re-education der Deutschen und ihre bleibenden Auswirkungen, von Caspar von Schrenck-Notzing aus dem Jahr 2015.
Als Pendant der o.e. „Verwestlichung“ steht in diesem Zusammenhang die „Amerikanisierung“ (bzw. „Anglisierung“, sofern nur die Sprache betroffen ist). Gemeint ist jedoch jeweils ganz Ähnliches.
Die angesprochene „Verwestlichung“ zeigt sich besonders z.B. in den eigentlich arabischen Golfstaaten. Von deren arabischen Auslandsarbeitern wird im ARTE-Dokumentarfilm Unbekanntes Arabien (Deutschland, 2017) berichtet, daß deren Kinder bzw. Enkel die arabische Sprache nicht mehr sprechen, lesen oder schreiben können, die Geschichte ihrer eigenen Heimat  wie des arabischen Kulturraums nicht mehr kennen – das gelte als „uncool“; wohingegen englisch zu sprechen und westliche Inhalte in englischer Sprache zu konsumieren, „cool“ sei. Dem versuchten Elterninitiativen, Schriftsteller etc. nun gegenzusteuern.

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Presse-Interview mit Präsident Dr. al-Assad nach dem Empfang der russischen Delegation unter Leitung von Vizepräsident Rogosin vom 18.12.2017

(https://sana.sy/en/?p=121703, https://www.sana.sy/?p=678451)

Präsident Dr. al-Assad, Pressestatement, Photo: SANA

Nach der Besprechung mit der russischen Delegation stellte sich der Präsident den Fragen der Vertreter verschiedener Sender, darunter neben SANA auch RT und Pars Today. Leider sind in der englischen Version nicht die Fragen mitaufgenommen worden.

Zunächst wurde nach den Beziehungen zwischen Syrien und Rußland gefragt, die derzeit ein besonders hohes Maß auf militärischer und politischer Ebene erreicht hätten. Sei dies auch auf wirtschaftlicher Ebene zu erwarten? Und könne der heutige Besuch der russischen Delegation als Schritt im Rahmen bilateraler Maßnahmen zum Wiederaufbau der Arabischen Republik Syrien in der Nachkriegsphase gesehen werden?

Präsident Dr. al-Assad: Die syrisch-russischen Beziehungen reichten über mehr als sechs Dekaden zurück und hätten immer den politischen Aspekt betont. Doch unter den gegenwärtigen Kriegsumständen habe sich der Fokus auch auf die militärische Ebene erstreckt. Demnach hätten die wirtschaftlichen Beziehungen in den letzten Dekaden nicht den Stellenwert erreicht, den sie hätten haben sollen. Während des letzten Besuches von Rogosin seien schon eine Reihe von Prioritäten zur Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen gesetzt worden. Seither seien schon Erfolge zu verzeichnen, denn etliche russische Firmen hätten an einer Anzahl Projekten zu arbeiten begonnen, sobald sich die Sicherheitslage gebessert hatte und die syrische Ökonomie wiederaufzuleben begann.
Wörtlich bemerkte der Präsident: „Der Besuch ist eine Gelegenheit die existierenden Projekte wie die Sektoren, in denen die Arbeit begonnen wurde, voranzubringen, und diese gleichzeitig auf weitere Sektoren auszudehnen, die vor zwei Jahren noch nicht zu den Prioritäten gehörten. Daher stellt sich die heutige Delegation groß und vielfältig dar und deckt verschiedene Bereiche ab. Sehr wichtige Projekte sind russischem Investment in Syrien in Aussicht gestellt worden, insbesondere seit der Wiederaufbau begonnen hat.
Zur selben Zeit sprachen wir über eine Ausrichtung unserer Wirtschaft, kulturellen Verbindungen und  anderer Bereich gen Osten. Selbstverständlich ist mit dieser Wendung gen Osten zuvorderst Rußland als Land gemeint.“

Frage: Ihre Regierung hat Syrische Nationale Dialogkonferenz in Sotschi begrüßt: Was wird heute von dieser Konferenz erwartet? Was ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zu anderen Konferenzen wie derer in Genf? Und was könnte sich aus der Konferenz in Sotschi ergeben?

Präsident Dr. al-Assad: [Es gibt jetzt ja dreierlei Konferenzen, die in Genf, in Astana und Sotschi]. Der Hauptunterschied zwischen der Genfer Konferenz[enrunde] Genf und der in Sotschi  sei der, daß letztere von den russischen Freuden aus Basis zweier Sachverhalte ausgearbeitet werde: zum ersten betreffe das die Qualität der Geladenen bzw. der teilnehmenden Seiten. dagegen repräsentierten, die Personen, mit denen man in Genf verhandele, nicht die syrische Bevölkerung – und manchmal nicht einmal sich in eigener Person.
Zum zweiten stünden in Sotschi klare Themen zur Diskussion betreffend die Verfassung, was danach kommen solle wie z.B. Wahlen, [die Rolle der Vereinten Nationen etwa]; dazu komme, daß in Sotschi alle möglichen Themen besprochen werden könnten ohne irgendwelche Beschränkungen.
Damit spreche ich im voraus künftige Dinge an; der Unterschied zwischen beiden kann freilich nicht herausgestellt werden, solange die Sotschi-Konferenz noch nicht stattgefunden hat [frei übersetzt], doch denken wir gewiß, daß alles besser ist als Genf, da Genf nach drei Jahren überhaupt nichts gebracht hat.“

Frage:  Es wird viel über die Parlamentswahlen und die Rolle der Vereinten Nationen bei diesen Wahlen geredet. Was ist die Rolle der Vereinten Nationen dabei?

Präsident Dr. al-Assad: Dieser Sachverhalt werde in Sotschi besprochen werden, da sich diese mit der syrischen Verfassung befassen werde, dahingehend, ob die derzeitige Verfassung angemessen sei, Modifikationen nötig seien oder Syrien überhaupt eine neue Verfassung brauche.  Sofern  es jedoch zu Änderungen der Verfassung käme, müßten Wahlen [dazu] stattfinden. „Die Frage nach internationaler Überwachung [der Wahlen] ist in Diskussionen von verschiedener Seite gestellt worden, insbesondere hinsichtlich der Rolle der UN. Darauf gaben wir die Antwort, Syrien sei ein Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und jegliche Rolle der UN in kommenden Wahlen müsse auf der UN-Charter basieren, welche Syriens Souveränität betont wie die Selbstbestimmung der syrischen Bevölkerung. Von daher sind wir nicht über die Rolle der UN in irgendeiner Hinsicht besorgt und sagen stattdessen, wir begrüßen jedwede Rolle der UN solange sie Syriens Souveränität respektiert, da alles, was diese beeinträchtigt, zurückgewiesen würde. Das sollte heute, später, wann immer offensichtlich sein.

Frage: Auf den Straßen Syriens werden Fragen nach dem Verhalten der Kurden in der östlichen Region und ihrer Zusammenarbeit mit den US-Amerikanern gestellt: Wie sieht die syrische Regierung deren Verhalten?

Präsident Dr. al-Assad: Es ist unsachgemäß, von einer einheitlichen [uniformen] syrischen Gruppe zu sprechen,  sei es in ethnischer, religiöser oder anderer Hinsicht. Das wäre irrational, denn es gibt [immer] Unterschiede. Menschen gibt es in den unterschiedlichsten Arten, wie es umgangssprachlich heißt. Wenn wir uns die verschiedenen Segmente Syriens anschauen, werden Gutes und Schlechtes sehen,  patriotisch Gestimmte und wenig patriotisch eingestellte oder in einigen Fällen sogar Verräter. [Allein] über die sogenannten Kurden zu sprechen wäre unpräzise, [denn es sind nicht nur Kurden], da  es verschiedene Gruppen in der östlichen Region gibt [unabhängig davon, wie sie bezeichnet werden], die mit ausländischen Parteien, insbesondere den US-Amerikanern, zusammenarbeiten.
Daher rede ich nicht so; diese [Leute] erklären also, sie arbeiteten unter der Deckung amerikanischer Flugzeuge, in Abstimmung mit ihnen. Sie vermarkteten und veröffentlichten Photos und Videos zu diesen Sachverhalten. Doch alle jene, die unter dem Kommando irgend eines fremden Landes und gegen ihre Armee und ihre Leute agieren, sind Verräter, ganz einfach, ungeachtet dessen, wie sie sich nennen. Das ist unsere Sicht auf die Gruppen, die für die [US-]Amerikaner in Syrien arbeiten.“

Frage: Können wir tatsächlich sagen, Herr Präsident, daß der Krieg gegen den Terror in Syrien zu Ende ist, besonders nach den Siegen der syrisch-arabischen Armee mit den alliierten Streitkräften gegen den IS? Was ist mit Ğabhatu_n-Nuṣra und bewaffneten Gruppen, die mit diesen terroristischen Organisationen verbündet sind?

Präsident Dr. al-Assad: Der Krieg gegen den Terrorismus ist noch nicht vorbei  Wir können sagen, daß wir in diesem Krieg sehr wichtige Schritte unternommen bzw. Etappen erreicht haben, die Beseitigung – nicht unbedingt die endgültige Beseitigung –  des IS, aber die Beseitigung seiner  Hauptzentren in Syrien stellt eine wichtige Etappe eines signifikaten Sieges dar.  Die Welt richtet den Focus allein auf den IS, um die Aufmerksamkeit von dem Factum abzulenken, daß der  Terrorismus – respräsentiert hauptsächlich durch Ğabhatu_n-Nuṣra – weiterhin existiert und vom Westen unterstützt wurd. Demnach steht der IS nicht für den Terrorismus an sich, er ist nur ein Teil desselben, [von dem es noch viele andere Gruppen gibt]. Der Krieg gegen den Terrorismus ist erst zu Ende, wenn der letzte Terrorist in Syrien eliminiert ist. Erst dann könne man wirklich von „Sieg“ sprechen.

Frage: Es wurde gesagt, daß es bei der letzten Genfer Runde keine Fortschritte gegeben habe und daß de Mistura und Le Drian der syrischen Delegation die Verantwortung dafür zugeschoben haben. Was sagen Sie dazu?

Präsident Dr. al-Assad: Das ist nur natürlich für sie, sich so zu verhalten, da sie ja nicht die Gruppen, die für sie arbeiten, dafür verantwortlich machen wollen. Solche Kommentare aus Frankreich und anderen westlichen Ländern bezeugen damit nur, daß diese Gruppen für sie arbeiten und nicht im Interesse Syriens [oder der Nation].
Freilich können wir [genau genommen] nicht einmal diese Gruppen für das Versagen von Genf verantworlich machen aus dem einfachen Grund,  daß sie bloß Stimmen sind, die für Dollars arbeiten in dem Sinne, daß sie einen Ton von sich geben, wenn sie einen Dollar bekommen, und wenn  man ihnen zehn Dollar gibt, geben sie verschiedene Töne von sich entsprechend dem, wie viele Dollar man für sie springen läßt.“ [Länger darüber zu reden, hieße nur, Zeit zu verschwenden].
Bezüglich Frankreichs bemerkte der Präsident: „Seit Beginn war Frankreich die Speerspitze der Terrorismusunterstützung in Syrien. Frankreichs Hände sind von syrischem Blut getränkt. [Seit den ersten Tagen bemerken wir keine radikale Haltungsänderung Frankreichs dahingehend, daß es in der Lage wäre, eine Friedenskonferenz zu beherbergen]. Die, welche den Terrorismus unterstützen, haben kein Recht,  über Frieden zu reden, noch sich in die syrischen Angelegenheiten einzumischen.  All deren Erklärungen bedeuten uns nichts und haben keinen Wert.“

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Rede von Präsident Dr. al-Assad vom 20.8.2017 zur Eröffnung der Konferenz der Mitarbeiter des Außenministeriums in Damaskus
http://sana.sy/en/?p=112238, http://www.sana.sy/?p=610816

Rede von Dr. al-Assad, Photo: SANA

Rede von Dr. al-Assad, Photo: SANA

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit dem indischen Sender Wion TV vom 3.6.2017
(http://sana.sy/en/?p=107447, http://www.sana.sy/?p=566371)

Interview vom 3.6.2017, Photo: SANA

Interview vom 3.6.2017, Photo: SANA

Frage 1: Grüß´ Sie, Herr Präsident, und danke dafür, daß Sie mit WION sprechen. Gerne würde ich mit einer Frage über die heute in Syrien vorherrschende Situation beginnen. Allen Berichten nach herrscht die größte humanitäre Krise unserer Zeit vor, Herr Präsident, und hunderttausende Menschen einschließlich unschuldiger Menschen, sind in diesem Krieg, in diesem Konflikt getötet worden. wie sieht demnach Ihr Kampf gegen die terroristischen Gruppen wie dem vordringenden IS aus?
Präsident Dr. al-Assad: Danke, daß Sie nach Syrien gekommen sind; Sie sind ja zu einer Zeit gekommen, in der sich die Situation dramatisch verbessert hat, sozusagen weil die Terrorgruppen, in der Hauptsache der IS und Ğabhatu_n-Nuṣra und ähnlich eingestellte Gruppen in Syrien, also wahhâbitisch-terroristisch-extremistische Gruppen, im Rückzug begriffen sind, oder – anders ausgedrückt – das Gebiet unter deren Kontrolle zusammenschrumpft. Daher ist von einem militärischen Gesichtspunkt betrachtet, die Situation am Boden besser als zuvor. Doch das ist nicht das Gesamtbild; es geht nicht nur um den militärischen Konflikt, es geht um verschiedenen Dinge, um die Ideologie, welche die [zuvor erwähnten Gruppen] in unserer Region zu verbreiten versuchen, die die gefährlichste Herausforderung darstellt, welcher wir wohl auf kurz oder lang gegenüberstehen.
Zum Zweiten geht es um die Unterstützung, welche jene Terrorgruppen von regionalen Länder wie der Türkei, Qaṭar und Saudi-Arabien erhalten sowie von europäischen und westlichen Staaten wie insbesondere den USA, Frankreich und Großbritannien, was eine neue Ära in der Welt markiert, in der man Terrorismus, jede Art von Terrorismus benutzt, um eine politische Agenda umzusetzen. Diese ist gefährlicher als jede andere Gefahr, der wir uns möglicherweise in unserer modernen Welt gegenübersehen.
Frage 2: Herr Präsident, Sie erwähnten die Namen einiger Terrorgruppen, Sie erwähnten die Namen einiger Länder einschließlich Saudi-Arabiens und  anderer Länder, doch was wäre, wenn ich Sie, Herr Präsident, danach fragte, wem oder was die Schuld für die Krise in Syrien zu geben wäre?
Präsident Dr. al-Assad: Um objektiv zu sein, sagen wir immer, wenn man nicht selbst – sagen wir einmal – Defekte in der eigenen Gesellschaft, dem eigenen Land hat, kann sich der externe Faktor nur minimal auswirken. Daher reden wir immer über unsere Fehler, unsere Breschen, unsere Schwächen, doch am Ende haben wir doch nicht die Terroristen [ins Land] gebracht, haben wir nicht die Terroristen unterstützt, haben nicht diese Ideologie befördert. Wer diesen Konflikt hauptsächlich ins Rollen brachte, war Qaṭar unter Aufsicht und mit Billigung der westlichen Staaten, hauptsächlich von Frankreich und Großbritannien,  ganz am Anfang, doch wenn wir über Frankreich und Großbritannien sprechen …, sie hätten nichts ohne die Erlaubnis der USA getan. Wir alle wissen, daß der wahre Mentor die USA sind, indem sie anderen erlauben, unterschiedliche Rollen zu spielen. Wenn man also jemandem die Schuld für die Terroristenunterstützung und die Initiierung all des Blutvergießens in Syrien zuerkennen will, war es der Westen und Qaṭar, und später Saudi-Arabien, es kam ein Jahr später im selben Bestreben dazu, und freilich die Türkei, wir dürfen die Türkei nicht vergessen, das der Hauptakteur zusammen mit den Terroristen in Syrien von aller Anfang an war.
Frage 3:  Herr Präsident, Sie sprachen darüber, wie dieses Blutvergießens zu beenden sei. Wären Sie offen für eine voranschreitende politische Beilegung per Verhandlungen, möglicherweise unterschrieben durch Rußland und einige andere Mitglieder des UN-Sicherheitsrats?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, wir haben diese Anstrengungen seit Genf 2014 verfolgt, etwas in dieser Art, vor ein paar Jahren; es geht aber nicht nur darum, sich daran [d.i. den Genfer Dialogen] zu beteiligen, man braucht eine reale Bemühung, eine methodische Bemühung, die etwas Reales produzieren kann, das Früchte bringen kann. Bis zu diesem Moment hatten wir keine wirkliche politische Initiative, die irgend etwas erbringen konnte, doch Astana hat,  sagen wir einmal, teilweise Erfolge gezeitigt, aufgrund der kürzlich [erzielten] De-Eskalationszonen in Syrien, was in dieser Hinsicht positiv war; aber das kann man bis zu diesem Augenblick keine politische Lösung nennen. Eine politische Lösung hat man dann, wenn alle unterschiedlichen Aspekte des Problems zur selben Zeit behandelt sind. Also haben wir die Initiative ergriffen und direkt mit den Terroristen in einigen Gegenden verhandelt, um Rekonziliation zu verwirklichen, da, wo sie ihre Waffen abgeben und wir ihnen Amnestie geben können und das hat in Syrien sehr gut und einwandfrei funktioniert.
Frage 4: Herr Präsident, Sie erwähnten die USA. Nun wissen wir, daß Sie – sagen wir einmal – historische Differenzen mit den US-Administrationen hatten, den nachfolgenden  US-Administrationen, doch US-Präsident Donald Trump hat erst seine Inaugurationstour durch West-Asien sozusagen, oder den Nahen Osten, wie andere sagen, beendet. Denken Sie, Donald Trump sei jemand, mit dem Sie Geschäfte machen könnten?
Präsident Dr. al-Assad: Das Problem mit den USA betrifft das gesamte politische System, es geht nicht nur um eine Person. Trumps Wahl hat – für uns – erneut bewiesen, wieder und wieder, daß der Präsident nur ein Darsteller ist; er trifft nicht die Entscheidungen. Er ist Teil verschiedener Lobbys und des „tiefen Staats“ respektive des „tiefen Regimes“ wie wir es nennen können, das wirklich agiert (implement)  und dem Präsidenten diktiert, was er tun soll; der Beweis für das, was ich sagte, ist, daß Trump, nachdem er Präsident wurde,  die meisten seiner Versprechungen  runterschluckte [d.h. ohne sie wahrgemacht zu haben] wie die großsprecherischen Worte während seiner Wahlkampagne. Er machte eine 180°-Drehung bzgl. fast jedem Versprechen. Warum denn? Weil der „tiefe Staat“ ihm nicht erlaube, eine gewisse Richtung einzuschlagen. Darum ist das für mich ein Geschäft mit einer Person, freilich, doch kann jene Person auch liefern? Nein. In den USA kann der Präsident nicht liefern, [denn] der gesamte Staat, der „tiefe Staat“ ist der einzige, der liefern kann und das ist das Problem. Dieser „tiefe Staat“ akzeptiert keine Partner rund um die Welt; die akzeptieren nur Marionetten, sie akzeptieren ausschließlich Gefolgsmänner bzw. Erfüllungsgehilfen; das akzeptieren sie – und wir sind nichts davon.
Frage 5: Herr Präsident, ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die Ereignisse des 4. April lenken, als der Welt  eins sogenannte Chemie-Attacke oder ein Chemie-Unfalls mitgeteilt wurde. Was ist nun Ihrer Einschätzung nach – und Sie sind dies schon etliche Male gefragt worden – die Wahrheit hinter dem Vorfall vom 4. April  und wer, denken sie, könnte dahinterstecken?
Präsident Dr. al-Assad: Sie wissen, jeder Politiker kann sagen: „nein, wir tun das nicht“ ausmoralischen oder anderen Gründen, und Zuseher können sagen: „nein, nein, der ist nicht aufrichtig“. Ich werde nicht auf die traditionelle Art darüber reden. Ich würde sagen, lassen Sie uns die Frage stellen, wäre es logisch, so vorzugehen? Wenn wir es getan hätten. Wir haben [aber] keine chemischen Waffen, doch wenn man welche hätte, wenn man sie einsetzen wollte, warum sollte man sie in jenem Fall einsetzen? eine Woche vor diesem angeblichen Vorfall waren die Terroristen auf dem Vormarsch und wir setzten sie nicht ein. Warum sie also einsetzen, wenn die Armee im Vormarsch begriffen ist und die Terroristen sich zurückziehen? Das zuerst.
Zum Zweiten: der Einsatz – wie sie sagen, wir wissen nicht, ob das wahr ist oder nicht – galt Zivilisten in einer der Städte.  Wenn also die syrische Armee solche Waffenarten benutzen wollte, warum dann nicht gegenüber den Terroristen, die sich auf dem Schlachtfeld befinden, sondern gegen die Zivilisten? Daher hat die ganze Geschichte, um es einmal so auszudrücken, keine Beine, um darauf zu stehen, sie ist unrealistisch.
Wer steckt demnach dahinter? Sehr einfach, es waren die USA und der westliche Geheimdienst zusammen mit den Terroristen. Die setzen das Stück in Szene, nur um einen Vorwand für einen Angriff auf Syrien zu haben, und genau der ereignete sich ein paar Tage später, als sie unseren Luftbasis angriffen und sie unterstützen tatsächlich die Terroristen, da der IS gerade an dem Tag des US-Angriffs auf unsere Luftbasis einen Angriff unternahm. Dabei wollten sie erneut den syrischen Staat und den syrischen Präsidenten dämonisieren, sie wieder-dämonisieren. Demnach ist das die einzige Schlagzeile, die das Publikum und die öffentliche Meinung rund um den Erdball in Beschlag nimmt.
Frage 6: Herr Präsident, auch wenn Ihnen diese Frage ebenfalls schon oft zuvor gestellt worden ist, werde ich sie ein weiteres Mal der Zuseher wegen, die Ihnen womöglich aus Süd-Asien und um die Welt zusehen,  stellen: hat Syrien heutzutage chemische Waffen? Ist Ihr gesamtes chemisches Waffenarsenal durch die OPCW zerstört worden? Und hält Syrien doch an einigen chemischen Waffen fest oder hält sie versteckt? Ihre Gedanken dazu, Herr Präsident?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich verkündeten sie [d.i. die Leute von der OPCW] vor einigen Jahren, Syrien sei bar chemischer Waffen. Sogar John Kerry verkündete, daß Syrien frei von chemischen Waffen sei Das hätten sie nicht getan, wenn sie sich dessen nicht sicher gewesen wären. Nein, wir haben keine und wir haben auch keine Einrichtungen hierzu, sogar wenn wir es wollten.
Frage 7: Herr Präsident, aufgrund  dieser Mitteilung möchte ich Ihre Aufmerksamkeit weg von den  heimischen Fragen hinzu den syrisch-indischen Beziehungen lenken; wir wissen ja, daß die syrisch-indischen Beziehungen den Test über die Zeit bestanden haben. Indien insbesondere hat sich neutral verhalten, eine unabhängige Position bezogen. Es ist gegen ausländische Einmischung jeglicher Art in jegliche heimische Krise rund um die Welt. Es glaubt an eine nicht-gewaltsame Lösung für Sachverhalte; was halten Sie demnach von Narendra Modis, des  indischen Premierministers Politik, insbesondere der indischen Politik gegenüber Syrien die letzten Jahre über?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben großen Respekt vor der indischen Position, da sie vor allem auf dem Völkerrecht, der UN-Charter, auf ethischen Positionen der Welt, der menschlichen Zivilisation zunächst und der indischen als nächstes basiert, auf der moralischen Einstellung der Inder. Das ist sehr wichtig, das ist der Unterschied zwischen Staat und Regime: der Staat begründet alles, seine ganze Vision, seine ganze Politik auf die ethischen Einstellungen seiner eigenen Bevölkerung. Daher achten wir die indische Position in dieser Hinsicht hoch.
Zum Zweiten erwähnten Sie gerade erst ein sehr wichtiges Wort, es war „unabhängig“. Trotz all des Drucks, all des westlichen Drucks auf jedes Land einschließlich Indien, sich dem Embargo gegen die syrische Bevölkerung anzuschließen, gab Indien seine Beziehung zu Syrien nicht auf und manche der Investitionen laufen in Syrien immer noch weiter mit indischer Beteiligung in verschiedenen Sektoren wegen jener unabhängigen Position.
Frage 8: Herr Präsident, sowohl Syrien als auch Indien sind zufälligerweise von feindlichen Kräften oder feindseliger Nachbarschaft umgeben  und Indien weiß, daß Syrien Indien z.B. in der Frage von Jammu und Kaschmir unterstützt hat; das besagt, daß Terrorismus beiden Ländern gemeinsam ist, wir sind also Opfer des Terrorismus sozusagen. Was sind die Lektionen, die einer, Syrien, von der indischen Erfahrung im Kampf gegen den Terrorismus, Extremismus, die Radikalisierung lernen kann, und wie kann Indien wiederum lernen von Ihrer Erfahrung bei der Bekämpfung des IS bzw. von Daesh wie man hier sagt?
Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, unsere Unabhängigkeit kam zur selben Zeit, in den 40ern, in jener Ära; die Geographie mag unterschiedlich sein, der Grund, warum wir dem Terrorismus gegenüberstehen mag unterschiedlich sein, doch am Ende sind eben der Terrorismus und die Ideologie, denen wir gegenüberstehen, doch gleich und das Wichtigste [dabei] ist, daß der Terrorismus in Indien für politische Zwecke, für eine politische Agenda genutzt wurde. In Syrien ist es Dasselbe. Unterstützung terroristischer Organisationen zur Durchsetzung einer politischen Agenda ist etwas sehr Gefährliches. Das geht über Indien allein und über Syrien hinaus. Wenn man derzeit auf die Weltkarte schaut, wenn man auf Libyen, den Jemen, sieht, darauf, was sich kürzlich in Ägypten, in Frankreich und eben erst in Großbritannien abgespielt hat, erzählt davon, daß Terrorismus keine Grenzen kennt; was wir demnach tun müssen, ist nicht nur, aus unserer Erfahrung zu lernen, wenn wir über Syrien und Indien reden, es ist ganz ähnlich, wir könnten viel voneinander lernen, doch es geht um mehr als das: wir müssen eine internationale Koalition gegen den Terrorismus aufweisen, eine aufrichtige,  die gegen den Terrorismus funktioniert, bei der man voneinander lernt und einander im Kampf gegen den Terrorismus unterstützt. Wir können, wie Sie erwähnten, kooperieren, doch nicht nur beschränkt auf geheimdienstliche Tätigkeit, es geht um die Ideologie, es geht um die politischen Strömungen, die diese Terroristen, diesen Terrorismus beförderten; [es geht darum]  wie wir zusammen in politischer Hinsicht den Terrorismus daran hindern können, sich zu verbreiten und in der Welt vorherrschend zu werden.
Frage 9: Herr Präsident, wenn wir über Terrorismus und Ideologie sprechen, kann man das nicht tun, ohne die wahhâbitische bzw. den Einfluß des Wahhâbismus auf Länder rund um die Welt, speziell in West-Asien, zu erwähnen. Wenn man jetzt speziell über Länder wie Saudi-Arabien spricht, sagen einige Kommentatoren, daß Saudi-Arabien erfolgreich Kritik von seinen eigenen Aktionen ablenkt, während es diese auf Länder wie den Iran in der Nachbarschaft umdirigiert. Wie erklären Sie dies demnach bzw. die Rolle von Ländern wie Saudi-Arabien in der Region?
Präsident Dr. al-Assad: Um präzise zu sein, das Wort „ablenken“ trifft es aus einem Grund nicht genau: als die Âl-Saʽûd (Saud family) nämlich das Königtum begründeten, taten sie es in Kooperation und Koordination mit dem Wahhâbismus als solchem; es ist also ein und dieselbe Institution. Der Wahhâbismus, der Extremismus bzw. die Extremisten in Saudi-Arabien verteidigen den Staat, da es ihr Staat ist, es ist deren eigener Staat, es ist also ein und Dasselbe. Man kann nicht über Terrorismus und und die Âl-Saʽûd als wie von zwei Entitäten sprechen, da bin ich ganz offen mit Ihnen. Von daher lenkten sie also nicht ab, sie exportierten den Terrorismus bzw. Extremismus respektive die wahhâbitische Ideologie in den Rest der Welt. Fast jede „madrasa“ [Koranschule] in Asien, in Europa, jede Moschee wird finanziell und ideologisch durch Bücher und jegliche anderen Mittel durch die wahhâbitische Einrichtung gefördert. Darum würde ich sagen nein, sie lenkten nicht ab, sie exportierten.
Frage 10: Und Herr Präsident, während wir über die gegenwärtige Situation, die in Syrien heutzutage vorherrscht, reden, sehen Sie da überhaupt eine Rolle für Indien beim Wiederaufbau in Syrien? Und ist da Ihrer Ansicht nach womöglich auch eine Rolle für Indien im Friedensprozeß?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, definitiv. Vor allem, wenn man über den politischen Part reden möchte, ist der wichtigste Faktor für jeden Mitspieler, der irgendeine Rolle in diesem komplizierten Konflikt einnehmen möchte, die Glaubwürdigkeit; Indien ist die Geschichte hindurch immer glaubwürdig gewesen. Während die verschiedenen Parteien in Indien an die Macht kamen, beobachteten wir dort nie eine Fluktuation in deren Politik, da sie auf moralischen und ethischen Anschauungen basiert, wie ich schon gesagt habe. Demnach ist diese Glaubwürdigkeit ein wichtiger Faktor für Indien, um eine Rolle zu spielen, nicht notwendigerweise in Syrien, da der syrische Konflikt nicht nur ein syrischer ist; die Hauptfaktoren sind regional und international und der wichtigste Teil ist der, wie wir das Völkerrecht bewahren (protect) können. Also Indien als ein primäres Land auf der politischen Arena heutzutage muß sein Möglichstes tun, um das Völkerrecht und die UN-Charter kraft seiner Beziehungen zu schützen. Indien hat Beziehungen zu jedem Land in dieser Welt. Mit seiner Anstrengung, der seiner Amtsträger und seiner Regierung kann es in dieser Hinsicht behilflich sein.
Wenn Sie über den Wiederaufbau sprechen wollen, wissen Sie ja, daß Krieg in jedem Land viel von der Infrastruktur zerstört; der profitabelste Sektor wird die Wiederinstandsetzung sein und Indien ist eingeladen, eine wirtschaftliche Rolle beim Wiederaufbau Syriens zu spielen, mit dem wir bereits angefangen haben. Wir haben dieses Projekt in Damaskus begonnen und nun weiten wir es auf die meisten Städte in Syrien aus, natürlich nach [deren] Befreiung vom IS, Ğabhatu_n-Nuṣra und Gruppen jener Art. Natürlich begrüßen wir die „Indian company“ [Wortspiel].
Frage 11: Herr Präsident, Sie besuchten Indien im Jahr 2008 und bei jener Gelegenheit besuchten sie auch das Tadsch Mahal in Agra. Wann planen Sie Ihren nächsten Besuch in Indien? Würden Sie Indien gern zu Ihrem ersten Ziel machen … Sie reisen selten ins Ausland, würden sie also gern bald Indien besuchen?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich, definitiv, definitiv; zudem würde ich den Umfang der Beziehung zwischen Syrien und Indien als weitreichend beschreiben; das war auch mein Plan 2008; diese Beziehung war im Aufwind begriffen. Doch wegen des Kriegs haben sich die Verhältnisse in eine andere Richtung verändert; doch wird nach diesem Krieg Indien unter den ersten zu besuchenden Ländern  sein, nicht wegen des Beziehungsumfangs, sondern weil wir wirklich treu und loyal gegenüber jedem Land sein müssen, das objektiv und moralisch in seiner Position gegenüber dem Krieg in Syrien geblieben ist.
Frage 12: Zum spezifischen Thema zur gegenwärtigen Kampagne gegen den IS bzw. Daesh: wie viele Monate würden Sie dem Daesh geben bis er aus Ihrem souveränen Territorium vertrieben sein wird?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie über unseren Krieg ohne Einbeziehung des Einflusses auswärtiger Kriege sprechen wollen, [dann] ist der IS nicht sehr stark; es würde ein paar Monate dauern, sogar zusammen mit Ğabhatu_n-Nuṣra. Das Problem ist jetzt, daß der IS durch die USA unterstützt wird. Die USA griffen dreimal während der letzten sechs Monate oder so unsere Armee an, während sie gerade gegen den IS kämpfte, und jedes Mal attackierten sie unsere Streitkräfte genau in jenem Gebiet, in dem der IS zur selben Zeit unsere Streitkräfte angriff und [darauf] das Territorium eroberte. Demnach ist die realistische Antwort: das hängt davon ab, wieviel an internationaler Unterstützung der IS erhalten wird. Das ist meine Antwort.
Frage 13: Herr Präsident, nun möchte ich ein wenig über Präsident al-Assad, den Mann, den Familienmensch reden. Sie sind nun 17 Jahre an der Macht. Wie hat die gegenwärtige Phase der Krise sie und Ihre Familie , Ihre Kinder tangiert? Wie sieht die Unterhaltung aus, die Sie [darüber] eventuell führen oder womöglich mit Ihnen über die Situation geführt wird, die sie um sich herum heutzutage sehen?
Präsident Dr. al-Assad: Jeder würde an den Sicherheitspart Ihrer Frage denken. Tatsächlich, nein, wir leben mitten in der Stadt, d.h. mitten in Damaskus, mein Haus liegt nicht weit von hier entfernt. Wir sind – wie jeder Syrer – jeder Art von Bedrohung ausgesetzt einschließlich Mörsergranaten und anderen [Kampf]mitteln; das ist demnach kein großes Thema für uns als Familie.
Für uns als syrische Familie ist das, was uns am meisten vor allem anderen trifft, ist das Gefühl, der Schmerz, das Leiden aufgrund des Blutvergießens, das jede Familie, fast jede Familie in Syrien tangiert. Das ist das Wichtigste. Von dem abgesehen besteht die Art des Dialogs, die man in der eigenen Familie mit den Kindern führt, die in einer sehr befremdlichen unnatürlichen, nicht normalen  Szenerie groß geworden sind, in einem Syrien, das nicht dem gleicht, was es vor dem Krieg gewesen ist. Daher gehen die Fragen eher in die Richtung: warum, was geht vor, warum haben wir nicht …
Journalist: Und was sagen Sie ihnen?
Präsident Dr. al-Assad: Die Wahrheit. Man muß sehr transparent und sehr realistisch sein, da es trotz aller schlechten Aspekte des Krieges – man sagt ja, jede Wolke hat einen Silberstreif – eine Lektion ist, die sie lernen sollten, da möglicherweise unsere Generation und die davor nicht aus den Fehlern gelernt hat; daher der Krieg. sie sollten aus dieser Lektion lernen, um in der Zukunft unser Land zu schützen, wenn sie groß geworden sind.
Frage 14: Herr Präsident, Sie sind seit dem Jahr 2000 an der Macht, das ist nun 17 Jahre her und viele Weltführer sind gekommen und gegangen, Präsident Obama in den USA, Präsident Sarkozy und  Hollande in Frankreich und [in] vielen Ländern der Welt, doch Sie haben überlebt, Sie sind dort geblieben, Sie haben die Sache durchgestanden. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Präsident Dr. al-Assad: Ich habe kein Geheimnis, es ist ein syrisches Geheimnis, es ist die öffentliche Unterstützung. Wenn man öffentliche Unterstützung besitzt, kann man dem Sturm widerstehen, das ist ein sehr simples Faktum. Hat man sie nicht, würde man keine paar Wochen überstehen, keine paar Jahre, das kann man nicht. Ich denke nicht, daß der Kampf der des Präsidenten ist, wie die westlichen Medien es hinzustellen versuchen. Es ist nicht mein Kampf, ich kämpfe nicht um meine Position, ich kümmere mich nicht um jene Position; mich kümmert nur die öffentliche Unterstützung.  Für uns Syrer ist das nämlich ein nationaler Krieg, jeder kämpft für sein Land, nicht für den Präsidenten.  Das ist – womöglich – das Geheimnis, das der Westen nicht entdeckt hat, da sie zu vordergründig bei der Analyse der  Situation in Syrien sind. Es ist also tatsächlich kein Geheimnis, es ist etwas, das sie nicht sehen, doch es ist kein Geheimnis.
Frage 15: Herr Präsident, neigen Sie je dazu, die Chance für einen Blick in den Rückspiegel zu ergreifen, so als ob sie in der Zeit zurückgehen könnten; würden Sie vielleicht Dinge anders machen wollen?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie über alltägliche Dinge sprechen, hat man immer unterschiedliche Blickpunkte auf die Dinge, so daß man sagen kann, man hätte etwas anders gemacht, doch wenn Sie über die hauptsächliche Strategie sprechen wollen, über die Schlagzeilen wie die Terrorismusbekämpfung, dann bekämpfen wir selbstverständlich den Terrorismus. So ist die Verfassung, so ist das Gesetz; es ist unsere Pflicht als Regierung, die Bevölkerung zu verteidigen. Demnach gibt es darüber keine Diskussion. Dialog mit jedem zu führern, einschließlich der Terroristen selbstverständlich ist eine strategie, von der wir denken, daß sie positive Effekte erzielt hat. Wie wir diese Strategie ändern bzw. verbessern könnten, ist eine andere Frage. Man kann sie verbessern, doch freilich von einer Schlagzeile her gesehen, würde ich sagen, sie war korrekt. Sich sogar einem anderen Land wie den westlichen Ländern zu öffnen, die Syrien vorgeblich helfen wollten, war korrekt, aber nicht produktiv. Ich denke, der einzige Fehler, den wir gemacht haben, ist der zu glauben, der Westen besitze Werte; das ist einer der Fehler, die wir in der Vergangenheit machten; auch dachten wir, einige Länder wie Saudi-Arabien hätten Werte, doch die einzige Valuta, die sie haben, ist die wahhâbitische Valuta.
Frage 16: Herr Präsident, es existiert eine Menge an Geschichten über die westliche Medienperzeption Ihrer Person. Wir haben nun die humanitäre Sachlage bzw. Frage von den Bildern und Videos der Kinder her gesehen, die unter diesem Konflikt leiden, wir sahen den Fall von Âlân al-Kurdî [in deutschen Medien: Aylan Kurdi, s. Teil III],  der tot in der Türkei angespült wurde, ʽUmrân Daqnîš [s. Teil V], den jungen, der in der Ambulanz saß, sogar Banâ al-ʽAbd [in deutschen Medien: Bana (Al)abed; s. Teil V], deren Tweeds sich wie ein Virus verbreiteten. Denken Sie nicht manchmal, daß diese Sache – Sie wissen schon – schon viel zu lange andauert, sie sich schon zu weit ausgedehnt hat, und möglicherweise jeder, ich sage jeder, vom Abgrund zurücktreten sollte?
Präsident Dr. al-Assad: Der Westen, meinen Sie hauptsächlich den Westen? Nein, die können [das] nicht, denn wenn sie eine 180°- oder andere Wende hinlegen, wird ihnen die öffentliche Meinung sagen: „Ihr habt gelogen, Ihr habt sieben Jahre lang über diese schlechte Person und dieses schlechte Regierung und das Töten gesprochen und nun wollt Ihr uns die Wahrheit erzählen?“ Sie können nicht die Wahrheit erzählen. Somit müssen sie mit ihren Lügen weitermachen bis zum Ende, bis diese Lügen durch die öffentliche Meinung aufgedeckt sind. Sie können es nicht.
Frage 17: Und, Herr Präsident, haben Sie je ein Leben außerhalb Syriens in Betracht gezogen, eventuell abzutreten und außerhalb Syriens zu leben?
Präsident Dr. al-Assad: Ein Abtreten als gewählter Präsident wird durch Wahlen geschehen oder wenn man merkt, daß einen die syrische Bevölkerung [künftig] nicht unterstützt – denn wenn sie einen nicht unterstützen, kann man nicht erreichen, nicht produktiv sein. An dem Punkt hat man abzutreten.Da die Situation nicht danach ist, und man sich mitten im Sturm befindet – Syrien befindet sich mitten im Sturm – kann ich nicht sagen, ich gebe auf und gehe. Das hieße sozusagen sehr selbstsüchtig und sehr unpatriotisch zu handeln, wenn wir es so nenen können. Nein, mitten im Sturm muß man seine Arbeit als Präsident tun bis die Bevölkerung sagt: „Geh, verlasse [Dein Amt], Du kannst Deinem Land nicht helfen!“ Dann haben Sie abzutreten. Das im Hinblick auf das Im-Stich-Lassen (leaving) Syriens; doch für mich persönlich, ist das Verlassen Syriens keine Option, nein. Seit meiner Jugend war ich, wie soll ich sagen, aufgezogen als jemand, der nur in seinem Land, nicht in einem anderen Land leben kann.
Frage 18: Herr Präsident, die letzten 17 Jahre lang haben Sie eine Krise nach der anderen gesehen, beginnend 2003 mit dem Irak-Krieg bis jetzt. 17 Jahre sind eine lange Zeit; haben Sie überhaupt Zeit, zu entspannen, möglicherweise beim Ansehen eines Films, beim Anhören von Musik, beim Zeitverbringen mit der Familie und den Kindern?
Präsident Dr. al-Assad: Die Familie ist Pflicht; das ist keine Entspannung, keine Unterhaltung, es ist Pflicht. Man muß Zeit für seine Familie finden wie man Zeit für alles finden muß. Wenn man seine Familie nicht spürt, kann man nicht erspüren, wie es anderen Familien geht, die im eigenen Land leiden. Von daher also klar; doch bzgl. Unterhaltung ist es nicht nur eine Frage der Zeit, es ist eine Frage des Gefühls. Man kann sich nicht unterhalten, wenn jeder um einen herum unter dem Terrorismus leidet; es ist ein psychologisches Moment. Das ist zur Zeit nicht mein Interesse.  Ich denke viel an die Familien in Syrien, die haben dieses Interesse nicht. Das derzeitige Interesse richtet sich für viele Familien auf das tägliche Überleben.
Frage 19: Und zum Schluß, Herr Präsident, nur noch ein paar Fragen mehr. Denken Sie in bestimmten Momenten, wenn Sie mit mal sich allein sind, daran, wie Präsident Ḥāfiẓ [Vater und Amtsvorgänger] mit gewissen Situationen fertiggeworden wäre, wenn er heute hier wäre; vermissen sie möglicherweise seinen Rat?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, denn es nicht das erste Mal, daß wir uns mit Terrorismus konfrontiert sehen; wir sind ihm schon vor Ḥāfiẓ al-Assad, vor Präsident al-Assad in den 50ern gegenübergestanden, als die Muslimbruderschaft nach Syrien kam; seit jener Zeit begannen die Konflikte in ähnlicher Weise, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Das Prinzip des Konflikts ist also dasselbe, Terrorismus ist Terrorismus, Extremismus ist Extremismus, es spielt keine Rolle, welche Namen die Organisationen tragen. die Methodologie all jener Terroristen ist dieselbe, das habe ich ausdrücken wollen. Präsident Ḥāfiẓ al-Assad bekämpfte jene Terroristen in den 70ern und 80ern und wir bekämpfen sie heute und wir werden mit ihnen 50 Jahre später mit einer anderen Generation konfrontiert sein, wir müssen sie bekämpfen.  Ich denke demnach, es ist ein [und dieselbe] Antwort und und ein [und dieselbe] Methodologie. nochmals, es geht um die Details. Die Details können differieren nicht [nur] zwischen zwei Ären und zwei Präsidenten, sie können von Tag zu Tag differieren, da während eines Krieges die Dinge fluktuieren und sich in sehr schnellem Tempo ändern.
Frage 20: Zum Schluß, Herr Präsident, sehr wenige Menschen wiisen, daß Sie Medizin studiert haben; Sie sind Augenarzt; vermissen die Londoner Tage, ich meine, denken Sie sich in die Zeit zurück, wie sie gewesen ist?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich war ich sogar Augenarzt in Syrien bevor ich in London war. Ich arbeitete dreieinhalb Jahre in Syrien; dann ging ich nach London für ca. zwei Jahre. Wenn Sei also darüber reden wollen, ob ich meinen Beruf vermisse, ist es freilich etwas, dem man sich immer innig verbunden fühlt, man muß nicht sagen, daß man ihn vermißt, daß man den gegenwärtigen Beruf nicht mag. Heutzutage [bedingt der Beruf] der syrischen Bevölkerung in größerem ausmaß helfen zu können, das ist etwas, das man lieben sollte. Wenn sie das nicht lieben, wenn man sich ihm nicht innig verbunden fühlt, kann man darin nicht erfolgreich sein. Sicher habe ich eine starke Passion für diesen [Beruf], doch das wissenschaftliche Feld ist seit meiner Jugend meine zweite Passion, nicht nur die Augenheilkunde, all die wissenschaftlichen Bereiche insgesamt. Man fühlt demnach immer diese Passion und man spürt, daß man wissen will, wie es weitergeht, was die neuen Entwicklungen in jenem Feld sind.
Frage 21: Herr Präsident, liegt das Schlimmste hinter Ihnen?
Präsident Dr. al-Assad: Das hoffe ich, ich hoffe es. Ich meine das, weil sich die Dinge nun in die richtige Richtung bewegen, in eine bessere Richtung, weil wir die Terroristen bekämpfen; wenn nicht der Westen und andere Staaten und deren Alliierte, ihre Marionetten, [noch] jene Terroristen in sehr, wie soll ich sagen, massiver Weise unterstützen, bin ich mir sicher, daß das Schlimmste hinter uns liegt.
Frage 22: Zum Ende, ganz schnell, Herr Präsident, sehr kurz [gesagt], was wäre Ihre Botschaft an die Menschen, die dies sehen, besonders in Indien und Südasien und rund um die Welt, Ihre Botschaft an sie?
Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, während der letzten paar Dekad hauptsächlich nachdem Bush in den USA an die Macht kam, versuchte der Westen, seine Gesellschaft, sein politisches System, sein Gebaren voranzutreiben wie eine Fackel (minaret), der die Welt auf gesellschaftlicher und politischer Ebene und in jedem anderen Aspekt folgen sollte. Ich denke, die indische Bevölkerung könnte gerade jene Fackel (minaret) darstellen wegen der Diversität, die sie ausmacht, wegen der tief in der Geschichte verwurzelten Zivilisation, wegen der Ethik, auf der Ihre Gesellschaft und Politik basiert, wegen der wirklichen Demokratie, welche Indien der Welt vorführt; wegen vieler Dinge denke ich, daß Indien in dieser Hinsicht führend sein sollte, wenn es ein Beispiel für irgend ein anderes Land abgeben möchte. Das ist meine wichtigste Botschaft, da wir wissen, was die Bedeutung von Diversität ist, da wir ein vielfältiges Land nur in einem kleineren Ausmaß sind.
Journalist: An diesem Punkt möchte ich Ihnen, Herr Präsident, danken, es ist eine Freude, mit Ihnen zu sprechen.
Präsident Dr. al-Assad: Danke, danke, daß Sie nach Syrien gekommen sind.

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Präsidenten-Interview vom 11.5.2017 durch den weißrussischen Sender ONT

http://sana.sy/en/?p=105890

Präsidenten-Interview vom 12.5.2017, Photo: SANA

Präsidenten-Interview vom 12.5.2017, Photo: SANA

Frage: Guten Tag, Herr Präsident, und danke dafür, daß Sie damit einverstanden sind, dem weißrussischen Fernsehen ein Interview zu geben. wir treffen Sie an einem besonderen Tag, dem Tag, an dem die fortschrittliche Welt den Großen Sieg feiert. Sie wissen zweifellos, daß der größte Teil dieses Sieges durch die sowjetische Bevölkerung erreicht wurde, durch die Menschen, die in den Republiken der früheren Sowjet Union leben. Unglücklicherweise glauben wir übelicherweise, daß das 20. Jahrhundert das blutigste Jahrhundert gewesen sei, doch sehen wir nun, im 21. Jahrhundert eine neue Gefahr für die Menschheit in Form des Terrorismus. Ihr Land, Syrien, kämpft im 7. Jahr für sich allein gegen den Terrorismus. Es bekämpft dieses fürchterliche Unheil. Welche Stärke hat Ihre Bevölkerung Ihrer Meinung nach? Und wann werden wir den Siegestag auf syrische Art feiern können?
Präsident Dr. al-Assad: Die fundamentale Kraft ist die patriotische Kraft. Die moralische Kraft, abgeleitet vom Patriotismus, dem patriotischen Geist und der patriotischen Kraft.  Es ist die vom Patriotismus, vom patriotischen Geist und dem patriotischen Bewußtsein abgeleitete moralische Kraft, das jeder Bürger hat. Das ist ein natürliche Sache in den meisten Ländern der Welt und es ist das wichtigste Element, das die Widerstandsfähigkeit unter einer Bevölkerung nährt, die unter sehr schwierigen Bedingungen lebt, nicht nur vom Sicherheits- und militärischen Standpunkt aus, sondern ebenso in Beziehung auf die Lebensgrundlagen und Lebensbedingungen im Allgemeinen, im sinne dessen, daß alle öffentliche Dienste, alle Individuen in Syrien davon betroffen sind.
Doch wenn wir von dieser neuen Gefahr, d.h. dem Terrorismus sprechen, ist es wichtiger, die dem Terrorismus zugrundeliegende Denkweise zu untersuchen. Was macht die  hinter dem Nazismus stehende Denkweise aus, welche die sowjetische Bevölkerung bekämpfte? Die Weißrussen waren eine essentielle Komponente der Nationen, welche kämpften und sich in jenem Krieg opferten. Der Hintergrund ist derselbe und der Krieg ist derselbe. Warum tauchte der Nazismus auf? Was wollte er? Er wollte die Welt dominieren, um die anderen zunichte zu machen. Der von unseren Leuten ausgefochtene Krieg richtet sich nicht nur gegen die Terroristen, sondern ebenso gegen jene, die den Terrorismus unterstützen.
Terrorismus ist nur ein Instrument, benutzt von jenen westlichen Staaten, welche dieselbe Nazi-Denkweise anwenden, darauf abzielend, jeden anderen zu dominieren und Staaten und Nationen  in Sklaven zu verwandeln, zu Satelliten und alles, was die haben, zu kontrollieren, im materiellen wie moralischen Sinn. Daher ist der Terrorismus nur ein Instrument von anderen und nur ein Auswuchs jener Denkweise. Der Krieg, in dem Ihre Leute kämpften, ist derselbe, den unsere Leute heute kämpfen. Der Unterscheid lieg in den Benennungen und Instrumenten, während der Inhalt derselbe ist.
Frage 2: Ich möchte, daß Sie wissen, daß die Leute in unserem Land begierig darauf sind, zu hören, was Sie zu sagen haben. Sie haben viele Freunde – und ich bin mir sicher, die Veteranen bilden die größte Gruppe darunter. Ich würde mich freuen, wen sie die Gelegenheit ergriffen, den Kriegsveteranen von hier, von Damaskus aus zu gratulieren – jenen Kriegsveteranen, der weißrussischen Volkswehr, die die all die Kriegsschicksalsschläge erfahren hat. Was wollen Sie all jenen, die Ihnen heute zusehen, mitteilen?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist eine  sehr gute Gelegenheit für mich, den Veteranen der weißrussischen Armee, der weißrussischen Bevölkerung und dem von Präsident Lukaschenko geführten Staat  zu gratulieren. Für uns waren jene Veteranen, welche in jenem Krieg fochten – und die Sowjetunion brachte große Opfer, da sie über 600 Millionen Gefallene (Märtyrer) opferte und soweit wir wissen war die Zahl näher an 30 Millionen – die Hauptmacht. Heute bieten sie eine modellhafte Rolle für die gegenwärtige und die zukünftigen Generationen. Sie bieten eine modellhafte Rolle für Widerstandskraft und Standhaftigkeit. Wer hätte zu jener Zeit erwarten können, daß die von Belagerung von Stalingrad die erfolgte Wendung nehmen würde, ohne die Standhaftigkeit jener Helden? Wer hätte erwarten können, daß der anfängliche Rückzug der Sowjetarmee sich später in einen Sieg umwandeln würde? Ohne den Sieg der Sowjetunion wäre die Normandie-Landung der westlichen Staaten nicht möglich gewesen. Das versuchen viele im Westen zu verbergen, d.h. die bedeutendere Rolle seitens der Bevölkerung der Sowjetunion zu jener Zeit – einschließlich Ihrer Leute – bei der Vernichtung des Nazismus. Heute spielen diese Veteranen eine vitale Rolle bei der Stärkung des Widerstandsgeistes, da auch Sie etwas Ähnlichem gegenüberstanden wie Syrien seit Jahrzehnten. Sie stehen unter Belagerung und Präsident Lukaschenko ist Dämonisierungsversuchen ausgesetzt, dasselbe geschah vor kurzem Präsident Putin, weil sie sich dem Westen nicht beugen. Wenn sich vergangene Generationen nicht Hitler beugten, sollten sich gegenwärtige Generationen nicht dem neuen Nazismus beugen, d.h. dem westlichen Kolonialismus in seiner neuesten Form in unserem Zeitalter.
Frage 3: Vielen Dank für Ihre Glückwünsche. Können wir uns nun den Vorgängen in Syrien zuwenden? Ich kann die Faktoren hinter der Widerstandsfähigkeit Ihrer Bevölkerung nicht  verstehen, vor allem wenn wir dies mit den Vorgängen im Irak und Libyen vergleichen wollen. Die Erfinder der neuen Ideologien, die Organisatoren der samtenen Revolutionen sind weiterhin am Werk. Was macht Ihre Bevölkerung so widerstandsfähig?
Präsident Dr. al-Assad: Da gibt es eine Reihe von Faktoren: erstens, Syrien ist ein altes Land und Sie befinden sich nun in Damaskus. Damaskus und Aleppo im Norden sind die ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt. Niemand weiß, ab wann darin das Leben begann. Das bedeutet eine historische Akkumulation für Tausende von Jahren. Wenn Sie zur geschriebenen Geschichte zurückgehen, seit es [Geschichts-]schreibung gibt, sehen Sie, daß Syrien immer unter verschiedenen Formen der Besatzung, des Kolonialismus stand. Es wurde überrannt und zerstört. Das bedeutet, daß das syrische Volk Erfahrungen darin angehäuft hat,  wie mit Kämpfen die Geschichte hindurch umzugehen sei. Was also nun passiert ist, ist für das syrische Volk nicht überraschend, da all die Lügen, die am Anfang verbreitet wurden, klar waren.
Zweitens ist die syrische Bevölkerung patriotisch, doch in einem völlig anderen Sinn als dem, der vom Westen seit dem Beginn verbreitet wird, als er den Krieg in Syrien unter Benutzung der konfessionell [gespaltenen] Terminologie zu entfachen begann. Der Westen wollte unter der syrischen Bevölkerung, die konfessionelle Spaltung seit Jahrhunderten nicht gekannt hatte, ein [solches] Problem [künstlich] verursachen. Als der Westen diesen dummen Schritt machte, war das Resultat, daß die syrische Bevölkerung mehr zusammenwuchs, um die nationale Einheit zu bewahren.
Drittens, wenn man vergleicht, was in Syrien und den anderen Ländern geschehen ist, gibt es noch etwas anderes, das die Natur der Beziehung zwischen Staat und Bevölkerung ausmacht. Der Westen versuchte, diesen Krieg darzustellen, als einen, der ausgefochten wurde, um den Präsidenten in seinem Amt zu halten, während die syrische Bevölkerung sich dessen gewahr war, daß es sich um einen Krieg gegen ganz Syrien handelte. Für uns und für mich persönlich bin ich immer, vor und während des Kriegs, ein Sohn, einer der Söhne des syrischen Volkes gewesen. Ich habe nicht getrennt davon gelebt.  Hätte die syrische Bevölkerung anders empfunden, dahingehend, daß der Präsident oder dieser Amtsträger Kämpfe um seiner persönlichen Interessen ausföchte, hätten sie ihn keinen einzigen Tag lang unterstützt.
Der Westen verstand all diese Dinge aufgrund der Kurzsichtigkeit seiner Amtsträger nicht. Daher richteten sie viel Zerstörung in Syrien an, doch sie konnten nicht erreichen, was sie seit Anbeginn planten, d.i. daß all die syrischen Menschen auf die Straßen gingen, um die Demokratie zu unterstützen und die Freiheit zu verteidigen, die jene als nur angeblich existierend ausgaben, das vom Westen so gemalte syrische Paradies zu promoten, das sie nach dem Fall des gegenwärtigen Staates [angeblich] erwartete. All diese Dinge waren der syrischen Bevölkerung klar; deshalb schlug der Plan des Westens fehl. Das zeigt, daß der Westen trotz all des Fortschritts, den er machte, über kein in die Tiefe gehendes Verständnis dieser Region verfügt. Der Westen ist eine Gruppe von Lakai-Amtsträgern gewohnt, die sich ihrer eigenen Interessen wegen bei ihm einschmeicheln. Wenn jedoch [irgendwo] der Status echten Patriotismus` erreicht ist, wie in den tief[verwurzel]ten und erfahrungsmäßig  angehäuften sozialen Konzepten dieser Region, verstehen westliche Amtsträger dies überhaupt nicht. darum scheiterten sie.
Frage 4: Worüber kürzlich viel geredet worden ist, und was auch ich nur hervorheben kann, ist die chemische Attacke in Idlib und der Raketenangriff, welcher die Luftwaffenbasis aš-Šaʽîrât traf. Wer tat das? Was war der Charakter des Vorfalls? Und wer stand dahinter? Und denken Sie, daß das Vorgefallene nur ein Glied in einer Kette von Vorfällen war?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich war das Teil der Kampagne gegen Syrien mit dem Ziel der Dämonisierung des syrischen Staates.
In den Anfängen des Krieg versuchten sie diese Dämonisierung unter der syrische Bevölkerung zu verbreiten, d.h. die syrische Bevölkerung davon zu überzeigen, daß ihr Staat ein übler sei. sie sind in der Lage, einen Teil der syrischen Bevölkerung für ein paar Monate, möglicherweise für ein Jahr  zu täuschen, doch dann konnten sie das nicht mehr; daher gingen sie dazu über, die öffentliche Meinung im Westen dahingehend zu überzeigen, Unterstützung für eine Intervention zu sammeln und Krieg zu führen. Als sie mit ihrer Politik gegen den IS und Ğabhatu_n-Nuṣra mittels ihrer direkten oder indirekten Unterstützung für diese beiden Organisationen via Türkei, Saudi-Arabien oder Qaṭar oder – wie ich sagte- via direkter Unterstützung seitens ihrer Staaten scheiterten, wollten sie ihre Hände davon reinwaschen und es so hinstellen, als sei das Problem in Syrien nicht ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra, sondern der Staat, der seine unschuldigen Bürger mittels Nutzung von Giftgas töte. Es war also ein Deckmantel für die US-Intervention in Syrien, da Trump – wie Sie wissen – einem internen Dilemma und internen Konflikten innerhalb seiner Administration gegenübersteht. Zudem bestehen Konflikte zwischen ihm und anderen Kräften und Lobbys in den USA, den Medien und den großen Unternehmen.
Durch diese Tat wollte er also diesen Gruppen seine Daseinsberechtigung demonstrieren. Die chemische Attacke dient ebenfalls als Rechtfertigung für diese Intervention. Es handelt sich um einen geplanten Prozeß mit dem Zweck, gleichzeitig eine Reihe von  Zielen zu verwirklichen. Sie weigerten sich, Untersuchungen durchzuführen. Rußland und der Iran legten einen Vorschlagsentwurf [Resolutionsentwurf] für die Organization for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW) vor und jene weigerten sich, einer Untersuchung zuzustimmen, da sie nur eines erweisen würde, daß jene gelogen haben.
Frage 5: Wie stehen die Dinge auf dem Schlachtfeld [oder: an der  Front]? Gegen wen kämpft die Armee? Gegen die Opposition, die ISIS-Kämpfer oder gegen fremde Mächte?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich können wir all diese Gruppen nicht voneinander trennen. ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra teilen dieselbe wahhâbitische Ideologie und dieselbe terroristische Doktrin. ISIS, Ğabhatu_n-Nuṣra und Erdogan, der der Muslimbruderschaft nahe steht, die Âl-Saʽûd und Âl-Ṯânî in Qaṭar halten dieselbe Doktrin hoch. All diese Gruppen haben etwas gemein mit der extremistischen wahhâbitischen Ideologie. Und alle von ihnen sind Instrumente in Händen der USA. Ich sage nicht, sie sind Instrumente in den Händen des Westens, da West-Europa praktisch nicht auf der politischen Landkarte existiert. Europa führt aus, was [US-]Amerika will ohne Widerspruch. Alle diese Gruppen operieren unter [US-]amerikanischer Führung. Ob wir sie also ausländische Mächte nennen, ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra oder anders, der Direktor und Finanzier ist derselbe. Sie alle bilden eine Gruppe nur mit unterschiedlichen Namen und Taktiken.
Frage 6: Meine westlichen Kollegen haben eine Menge an Anschuldigungen gegen Sie vorgebracht und sie sagen, Bašâr al-Assad sei ein Diktator. Nun sitze ichmit Ihnen zusammen und schaue auf einen hochgebideten und liebenswürdigen Mann.Ich kann sogar sagen, sie sind aeine angenehmen Person. Ich möchte Ihnen mitteilen, daß ich mich zum 5. Mal in Syrien aufhalte, herumgereist bin und mit einfachen Leuten gesprochen habe.  Das wichtigste, das ich vorfand, war meines Erachtens, daß sie Sie respektieren und auf Sie vertrauen. Sagen Sie mir ehrlich, sind sie all des Drecks, mit dem Sie beworfen werden, nicht müde? Können Sie wertvolle Dinge um Ihres Landes und seiner Zukunft willen opfern? Oder denken Sie, Sie hätten keinen Grund, zurückzutreten, und müßten es bis zum Ende durchstehen?
Präsident Dr. al-Assad: Bezüglich des Müdeseins, glaube ich, daß jene sich müde fühlen. Ich tue es nicht. sie sind der vielen Lügen müde, die keine Resultate erzielt haben. Auf der anderen Seite ist das positiv, sofern westliche Politikstrategien betroffen sind: wenn sie nämlich einen  Politiker eines anderen Landes negativ beschreiben, heißt das, daß er ein Patriot ist, denn deren Standards von Demokratie werden z.B. durch die Âl Saʽûd repräsentiert, deren enge Freunde. Über die verlieren sie nie ein [böses] Wort. doch das ist bloß ein Beispiel.
Wie Sie wissen, unterstützte der Westen Saudi-Arabien kürzlich darin, in der UN-Kommission für die Stellung der Frauen und dem UN-Menschenrechtsrat vertreten zu sein. Demnach sollte ich nur dann bestürzt sein, wenn der Westen positiv über mich spräche, und das tröstet mich überhaupt nicht. Die Anschuldigungen gegen mich jetzt wurden vor vielen Jahren Präsident Lukaschenko zuteil, da er sich gegen den Westen stellte und nicht akzeptierte, [nur] ein [besser: deren] Mittler zu sein.
Das ist der Westen und wir sollten dem, was sie sagen, nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Wichtig ist die Beziehung zwischen dem Amtsträger und der Bevölkerung in diesem Land, nicht die mit den westlichen Medien oder den westlichen Amtsträgern. Es kümmert mich nicht, was Sie über mich sagen, im negativen oder positiven Sinn.  ein paar Jahre vor dem Krieg, pflegten sie positiv über mich zu sprechen. Zu jener Zeit kümmerte ich mich nicht darum, weil ich denen nicht traute. Sie sind Heuchler und das ist die Wahrheit.
Frage 7:  Es waren sehr weise Worte, als Sie davon sprachen, daß Sie das Vertrauen Ihrer Bevölkerung in Sie hoch schätzen. Stimmen Sie mit mir darin überein, daß die Opposition auch ein Teil Ihrer Bevölkerung ist und wenn Sie mit denen Dialog führen, sie über die Zukunft Syriens sprechen. Wie sehen Sie das? Es gab in Genf Treffen und dann in Astana. Gibt es Unterschiede zwischen diesen Treffen? Und was sind die Resultate beider, hauptsächlich in Bezug auf die Beziehung zur Opposition?
Präsident Dr. al-Assad: Bezüglich Genf ist das soweit nur ein Treffen für die Medien. Es gibt’s nichts Substantielles bei allen Genfer Treffen. Nicht einmal ein Millionstel Teil. Es ist Null. Der Prozeß dient nur dem Prinzip, uns zu Konzessionen zu drängen. Sie fragten mich bei einer früheren Frage nach Zugeständnissen, worauf ich noch nicht antwortete, ich werde das sozusagen in Klammern gesetzt tun.  Nein, ich werde keine Zugeständnisse machen, aus einem ganz einfachen Grund: dieses Land gehört mir nicht. Jegliche Konzession auf nationaler Ebene ist kein Privileg des Präsidenten; es braucht eine nationale Entscheidung, eine auf Volksebene; derlei passiert durch ein Referendum. Alles, was mit Souveränität, nationalem Interesse, der Verfassung und Unabhängigkeit zusammenhängt, ist kein Privileg des Präsidenten und er kann keine Zugeständnisse diesbezüglich machen.  Ich mache Zugeständnisse bei persönlichen Sachverhalten, welche  für die Bevölkerung nicht von Bedeutung sind, die Krise und sie Leute erfordern mich [in dieser Hinsicht] nicht. Bezüglich Astana ist die Lage anders. In Astana ging es um den Dialog mit den bewaffneten Terroristen unter russischer Schirmherrschaft und basierend auf russischer Initiative. Der Iran und die Türkei stießen später dazu. Die Türkei ist der Garant der Terroristen und Rußland und der Iran sind die Garanten des legitimen syrischen Staates. Dies begann Resultate zu produzieren in mehr als einem Versuch, um Waffenruhe zu erlangen – der letztvergangene war der hinsichtlich der sog. De-Eskalationszonen.
Journalist: Vier Zonen?
Präsident Dr. al-Assad: Ja.
Journalist: Wie ist deren Bedeutung zu verstehen? Was erwartet man von diesen Zonen?
Präsident Dr. al-Assad:  Diese Zonen beherbergen eine Mischung aus Bürgern und Terroristen. Die Terroristen setzen sich aus dem IS, Ğabhatu_n-Nuṣra und anderen Organisationen wie einigen Gangs zusammen. Zielsetzung ist in erster Linie, die Bürger in diesen Zonen  zu schützen.
Zielsetzung in zweiter Linie ist es, den daran interessierten Rebellen, die Möglichkeit zu geben, am Rekonziliierungsangebotdes Staates teilzunehmen so wie schon in anderen Gebieten. Demnach sind die De-Eskalationszonen in diesen Gebieten für sie die Möglichkeit, ihr Konto mit dem Staat zu bereinigen, d.h. ihre Waffen niederzulegen und [in ihr normales Leben] zurückzukehren aufgrund der Amnestie.  Es ist auch eine Chance für andere Gruppen, die die Terroristen, insbesondere den  IS und Ğabhatu_n-Nuṣra, von diesen Gebieten vertreiben wollen. Es gibt also eine ganze Anzahl an Aspekten, doch der wichtigstefür uns ist, das Blutvergießen in jenen Gebieten während der Wartezeit auf interne politische Schritte zwischen uns und den dort operierenden Gruppen zu reduzieren.
Frage 8: Das in Astana unterzeichnete Memorandum bezüglich der De-Eskalationszonen kann also insofern als großer Verhandlungserfolg gesehen werden?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich. Als russische Initiative ist das im Prinzip korrekt. Wir haben sie von Anfang an unterstützte, da die Idee richtig ist. Ob sie Resultate ergeben wird oder nicht, hängt von der Umsetzung ab.  Ergreifen die Terroristen die Chance? Schicken die anderen Staaten, insbesondere die westlichen, welche behaupten, die Initiative zu unterstützten, weiterhin logistische und finanzielle Unterstützung für diese Gruppen? Senden sie mehr Waffen und Rekruten für jene Terroristen, um ihnen zu ermöglichen, [den Zweck dieser] diese Zonen zu verletzen und zur Situation quo ante (square one) zurückzukehren? Das ist sehr wahrscheinlich, so hat es sich auch vorher schon abgespielt: frühere Initiativen versagten nicht, weil sie falsch waren. Sie gingen fehl, weil jene Länder sich dreinmischten, um  [die Situation] militärisch wieder eskalieren zu lassen. Daher hoffen wir, daß dies jenen Staaten eine Gelegenheit bieten wird zu realisieren, daß jegliche Eskalation scheitern wird, da die syrischen und russischen Militärkräfte mit iranischer Unterstützung und dem der Ḥizbullâh jede Bewegung seitens der Terroristen bekämpfen werden, falls sie versuchen, die Vereinbarung zu verletzen.
Frage 9: Bezüglich dieser Sicherheitszonen und den Übergängen, mittels derer Sie den Rebellen erlauben, in andere Gebiete Syriens zu gehen, haben Sie zweifellos gehört, daß viele internationale Organisationen sie der Verletzung von Menschrechten auf ethnischer Basis beschuldigen bzw., daß,  Sie Leute umsiedeln. Auf der anderen Seite gibt es jene, die darin den ersten Schritt zur Teilung Syriens sehen. Was antworten Sie auf solche Aussagen?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist der Versuch, manch naive Leute in Syrien aufzuhetzen, dahingehen daß sich in Syrien ein demographischer Wandel vollziehe. Das ist nicht wahr und die meisten Syrer wissen das.
Wenn Sie die meisten Gegenden aufsuchen, in denen Rekonziliierungen stattgefunden haben, werden sie feststellen, daß sich die [genuine] Bevölkerung dort befindet. Inwiefern siedelten wir also Leute von einem Teil zu einem anderen um? Warum forderten wir nicht jeden auf, diese Gebiete zu verlassen? Tatsächlich zwingt der syrische Staat niemanden zum weggehen. Rekonziliierung bietet den Leuten der Gegend die Möglichkeit, zu bleiben oder zu gehen. Sie bietet ebenso den Rebellen die Wahl zu bleiben, wenn sie die Waffen niederlegen und ihren Status mit dem Staat bereinigen wollen, oder zu gehen, wenn sie das nicht wollen.
In Wirklichkeit sind die meisten Rebellen, welche gehen, die, die eine Rekonziliierung ablehnen. Und die Bürger, die mit ihnen zusammenleben, sind deren Familienangehörige. Die leben miteinander. Der Staat fordert niemanden auf, zu gehen.
Zweitens, wenn der Staat einen demographischen Wandel bezweckte, warum bringt er dann nicht Leute aus anderen Gebieten an die Orte der originalen Bewohner, um sich dort niederzulassen? Die Gebiete, deren Bevölkerung infolge der terroristischen Akte geflohen ist, sind bis heute leer. Dort lebt überhaupt niemand. Und das Eigentum dort ist nach wie vor unter dem Namen der ursprünglichen Eigentümer registriert. Demnach ist dies [d.h. so etwas zu behaupten] komplett falsch und völlig belanglos.
Frage 10: Ich möchte auf die Frage nach den Flüchtlingen zu sprechen kommen. Es ist ein schmerzlicher Sachverhalt und unglücklicherweise ist die Anzahl der Flüchtlinge während der vergangenen sechs Jahre sehr hoch geworden. Inwieweit ist Syrien Ihrer Meinung nach auf deren Rückkehr vorbereitet? Wie können Sie mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs, hervorgerufen durch den globalen Terrorismus gegen Sie, zurechtkommen? Denken Sie, Sie können Beschwerde einlegen, Strafverfolgung veranlassen, die Staaten, – darunter einige westliche –  deren Repräsentanten in Ihr heiliges syrisches Land  einfielen,  auffordern, Kompensation zu leisten?
Präsident Dr. al-Assad: Die Rückkehr der Flüchtlinge ist notwendig und wir rufen die Flüchtlinge immer dazu auf, nach Syrien zurückzukehren. Zum Zeitablauf: jegliche Zeit ist für jegliche Gruppe an Flüchtlingen zur Rückkehr geeignet. Es gib keine Hindernisse in dieser Hinsicht und der Staat versucht sein Bestes, die notwenigen Dienste für jene vorzuhalten, die innerhalb Syriens vertrieben worden sind und nicht notwendigerweise außerhalb Syriens. Viele von denen wanderten wegen des Terrorismus ab und der Staat wird in dieser Hinsicht mit Hilfe befreundeter Länder die Dienste auf humanitärem Gebiet vorhalten.
Zur Einforderung von Rechten: es gibt keinen Zweifel, daß die syrische Bevölkerung ein Recht auf Kompensationen im Wert von hunderten Milliarden hat. Doch wie Sie wissen, bedürfen diese Kompensationen [besser: die Durchsetzung dieser …] eines rechtlichen undinstitutionellen Rahmens. Stellen Sie sich vor, sie haben ein in Ihrem Land ein bestimmtes echt, doch Sie haben – in Weißrußland z.B. – weder Gesetze, noch Richter, noch Gerichtshöfe. An wen wenden sie sich dann mit Ihrer Beschwerde? In jenem Fall wird Chaos herrschen. Das ist die Realität der internationalen Situation: es gibt keine Rahmenreferenz, keinen Respekt gegenüber dem Völkerrecht, keine fairen und unparteiischen Institutionen. Es gibt Einrichtungen, welche [die verlängerten] Arme des US-Außenministeriums sind, welches den Eigentümern kein Recht einräumen wird. Daher ist es praktisch unmöglich, in dieser Hinsicht Resultate zu erzielen.
Generell brauchen wir sie jetzt nicht. wir können unser Land aufgrund der eigenen Kapazitäten [wieder] aufbauen. Syrien wurde die alte und moderne Geschichte hindurch durch syrische Hände erbaut, nicht durch fremde. Wir haben die Kapazitäten, unser Land wiederaufzubauen. Geld wird schrittweise kommen. Die Flüchtlinge werden ihr Geld mit zurückbringen und die Dinge werden sich vorwärts bewegen.  Darum machen wir uns keine Sorgen diesbezüglich, da wir kein Geld von jenen Staaten oder Amtsträgern brauchen, die den Terrorismus und das Blutvergießen in Syrien während der Krise unterstützten.
Frage 11:  Ich kann nicht umhin, den Sachverhalt Dair az-Zaur anzusprechen. Es ist nun das Hauptziel der syrischen Regierung. Warum übergeht die gesamte Welt blindlings das, was dort vor sich geht? Nach vier Jahren der Belagerung durch den IS herrscht dort Hunger und Zerstörung vor und – was noch erschreckender ist – Kinder und einfache Leute sterben. Sehen sie auf die humanitäre Hilfe, geboten von 124 Staaten in der Welt. Gemäß Informationen, die Ihnen sicher vorliegen, unterstützen sie die Rebellen und während der vergangenen vier Jahre ließen noch nicht einmal einen einzigen Laib Brot [von Flugzeugen aus] abwerfen , geschweige denn humanitär Hilfe. Es sind 200.000 Menschen, die Brot und Wasser mehr als Luft [zum Atmen] brauchen.  
Präsident Dr. al-Assad: Der Grund dafür ist, daß globale Politik nicht von Prinzipien und Ethik regiert wird. Sie wird bestimmt durch Interessen, selbst wenn sie auf Kosten ethischer Werte gehen und oft sogar auf Kosten von Prinzipien und des Völkerrechts. Derzeit existiert eine Gruppe kolonialer staaten, welche von überhaupt keinen Prinzipien geleitet ist. Eine große Anzahl jener Staaten kennen diese Wahrheit auf öffentlicher und  allgemeiner Ebene, doch siewagen es nicht, diese Wahrheit auszusprechen, da sie den Westen fürchten. Doch gibt es eine Gruppe einiger Staaten, die die Wahrheit aussprechen wie sie ist und eine von Prinzipien und Ethik bestimmte Position einnehmen, einschließlich Weißrußlands, Rußlands, des Iran und Nordkoreas. Sie handeln nämlich nicht auf des Westens Geheiß, sie werden undemokratisch oder Mitglieder der Achse des Teufels gescholten oder sie werden  – wie ich vor einer kurzen Weile sagte – negativ beschrieben. Doch dies sind die einzigen Staaten, die die Wahrheit auszusprechen wagen. Das ist der Grund, warum Sie ganz wenig über eine gruppe von hunderttausenden Unschuldiger irgendwo belagerter Leute hören, und niemand über sie spricht.
Spiegelbildlich dazu: wenn die Terroristen in Aleppo einen Teil der Stadt mit seiner Bevölkerung kapern und die Leute im anderen mit täglichen Raketenangriffen töten, sagt niemand etwas darüber. Das kümmert sie nicht. Sie verteidigen die Terroristen. Und wenn wir die Stadt von den Terroristen befreien, ist das eine Verletzung der Menschenrechte, weil für die die Terroristen Menschen sind und alle Nichtterroristen nicht existieren weder auf der politischen noch auf der humanitären Landkarte.
Frage 12:  Damit stimme ich vollkommen überein. während meiner Besuche in Syrien traf ich den Großmuftî, den Patriarchen und auch Repräsentanten anderer Konfessionen und fand, daß alle von ihnen Frieden , nationale Einheit und Solidarität wollen. Alle unterstützen ihr Land. Warum will niemand wissen, was die zu sagen haben? Viele Leute wollen nicht einmal wissen, was wahrhaft in Syrien vorgeht. Sehen Sie das auch so wie ich?
Präsident Dr. al-Assad: Die meisten westlichen Amtsträger kennen die Wahrheit, doch sie sind mit ihren Lügen zu weit gegangen. Sie haben die öffentliche Meinung für sich eingespannt und nun ist es für sie schwierig, eine Totalumkehr zu vollziehen, da jegliche Totalumkehr bedeutet, daß sie gegenüber der öffentlichen Meinung zugeben, daß sie gelogen haben. von daher haben sie sich in einen Tunnel gequetscht und kommen nun nicht mehr daraus hervor. Sie müssen nun bei ihren Lügen bleiben, da das ihre einzige Option ist. Jegliche Totalumkehr bzw. jedes Umschalten wäre politischer Selbstmord für sie – und ihre politischen Interessen sind ihnen wichtiger als nationale Interessen, die anderer Nationen oder  das Leben anderer Leute.  Daher werden sie nur immer wieder dieselben Lügen wiederholen, die sie von Anfang an von sich gaben. Da pflegten sie zu sagen, es fänden friedliche Demonstrationen statt, doch es wurde beweisen, daß sie nicht friedlich waren. später sagten sie, die gehörten zur Opposition, seien aber moderat. Als sich herausstellte, daß sie Extremisten waren ganz wie der IS und Ğabhatu_n-Nuṣra behaupteten sie, der Grund für deren Existenz sei der syrische Staat und der syrische Präsident. mit anderen Worten: sie sind dazu bestimmt, weiterzulügen, doch ändern sie ihre Geschichte ein wenig, nicht drastisch, ab. Ihre politische Zukunft ist verknüpft mit dieser großen Lüge und das können sie nicht ändern.
Frage 13: Ich möchte auf die syrisch-weißrussischen Beziehungen zurückkommen. Unsere Beziehungen, die über Jahrzehnte reichen, haben eine sehr gute Ebene erreicht. sie kennen die offizielle Position von Minsk hinsichtlich der Unterstützung von Frieden, nationaler und Volkseinheit in Syrien, die Position, daß es immer schon globalen Terrorismus verdammt habe, welcher sich in Ihre internen Angelegenheiten mischt und daß unglücklicherweise Medien von westlicher Seite sich gegen Sie wandten. Wie sieht Ihr Rückblick auf Lukaschenko aus in Hinsicht darauf, daß auch Weißrußland wiederholt Wirtschaftssanktionen unterworfen und faktenloser Kritik ausgesetzt war, doch Lukaschenko konnte damit umgehen. Ein Paradebeispiel ist die Ukraine: man kann sehen, daß Minsk nun die einzige Plattform geworden ist, auf der alle Parteien versuchen, eine Friedensübereinkunft zu erzielen, auf die sie schon so lange in der Donbass-Region der Ukraine warten.  Denken sie nicht, Lukaschenko könnte im Fortkommen hin zu einer politischen Lösung für Ihr Land einschreiten?
Präsident Dr. al-Assad: Jede Lösung eines jeden Problems braucht eine Reihe von Eigenschaften oder Elementen, doch das wichtigste Element ist die Glaubwürdigkeit, welche man hat. Sie gehören einem Land an, das Glaubwürdigkeit besitzt, da das, was die weißrussische Politik heute aussagt, Dasselbe ist, was sie zu Beginn der Krise gesagt hat. Es sind dieselben Prinzipien, auf die sie [auch] bezüglich anderer Sachverhalte aufgebaut ist. Die Prinzipien, auf die sie bezüglich Syriens aufgebaut ist, sind dieselben, auf die sie hinsichtlich der Interessen der weißrussischen Bevölkerung und der Interessen Weißrußlands aufgebaut ist. Es sind dieselben Prinzipien, welche die Rolle ausmachen, die sie in der Ukraine spielt. Es ist eine stabile Politik, die eine klare Vision besitzt und klare Prinzipien, die sich nicht ändern. Das ist essentiell, um in irgendeiner Krise ein Rolle zu spielen. Das ist es, was wir in Syrien brauchen. Warum ist die syrische Krise nicht [schon] politisch gelöst? Weil die, die vorgegeben haben, jene Rolle zu spielen – mit Ausnahme von Rußland und dem Iran – Staaten gewesen sind, die keine Glaubwürdigkeit besitzen. sie sagen das eine und tun das andere. Doppelmoral (double standards) ist das Basis-Prinzip der westlichen Politik.
Das ist also das wichtigste Element, das Präsident Lukaschenko und der Staat Weißrußland haben. Zudem unterhalten wir als Staat eine feste und solide Beziehung zu Weißrußland seit den Tagen der Sowjetunion und danach. Und sie existiert weiter trotz all des Drucks auf Ihr Land und auf Syrien vor dem Krieg. Diese Beziehung dauerte an ohne Rücksicht auf die westlichen Wünsche in dieser Hinsicht und ist basiert auf beiderseitigem Interesse.
Diesbezüglich war Präsident Lukaschenko ein Patriot, war wahrhaftig und couragiert. Mit all diesen Attributen kann ich sagen, daß Weißrußland – neben Rußland als Hauptspieler auf der internationalen Arena hinsichtlich Syriens – sicherlich eine vitale und effektive Rolle einnehmen kann. Wenn Weißrußland es wünscht, begrüßen wir seht jede Rolle, die es im gegenwärtigen Krieg spielen kann.
Frage 14: Danke für diese Worte. Ich möchte noch nach unserer Wirtschaftsbeziehung fragen. Verständlicherweise dauert der Krieg seit sieben Jahren an und es herrscht große Zerstörung, doch all das muß eines Tages wiederaufgebaut werden. Wissen sie, daß Weißrußland in dieser Hinsicht über große Kapazitäten verfügt? Denken wir daran, daß der erste in Weißrußland hergestellte LKW von MAZ in Syrien auftrat. Ich erinnere mich ebenso daran, daß als Sie Weißrußland 2010 besuchten, einen MSZ fuhren.  Wann können wir diese Wagen und LKW auf Ihren Straßen sehen?
Präsident Dr. al-Assad: Bei meinem letzten Besuch in Ihrem Land wenige Monate vor dem Krieg, gab es breitgefächerte Wirtschaftsabkommen zwischen uns. Der Krieg kam und zerstörte alles. Doch vor kurzem nach dem gemeinsamen syrisch-weißrussischen Komitee, einem Besuch des weißrussischen Vize-Vorsitzenden des Komitees und dem Treffen mit dem Minister für Industrie vor wenigen Wochen wurden einige Aspekte dieses Abkommens reaktiviert und eine Anzahl Verträge zum Vorteil beider Parteien abgeschlossen.
Ich erinnere mich lebhaft an meinen Besuch der Fabrik zu jener Zeit und wir hofften wirklich, mit der Produktion dieses Autos in weniger als zwei Jahren zu beginnen. Das verzögerte sich aufgrund des Kriegs, doch kürzlich kamen wir auf das Thema zurück und der Export wird in den nächsten Monaten beginnen. Die erste Lieferung an Autoteilen wird zur Montage in Syrien exportiert werden. Trotz der schwierigen Umstände, denen Syrien unterzogen ist, trotz der Sanktionen gegen Weißrußland und als Ergebnis unseres festen Willens sind wir dennoch in der Lage gewesen, diese Beziehungen wiederaufleben zu lassen. und das ist freilich [erst] der Anfang. viele Bereiche, über die wir vor dem Krieg gesprochen haben, können trotz der Sicherheitsbedingungen in Syrien wiederbelebt werden. Wir müssen nicht alle Bereiche reaktivieren, doch können wir dies bei einem wichtigen Teil des Abkommens tun. Das versuchen wir gerade und das Rad hat sich neuerdings zu drehen begonnen.
Frage 15: Zum Ende des Interviews glaube ich, Weißrußland hat wirtschaftliche Kapazitäten. Und es ist wichtig, daß die syrische Bevölkerung und der Präsident den Wunsch haben, die Beziehungen mit und die Freundschaft zu uns aufzubauen. Das ist gleichermaßen bedeutsam und ich glaube, diese Beziehungen und diese Kooperation haben eine große Zukunft. Am Ende möchte ich sagen, daß ich Syrien eine lange Zeit kenne. Dieser Krieg, den Sie seit sieben Jahren kämpfen, trug zur Einigung Ihrer Gesellschaft bei.  
Ich erinnere mich an die Syrer als ruhige und höfliche Menschen. Sie heben sich unter den arabischen Völkern durch ihre Toleranz, ihr Entgegenkommen und ihre Gastfreundlichkeit hervor. Trotz Schmerz und Tränen haben Sie all das dennoch nicht verloren. Und ich sage Ihnen daß Sie persönlich einen Vorbildcharakter zur Einigung der Gesellschaft besitzen. Ich reise um die Welt und habe viele syrische Freunde. Heutzutage gibt es keine syrische Familie, die nicht eine syrische Flagge zu Hause hätte. Das hat die gesamte Gesellschaft in einem Schmelztiegel geeint und miteinander verflochten. Ich möchte, daß Sie wissen, daß ich Ihrem Staat im Namen unseres Volkes und im Namen von Weißrußland von ganzem Herzen Frieden , Wohlstand und Einigkeit wünsche, so daß Sie vorwärts schreiten können und die Mütter, die ihre Söhne haben begraben müssen, dann keinen Schmerz mehr fühlen. Ich hoffe, alles wird sich weiterbewegen wie wir es die Geschichte hindurch gesehen haben, so daß das Leben weitergeht und Syrien so bleibt wie sie immer gewesen ist, die Wiege der Zivilisation, und weiter florieren wird. Das hoffen wir aufrichtig.
Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank für all Ihre freundlichen Worte über Syrien und die syrische Bevölkerung. eine unserer Haupteigenschaften in Syrien ist Loyalität, Loyalität gegenüber all jenen, die in den schwierigen Umständen zu uns gestanden sind, und das hat Weißrußland getan. Ich danke jedem weißrussischen Bürger für das, was er für Syrien getan hat, denn das Nettoresultat dieser Unterstützung ist die vom Präsidenten getroffene Entscheidung, da der weißrussische Präsident Syrien nicht ohne die Bevölkerungsunterstützung für seine Politik beistehen kann. Wir nehmen jede Hilfe, jedes Wort, jede politische Position, die der weißrussische Staat in allen Bereichen eingenommen hat, als Ausdruck der Realität dessen, wie die weißrussische Bevölkerung denkt und fühlt. Ich hoffe, die weißrussische Bevölkerung wird einen weiteren Sieg in anderer Form erringen.
Krieg muß sich nicht immer auf dem Schlachtfeld ab spielen. Die weißrussische Bevölkerung kennt Krieg nun seit über zwei Jahrzehnten. Ich hoffe, sie wird einen weiteren Sieg in jenem Krieg erringen durch Aufhebung der Sanktionen und Hochhalten des patriotischen Staats und im Erzwingen von Respekt insbesondere seitens jenen, die Ihr Land dominieren wollen. Zudem hoffe ich, das wird mit dem Sieg Syriens im Krieg gegen die Terroristen zusammenfallen, da es für uns ebenso ein nationaler Krieg ist. Nochmals danke und Dank für Ihren Besuch Syriens.
Journalist: Ich möchte Sie wissen lassen, daß dies ein Symbol unseres Sieges ist. Heute ist der 9.Mai. Unsere Eltern und Großeltern versorgten sich hier mit Wasser. Es ist das Heiligste. Ich forderte einen meiner Kollegen hier auf, es sich von einer der heiligen Wasserquellen nahe Damaskus abzufüllen und heute will ich Ihnen dieses Wasser in symbolischer Weise eingießen. Diese Wasserflasche stamm aus Weißrußland, aber das Wasser stammt aus der Quelle, die dreimal durch die Terroristen besetzt gewesen ist. Wie Sie wissen, ist Wasser das Symbol für Leben. Ich möchte, daß der langerwartete Friede in Ihrem guten Land vorherrscht, dem Paradies-Land, und daß keine syrische Familie wieder Wasser- und Nahrungsmangel spüren soll. Möge Gott Sie schützen. Es schmeckt wirklich gut.
Präsident Dr. al-Assad: Wasser ist ein Segen, da es ein Geschenk Gottes ist, doch dieses Wasser von der al-Fîğa-Quelle [ʽAin al-Fîğa], das sie trinken, hat eine ganz besondere zusätzliche Bedeutung, da es gemischt ist mit dem Blut der syrischen Streiter in ihrem Kampf um die Wiederherstellung der Wasserversorgung für jeden Haushalt in Damaskus. Millionen Menschen waren wegen der Besatzung durch die Terroristen dieses Segens für Monate beraubt. wir trinken s in der Hoffnung, daß das Blut jener Helden, der Kämpfer der SAA, nicht umsonst vergossen worden ist, sondern zur Wiederherstellung der Versorgung mit Wasser, Elektrizität und Sicherheit für jedes Haus in Syrien.

Wasser von der al-Fija-Quelle, Abbildung: syrianfreepress

Ausschenken des Wasser von der al-Fîğa-Quelle, Abbildung: syrianfreepress

 

 

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Präsidenten-Interview  durch das venezolanische Telesur TV vom 27.4.2017
(http://sana.sy/en/?p=105108 mit Video)

Journalist: Herr Präsident, danke dafür, daß Sie uns empfangen.
Präsident Dr. al-Assad: Seien Sie und teleSUR TV in Syrien willkommen. Nichts zu danken!
Frage 1: Lassen Sie uns direkt mit den letzten Entwicklungen beginnen: Rußland warnte  davor, daß es weitere vorgebliche Chemie-Attacken geben könnte. Welche Vorsichtsmaßnahmen hat Syrien ergriffen, um das zu verhindern?
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst einmal haben Terroristen mehr als einmal in den vergangenen Jahren und in mehr als einer Region Syriens chemische Stoffe benutzt. Wir baten die  Organization for the Prohibi­tion of Chemical Weapons (OPCW), spezielle Missionen zur Untersuchung der Geschehnisse zu schicken. Und jedes Mal behinderten die USA diese Untersuchungen oder verhinderten die Aussendung solcher Missionen um solche Untersuchungen durchzuführen. Diese passierte auch letzte Woche, als wir zu Untersuchungen bezüglich der vorgeblichen Nutzung von Chemiewaffen in der Stadt Ḫân Šaiḫûn aufriefen. Die USA und ihre Alliierten hinderten die OPCW daran, diese Entscheidung zu treffen.  Soweit es um uns geht, bestehen wir weiterhin auf einer Untersuchung und wir und unsere russischen und iranischen Alliierten versuchen, die OPCW dazu zu bewegen, ein Team zur Untersuchung des Vorfalls zu schicken; denn, wenn sie nicht geschieht, könnten die USA dieselbe Charade wiederholen unter vorgespiegelter Nutzung von Chemiewaffen an einem anderen Ort in Syrien, um eine neuerliche Militär-Intervention zur Unterstützung der Terroristen zu rechtfertigen. Andererseits führen wir den Kampf gegen den Terrorismus fort, da wir wissen, daß der Plan all dieser US- und westlichen Behauptungen betreffend Chemiewaffen die Unterstützung der Terroristen in Syrien ist. Daher werden wir den Kampf gegen diese Terroristen fortführen.
Frage 2: Doch das Pentagon sagt, Syrien besitze Chemiewaffen. Ist es wahr, daß Syrien ein Prozent der Waffen, die es vor vier Jahren auszuhändigen und zu zerstören versprach, zurückbehalten hat?
Präsident Dr. al-Assad: Sie und ich erinnern uns gut daran, was 2003 passierte, als Colin Powell der Welt in den UN das zeigte, wovon er behauptete, es sei ein Beweis dafür, daß Präsident Ṣaddām Ḥussain chemische, nukleare und andere Waffen besitze. als jedoch die US-Streitkräfte in den Irak einmarschierten, erwies sich, daß alles, was er gesagt hatte, eine Lüge war. Powell selbst gab zu, daß die US-Geheimdiensts ihn mit falschen „Beweisen“ getäuscht hätten. Das war nicht das erste und wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Das bedeutet, wenn man in den USA ein Politiker sein will, muß man ein originärer Lügner sein. Das charakterisiert US-Politiker: sie lügen tagtäglich, sagen das Eine und tun das Andere. Daher sollte man nicht glauben, was das Pentagon oder irgendeine andere US-Institution sagt; denn sie sagen Dinge, die ihrer Politik dienlich sind, nicht Dinge, die die Realität und die Fakten auf dem Boden [der Tatsachen] reflektieren.
Frage 3: Was steht hinter dem Wunsch Syriens, die neueste Generation des Raketenabwehrsystems von Rußland zu erwerben?
Präsident Dr. al-Assad: Wir befinden uns immer noch im Kriegszustand mit Israel und Israel hat um sich herum seit seiner Gründung  1948 Aggressionen gegen arabische Staaten begangen. Demnach ist es natürlich, daß wir solche Systeme haben sollten. außerdem haben die Terroristen, die auf israelische, US-, türkische, qaṭarische und saudi-arabische Instruktionen agieren, etliche dieser Systeme zerstört haben.  Für uns ist es selbstverständlich, nun mit den Russen im Hinblick auf eine Stärkung dieser Systeme zu verhandeln, sei es angesichts israelischer Bedrohungen  aus der Luft oder durch US-Marschflugkörper. Das ist zu einer realen Möglichkeit geworden nach der jüngsten US-Aggression auf die Luftwaffenbasis aš-Šaʽîrât in Syrien.
Frage 4: Welche Rolle im Besonderen hat Israel in diesem Krieg gegen Syrien gespielt? Wir wissen, daß israelische Angriffe auf Stellungen der Syrisch-Arabischen-Armee (SAA )in der letzten Woche fortgesetzt worden sind.
Präsident Dr. al-Assad: Es spielt seine Rolle in verschiedenen Formen; erstens durch direkte Aggression, insbesondere unter Nutzung von Kampffliegern, der Artillerie oder von Marschflugkörpern gegen SAA-Stellungen. Zweitens unterstützt es Terroristen auf zwei Wegen: einmal durch direkte Unterstützung mit Waffen und zum anderen durch logistische Unterstützung, z.B. indem es diesen erlaubt, Militärübungen auf dem Gebiet unter seiner Kontrolle durchzuführen. Auch versorgt es sie mit medizinischer Behandlung in seinen Krankenhäusern. Das sind nicht bloß Behauptungen oder Anschuldigungen. Das sind Fakten, verifiziert und veröffentlicht im Internet, belegte Beweise von Israels Rolle bei der Unterstützung der Terroristen in Syrien, zu denen man leicht Zugang hat.
Frage 5: Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Politik von Donald Trump in der Welt und in Syrien im Besonderen?
Präsident Dr. al-Assad: Der US-Präsident hat keine Politik. Es gibt vorgegebene politische Vorgehensweisen der US-Institutionen, welche das US-Regime kontrollieren, darunter die Geheimdienste, das Pentagon, die großen Waffen- und Öl-Firmen, die Finanz-Institute und etliche andere Lobbys, welche die US-Entscheidungsfindung beeinflussen. Der US-Präsident führt diese bloß aus und der Beweis dafür ist, daß Trump, als  er während und nach seiner Wahlkampagne versuchte, einen anderen Weg einzuschlagen, es nicht konnte. Da erlebte er eine grimmige Attacke. Wie wir die vergangenen paar Wochen gesehen haben, änderte er seine Rhetorik komplett und unterwarf sich selbst den Bedingungen des tiefen US-Staats bzw. des tiefen US-Regimes. Daher ist es völlig unrealistisch und vergebene Liebesmüh (waste of time) eine Beurteilung der Außenpolitik des US-Präsidenten anzustellen, da er etwas sagen mag, doch am Ende tut, was diese Institutionen ihm diktieren. Das ist nicht neu. Das geht so in der US-Politik seit Jahrzehnten.
Frage 6: Die US-Administration hat eine neue Front gegen Nord-Korea eröffnet. Ist es möglich, daß dies das gegenwärtige US-Vorgehen gegen Syrien berührt?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, die USA versuchen immer, ausnahmslos alle Staaten der Welt zu kontrollieren. Das nimmt Alliierte nicht aus, egal ob das fortschrittliche Staaten sind  wie jene des westlichen Blocks oder andere Staaten der Welt. Jeder Staat sollte ein US-Satellit[enstaat] sein. Das ist der Grund für das Vorgehen gegen Syrien, Korea, den Iran, Rußland und möglicherweise jetzt Venezuela mit dem Ziel, die US-Hegemonie über die Welt wiederzuerrichten, da sie glauben, diese US-Hegemonie sei jetzt bedroht, was konsequenterweise die Interessen der US-Wirtschaft und der politischen Eliten der UA bedroht.
Frage 7: Rußlands Rolle im Syrien-Konflikt ist ganz klar, doch welche Rolle spielt China, der andere große  globale Macht?
Präsident Dr. al-Assad: Es besteht eine umfangreiche Kooperation zwischen Rußland und China China im Sinne politischer Aktion bzw. politischer Positionen. Die Ansichten sind ähnlich und es besteht eine Kooperation im [UN-]Sicherheitsrat. Wie Sie wissen, versuchten die USA und ihre Alliierten verschiedene Male, den [UN-]Sicherheitsrat zu benutzen, um die Rolle der Terroristen in Syrien zu legitimieren sowie deren [eigene] Rolle bei der unrechtmäßigen und aggressiven Intervention in Syrien. Deshalb standen Rußland und China zusammen; Chinas Rolle war – wie die Rolle Rußlands –  in dieser Hinsicht essentiell. Darüber hinaus sind einige der Terroristen Chinesen, die über die Türkei nach Syrien kamen. Die bedrohen uns in Syrien, doch ebenso China. China ist sich der Tatsache bewußt,  daß der Terrorismus sich von jedem Ort in der Welt zu einem anderen bewegt; konsequenterweise könnten diese Terroristen, ob sie nun chinesischer oder anderer Nationalität sind, zurück nach China gehen und dort zuschlagen wie sie es in Europa, in Rußland und Syrien getan haben. Wir arbeiten [daher] jetzt mit China in Sicherheitsfragen zusammen.
Frage 8: In westlichen und US-Medien ist derzeit von moderaten und extremistischen Terroristen die Rede, gibt es einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen?
Präsident Dr. al-Assad: Für die ist ein moderater Terrorist einer, der [Leute] köpft und schlachtet, aber ohne eine al-Qâʽida-Fahne zu führen bzw. ohne zu sagen „Allâhu akbar“, während ein extremistischer Terrorist die al-Qâʽida-Fahne führt und „Allâhu akbar“ bei m Köpfen und Abschlachten  ruft. Das ist der einzige Unterschied. Für die USA sind alle, die ihre Agenda gegen andere Staaten ausführen, als „moderate Opposition“ [MAO, vgl. Syrien] klassifiziert und nicht als Extremisten oder Terroristen, auch wenn sie schlimmste Akte von Terrorismus begehen. [Für sie] sind sie Freiheitskämpfer und nicht Kämpfer, die Zerstörung und Sabotage vertreiben.
Frage 9: Es herrschen nun sechs Jahre Krieg in Syrien. Wie sieht jetzt die syrische Position aus, insbesondere ohne die Handhabe von Statistiken über die Verluste an Menschenleben?
Präsident Dr. al-Assad: Der schlimmste Verlust in jedem Krieg ist der an Menschenleben, das Leiden, mit dem jede Familie konfrontiert ist, wenn sie eines ihrer Mitglieder verliert, da die ganze Familie lebenslang verstört ist. Das ist das natürliche Gefühl in einer Region wie der unseren, wo Familienbande sehr stark sind. nichts kompensiert jenen Verlust und nichts geht über diesen Schmerz hinaus. Freilich gibt es enorme wirtschaftliche und infrastrukturelle Verluste, doch diese Infrastruktur wurde in kaum mehr als 50 Jahren von syrischen Händen, nicht von ausländischen aufgebaut und wir haben die Kapazität, diese Infrastruktur wieder aufzubauen. Dasselbe gilt für die Wirtschaft, da die syrische Ökonomie als erstes und zuvorderst auf syrischen Kapazitäten beruht. Zudem waren unsere ökonomischen Bindungen an den Westen immer limitiert. Wenn der Krieg vorüber ist, wird alles wiederaufgebaut werden. Damit haben wir kein Problem. Es ist wahr, daß das Zeit braucht, doch ist es nicht unmöglich. Demnach ist der größte und schmerzlichste Verlust der an Menschenleben.
Frage 10: Gibt es von den 86 Staaten, welche die Kriegsallianz gegen Syrien bilden, einige, die sich am Prozeß des Wiederaufbaus beteiligen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, selbstverständlich nicht. Vor allem wollen die Syrien nicht wiederaufbauen, doch einige Firmen in jenen Ländern sind sicherlich bereit zu kommen und am wideraufbau Syriens teilzuhaben, um damit Geld zu machen, sobald sie sehen, daß sich das Rad der Wirtschaft bewegt und der Wiederaufbau anläuft und da sie Opportunisten sind. Die syrische Bevölkerung würde das freilich nicht akzeptieren. All die Staaten, die sich gegen die syrische Bevölkerung stellten und an der Zerstörung und Sabotage teil hatten, werden niemals Anteil am Wiederaufbau Syriens haben. Das ist endgültig.
Frage 11: Doch wie war das Leben während dieser vergangenen sechs Jahre in diesem belagerten Land?
Präsident Dr. al-Assad: Das Leben war freilich hart für jeden syrischen Bürger. Die Terroristen zerstörten die Infrastruktur. In gewissen Gegenden gibt es Elektrizität für ein oder zwei Stunden; es gibt auch Gebiete, die überhaupt keine Elektrizität zur Verfügung haben. Es gibt Gebiete, die für mehr als zwei oder drei Jahre von Elektrizität abgeschnitten waren. Die Leute [dort] kennen kein Fernsehen, die Kinder gehen nicht zur Schule, es gibt keine medizinischen Kliniken oder Hospitäler und niemand behandelt die Kranken.  Sie fristen eine prähistorische Existenz dank der Terroristen. Es gibt Gegenden ohne [Trink-]Wasser für Jahre wie z.B. in Aleppo, das  viele Jahre lang kein Wasser hatte [d.h. keine geregelte Wasserversorgung aus der Leitung!]. Manchmal nutzten sie verschmutztes Wasser zum Trinken, Abwaschen und für andere Zwecke. Das Leben war sehr schwer.
Frage 12: Eines der Hauptziele während dieser Jahre war die Person von Bašâr al-Assad. Hatten sie jemals Angst in diesen Jahren?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn sie sich mitten im Krieg befinden, fühlen sie keine Angst. Ich denke, das geht allen Menschen so. Doch tragen sie eine generelle Sorge um Ihr Land mit sich; was ist es wert, als Individuum, als Bürger sicher zu sein, während das Land bedroht ist? Da kann man sich nicht sicher fühlen. Ich denke, was wir in Syrien generell fühlen, ist eher die Sorge um die Zukunft Syriens als die persönliche Angst. Der Beweis dafür ist, daß Mörsergranaten überall einschlagen, auf jedes Haus, dennoch sehen Sie, daß das Leben in Syrien weitergeht. Das Leben ist stärker als die persönliche Angst. Der Beweis dafür ist, daß Mörsergranaten überall einschlagen, auf jedes Haus, dennoch sehen Sie, daß das Leben in Syrien weitergeht. Das Leben ist stärker als die persönliche Angst. Als Präsident ziehe ich Stärke aus dem Gefühl der allgemeinen Öffentlichkeit, nicht von meinen persönlichen Gefühlen. Ich lebe nicht in Isolation von den anderen.
Frage 13: Westliche Medien haben eine Medienkampagne gegen Sie ins Leben gerufen. Sitze ich nun mit hier zusammen mit dem in diesen Medien porträtierten Teufel?
Präsident Dr. al-Assad: Von einer westlichen Perspektive aus: ja, da sitzen sie hier zusammen mit dem Teufel. So vermarkten sie [das] im Westen. Doch das ist immer dann der Fall, wenn ein Staat, eine Regierung oder ein Individuum sich nicht deren Interessen unterwirft und für deren Interessen gegen die Interessen ihres eigenen Volkes arbeitet. Das waren die westlichen kolonialen Forderungen der Vergangenheit. Sie verbreiten [dann], daß diese teuflische Person die guten Leute umbringe. Okay, wenn er die guten Leute umgebracht hätte, wer hätte ihn dann die letzten sechs Jahre hindurch unterstützt? Weder Rußland, noch der Iran, noch irgendein befreundeter Staat kann ein Individuum auf Kosten der {restlichen] Bevölkerung stützen. Das ist unmöglich. Wenn er die Leute tötet, warum kommen sie dann, um ihn zu unterstützen? Das widerspricht dem westlichen Narrativ. Daher sollten wir nicht unsere Zeit mit den westlichen Narrativen verschwenden, da sie die Geschichte hindurch  voller Lügen sind und nichts Neues.
Frage 14: Was kann auch Syrien tun, um angesichts der 6. Runde Genfer Gespräche dem Krieg ein Ende zu setzen?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben schon dargelegt, daß da zwei Achsen gibt: zuerst steht da die Bekämpfung der Terroristen – das unterliegt keiner Diskussion und wir haben keine andere Wahl mit den Terroristen fertigzuwerden als sie zu bekämpfen. Zum Anderen  gibt es die politische Achse, sie schließt zwei Punkte ein: zunächst den Dialog über die Zukunft Syriens mit anderen politischen Kräften; dann die lokalen Rekonziliationen in dem Sinne, daß wir mit Terroristen in einem gewissen Dorf oder einer bestimmten Stadt verhandeln, abhängig von jedem einzelnen Fall als solchem. Ziel dieser Rekonziliation ist im Bezug auf  jene, daß sie die Waffen niederlegen und [dafür] die Amnestie des Staates in Anspruch nehmen und in der Folge in ihr normales Leben zurückkehren. Diese Methode verfolgen wir seit drei Jahren, sie hat Erfolg und besteht weiterhin. Das sind die Achsen, die wir beschreiten, um eine Lösung der syrischen Krise zu finden.
Frage 15: Wie sehen Sie aus der Perspektive eines Landes im Kriegszustand die Situation in Latein-Amerika, speziell in Venezuela, wo etliche Vorgänge ähnlich jenen sind, die den Konflikt in Syrien haben entstehen lassen?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich sollten sie sich ähneln, da die Partei, die diese Vorgänge plant und in die Tat umsetzt, dieselbe ist. Es sind die USA als Maestro und die westlichen Staaten, die den Chor bilden. Latein-Amerika generell und Venezuela im Besonderen stellten für Jahrzehnte gewöhnlich den Hinterhof der USA dar. Mittels dieses Hinterhofs pflegten die westlichen Staaten, insbesondere Nord-Amerika bzw. die USA, ihre ökonomischen Interessen durch den Einfluß großer Konzerne in Ihren Ländern zu sichern. Militärische und politische Coups in Latein-Amerika während der 1960er und 1970er Jahre zielten darauf ab, die [US-]amerikanische Hegemonie über die Interessen Ihrer Länder hinweg zu erhalten. Doch Latein-Amerika befreite sich während der vergangenen 20 Jahre selbst und erlangte seine freie Entscheidungsfindung. Regierungen begannen, die Interessen ihrer Völker zu verteidigen, was für die USA inakzeptabel ist. Daher beuten sie die Vorgänge in der Welt aus, angefangen mit der orangefarbenen Revolution in der Ukraine bis zum gegenwärtigen Coup dort vor wenigen Jahren und was sich so in den arabischen Ländern, in Libyen, Syrien, dem Jemen und anderen abspielt, um es [auch] in Latein-Amerika umzusetzen. In Venezuela begannen sie mit dem Ziel, die nationale Regierung zu stürzen und das wird sich auf andere latein-amerikanische Länder ausweiten.
Frage 16: Einige Leute, vor allem gewöhnliche Bürger Latein-Amerikas, denken, daß sich ein ähnliches Szenarium wie in Syrien in Latein-Amerika wiederholen könnte. Was denken Sie [darüber]?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist wahr. Daher sage ich, solange die planende und umsetzende Partei dieselbe ist, ist es nur natürlich, daß sich das Szenarium nicht nur ähnelt, sondern identisch ist. Manche lokale Elemente mögen anders sein. In Syrien sagten sie zu Beginn, es gebe dort friedliche Demonstrationen; doch als sich diese in Wirklichkeit nicht weit genug ausdehnten, plazierten sie unter jenen Individuen, die auf beide Seiten feuerten: auf die Polizei wie die Demonstranten und da kam es zu Todesopfern. Da begannen sie zu sagen, der Staat töte die Menschen – dieses Szenarium wird überall wiederholt. Dasselbe Szenarium wird in Venezuela wiederholt werden. Daher müssen die Venezolaner sehr achtsam sein. es gibt einen Unterschied, ob man gegen die Regierung oder gegen die Heimat ist, einen gewaltigen Unterscheid. andererseits kann sich kein ausländischer Staat besser um die venezolanischen Interessen sorgen als die Venezolaner selbst. Glaubt nicht dem Westen! Denn ihm geht es weder um die Menschenrechte, noch um die Interessen [anderer] Staaten. Es geht nur um die Interessen des Teils der Regierungselite in den [westlichen] Ländern. und diese Regierungseliten sind nicht notwendigerweise Politiker, es sind ebenso Wirtschaftskonzerne.
Frage 17: Da ich gerade über Latein-Amerika, Venezuela spreche … die bolivianische Revolution war Ihr starker Alliierter. Welche Erinnerung haben Sie an den verstorbenen Hugo Chavez?
Präsident Dr. al-Assad: Präsident Hugo Chavez war eine hervorragende Persönlichkeit von Weltklasse. wenn wir über Latein-Amerika sprechen, denken wir sofort an den verstorbenen Präsidenten Chavez und den verstorbenen Führer Fidel Castro, den Führer der kubanischen Revolution. Das sind herausragende Persönlichkeiten, die das Gesicht Latein-Amerikas veränderten. doch der Führer, den ich persönlich kannte, den ich mehr als einmal traf, mit dem ich eine persönliche Beziehung hatte, das war Präsident Chavez, als er uns in Syrien besuchte und ich ihn in Venezuela. Wir trafen uns zweimal. Wenn man ihn trifft, kann man sagen, daß er [wahrhaft] der Sohn des Volkes ist. Man hat nicht das Gefühl, einen Präsidenten oder Politiker zu treffen, sondern eine Person, die das Leiden seines Volkes erlebte. Alles, was er sagte, und jede Minute seiner Zeit, drehte sich um Details und Belange der Bevölkerung seines Landes. Und wenn er mit einem anderen Staatsoberhaupt oder einem offiziellen Vertreter eines anderen Staates sprach, dachte er immer daran, wie man gemeinsame Interessen schaffen könnte, die sich positiv auf sein Volk auswirkten. er war ein echter und sehr charismatischer Führer. Und er war eine zutiefst aufrichtige Person.
Frage 18: Zuvor haben sie Chavez dämonisiert; und jetzt scheint Nicolas Maduro an der Reihe zu sein.
Präsident Dr. al-Assad: Klar, solange Präsident Maduro dieselbe patriotische Linie verfolgt, die Linie von Venezuelas Unabhängigkeit, und im besten Interesse seiner eigenen Landesbevölkerung handelt, ist es natürlich, daß er das erste Ziel der USA sein sollte. Das erklärt sich von selbst.
Frage 19: Wie stellt sich Bašâr al-Assad das Ende des Krieges vor?
Präsident Dr. al-Assad: Heutzutage ist, die ausländische Intervention in Syrien einmal beiseite gelassen, das Problem nicht kompliziert, da die Mehrheit der Syrer des Kriegs müde ist und eine Lösung will. sie wollen zurück zu Sicherheit und Stabilität. Es findet ein Dialog zwischen uns Syrern statt, es gibt Treffen und Leute leben wieder miteinander d.h. es gibt keine wirkliche Barriere. Das Problem ist jetzt, daß mit jedem Schritt, den wir auf eine Lösung und hin zur Wiedergewinnung von Stabilität unternehmen, die Terroristengangs mehr Geld und Waffen erhalten, um die Situation wieder aufzublähen. Daher sage ich immer, die Lösung sollte durch Stop der auswärtigen Terroristenunterstützung erfolgen. Soweit wir in Syrien betroffen sind, ist Rekonziliierung unter allen Syrern, das Vergeben und Vergessen all des im Krieg Vorgefallenen der Weg zur Wiedererrichtung von Sicherheit in Syrien. Dann kann man damit rechnen, daß Syrien viel stärker sein wird als es zuvor war.
Frage 20: Sind Sie bereit, Rekonziliation mit jenen durchzuführen, die die Waffen gegen syrische Bürger erhoben haben?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich, das findet bereits an vielen verschiedenen Orten statt; manche von denen haben schon Seite an Seite mit der syrischen Armee gefochten, einige sind so gefallen und etliche in ihre Städte zurückgekehrt und leben nun in dem Teil [Syriens] unter staatlicher Kontrolle. Wir haben kein Problem [damit]. Toleranz ist essentiell für die Beendigung eines jeden Krieges. Und wir machen Fortschritte auf diesem Weg.
Frage 21: Herr Präsident, was ist Ihre Botschaft an Latein-Amerika und die Welt?
Präsident Dr. al-Assad: Haltet an Eurer Unabhängigkeit fest! wir in der arabischen Welt feiern die Unabhängigkeit in mehr als einem Land. Doch diese Unabhängigkeit bedeutete für gewöhnlich in einer Anzahl Länder der Region nur den Abzug der Besatzungsmacht. doch wahre Unabhängigkeit besteht dann, wenn Ihr selbst als Nation die Entscheidung für Euch treffen könnt. Für uns war Latein-Amerika ein Modell der Unabhängigkeit in dem Sinn, daß die Besatzer abzogen, sofern es fremde Streitkräfte [im Land[ gab, doch zur selben Zeit die Nation die Entscheidung für sich selbst treffen konnte, Offenheit und Demokratie herrschte. Ihr habt der Welt ein bedeutsames Modell präsentiert. Also haltet daran fest! Denn wenn sich die Länder der Dritten Welt, die Entwicklungsländer entwickeln wollen, sollten sie dem in Latein-Amerika umgesetzten Modell folgen.
Journalist: Herr Präsident, danke dafür, daß Sie teleSUR dieses Interview gegeben haben und danke, daß Sie uns ihre kostbare Zeit gewidmet und uns all diese Informationen gegeben haben.
Präsident Dr. al-Assad: Danke für Ihr kommen und nochmals: ich heiße Sie in Damaskus willkommen.

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Ausschnitte der Präsidenten-Interviews mit RIA Novosti am 20.4.2017 und Sputnik vom 21.4.2017 sind unter http://de.spuniknews.com/archive/ auf Deutsch nachzulesen. Sie fassen Inhalte jüngster Interviews zusammen.

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit AFP vom 13.4.2017
http://sana.sy/en/?p=104255 (inklusive Video in originaler englischer Sprache mit arabischen Untertiteln)

Interview vom 13.4.2017, Photo: SANA

Interview vom 13.4.2017, Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, als Erstes möchte ich Ihnen sehr dafür danken, daß Sie mich für dieses Interview empfangen. Herr Präsident, gaben Sie letzten Donnerstag Order, Ḫân Šaiḫûn mit Chemiewaffen anzugreifen?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich hat bis zu diesem Moment niemand untersucht,  was an jenem Tag in Ḫân Šaiḫûn vorgefallen ist. Wie Sie wissen, befindet sich Ḫân Šaiḫûn unter Kontrolle von Ğabhatu_n-Nuṣra, welche ein Ableger von al-Qâʽida ist; die einzige Information, die die Welt bis zu diesem Moment hat, ist demnach vom  al-QâʽidaAbleger publiziert. Niemand verfügt über andere Informationen.  Wir wissen nicht, ob die ganzen Bilder und Videos, die wir gesehen haben, wahr oder fabriziert sind. Daher forderten wir eine Untersuchung über das Vorgefallene in Ḫân Šaiḫûn an. Das als Erstes. Zum Zweiten sprachen die al-Qâʽida-Quellen davon, daß sich der Angriff um 6.30 Uhr am Morgen ereignete, während der syrische angriff im selben Areal um Mittag 11.30 bis 12.00 Uhr stattfand.  Sie sprechen also von zwei verschiedenen Geschichten bzw. Vorfällen. Also nein, es gab keinen Befehl für irgendeinen [solchen] Angriff; wir haben keine Chemiewaffen, wir haben unser Arsenal vor einigen Jahren aufgegeben [s. Teil I]. Selbst wenn wir sie hätten, würden wir sie nicht einsetzen – wir haben niemals in unserer Geschichte unsere chemisches Arsenal eingesetzt.
Frage 2: Was geschah also an diesem Tag?
Präsident Dr. al-Assad: Wie ich sagte, die einzige Quelle stammt von al-Qâʽida, die wir nicht als ernsthafte ansehen können. Doch unser Eindruck ist, daß der Westen, hauptsächlich die USA, mit den Terroristen Hand in Hand arbeiten. Sie fabrizierten die gesamte Geschichte, um einen Vorwand für den Angriff [auf aš-Šaʽîrât] zu haben. Der Angriff erfolgte nicht wegen des Vorfalls in Ḫân Šaiḫûn. Es ist ein Vorkommnis, Stadium eins des Spiels, das wir in den sozialen Netzwerken und im Fernsehen sahen wie die Propaganda; und Stadium zwei ist der militärische Angriff. Das, denken wir, hat sich abgespielt, da nur wenige Tage – zwei Tage, 48 Stunden – zwischen der Inszenierung und den Angriffen lagen. Und keine Untersuchungen, keine konkreten Beweise über irgend etwas [gab es], das einzige waren Behauptungen und Propaganda und dann der [Militär]schlag.
Frage 3: Wer ist also Ihrer Meinung nach verantwortlich für die vorgebliche Chemieattacke?
Präsident Dr. al-Assad: Die Behauptung an sich stammte von al-Qâʽida,  Ğabhatu_n-Nuṣra; demnach brauchen wir nicht nach dem „wer“  zu fragen;  sie machten es publik, es befindet sich unter ihrer Kontrolle, unter keiner anderen. Bezüglich der Attacke ist, wie ich sagte, nicht klar, ob sie sich ereignet hat oder nicht; wie sollte man ein Video verifizieren können? Wir haben jetzt eine Menge an fake-Videos und Sie haben die Beweis dafür, daß es sich dabei um fake-Videos handelt wie z.B. von den White Helmets; die gehören zu al-Qâʽida, zu Ğabhatu_n-Nuṣra, sie schoren nur ihre Bärte, setzten sich weiße Hüte auf und erschienen sich als humanitäre Helden, was nicht der Fall ist. Dieselben Leute töten syrische Soldaten und Sie haben sowieso den Beweis im Internet. Ebenso steht es demnach um die Chemieattacke; wir wissen nicht, ob jene toten Kinder in Ḫân Šaiḫûn getötet worden sind. Waren sie überhaupt tot? Wer beging den Angriff, falls es überhaupt einer war. Was ist die Substanz? Man hat überhaupt keine Information [in der Hand], überhaupt keine, keiner hat´s untersucht.
Frage 4: Sie halten es also für eine Fabrikation?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, zu 100% ist das für uns eine Fabrikation. Wir haben kein Arsenal, wir nutzen keines. Und man hat viele Indizien, wenn nicht Beweise, da niemand eine konkrete Information oder Nachweise hat, doch man hat Anzeichen. Z.B. rückten die Terroristen vor weniger als zwei Wochen, ca. zehn Tage vor jener Attacke, an vielen Fronten vor, einschließlich [im Gebiet] der Vorstädte von Damaskus und Ḥamâ, welche nicht weit entfernt von Ḫân Šaiḫûn sind  – gesetzt den Fall, wir hätten dieses Arsenal, und lassen Sie uns annehmen, wir wollten es nutzen, warum nutzten wir es nicht, als wir uns zurückzogen und die Terroristen im Vorrücken waren? Tatsächlich fand die Attacke jedoch statt, als die SAA sehr schnell im Vorrücken und die Terroristen am Zusammenbrechen waren Also: warum sie zu jenem Zeitpunkt benutzen, wenn man sie hat und benutzen will, und nicht, wenn man sich in einer schwierigen Situation befindet ? – rein logisch betrachtet. Das als Erstes.
Zweitens, wenn man sie nutzen will, sofern man sie hat und einsetzen möchte – nochmals, das ist hypothetisch – warum sollte man sie gegen Bürger einsetzen und nicht gegen die Terroristen, die man bekämpft.
Drittens haben wir in jenem Sektor keine Armee, es gibt dort keine Gefechte, gar keine, nehmen wir  etwa Ḫân Šaiḫûn als Objekt, es ist nicht einmal strategisch von Bedeutung. Warum es also angreifen? Mit welchem Grund? Militärisch gesehen, da ich vom militärischen Aspekt spreche. Sicher ist der Grund für uns ein moralischer, wir würden es nicht tun, selbst wenn wir [die C-Waffen] hätten, wir hätten nicht den Willen dazu, weil es moralisch nicht akzeptabel ist. Wir hätten [dann] auch keinen öffentlichen Rückhalt. Demnach stehen alle Indizien gegen die ganze Geschichte. Man kann also sagen, daß dieses Stück, das sie inszenierten, sich nicht zusammenfügt.  Die Geschichte überzeugt in keiner Weise.
Frage 5: Mit den US-Luftangriffen scheint Trump seine Haltung Syrien gegenüber drastisch geändert zu haben. Haben Sie das Gefühl, etwas verloren zu haben, was Sie einen potentiellen Partner nannten?
Ich sagte: „falls“. Es war konditional. Falls Sie ernsthaft im Counterterrorismus sind, werden wir Partner sein – und ich sprach nicht nur über die USA; wer auch immer  die Terroristen bekämpfen will, ist unser Partner. Das ist fundamental für uns, ein Basisprinzip sozusagen. Tatsächlich gehen sie – wie ich zuvor ansprach und kürzlich erwiesen – Hand in Hand mit mit jenen Terroristen: die USA und der Westen; sie bekämpfen den Terrorismus nicht ernsthaft; gestern erst verteidigten einige ihrer Staatsmänner den IS.  Sie sagten, der IS besitze keine C-Waffen. Sie verteidigen den IS gegen die syrische Regierung und die SAA. Demnach kann man tatsächlich nicht von Partnerschaft zwischen uns, die gegen die Terroristen vorgehen und den  Terrorismus bekämpfen, und den anderen, die explizit die Terroristen unterstützen, nicht sprechen.
Frage 6: Kann man demnach sagen, daß der US-Schlag Ihre Meinung über Trump geädert hat?
Präsident Dr. al-Assad: Ohnehin war ich im Ausdruck meiner Meinung über ihn, bevor er Präsident wurde und danach, sehr vorsichtig. Ich sagte immer: lassen Sie uns anschauen, was er tun wird; wir kommentierten keine Statements. Tatsächlich ist das der erste Beweis, daß es in den USA nicht um den Präsidenten geht; es geht um das Sytem und den „tiefen Staat“  bzw. das tiefe Regiment der USA ist noch dasselbe, es hat sich nicht geändert. Der Präsident ist nur einer der Akteure im Theater; wenn er ein Führer sein möchte, kann er es nicht – da manche ja sagten, er wolle ein Führer sein, Trump wolle ein Führer sein – doch jeder Präsident dort, nimmt, sofern er ein echter Führer sein will, hinterher alles zurück, schluckt seinen Stolz hinunter, sofern er überhaupt einen hat, und macht eine 180°-Umkehr, ansonsten würde er in politischer Hinsicht den Preis bezahlen.
Frage 7: Doch denken Sie, es wird einen weiteren Angriff geben?
Präsident Dr. al-Assad:  Solange die USA von diesem militärischen Industrie-Komplex, den Finanzgesellschaften, Banken und was man das „tiefe Regime“ nennt, regiert werden, und für die eigensüchtigen Interessen jener Gruppen arbeiten, ganz klar. Es könnte jeder Zeit passieren, überall, nicht nur in Syrien.
Frage 8: Und Ihre Armee bzw. die Russen werden zurückschlagen, falls das passiert?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie tatsächlich über Vergeltung sprechen wollen, [muß man sich klar sein] über Marschflugkörper zu sprechen, welche aus hunderten von Meilen [Entfernung] kommen, was außerhalb unserer Reichweite liegt. Doch er wahre Krieg in Syrien hat nichts mit jenen Marschflugkörpern zu tun. Es geht dabei um Terrorismusunterstützung. Das ist der gefährlichste Teil dieses Krieges, und unsere Antwort wird die sein, die wir vom ersten Tag an geben: es ist die Vernichtung der Terroristen überall in Syrien. Wenn wir die Terroristen los werden, sorgt uns zu jener Zeit nichts anderes mehr. Demnach ist das unsere Antwort. Es ist eine Antwort, keine Reaktion.
Frage 9: Also sagen Sie, Vergeltung durch die SAA bzw. die Russen wäre sehr schwierig, da „die Boote weit ab liegen“ [das jenseits der Möglichkeit liegt]?
Präsident Dr. al-Assad: Für uns als kleines Land  ja, da gilt das freilich; jeder weiß das.  Das liegt außer unserer Reichweite. Schließlich können sie Marschflugkörper von einem andern Land einsetzen. Das wissen wir alle. Sie sind eine Großmacht, wir nicht. Über die Russen zu sprechen, ist wieder etwas Anderes.
Frage 10: Würden Sie das, was die OPCW in ihren Untersuchungen herausfindet, akzeptieren?
Präsident Dr. al-Assad: Seit frühestem Beginn an, als im Jahr 2013 – denke ich – die ersten Angriffe durch die Terroristen mit Chemiekampfstoffen bestückten Raketen  auf die SAA zu jener Zeit erfolgten, baten wir um Untersuchung [des Vorfalls; vgl. Teil I]. Wir waren diejenigen, die jedes Mal nach einer Chemieattacke oder der Behauptung diesbezüglich Untersuchungen verlangten. Wir baten darum.  Und derzeit diskutierten wir mit den Russen gestern und während der letzten paar Tage nach dem Angriff, daß wir mit ihnen bzgl. einer internationalen Untersuchung an die Arbeit gehen. Doch sollte sie unparteiisch sein. Wir können nur Untersuchungen erlauben, wenn sie unparteiisch sind, wenn sichergestellt ist, daß unparteiische Länder an dieser Delegation teilnehmen, um sicherzustellen, daß sie [die Untersuchenden] sie [die Untersuchungsergebnisse] nicht für politisierende Zwecke einsetzen [d.h. mißbrauchen].
Frage 11: Und, falls sie die Regierung beschuldigen, würden Sie zurücktreten?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn sie sie beschuldigen oder ihr etwas nachweisen? Das ist ein großer Unterschied. Nein, sie beschuldigen schon die Regierung, und wenn Sie mit „denen“ den Westen meinen, nein, über den Westen machen wir uns keine Sorgen. Falls Sie die Chemie-Behörde [d.i. die OPCW] meinen, daß die nachweisen könnte, daß es eine Attacke gegeben habe, dann hätten wir herauszufinden, wer die Order zum Angriff gab. Doch zu 100%, von der SAA gesprochen, haben wir keine Mittel, um solch eine Attacke auszuführen und können keine ausführen – selbst wenn wir wollten, könnten wir nicht, und: wir haben nicht den Willen dazu.
Frage 12:  Sie meinen also, Sie haben keine Chemiewaffen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, definitiv nein. Vor einigen Jahren, 2003, haben wir unser ganzes Arsenal aufgegeben und die OPCW gab bekannt, daß Syrien frei von irgendwelchem chemischen [Kriegs-]Material ist.
Frage 13:  Das Pentagon sagt ja, auf der Luftwaffenbasis seien Chemiewaffen [gewesen], Sie verneinen das?
Präsident Dr. al-Assad: Sie griffen jene Luftwaffenbasis an und sie zerstörten die Depots mit unterschiedlichen Materialien und das war kein Saringas. Wie [ist das möglich?] Wenn sie doch behauptet haben, wir hätten von jener Luftwaffenbasis aus die Sarin-Attacke geführt, was ist dann mit dem Syriengas während des Angriffs auf die Depots passiert? Haben wir irgend etwas von Sarin vernommen? Unser Stabschef war wenige Stunden später dort; wie konnte er dorthin, wenn dort Saringas  war? Wie konnte es „nur“ sechs Opfer geben, wenn dort hunderte an Soldaten und Offizieren dort arbeiten; doch es habe dort  Saringas [gegeben] und sie starben nicht daran? [Es verhält sich wie mit] denselben fabrizierten Videos, die wir über Ḫân Šaiḫûn gesehen haben, als die Helfer den Opfern bzw. den vorgeblichen toten oder betroffenen Leuten zu helfen versuchten, doch tatsächlich keine keinerlei [Schutz-]Masken und Handschuhe trugen. Wie [geht das?] Wo war da das Sarin? Sie hätten etwas abkriegen müssen, auf der Stelle. Also ist alles nur Behauptung. Meiner Meinung nach ist dieser Angriff und sind diese Behauptungen ein weiterer Beweis, daß hier etwas fabriziert wurde und es nirgendwo Sarin gab.
Frage 14:  Wenn Sie sagen, daß Sie keinen Befehl gegeben haben,  ist es möglich, daß die Chemieattacke durch ein skrupelloses oder Randelement von der Armee ausgeführt worden sein könnte?
Präsident Dr. al-Assad: Selbst wenn man ein skrupelloses Element hätte, hat die Armee keine chemischen Substanzen. Das zum Ersten. Zweitens, eine skrupellose Armee kann kein Flugzeug nach deren Willen abschicken. Es ist ein Flugzeug, kein kleines Fahrzeug, um es vom einen zum anderen Ort zu bringen, oder ein kleines Maschinengewehr, um es einzusetzen. Man kann jemanden fragen, der seine Pistole für eigenen erwünschten Belange benutzt und das Recht gebrochen hat,  das könnte irgendwo in der Welt passieren, aber nicht mit einem Flugzeug., Das als Zweites.
Drittens, die SAA ist eine reguläre Armee, sie ist keine Milizarmee. Sie ist eine reguläre Armee, sie besitzt eine Hierarchie, sie hat eine sehr klare Befehlskette; demnach gab es so eine Art von „rabiatem Personal, das etwas gegen den Willen der Armeeführung unternehmen will“ die letzten sechs Kriegsjahre in Syrien nicht.
Frage 15:  Warnten die Russen Sie vor der US-Attacke? Und waren sie auf der Luftwaffenbasis präsent?
Präsident Dr. al-Assad:  Nein, sie warnten uns nicht, da sie nicht die Zeit dazu hatten, denn die Amreikaner riefen sie in etwa nur wenige Minuten vor dem Abschuß an.
Frage 16:  Bestätigen Sie, daß 20% Ihrer Luftwaffenbasis in diesem Angriff zerstört worden sind, wie die Amerikaner sagten?
Präsident Dr. al-Assad: Ich kenne die Kriterien nicht, was ist die Referenz für die 20%, was sind für die 100%? Ist es die Zahl der Flugzeuge? Ist es qualitativ? Denn wenn man irgend ein Ziel in Bezug auf die Terroristen angreift, weiß man nicht, was sich darin befindet. Geht es, wie soll man sagen, um die aktiven und die abgestellten Flugzeuge? Ich weiß nicht, was sie damit meinen. Nein, was wir und die Russen über ein paar zerstörte Flugzeuge bekanntgaben, betraf  meistens alte, einige waren sowieso nicht aktiv. Das ist die Realität, und der Beweis dafür ist, daß wir seit dem Angriff nicht aufgehört haben, die Terroristen in ganz Syrien anzugreifen. Demnach fühlten wir uns nicht direkt beeinträchtigt. Unsere Feuerkraft, unsere Angriffsfähigkeit den Terroristen gegenüber wurde durch den Angriff nicht geschmälert.
Frage 17:  Sie wissen, Ihre Regierung sagte zu Beginn, man habe ein Chemiewaffenlager getroffen. Ist das wahr?
Präsident Dr. al-Assad: Das war eine Möglichkeit, denn wenn man irgendein Ziel in Bezug auf die Terroristen angreift, weiß man nicht, was sich darin befindet. Man weiß, daß es das Ziel ist; es könnte ein Lagerhaus sein, ein Warenhaus, ein Depot, es könnte ein Camp sein, ein Hauptquartier, wir wissen es nicht. Man weiß aber, daß die Terroristen diese Örtlichkeit benutzen und so greift man es an wie irgendeine andere Örtlichkeit. Das ist es, was wir seit Beginn des Krieges täglich, manchmal stündlich tun; doch man kann nicht sagen, was drin ist. Also war das eine der Möglichkeiten, daß die Luftschläge ein Depot mit chemischen Substanzen trafen, doch das steht in Widerspruch zum Timing der Ankündigung, wie schon gesagt, denn nicht bloß die Terroristen brachten die Meldung am Morgen, sondern deren Medien, deren Seiten auf Twitter und im Internet machten den Angriff publik wenige Stunden vor dem vermeintlichen von  4.00 am Morgen, 4.00 am Morgen! Sie gaben an, es stehe ein chemischer Angriff bevor, wir sollten bereitstehen.  Wie wußten die davon?
Frage 18:  Sehen Sie nicht Ḫân Šaiḫûn als riesigen Rückschlag für Sie? Zum ersten Mal seit sechs Jahren greifen die USA Ihre Armee an und gestern, nach einem kurzen Honeymoon  sagte gestern Tillerson, daß die Herrschaft der Assad-Familie zum Ende komme; denken sie da nicht, daß  Ḫân Šaiḫûn als riesiger Rückschlag für Sie ist?
Präsident Dr. al-Assad: Es gibt sowieso keine Herrschaft der Assad-Familie in Syrien. Er träumt oder – sagen wir einmal – er halluziniert, daher vertun wir keine Zeit mit diesem Statement. Die Realität ist das nicht, nein.
Tatsächlich waren die USA während der letzten sechs Jahre direkt durch die Unterstützung der Terroristen überall in Syrien involviert, einschließlich des IS, einschließlich Ğabhatu_n-Nuṣra, einschließlich all der anderen ähnlich gesinnten Fraktionen in Syrien; dies ist klar und dies ist in Syrien erwiesen. Wenn Sie indessen über die direkten Angriffe sprechen wollen, nur vor wenigen Monaten gab es tatsächlich einen gefährlicheren Angriff als den kürzlichen, kurz bevor Obama aus dem Amt trat, ich denke, es waren ein paar Wochen vor seinem Ausscheiden, es war in Dair az-Zaur im östlichen Teil Syriens, als sie einen strategisch sehr bedeutsamen Bergrücken angriffen; es war eine syrische Basis, eine reguläre syrische Armeebasis und sie halfen dem IS, diesen Bergrücken [d.i. aṯ-Ṯarda]; und wenn die SAA nicht widerstandsfähig und entschlossen genug gewesen wäre, um den IS zurückzutreiben, wäre die Großstadt Dair az-Zaur nun in den Händen den IS, was eine direkte Verbindung zwischen Dair az-Zaur undMossul im Irak bedeutet hätte, was eins hervorragende strategische Errungenschaft für den IS gewesen wäre.  Demnach [als Antwort auf die Frage:] tatsächlich nein, die [US]-amerikanische  Regierung war direkt involviert. Doch warum griffen sie zu der Zeit direkt an? Da, wie ich sagte, die Terroristen in jenem Gebiet gerade am Kollabieren waren. Damit hatten die USA keine andere Wahl zur Unterstützung ihrer Erfüllungsgehilfen, der Terroristen, als die SAA direkt anzugreifen, da sie denen [den Terroristen] alle Arten an Bewaffnung geschickt hatten und es trotzdem nicht funktionierte.
Frage 19:  Demnach ist das für Sie kein großer Rückschlag?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, es gehört tatsächlich in den sechsjährigen  Kontext; da gab es verschiedenen Formen, doch das Herz der [US-]amerikanischen und der westlichen Politik gegenüber den Vorgängen in Syrien hat sich überhaupt nicht geändert. Vergessen Sie die Statements! Manchmal haben wir hochgestimmte, manchmal niedrig gestimmte Statements, doch es ist dieselbe Politik.
Frage 20:  Sie haben graduell die meisten Rebellen nach Idlib geschafft, planen Sie, die [Stadt]als nächstes anzugreifen?
Präsident Dr. al-Assad: Wir greifen Terroristen überall in Syrien an, in Idlib oder sonstwo. Was das Timing, die Priorität anbelangt, ist das eine militärische Sachfrage und sollte auf militärischer Ebene diskutiert werden.
Frage 21:  Sie sagten zuvor, daß ar-Raqqa eine Priorität für Ihre Regierung darstelle, doch die Kräfte, die auf die Stadt zurücken, sind hauptsächlich US-unterstützte Kurden; befürchten Sie nicht, von der Befreiung ar-Raqqas ausgschlossen zu werden?     
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir unterstützen wen auch immer, der irgend eine Stadt von den Terroristen befreien möchte; doch das heißt nicht, von den Terroristen befreit, aber von den US-Streitkräften besetzt zu sein, z.B., oder von anderen Erfüllungsgehilfen oder anderen Terroristen. Es ist also nicht klar, wer daran geht, ar-Raqqa zu befreien.  Sind es tatsächlich syrische Streitkräfte, die die Stadt (it) der SAA überantworten? Geschieht es in Kooperation mit der SAA? Das ist noch nicht klar. Doch was wir hören, sind nur Behauptungen über die Befreiung von ar-Raqqa. Das hören wir nun fast ein Jahr oder weniger als ein Jahr lang, doch nichts tut sich am Boden. Demnach ist das sozusagen nur eine hypothetische Frage, da sich am Boden nichts Konkretes tut.
Frage 22:  Die USA und Rußland sind die Co-Sponsoren des Genf-Prozesses. Denken Sie, dieser Prozeß kann wegen der spannungen zwischen beiden Ländern fortdauern?
Präsident Dr. al-Assad: Schauen Sie, da gibt es einen großen Unterschied zwischen dem aktiven Prozeß, der jederzeit in die Reaktivierungs- und Effizienzphase eintreten kann. Bis zu diesem Moment ist er nicht effektiv. Warum? Weil die USA nicht ernsthaft an einer politischen Lösung arbeiten. Sie versuchen ihn als Schirm für die Terroristen zu nutzen oder sie wollen in dieses Forum kommen, das ie am Boden des Schlachtfelds nicht erreichen. Deshalb war er [bislang] überhaupt nicht effektiv.  Nun liegt dieselbe Situation vor, wir sehen nicht, daß die gegenwärtige Administration ernsthaft in dieser Hinsicht vorgeht, da sie immer noch die Terroristen unterstützen. Somit können wir feststellen: ja, er kannreaktiviert werden, doch wir können nicht sagen, daß er effektiv oder produktiv sei. Nein.
Frage 23: Herr Präsident, sind Sie nach sechs Jahren nicht müde?
Präsident Dr. al-Assad:
Das, was tatsächlich allein Druck auf einen ausüben kann, ist  nicht die politische Situation, nicht die militärische, es ist tatsächlich die menschliche Situation in Syrien: das täglich Blutlassen, Blutvergießen, das Leiden und die Drangsal, die jedes Haus in Syrien trifft, das ist das einzig Peinvolle, das einen sich müde fühlen lassen könnte, falls „müde“ der  richtige Ausdruck   dafür wäre; doch während die Rede vom Krieg, der Politik, der Beziehung zum Westen ist … nein, da fühle ich mich überhaupt nicht müde, da wir unser Land verteidigen und in dieser Hinsicht werden wir überhaupt nicht müde.
Frage 24: Was läßt Sie nicht schlafen?
Präsident Dr. al-Assad: Nochmals: das Leiden der syrischen Bevölkerung. Die humanitäre Interaktion zwischen mir und einer jeden syrischen Familie – direkt oder indirekt – dies ist das Einzige, das mich von Zeit zu Zeit vom Schlaf abhalten kann, doch nicht die westlichen Statements und die Drohung der Terroristenunterstützung.
Frage 25: Heute wollen Leute von al-Fûʽa und Kafarayâ aus ihren Dörfern nach Damaskus und Aleppo. Fürchten Sie nicht, daß es in der Tat eine Bevölkerungsverschiebung wird , daß Syrien nach dem Krieg nicht dasselbe sein wird wie zuvor?
Präsident Dr. al-Assad: Die Bevölkerungsumsiedlung in jenem Kontext ist zwingend. Wir suchtenn sie uns nicht aus. Wir möchten, daß jeder in seinem Dorf, in seiner Stadt bleiben könnte; doch jene Leute wie viele andere Bürger in verschiedenen Gegenden sind umgeben und belagert von Terroristen; sie wurden tagtäglich getötet, daher mußten sie [ihren Ort] verlassen. Doch sicherlich kehren sie in ihre Städte nach der Befreiung [von den Terroristen] zurück; das passiert in vielen anderen Gegenden, wo die Leute auch in ihre Heime zurückkehren. Es ist also nur vorübergehend. Über Bevölkerungsverschiebungen (demographic changes) zu sprechen, ist nichtim Sinne oder Interesse der syrischen Gesellschaft, wenn es sich um Permanenz dabei handelt. Solange es vorübergehend ist, sollten wir uns nicht darum sorgen.
Journalist: Herr Präsident, ich möchte Ihnen sehr für dieses Interview danken.
Präsident Dr. al-Assad: Danke Ihnen.
Journalist: Es war sehr interessant und danke dafür, daß Sie mit mir gesprochen haben.
Präsident Dr. al-Assad: Danke.

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit der mit der kroatischen Zeitung Vecernji List

vom 6.4.2017 http://sana.sy/en/?p=103658

Interview vom 6.4.2017, Photo: SANA

Interview vom 6.4.2017, Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, wir befinden uns nun bereits im sechsten Jahr des Syrienkrieges. Gibt es nach den kürzliche erzielten Siegen der SAA in Aleppo und Tadmur (Palmyra) und den vor sich gehenden Rekonziliierungen einen Hoffnungsschimmer für ein Ende des Syrienkriegs?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, denn ohne Hoffnung hätten weder das Land, noch die Bevölkerung, noch der Staat sechs Jahre eines äußerst grausamen Krieges, unterstützt durch dutzende regionaler und westlicher Länder, darunter die reichsten und mächtigsten Länder der Welt, widerstehen können. Ohne Hoffnung bestünde kein Wille. Doch die Frage ist, wie diese Hoffnung in die Realität umzusetzen ist.  Dies ist insoweit möglich durch zwei praktische Herangehensweisen: zuerst  steht der Counterterrorismus abgesehen von den verschiedenen Namen und Kategorien, die den Terrororganisationen gegeben wurden; zum Zweiten durch das Erreichen von Rekonziliationen mit all denen, die ihre Waffen niederlegen und in ihr normales Leben zurückkehren und sich ihrem Land wieder anschließen wollen. Es hat Fortschritte an beiden Fronten gegeben, bei der Terrorismusbekämpfung und dem Erreichen von Rekonziliationen. Daher sage ich, es besteht nun mehr Hoffnung als in den vergangenen Jahren.
Frage 2: Bei den kürzlich in Astana und nun in Genf geführten Verahandlungen gehörten die meisten Unterhändler der anderen Seite zur Opposition, welche sich auf Wahhâbiten, Salafit(s)ten und Ğihâdisten stützt. Warum verhandeln zunächst einmal sie mit diesen Leuten ? Und gibt es tatsächlich eine moderate Opposition, wie von den Medien beschrieben?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist eine sehr wichtige Frage, denn westliche Amtsträger, vor allem der frühere US-Präsident Obama, sagten, die moderate Opposition sei eine Illusion oder Phantasie. Das ist die deren Aussage, die Aussage derer, die jene Opposition unterstützen  und ihr den falschen Titel „moderat“ gaben. Also existiert diese moderate Opposition nicht. Die Opposition, die existiert, ist eine Ğihâdisten-Opposition, freilich im pervertierten Sinn muğâhid. Sie ist indoktriniert im pervertierten Sinn, der keinerlei Dialog akzeptiert, nur Terrorismus als Lösung.
Daher können wir praktisch gesehen kein aktuelles Resultat mit diesem Teil der Opposition erreichen. Der Beweis ist, daß sie während der Astana-Verhandlungen ihre Attacke auf die Städte Damaskus, Ḥamâ und andere Teile Syriens starteten, in Wiederholung des Terrorismus-Kreislaufs und des Tötens Unschuldiger. Diese Opposition – in Anführungszeichen, da man sie nicht Opposition nennen kann – diese Terroristen können keine Opposition sein und eine Lösung zu erlangen helfen. Von dem abgesehen sind diese Terroristen selbst den Agenden ausländischer Staaten verbunden. Sie gehören nicht zu einer gewissen Strömung oder Bewegung unter der syrischen Bevölkerung, die nach einer politischen Reform oder einer gewissen Lösung sucht, weder vor noch während des Krieges. Ein anderer Teil dieser Gruppen mag politisch wirken in dem Sinne, daß sie keine Waffen tragen, doch sie unterstützen Terrorismus. Ein dritter Teil ist saudischen, türkischen und westlichen Agenda verbunden.
Frage 3: Warum verhandeln Sie mit denen?
Präsident Dr. al-Assad: Wir tun das, weil zu Anfang viele Leute nicht glaubten, daß diese Gruppen ihre Waffen niederlegen würden zugunsten einer politischen Aktion. Daher gingen wir daran, es all jenen nachzuweisen , die Zweifel über diese Gruppen hinsichtlich ihres Engagements in der Politik hegten und meinten, jene seien Terroristen im Herzen und würden es bis zum Ende bleiben.
Frage 4: Die Welt hat dem Terrorismus den Krieg erklärt. Glauben Sie dieser Aussage und worin besteht deren Umsetzung heute, oder könen wir sagen, daß es allein Syrien ist, welches heutzutage den Terrorismus bekämpft?
Präsident Dr. al-Assad: Die Welt, die diese Erklärung abgab, bestand praktisch aus den westlichen Staaten, welche ihrerseits den Terrorismus unterstützen. Die meisten Länder der Welt sind gegen Terrorismus. diese geben keine solche Erklärung ab, doch kooperieren sie praktisch mit uns auf dem einen oder anderen Weg währen des Krieges und davor, weil der Terrorismus nicht erst mit dem Krieg gegen Syrien entstand. Terrorismus existiert schon immer in der Welt und hat sich weiter ausgebreitet infolge verschiedener Krieg im Nahen Osten. Doch die westlichen Staaten, welche den dem Terrorismus den Krieg erklärten, unterstützen weiterhin den Terrorismus bis zum jetzigen Zeitpunkt. Sie bekämpfen ihn nicht. Er wird nur im Namen des heimischen Konsums benutzt. Factum ist, daß sie den  Terrorismus als Karte ausspielen, um verschiedene politische Agenden zu erreichen, sogar dann, wenn der Terrorismus zurückschlägt und seine Opfer in deren eigenen Ländern fordert. Doch dieses Factum ignorieren sie.
In Syrien bekämpft den Terrorismus im Grunde die Syrisch-Arabische-Armee (SAA). Das ist nicht nur eine Behauptung, sondern dies wird durch Fakten am Boden bewiesen. Die SAA konnte diese Erfolge im Counterterrorismus erzielen dank des Willens der syrischen Kämpfer an erster Stelle und dank der Volksunterstützung. Ohne Volksunterstützung ist es unmöglich, solche Siege zu erlangen. Allerdings gab es auch sehr starke Unterstützung durch unsere Alliierten, seien es der Iran, Rußland oder die Ḥizbullâh aus dem Libanon.
Frage 5: Repräsentiert die SAA alle religiösen Strömungen (sects), Ethnien und minoritäten von Syrien?
Präsident Dr. al-Assad:  Natürlich, das erklärt sich von selbst. Eine Armee, die nur einen Teil der syrischen Bevölkerung repräsentierte, könnte keinen Krieg, der syrienweit stattfindet, gewinnen. Das ist selbstverständlich, egal wie das im Westen [erg.: abweichend von der Realität] dargestellt wird. Zu Beginn des Kriegs benutzten die Terroristen selbst bzw. die Syrien-feindlichen Medien im Westen und unserer Region Begriffe derart, als ob es sich dabei um eine Auseinandersetzung zwischen religiösen Strömungen handeln würde.  Diese Darstellung war im Westen sehr verbreitet.  Wäre das wahr gewesen, wäre Syrien von den ersten Monaten an in Teile zerfallen. doch das war nicht der Fall, es widerstand sechs Jahre als ein geeintes Volk. Es ist wahr, daß die Terroristen einige Areale kontrollieren, doch vom syrischen Staat kontrollierten Teile umfassen alle Teilspektren der syrischen Bevölkerung.  Wichtiger noch, sie beherbergen [sogar] einige Familien der Terroristen und die Leute, die aus den von den Terroristen kontrollierten Gebieten in die unter Regierungskontrolle stehenden geflohen sind. Wenn nicht die SAA und die hinter ihr stehende Regierung die gesamte syrische Bevölkerung repräsentieren würde, wäre es nicht möglich gewesen, dieses Abbild eines geeinten syrischen Volkes vor Augen zu haben.       
Frage 6: Herr Präsident, es gibt da eine Frage, die ich Ihnen stellen muß: wenn eine Geheimdient-Kooperation bestanden hätte zwischen der syrischen Regierung und den europäischen Staaten, hätten wir terroristische Operationen, wie sie Frankreich, Belgien etc. heimgesucht haben, vermieden? Ich stelle diese Frage, da nach den terroristischen Operationen in Paris der frühere Chef des französischen Geheimdienstes sagte, Sie hätten denen Namen und Dokumente über die Terroristen dargeboten, doch jene hätten sie zurückgewiesen. Weigerten die sich tatsächlich, sie anzunehmen? Und gab es eine Kooperation, wären wir in der Lage gewesen, diese terroristischen Operationen [erg.: so] zu vermeiden?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, vermutlich sprach er über Kooperation vor dem Krieg, da nach dessen Beginn und aufgrund der französischen Position, die die Terroristenunterstützung vorsah, Syrien die Zusammenarbeit auf der geheimdienstlichen Ebene mit jenen Ländern einstellte; geheimdienstliche Zusammenarbeit und politische Feindseligkeit kann ja nicht gleichzeitig nebeneinander existieren. Da sollte es politische Übereinstimmung auf der einen Seite und eine solche auf anderen Gebieten geben, einschließlich dem geheimdienstlichen.
[Auf die Frage] ob es möglich gewesen wäre, solche Attacken in Europa durch geheimdienstliche Zusammenarbeit zu verhindern, wäre die Antwort unter normalen Umständen „ja“. Doch unter den gegenwärtigen Umständen ist die Antwort „nein“, da Europa bzw. einige europäische Länder Terroristen in beträchtlichem Umfang unterstützen, zehntausende Terroristen nach Syrien schicken oder sie direkt bzw. indirekt unterstützen sei es logistisch, mit Waffen, Geld, politischer Deckung und allem anderen. Ist dieses Stadium der Terrorismusunterstützung erreicht – und wir sprechen über Zehn-, möglicherweise Hunderttausende in Syrien und den Nachbarländern – wird die geheimdienstliche Zusammenarbeit in so einem Fall begrenzt effektiv. Geheimdienstliche Kooperation richtet sich auf dutzende oder hunderte Individuen, kann aber nicht effektiv sein bei Zehn- oder Hunderttausenden an Terroristen
Wenn sich Europa in diesem Stadium selbst schützen will, sollte es zuerst die Terroristenunterstützung in Syrien einstellen. Vorausgesetzt, wir wollten mit denen zusammenarbeiten, können unter diesen [gegebenen] Umständen keine Resultate erzielt werden. Freilich würden wir das nicht tun, solange sie Terroristen unterstützen. sie sollten sofort aufhören, Terroristen in irgendeiner Form zu unterstützen.
Frage 7: Herr Präsident, ich möchte nach Kroatien  zurück gehen. 2009 besuchten Sie die kroatische Hauptstadt Zagreb und trafen kroatische Amtsträger. Zur selben Zeit las ich eine Stellungnahme Ihrer Exzellenz, in welcher Sie sagten, Kroatien sein ein befreundetes Land und die Kroaten ein brüderliches Volk etc. Halten Sie die Kroaten immer noch für Freunde Syriens, insbesondere nach dem Skandalbericht über Schiffslieferungen von Kroatien nach Washington und dann nach Saudi-Arabien und Jordanien, welche letztendlich in die Hände der Terroristen fielen?
Präsident Dr. al-Assad: Sicherlich. Die Kroaten sind befreundete Menschen und unsere Beziehungen Dekaden alt. wir sprechen da über eine Beziehung, die über Generationen geht und andauert. Wir halten nicht die Kroaten verantwortlich für die Fehler, die ihre Regierungen machen.
Noch wichtiger ist, wenn wir die öffentliche Meinung in Kroatien in Bezug auf die Vorgänge in Syrien betrachten, daß sie im Vergleich zu der anderer Länder während des Kriegs im allgemeinen näher am Verständnis dessen dran gewesen ist, was sich in Syrien abspielte, als viele andere europäische Bevölkerungen. Wäre diese Beziehung und Freundschaft keine aufrichtige gewesen, wäre es für die Kroaten schwierig gewesen, die Vorgänge in Syrien zu verstehen.
Daher möchte ich herausstellen, daß das, was vorgefallen ist bzgl. der Lieferung, welche die Terroristen erreicht hat, eine Errungenschaft der vorghergehenden kroatischen Regierung gewesen ist, womöglich aus finanziellen Interessen oder politischen der Art, den durch die großen westlichen Mächte ausgeübten Druck weiterzugeben. Doch, wie auch immer, sie [d.i. die früheren Amtsträger] verkauften die Interessen und Prinzipien der Kroaten im Gegenzug für Petrodollars oder im politischen Eigeninteresse jener Amtsträger.
Frage 8: Ist es möglich, die politischen und diplomatischen Beziehungen und vielleicht die ökonomischen wiederherzustellen, da Kroatien manches Interesse an Syrien hat?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, das ist freilich möglich. doch das hängt von den politischen Orientierungen der existierenden Regierungen [sic!] ab. Hat es politische Fehler gegeben, besonders solche durch die Vorgängerregierungen, ist es sehr einfach für die künftigen Regierungen oder die existierende, diese Politik wieder ins Lot zu bringen. wir bitten diese Regierungen um nichts außer , zuerst an die Interessen ihrer eigenen Bevölkerungen zu denken, und zum Zweiten an das Völkerrecht, welches vor allem auf der Souveränität anderer Länder beruht und der Nichteinmischung in deren innere Angelegenheiten. Wir haben niemals in unserer Geschichte, seit dem Start der Beziehungen zwischen uns und dem heutigen Kroatien, dem früheren Jugoslawien, irgendwelche Feindseligkeiten gegen diese Länder ausgeübt. Wir haben sie immer als Freunde angesehen. wie sieht die Rechtfertigung einer Regierung dafür aus, den Terroristen in Syrien Waffen zu liefern, die dazu dienen, unschuldige Syrer zu töten? Ich glaube nicht, daß es dafür eine Rechtfertigung gibt. und wir hoffen, daß die gegenwärtige Regierung dem [der Waffenlieferung] nicht zustimmt.
Frage 9: Es gibt eine große Anzahl von Ğihâdisten, die aus dem Balkan kommen. Haben Sie Informationen über deren Anzahl?          
Präsident Dr. al-Assad: Darüber gibt es keine genaue Information aufgrund der Existenz unseres türkischen Nachbarn, geführt vom kriminellen Erdogan, der all die negativen Umstände kreiert, die für die Unterstützung und Stärkung der Präsenz jener Terroristen in Syrien nötig sind. Das erlaubt uns keine Grenzkontrollen und in der Folge keine genauen Statistiken über die Anzahl der Terroristen, die kommen und gehen. Doch es geht nicht um die Nationalität dieser Terroristen, da Sie wissen, daß Terroristen die ganze Welt als einzige Arena ansehen. sie kümmern sich nicht um die nationale Ausdehnung oder politische Grenzen. Demnach rührt die Gefahr für Ihr Land bzw. für Europa generell nicht nur von Seiten europäischer Terroristen. Es ist wahr, daß ein Europäer gefährlicher sein kann, da er die Region im Detail kennt; doch kommt er in Begleitung anderer Terroristen aus anderen Ländern – Terroristen, die dieselbe Doktrin teilen, dieselben Bestrebungen, dieselben Ideen, um terroristische Aktionen in jenen Ländern auszuführen.  Wenn wir also über die Anzahl der Terroristen in Syrien sprechen, sprechen wir  sicher über Hunderttausende, zumindest über mehr als hunderttausend. Freilich kommen und gehen sie und manche werden im Gefecht getötet, doch so sieht unsere Schätzung bzgl. der Zahlen aus.
Frage 10: Herr Präsident, der Durchschnittsmensch in Europa oder der Welt frägt nach den Gründen dieser Attacke auf Syrien und die Versuche, Ihre Exzellenz zu Fall zu bringen. Und jeder spricht über die Reform, welche Sie eingeführt haben. Was ist der Grund hinter den Rufen nach Ihrem Sturz?
Präsident Dr. al-Assad: Der Grund ist alt simpel und klar: Jene westlichen Länder unter Führung der USA in hauptsächlicher Partnerschaft mit Großbritannien und Frankreich und unglücklicherweise einigen europäischen Ländern, die keine koloniale Vergangenheit haben, dulden keine unabhängigen Staaten oder ebenbürtige Beziehungen. Sie wollen Satellitenstaaten, welche deren politische Vorgaben umsetzen.
Selbstverständlich sind wir nicht gegen die gemeinsamen Interessen anderer Staaten und mit anderen Staaten, mit welchem Staat auch immer. Große Staaten haben Interessen in der ganzen Welt, und wir als Staat haben Interessen in der Region. Wir sind keine Supermacht, doch wenn wir basierend auf unseren Interessen mit solchen Staaten agieren, dann sollten die Interessen gemeinsame sein. Doch sie wollen, daß wir für deren Interessen entgegen der unseren agieren. Daher befinden wir uns beständig in einem Status des Kämpfens mit diesen Staaten um unsere Interessen. Zum Beispiel wollen wir den Friedensprozeß, während sie Unterwerfung statt Frieden wollen. Sie wollen für uns Frieden ohne Rechte, was nicht annehmbar. Sie wollen, daß wir unsere Souveränität aufgeben, uns unserer Anrechte begeben, die uns das Völkerrecht, die Sicherheitsratsresolutionen  und zahllose UN-Voten bzgl. der Rückerstattung unserer Gebiete zugestehen.  Das sind bloß Beispiele. Es gibt viele ähnliche Sachverhalte, derentwegen sie Syrien als zu unabhängigen Staat erachten. Daher dachten sie daran, den Krieg gegen Syrien zu entfachen und die gegenwärtige Regierung durch eine Klientelregierung zu ersetzen, mit der es einfacher und besser wäre, die eigensüchtigen Interessen durchzusetzen.
Frage 11: Hätten Sie den Frieden, oder wie es nannten, die Unterwerfung, akzeptiert, wäre dann in Syrien geschehen, was sich heute abspielt?
Präsident Dr. al-Assad:
Um über etwas Realistisches zu sprechen, möchte ich Ihnen ein Beispiel geben:  Wir wurden gefragt, an der Seite des Westens, der USA insbesondere, 2003 gegen den Irak inden Krieg zu ziehen. Uns war klar, daß der Irak-Krieg eine Abfolge von Ereignissen mit dem Ziel der Zerteilung der Region war. Und wir wußten sehr gut, daß die zuvor abgehaltenen Konferenzen von der Zukunft des Nachkriegsiraks insgesamt von einem konfessionell (geteilten) und keinem einheitlichen Irak handelten. Daher wußten wir, daß das, was sich im Irak ereignete, auch über Syrien und die ganze Region käme. Hätten wir an solche einem Vorhaben teilgenommen, wäre die Lage für Syrien noch viel schlimmer geworden als nach unserer Weigerung, uns daran zu beteiligen. Daher habe ich schon früher gesagt, daß der Preis für die Zurückweisung und en Widerstand viel weniger ist als der Preis für Unterwerfung und Übergabe. Das sagte ich wiederholt in der Vergangenheit und die Ereignisse in Syrien bewiesen diese Einschätzung. Was Syrien bis heute zu widerstehen half, war die Einigkeit. Wären wir der Vorgabe eines konfessionell (geteilten) Staates gefolgt nach irakischem oder libanesischem Modell , wie die Amerikaner es von uns wollten, wären wir ein in einem wahren Bürgerkrieg zerissenes Land. Der Bürgerkreig wäre nicht nur dem beschreibenden Begriff, sondern den Vorgängen nach Realität geworden.
Frage 12: Warum zahlen die Golfstaaten Geld und leisten den Terroristen Unterstützung, um die Regierung in Syrien zu stürzen?
Präsident Dr. al-Assad: Die meisten Golfstaaten sind Satellitenstaaten, die nicht wagen, „nein“ zu sagen.  Manche von denen sagen: „Wir unterstützen Dich, doch das können wir nicht so öffentlich sagen. Wir wünschen Dir den Sieg in Deinem Krieg und hoffen, Du mögest Syrien einig bewahren können und die Terroristen besiegen“, doch in der Öffentlichkeit sagen sie etwas ganz anderes, weil sie dem Willen des Westens gegenüber fügsam sind.  Die meisten Golfstaaten, wenn nicht alle von ihnen, sind zu einem gewissen Grad Kreationen der Briten und zu einem späteren Stadium den Amerikanern überantwortet worden. Daher können wir nicht dar über urteilen, warum sie das eine Mal dies und im Gegensatz dazu  das andere Mal jenes sagen.
Frage 13: Sie sprechen über die Einrichtung des Föderalismus in Syrien. Ist der möglich? Und stimmen Sie der Einrichtung des Föderalismus in Syrien zu?
Präsident Dr. al-Assad: Föderalismus ist eine Sache der Nation und ob er eingerichtet werden solle oder nicht, hängt von der Verfassung ab.  Die Verfassung wiederum bedarf eines Volksvotums. Daher können wir als Regierung nicht sagen, wir sind für oder gegen Föderalismus. Die Regierung und die ausführende Gewalt drücken [bloß] den Willen der Bevölkerung aus. Jedoch kann ich Ihnen die generelle Ansicht in Syrien wiedergeben: die Mehrheit der Syrer lehnen den Föderalismus ab, da er eine Vorform der Teilung ist. Es gibt keine Rechtfertigung für den Föderalismus, da die Syrer [nun einmal] in demselben Gefüge ohne Probleme seit Dekaden und Jahrhunderten miteinander leben sogar vor der Existenz eines syrischen Staates, sogar während und bevor dem osmanischen Staatsgefüge. Es gibt keine historischen Kriege zwischen den einzelnen Komponenten der syrischen Bevölkerung, welche die Behauptung bestätigten, daß diese religiösen Strömungen oder Ethnien nicht miteinander leben könnten. Demnach ist der Sachverhalt „Föderalismus“ ein gemachter entsprechend  dem Zweck, eine Situation wie [heute] im Irak [erst] zu schaffen. In dem Fall benutzen sie diesen oder jenen Teil des Staates, welcher ihnen stark vorkommt, um aus ihm einen schwachen Staat, eine schwache Regierung, ein schwaches Volk und ein schwaches Heimatland zu machen.
Frage 14: Die Türkei sandte Truppen nach Syrien und behält militärische Präsenz in Syrien. Warum ihrer Meinung nach?
Präsident Dr. al-Assad: Weil Erdogan all seine Hoffnungen auf den Sieg der Terroristen bis zur Schlacht um Aleppo gesetzt hat. Für ihn war es eine entscheidende Schlacht hinsichtlich der politischen, ökonomischen, geographischen und logistischen Bedeutung Aleppos. Das Unvermögen der Terroristen, ihre Position in der Stadt Aleppo beizubehalten als Ergebnis der Ablehnung der Bevölkerung als Teil der Bewohnerschaft der Stadt und der Provinz wie auch als Resultat der Erfolge der SAA brachten Erdogan dazu, sich direkt einzumischen, zumindest um sich einen Platz an der politischen Tafel zu sichern zu einer Zeit, als über die Zukunft Syriens geredet wurde. Er wollte gar Ğabhatu_n-Nuṣra und al-QâʽidaTerroristen ein Facelift verpassen, nachdem weltweit bekannt  geworden war, daß er in enger Verbindung zu jenen in jeglichem Wortsinn stand. Er wollte ihnen andere Namen verpassen, ihnen die Bärte scheren und sie als moderate erscheinen lassen, um wieder die Bedingungen herzustellen, wie sie zu Beginn der Krise waren und – wie ich schon sagte – um die Rolle der Türkei bei der Findung einer Lösung mittels der Terroristen in Syrien in ihrer neuen Form sicherzustellen.   
Frage 15:  Derselbe Sachverhalt ist bezüglich der US-Truppen gegeben, welche sich im Land befinden und nun den Kurden helfen. Halten Sie die für Okkupationstruppen?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich. Jede Intervention –  sogar die Existenz eines einzelnen Soldaten – ohne Erlaubnis der syrischen Regierung, ist eine Invasion im Wortsinn. Und jede Intervention, aus der Luft oder in anderer Weise, ist ebenso eine unrechtmäßige  Intervention und Aggression gegen Syrien.
Frage 16:  Warum ist Amerika hier? Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, Herr Präsident?
Präsident Dr. al-Assad: Generell gesprochen basiert die US-Politik auf der Entfachung von Chaos in verschiedenen Teilen der Welt wie der Entzündung von Konflikten zwischen Staaten. Das ist nicht neu. Es ging so weiter über Dekaden doch in unterschiedlichen Formen; durch diese Konflikte, die Widersprüche und ihre Erfüllungsgehilfen (proxies), die schon dagewesen sind, doch durch die neuen Umstände  prominent wurden. Dann beteiligt es sich am Schachern, um seine Interessen in der Region zu sichern. Das ist altüberkommene amerikanische Politik.  
Frage 17: Wie sehen Sie die Wahl von Trump zum Präsidenten der USA? Und können Sie mit ihm kooperieren, insbesondere nach den kürzlichen Statements über den Teil der neuen US-Administration, die erklärte, es liege am syrischen Volk, das Schicksal des Präsidenten zu bestimmen. Denken Sie, es gibt einen Wandel in der US-Politik?  
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst haben wir den unterschiedlichen Aussagen, ob der der Präsident bleiben oder gehen solle, und seit dem ersten Statement während der Obama-Administration, welche durch die Papageien in Europa wiederholt wurde, niemals Aufmerksamkeit geschenkt und sie nie kommentiert, da es uns nicht anging. Dies ist eine syrische Angelegenheit, die den Syrern zusteht. Demnach ist alles, was zu jenem Sachverhalt gesagt worden ist, einfach für den Mülleimer. Also ist jegliche ähnliche von irgendeinem Staat vorgenommene Stellungnahme, dafür oder dagegen, nicht akzeptabel, da es sich um keinen amerikanischen oder europäischen Sachverhalt handelt, noch irgendein anderes Individuums außerhalb Syriens betrifft.
Bzgl. unserer Beurteilung der neuen US-Administration und trotz der Tatsache, daß sie sich erst am Anfang befindet, [ist zu sagen], daß wir seit der Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Syrien und den USA 1974, als der frühere US-Präsident Richard Nixon uns besuchte, etwas Wichtiges gelernt haben. Wir lernten, nicht auf eine gute Administration zu setzen. Wir sagen [daher] immer, welche schlecht bzw. schlechter ist, nicht gut bzw. besser oder welche schlecht bzw. gut sei. Was wir derzeit in den USA sehen sind endlose Konflikte: Konflikte im Innern der Administration und Konflikte außerhalb der Administration  mit der Administration. Daher sehen wir nur eins an dieser Administration  ungeachtet der Stellungnahmen, welche besser als jene der anderen Administrationen zu sein schienen. Seit sie nach Syrien Truppen ohne Abstimmung mit und ohne Zustimmung der legitimen syrischen Regierung schickten, heißt das, daß diese wie die anderen Administrationen keine Wirderherstellung der Stabilität in Syrien wollen.
Frage 18:  Herr Präsident, Syrien war kürzlich andauernder israelischer Aggression ausgesetzt. Was ist das Ziel dahinter? Und sind Sie besorgt über die Möglichkeit eines syrisch-israelischen Kriegs?
Präsident Dr. al-Assad: Besorgnis über einen Krieg ist unrealistisch, da wir tatsächlich in diesem Krieg leben. Doch um es einen syrisch-israelischen Krieg zu nennen, können Sie annehmen, daß dieses Terroristen [in Syrien] für Israel kämpfen. Sogar wenn sie keine reguläre israelische Armee darstellen, kämpfen sie für Israel. Und Israel teilt seine Ziele mit [denen] der Türkei, der USA, Frankreichs, Saudi-Arabiens, Qaṭars und anderer Staaten. Sie alle teilen dieselbe Zielsetzung. Es ist ein Krieg neuer Form mit neuen Instrumenten. Damit ist in praxi unser Sieg über die Terroristen als Sieg über all die zusammen zu sehen. Daher tut Israel sein Bestes, um diese Terroristen an jedem Ort, an den die SAA vordringt, zu unterstützen. Sie führen Angriffe in der einen oder anderer Art, um den Terroristen Hilfe sicherzustellen und um den Moment hinauszuzögern, wo sie der SAA gegenüberstehen.
Frage 19:  Kürzlich begannen viele europäische Parlamentarier, nach Syrien zu strömen, manche öffentlich und manche im Geheimen. Bedeutet das, daß sich etwas tut oder deutet dies einen Umschwung der europäischen Politik gegenüber Syrien an? Haben sie verstanden, daß Sie im Recht sind?
Präsident Dr. al-Assad: Die europäische Politik hat sich tatsächlich nicht geändert, da die europäischen Amtsträger mit ihren Lügen zu weit gegangen sind; selbst wenn sie jetzt eine Totalumkehr vollziehen wollten, würde ihnen die europäische öffentliche Meinung sagen: Ihr hab uns belogen. Alles, was Ihr uns sagtet, war unwahr. Daher sind sie [d.i. die europäischen Amtsträger] bei ihren Lügen geblieben wenn auch mit ein paar Modifikationen von Zeit zu Zeit. Sie haben dasselbe Produkt  mit einer anderen Verpackung neuaufgelegt, um ihre Klientel, d.h. die europäische öffentliche Meinung zu täuschen. Die westliche öffentliche Meinung hat sich geändert, zunächst einmal, weil sich solche Lügen keine sechs Jahre entgegen den Fakten halten können. Zum Zweiten ist es dank der sozialen Medien für die mit der politischen Maschinerie im Westen verbundenen  Körperschaftsmedien (corporate media, gemeint: die Mainstream-Medien) schwierig geworden, den In- und Output an Informationen und Daten weltweit zu kontrollieren.
Drittens passierte dies infolge der gewaltigen Migrationswellen, die auf Europa [zuschwappten], und der Terrorakte, welche eine Anzahl europäischer Staaten, insbesondere Frankreich getroffen haben. Diese verschiedenen Vorkommnisse brachten die westlichen Bürger dazu, Fragen darüber zu stellen, was wirklich vorging. Was sich heutzutage tatsächlich in Europa geändert hat, ist, daß die öffentliche Meinung sehr gut weiß, daß die Körperschaftsmedien und die Politiker sie belügen. Doch die öffentliche Meinung kennt nicht die ganze Wahrheit, sie kennt nur einen Teil davon und verssucht, die Wahrheit über die Vorgänge in Syrien, [früher] in Libyen und dem Jemen heute herauszubekommen; sie stellt Fragen über die Beziehung der Amtsträger ihrer Länder und den Petrodollars der Golfstaaten und andere.
Frage 20:  Kürzlich sagten Sie, 2017 werde das Ende des Krieges in Syrien sehen. Glauben Sie noch, daß  der Krieg in Syrien dieses Jahr endet?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das habe ich so nicht gesagt. Ich sagte mehrmals, daß wir ohne westliche Intervention diesen Krieg und alle seine Auswirkungen in ein paar Monaten, d.h. in weniger als einem Jahr  beenden könnten. Das war 2016 [vgl.u.!] und wurde dahingehend interpretiert, als würde der Krieg zu Ende kommen und daß das nächste Jahr das Ende des Kriegs sähe.
Sicher bewegen sich die Dinge in eine bessere Richtung, wie ich sagte, nicht im Interesse der Terroristen, sondern im Interesse der syrischen Bevölkerung; doch Krieg ist etwas Unvorhersagbares, besonders da die Länder, welche die Terroristen unterstützt haben, ihr absolut Bestes tun, um sie zu beschützen, erstens, weil ein Sieg über die Terroristen einen politischen Sieg über sie [selbst] in ihren Ländern bedeutet, und zweitens, weil die Aufreibung Syriens eine ihrer Hauptpflichten ist, die sie durch die Terroristen und den Krieg zu erfüllen haben.  Selbst wenn also Syrien aus diesem Krieg herauskäme, würden sie auf dem niedrigsten Preis bestehen, der da ist: die Auszehrung und Erschöpfung Syriens, so daß Syrien nur noch die Energie hätte, sich nahrungsmäßig am Leben zu erhalten und sich wieder aufzubauen und alles andere darum wie seine Rechtsansprüche und die Pflichten in Bezug auf verschiedene Länder unserer Region zu vergessen. In anderen Worten: Sie wollen, daß es Syrien unmöglich sein soll, eine aktive, wertvolle oder gewichtige Rolle in der Region zu spielen.
Journalist: Vertrauen Sie auf den Sieg der syrisch-russisch-iranischen Allianz?
Präsident Dr. al-Assad: Wie ich schon vor einer Weile sagte, haben wir eine große Hoffnung, die wächst; und diese Hoffnung baut auf Vertrauen, denn ohne Vertrauen kann es keine Hoffnung geben. Wie auch immer, wir haben keine andere Option als den Sieg. Wenn wir diesen Krieg nicht gewinnen, bedeutet das, daß Syrien von der Landkarte verschwindet.  wir haben keine Wahl als uns diesem Krieg zu stellen; und deshalb sind wir vertrauensvoll, beharrlich und entschlossen.
Journalist: Vielen Dank, Herr Präsident.
Präsident Dr. al-Assad: Dank Ihnen.

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Kurzinterview von Präsident Dr. al-Assad mit russischen Medienvertretern vom  20.3.2017
http://sana.sy/en/?p=102574

Photo: SANA

Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, sind Sie vertraut mit dem russischen Vorschlag, eine Kommission zur Erarbeitung einer neuen Verfassung zu bilden? Was halten sie davon?
Präsident Dr. al-Assad: Gestern, denke ich, hat unser Repräsentant bei den UN, Herr Dr. Bašâr al-Ğaʽfarî bekanntgegeben, wir unterstützten die russischen Initiativen – unter schiedliche Initiativen, nicht nur diese eine – als Themenkomplexe und nun besprechen wir mit den Russen die Details. Das Problem ist: wir gingen kürzlich nach Astana, wie Sie wissen – die andere Delegation, die der Militanten, nahm nicht am Treffen teil, sie kam nicht nach Astana und wir alle glauben, dies gehe auf den negativen Einfluß der Türken zurück. Wie können wir demnach etwas Konkretes starten,  ohne einen Partner dabei zu haben? Wir sagten, wir seien bereit, alles zu diskutieren, einschließlich der Verfassung, doch müssen wir wissen, wer in Genf sein wird. Werden sie dasselbe Papier diskutieren oder nicht? Doch für uns als Regierung ist unsere Position völlig klar: wir sind bereit, es in all seinen Details zu diskutieren und wir unterstützen natürlich die als Schlagwort gefaßte Thematik.
Frage 2: Herr Präsident, es gibt Meldungen, daß die US-geführte Koalition plane, eine Operation in ar-Raqqa zu Beginn des Aprils zu starten. Haben Sie dazu eine Bestätigung und, falls ar-Raqqa befreit wäre, stünde es dann unter Kontrolle von Damaskus oder gibt es da irgendeine andere Abmachung darüber? Ist denn die US-Truppenpräsenz in Syrien legal?
Präsident Dr. al-Assad: Jegliche Militäroperation in Syrien ohne Einverständnis der syrischen Regierung ist rechtswidrig. Und ich sagte bereits, wenn es irgendwelche Truppen [unter dieser Voraussetzung] auf syrischem Boden gibt, handelt es sich um eine Invasion, egal ob es um die Befreiung von ar-Raqqa oder eines anderen Ortes geht. Das als Erstes. Zum Zweiten wissen wir alle, daß die Koalition niemals ernsthaft den IS oder die Terroristen bekämpft hat, demnach müssen wir über die tatsächliche Absicht hinter dem ganzen Plan nachdenken., falls es einen Plan zur Befreiung von ar-Raqqa gibt. Zur Befreiung von wem? Vom IS? Um es wem zu geben? Deren Plan ist also nicht, Terroristen zu bekämpfen, nicht der, der syrischen Regierung zu helfen, es geschieht nicht für die Einheit Syriens und nicht für dessen Souveränität; es muß also etwas anderes als die gerade von mir genannten Faktoren handeln, doch alles, was wir bis zu diesem Moment haben, sind nur Angaben, wir haben keinerlei Fakten hinsichtlich dieses Vorgangs.
Frage 3: Herr Präsident, soweit wir wissen, tut die syrische Armee ihr Bestes bei der Bekämpfung des Terrorismus; Sie bekämpfen die Terroristen ausgezeichnet, doch der Krieg ist nicht vorbei; daher wollte ich wissen, ob Damaskus daran gehen wird, die russischen Luftstreitkräfte zu bitten, ihre Präsenz in Syrien zu verstärken. Und wollen Sie Rußland darum bitten, eine Operation mit Bodentruppen in Syrien zu starten?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie an und für sich von der Beziehung zwischen der syrischen und der russischen Regierung sprechen, so reicht sie in der Geschichte Jahrzehnte zurück. Sie kennen also die Details über Syrien und wissen mehr darüber, was vorgeht. Wenn wir also über Terrorismusbekämpfung reden wollen, diskutieren wir en Detail, was zur Unterstützung der syrischen Armee erforderlich ist. Für dies Phase war die russische Unterstützung per Luftschlägen ausreichend für die syrische Armee, um an verschiedenen Fronten vorzudringen, hauptsächlich in Aleppo und Tadmur wie Sie wissen. Ich bin sicher, daß die syrischen und russischen Amtsträger und militärischen Offiziere spüren, daß wir mehr Hilfe brauchen, um die Terroristen zu vernichten; sie sind schon damit beschäftigt. Doch bis zu diesem Moment, ist das Ausmaß der Unterstützung gut und effektiv.
Frage 4: Können Sie die Teilnahme der russischen Truppen, der russischen Armee, bei der Befreiung und dem Minenentfernen in Tadmur (Palmyra) gewichten? Und könnte sie uns eventuell etwas über das Ausmaß der Zerstörung in Palmyra im letzten Monat mitteilen? Möglicherweise hat Ihre Regierung einen Plan zum Wideraufbau und der Restaurierung der antiken Stadt?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich geht es da nicht nur um syrisches Erbe, es ist ein internationales Erbe und ich meine, die ganze Welt sollte beunruhigt wegen der Zerstörung in Palmyra sein. Sicher kann einiges Zerstörtes repariert werden. Das eruieren wir gerade, da Sie wissen, daß es für jedermann schwierig sein könnte, dieses Erbe wiederherzustellen, wenn die Steine einmal zertrümmert sind. Sofern man aber den Stein im Ganzen und unversehrt zur Verfügung hat, geht das. Als wir Palmyra das erste Mal befreiten, sagte er mir Präsident Putin selbst, als wir miteinander Sprachen und er mir zur Befreiung Palmyras im letzten Jahr dankte, daß Rußland sehr  interessiert an der Wiederherstellung von Palmyra sei. Freilich wissen sie, daß der IS nach Palmyra zurückkam und es erneut befreit wurde; und nun haben wir noch mehr an Zerstörung; demnach müssen wir erneut eruieren, was wir in Palmyra tun können; doch denke ich, das geht nicht nur Syrien und Rußland an; es geht die UNESCO und die anderen Institutionen sowie die andere Länder an, die immer behauptet haben, über das Menschenerbe und die menschliche Kultur etc. besorgt zu sein.
Journalist:  Und der Anteil der russischen Armee an der Befreiung, können sie dazu etwas ausführen?
Präsident Dr. al-Assad: Für gewöhnlich sprechen wir nicht über militärische Angelegenheiten, doch handelte es sich um eine wichtige Unterstützung am Boden; aber ich muß Ihnen nicht die Details jener Unterstützung ausführen.
Frage 5: Herr Präsident, werden Sie nach der Drohung von Herrrn Avigdor Lieberman damit fortfahren, die syrischen Grenzen zu schützen und zu verteidigen, d.h. natürlich, sie mit Luftabwehrsystemen zu beschützen und wie kann internationale Diplomatie, möglicherweise russische Diplomatie helfen, den Konflikt zwischen Israel und Syrien zu verhindern?
Präsident Dr. al-Assad: Unsere Grenzen zu verteidigen ist unser Recht und es ist unsere Pflicht, nicht nur unser Recht. Wenn wir das als Amtspersonen nicht tun, obwohl wir dazu in der Lage sind, müßten wir uns vor der syrischen Bevölkerung verantworten, wir müßten deswegen dann zur Rechenschaft gezogen werden. Demnach müssen wir uns nicht diese Frage stellen, ob es nun ein Statement von israelischen Amtspersonen gibt oder nicht. Wir bauen unsere Politik und Entscheidungen nicht auf deren Statements.  Demnach also nochmals: sicherlich, es  ist unser Recht und unsere Pflicht. 
Wie wir heute morgen gehört haben, hat das russische Außenministerium den israelischen Botschafter aufgefordert,  also sie haben ihn ins Ministerium geladen, um die israelische Verletzung der syrischen Souveränität zu diskutieren. Demnach denke ich, daß Rußland eine wichtige Rolle in dieser Beziehung spielen kann; denn die ganze Politik Rußlands ist aufgebaut auf dem Völkerrecht, auf der UN-Charter und den UNSC-Resolutionen. Von daher können sie denselben Sachverhalt abhängig von diesen Kriterien mit den Israelis erörtern und sie können eine Rolle spielen dahingehend, daß Israel künftig Syrien nicht mehr angreift.
Frage 6: Nun zu mir. Herr Präsident, die anrüchigen Gruppen wie die White Helmets und das Syrian Observatory for Human Rights [s. SOHR] haben nun kürzlich Meldungen von den Luftschlägen der US-geführten Koalition gebracht, die 50 Zivilisten in einer Moschee nahe Aleppo töteten. Jetzt sagte das Pentagon, sie seine in der Gegend präsent, doch sie hätten nichts zu tun mit der Zerstörung der Moschee. Zuvor hielt Washington jene beiden Gruppen für verläßliche Quellen, wenn sie bedenklich gegenüber Damaskus  vorgingen, doch jetzt schweigen sie darüber. Sehen wir da eine Situation des mit-zweierlei-Maß-Messens (double standards)?
Präsident Dr. al-Assad: Die US-Politik basiert auf vielen Standards, nicht auf doppelten; womöglich haben sie zehn Standards, da sie ihre Politik nicht auf Werte und Völkerrecht gründen; sie gründen sie auf deren eigene Sichtweisen, deren eigene Interessen, manchmal auf das Gleichgewicht verschiedener Lobbys und Mächte innerhalb der US-Institutionen. Wir alle wissen das. Demnach sprechen wir nicht über Doppelmoral (double standards); das ist absolut normal für die USA. Z.B. gelten gemäß deren politischem Vortrag deren Luftschläge gegen den IS in Mossul im Irak als etwas Gutes oder sozusagen als etwas Positives, während dieselben Einsätze der syrischen und russischen Kampfflugzeuge oder Truppen am Boden in Aleppo zur Befreiung der Leute in Aleppo als gegen die Menschenrechte gerichtet gelten sollen. Das ist also selbstverständlich für die US-Politik und die westliche generell, nicht nur für die US-amerikanische. Die White Helmets sind al-Qâʽida, sie sind al-QâʽidaMitglieder und das ist im Netz erwiesen worden; dieselben Mitglieder töten und exekutieren [Menschen] oder setzen sich über toten Körpern in Szene – zur gleichen Zeit sieht man sie als humanitäre Heroen und nun haben sie gar einen Oscar gekriegt, wie Sie wissen. Das muß man also von den US-Amerikanern erwarten und darf nicht auf all deren Geschichten (narratives) hereinfallen, deren eigenes Publikum glaubt keine  von deren Geschichten mehr. Bislang kennen sie die Wahrheit nicht; [das gilt für] die öffentliche Meinung im Westen ganz allgemein; sie wissen, daß es Lügen sind, doch sie wissen nicht, wie die Wahrheit aussieht. Das ist auch der Grund, warum sie ein Problem mit z.B. RT [d.i. Russia Today] haben, aus eben dem Grund.

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Präsident al-Assad im Interview mit europäischen Medien am 13.3.2017:
(http://sana.sy/en/?p=102045, http://sana.sy/?p=521497)

Photo: SANA

Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, gestern gab es in Damaskus eine neue Attacke. Die Situation in Syrien ist noch gefährlich. Was denken Sie daher über die Worte von Netanjahu über die Rolle des Irans hier in Syrien, und – sofern Sie dazu eine Meinung haben – wie denken Sie über Donald Trump?
Präsident Dr. al-Assad: Sie sprechen zwei verschiedene Aspekte des Problems an, welches wegen der ausländischen Einmischung sehr kompliziert ist. Wenn sie über Terroristenangriffe in Syrien, wie denjenigen von gestern in Damaskus sprechen … das passiert hier täglich, wenn in manchen Fällen nicht gar stündlich Solange wie sich Terroristen irgendwo in Syrien aufhalten, ist jeder syrische Bürger in Gefahr – das ist gewiß. Die Frage ist hier: wer unterstützt die Terroristen? Das ist auch die frage, die ich an die europäischen Amtsträger weiterreichen möchte, die seit Beginn der Krise in Syrien einen falschen Weg eingeschlagen haben, was zur Zerstörung von Syrien führte und zur Vorherrschaft des Terrorismus in der Region; das wiederum führte zu den vielen terroristischen Attacken in europäischen Ländern und zur Flüchtlingskrise. Wenn Sie also jetzt über die europäische, die westliche Rolle sprechen wollen, dann besteht sie bis zu diesem Moment, da unter US-Leitung stehend, in der Unterstützung der Terroristen. Sie reden nur über den politischen Prozeß, doch gibt es bis zu diesem Moment kein wirkliches Engagement für irgendeine politische Aktion. Wenn sie jedoch über die Rolle des Irans reden, ist sie völlig anders. Die unterstützen Syrien im Counterterrorismus, sie unterstützen Syrien politisch in der regionalen und internationalen politischen Arena. Israel unterstützt von der anderen Seite her direkt die Terroristen, sei es direkt in logistischer Hinsicht oder durch Kampfeinsätze gegen unsere Armee in den benachbarten Gebieten.
Frage 2:  Meine Frage ist: würden Sie von Ihrem Standpunkt aus die Beziehung zwischen Rußland und Syrien beschreiben, da sie in den Medien, in der Weltpresse in einer großen Bandbreite beschrieben wird von einer fruchtbaren Kooperation bis gar hin zur Kolonisation. Was tun sie also hier?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns über die Realität, über die Fakten sprechen: seit die Russen ihre Angriffe auf den IS in Kooperation mit der syrischen Armee begannen – nachdem wir sie freilich gebeten hatten zu kommen und uns im Kampf gegen die Terroristen zu unterstützten – schrumpfte der IS zusammen. Zuvor gab es die sog. US- bzw. westliche Allianz gegen den IS, welche nur eine kosmetische Allianz war, währen der IS sich ausbreitete. Da begannen sie über die russische Rolle in jener negativen Weise zu sprechen, erst nachdem sich deren Erfolge am Boden einstellten. Doch Rußland hatte vor allem und in Wirklichkeit Erfolg bei der Terroristenbekämpfung zusammen mit der syrischen Armee. Sie [beide] gewannen Aleppo und kürzlich Tadmur (Palmyra) zurück und viele weitere Gebiete als konkretem Beweis. also braucht man nicht über Meinungen zu sprechen, das sind die Fakten.
Hinsichtlich der politischen Beziehung zur Regierung seit Beginn an – nicht erst seit der Intervention, der Unterstützung, der Truppenaussendung nach Syrien … ich spreche vom Beginn des Kriegs vor sechs Jahren – seit jener Zeit also ist jeder politische und später jeder militärische Schritt hinsichtlich des syrischen Sachverhalts in Konsultation der syrischen Regierung erfolgt. so sieht deren Politik und deren Verhalten aus. deren Politik und Beziehung zu Syrien basieren auf zwei Dingen, zunächst auf [dem Respekt gegenüber der] Souveränität Syriens, welche Teil der UN-Charter ist, wie die jeden anderen Landes. Das zweite ist Ethik (morals), Ethik als Basis. Daher gibt es [in dieser Hinsicht] keine Kolonisation; dafür besteht eine mehr als sechs Dekaden andauernde Beziehung zwischen Syrien und Rußland [auf dieser Basis],  die immer so gewesen ist auch unter anderen Umständen.
Frage 3:  Herr Präsident, dieser Krieg dauert sehr lang, vierhunderttausend Opfer, Millionen an Flüchtlingen und die UN machen Sie dafür verantwortlich und sie sagen – viele Leute von der anderen Seite – fordern Sie auf, Ihre Machtposition aufzugeben, um den Frieden zu ermöglichen. Welche Antwort geben Sie auf diese Frage?
Präsident Dr. al-Assad: Vor allem sollten die Syrer ihren Präsidenten wählen und für jeglichen Konflikt und jedes Problem einen jeden zur Verantwortung ziehen, nicht die UN, es ist nicht deren Rolle. Wir alle wissen, daß es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion keine politische Balance mehr in den UN gibt, da einige Länder im Sicherheitsrat, die permanenten Mitglieder wie Frankreich, Großbritannien und die USA versuchen, die UN für deren eigene politische Agenda zu benutzen und  Regierungen zu stürzen, wann auch immer diese ihnen nicht parieren oder sich deren Agenden fügen.
Beim Thema, ob der Präsident gehen oder bleiben soll, höre ich ganz persönlich nur auf die syrische Bevölkerung.  Ich kümmere mich nicht darum, was die UN sagen oder irgendein anderer Amtsträger außerhalb Syriens dazu sagen würde. Beim Reden über diese Flüchtlinge und das Töten wie am Anfang Ihrer Fragen, sollten wir meines Erachtens im Hinterkopf haben, daß ein Teil des Tötens auf das Konto der Europäer geht, nicht direkt, aber via Unterstützung der Terroristen von Beginn an – und immer noch bis zu diesem Moment nennen sie die „moderat“, obwohl sie wissen, daß das eine Illusion ist. Es gibt keine moderaten Militanten in Syrien, alle darunter sind Extremisten. Ob sie nun moderat heißen oder nicht, wann immer einer ein Maschinengewehr und Waffen[ in der Hand] hält und damit Leute tötet und deren Eigentum zerstört, ist er ein Terrorist – in Ihrem Land, in meinem Land, in jedem; niemand kann sagen, es gibt eine moderaten Mörder oder einen moderaten Terroristen, solche ein Terminus existiert nicht.
Zum Zweiten ist bzgl. der von Ihnen erwähnten Flüchtlingen und besonders derjenigen, die nach Europa kamen, woher Sie stammen, [ist zu bedenken], daß nicht alle wegen der Terrorattacken oder der Zerstörung ihr Land  verließen – viele von ihnen verließen ihr Land  wegen des Embargos des Westens und Europas, was sich komplementär zur Zerstörung und den Mordattacken der Terroristen verhält, die jene Leute dazu drängten ihre Land in Richtung anderer Orte wie Europa zu verlassen.
Frage 4:  Meine Frage ist: Haben Sie (jemals) irgendwelches Bedauern gefühlt darüber, wie Sie und die Regierung mit der Krise seit Beginn umgegangen sind? Fühlen Sie sich wegen etwas schuldig und würden Sie etwas in der jüngeren Vergangenheit ändern, wenn sie könnten?
Präsident Dr. al-Assad: Vor allem muß man unterscheiden zwischen der Meinung des Präsidenten  oder des Beamten und seiner Pflicht. Die Pflicht leitet sich von der Verfassung ab. Die Pflicht der syrischen Regierung und eines jeden syrischen Beamten ist die Landesverteidigung. Wenn wir es nicht verteidigen, dann ist das ein Punkt, in dem man sich schuldig fühlen kann, deswegen sollte man auch Bedauern empfinden, doch wie könnte man die Verteidigung des Landes bedauern? Das zum Ersten. Zweitens  war unsere Meinung – die nichts mit der Verfassung zu tun hat –mit jedem Syrer einschließlich der Militanten Dialog zu führen, der sehr offen ist; schließlich würde kein Land, keine Regierung auftragen, ich solle Dialog mit Terroristen führen; doch in unserem Fall, sagten wir: nein, wir gehen sogar so weit, mit Terroristen Dialog zu führen, um syrisches Blutvergießen zu verringern. Wie könnten wir also bedauern, Dialog zu führen und offen zu sein? Nein, das können wir nicht. Wenn Sie also über Bedauern bei der Umsetzung von etwas sprechen wollen … jede Politik besteht aus Mißgriffen in der Ausführung, das ist aber etwas anderes, das bedauern Sie nicht, Sie korrigieren es. Bei Fehlern korrigieren Sie diese, Sie brauchen sie nicht zu bedauern, da dies Teil der menschlichen Natur ist, Fehler zu machen.
Frage 5:  Könnten Sie nur einen Fehler benennen? Sie sagten ja, wir müssen Fehler korrigieren bzw. Sie korrigieren Fehler.
Präsident Dr. al-Assad: Meinethalben muß ich mich selber korrigieren. Ich aber sprach über Politik, deren Umsetzung, Sie sprechen über eine Menge Details. Da kommt mir gerade nichts in den Sinn, doch es kann sich manchmal um individuelle Fehler handeln; man kann aber nicht individuelle Fehler mit einbeziehen, von denen man gehört hat, ohne sie vorher untersucht zu haben. Das ist aber die Arbeit der [zuständigen] Institution, nicht die des Präsidenten.
Frage 6: Die ganze Welt fragt sich, welche Art von Land Syrien nach der Krise sein wird. Vielleicht würden Sie Ihre Ideen mit uns teilen wie z.B. Ihre Reformagenda nach der Krise [aussieht], ob dieses Land dann föderaler wird, oder ob es etwa eine Reformagenda zu sozialen Fragen geben wird wie etwa Menschenrechtsschutz, über mehr Rechenschaftspflicht der Armee oder der Sicherheitsleute, die Art von Dingen eben, nach denen Sie alle Menschen der Welt fragen.
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst einmal ist der Krieg an sich eine sehr harte Lektion für jede Gesellschaft. Demnach würde ich sagen, nach dem Krieg ist jedes Land wegen der gelernten Lektionen viel besser, und wenn der Krieg von außen gekommen ist und sie syrische Stellvertreter (proxies) neben Ausländern benutzen, dann ist es nicht genug, die anderen, den Westen oder die Petrodollarstaaten wegen der Terroristenunterstützung zu beschuldigen – wir alle wissen darum – doch es ist nicht genug; am Ende muß man auf sich selbst schauen und sagen: „was läuft schief in meinem Land?“ Dabei rede ich nicht von mir als Präsident, sondern von mir als syrischem Bürger. Es ist also natürlich, so zu reagieren.
Wenn sie nun danach fragen wollen, wie Syrien nach dem Krieg sein wird, dann ist das nicht meine Agenda; meine Agenda ist offen und ermöglicht den Dialog unter den Syrern, weil es sich dabei um eine nationale Diskussion handelt, darüber, welches politische System man wünscht: das kann präsidial, halb-präsidial, parlamentarisch u.s.w. sein. Wenn Sie dann über das politische System reden, können sie gleich über die Institutionen reden, da jene Institutionen wie die Armee, die Ministerien, die Regierung und alles andere eine Reflektion der Verfassung sein sollte. Man kann darüber nicht reden und die Verfassung und das hauptsächliche politische System außer Betracht lassen. Das braucht den Dialog innerhalb des weitesten Spektrums der syrischen Gesellschaft, da es am Ende ein Referendum über diesen Punkt geben wird. die Regierung kann keine Entscheidung fällen und sagen: „das ist gut, jenes schlecht für das Land oder die Zukunft“. Daher möchte ich lieber nicht meine Vision von Syrien mitteilen. Mir geht es eher um die syrische Vision der Zukunft unseres Landes. Es braucht also Dialog; doch momentan ist es noch zu früh, darüber zu sprechen; wir diskutieren das jetzt zwar, doch die Priorität der syrischen Bevölkerung ist derzeit die Terrorismusbekämpfung. Wie?  Es ist ein Luxus derzeit über Politik zu sprechen, wenn man möglicherweise durch Terrorattacken in ein paar Minuten getötet werden könnte. Es ist also Priorität, die Extremisten loszuwerden, eine andere ist, die politische Rekonziliation in verschiedenen Bereichen durchzuführen. Bei Erfolg in diesen beiden Sparten, kann man jegliche Diskussion über jeglichen Sachverhalt führen.
Frage 7: Herr Präsident, haben Sie am Ende des Tages das Gefühl, die Politik in diesem Gebiet im Nahen Osten lautet: töten oder getötet werden?
Präsident Dr. al-Assad: Es gibt diese Kultur, dabei geht es nicht um Politik, es geht um die Kultur, darum, wie manche Leute denken. Unglücklicherweise war diese Kultur nicht Teil der originalen, sie ist etwas Neues, das wir erst seit der letzten Dekaden sehen. Warum? Wegen des Einflusses der wahhâbitischen Ideologie, die nicht anderes akzeptiert. Sie beeinflußt nicht nur die religiösen Leute; diese Atmosphäre der Ablehnung des anderen kann jeden in derselben Gesellschaft infizieren solange sie da ist. Wir haben sie als lokalen focus, lokale foci, in verschiedenen Gebieten der Gesellschaft; das war ein bedeutender Faktor kürzlich bei der Schaffung des Problems in Syrien. Was sie sagen, ist demnach korrekt, doch ist es nicht die  hauptsächliche Kultur in der Gesellschaft. Wenn wir uns nicht ernsthaft damit befassen, wird sie obsiegen, und in der ganzen Gesellschaft wird ein Teil den anderen nicht akzeptieren, das ist dann das, was man Bürgerkrieg nennen kann. Bis jetzt dagegen haben wir keinen Bürgerkrieg. Derzeit besteht der Kampf gegen diese Mentalität, hauptsächlich gegen jene Extremisten der islamistisch-wahhâbitischen Gruppen, die der Rest der Gesellschaft bekämpft. Doch am Ende des Kriegs mag die politische Karte anders aussehen. Von daher ist es keine Kultur, nein, es ist zeitlich begrenzt, es ist lokal umrissen, und wir müssen ernsthaft damit umgehen; sie ist über uns gekommen, sie ist über die europäische Gesellschaft gekommen und Sie sehen in Ihrem Land jetzt das Resultat  [davon], da sie dieselben  foci lokale foci, insbesondere in Frankreich haben, als sie diese Leute isolierten und den wahhâbitischen Klerikern erlaubten [ins Land] zu kommen und deren Denken zu infizieren; dafür zahlen Sie nun den Preis. Das ist der Grund, warum viele der brutalsten Führer von al-Qâʽida in Syrien, sei es bzgl. IS oder Ğabhatu_n-Nuṣra aus Europa, nicht aus arabischen Ländern kommen.  Wir haben so viele Kämpfer aus der arabischen Welt, doch deren Anführer kommen hauptsächlich aus Europa.
Frage 8: Das ist aber ein Problem der Erziehung.
Präsident Dr. al-Assad: Genau, spricht man über Kultur, geht es um Erziehung, Medien, Politik, weil die Politik die Kultur beeinflußt. Alle diese Faktoren beeinflussen gleichermaßen … ich meine, Kultur ist alles um einen herum, die Art des Denkens und des sich Benehmens. Da stimme ich mit Ihnen überein.
Journalist: Vielen Dank.
Präsident Dr. al-Assad: Dank Ihnen.

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit dem Hongkong-chinesischen TV-Sender Phoenix vom 11.3.2017

http://sana.sy/en/?p=101799, http://sana.sy/?p=520408

Photo: SANA

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Frage 1: Vielen Dank dafür, Herr Präsident, daß wir hier bei Ihnen in Damaskus, der Hauptstadt Syriens, sein können. Ich denke, dies ist das erste Interview mit einem chinesischen Medium seit [Ausrufung] der landesweiten Waffenruhe und nach so vielen neuen Gesprächsrunden, sowohl in Astana als auch in Genf, und natürlich nach der Inauguration von US-Präsident Donald Trump, und wie wir dieser Tage gesehen haben, nach stetigem Vorrücken Ihrer Truppen auf den Schlachtfeldern, doch die Friedensgespräche scheinen nicht ganz so produktiv zu sein. Sofern also die Genfer Gespräche betroffen sind, hat Ihr Chefunterhändler, Herr Ğaʽfarî, mühevoll versucht herauszufinden, wer [überhaupt] auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzen würde. Wer sollte, Ihrer Vorstellung nach, dort sitzen?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist eine sehr wesentliche Frage. Wenn man will, daß diese Verhandlungen  erfolgreich sind, müsse wir danach fragen  „wer wird dort zu sitzen kommen?“ Dort könnten, wie ich meine, viele Leute mit guten Absichten sitzen, doch die Frage ist: wen repräsentieren sie? Das ist die Frage.  In dieser Situation  gibt es verschiedene Gruppen, man hat Leute, die – sozusagen – patriotisch eingestellt sind, doch sie repräsentieren niemanden außer sich selbst. Dann gibt es andere, die die Terroristen repräsentieren und es gibt Terroristen am (Verhandlungs)tisch, und wieder andere, die die Agenada ausländischer Staaten wie von Saudi-Arabien, der Türkei, von Frankreich, Großbritannien und möglicherweise der USA repräsentieren. Demnach ist es kein homogenes Zusammentreffen. Wenn man will, daß es erfolgreich verläuft, um zum ersten von mir erwähnten Punkt zurückzukehren, dann sollten es Verhandlungen zwischen wirklichen Syrern untereinander sein. Trotz all dem gingen wir zu jenem Treffen, weil wir der Ansicht sind, daß jegliche Art von Dialog ein guter Schritt hin zur Lösung sein könnte, da sogar jene Leute, die Terroristen sind oder zu den Terroristen oder zu anderen Ländern gehören, ihre Meinung ändern und zurück zu ihrer [alten] Normalität kehren könnten, indem sie wieder echte Syrer werden [und] sich loslösen von ihrer Existenz als Terroristen oder Agenten anderer Gruppen. Das ist der Grund, warum ich sage, wir erwarteten nicht, daß Genf etwas brächte, doch es ist ein Schritt und es sieht nach einem langen Weg aus; es wird weitere [Gesprächs]runden geben, ob in Genf oder in Astana.
Frage 2:  Doch wie auch immer, es sind innersyrische Gespräche, richtig? Aber es ist ein Factum, daß es ein Stellvertreter-Dialog (proxy dialogue) ist. Ich meine, Hauptparteien nehmen nicht teil und es gibt keinen direkten Dialog.
Präsident Dr. al-Assad: Exakt.
Journalist: Sind Sie persönlich zufrieden  mit dem gegenwärtigen Verhandlungsformat bzw. –Mechanismus?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben diesen Mechanismus nicht entworfen, er wurde von de Mistura und den UN entworfen unter Einfluß von Staaten, welche jene Verhandlungen benutzen wollen, um Druck auf Syrien auszuüben, nicht um irgendeine Lösung zu erreichen.
Wie Sie eben sagten, jeder davon repräsentiert eine unterschiedliche Agenda, sogar die oppositionellen Delegationen, es war ja nicht eine Delegation, [sondern] verschiedene Delegationen der Opposition. Wenn man also – als Regierung – zu Verhandlungen mit jemandem geht,  wer wird das dann sein? Welcher [Typus von den genannten]? Wer repräsentiert wen? Das ist unsere Frage. Demnach haben Sie recht, dieses Mal gab es keine Verhandlungen in Genf, doch das ist einer der Gründe, das ist der Grund, warum nichts erreicht wurde. Das einzige, was wir in Genf diskutierten war die Agenda, die Themen, die wir später diskutieren werden, das war´s.
Frage 3:  Doch wie gesehen sind eine Menge an Zeit, Geld und Energie in diese Anstrengung aufgewendet worden und die Kämpfe dauern an, Menschen sterben weiterhin und die Flüchtlingszahlen steigen.
Präsident Dr. al-Assad: Exakt.
Journalist: Was wäre ein möglicher Weg, um zu Verhandlungen zu kommen?
Präsident Dr. al-Assad: Erneut liegen Sie richtig. Je mehr Verzögerung es gibt, desto mehr Leid und Zerstörung, Töten und Blut[vergießen] wird es in Syrien geben. Das ist der Grund, warum wir so erpicht darauf sind, eine Lösung zu erreichen, doch wie und auf welchem Weg? Man muß parallel zwei Wege einschlagen: der erste ist die Bekämpfung der Terroristen – und das ist unsere Pflicht als Regierung, die Syrer zu verteidigen und alle Mittel zu nutzen, die Terroristen zu vernichten, die in Syrien Tod und Zerstörung verbreiten. Der zweite ist die Durchführung des Dialogs. Dieser Dialog hat viele verschiedene Aspekte, [einmal] den politischen, welcher mit der Zukunft Syriens zu tun hat, welches politische System man braucht, welche Art davon. Es spielt keine Rolle, welches das ist, das hängt von den Syrern ab und die werden in einem Referendum darüber [bestimmen], was sie anstreben. Der zweite ist, zu versuchen, viele der Menschen, welche sich den Terroristen angeschlossen oder  irgendwelche terroristischen Akte verübt haben, zurück zu ihrem normalen Leben zu bringen, dazu, daß sie ihre Waffen niederlegen und dank der von der Regierung erlassenen Amnestie zurück in ihr normales Leben finden; gerade diese Richtung verfolgen wir schon seit drei Jahren mit sehr gutem Erfolg. Wenn man also tatsächlich über die wahre politische Lösung seit Beginn der Krise, des Kriegs in Syrien bis zu diesem Moment sprechen will, dann besteht sie einzig in jenen Rekonziliationen zwischen der Regierung und den verschiedenen Militanten in Syrien; viele von denen haben sich nun schon der Regierung angeschlossen und kämpfen zusammen mit der Regoerung.  Manche legten ihre [Waffen] nieder.
Frage 4:  Um aber über den Syrien-Krieg zu sprechen … da kann man nie die Auslandsfaktoren ausschließen. Das saudisch-gestützte high negotiating committee HNC sagt, daß es auf die Trump-Administration zähle als Spieler einer positiven Rolle anstatt verfehlter Politikentscheidungen unter seinem Vorgänger Barack Obama. Was erwarten Sie Ihrerseits aber von Trumps Nahost-Politik, insbesondere bzgl. Syriens?
Präsident Dr. al-Assad: Der erste von Ihnen erwähnte Teil bzgl. deren Hoffnungen hinsichtlich eines fremden Landes – egal welchen ausländischen Staates – bedeutet doch, kein Patriot zu sein; das hat sich auch erwiesen; sie sollten auf die Unterstützung der syrischen Bevölkerung zählen und nicht auf eine fremde Regierung oder Administration.
Bezüglich der Trump-Administration jedoch bestand die Haupt-Rhetorik der Trump-Administration und des Präsidenten selbst während und nach der Wahlkampagne in der Priorität der IS-Bekämpfung. Seit Beginn sagte ich, daß sei ein vielversprechender Ansatz hinsichtlich dem, was in Syrien und dem Irak vorgeht, da wir ja in derselben Region leben und demselben Feind gegenüberstehen.
Bezüglich dieser Rhetorik haben wir noch nichts Konkretes gesehen von gewissen Arten lokaler Angriffe mal abgesehen. doch auf lokaler Basis kann man mit dem Terrorismus nicht fertigwerden; es bedarf umfassender [Maßnahmen], keiner partiellen oder temporären. Auch sie [die Terrorismusbekämpfung] nicht [bloß] aus der Luft kommen, sie sollte in Kooperation mit den Truppen am Boden erfolgen; daher  hatten auch die Russen Erfolg, da sie die syrische Armee beim zurückdrängenden Schrumpfungsprozeß des IS unterstützten und nicht bei dessen Ausbreitung wie es zuvor [d.h. durch die US-geführte Koalition] zu geschehen pflegte. Demnach und unter Einbeziehung des Gesagten hegen wir die Hoffnung, das Reden über den IS meine eigentlich den ganzen Terrorismus. Der IS ist nur eines der Produkte, Ğabhatu_n-Nuṣra ein anderes, es gibt da so viele Gruppen in Syrien, die alle nicht-IS sind, jedoch [wie dieser, vgl.u.] zu al-Qâʽida gehören, sie haben alle denselben Hintergrund, die extremistische wahhâbitische Ideologie.
Frage 5:  Demnach teilen Sie, Herr Präsident, und Mr. Donald Trump tatsächlich dieselbe Priorität, welche im Counterterrorismus besteht; und Sie beide hassen Fake-News. Sehen sie irgendwelchen Raum zur Kooperation?
Präsident Dr. al-Assad: Nun, in der Theorie, ja, doch in der Praxis noch nicht, da keine Verbindung zwischen Syrien und den USA auf formeller Ebene besteht. Sogar deren zuvor von mir erwähnten Luftschläge gegen den IS, die nur ein paar wenige darstellen, geschehen ohne Kooperation oder Konsultation der syrischen Armee oder der syrischen Regierung, was widerrechtlich ist, wie wir immer festgestellt haben.  Demnach teilen wir theoretisch jene Ziele, doch ausdrücklich noch nicht.
Frage 6: Haben Sie persönlichen Kontakt zum US-Präsidenten?
Präsident Dr. al-Assad: Überhaupt nicht.
Journalist: Direkt oder indirekt?
Präsident Dr. al-Assad:  Indirekt gibt es so viele Kanäle, doch man kann nicht auf private Kanäle setzen. Es muß formal geschehen, [nur] dann kann man von einer wirklichen Beziehung mit einer anderen Regierung sprechen.
Frage 7:  Während unserer Unterhaltung treffen sich Topgeneräle aus der Türkei, Rußland und den USA irgendwo in der Türkei, um die Spannungen in Nord-Syrien zu besprechen, wo sich gegenseitig mißtrauende Streitkräfte Alliierte dieser Länder sind. Haben Sie also einen Plan für die finale Attacke gegen den IS, wenn die Hauptakteure tatsächlich eine effektive Koordination benötigen, um Syrien von all den Terrorgruppen zu säubern?
Präsident Dr. al-Assad: Nun, wenn Sie jenes Treffen speziell in Verbindung mit dem IS bringen wollen, wird es nicht sachgerecht sein, da mindestens eine Partei, die türkische, bis zu diesem Moment den IS unterstützt, denn Erdogan, der türkische Präsident, verkörpert (is) die Muslimbruderschaft. er ist ideologisch verknüpft und sympathisiert mit dem IS und der Ğabhatu_n-Nuṣradarüber weiß jeder in dieser Region Bescheid. Er half denen auch durch Bewaffnung, in logistischer Weise und durch Ölexporte. Bezüglich der anderen Partei, welche zumindest unter der Obama-Administration die USA darstellten,  die verkehrte mit dem IS durch Beaufsichtigung von dessen Schmuggel syrischen Öls in die Türkei; damit war [der IS] in der Lage,  sich Geld zur Rekrutierung von Terrroristen aus aller Welt zu beschaffen; die USA versuchten dabei, nicht mehr als in kosmetischer Hinsicht gegen den IS vorzugehen. Die einzig ernsthafte Partei in jener Hinsicht ist Rußland, das effektiv in Kooperation mit uns den IS bekämpft. Demnach ist die Frage, wie die kooperieren können; ich denke, die Russen hegen die Hoffnung, daß die zwei [anderen] Parteien sich Rußland und Syrien in deren Kampf gegen den Terrorismus anschließen. Bezüglich der US-Partei haben wir nun wegen der neuen Administration mehr Hoffnung, während in der Türkei diesbezüglich nichts geändert hat. Der IS besitzt im Norden nur eine Nachschubroute und zwar via Türkei und die IS-Leute sind nach wie vor am Leben und aktiv und widerstehen den unterschiedlichen Angriffswellen wegen diese türkischen Rückhalts.
Frage 8: Nun befinden sich US-Truppen in Manbiğ. Gibt es dafür grünes Licht Ihrerseits? Haben Sie den US-Truppen die Türe geöffnet?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, haben wir nicht. Jegliche ausländischen Truppen, welche ohne Einladung, Konsultation oder Erlaubnis nach Syrien kommen, sind  Invasoren, gleich ob es sich um US-Amerikaner, Türken oder andere handelt. wir denken auch nicht, daß das hilfreich ist. Was tun sie denn? Den IS bekämpfen? Die US-Amerikaner verloren nahezu jeden Krieg: sie verloren im Irak, sie mußten sich schließlich daraus zurückziehen – sogar aus Somalia. Neben Sie nur Vietnam in der Vergangenheit und Afghanistan, Ihr Nachbarland. Sie waren nirgendwo erfolgreich, wohin sie ihre Truppen schickten, sie schafften nur Chaos. sie sind sehr gut im Schaffen von Problemen und im Zerstören, doch sehr schlecht im Finden von Lösungen.
Frage 9: Um über Rußland und China zu sprechen, sie haben vergangene Woche ihr Veto gegen die [geplante] neue UN-Sanktion gegen Syrien eingelegt. Was bedeutet das chinesische Veto für Ihr Land?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns bezüglich deren Position ganz deutlich sein: sie bedeutet keine Unterstützung der syrischen Regierung oder des syrischen Präsidenten, obwohl der Westen dies als personelles Problem hinstellt, so als ob Rußland und China und andere Länder wie auch der Iran die Person des Präsidenten unterstützten. doch das ist nicht der Fall. China ist Mitglied des Sicherheitsrates und der UN-Charter verpflichtet.  Mit diesem Veto verteidigte China vor allem die [Gültigkeit der] Charter, denn die UN wurden geschaffen, um Stabilität auf der Welt wiederherzustellen. Tatsächlich benutzen die westlichen Staaten, vor allem die ständigen Mitglieder des Rates [die UN] als Werkzeug oder Mittel, um Änderungen in Regimen und Regierungen herbeizuführen und ihnen deren Agenda aufzudrücken, nicht um die Stabilität wiederherzustellen, sondern um in der Tat mehr Instabilität in der Welt zu schaffen.
Die andere Seite ist, daß China gewissermaßen durch Schaffen eines politischen Gleichgewichts innerhalb der UN Stabilität wiederherstellt, selbstverständlich in Kooperation mit Rußland, welches für die ganze Welt sehr bedeutend ist. Freilich gab Syrien die Schlagzeile, die Hauptschlagzeile [dafür] ab, es [das Veto] ist gut für Syrien, doch noch einmal, es ist gut für den Rest der Welt.
Zum Dritten, dieselben Staaten, welche die UN-Charter für deren eigene eigensüchtige Interessen benutzen wollten, sind genau diejenigen, welche sich in den späten 1990ern in Ihrem Land einmischten oder es versuchten; dazu nutzten sie unterschiedliche Schlagworte wie die Menschenrechte u.s.w., Sie wissen das, und wenn sie die Möglichkeit dazu hätten, würden sie jede Regierung der Welt austauschen, egal ob es sich um große oder kleine handelt, gerade wenn diese Regierung ein bißchen unabhängig zu sein versucht. Demnach schützte China chinesische Interessen, syrische Interessen und die der Welt, besonders die der kleinen und schwachen Länder.
Frage 10: Wenn ich nicht fehlgehe, sagten Sie, China werde eine Rolle bei m Wiederaufbau Syriens spielen. An welche Sparten denken Sie, in denen China beitragen könnte, daß die syrische Bevölkerung nach so vielen Jahren der Drangsal zurück zum normalen Leben findet?
Präsident Dr. al-Assad: Gerade bei dem Thema, was die Terroristen in den letzten sechs Jahren angerichtet haben, ist es[mit] die Zerstörung jeglicher Infrastruktur. Dennoch ist die syrische Regierung weiterhin effektiv, auf jeden Fall, was die Bereitstellung von minimalen Bedarfsgütern für die syrische Bevölkerung angeht. Doch jene haben alles in jedem Sektor ohne Ausnahme zerstört. Zudem hat das westliche Embargo gegen Syrien dazu beigetragen, Syrien sogar die Basisgüter für den Lebensunterhalt eines jeden Syrers im Land vorzuenthalten. In welchem Sektor also [könnte China helfen]? in jedem Sektor. Ich meine, China könnte ohne Ausnahme in jedem Sektor [hilfreich] sein, da Zerstörung in jedem Sektor herrscht. Doch reden wir über das Jetzt, bevor dieser umfassende Wiederaufbau startet. China ist derzeit in viele Aufbauprojekte direkt involviert, in Syrien hauptsächlich in industrielle Projekte; wir haben auch viele chinesische Experten im Arbeitsprozeß verschiedener Projekte in Syrien, um diese anzustoßen. Doch bei mehr Stabilität ist selbstverständlich der Aufbau der zerstörten Vorstädte am dringendsten. Das ist der wichtigste Teil des Wideraufbaus. der zweit[wichtigst]e ist die Infrastruktur bzgl. des Sanitärsystems, der Elektrizität, der Ölfelder, hinsichtlich allem ohne Ausnahme. als Drittes kommen die industriellen Projekte, welche in Syrien dem privaten oder öffentlichen Sektor angehören können.
Frage 11: Aha. Es scheint auch kein Geheimnis zu sein, daß sich hier einige chinesische Extremisten aufhalten, die auf der Seite des IS kämpfen. Das ist meiner Meinung nach eine Gefahr für Syrien wie für China. Welche konkrete oder effektive Maßnahme haben Sie zur Grenzkontrolle und zur Verhinderung, daß diese Extremisten sich frei in der Region bewegen?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn man über Extremisten oder Terroristen spricht, ist es nicht von Bedeutung, welcher Nationalität sie angehören, da sie keine Grenzen anerkennen; sie gehören zu keinem Land. Der einzige Unterschied zwischen der einen und der anderen Nationalität ist nur der, daß z.B. diejenigen, die aus Ihrem Land kommen, ihr Land besser kennen als die anderen, und so dort mehr Schaden anrichten können; dasselbe gilt für die syrischen Terroristen [in Syrien], die russischen [in Rußland] u.s.w.  Daher ist das Mittel derzeit: jeder Terrorist sollte bekämpft und vernichtet werden, außer er ändert seine Einstellung hin zu einem normalen Leben.
Zum Zweiten, da sie von verschiedenen Nationalitäten – mehr als 80 – sprechen … man sollte mit den anderen Regierungen kooperieren, besonders im Geheimdienstbereich; das ist der Fall z.B. mit dem chinesischen Geheimdienst hinsichtlich der uigurischen Terroristen, die von China über die Türkei [her]kommen. Unglücklicherweise ist das, was wir nicht haben, die Kontrolle über die Grenze zur Türkei, denn die Uiguren kommen insbesondere über die Türkei [ins Land], andere kommen womöglich über den Irak, Jordanien, den Libanon, eventuell übers Meer, der Großteil über die Türkei; die Uiguren kommen hauptsächlich über die Türkei. Warum? Wir wissen es nicht; doch sie genießen die Hilfe der türkischen Regierung: sie werden zusammengeholt und zu einer Gruppe versammelt und in den Norden von Syrien geschickt. Die Mission besteht somit darin, sie anzugreifen, wo auch immer sie sich befinden. sicher, manchmal kann man nicht sagen, um welche [Nationalität] es sich handelt, wer wer ist, sie vermischen sich untereinander, doch manchmal  gehen sie als separate Gruppen nach unterschiedlichen Nationalitäten vor. Es ist ein ganz bedeutsamer Aspekt der Kooperation zwischen dem syrischen und chinesischen Geheimdienst und wir haben in dem Punkt schon viele gute Schritte unternommen.
Frage 12: Herr Präsident, Sie dürften völlig gewahr der Tatsache sein, daß die „White Helmets“ dieses Jahr einen Oscar für den besten Dokumentarkurzfilm erhielten; doch die Leute sagen, daß die Wahrheit über die White Helmets“ nicht das ist, was Netflix als solche präsentierte. Wie ist demnach Ihre Haltung dazu?
Präsident Dr. al-Assad: Zuallererst müssen wir Ğabhatu_n-Nuṣra zum Erhalt des ersten Oscars gratulieren! dies ist ein beispielloser Fall, daß der Westen al-Qâʽida einen Oscar zuerkennt; es ist unglaublich! Und es ist ein weiterer Beweis dafür, daß die [Verleihung] der Oscars der Nobel[preise] und all dieser Dinge politisierte Zertifikate sind. Das ist meine Sicht darauf. Die White Helmets-Story ist ganz simpel: es ist ein Facelifting für Ğabhatu_n-Nuṣra in Syrien [und dient] nur dazu, deren häßliches Gesicht gegen ein humanitäreres auszutauschen. Das ist es. Es gibt viele Videos im Netz und natürlich Darstellungen, produziert von den White Helmets, die die White Helmets als Terrorgruppe bloßstellen, aus denen man ersehen kann, daß dieselbe Person einmal den weißen Helm trägt und sich das andere Mal  über hingeschlachteten Körpern syrischer Soldaten feiern läßt. Damit ging der Oscar an … jene Terroristen. Es handelt sich damit nur um eine Story im Versuch, die syrische Armee während der Befreiung von Aleppo daran zu hindern, mehr Druck bei den Angriffen und der Befreiung der Distrikte innerhalb der Stadt zu machen, die von genau jenen Terroristen besetzt sind, um behaupten zu können, die syrische Armee und die Russen würden die Bürger und die unschuldigen und humanitär tätigen Leute angreifen.
Frage 13:  Richtig. Nun zu Tadmur (Palmyra). Ich unternahm einen eintägigen Ausflug nach Tadmur (Palmyra) in diesen Tagen. Jetzt befindet sich die Stadt unter Ihrer Kontrolle; was ist nun – soweit ihre strategische Lage betroffen ist, da [die Provinz] oms] ja das Herz Syriens ausmacht, sie liegt ja genau in der Mitte – Ihr nächstes Ziel? Werden Sie die Militäroperation nach ar-Raqqa oder Dair az-Zaur ausdehnen?
Präsident Dr. al-Assad: Wir sind jetzt sehr nahe an ar-Raqqa dran. Gestern erreichten unsere Truppen den Euphrat, der nahe an der Stadt ar-Raqqa vorbeifließt und ar-Raqqa ist derzeit der Stützpunkt des IS. Somit wird es zur Priorität für uns, doch das bedeutet nicht, daß andere Städte keine Priorität besitzen; es könnte zeitmäßig parallel verlaufen, da Tadmur auf dem Weg nach Dair az-Zaur im östlichen Teil Syriens liegt, nahe an der irakischen Grenze und solchen Gegenden, durch die die Route für den logistischen IS-Nachschub führt, also zwischen dem IS im Irak und dem IS in Syrien. Das Resultat ist demnach dasselbe, ob man den Stützpunkt angreift oder die Route, die dem IS für den Nachschub dient.
Frage 14: Was denken Sie, wie viele Tage wird dieser Krieg dauern?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn wir voraussetzten, daß es keine ausländische Einmischung gebe, dann würde es nur wenige Monate brauchen. Intern ist es nicht sehr kompliziert. Die Komplexität des Krieges geht auf die ausländische Einmischung zurück. Das ist das Problem. Angesichts jener Einmischung also ist das Gute, das wir erreichten, die Einigkeit der Gesellschaft. Ganz zu Anfang war die Vorstellung vieler Syrer bzgl. dessen, was vorging, nicht klar. Viele hielten die Propaganda aus dem Westen eher für wahr als die Realität, die wahre Geschichte, nämlich daß es gegen Unterdrückung gehe.  Wenn es aber gegen Unterdrückung ginge, warum revoltierten dann nicht – z.B. – die Menschen in Saudi-Arabien?  Dies ist also, was wir demnach erreichten , dies ist unsere stärkste Basis für die Beendigung des Krieges. Wir haben immer die Hoffnung, daß dieses Jahr das letzte [Kriegsjahr]  sein wird. Doch letzten Endes ist das Krieg und man kann nicht voraussehen,  was tatsächlich kommen wird.
Frage 15: Herr Präsident, Sie sind Präsident der syrischen Republik und zur selben Zeit sind Sie ein liebender Ehemann und Vater dreier Kinder. Wie können Sie die Rolle als Präsident, Vater und Ehemann ausbalancierend schultern?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Ihnen die kleine Pflicht in Ihrer Familie nicht glückt, können sie nicht in Ihrer größeren oder umfassenderen Verpflichtung auf der Landesebene erfolgreich sein. Es gibt demnach keine Ausrede dafür, daß man eine Menge Arbeit habe, die einen der Pflichten enthebe, es ist eine Pflicht. Darüber muß man sich ganz klar sein: man muß jene Pflichten auf sehr gutem Weg erfüllen. Sicher erlauben einem die Umstände manchmal nicht, alles zu tun, was man müßte, die Pflichten sozusagen vollständig zu erfüllen.
Journalist:  Wie viel Zeit verbringen Sie am Tag mit der Arbeit und wie viel mit Ihren Familienmitgliedern?
Präsident Dr. al-Assad: In Wirklichkeit geht es nicht um die Zeit, denn selbst wenn Sie zu Hause sind, haben Sie zu arbeiten.
Journalist:  Okay.
Präsident Dr. al-Assad: Sagen wir einmal, morgens und abends gibt es die Möglichkeit, doch dazwischen und nach diesen Zeitpunkten haben Sie den ganzen Tag Arbeit.
Frage 16: Haben Sie jemals daran gedacht, diese Land Ihrer Familie zuliebe zu verlassen?
Präsident Dr. al-Assad: Niemals. Nach sechs Jahren meine ich, sind die schwierigsten Zeiten vorbei, Demnach: nein, nein, das ist keine Option. Wann immer Sie eine Art von Unlust spüren,  verlieren Sie. Sie verlieren nicht an Feinden, Sie verlieren an Ihren Unterstützern. Mit den Unterstützern meine ich jene Menschen, mit denen Sie arbeiten; die Kämpfer, die Armee, sie merken es, wenn Sie nicht entschlossen, Ihr Land zu verteidigen. Ein solches Gefühl hatten wir nie, weder ich noch die Mitglieder meiner Familie.
Frage 17: Und wie macht sich Karîms Chinesisch?
Präsident Dr. al-Assad: Er hat die Grundlagen der chinesischen Sprache gelernt, ich denke zwei Jahre lang. Leider mußten die Dame und der Herr, welche ihn unterrichteten, [das Land] verlassen, da sie zur chinesischen Botschaft gehörte. Sie gingen zurück nach China. Nun hat er aufgehört, sein Chinesisch zu verbessern.
Frage 18: Denken Sie, es ist eine gute Wahl, Chinesisch zu lernen?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, klar, da China eine aufstrebende Macht ist.
Frage 19: Sie haben ihn nicht dazu gezwungen, Chinesisch zu lernen? Es war seine eigene Entscheidung, nicht?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, wir haben ihn tatsächlich nie dazu abgehalten. Ich war nicht der Ansicht, daß er Chinesisch lernen müßte, und ich erwartete nicht, wenn ich es ihm aufgetragen hätte, daß er dazu Ja gesagt hätte, da es für viele auf der Welt schwer ist, die chinesische Sprache zu lernen. Er ergriff die Initiative und sagte, er wolle Chinesisch lernen und [das tat er[ bis zu diesem Moment. Ich fragte ihn nicht nach dem Grund. Ich wollte, daß er sich [in seiner Entscheidung] frei fühlte. Doch wenn er älter [geworden sein] wird, werde ich ihn fragen. Danach fragen, wie es dazu kam, daß er diese Sprache lernen wollte, diese schwierige, aber doch wichtige Sprache.
Journalist:  Sie haben ihn zuvor nicht gefragt?       
Präsident Dr. al-Assad: Nein, bis jetzt nicht.
Journalist:  Denken Sie demnach, daß es eine gute Wahl gewesen ist?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, klar. Wie ich schon sagte, es ist eine aufstrebende Macht, es ist bedeutend.
Der größte Teil der Welt hat, so denke ich, unterschiedliche Arten von Beziehung zu China, entweder im Bereich Wissenschaft, Politik, Ökonomie oder geschäftlich. In jeglichem Feld braucht man es jetzt, denke ich.  Und unsere künftige Beziehung ist dabei zu wachsen. Sie war [schon] gut, doch sie wird noch zunehmen, denn wenn ein Land wie China sich als echter Freund erweist, als ein Freund, dem man trauen kann, dann ist es nur natürlich, daß sich die Beziehung auf dem allgemeinen Sektor verbessert, nicht nur auf dem formalen.
Journalist: Danke, Herr Präsident, danke für Ihrer Zeit.
Präsident Dr. al-Assad: Danke dafür, daß Sie nach Syrien gekommen sind, Sie sind hoch willkommen.

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit TF1 und EUROPE 1
vom 16.2.2017 (http://sana.sy/en/?p=100367)

Photo: SANA

Photo: SANA

Journalist: Präsident Bašâr-Assad, danke dafür, daß Sie diesem Zusammentreffen mit TF1 und Europe 1 hier in Damaskus  zugestimmt haben. wir werden über die Zukunft Syriens sprechen, über den Krieg gegen den Terror, über die kürzlichen Erfolge, und die Unterstützung, auf die Sie zählen können, wie auch über die heftigen Anschuldigungen, denen Sie sich derzeit gegenübersehen.
Journalist: Guten Morgen, Herr Präsident, bonjour monsieur le président.
Präsident Dr. al-Assad: Guten Morgen.
Frage 1: Eine einfache Frage zu Anfang: kann man nach dem Fall von Aleppo vor zwei Monaten sagen, Sie hätten den Krieg gewonnen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir denken nicht, daß wir über den Sieg im Krieg sprechen können ohne daß wir die Terroristen überall in Syrien besiegt haben. Es ist nur ein bedeutsamer Schritt auf dem Weg zur Niederwerfung und Eliminierung des Terrorismus aus unserem Land, doch denke ich, daß es sich um einen langen Weg handeln wird aus einem ganz einfachen Grund: weil sie immer noch Unterstützung von vielen westlichen Ländern einschließlich Frankreichs, einschließlich Großbritanniens, einschließlich der Türkei und Saudi-Arabiens und Qaṭars in unserer Region erhalten.
Frage 2: Sie sprechen von einem langen Weg; können sie von einem militärischen Blickwinkel aus die Ziele zusammenfassen, die Sie noch erreichen müssen?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, wenn ich von Eliminierung der Terroristen aus unserem Land spreche, bedeutet das, jeden Inch unseres Landes [unter Regierungskontrolle] zu nehmen, es unter die Regierungskontrolle zurückzubringen – das ist nämlich die Pflicht einer jeden Regierung: die Kontrolle über jeden Ort innezuhaben.
Frage 3: In welchem Teil Syriens insbesondere, in welcher Stadt?
Präsident Dr. al-Assad: Sie meinen als nächstes nach Aleppo?
Journalist: Ja.
Präsident Dr. al-Assad: Freilich müssen wir nun, und wir … wir führen unseren Feldzug im Umkreis von Aleppo fort, schon allein um Aleppo geschützter gegenüber irgendwelchen anderen Terroristenattacken aus dem westlichen und nördlichen Teil zu machen, der direkt von der Türkei mittels der türkischen Armee unterstützt wird.
Frage 4: Doch der nächste Schritt ist Idlib? Das sagen zumindest die Leute; die nächste große Schlacht werde Idlib sein.
Präsident Dr. al-Assad: Es könnte Idlib sein, es könnte ar-Raqqa sein, es könnte überall sein. nun, es hängt von der Situation auf täglicher Basis ab, da man seine Pläne auch ändert. Diesen Plan haben wir also nicht festgelegt bevor nicht [derjenige bzgl.] Aleppo als Stadt wie als ländlichem Gebiet beendet ist. Es ist also zu früh, darüber zu sprechen, was als Nächstes kommt. Das hängt von der Entwicklung der Gefechte in den verschiedenen Gebieten ab.
Frage 5: Aber die Situation ist doch jetzt wesentlich besser  als sie zuvor gewesen ist, militärisch gesprochen.
Präsident Dr. al-Assad: Sicher, jeder von den Terroristen befreite Ort macht die Situation besser, doch sie ist noch nicht gut genug für uns.
Frage 6: Sir, für Frankreich ist die terroristische Hauptbedrohung fraglos der IS. Für Sie sind alle bewaffneten Gruppen, oder die meisten davon, Terroristen. Warum ist der IS keine spezifische Bedrohung für Sie?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie mich in zweierlei Hinsicht antworten: zum ersten, wenn wir sagen, die sind Terroristen, geschieht dies nicht unserthalben als Regierung; es geht dabei ums Gesetz und das Völkerrecht.  Wer auch immer ein Maschinengewehr in meinem oder Ihrem Land trägt und beginnt, Leute zu töten und fremdes Eigentum zu zerstören, ist ein Terrorist. Dies ist ein internationales Konzept, es ist also nicht unserethalben so. Was uns betrifft, ist der kein Terrorist mehr, der seine Waffen abgibt, gemäß dem Gesetz. Wenn Sie aber über den IS sprechen, wenn Sie sagen, daß die französische und die europäische Bevölkerung sich wegen des IS sorgt, denke ich, dies ist ein Mißverständnis der Situation; der IS ist ein Produkt, er ist nicht das Problem. Das Problem ist die Ideologie des IS, welche dieselbe ist wie von Ğabhatu_n-Nuṣra, dieselbe wie von vielen anderen Organisationen, gleichgesinnten Organisationen in Syrien, und möglicherweise in Libyen oder irgendeinem anderen Land. Demnach sollten Sie sich über solche Terroristen sorgen machen; die kümmern sich nicht darum, ob sie IS oder Ğabhatu_n-Nuṣra [-Anhänger] sind, sie setzen um, was deren Ideologie ihnen zu tun vorschreibt, hauptsächlich terroristische Aktionen.
Frage 7: Demnach gibt es keinen Unterschied zwischen dem IS und den anderen Gruppen?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, in Syrien sind die Wurzeln dieselben; dieselben Leute, die im ISIS waren, waren zuvor in Ğabhatu_n-Nuṣra, nun wechseln sie von Organisation zu Organisation, da die Ideologie dieselbe ist: es ist die Wahhâbi-Ideologie, sie ist die Quelle dieses Terrorismus.
Frage 8: Die sind für Sie derselbe Feind, alle Terroristen sind gleich?
Präsident Dr. al-Assad: Ja, freilich, gemäß dem Gesetz, nicht meinetwegen. wie ich schon sagte, gemäß dem Gesetz und dem Völkerrecht hat niemand das Recht, Waffen zu führen mit Ausnahme der Armee und der Polizei in welchem Land auch immer. Ich denke, es verhält sich genauso in Frankreich, außer ich liege da falsch, dann sagen Sie mir das; doch das ist, was ich denke, überall auf der Welt.
Frage 9: Also ist ar-Raqqa, welches das IS-Herzstück ist, wo die Terrorattacken in Frankreich vorbereitet wurden, keine vordringliches Ziel für Sie?
Präsident Dr. al-Assad: Nochmals nein; die wurden nicht notwendigerweise in ar-Raqqa geplant; ar-Raqqa ist ein Symbol des IS.
Journalist: Es ist ein Symbol?
Präsident Dr. al-Assad: Sie haben den IS nahe bei Damaskus sitzen, überall, jetzt in Tadmur (Palmyra), im Ostteil Syriens; als nein, es geht nicht um ar-Raqqa; überall besteht Priorität abhängig von der Gefechtsentwicklung, aber für uns ist das alles Dasselbe: ar-Raqqa, Tadmur (Palmyra), Idlib, alles Dasselbe.
Frage 10: Sir, Sie präsentieren sich als den Hauptschild gegen den Terrorismus. Es gib eine Menge Leute, besonders im Westen, die denken, daß der IS auf der einen und Ihr Regime auf der anderen Seite die beiden Seiten, die beiden Gesichter desselben Teufels sind, der versucht, jede Art demokratischen, freien Ausdrucks in diesem Land zu vernichten.  Was würden Sie denen antworten? Das ist eine echte Frage.
Präsident Dr. al-Assad: Zuallererst sind wir kein Regime. Wir sind ein Staat, eine Institution. Zum Zweiten: das ist die Dämonisierung durch die westlichen Mainstream-Medien und politischen Schicht bzgl. Syriens, seiner Regierung und Armee, weil die jene „moderaten“  vom ersten Beginn an unterstützten; zu Beginn sagten sie dazu: „friedliche Demonstranten“, dann sagten sie: „sie sind nicht friedlich, aber sie sind Kämpfer – doch moderate“, doch sie ignorierten, daß die damit dieselben Wurzeln wie von al-Qâʽida und ISIS unterstützten. Das ist der Grund, warum sie sagen, wir versuchten jene als Terroristen hinzustellen und sie als Alternative zu benutzen; der Westen kann also nicht [zwischen IS etc. und anderen sog. moderaten] wählen. Vor allem hat der Westen nicht zwischen mit und ISIS zu wählen. Mein Volk hat zu wählen, weil es eine syrische Angelegenheit ist, um ganz offen mit Ihnen zu sein. Daher kümmern wir uns nicht darum, was westliche Amtsträger darüber denken; sie haben sich um ihre Völker zu sorgen und sie vor Terroristenattacken zu beschützen, die sich aufgrund ihrer [verfehlten] Politik ereignet haben.
Frage 11: Sir, klar sind wir extrem geschockt, besonders in Frankreich durch den Horror des Terrorismus, doch sind wir ebenso entsetzt über einen von Amnesty International vor ein paar Tagen letzte Woche herausgegebenen Report. Es geht um das Gefängnis Ṣaidnāyā (Saidnaya). es liegt gar nicht weit von hier, von Damaskus. 13.000 exekutierte Gefangene, massives Hängen, Folter. Amnesty spricht  – ich habe den Report gelesen – von einem Platz, wo der syrische Staat leise seine eigenen Leute schlachtet, der syrische Staat, Ihre Regierung. Herr Präsident, ist alles erlaubt, um den Krieg zu gewinnen? Können Sie alles tun, was Sie wollen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, [nur] alles Legale. Man kann nicht alles …
Journalist: Aber nach dem Amnesty Report scheint es illegal zu sein.
Präsident Dr. al-Assad: Nein. Es besteht ein Unterschied zwischen mir und Ihnen,  wenn wir über die Fakten in dies … in Syrien sprechen bzw. über die Behauptungen [darüber]. Wenn Sie über Behauptungen sprechen, können wir die Zeit mit Gesprächen über Behauptungen verbringen, niemals endende Behauptungen. Jeder kann sagen, was immer er will und wir können es diskutieren, doch in jenem Fall, sprechen wir [dann eben] nicht über Fakten. Wollen Sie aber über Amnesty reden, weil Amnesty rund um die Welt bekannt ist, so ist es beschämend für solche eine Organisation, so einen Report auf [bloßen] Behauptungen auszubauen. Wenn Sie einem Gerichtshof in Ihrem Land irgendwelche Behauptungen vortragen, dann haben Sie ein Gericht, ein Justizsystem; könnten die eine Entscheidung aufgrund von Behauptungen treffen oder müßten nach Beweisen suchen? diese Report ist auf Behauptungen aufgebaut ohne einen dokumentarischen Fetzen, ohne einen einzigen Beweis. sie sagten auch nicht 13.00; sie sagten: zwischen 5.000 und 13.000, was zweieinhalb Mal soviel ist, das bedeutet, es ist nichts Präzises. Da werden keine Namen erwähnt, von keinem der Opfer; nur 36 [Leute als solche] von jenen Tausenden  – [allein] das sind schon viele Mängel. sie sagten z.B. der Großmuftî bestätige die Exekutionen. Die religiösen Personen in Syrien haben nichts mit irgendeinem juristischen Verfahren zu tun. Exekution in Syrien ist legal als Teil des Rechtssystems seit der Unabhängigkeit; also kann die Regierung jemand legal exekutieren lassen; warum dann illegal handeln?
Journalist: Sie können uns sagen, es gebe keine Folter im Gefängnis von Ṣaidnāyā wie Amnesty sagte?
Präsident Dr. al-Assad: Die Frage ist: Folter zu welchem Zweck? Ich meine, wenn Sie sagen wollen, wir folterten, doch wofür? Was erreiche ich damit? Warum? Nur aus Sadismus? Wir sind also Sadisten? Zu welchem Zweck? Ich vermute, um Informationen zu  erhalten?  Wir haben alle Informationen, wir brauchen das nicht., das ist nicht unsere politische Vorgehensweise, [schon] aus einem ganz einfachen Grund:  wenn wir solche Greuel begingen, würde das [bloß] den Terroristen in die Hände spielen, damit die gewännen. Es geht darum, die Herzen der syrischen Bevölkerung zu gewinnen. Wenn wir solche Greueltaten an irgendeinem Abschnitt dieses Konflikts begangen hätten, hätten wir nach sechs Jahren nicht die Unterstützung [der Bevölkerung]. Es ist ein ganz simples Factum. Doch nochmals – zurückkommend auf die Reporte – Berichte sollten auf Fakten aufbauen. Doch es gibt kein einziges Factum in jenem Report; dabei haben sie den Beweis zu führen und sie können es nicht.
Frage 12: Aber Amnesty schlägt vor, internationale Beobachter zu den Haft-Zentren in Syrien zu schicken, um einen Beweis zu finden oder zu beweisen, daß Sie Recht haben und kein Verbrechen begangen worden ist. Wie lautet Ihre Antwort auf diesen Vorschlag?
Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, es bedarf einer Untersuchung über Amnesty selbst, wen die sich einen Report basierend auf [bloßen] Behauptungen zu eigen machen.  dies ist eine Schande, eine Schande für solche eine Organisation, die noch niemals unparteiisch gewesen ist, sie ist immer voreingenommen gewesen.
Journalist: Zeugenaussagen früherer Wächter und Gefangener?
Präsident Dr. al-Assad: Es geht um die Souveränität. Wenn man es jeden Tag  mit anschuldigenden Behauptungen und Reporten zu tun hat, kann man die ganze Zeit mit dem Empfangen von Delegationen verwenden. würden Sie es jetzt akzeptieren, wenn Sie Ihre Regierung fragen, daß eine syrische Delegation es untersucht, warum Ihre Armee unter Sarkozy und unter Hollande Libyen angegriffen und hunderttausende getötet hat? Können wir mit Untersuchungen über das Geld beginnen, das Sarkozy vom libyschen Anführer bekommen hat. Das ist eine Angelegenheit der Souveränität. Nein, wir erlauben Amnesty keinen Aufenthalt – aus irgendeinem Grund. [Dabei] spreche ich nicht über jenen Report, aber Sie – als Mainstream-Medien – haben Untersuchungen anzustellen: jener Report basiert worauf? Nur Behauptungen? Sie nehmen ihn nicht ernst.
Journalist: Ihre Antwort ist also „Nein“ zu Besuch internationaler Beobachter.
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, nein, nein. wir kümmern uns nicht über solche einen kindischen, auf nichts als Behauptungen basierenden Report. Sie sagten [sogar], sie interviewten einige Zeugen, die der Opposition, den Überläufern entstammten, sie sind also tendenziös.
Frage 13: Doch Sie geben zu, es gibt – in Syrien vorgehend – einige Exekutionen, zahlreiche Exekutionen, offizielle, legale Exekutionen.
Präsident Dr. al-Assad: Seit der Unabhängigkeit gib es sie, seit der Unabhängigkeit. Exekution ist Teil des syrischen Rechtssystems, im Fall von Mord gibt es die Exekution.  Es geht dabie nicht um die Krise, nicht um den Report und nicht um jenes Gefängnis. Es gibt legale Mittel dafür, den gerichtlichen Weg.
Frage 14: Sir, lassen Sie uns über die Beziehung zwischen Frankreich und Syrien sprechen. In wenigen Wochen ab heute wird ein neuer Präsident in Frankreich gewählt und unter den Debatten im Inland taucht [auch] das Thema bzgl. des Dialogs mit Ihrer Regierung auf. hoffen Sie auf eine Wiederbelebung der diplomatischen Beziehungen zu Frankreich?
Präsident Dr. al-Assad: Es geht nicht um die diplomatischen Beziehungen. Vor allem geht es um die Politik in Frankreich. Da wir keine diplomatische Beziehung haben, ist das kein so großes Problem zu dieser Zeit. Möglicherweise langfristig sollte man gute Beziehungen zu jedem Land haben einschließlich diplomatischer Beziehungen.
Journalist: Lassen Sie uns also über die Politik in Frankreich reden.
Präsident Dr. al-Assad: Exakt. Die Politik in Frankreich, die von Tag eins an startete, um die Terroristen in Syrien zu unterstützen, direkt verantwortlich  für das Töten in unserem Land.    
Journalist: Wie können Sie das sagen .. das ist eine schwerwiegende Anschuldigung gegen Frankreich. Wie können Sie sagen, daß Frankreich den Terrorismus unterstützt?
Präsident Dr. al-Assad: Sie sagten das, ich habe sie nicht beschuldigt. Sie sagten, viele Male, sie unterstützten den Krieg. Und Hollande sagte kürzlich, es sei ein Fehler gewesen, den Krieg nicht 2013 anzustoßen. Sie sagten, sie hätten Waffen an die geschickt, die sie „moderate“ Gruppen nennen, welche Terroristen sind. Sie sagten das, nicht ich. Die [US-]Amerikaner sagten Dasselbe, die Franzosen,  Ihre Amtsträger also – gehen Sie zurück zu deren Stellungnahmen der letzten zwei, vier Jahre möglicherweise – dann haben sie mehr als eine Selbstanklage durch die französischen Amtsträger.
Frage 15: Francois Hollande wird seine jetzige  Machtposition in Frankreich bald verlassen. Sie befinden sich noch in Ihrer.  Haben sie demnach Ihren Kampf, Ihr Armdrücken mit Francois Hollande gewonnen?
Präsident Dr. al-Assad: Es geht nicht um mich und ihn, es ist nichts Persönliches; ich habe ihn nie getroffen, er interessiert mich nicht, um offen zu sein, und seine Popularität ist kürzlich bei 11% gelegen, was meines Erachtens einen Tiefpunkt für jeden Präsidenten in der Geschichte Frankreichs darstellt. Tatsächlich geht es um mich und die Terroristen und um mich und wen auch immer, der die Terroristen unterstützt. Bis zu diesem Zeit konnten die Terroristen den Krieg nicht gewinnen, doch sie haben Syrien zerstört, hunderttausende Syrer getötet, also kann ich nicht sagen, ich hätte den Krieg gewonnen.  Mit ihrem Plan haben sie [d.h. die Terroristen] keinen Erfolg gehabt, doch bis zu diesem Moment haben wir den unseren Krieg nicht beendet.  Demnach kann ich nicht sagen, ich hätte den Krieg gewonnen.
Frage 16: Haben Sie irgendwelche Kontakte … verfolgen Sie vor allem die französische politische Kampagne, die Präsidentschaftskampagne, die jetzt vor sich geht?
Präsident Dr. al-Assad: Wir verfolgen sie im allgemeinen, nicht im Detail, da wir aus einem Grund, einem simplen Grund nicht auf westliche Wahlen setzen: wir nehmen die westlichen Amtsträger während der [Wahl-]Kampagne nicht beim Wort, da sie etwas für die Wähler nicht für das Land vortragen, für die Wähler insofern, daß sie sie wählen. So ist die Realität, ich bin offen mit Ihnen.
Frage 16: Sir, sehen Sie, zwischen dem rechten und dem linken Flügel in Frankreich hinsichtlich der Beziehung zu Syrien überhaupt einen Unterschied?
Präsident Dr. al-Assad: Ja, das kann man spüren; doch am Ende [zählt], wer wird Präsident und wie wird dessen Politik sein. Ausgehend von Bekanntem begegnet man vor der Wahl Wahlrhetorik oder was [sonst]? Das ist die Frage. Demnach darf man darauf nichts geben. Freilich zieht man jemanden vor, der nicht die Position eines Kriegstreibers einnimmt; man zieht ihn vor, doch man weiß nicht …
Journalist: Als Beispiel, von wem denken Sie, er sei der Beste, der keinen Krieg will?
Präsident Dr. al-Assad: Ja, wir sehen derzeit keinen großen Unterschied, doch nochmals, ich würde nicht auf deren Rhetorik setzen. Bezüglich der Rhetorik gibt es keinen großen Unterschied.
Frage 18: Und, haben Sie Kontakte zu Kandidaten? Zu keinem?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir haben keinerlei Kontakte mit wem auch immer von ihnen.
Journalist: Und mit dem Geheimdienst?
Präsident Dr. al-Assad: In manchen Fällen hatten wir indirekte Kontakte.
Journalist:  Mit dem französischen Geheimdienst?
Präsident Dr. al-Assad: Ja.
Journalist: Sie persönlich, Sie haben Kontakt mit dem französischen Geheimdienst?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich war bei einer der Delegationen, es war eine parlamentarische, einer vom Geheimdienst Teil der Delegation. Er ist demnach involviert.  Freilich sagte die französische Regierung: „das ist eine parlamentarische Delegationen, wir sind nicht involviert, wir sind nicht damit einverstanden“, was jedoch nicht wahr ist. Tatsächlich haben wir so manche Kanäle.
Frage 19:  Ein Land hat schon seinen Präsidenten gewechselt, das sind die USA. Eine der umstrittenen Entscheidungen von Donald Trump ist der Bann gegen Muslime. Sie war darauf ausgerichtet, Bürgern muslimischer Länder, einschließlich Syriens, zu verbieten, in die USA zu reisen. Empfinden Sie als syrischer Bürger, als Syriens Präsident dies gewissermaßen als Demütigung?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, denn es geht nicht gegen die syrische Bevölkerung, das als Erstes. Es geht gegen Terroristen, welche manche der Immigranten im Westen infiltrieren könnten – und das ist [schon]  passiert, passiert in Europa, hauptsächlich in Deutschland, und es könnte in den USA passieren. Daher denke ich, das Ziel von Trump ist, zu verhindern, daß jene Leute an der Einreise gehindert werden; daher schlug er diesen Weg ein. Zum Zweiten …
Journalist: Demnach ist er auf dem richtigen Weg, wenn er …
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, wir sprechen über etwas, dem man als Person zu oder nicht zustimmen kann, doch mich als Präsident stört das nicht. Ich sorge mich darum, wie ich die syrischen Bürger [wieder] nach Syrien bringen und nicht, wie ich sie in die USA schicken kann. Ich wäre nicht glücklich dabei, wenn sie in andere Länder einreisen könnten.  Ich bin glücklich, wenn sie nach Syrien zurückkommen können, weil sie nach Syrien zurückkommen wollen; die meisten Syrer verließen das Land wegen des Terrorismus´ und des Embargos, des westlichen Embargos. Wenn ich also über jene Entscheidung verhandeln wollte, würde ich Trump und die westlichen Staaten bitten, das Embargo aufzuheben und die Terroristenunterstützung zu beenden. Damit hätten sie kein Problem. Sie hätten [dann] keine Immigranten oder Terroristen, die die Immigranten infiltrieren. Zum Zweiten, und das ist ein weiterer wichtiger Punkt, all das Trara, von dem wir über Trumps Entscheidung hörten, gab es nicht wegen der Syrer oder wegen irgendeines anderen Landes, sondern darum, unseren Fall, unser Problem, unseren Konflikt als Brennstoff im Konflikt mit Trump zu benutzen; denn es gibt ja andere Entscheidungen, getroffen von Obama wenige Monate zuvor bezüglich derselben Sachlage, doch die Mainstream-Medien in den USA thematisierten es nicht; sie machten nur Trump zum Thema, als er es [d.i. seine Entscheidung] öffentlich machte  und auf schonungslose Weise durchzog.
Frage 20:  Sie fühlen sich also besser mit Donald Trump als mit Mr. Barack Obama?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, ich kann mich nicht wohl fühlen, bevor ich nicht seine Politik gegenüber Syrien erlebt habe. Davon habe ich noch nichts gesehen. Also nochmals: wir müssen vorsichtig mit jeder westlichen Führungsperson sein, da sei das eine sagen und das Gegenteil tun können, dann sagen sie wieder etwas … tun etwas am Morgen und das Gegenteil davon am Abend.  Sie verpflichten sich zu nichts; sie sind sehr pragmatisch bis hin zum Verkauf Ihrer Werte; in ihren  politischen Handlungsweisen haben sie keine Werte.
Frage 21:  Doch da gibt es zumindest ein Ding, das sich bislang nicht geändert hat, es ist eine Art Loslösung der USA von der Region, das ist ganz  offensichtlich. eine zweite Verhandlungsrunde beginnt nun in Astana in Kasachstan und das ist sehr beeindruckend. Die westlichen Länder sind ganz aus dem Spiel, aus dem Rahmen. Ist das tatsächlich gut für die künftigen Verhandlungen und den künftigen Frieden in der Region?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, je mehr Unterstützung man für einen politischen Prozeß hat, desto besser, doch die westlichen Länder, die in jenen Prozeß involviert sind, hauptsächlich Frankreich und Großbritannien, haben Ihre Chance vertan, etwas in Genf zu erreichen, [und zwar] zweimal: es gab zwei [Gesprächs]Runden in Genf und sie erreichten nichts, weil sie jene Gruppen unterstützten, welche die Terroristen gegen die Regierung repräsentierten. Sie wollten keine Frieden in Syrien erreichen. Sie wollten Ihre [eigenen] Ziele durch die Friedensachse im ganzen Prozesses erreichen.
Frage 22:  Doch das Factum, daß das Schicksal des Nahen Ostens  im Augenblick von zwei Staaten, dem Iran und Rußland überwacht wird,  die nebenbei gesagt selbst keine phantastische demokratische Bilanz aufweisen, ist das eine gute Sache?
Präsident Dr. al-Assad: Nochmals, je mehr Beteiligung es rund um die Welt gibt, desto besser; das ist nicht nur unsere Vision, das ist gerade die russische Version; die Russen luden viele Länder zur Bekämpfung des Terrorismus und zur Unterstützung des politischen Prozesses ein, doch die westlichen Länder isolierten sich selbst, nicht [jedoch] der Iran und nicht Rußland. Sie waren sehr passiv im Umgang mit all diesen Initiativen wie etwa Astana; wo sind sie [d.i. die westlichen Länder]?  Trugen ihnen die Russen auf, nicht zu kommen? Nein, taten sie nicht. Sie kamen [einfach] nicht.
Journalist:  Demnach sind der Iran und Rußland Förderer des Friedens und die westlichen Länder die des Krieges? 
Präsident Dr. al-Assad: Exakt, zu 100%, 100 %.
Frage 23:  Lassen Sie uns mit Rußland fortfahren. Würden Sie sagen, Wladimir Putin ist letztlich der tatsächliche Entscheider in der Region und gerade auch in Ihrem Land, in Syrien?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, ist er nicht. Wir entscheiden bezüglich Syrien. Bezüglich anderer Länder: ich  kann nicht für die anderen sprechen. Sie  [d.h. die Russen] respektieren unsere Souveränität, bei jedem Schritt, den sie tun, ob in strategischer oder taktischer Hinsicht, es war in Kooperation mit Syrien. sie taten keinen einzigen Schritt ohne uns. Sie bauen ihre Politik auf Werte und ihre Interessen auf, insbesondere hinsichtlich der Terrorismusbekämpfung. Von daher: nein, es ist unsere Entscheidung.
Frage 24:  Würden Sie jedoch sagen, ohne Rußland wäre Ihre Regierung vor langer Zeit zusammengebrochen?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist eine hypothetische Frage; niemand kann  Ihnen etwas über den Krieg sagen, da er sich im Fluß befindet. Jedoch, was deutlich für einen jeden ist, ohne die russische Unterstützung, wäre es schlimm gewesen. Wie schlimm? Das kann ich Ihnen nicht sagen, niemand kann das. Ob zusammengebrochen oder standgehalten, kann ich nicht sagen; doch die russische Unterstützung war definitiv sehr wesentlich für das Schrumpfen von ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣradenn sie breiteten sich aus, nachdem die US-geführte Koalition ihre Angriffe gestartet hatte – eine kosmetische Kampagne in Syrien – sie expandierten also bis die Russen intervenierten, da begannen sie zu schrumpfen. Das ist die Realität. Das ist ein Factum.
Frage 25:  Macht es Ihnen etwas aus, daß vor wenigen Jahren die meisten Beobachter und Analysten sagten, Sie würden nicht viel länger an der Macht bleiben – und nun, besonders nach Aleppo, sind sich eine größere Anzahl an Personen einig darin, die Möglichkeit bestehe, daß Sie an der Macht bleiben; Demnach ist die Frage, die Frage nach Ihrem Verbleib an der Macht auch eine Frage bei den Astana-Verhandlungen. Wenn in unserem Land ein Politiker eine schlechte Bilanz hat, bleibt er für gewöhnlich nicht [mehr] sehr lange im Amt. Würden Sie nach 17 Jahren an der Macht, sechs Kriegsjahren, 300.000 und mehr Toten in diesem Land, einem zerstörten, geteilten Land, von einer ethischen, nicht einer gesetzlichen, einer ethischen Perspektive aus sagen, daß diese Bilanz Ihnen einen Verbleib an der Macht erlaubt, wie auch immer das Ergebnis der Verhandlungen [in Astana] sein mag?
Präsident Dr. al-Assad: Sie wissen um jene Terroristen, welche die Attacken vor kurzem in Frankreich im letzten Jahr, begingen, wovon die Polizei einige tötete, Sie wissen darum. Was sagen Sie jenem Polizisten? Sagen Sie ihm, er sei ein Killer oder ein Retter? Er tötete. Dasselbe gilt vom Arzt, der ein Bein abnimmt, weil sich eine Gangrän darin gebildet hat. Würden sie ihm sagen, er habe ein Greuel begangen oder er habe das Leben des Patienten gerettet? Es geht also um den Grund, warum jemand eine Tat begeht, das als Erstes. In unserem Fall bekämpfen wir die Terroristen, um die Bevölkerung zu schützen. Das ist nicht meine Auffassung; es ist eine gesetzlich und konstitutionelle Pflicht. Täte ich das nicht, dann wäre ich der Killer, da ich es den Terroristen erlauben würde, Syrer in Syrien zu ermorden. Franzosen zu beschützen, ist die Pflicht Ihrer Armee, andernfalls würden sie sagen: „nein, wir tun nichts, sonst schimpfen sie uns Mörder“.
Frage 26:  Demnach würden Sie eventuell sagen, sie hätten alles für Ihr Land getan, was sie konnten und sollten?
Präsident Dr. al-Assad: Was ich konnte? Definitiv. Was ich sollte? Die Syrer entscheiden, würden entscheiden, was ich getan haben sollte, da wir verschiedene Auffassungen davon haben. Doch bezüglich dessen, wer entscheidet, ob dies eine schlechte Bilanz ist, wenn Sie über den ethischen Aspekt Ihrer Frage reden, dann ist es ausschließlich Sache der syrischen Bevölkerung, nicht die der europäischen Amtsträger, zu entscheiden, ob es sich um eine schlechte oder gute Bilanz handelt. Die [d.h. die europäischen Amtsträger] sagten „Assad muß gehen“, jetzt sagen sie nicht [mehr], „Assad muß gehen“. Ich kümmere mich weder um das eine noch um das andere.  Seit ganz von Beginn an habe ich mich darum nie gekümmert. Mich kümmert der Krieg gegen den Terrorismus, die Bekämpfung von deren Plänen, unser Land zu zerstören. Das ist meine Sorge von Beginn an. Darum ist das für mich [immer] Dasselbe, unabhängig davon, was die dazu sagen. Die Bilanz ist in jeder Hinsicht eine syrische [Angelegenheit], keine europäische.
Frage 27:  Wann aber kann die syrische Bevölkerung entscheiden, ob sie Ihre Politik billigt oder nicht? Wir haben in Frankreich derzeit Wahlen, wann ist die nächste in Syrien?  Präsident Dr. al-Assad: Sie haben zweierlei Möglichkeiten, die gegenwärtigen und die künftigen bei Kriegsende. Zu jener Zeit können Sie beliebige Möglichkeiten in Betracht ziehen: per Abstimmung, per Wahlen, was auch immer. In der Zwischenzeit haben die Leute eine Möglichkeit, Unterstützung oder keine Unterstützung. Wenn der Präsident nach sechs Jahren des Krieges eine schlechte Bilanz nach Meinung der  syrischen Bevölkerung aufzuweisen hätte, warum würden sie ihn dann unterstützen? Eine simple Frage: warum sollten sie ihn unterstützen? Warum unterstützen sie nicht die Terroristen? Und wenn sie hinsichtlich jener Frage bezüglich der 300.000 oder 400.000 tausend Getöteten, den Präsidenten des Tötens beschuldigten, wäre das, als stellten Sie den Terroristen ein Zertifikat über deren Verhalten aus, da Sie ja die Leute töteten und jene die Leute beschützten.  Al-Qâʽida und Ğabhatu_n-Nuṣra und ISIS beschützen die Leute – das wäre demnach die Kernaussage jener [Ihrer] Frage. Doch nein, tatsächlich kämpfen wir für die syrische Bevölkerung.  Deshalb unterstützt die syrische Bevölkerung ihre Regierung und ihre Armee wir ihren Präsidenten.
Journalist: Danke Herr Präsident, daß Sie Europe 1 und TF1 empfangen haben.
Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank für Ihr Kommen.

Ziel ist eine textnahe Übersetzung, die dem Leser noch Nachvollziehung der Gesprächsdynamik erlaubt.
 

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Präsident Dr. al-Assad im Interview mit Yahoo News
http://sana.sy/en/?p=99897 vom 10.2.2017
[aufgenommen am Vortag für Ausstrahlung um 13.00 Uhr]

Photo: SANA

Photo: SANA

Frage 1: Danke, Herr Präsident, daß Sie uns die Möglichkeit bieten. Das ist Ihr erstes Interview mit amerikanischen Medien seit Präsident Trump sein Amt übernommen hat. Hatten Sie irgendeine Kommunikation direkter oder indirekter Art mit Präsident Trump oder jemandem aus seiner Administration?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, noch nicht.
Frage 2: Dies ist eine Möglichkeit für Sie, Präsident Trump eine Nachricht zukommen zu lassen, wenn Sie eine haben. Was würden Sie ihm sagen wollen?
Präsident Dr. al-Assad: Die Nachricht würde ich ihm nicht über die Medien zukommen lassen; ich würde sie über einen anderen Kanal, möglicherweise über diplomatische Kanäle übermitteln. Denn jede Mitteilung ist, was uns betrifft, eine öffentliche, wir haben keine doppelten. Wir haben einen (one) Standpunkt, eine Position demgegenüber, was in Syrien passiert, und das betrifft die Terrorismusbekämpfung.
Frage 3: Gestern, glaube ich, sagten Sie, daß das, was sie von der neuen Administration gehört hätten, sei vielversprechend. Erklären Sie, was Sie damit meinten!
Präsident Dr. al-Assad: Präsident Trumps Position seit seines Wahlkampagnenstarts bis zu diesem Moment ist, daß die Terrorismusbekämpfung Priorität habe. Darüber stehen wir mit ihm im Einklang, das ist unsere Position in Syrien, die Priorität besteht in der Terrorismusbekämpfung – das ist es, was ich mit vielversprechend meinte.
Frage 4: Sie deuteten an, Sie dächten, da gebe es einen Weg zur Kooperation zwischen den USA und Syrien, doch Sie erklärten nicht, was das sein könne. Welche Art Kooperation können Sie sich vorstellen?
Präsident Dr. al-Assad: Gegen Terroristen und gegen den Terrorismus. Das ist selbstverständlich für uns. Dies besteht neben einer Kooperation wie sie zwischen irgendwelchen zwei Nationen besteht, doch in der Zwischenzeit, unter den gegebenen Umständen, liegt die Kooperation zwischen den verschiedenen Nationen in der Terrorismusbekämpfung, einschließlich Rußlands, des Irans und Syriens selbstverständlich.
Frage 5: Der Präsident beauftragte seinen Verteidigungsminister mit der Entwicklung eines Plans zur Bekämpfung des IS bzw. Daesh. Unter den Vorschlägen die nach Meldungen in Betracht gezogen werden, sind mehr Spezialeinheiten, sogar militärische aktive wie Apache-Helikopter in Syrien und Bewaffnung kurdischer Kämpfer, die im Norden gegen Daesh kämpfen. Wenn solche Aktionen ISIS besiegten, würden Sie das begrüßen?
Präsident Dr. al-Assad: Konnte das amerikanische Vermögen (prowess) den Terrorismus in Afghanistan besiegen oder an irgend einem anderen Platz? Nein, konnte es nicht. … Es ist nicht genug, über Apaches oder F-16 oder F-35 zu verfügen, wie auch immer Sie es bezeichnen wollen, um Terroristen zu besiegen. Da braucht es eine umfassendere Herangehensweise an diese komplizierte Angelegenheit. Wenn Sie – als USA – also aufrichtig damit beginnen wollen, muß es mittels der syrischen Regierung geschehen. Wir sind hier, wir sind die Syrer, uns als Syrern gehört dieses Land, niemand könnte es verstehen wie wir. Demnach können Sie Terroristen nicht ohne Kooperation mit der Bevölkerung und der Regierung eines jeglichen Landes besiegen.
Frage 6: Sie haben aber russische Truppen in Ihrem Land willkommen geheißen. Würden Sie amerikanische in Ihrem Land willkommen heißen?
Präsident Dr. al-Assad: Wir luden die Russen ein und die Russen waren aufrichtig in dieser Angelegenheit. Wenn die Amerikaner aufrichtig sind, sind sie freilich willkommen wie jedes andere Land, das die Terroristen besiegen und bekämpfen will. Das können wir sicher und ohne Zögern sagen.
Frage 7: Also wollen Sie, daß amerikanische Truppen nach Syrien kommen, um den IS bekämpfen zu helfen?
Präsident Dr. al-Assad: Truppen sind nur ein Teil der Kooperation. Lassen sie uns nochmals zum Umstand des Umfassenden zurückkommen: Sie könne nicht über Truppenentsendung sprechen, wenn sie nicht ehrlich sind, wenn sie keine klare politische Position gegenüber nicht dem Terrorismus haben, [sondern auch] .gegenüber der Souveränität Syriens und seiner Einheit. All diese Faktoren würden Vertrauen dahingehend begründen, daß Sie Ihre Truppen senden können. Das ist es, wie es mit den Russen gelaufen ist: sie sandten nicht nur ihre Truppen. Vor allem steht da deren klare politische Position hinsichtlich jener Faktoren. Das ist [der Grund], warum die Russen kommen konnten und Erfolg hatten bei der Bekämpfung der Terroristen in Syrien.
Frage 8: Sehen Sie eine Kooperation zwischen den USA und Rußland in der Bekämpfung des IS in Syrien?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist essentiell. Jede Kooperation in irgendeinem Konflikt auf der Welt benötigt – lassen Sie es uns so formulieren – Annäherung zwischen den Russen und den Amerikanern. Das ist ganz essentiell, nicht nur für Syrien.
Frage 9: Nun, Sie sprechen die ganze Zeit mit den Russen, ja?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich.
Frage 10: Ah ja? Wann war das letzte Mal, daß Sie mit Präsident Putin sprachen?
Präsident Dr. al-Assad: Vor ein paar Wochen.
Frage 11: Worüber sprachen Sie?
Präsident Dr. al-Assad: Über das Problem in Syrien, über das Vorrücken der syrischen Armee in Syrien.
Frage 12: Mhm.  Gehen Sie daran, eine Art von Arrangement zwischen den USA und Rußland in diesem Kampf zu vermitteln?
Präsident Dr. al-Assad: Es besteht ein direkter Kontakt zwischen ihnen. Präsident Putin führte ein Telefongeapräch mit Präsident Trumpvor einer Woche oder so. Dabei sprachen sie über verschiedene Angelegenheiten einschließlich Syriens. Sie brauchen mich also nicht in der Rolle, um das zu tun. Und wir haben keinerlei Kontakt zu Amerikanern, um den Russen helfen zu können, Kontakt herzustellen oder ihre Beziehungen zu verbessern. In der Position sind wir nicht.
Frage 13: Kürzlich sagte Präsident Trump, er wolle absolut „Sicherheitszonen“ in Syrien errichten, um die Flüchtlinge zu schützen und möglicherweise vielen erlauben zurückzukehren. Wenn solch eine Aktion Ihren helfen würde, Ihre gefährdeten Bürger zu schützen, würden Sie sie dann unterstützen? 
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich würde ich das nicht. Das würde ich nicht. Sicherheitszonen für Syrer wären nur dann realisierbar, wenn Stabilität und Sicherheit herrschte, wo es keine Terroristen gibt, wo es keinen Zufluß und keine Unterstützung  für jene Terroristen durch benachbarte Länder oder westliche Statten gibt. Das wäre die Plattform, auf der man eine natürliche Sicherheitszone haben könnte, welche unser Land darstellt. sie brauchen überhaupt keine Sicherheitszonen. Es ist ein viel gangbarerer, praktikablerer und kostengünstigerer Weg, [im ganzen Land] Stabilität zu schaffen als Sicherheitszonen. Das ist keineswegs eine realistische Idee.
Frage 14Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Ihre Landes sind Vertriebene. Wie können Sie sagen, daß Sicherheitszonen zu ihrem Schutz vor Bombardierung nicht hilfsreich seien?
Präsident Dr. al-Assad: Die erste Frage, die Sie stellen müssen, ist: warum sie zu Vertriebenen wurden. Wenn Sie jene Frage nicht beantworten können, können sie auch den Rest nicht beantworten. Sie wurden aus zwei Gründen zu Vertriebenen: Vor allem wegen der terroristischen Aktionen und der Unterstützung von auswärts. Und zum Zweiten ist das Embargo gegen Syrien [der Grund]. Viele Menschen verließen Syrien nicht wegen der Sicherheitslage. Wie Sie sehen, ist Damaskus heute sicher, es herrscht fast, freilich nicht ganz normales Leben. Doch sie fanden keine Lebensmöglichkeit in Syrien; demnach mußten sie ins Ausland gehen, um ihr Auskommen zu finden.  Demnach: wenn Sie (you) das Embargo aufheben und die Terroristenunterstützung einstellen – dabei spreche ich nicht über die USA: ich spreche über alle, die Terroristen unterstützen einschließlich der USA während der Obama-Administration –  wenn also Sie alle diese Aktionen beenden, werden die meisten jener Leute zurück in ihre Heimat kommen.
Frage 15Es gibt so um die 4,8 Millionen syrischer Flüchtlinge seit Beginn der Krise. Nur des Vergleiches halber, das sind mehr als viermal soviel als die Gesamtzahl der palästinensischen Flüchtlinge seit den Vorfällen 1967 und 1948.  Akzeptieren Sie das als humanitär Katastrophe?
Präsident Dr. al-Assad: Es ist eine humanitäre Katastrophe, verursacht durch die westliche Unterstützung für jene Terroristen und – selbstverständlich  durch die regionale Unterstützung seitens der Türkei, Qaṭars und Saudi-Arabiens. Es hätte sich ansonsten niemals so abgespielt.
Frage 16: Und tragen Sie irgendeine Verantwortung für all dieses Desaster?
Präsident Dr. al-Assad: Als Präsident?
Journalist: Ja.
Präsident Dr. al-Assad: Bezüglich der politischen Entscheidungen, die ich seit Beginn der Krise getroffen habe,  als da gewesen sind: Unterstützung des Dialogs unter den Syrern, Bekämpfung der Terroristen und Unterstützung der Rekonziliation – die hatten Erfolg. Von daher: nein, bezüglich dieser politischen Entscheidungen denke ich, haben wir korrekt gehandelt und diese Prinzipien verfolgen wir für die Zukunft Syriens bzgl. dieser Krise weiter.
Frage 17: Wie Sie wissen hat Präsident Trump eine sehr umstrittene Durchführungsverordnung zur Zurückweisung von Flüchtlingen, Immigranten, besonders aus muslimischen Ländern, jedoch spezifisch alle syrischen Flüchtlinge, unterzeichnet,  indem er behauptete, deren einreise sei abträglich für die Interessen der USA unter der Prämisse, einige darunter seien Terroristen.  
Präsident Dr. al-Assad: Ja.   
Journalist: Stimmen Sie darin mit Präsident Trump überein? 
Präsident Dr. al-Assad: Diese Frage beinhaltet zwei Aspekte:  der erste bezieht sich auf Amerika, dies ist eine amerikanische Angelegenheit mit Bezug auf die Souveränität der amerikanischen Nation. Jedes Land hat das Recht, Regelungen zur Einreise zu treffen. damit kann man einverstanden sein oder nicht, doch wenn Sie mich als Präsident fragen, dann besteht meine Verantwortlichkeit als Amtsträger des syrischen Staates  nicht darin, irgendeinen [anderen] Präsidenten um Erlaubnis zu fragen, ob Syrer dorthin gehen dürfen oder er in jenem Land Flüchtlinge dulde. Meine Verantwortlichkeit besteht darin, Stabilität wiederherzustellen, um jene nach Syrien zurückzubringen und Zuflucht in ihrem Land zu finden. Also diskutierte ich nicht, ob das richtig oder falsch ist; es ist eine amerikanische Angelegenheit.
Frage 18: Doch die Frage war, stehen manche dieser Flüchtlinge – Ihrer Ansicht nach – mit Terroristen in Verbindung?
Präsident Dr. al-Assad: Oh, definitiv.
Journalist: Definitiv?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv.
Frage 19: Also, wie viele Terroristen sind unter den 4,8 Millionen syrischen Flüchtlingen, denken Sie?
Frage 20: Denken Sie, es ist eine signifikante Anzahl?
Präsident Dr. al-Assad: Es geht nicht um die Signifikanz, da man keine signifikante Anzahl braucht, um Grausamkeiten zu begehen. Der Anschlag vom 11. September  ereignete sich, obwohl nur 15 Terroristen unter den möglicherweise Millionen an Immigranten der USA beteiligt waren; es geht also nicht um die Anzahl; es geht um die Qualität und um die Absichten [der Leute].
Frage 21: Also, wenn das, was Sie sagen, richtig ist, täte Präsident Trump recht damit, sie aus den USA rauszuhalten?
Präsident Dr. al-Assad: Ich bin kein Amerikaner, um darüber zu urteilen; nur amerikanische Bürger würden entscheiden, das entspricht oder geht gegen die Interessen der USA. Von außerhalb können wir über deren [d.i. die Verordnung] Wert diskutieren, über deren Übereinstimmung mit der humanitären Situation in der Welt oder nicht. Von der Seite können wir sie diskutieren. aber nochmals: ich kann nur als Präsident sprechen: für mich ist es Priorität, jene  Bürger in ihr Land [zurück]zubringen, nicht ihnen bei der Immigration [in die USA] zu helfen. Das ist die selbstverständliche Pflicht gemäß der Verfassung und dem Gesetz.
Frage 22: Würden Sie alle syrischen Flüchtlinge in Ihrem Land wieder willkommen heißen?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, selbstverständlich.
Journalist: Definitiv? Selbst die Terroristen?
Präsident Dr. al-Assad: Die muß ich als Präsident nicht willkommen heißen; mir gehört das Land nicht; es ist nicht mein Haus, es ist nicht meine Firma, nicht meine Farm. dies ist das Land eines jeden Syrers.
Frage 23:  Doch wenn Sie glauben, daß einige davon Terroristen sind, was würden Sie dann tun, wenn die zurück nach Syrien kommen?
Präsident Dr. al-Assad: Es spielt keine Rolle, was ich glaube. es spielt eine Rolle, was das Gesetz bestimmt über jede Person, die sich irgendeine Aktion gegen das Land hat zu Schulden kommen lassen unter Beachtung der Tatsache, daß wir in Syrien als Teil der Rekonziliierung tausenden von Leuten eine Amnestie gewährt haben, die Aktionen oder Taten gegen ihr Land verübt haben.
Frage 24:  Was denken Sie, wie die zurückkehren? Wie sieht Ihre Vision oder Plan dafür aus, Syriens Flüchtlinge zurück nach Syrien zu bringen?
Präsident Dr. al-Assad: Es sind schon eine Menge von ihnen, keine riesige Anzahl, aber viele von ihnen nach Syrien zurückgekehrt – viele von ihnen trotz der Sicherheitsbelange und des Embargos. Demnach würde die Mehrheit der Syrer zurück in ihr Land kommen wollen. Das ist selbstverständlich für jeden Bürger. Sie werden zurückkommen, wenn Sicherheit herrscht und es kein Embargo mehr gibt.
Frage 25: Gerade erst letzten Monat hat Ihr Militär die Rebellen aus Ost-Aleppo vertrieben. Sehen Sie dies als Wendepunkt im syrischen Bürgerkrieg an und glauben Sie, sie hätten den Krieg nun gewonnen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, es ist kein Wendepunkt. Der Wendepunkt war, als wie den Entschluß faßten, den Terrorismus zu bekämpfen statt all die auswärtige Propaganda gegen uns, besonders aus dem Westen, und gegen jegliche Art von Druckausübung. Das war der Wendepunkt. Aleppo ist ein bedeutsamer Schritt gegen die Terroristen, im Kampf gegen den Terrorismus, doch kann ich nicht sagen, es sei ein Wendepunkt, da wir immer noch denselben Weg, dieselben Richtung verfolgen. wir haben unsere Richtung nicht geändert. Mag sein, daß es ein Wendepunkt für die Terroristen [gewesen] ist. Das könnten die besser beantworten. Mag sein, daß es einer für deren Herren (masters) im Westen und der Region [gewesen] ist, möglicherweise, doch müßten die beantworten, ich kann nicht für die antworten.
Frage 26: Vorhin fragte ich Sie nach möglicher Kooperation zwischen den USA und Syrien; das Problem, das viele damit hätten sind die fortlaufenden Vorwürfe über Verstöße gegen Menschrechte durch Ihre Regierung. Gerade erst heute haben wir einen neuen Bericht von Amnesty International über das Gefängnis Ṣaidnāyā (Saidnaya) erhalten, „human slaughterhouse[menschliches Schlachthaus] nannten sie es, 5.000 – 13.000 Gefangene seien dort beim Massenhängen erhängt worden wie entsetzlich [Haft-]bedingungen, Verhandlungen mit Gefangenen, denen die Augen verbunden gewesen sind, bei einer Länge von einer bis drei Minuten ohne Rechtsbeistände, im Geheimen, alle im Geheimen. Das würde, allem Anschein nach, jedem Aspekt des Völkerrechts widersprechen. Was wissen Sie über die Vorgänge in jenem Gefängnis?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns zunächst den ersten Teil Ihrer Frage abhandeln, über das Problem, wie – von US-Seite – Beziehungen mit Syrien unter Berücksichtigung der Menschenrechte aufzunehmen seien.  Da will ich Sie fragen, wie können Sie diese enge, sehr enge, innige Beziehung zu Saudi-Arabien unterhalten? Halten Sie Köpfen für ein Menschenrechtskriterium?
Journalist: Doch ich interviewe nicht den König von Saudi-Arabien, ich interviewe Sie.   
Präsident Dr. al-Assad: Ja, das weiß ich. Ja, selbstverständlich.
Journalist:  Ich frage sie aufgrund von Berichten über Menschenrechtsverstöße in Ihrem Gefängnis, in Ihrem Land.
Präsident Dr. al-Assad: Sie stellen die Fragen, die Antworten sind meine Sache; also: das ist meine Antwort. Wenn Sie demnach die Frage über Ihre Verbindung zu Saudi-Arabien beantworten, können  Sie sich genau in jene Position versetzen. Zweitens: die USA befinden sich nicht in der Position, über Menschenrechte zu sprechen. Vom Vietnamkrieg bis zu diesem Moment haben sie Millionen von Bürgern getötet, falls Sie nicht über die 1,5 millionen im Irak sprechen möchten, und das ohne irgendeine Order des [UN-]Sicherheitsrats. Demnach sind die USA nicht in der Position, zu sagen: „ich nehme keine Beziehungen wegen der Menschrecht[slag]e auf“ und sie müssen ein und denselben (one) Standard benutzen. Das zuerst einmal.
Nun zum zweiten Punkt. Jetzt kann ich auf den anderen Teil zu sprechen kommen, den Report, einen wie viele andere, veröffentlicht von Amnesty International, welche die Glaubwürdigkeit von Amnesty International in Frage stellen; wir schauen nie darauf wie auf einen unparteiischen [Bericht]. Er ist immer parteiisch und politisiert und es ist eine Schande für solch eine Organisation, einen Report ohne einen Fitzelchen von Beweis zu veröffentlichen. Sie sagen, er basiere auf Interviews, auf Interviews!
Journalist: Ja.
Präsident Dr. al-Assad: Was ist mit den Dokumenten? Was ist mit konkreten Belegen? Kein einziger konkreter …
Journalist: Interviews mit vier früheren Gefängnis –Beamten und -wärtern, drei früheren syrischen Richtern, drei Ärzten …
Präsident Dr. al-Assad: Das bedeutet nichts.
Journalist: Das bedeutet nichts?
Präsident Dr. al-Assad: Es sind (is) Interview[s] … nein, nein, wenn Sie einen Bericht anfertigen wollen, brauchen sie konkrete Beweise. Sie können irgendeinen Report anfertigen, können  Geld an irgendwen bezahlen wie Qaṭar es letztes Jahr machte. Sie bezahlten Geld für so einen Report und die brachten ihre eigenen Zeugen gleich mit, und sie fertigten den Report.
Frage 27: Ich möchte Ihnen bloß etwas aus dem Report vorlesen … „Der Prozeß des Hängens ist autorisiert durch Beamte von den höchsten  ebenen der Regierung. Todestrafen werden vom Großmuftî von Syrien ausgesprochen und entweder vom Verteidigungsminister oder dem Stabschef der Armee, welche dazu beauftrag sind, im Namen von Präsident Bashar al-Assad zu agieren“.
Präsident Dr. al-Assad: Zuallererst: was ist der Beweis? Das als Erstes. Zum Zweiten …
Journalist: Ist es wahr oder nicht?
Präsident Dr. al-Assad: Nein; nein, es ist nicht wahr, definitiv nicht wahr.
Journalist: Woher wissen Sie das? Wissen Sie, was in jenem Gefängnis vorgeht? Sind Sie dort gewesen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, ich bin nicht dort gewesen, ich bin im Präsidentenpalast gewesen, nicht im Gefängnis.
Journalist: Sie haben hier damit einen sehr verstörenden Report über Vorgänge in einem Ihrer Gefängnisse, werden Sie eine Untersuchung veranlassen?
Präsident Dr. al-Assad: Also weiß Amnesty International mehr über Syrien als ich, gemäß Ihrer Aussage. Nein, das [im Report Geschriebene] ist nicht wahr. Nein, sie [die Verfasser] sind nicht in Syrien gewesen, sie gründen ihre Reporte ausschließlich auf Behauptungen; sie könne irgendwen vorbringen, das spielt keine Rolle egal, welchen Titel der trägt. Sie können dieser Tage alles fälschen, wir leben in einer Ära der fake news, wie Sie wissen; jeder weiß das. Daher dürfen wir uns nicht darauf verlassen.
Zweitens: Sie müssen übe die Realität sprechen; die sagen also in ihrem Report, wir veranstalteten Massenexekutionen, korrekt?
Journalist: Ja. Massenhängen.      
Präsident Dr. al-Assad: Zuallererst: Exekution[en] sind (is) Teil der syrischen Rechtsprechung. Wenn die syrische Regierung oder Institution eine durchführen will, kann sie das legal tun, da es schon seit Jahrzehnten so geschieht.
Journalist: Geheime Verfahren ohne Rechtsbeistände?                                                                
Präsident Dr. al-Assad: Wozu brauchten sie die, wenn sie es doch auf die legale Weise machen könnten? Sie brauchen nichts im Geheimen zu tun.
Journalist: Ist das [Exekution] legal in Ihrem Land?                                                                    
Präsident Dr. al-Assad: Ja, ja, sicher, es ist legal, seit Jahrzehnten, seit der Unabhängigkeit. Die Exekution gemäß dem Gesetz, nach einer Verhandlung, ist eine legale Aktion, wie in irgendeinem anderen Gerichtshof in vielen Staaten dieser Region.                                     
Frage 28: Werden Sie internationalen Beobachtern erlauben, jenes Gefängnis zu besuchen, zu inspizieren und diesen Bericht zu untersuchen?
Präsident Dr. al-Assad: Es kommt auf die Glaubwürdigkeit jener Organisation an, nicht auf irgend jemand, da die daran gehen, diesen Besuch gerade dazu zu benutzen, die syrische Regierung mehr und mehr und mehr zu dämonisieren, wie es schon geschieht.
Frage 29:
Das ist nicht das erste Mal, daß sehr ernsthafte Menschenrechtsanschuldigungen erhoben worden sind. Erst letzte Woche, strengte in Spanien eine Syrerin einen Prozeß gegen neun höhere Geheimdienst- und Sicherheitsbeamte der Regierung wegen Menschenrechtsverstößen an. Ihr Bruder sei in einem Ihrer Gefängnisse verschwunden. sie fragten nach Dokumenten, die Rechtsanwälte, die dies [die Klage] eingereicht haben, die Ihre Regierung der Menschenrechtsverstöße anklagt, hat 3.000 Seiten an Beweis gesammelt und über 50.000 Photos, aufgenommen von einem Ihrer früheren Regierungsphotographen, die abgemagerte, gefolterte Körper in Ihren Gefängnissen zeigen.
Präsident Dr. al-Assad:
Wer hat diese Bilder überprüft? Wer hat überprüft, das sie nicht bearbeitet, mit Photoshop etc. verändert worden sind?
Journalist:
Haben Sie die Photos gesehen?
Präsident Dr. al-Assad:
 
Nein, habe ich nicht.
Journalist:
Haben Sie die Photos gesehen?
Präsident Dr. al-Assad:
Nein, nein, ich habe einige Photos in vorausgegangenen Reports gesehen. Doch es geht nicht ums Photo. Wie können Sie das Photo verifizieren?
Journalist:
Sie sagten, daß …
Präsident Dr. al-Assad:
Haben Sie ein Photo?
Journalist:
Ich habe die Photos.
Präsident Dr. al-Assad:
Können Sie`s mir zeigen?
Journalist:
Ja, es wird mir eine Freude sein, hier.   
Präsident Dr. al-Assad:
Dieses Photo … haben Sie überprüft, wer die sind?
Journalist:
Ich … kann Ihnen sagen ...
Präsident Dr. al-Assad:
Da sie es doch [dabei] haben und es vor Ihrem Publikum erwähnen …
Journalist:
Es gibt eine Anzahl Photos …          
Präsident Dr. al-Assad: Sie müssen Ihr Publikum überzeugen; Sie können nicht ein Bild erwähnen, ohne es überprüft zu haben, wer jene [Abgebildeten] sind und wo [es aufgenommen worden ist] und alles andere darüber, es nur vor das Publikum zu halten und zu sagen: „die sind von syrischen Soldaten getötet worden“ reicht nicht.
Journalist:  Die Frau, die den Prozeß angestrengt hat, die Syrerin, die den Prozeß angestrengt hat, sie sah [erkannte] Ihren Bruder in jenen Photographien.
Präsident Dr. al-Assad: Am Ende sind dies nur Behauptungen. Wir haben aber im Endeffekt über konkrete Belege zu sprechen. [Nur] darauf können sie Ihr Urteil begründen. Jeder kann sagen, was auch immer er mag.
Frage 30: Das US-Innenministerium übergab diese Photos dem amerikanischen FBI-Kriminallabor, dem Digitallabor. Sie examinierten diese Photos und sagten, die abgebildeten Körper und Szenen – es sind 242 dieser Bilder – die abgebildeten Körper und Szenen wiesen keine Bearbeitungen (artifacts) oder Ungereimtheiten auf, die darauf hinwiesen, sie seien manipuliert worden. Als Ergebnis dieser erwähnten Betrachtung erscheinen alle dieser 242 Bilder reale Körper und Vorgänge abzubilden.
Präsident Dr. al-Assad: Wer hat das gesagt?
Journalist: Das FBI. Haben Sie deren Bericht gesehen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wann war das?
Journalist: Das war 2015.
Präsident Dr. al-Assad: Die Frage ist, wann Ihre Institutionen aufrichtig hinsichtlich der Vorgänge in Syrien waren. Das ist die Frage. Niemals. Für uns, niemals, demnach müssen wir nicht dem vertrauen, was die sagen, falls das FBI etwas sagt, ist das kein Beweis für irgend jemand, ganz besonders [nicht] für uns. Das Wichtigste ist: wenn Sie diese Photos vor irgendeinen Gerichtshof in Ihrem Land bringen, können die dann aufgrund dessen einen Kriminellen verurteilen? Können Sie Ihnen erzählen, welches Verbrechen hier vorliegt, wer es begangen hat?  Wenn Sie nicht dieses ganze Bild beisammen haben, können Sie kein Urteil fällen; es ist nur Propaganda, nur fake news, sie wollen die syrischen Regierung dämonisieren. In jedem Krieg gibt es individuelle Verbrechen, es geschieht hier, überall auf der Welt, überall, doch es ist keine Richtlinie. 
Frage 31: Doch lassen Sie mich bloß … Wenn ich höre, was Sie sagen, das FBI transportiere … propagiere Propaganda, Amnesty International propagiere Propaganda, jedermann konspiriert gegen die syrische Regierung. Warum?                                 
Präsident Dr. al-Assad: Fragen Sie die, wir sind nicht …
Journalist: Sie sind der, der die Anschuldigung vorbringt.
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, ich bringe keine Anschuldigung vor, sie unterstützten Terroristen; und gehen Sie zurück zudem, was sie sagten … John Kerry gab vor ein paar Monaten mit eigener Stimme von sich: „Wir beobachten wie ISIS fortschreitet und wir erwarten, daß der syrische Präsident [dann] Konzessionen macht.“ (we were watching ISIS advancing, and we expected the Syrian president to make concessions). Was bedeutet das? Obama sagte in einer seiner Reden, daß der Krieg gegen den Irak ISIS schuf. Also: wer unterstützte ISIS? Wir schufen ihn nicht, sie schufen ihn, die USA schufen all dieses Chaos. Wer unterstützte die Rebellen und betitelte sie mit „moderate Rebellen“, während sie ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra [Mitglieder] in Syrien wurden. Wir taten es nicht. Demnach ist das keine Verschwörung, es sind Fakten, das ist die Realität. wir haben [denen] kein Geld gegeben, wir unterstützten diese Terroristen nicht. Ihr Land unterstützte sie [und] Großbritannien, Frankreich, in aller Öffentlichkeit; und sie sagten, sie schickten Waffen, wir nicht. Es ist also nicht, was ich vorbringe (allegation), es ist, was Ihre Amtsträger vorgebracht haben einschließlich Joe Biden, der Vizepräsident von Obama. Er sagte über Saudi-Arabien und andere Länder, daß sie Extremisten unterstützen.
Journalist: Das ist Saudi-Arabien, aber die USA …
Präsident Dr. al-Assad: Also, das Vorgebrachte ist, was diese vorgebracht haben; es ist von Amerikanern Vorgebachtes, bevor es von syrischer Seite vorgebracht worden ist.
Frage 32: Die USA und ihre Koalitionspartner bombten ISIS im Irak und Syrien, sie unterstützen die irakischen Armee in ihrem Bemühen, Mossul von ISIS zu befreien. Wie können sie da sagen, die USA unterstützten ISIS?
Präsident Dr. al-Assad: Können sie mir erklären, wie sie ISIS im Irak vernichten konnten und sich ISIS gleichzeitig ausbreitete seit die US-Koalition ihre Angriffe in Syrien begann?
Journalist: Breitet er sich jetzt aus?   
Präsident Dr. al-Assad: Er hat sich ausgebreitet, nein, er …
Journalist: Breitet er sich jetzt aus?
Präsident Dr. al-Assad: Er begann nach der russischen Intervention zu schrumpfen, nicht nach der amerikanischen. wie konnten die unsere Ölfelder nutzen und es mit Trucks mit  tausenden an Barrels in die Türkei transportieren ohne von Euren Drohnen und Satelliten gesehen worden zu sein, während die russischen dazu in der Lage waren, sie angriffen und zerstörten, ja all ihre Einrichtungen vernichteten. Wie [war das möglich]? Dies [die Aktion der US-geführten Koalition] ist eine kosmetische Kampagne gegen ISIS.
Frage 33: Nur um unmißverständlich zu sein: ich habe Ihnen den FBI-Report gezeigt, die Photographien, den Amnesty International-Report.  Wollen Sie an Untersuchungen mitwirken zwecks Bestimmung, ob diese sehr schwerwiegenden Reporte tatsächlich wahr sind?          
Präsident Dr. al-Assad: Sie haben mir viele Dinge gezeigt, doch Sie haben mit keinen einzigen Beweis vorgelegt.
Journalist: Ich habe Ihnen einen FBI-Report gezeigt.
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, das ist keinesfalls ein Beweisstück. Tatsächlich ist es das Gegenteil. Eine jegliche [US-]amerikanische Institution war, was uns betrifft, während der Syrienkrise gegen die Wahrheit [tätig], es war das Gegenteil der Wahrheit. So sehen wir das. Es ist keine syrische Institution, also sorgen wir uns nicht darum. Was mich betrifft kümmere ich mich um Berichte, die ich von der syrischen Bevölkerung erhalte; und wir haben Untersuchungen durchgeführt, da wir viele Anträge [zur Untersuchung] haben, nicht bzgl. Massenverbrechen, tatsächlich betreffen sie eher Handlungen Einzelner, und wir haben schon viele untersucht und viele Personen wurden bestraft, doch das geschieht in jedem Krieg.
Frage 34: Sind Sie …  Sind Sie über irgendwas davon [des vom Journalisten Vorgelegten] genügend beunruhigt, um zu versuchen, die Wahrheit selbst herauszufinden?
Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, Sie sollten es den westlichen Amtsträgern zeigen und ihnen jene Frage stellen: ob sie beunruhigt darüber sind, zu sehen, was vor sich geht, seit sie begannen, die Terroristen in Syrien zu unterstützen. Dieses Töten und diese Zerstörung. Das ist die Frage. Natürlich bin ich bestürzt, ich bin Syrer.
Journalist: Sind Sie darüber bestürzt? Über diese Reporte?
Präsident Dr. al-Assad: Über die Vorgänge in Syrien. Nein, nein, nicht über den Report. Um den sorge ich mich nicht.
Journalist: Nicht darüber [den genannten Report]?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, nein, ich bin besorgt über die Vorgänge in Syrien. Es ist mein Land, es wird zerstört von Proxy-Terroristen [die als Stellvertreter kämpfen]; also [bin ich] selbstverständlich [darüber besorgt].
Frage 35: Sie haben eingestanden, daß Ihre Truppen in diesem Krieg Fehler bei deren Verfolgung (prosecution) der Rebellen gemacht haben, und daß jeder bestraft werden kann. also: über wie viele Fehler sprechen wir da?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das habe ich nicht gesagt. Das habe ich nie gesagt. Ich habe gesagt, daß es immer bei jeder Aktion Fehler gibt; das ist ein menschlicher …
Journalist: Über wie viele Fehler sprechen wir? Wie viele unschuldige Bürger sind durch Fehler Ihrer Armee getötet worden?                                             
Präsident Dr. al-Assad: Das weiß niemand., da tausende und abertausende jener vermißte Personen sind. Niemand weiß irgend etwas über deren Schicksal, überhaupt niemand. Demnach kann man das nicht bis zum Ende des Kriegs erörtern.
Frage 36: War es ein Fehler, Krankenhäuser in Aleppo zu bombardieren?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben niemals Krankenhäuser in Aleppo zu bombardiert. Wozu ein Krankenhaus bombardieren? Können Sie Ihr Publikum davon überzeugen, wir hätten ein Interesse daran, Krankenhäuser zu bombardieren? Tatsächlich gegen das gegen unsere Interessen. Es geht gegen unser Interesse, ein Krankenhaus zu bombardieren, wenn es als Krankenhaus betrieben wird; der „Beweis“ dafür [, wir hätten das getan,] war eine Lüge, jedesmal, wenn sie über die Bombardierung von Krankenhäusern sprachen; jedesmal hieß es, es sei das letzte Krankenhaus im Ostteil von Aleppo; das nächst Mal sprachen sie über ein anderes Krankenhaus und sagten dasselbe: „sie zerbombten das letzte Krankenhaus“. Also sind das Lügen und Lügen und Lügen. wir können das ganze Interview damit verbringen, über Lügen zu reden und wir können über die Wahrheit und die Realität sprechen. Ich habe über die Realität zu sprechen.
Frage 37: Ist es ein Fehler. Faßbomben und Chloringas zu verwenden?
Präsident Dr. al-Assad: Sie müssen wählen, welcher Teil des Narrativs korrekt ist: Einstmals sagten sie, wir würden wahllos bomben und sie nannten es  Faßbomben. Anderntags sagten sie, wir zielten auf Krankenhäusern, Schulen und Konvois. Entweder haben wir eine präzise Waffentechnik oder wir haben eine wahllos [tötende]. Also: welche [Seite] wählen Sie?
Frage 38: Gut, Sie geben also zu, daß unschuldige Bürger … daß es in diesem Krieg Opfer unter den Bürgern gegeben hat?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich, jeder Krieg ist ein schlechter Krieg, jeder Krieg ist ein schlechter Krieg. Man kann nicht über einen guten Krieg sprechen. Lassen Sie uns diesbezüglich übereinkommen. In jedem Krieg gibt es Opfer; in jedem Krieg zahlen unschuldige Menschen den Preis. Das ist das Schlechte am Krieg. Deshalb müssen wir diesen Krieg auch beenden; doch daß es Opfer gibt, bedeutet nicht, daß wir nicht unser Land gegen die Terroristen und gegen die Invasion von außerhalb durch jene Stellvertreter [-kämpfer] ausländischer Staaten wie der westlichen und regionalen Staaten verteidigen.  Das ist selbstverständlich.
Frage 39: Präsident Obama hielt 2013 eine Rede über US-Counterterrorismus-Anstrengungen einschließlich Drohnenangriffen und er sagte, während er solche Angriffe verteidigte, nichtsdestotrotz ist es für mich wie jene, die in meiner Kommandokette stehen, ein schlimmes Faktum, daß US-Angriffe zu zivilen Opfern geführt haben; solche Todesfälle werden uns ein Leben lang verfolgen. Werden Sie verfolgt von von den Todesfällen unschuldiger Bürger verursacht durch die Aktionen ihrer Regierungsarmee?
Präsident Dr. al-Assad: Das ist ein wichtiges Beispiel bzgl. der Bewaffnung: es spielt keine Rolle, welche bombe Sie benutzen, nennen Sie es Faßbombe oder irgendwie anders; darum geht es nicht. Es geht um die Art, wie sie sie nutzen und ihre Absichten. Das ist der Grund, warum die Beschaffenheit der Kunst-Drohnen mit ihren Marschflugköpern, die amerikanischen Drohnen, viel mehr Bürger töteten als Terroristen. Es geht also nicht um die Drohne, es geht nicht um die Bewaffnung, es geht um Ihre Absichten. In unserem Fall in Syrien müssen wir zivile Opfer vermeiden – nicht nur, weil es unsere Leute sind und weil es sich hierbei um einen ethischen Sachverhalt handelt – es würde tatsächlich  den Terroristen in die Hände spielen. Wenn wir absichtlich Zivilisten töteten, würde das bedeuten, den Terroristen zu helfen. Wir würden es also nicht tun; wieso Bürger verteidigen und sie gleichzeitig töten?  Das geht nicht auf; es ist ein Widerspruch. Wenn wir die Bürger töteten, wen verteidigten wir dann in Syrien? Gegen wen und für wen?
Frage 40: Erst gestern [vgl. vorhergehendes Interview!] wurden Sie gefragt, ob alle Mittel in diesem Krieg gerechtfertigt seien, und sie sagten, Ihre Antwort war „ja“, es ist eine Pflicht. Also können sie jedes Mittel einsetzen, um die syrische Bevölkerung zu verteidigen?
Präsident Dr. al-Assad: Exakt
Journalist: Jedes Mittel?
Präsident Dr. al-Assad: Jedes Mittel.
Journalist: Einschließlich Folter?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das ist keine Verteidigung; Folter ist keine Verteidigung. Wieso Folter benutzen? Wo ist die Beziehung zwischen Folter und Verteidigung Deines Landes?
Journalist: Also wo ist die Linie zu ziehen?
Präsident Dr. al-Assad: Da gibt es Regeln, sehr klare Regeln wie für jede Armee; Wenn man sein Land verteidigen will, benutzt man die eigenen Waffen gegen die Terroristen. Das ist die einzige Regel, über die ich spreche. Die umfaßt alle Mittel, die man zur militärischen Verteidigung seines Landes einsetzen kann, sofern man über das Militärische spricht. Freilich gibt es daneben noch die Verteidigung auf politischer und ökonomischer und jeder weiteren Hinsicht in diesem Sinne des Wortes. doch wenn Sie das Militärische ansprechen, ist Folter kein Teil der Verteidigung des eigenen Landes.
Frage 41: Letzte Frage: können Sie uns ihre Vision von einer Beilegung dieses Konflikts schildern, und kann …  würden Sie, unter irgendwelchen Umständen bereit sein, zur Seite zu treten, falls das dieses Kriegsdesaster für die syrische Bevölkerung beenden kann?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv: von meiner Seite [gilt], wann immer die syrische Bevölkerung mich nicht [mehr] in jener Position haben will, werde ich [sie] geradewegs verlassen. für mich ist das eine ganz einfache Frage, darüber brauche ich nicht erst nachzudenken und es macht mir nichts aus.  Worüber ich mich sorgen würde, wäre, wenn ich in jener Position wäre ohne die öffentliche Unterstützung. Das wäre ein großes Problem für mich, das ich nicht ertragen könnte, so könnte ich nirgends produktiv sein.
Bezüglich des ersten Teils, worin ich die Lösung sehen würde, gibt es zwei Pfeiler: der erste ist die Terrorismusbekämpfung; ohne Bekämpfung des Terrorismus, ohne Auslöschung des Terrorismus würde keine andere Lösung irgendwie Früchte bringen, überhaupt nicht, keine Art von Lösung. Parallel dazu [passiert] der Dialog zwischen den Syrern über die Zukunft Syriens, das alles einbegreift, was auch immer,  bezüglich des politischen Systems, ganz Syriens in allem, was das Wort beinhaltet; wenn wir dann an die Abhaltung von Wahlen gehen  und eine nationale Einheitsregierung haben können,  dann  können Parlamentswahlen stattfinden; wenn dann die syrische Bevölkerung daran denkt, vorgezogene oder was auch immer für Präsidentschaftswahlen  abzuhalten, dann wird das ein gangbarer Weg sein.
Journalist: [Heißt das] vor Ende Ihrer Amtsperiode, demnach  2012, wie ich glaube?      
Präsident Dr. al-Assad: Wenn politischer Konsens darüber besteht.
Frage 42: Wie würden Sie definieren, ob diesbezüglich politischer Konsens besteht oder nicht?
Präsident Dr. al-Assad: Das können wir zu jener Zeit entscheiden, es ist noch viel zu früh, darüber zu sprechen. Wir haben noch keine Etappe dahin beendet, die ich angesprochen habe. Wir haben niemals darüber nachgedacht, da wir die Umstände nicht kenne, mit denen wir dann konfrontiert sein werden. Doch am Ende, wenn man in einem Land lebt, kann man es spüren; Syrien ist kein Kontinent, es ist ein kleines Land; war können Umgang miteinander pflegen, wir kennen uns untereinander innerhalb der Gesellschaft; man kann erspüren, fühlen, wenn es da einen politischen Konsens gibt; wenn Sie dann etwas per documentum festgehalten haben wollen, dann können Sie ein Referendum abhalten – das ist ganz klar.
Frage 43: Haben Sie Grund zum Optimismus?    
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, ohne Optimismus hätten wir nicht sechs Jahre hindurch kämpfen können. Der einzige … der hauptsächliche [Grund zum] Optimismus, den wir gehabt haben, ist , daß wir daran gehen, jene Terroristen und ihre Herren/Puppenspieler (masters) zu bekämpfen und Stabilität in Syrien wiederherstellen; bedeutsamer als mein Optimismus noch ist die Zielstrebigkeit der syrischen Bevölkerung [dahingehend]. Das ist eine sehr wichtige Quelle des Optimismus‘.  Ohne diese Zielstrebigkeit wäre kein Syrien in diesen sehr schwierigen und  außerordentlichen  Umständen mehr auszumachen vom minimalen [Über]leben einmal abgesehen, [d.h.] nicht vom normalen Leben, sodern sozusagen vom minimalen Nochamlebensein gesehen, und bezüglich der Regierung kein Angebot verschiedener Dienstleistungen und staatlicher Unterstützungen u.s.w..
Journalist: Danke, Herr Präsident.        
Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank.

Ziel ist eine textnahe Übersetzung, die dem Leser noch Nachvollziehung der Gesprächsdynamik erlaubt.

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Interview des Präsidenten mit belgischen Medien vom 7.2.2017
(http://sana.sy/en/?p=99676, http://www.sana.sy/?p=505825)

Photo: SANA

Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, wir sind in Aleppo gewesen, wir haben die Zerstörungen gesehen, wie sehen sie den Weg zum Frieden heutzutage nach Astana?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie auf den Friedensprozeß schauen wollen, ist er im Wesentlichen nicht mit Astana verbunden, er steht in Verbindung zu etwas viel Größerem, nämlich: wie können wir den Zustrom von Terroristen nach Syrien stoppen bzw. wie können wir in Syrien die Unterstützung [der Terroristen] durch regionale Länder wie die Türkei, die Golfstaaten oder von Europa wie aus Frankreich und Großbritannien oder aus den USA während der Obama-Administration stoppen. Falls wir damit fertigwerden, ist das der Punkt, an dem man über den Rest sprechen kann, also über das politische Vorgehen. Astana ist [nur] eine der Initiativen während dieses Krieges in Syrien und es geht dabei um den Dialog zwischen Syrern untereinander. Es ist jetzt zu früh, Astana zu beurteilen, doch zunächst einmal war es positiv, da es um die Grundlagen der Einheit Syriens und die Entscheidung der Syrer über ihre Zukunft ging. [Doch] Wie kann man dieses Kommuniqué umsetzen? Das ist die Frage. So denke ich, wir sollten Astana zwei abwarten usw. Frieden [zu schaffen] bedeutet also zweierlei: den Terrorismus und die Terroristen zu bekämpfen, den [Unterstützungs-]Zufluß für den Terrorismus zu stoppen, jede Art logistischer Unterstützung. Und zum Zweiten: Dialog der Syrer untereinander, um über Zukunft  ihres Landes und des ganzen politischen Systems zu entscheiden. Das sind die Schlagworte dazu, wie wir die Zukunft Syriens sehen.
Frage 2: Wir haben viele Verstöße gegen die Waffenruhe konstatiert, betrachten Sie die Waffenruhe noch als anhaltend oder ist sie vorbei (tot)?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, sie ist nicht vorbei (tot);  es ist ganz natürlich bei jeder Waffenruhe überall auf der Welt, in jedem Krieg, in jedem Konflikt, daß diese Verstöße vorkommen. Es kommt manchmal auf individueller Ebene vor, jedoch bedeutet das keine Methode des Verstoßens gegen die Waffenruhe durch die Regierung oder irgendeine andere Partei; mit Derlei kann man auf täglicher Basis fertigwerden; doch bis zu diesem Moment hält die Waffenruhe.
Frage 3: Denken Sie, im Kampf gegen die Terrorgruppe IS (Daesh) sind alle Mittel gerechtfertigt?
Präsident Dr. al-Assad: Das hängt davon ab, was Sie unter „alle Mittel“ verstehen, man muß …
Journalist: Im wortwörtlichen Sinn „alle Mittel“.
Präsident Dr. al-Assad: Aha, doch weiß ich nicht, um welche zur Verfügung stehenden Mittel es sich handeln soll, um Ihnen antworten zu können, „alle Mittel“, daher  weiß ich nicht [was in Ihrem Sinne] „alle Mittel“ beinhaltet.  Wenn Sie aber über militärische Mittel sprechen wollen, dann ja, denn die Terroristen attackieren die Bürger – und dabei spreche ich nicht nur über den IS –  wenn also der IS und Ğabhatu_n-Nuṣra und alle al-Qâʽidaaffiliierten Gruppen in Syrien die Bürger attackieren, die Bürger töten, Leute köpfen, [fremdes] Eigentum, privates wie öffentliches, zerstören, die Infrastruktur zerstören, einfach alles in diesem Land, dann ist es sozusagen unsere konstitutionelle und gesetzmäßige Pflicht als Regierung und als Armee und als staatliche Institution, die syrische Bevölkerung zu verteidigen. Das ist keine Sache der persönlichen Meinung, das ist eine Pflicht. In diesem Sinn kann jedes Mittel zur Verteidigung der syrischen Bevölkerung.
Frage 4: Doch haben wir die Zerstörung in Aleppo gesehen, Sie haben die Bilder ebenfalls gesehen. Gab es keine andere Vorgehensweise?          
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich nutzten wir seit Beginn der Krise, des Krieges in Syrien jede mögliche Art. Wir ließen nichts unversucht, um die Leute an den Verhandlungstisch zu bewegen; doch wen Sie über die Terroristen sprechen, über Terroristen wie al-Qâʽida, wenn Sie über Ğabhatu_n-Nuṣra und den IS reden, dann glaube ich, keiner in dieser Welt würde glauben, die seien bereit zum Dialog. Sie sagen auch immer, daß sie dazu nicht bereit seien. sie haben ihre eigene Ideologie, ihren eigenen Wag, sie akzeptieren nichts, was mit einem bürgerlichen Staat oder einem bürgerlichen Land zu tun hat. Das tun sie einfach nicht. Und ich denke, sie als Europäer kennen diese Realität. Also nein, Dialog mit Ğabhatu_n-Nuṣra und al-Qâʽida ist keines der Mittel; doch wenn einer auf der individuellen Ebene bereit ist, seinen Weg (course) zu ändern, sind  wir als Regierung bereit, ihn zu akzeptieren und ihm Amnestie zu gewähren, wenn er in das normale Leben zurückkehren und seine Waffen abliefern will.  
Frage 5:  Die belgische Regierung nimmt Teil am Kampf gegen den IS (Daesh). Es befinden sich sechs F-16-Kampfjets im Kampf gegen den IS. Sind Sie der belgischen Regierung dankbar für diese Beteiligung?   
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie mich ganz offen zu Ihnen sein: wenn Sie von Beitrag zur Operation gegen den IS reden, [muß ich sagen], es gab keine Operation gegen den IS; es war eine kosmetische Operation – sofern sie über die US-Operation sprechen wollen. Es war nur eine illusorische Allianz, da sich der IS während jener Operation ausbreitete. Zugleich ist jene Operation eine illegale Operation, da sie ohne Rücksprache mit bzw. Erlaubnis der syrischen Regierung lief, welche die legitime Regierung darstellt,  und sie ist ein Verstoß gegen unsere Souveränität. Zum Dritten bewahrte sie keinen syrischen Bürger davor, vom IS getötet zu werden; wofür sollte man also dankbar sein? Um offen zu sein, gibt es dafür keinen Grund.  
Frage 6: Sie haben so oft bemerkt, es liege an der syrischen Bevölkerung, an der Verfassung, zu entscheiden, wer die (Staats-)Führung innehaben, wer Präsident sein solle. Wenn sich die syrische Bevölkerung für eine neue Führung entschiede, würden Sie erwägen zur Seite zu treten.
Präsident Dr. al-Assad: Wenn die syrische Bevölkerung einen anderen Präsidenten wählt, habe ich gar keine andere Wahl als beiseite zu treten. Ich würde beiseite treten, wäre weg von dieser Position; das ist selbstverständlich, weil die Verfassung den [die Regeln für die Bestimmung des] Präsidenten festsetzt und die Verfassung ihn gemäß der Wahlurne und der Entscheidung durch die syrische Bevölkerung [aus dem Amt] entfernt. Freilich ist das absolut selbstverständlich, nicht nur wegen der Wahlurne; denn wenn Sie keine öffentliche Unterstützung genießen, können sie in Syrien gar nichts erreichen, besonders in einem Krieg. Im Krieg brauchen Sie ganz besonders die öffentliche Unterstützung, um Ihr Land, die Stabilität und Sicherheit wiederherzustellen. Ohne sie können Sie nichts erreichen. Also ja, selbstverständlich.
Frage 7: Herr Präsident, ich bin 43 Jahre alt; wenn ich in Syrien geboren wäre, wäre immer ein Assad an der Exekutivmacht gewesen. Können Sie sich ein Syrien ohne ein Mitglied der Assad-Familie an der Macht vorstellen?
Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich ist das Land nicht unser Besitz, meiner Familie gehört das Land nicht, um zu entscheiden, daß nur ein Assad in jener Position sein könne. Das ist offensichtlich und könnte ein Zufall gewesen sein, da Präsident [Ḥāfiẓ al] Assad keinen Erben in der Institution als seinen Nachfolger besaß. Er starb, ich wurde gewählt. Er hatte nichts mit meiner Wahl zu tun. Als er Präsident war, hatte ich keinerlei Position in der Regierung inne. Wenn er mich zum Erben gewollt hätte, hätte er mich irgendwo eingesetzt, mir Verantwortung gegeben. Tatsächlich hatte ich keine Verantwortungsposition. Es ist nicht so wie vielfach in westlichen Medien seit meiner Wahl geschildert, da „er seinem Vater nachfolgte“ oder „sein Vater ihn in jene Position hievte“. Demnach ja, es liegt bei den Syrern, und jeder syrische Bürger hat das Recht, in jener Position zu sein.
Frage 8: Denken Sie, daß die EU oder gar die NATO eine Rolle bei so etwas wie dem Wiederaufbau des Landes, dem Wiederaufbau Syriens spielen kann?
Präsident Dr. al-Assad:  Sie können nicht jene Rolle spielen, während sie Syrien zerstören; die EU unterstützt nämlich von aller Anfang an in Syrien die Terroristen unter verschiedenen Benennungen: humanitär, moderat u.s.w. Tatsächlich unterstützen sie Ğabhatu_n-Nuṣra und ISIS von Anfang an. Sie waren Extremisten von Anfang an.  Also können sie nicht zur selben Zeit zerstören und aufbauen.  Zum Ersten müßten sie eine ganz klare Position bezüglich der Souveränität Syriens einnehmen, die Terroristenunterstützung einstellen. Das wäre seitens der Syrer die Voraussetzung dafür – wäre, sage ich – daß jene Länder eine Rolle in dieser Hinsicht spielen dürften. Doch wenn sie in der Zwischenzeitirgendeinem Syrer dieselbe frage stellten, würde er Ihnen sagen: „Nein, wir akzeptieren das nicht; jene Länder , die die Leute unterstützten, die das Land zerstörten, wollen wir hier nicht.“ Das denke ich.
Frage 9: Denken Sie, Belgien kann eine Rolle in Syrien spielen?
Präsident Dr. al-Assad:  Lassen Sie mich etwas über die europäische politische Haltung generell sagen: viele in dieser Region glauben, daß die Europäer politisch gar nicht existieren, sie folgen nur ihrem Herrn, welcher die (Amerikaner) USA sind. Also sollte sich die Frage um die Amerikaner [USA] drehen, und die Europäer werden folgen und umsetzen, was die Amerikaner [USA] wollen. Sie existieren nicht als unabhängige Staaten, und Belgien ist Teil der EU.
Frage 10: Es gibt eine neue Administration in Washington, mit Trump an der Macht. Was erwarten Sie von ihm? Gehen Sie davon aus, mit ihm eng zusammenzuarbeiten?
Präsident Dr. al-Assad: Was wir von Trumps Statements während und des Wahlkampfes und danach hörten ist vielversprechend [gewesen] hinsichtlich der Priorität der Terroristenbekämpfung, hauptsächlich von ISIS; das war ist es [gewesen], was wir während der letzten sechs Jahre erbeten haben. Das ist also vielversprechend; wir müssen abwarten, es ist noch zu früh, irgend etwas Praktisches zu erwarten. Es könnte mit der Kooperation zwischen den USA und Rußland zu tun haben, was wir als positiv für den Rest der Welt erachten. Demnach ist es, wie ich schon erwähnt habe, noch zu früh für eine Beurteilung.
Frage 11: Gibt es, wenn Sie auf die letzten paar Jahre zurückblicken, etwas, das sie bedauern? 
Präsident Dr. al-Assad: Jeder Fehler kann ein Grund des Bedauerns sein, seitens eines jeden Individuums und als Mensch …
Journalist: Haben Sie Fehler gemacht?
Präsident Dr. al-Assad: Als Mensch mache ich Fehler, da das menschlich ist. Ansonsten wäre ich keiner.
Journalist: Was würden Sie als Fehler ansehen?
Präsident Dr. al-Assad: Ein Fehler ist, wenn Sie entweder die falsche Entscheidung treffen oder sie in der Praxis falsch umsetzen, das hängt von der Situation ab. Wenn Sei aber über die Krise sprechen wollen, wie ich aufgrund der frage annehme, sind die drei Entscheidungen, die wir von Anfang getroffen haben, ist [einmal] die Bekämpfung des Terrorismus – und die halte ich für korrekt; [die zweite] ist, Dialog unter den Syrern zu führen – das halte ich für korrekt; [letztlich] auf jede politische Initiative zu reagieren, ob sie ehrlich gemeint ist oder nicht – auch das halte ich für korrekt; tatsächlich unterstützten wir die Rekonziliierung zwischen den Syrern – und das halte ich für korrekt. Irgend etwas anderes könnte man als trivial ansehen; demnach haben Sie eine Menge Dinge hinsichtlich der praktischen Seite, hinsichtlich der Institutionen, da gibt es immer Fehler.
Frage 12: War dieser Krieg, wenn Sie zurückblicken, vermeidbar?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, denn da waren die üblen Absichten verschiedener Länder wie Saudi-Arabiens, Qaṭars, der Türkei, Frankreichs, Großbritanniens und der USA, dahingehend, Syrien zu destabilisieren; demnach hing das nicht von den Syrern ab. Da soll nicht heißen, daß wir nicht viele Schwachstellen vor dem Krieg hatten und heutzutage als ein Land, das es vielen anderen Ländern erlaubt, sich einzumischen. Ich schließe da [nichts] aus, sage nicht, daß es nur um jene [ausländischen Regierungen] geht: doch jene waren es, die die Initiative ergriffen, um diesen Krieg zu entfachen. Daher denke ich nicht, daß er vermeidbar war.
Frage 13: Sie hatten kürzlich eine belgische Parlamentsdelegation zu Besuch mit den den Herrn Dewinter und Carcaci – betrachten Sie sie als Freunde?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das sind keineswegs meine Verbündeten. Deswegen kommen sie nicht hierher. Sie sind hier, um zu sehen, was vor sich geht. Sie sind Verbündete der belgischen Bevölkerung. sie kamen hierher, weil die belgische Regierung – wie viele europäische Regierungen –heutzutage blind sind.  Sie haben keine Verbindung zu unserem Land auf welcher eben auch immer; daher sehen sie nicht, was [hier] vor sich geht; sie können demnach keine Rolle spielen. Also sind die einzigen Augen, die Sie haben, Delegationen, die aus Ihrem Land kommen; das ist eines davon, eins der Augen, die Ihre Regierung haben kann; Sie können viele weitere Augen haben in Form von Delegationen, die nach Syrien kommen. Demnach sind das nicht meine Verbündeten, sie kommen nicht meinetwegen hierher; sie kommen hierher, um sich die Situation anzusehen, und ich bin einer der Spieler im syrischen Konflikt; es ist also ganz natürlich, mich aufzusuchen, um meine Sicht der Dinge kennenzulernen.
Frage 14: Herr Präsident, nur noch eine Frage: nach den Siegen in Aleppo und Wâdî Baradâ sind Ihre Truppen nicht weit weg von al-Bâb; denken Sie, daß all diese bedeutenden Siege die Sichtweise der europäischen Regierungen bezüglich der syrischen Regierung ändern können?
Präsident Dr. al-Assad: Das weiß ich nicht. Ich denke, die müssen jene Frage beantworten. Für uns ist das unser Krieg; wir müssen jeden einzelnen Inch auf dem syrischen Territorium von jenen Terroristen befreien. Wenn die europäischen Regierungen  meinen, ihre Anstrengungen [zum Sturz der syrischen Regierung] seien vergeblich gewesen, ist das gut; sie mögen ihre Meinung ändern und letztlich ihre Unterstützung jener Terroristen einstellen, die nicht die Unterstützung der Öffentlichkeit in Syrien haben. Sie [die Terroristen] haben nur deswegen die Unterstützung der Europäer und der Golfstaaten – der wahhâbitischen Golfstaaten – um mehr Terrorismus und Extremismus in Syrien zu entfachen. Wir hoffen – das denke ich über die letzten zwei Jahre – daß die ganze Welt sich geändert habe, die USA haben sich gewandelt, die Situation in Syrien, in der Region generell hat sich geändert. Zwei Dinge jedoch haben sich nicht geändert – zumindest nicht bis zu diesem Moment: erstens und vor allem  ist al-Qâʽida nach wie vor vorhanden in Form von ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra  und – die Denkweise der europäischen Amtsträger, die hat sich nicht geändert, sie leben in der Vergangenheit.
Frage 15: Herr Präsident, was ist Ihrer Meinung nach unser … um zu fragen, wenn sich nach dem Krieg der Internationale Gerichtshof in Den Haag mit einigen Verantwortlichkeiten hinsichtlich der Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegenüber den syrischen Bürgern beschäftigen sollte, unterstützen Sie dann die Sichtweise, daß die Verantwortlichkeiten hinsichtlich der Kriegsverbrechen vor dem Internationale Gerichtshof in Den Haag verhandelt werden sollten?
Präsident Dr. al-Assad: Wir alle wissen, daß die UN-Institutionen nicht unparteiisch sind, sie sind parteiisch hauptsächlich aufgrund des US-, französischen und britischen Einflusses. Daher arbeiten die meisten jener Institutionen nicht daran, Stabilität in die Welt zu bringen oder nach der Wahrheit zu suchen;  sie sind ausschließlich politisiert, um die Agenden jener Staaten umzusetzen. Bezüglich meiner Person als Präsident, wenn ich meine Pflicht tue, dasselbe gilt für die Regierung und die Armee bei der Verteidigung unseres Landes, dann sehen wir nicht auf diesen Aspekt, wir kümmern uns nicht darum. Wir haben unser Land zu verteidigen auf jede Art, und wenn wir es mit allen Mitteln verteidigen müssen, kümmern wir uns nicht um diesen Gerichtshof oder irgend eine andere internationale Institution.
Frage 16: Ja. Akzeptieren Sie die Position der UN?
Präsident Dr. al-Assad: Das hängt von deren Position ab.  Die meisten Sichtweisen sind parteiisch, wie ich schon gesagt habe und zwar bezüglich jeder Organisation, in jedem Sektor, hinsichtlich der meisten Resolutionen gegen Syrien. Daher kam es möglicherweise zum ersten mal vor, daß Rußland und China in wenigen Jahren so oft ihr Veto einlegten, weil sie dieser Realität gewahr waren. Daher nein, wir akzeptieren sie nicht, wir akzeptieren sie nicht.

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Präsidenten-Interview mit dem japanischen TBS TV channel vom 20.1.2017
http://sana.sy/en/?p=98592

Interview mit TBS, Photo: SANA

Interview mit TBS vom 20.1.2017, Photo: SANA

Frage 1: Danke, Herr Präsident, danke dafür,  daß Sie uns bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit geben, Ihre  Sicht auf die Vorgänge in Syrien und die Zukunft diese Landes kennenzulernen. Vor allem habe ich eine Frage: jetzt da die Astana-Gespräche nahen, was erwarten und erhoffen Sie sich von dieser Konferenz?
Präsident Dr. al.Assad: Vor allem erst einmal herzlich willkommen in Damaskus;  es freut mich, zum ersten Mal während dieses Krieges zum japanischen Auditorium sprechen zu können.
Wir haben keine Erwartungen, wir haben sozusagen Hoffnungen für Astana, daß es zu einem Podium wird für Gespräche zwischen verschiedenen syrischen Parteien in jeder Hinsicht. Doch denke ich, es wird sich mehr auf den allerersten Anfang fokussieren  – es wird unserer Ansicht nach zur Priorität werden – daß Waffenruhe in den unterschiedlichen Orten Syriens einkehrt, um Menschenleben zu schützen und zu erlauben, daß humanitäre Hilfsgüter die unterschiedlichen Gebiete in Syrien erreichen. Es ist noch nicht klar, ob das Treffen auf einen politischen Dialog zusteuert, da bislang nicht feststeht, wer daran überhaupt teilnimmt. Insofern geht es um Gespräche zwischen der Regierung und terroristischen Gruppen  zum Zweck der Waffenruhe, die es den Terroristen ermöglicht, vom Rekonziliierungsangebot Gebrauch in Syrien zu machen, welches die Abgabe [schwerer und mittelschwerer] Waffen beinhaltet und die Erlangung der Amnestie der Regierung. Das ist das einzige, was wir in der Zwischenzeit davon erwarten können.
Frage 2: Akzeptieren Sie die Diskussion der Formierung einer Übergangsregierung bei der Konferenz?
Präsident Dr. al.Assad: Jegliche Diskussion sollte auf Basis der Verfassung erfolgen, da dies [d.i. diese Thematik] nicht der Regierung und der Opposition oder der Regierung und terroristischen Gruppen obliegt. Das obliegt jedem einzelnen syrischen Bürger, der das Recht hat, über die Zukunft Syriens zu entscheiden. In der Verfassung steht nichts von einer Übergangsregierung. Da gibt es [bloß] die reguläre Regierung, welche verschiedene Parteien und politische Gruppen in Syrien repräsentiert. Das ist unsere Vorgabe. Wenn irgend jemand Teil dieser Regierung werden will, die wir nationale Einheitsregierung nennen, dann, ja, steht dies jeder Seite außerhalb oder innerhalb Syriens frei; nach [Bildung] dieser Regierung kann darüber diskutiert werden über – lassen Sie mich sagen – Gesetzgebungs- bzw. Parlamentswahlen, denen dann später eine andere Regierung folgt, basierend auf den Ergebnissen der Wahlen.  
Frage 3: Der neue US-Präsident, Herr Donald Trump, wird demnächst inauguriert. Was erwarten Sie von Herrn Trump und welche Art Politikwandel erwarten Sei von ihm?
Präsident Dr. al.Assad: Wie Sie wissen, ist er einer der wenigen US-Präsidenten, die zuvor politisch nicht tätig gewesen sind. Die meisten der vorhergehenden Präsidenten hatten zuvor irgend welche politischen Ämter oder Positionen inne. Bei ihm ist das nicht so. Schaut man in die Medien, selbst US-Medien, so beschreiben sie ihn als unvorhersehbar, weil sie wenig über seine Visionen wissen. Die einzige Basis, aufgrund derer wir ihn beurteilen können, ist seine Rhetorik während des Wahlkampfes. Wenn Sie da herausgreifen, was wir als positiv darin und unsere Priorität erachten, dann ist es die Bekämpfung des Terrorismus; Präsident Trump sagte nämlich, seine Priorität sei die Bekämpfung des IS. Freilich ist der IS nur ein Aspekt des Terrorismus, eine der Organisationen. Wenn man über den IS redet, muß man auch über Ğabhatu_n-Nuṣra reden, da gibt es jetzt so viele al-Qâʽidaaffiliierte Gruppen innerhalb Syriens; doch denke ich, er [d.i. Trump] meinte mit dem IS den Terrorismus und so halte ich diese Priorität für sehr wichtig. Somit erwarten, hoffen wir, daß die nächste Administration aufrichtig bei der Umsetzung dieser Rhetorik bezüglich des Terrorismus sein wird und nicht nur Syrien helfen wird, da der Terrorismus heutzutage kein syrisches Problem ist, er ist ein Nah-Ost und ein globales Problem. Daher hoffen wir, daß sie aufrichtig ans Schmieden einer wirklichen und realistischen Allianz zur Terrorismusbekämpfung in der Region gehen und das würde selbstverständlich und vor allem Syrien miteinschließen.
Frage 4: Ich habe auch ein Interview gelesen, in dem sie die Lobbys in Washington DC erwähnten. Sie denken, die stören den Politikwandel?
Präsident Dr. al-Assad: Es ist ganz klar, daß die Mainstream-Medien, die verschiedenen Unternehmen, verschiedenen Lobbys … da besteht ein Verbund, eine Vereinigung dahingehend, daß sie gar keine Veränderung bräuchten, da sie ihr eigenes Interesse an der politischen Ausrichtung der USA haben, an der zerstörerischen Politik der USA, die wir fast die letzten 17 Jahre erlebt haben, seit George Bush  2000 an die Macht gekommen ist. Wir erleben nur, wie die USA Kriege lancieren, direkt oder indirekt durch Erfüllungsgehilfen; und jene verschiedenen Unternehmen, Lobbys, Medien haben ein Interesse am Bestehen dieser Art Probleme. Das kann ein finanzielles Interesse sein wie meist in solchen Fällen. Demnach ist es heutzutage ganz klar, daß die Schwierigkeiten bereiten, um jegliche Neuausrichtung der Politik des neuen Präsidenten zu behindern, sei es die Terrorismusbekämpfung oder die Respektierung der Souveränität anderer Staaten oder gar  die Entspannungspolitik rund um den Erdball durch gute Beziehungen mit Rußland oder irgendeiner anderen Großmacht wie China zum Beispiel.
Frage 5: Würden Sie im Verlauf des Kampfes gegen den sog. Islamischen Staat eine Abstimmung mit Mitspielern wie der Türkei, den Kurden und den USA suchen?
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst einmal, wenn man ganz transparent sein will: der IS wurde kreiert unter Aufsicht der USA wohl im Irak 2006, zuvor hieß er ISIS, er hieß IS, Islamischer Staat, er existierte nur im Irak, beschränkt auf den Irak. Als dann der Konflikt in Syrien losging, wurde aus ihm ISIS: Islamischer Staat im Irâq und in Syrien; noch später protegierte die Türkei diesen „Staat“, da sie [die IS-Anhänger] die syrischen Ölfelder auszubeuten pflegten und damit Geld zu machen, um noch mehr Kämpfer zu rekrutieren – und die Türkei war in den Ölschmuggel direkt involviert unter Einbindung und Komplizenschaft mit ISIS von Seiten Erdogans höchst persönlich. Daher können wir  einen aufrichtigen Kampf gegen ISIS durch die Türkei oder die USA nicht zu erwarten. Das jüngere und noch stärkere Beispiel ist die Attacke auf Palmyra vor ein paar Wochen, als sie [die IS-Terroristen Palmyra unter US-Aufsicht erneut  besetzen konnten, unter der Beobachtung durch die US-Drohnen; sie kamen durch die Wüste und okkupierten Palmyra.  Jetzt, da wir reden, greift ISIS Dair az-Zaur im östlichen Teil Syriens an, doch die [US-]Amerikaner taten nichts, um ISIS zu stoppen. Daher hat die sog. internationale Allianz gegen den Terrorismus inzwischen mehr als eineinhalb Jahre gebraucht und doch nichts erreicht, weil sie es gar nicht ernsthaft will. Bzgl. der Türkei [ist zu sagen:], Erdogan steht für die Muslimbruderschaft, er ist daher instinktiv und von Natur aus ein Sympathisant von bzw. auf engste verbunden mit ISIS  und al-Qâʽida, da sie dieselbe Ideologie teilen, von der er nicht wegkann.  Er spielt manche Manöver durch, um vorzugaukeln, er sei gegen jene Terroristen, gegen ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra; doch derzeit unterstützt er jene Organisation tagtäglich, denn ohne diese Unterstützung können sie [die genannten Terrororganisationen]  nicht überleben.
Frage 6: In Aleppo und andernorts sind Ihre und die russischen Streitkräfte kritisiert worden für das Bombardement auf  Wohngebiete, Wohnviertel und Hospitäler von Flugzeugen aus. Würden Sie sagen, jene menschlichen Tragödien seien unausweichlich für die Befreiung Aleppos?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich sind diejenigen, welche Rußland und Syrien der Bombardierens oder des Begehens von Verbrechen usw. beschuldigen, genau jene Länder, welche die Terroristen unterstützen, angefangen mit den USA, Großbritannien, der Türkei über Qaṭar und Saudi-Arabien wie andere ähnliche Länder. Die, welche die Terroristen direkt durch die Medien, auf politischer Ebene, durch Belieferung mit Waffen, logistischer Hilfe und Finanzierung unterstützt haben, haben kein Recht, um die syrischen Bürger [Krokodilstränen] zu weinen, denn sie sind der Grund dafür, daß syrische Bürger, unschuldige Leute während der letzten sechs Jahre getötet worden sind. Das als Erstes.
Zweitens ist es unsere Rolle als Regierung aufgrund der Verfassung, der Gesetze und unserer ethischen Verpflichtung gegenüber der syrischen Bevölkerung und den syrischen Bürgern, sie von den Terroristen zu befreien. Würde es irgend jemand akzeptieren, daß eine Regierung dabei ruhig zuschaut, wie irgendeine Region in irgendeinem Land unter die Kontrolle von Terroristen gerät, welche die Leute umbringen, alles zerstören und ihnen deren haßerfüllte Ideologie, die wahhâbitische Ideologie aufzuoktroyieren versuchen.
Freilich, Sie wollten über die Todesfälle reden. In jedem Krieg gibt es Todesfälle, jeder Krieg ist ein schlechter Krieg. In jedem Krieg fließt Blut, wird getötet, in jedem Krieg, jeder Art von Krieg. Man kann nicht über einen guten Krieg sprechen, das ist selbstverständlich. Doch wenn man zum Krieg Zuflucht nehmen muß, um den Terrorismus zu bekämpfen, dann wird es leider Todesopfer geben. Wir taten unser Möglichstes, um solche zu vermeiden; doch die, die [Krokodilstränen] um syrische Bürger weinen, haben die auch nur ein Fitzelchen an Beweis dafür bringen können, daß Syrer oder Russen [die Bürger] getötet hätten? Die andere Frage ist: wie kann eine Regierung auf ethische Weise ihre eigenen Bürger töten? Und wenn wir unsere eigenen Leute, die Bürger töteten, wie könnten wir sechs Jahre als Regierung, als Armee oder als Präsident überhaupt weiterbestehen? Das nicht logisch, nicht realistisch. Wir sind da, weil wir die öffentliche Unterstützung haben. Doch am Ende ist es, wie ich schon sagte: es gibt immer Todesopfer und wir hoffen, daß wir diesen Krieg wirklich so bald als möglich beenden können. Das ist der einzige Weg, wie den Syrern weiteres Blutvergießen ersparen können.
Frage 7: Ihre Streitkräfte wurden verdächtigt, Bomben mit Chloringas verwendet zu haben. Würden Sei das bestreiten?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich sprechen Sie über Chemiewaffen; über Chemiewaffen zu reden, bedeutet, Tausende von Menschen zu töten innerhalb sehr kurzer Zeit – doch dergleichen hat sich in Syrien seit Beginn der Krise nicht ereignet. Doch der wichtigste Punkt ist, daß man vom ethischen Standpunkt her als Regierung dies niemals tun würde, man würde – wie ich schon sagte – niemals die eigenen Leute umbringen, niemals Massenvernichtungswaffen gegen die eigene Bevölkerung einsetzen, das ist unmöglich. Doch zum Dritten, was noch wichtiger ist: wir unterzeichneten 2013 die Chemiewaffenkonvention*, gaben unser ganzes Arsenal auf und verfügen seither über keines mehr. Tatsächlich sind die Terroristen diejenigen, welche solche Waffen benutzen, erstmals 2013; im Frühjahr 2013 baten wir die Vereinten Nationen, eine Untersuchungsdelegation zu schicken, doch die [US-]Amerikaner blockten unseren Versuch ab, da sie zu jener Zeit wußten, wenn die Delegation  nach Syrien käme, fände sie konkrete Beweise dafür, daß die Terroristen Chloringas gegen unsere Soldaten eingesetzt haben. Daher widerspreche ich vollends dem Gehalt dieser Aussage [involviert in Frage 7], welche das westliche Narrativ bezüglich Syriens wiederspiegelt als Teil der Dämonisierung der syrischen Regierung wie der syrischen Armee.
Frage 8: Es gibt Millionen an (Binnen)flüchtlingen, einschließlich kleiner Kinder, und hunderttausende Tote. Wie denken Sie als Präsident über Ihre Verantwortlichkeit?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich ist das Los der Flüchtlinge, das sie ansprechen, eine Tragödie, insbesondere wenn sie über Kinder, junge Kinder reden, die Jugend – das sind unschuldige Menschen, sie haben mit diesem Krieg nichts zu tun, außer, daß sie davon negativ betroffen sind. Gerade wenn sie über die Kinder sprechen, die haben keinerlei politischen Bezug dazu; sie sind nur unschuldige Bürger, aber sie bezahlen vor allen anderen in der Gesellschaft den Preis. Sie sprechen also eine Tragödie an, mit der wir alltäglich leben. Daher ist das Gefühle, das wir angesichts dieses angesprochenen tagtäglichen Erlebens haben, der Ansporn für uns als Amtsträger, unser Möglichstes zu tun, um die Terroristen loszuwerden, welche dieses Problem verursacht haben, und Frieden und Stabilität zurück nach Syrien zu bringen. Das ist die Frage, die Syrer dem Präsidenten stellen. Und als Syrer fühle ich selbstverständlich mit jedem Syrer, der wegen des Krieges zu leiden hat. Doch die Frage [der Bürger] derzeit richtet sich nicht nach meinem Gefühl, deren Frage geht dahin, was wir tun; wann wir die Terroristen los sein werden. Doch der wichtigste Aspekt des Flüchtlingsproblems, den viele im Westen und der restlichen Welt nicht wahrnehmen, ist, daß das Flüchtlingsproblem nicht nur mit den Terroristen selbst zu tun hat, sondern mit dem Embargo, das der Westen und seine Alliierten gegen die syrische Bevölkerung verhängt haben. Dieses Embargo wirkt sich nicht auf die Regierung aus, sondern auf jeden einzelnen syrischen Bürger; es schadet dem Leben eines jeden syrischen Bürgers. Deshalb haben viele ihr Land verlassen, nicht nur wegen der Terroristenbedrohung, sondern tatsächlich deswegen, weil ihre Lebensgrundlage nicht ausreicht,  ihren normalen Lebensgrundbedarf weiterhin zu decken, sei es hinsichtlich des Erwerbs von Nahrung, schulischer Bildung, des Erhalts an medizinischer Versorgung, einfach von allem – sie können es nicht mehr bekommen. Daher mußten sie Syrien verlassen, um anderswo zu leben, ein Minimum an Leben zu haben, das jeder sucht.
Frage 9: Als dann, würden Sie im Lauf des  Friedensstiftungsprozesses die Option des Rücktritts in Betracht ziehen, wenn Sie dächten, das sei für die Rekonziliation notwendig?
Präsident Dr. al-Assad: Der Rücktritt des Präsidenten oder sein Verbleib im Amt ist eine Frage der Nation, sie geht jeden einzelnen Syrer an, da in Syrien der Präsident direkt vom Volk gewählt wird. [Darüber zu entscheiden] ist somit nicht das Recht der Regierung oder der Opposition, sondern das Recht eines jeden Syrers. Demnach ist in dieser Hinsicht der einzige Entscheidungsträger die Wahlurne. Wer auch immer möchte, daß der Präsident geht, kann zur Wahlurne schreiten und erklären „nein, wir wollen ihn nicht“. So funktioniert Demokratie überall auf der Welt. Von daher also: nein, das ist etwas, das wir weder mit der Opposition noch mit irgendeinem anderen Staat diskutieren. Das ist eine syrische Angelegenheit, sie ist Teil der Verfassung und betrifft die Verfassung. Dann, wann wir Wahlen haben oder eventuell vorgezogene Wahlen – das steht derzeit nicht auf dem Plan – nur dann ist der einzige Weg gegeben zu entscheiden, ob ich im Amt bleibe oder nicht. Nochmals: ich bin nicht die Problemursache. Als Präsident habe ich meinem Land während der Krise zu helfen, nicht zu fliehen, nicht zu entkommen zu suchen, nicht zu sagen: „Ich muß gehen und lasse die Leute sich selber durchschlagen“. Nein, das ist nicht die Lösung. In der Krise muß der Präsident am Ruder stehen, sich um die Krise kümmern; nach Beendigung der Krise kann er womöglich sagen, er wolle bleiben oder gehen – das ist dann der Punkt, an dem die syrische Bevölkerung ihm sagen kann: „bleib“ oder „nein, Du mußt gehen, wir wollen Dich nicht mehr“.
Frage 10:  Welche Rolle erwarten Sie, daß Japan im Friedensstiftungsprozeß und dem Wiederaufbau Syriens spielen solle; Wiederaufbau und Sanierung als Japans Rolle?     
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie mich ganz frei mit einem japanischen Gast in Syrien sprechen: seit unserer Unabhängigkeit, seit Beginn der Beziehung zwischen Syrien und Japan vor Dekaden spielte Japan eine sehr wichtige und unerläßliche Rolle bei der Entwicklung, bei der Unterstützung der Infrastruktur etc., in verschiedenen Ländern, Syrien eingeschlossen. Japan war auch immer unvoreingenommen hinsichtlich der verschiedenen Sachfragen mit Bezug auf den Nahen Osten. Es respektierte immer das Völkerrecht bis zum  Beginn der Krise; da war es zum ersten Mal, daß Japan mit diesem Verlauf gebrochen hat, als es sagte, der syrische Präsident solle gehen. Nun die Frage: basiert das auf den Werten und der Ethik des japanischen Volkes? Definitiv nicht. Jeder weiß, wie ethisch motiviert die Japaner sind, jeder weiß das. Basiert das [die Forderung] auf dem Völkerrecht? Nein, wir sind ja ein souveränes, ein unabhängiges Land; niemand in der Welt [außerhalb Syriens] hat das Recht zu entscheiden, wer [in Syrien] bleiben oder gehen soll. Leider geschah das im Einklang mit der [US-]amerikanischen und westlichen Politik. Nochmals: Japan trat dem Embargo gegen Syrien bei, Japan, das früher der syrischen Bevölkerung geholfen hatte.  Hat das Embargo gegen die syrische Bevölkerung irgend etwas mit den Interessen der japanischen Bevölkerung, ihren werten oder Gesetzen, ihrer Verfassung etc. zu tun? Das denke ich nicht. Wie kann also Japan in diese Rolle schlüpfen, während es nicht einmal eine Botschaft [im Land[ hat, um zu verfolgen, was hier vorgeht? Tatsächlich ist es im politischen Sinne damit ebenso blind wie viele westliche Länder, die keine [diplomatische] Beziehung zu unserer Regierung oder unserem Land unterhalten; sie können demnach keine Rolle spielen, weil sie nicht wissen, was [hier] vorgeht. Ihre Informationen stammen aus westlichen Ländern, was für uns absurd ist. Wiederaufbau Syriens … Sie können nicht über den Wiederaufbau sprechen während Sie ein Embargo verhängt haben;  sie können nicht mit der einen Hand, Essen an mich austeilen und es mit der anderen wieder wegnehmen. Demnach geht es um die Politik Japans. Es muß zum Völkerrecht zurückkehren, wir sind ein souveränes Land, sie [die Japaner] haben Syrien immer respektiert, daher erwarten wir von ihnen, zu jener Linie zurückzugehen, die Japan von den meisten Ländern der Welt unterschied. Von dort aus kann Japan sicherlich eine wichtige und entscheidende Rolle bezüglich [Erlangen] des Friedens, der Beendigung des Blutvergießens und des Wiederaufbau spielen, um jenen Leuten zu helfen. Die meisten Flüchtlinge brauchen niemanden, der ihnen sagt: „Ihr seid willkommen“ in Deutschland oder in Frankreich oder irgendeinem anderen Land; die wollen zurückkehren in ihr eigenes Land; sie wollen nicht, daß man ihnen dort hilft, sie wollen, daß man ihnen hier hilft.  Das ist unsere Sicht auf die künftige Rolle Japans; wir haben die Hoffnung, daß Japan sich dessen besinnt, wie wir es während der Dekaden davor [vor Beginn der Krise] kannten.
Journalist: Wie Sie wissen, hat Japan Erfahrung in und eine Funktion bei der Bildung einer Nation vor 70 Jahren [gehabt]: Japan könnte Ihrem Land Ratschläge bzgl. Wiederaufbau und Rekonstruktion geben.
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, selbstverständlich. Wir hoffen darauf.
Frage 11: Wie Sie wissen, ist der japanische Journalist Jumpei Yasuda, ein sehr fähiger Journalist und mein Freund, im Juni 2015 in Syrien entführt worden. Haben Sie irgendwelche Informationen über seinen Aufenthaltsort oder über seine Situation?<
Journalist: Er wurde von Ğabhatu_n-Nuṣra als Geisel genommen.
Präsident Dr. al-Assad: Wer Ihnen da mit Informationen weiterhelfen könnte, sind die Türken, denke ich, da sie die Aufsichtsführenden (supervisors) von Ğabhatu_n-Nuṣra sind; sie müßten jegliche Information haben die Ğabhatu_n-Nuṣra hat zusammen mit deren Geheimdienst und deren Regierung.<
Journalist: Und hat die japanische Regierung Ihre Regierung kontaktiert?
Präsident Dr. al-Assad:  Leider nein. Es gab keinen einzigen Kontakt zwischen der syrischen und der japanischen Regierung hinsichtlich irgendeines Sachverhalts einschließlich dieses japanischen Journalisten, der am Ende ein japanischer Bürger ist.
Frage 12:  Sie definierten die Rolle Japans durch … Japan gehört –Ihrer Meinung nach – gehört es zur Koalition der USA, denken Sie das?
Präsident Dr. al-Assad:  In Syrien?
Journalist: Ja.
Präsident Dr. al-Assad:  Die Frage ist doch, was jene Koalition tatsächlich erreicht hat: nichts. Seit Beginn von deren Luftangriffen, die kosmetische Luftangriffe gewesen sind – um ganz offen mit Ihnen zu sein – hat sich ISIS ausgebreitet bis die Russen Ende September 2015 gegen ISIS intervenierten;  ab da begann ISIS zu schrumpfen. Demnach hat jene Koalition nicht ausgerichtet, sie töteten einzig syrische Soldaten, die in jenem Gebiet gegen ISIS kämpften, sie zerstören die Infrastruktur der Syrer, die sie während der letzten 70 Jahre seit der Unabhängigkeit aufgebaut haben, jeden Sektor jener Infrastruktur, sei es die Ölfelder, Schulen, Brücken, Raffinerien, alles ist zerstört durch die Koalition. Das ist leider die einzige Errungenschaft jener Koalition.
Frage 13: Ihr Plan zum Wideraufbau dieses Landes, wie lange wird es dauern? Wie sieht Ihre Zeitplanung aus?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben damit schon vor Beendigung der Krise begonnen, haben Pläne erstellt und begonnen mit den Vorstädten rund um Damaskus und nun planen wir für Aleppo und andere Städte, um weitere zerstörte Vorstädte wiederaufzubauen und zwar auf moderne Weise. Wir haben also nicht erst gewartet und wir warten weiterhin nicht bis zum Ende der Krise. Wir können gleich anfangen, da die Syrer entschlossen sind, ihr Land wiederaufzubauen. Wir erbauen Syrien. Syrien wurde nicht durch irgendwelche Ausländer erbaut. Wir bauten es mit unseren Ingenieuren auf, mit unseren Labors, unseren Ressourcen, mit der Hilfe einiger Freunde – finanzieller Hilfe, nicht technischer! Wir haben also die Fähigkeit, Syrien wiederaufzubauen. Es braucht Zeit, da eine Menge Geld nötig ist. Die Syrer, jeder Syrer baut sein eigenes Haus gemäß seinen Ressourcen auf, sogar wenn sie begrenzt sind; da sind die Auslandssyrer (expatriates), die Flüchtlinge, die Syrien verlassen haben; einige von ihnen sind wohl situiert, sie wollen zurückkommen;  und mit der Unterstützung unserer Freunde Rußland, China [wird es gelingen]. Viele andere Länder haben begonnen, über den Wiederaufbau von Syrien zu diskutieren und sie werden durch ihre finanziellen Ressourcen behilflich sein. Es gibt also viele Ressourcen, um Syrien wiederaufzubauen. Es geht nicht um die Zeit[planung], es wird Zeit brauchen. Jeglicher Wiederaufbau braucht Zeit; doch das Wichtigste ist, daß Sie die Fähigkeit haben, Ihr Land wiederaufzubauen. Darum machen wir uns keine Sorgen. Worüber wir uns sorgen, ist, wie wir die Psyche der Menschen wiederaufbauen können, die so viele Jahre unter Kontrolle von ISIS und Ğabhatu_n-Nuṣra gestanden sind, deren Geist verschmutzt wurde durch Aufoktroyierung dieser Ideologie, dieser, wie ich sagte, wie ich sie nannte haßerfüllten wahhâbitischen Ideologie**. Sie sahen den Tod, das Gemetzel, und manche Kinder töteten gar mit ihren Händen unschuldige Menschen. Wie können wir solche Gemüter wieder in Ordnung bringen, ihre Seelen wieder gesund machen? Das ist unsere große Sorge nach der Krise.
Journalist: Danke, vielen Dank.
Präsident Dr. al-Assad: Ich danke Ihnen.                    

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[Farbliche Hhg. jeweils blogseits]

*Derzeit nicht beigetreten: Ägypten, Israel, Nord-Korea, Süd-Sudan.

**Beispiele dieser gefährlichen Verbildung von Kindern und Jugendlichen im Irak schon mehrfach bekannt geworden. Vgl. „Kinder des Kalifats“ und „Löwenjungen des Kalifats“,  das IS-Waisenhaus oder Jihadi John bzw. Jane.

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Statement von Präsident Dr. al-Assad gegenüber französischen Medien
vom 9.1.2017, http://sana.sy/en/?p=97969

Präsident Dr. al-Assad am 9.1.2017, Photo: SANA

Präsident Dr. al-Assad am 9.1.2017, Photo: SANA

Frage 1: Gerade erst haben Sie eine Delegation französischer Parlamentarier empfangen. Denken Sie, daß dieser Besuch einen Einfluß auf die französische Position gegenüber Syrien haben wird?

Präsident Dr. al-Assad: Das ist eine [typisch] französische Frage. Wir hoffen, daß jede Delegation, die hierher kommt, die Wahrheit über das, was sich in den letzten Jahre seit Beginn des Kriegs vor sechs Jahren in Syrien abgespielt hat, sehen will. Das Problem nun, insbesondere hinsichtlich Frankreichs ist, daß  es keine Botschaft [in Syrien] und damit keinerlei Beziehungen zu Syrien unterhält. Es ist wie …, ja wie ein blinder Staat. Wie kann man eine Politik bezüglich einer gewissen Region machen, ohne sie sehen zu können, da man blind ist. Man muß sehen können. Die Bedeutung solcher Delegationen besteht darin, daß sie als Augen ihrer Staaten fungieren;  doch das hängt vom [betreffenden] Staat ab: will er [so] sehen [können] oder weiterhin die straußenähnliche Politik beibehalten. Sie [wohl: die leitenden Politiker solcher Staaten] wollen nicht die Wahrheit sprechen, da sich derzeit alles in der Welt bzgl. Syrien auf jeder Ebene im Wandel befindet, auf lokaler, regionaler und internationaler [Ebene]. Bis zu diesem Moment hat die französische Administration ihre Position nicht geändert, sie behält die alte Redeweise bei, die mit der Realität [vor Ort] nichts zu tun hat. Daher nähren wir die Hoffnung, daß es im Staat jemanden gibt, der diesen Delegationen [besser: Delegierten] und den Fakten zuhören will. Dabei spreche ich nicht über meine Meinung, sondern über die Realität in Syrien. Also, wir hoffen.

Frage 2: Herr Präsident, sie sagten, Aleppo sei ein bedeutsamer Sieg für Syrien gewesen und ein bedeutender Wendepunkt in der Krise. Was fühlen Sie beim Anblick der hunderten von Bürgern, die im Bombenhagel getötet worden sind, und angesichts der Verheerung der Stadt?

Präsident Dr. al-Assad: Natürlich ist es schmerzlich für uns als Syrer, jeden Teil unseres Landes zerstört zu sehen oder das Blutvergießen überall, das ist absolut klar (self-evident). Es ist der emotionale Teil. Aber als Präsident  und Amtsträger ist die die Syrer angehende Frage: was werde ich tun. Es geht nicht nur um das Gefühl, jenes ist ganz klar, wie schon gesagt. [Es geht darum:] wie wir unsere Städte wiederaufbauen.

Frage 3: War aber die Bombardierung von Ost-Aleppo die einzige Lösung, die Stadt zurückzubekommen – mit so vielen getöteten Bürgern, Ihren Landsleuten?

Präsident Dr. al-Assad: Es kommt darauf an, welche Art Krieg man sucht. Denken Sie an einen leisen Krieg ohne Zerstörung? Noch niemals in der Geschichte habe ich von einem guten Krieg gehört, jeder Krieg ist schlimm. Warum schlimm? Weil jeder Krieg mit Zerstörung einhergeht und mit Töten – deshalb ist jeder Krieg schlecht. Man kann nicht sagen „das ist ein guter Krieg“, sogar wenn er einen guten, einen noblen Grund hat wie das eigenen Land zu verteidigen. Trotzdem ist er übel. Daher ist Krieg keine Lösung, wenn es noch eine andere gibt. Doch die Frage ist nun: wie kann man die Bürger in jenen Regionen von den Terroristen befreien? Wäre es besser, es sein zu lassen, die Bürger unter deren Kontrolle, unter deren Unterdrückung leiden zu lassen, wo Terroristen über ihr Schicksal bestimmen,  ihnen den Kopf abschlagen, sie töten, wo es alles bloß keinen Staat gibt? Wäre das die Rolle des Staates, zuzuschauen und abzuwarten? Man muß sie befreien und das hat manchmal seinen Preis. Aber am Ende sind die Bürger von den Terroristen befreit. Das ist nun die Frage: sind sie befreit oder nicht? Falls ja, dann ist das das Vorgehen, was wir einzuschlagen haben.

Frage 4: Herr Präsident, am 30. Dezember wurde eine Waffenruhevereinbarung unterzeichnet. Warum kämpft dann die syrische Armee weiterhin nahe Damaskus in der Region von Wâdî Baradâ?

Präsident Dr. al-Assad: Zunächst einmal: die Waffenruhe betrifft verschiedene Parteien. Wenn Sie also sagen, es besteht [nur dann] eine tragfähige Waffenruhe, wenn jede Partei mit dem Kämpfen und Schießen aufhört, [dann] ist das in vielen Regionen Syriens nicht der Fall, wie das russische Überwachungszentrum hierzu berichtet hat. Verstöße gegen die Waffenruhe gibt es täglich, inklusive in Damaskus; doch in Damaskus hauptsächlich, weil die Terroristen die Haupttrinkwasserquelle von Damaskus besetzt halten, wo derzeit seit der letzten drei Wochen mehr als fünf Millionen Menschen vom Wasser abgeschnitten leben; die Rolle der Armee besteht somit darin, jene Region zu befreien, um die Terroristen daran zu hindern, die Wasserquelle dazu zu benutzen, die Hauptstadt auszudursten. Das ist der Grund.

Frage 5: Herr Präsident, der IS nicht Teil der Waffenruhevereinbarung?

Präsident Dr. al-Assad: Nein [ist er nicht].

Journalist: Planen Sie, ar-Raqqa wiedereinzunehmen und wann?

Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie mich erst den zweiten Teil der ersten Frage beantworten: die Waffenruhevereinbarung betrifft nicht den IS und Ğabhatu_n-Nuṣra, und das Gebiet, in dem wir seit kürzlich kämpfen, um es zu befreien, betrifft das Gebiet der Wasserressourcen der Hauptstadt Damaskus; es ist besetzt von Ğabhatu_n-NuṣraĞabhatu_n-Nuṣra hat ganz formell erklärt, daß es das Areal besetzt hält. Demnach ist es nicht Teil der Waffenruhevereinbarung.
Hinsichtlich ar-Raqqa ist es selbstverständlich unsere Mission – entsprechend der Verfassung und den Gesetzen – jeden Zentimeter des syrischen Landes zu befreien. Das steht außer Frage und nicht zur Debatte. Doch es geht um das Wann bei unseren Prioritäten; das [hier] ist eine militärische Angelegenheit, die der militärischen Planung, der militärischen Prioritäten. Doch national gesehen gibt es keine Priorität, denn jeder Zentimeter Syriens sollte sich im Einflußbereich der Regierung befinden.

Frage 6: Ende des Monats werden bedeutsame Gespräche in Astana stattfinden, einschließlich etlicher syrischer Parteien und inklusive einiger, lassen sie uns sagen, oppositioneller Gruppen. In wie fern sind Sie bereit, mit denen direkt zu verhandeln, und in wie fern sind Sie bereit, zu verhandeln, um dem Frieden zurück nach Syrien bringen zu helfen.

Präsident Dr. al-Assad: Selbstverständlich sind wir bereit dazu und haben [in der Vergangenheit] bekanntgegeben, daß unsere Delegation bereit ist, an der Konferenz teilzunehmen, wann sie die Zeit für jene Konferenz definieren … festlegen. Wir sind bereit alles zu verhandeln. Wenn Sie über Verhandlung bzgl. des Endes des Konflikts in Syrien oder Gespräche über die Zukunft von Syrien ansprechen, ist alles vollkommen offen; da gibt es keine Grenze für Verhandlungen. Doch wer wird von der anderen Seite hingehen?  Das wissen wir bis jetzt nicht. Wird es die echte syrische Opposition sein – wenn ich sage „echte“, meine ich eine in Syrien gewachsene, keine saudische, französische oder britische – es sollte die syrische Opposition sein, um syrische Belange zu diskutieren. Demnach wird die Tragfähigkeit oder lassen Sie uns sagen, der Erfolg jener Konferenz von diesem Punkt abhängen.

Frage 7: Sind Sie sogar bereit, über ihre Position als Präsident zu diskutieren? Das ist bestritten worden.

Präsident Dr. al-Assad: Nun, meine Position hängt jedoch mit der Verfassung zusammen und die ist sehr deutlich hinsichtlich die Mechanismen, welche jemand zum Präsidenten machen oder wie man einen Präsidenten los wird. Wenn sie also diesen Punkt diskutieren wollen, müssen sie über die Verfassung diskutieren. Die Verfassung aber steht nicht zur Verfügung der Regierung oder des Präsidenten oder der Opposition; sie sollte unter Verfügungsgewalt der syrischen Bevölkerung stehen. Demnach bräuchte es ein Referendum für eine jegliche Verfassung. Das ist ein Punkt, der natürlich bei jenem Treffen besprochen werden könnte. Doch können sie nicht sagen „wir brauchen diesen Präsidenten“ oder „wir brauchen jenen Präsidenten nicht“, eben weil das Präsidentenamt Sache der Wahlurne ist. Wenn sie ihn nicht brauchen, laßt uns zur Wahlurne schreiten! Die syrische Bevölkerung sollte einen Präsidenten wählen, nicht [nur] ein Teil davon.

Frage 8: Und was wird bei diesen Verhandlungen das Schicksal der Rebellenkämpfer sein?

Präsident Dr. al-Assad: Seit der letzten drei Jahre hindurch biete die Regierung – und zwar weil wir grundsätzlich Frieden in Syrien anstreben – Amnestie für jeden militanten an, der seien Waffen abgibt. Das hat Erfolg gehabt. Diese Option wird es weiterhin für die geben, die in ihr normales Leben zurückkehren wollen. Es ist das Maximum des Anbietbaren: Amnestie.

Frage 9: Herr Präsident, wie Sie wissen werden in Frankreich Präsidentschaftswahlen stattfinden. Haben sie einen Favoriten oder bevorzugen sie einen der Kandidaten?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir haben keinerlei Kontakt zu irgendeinem von denen und wir können wenig auf die Statements und Rhetorik während der Wahlkampagne zählen. Daher sagen wir immer: laßt uns abwarten und sehen, wie sich die Politik erweist, nachdem sie auf ihren Posten sind. Dennoch haben wir immer die Hoffnung, daß die nächste Administration oder Regierung oder der nächste Präsident, daß sie sich also um die Realität kümmern wollen, um sich von der Politik abzunabeln (disconnect), welche sich abseits (disconnected) der Realität abgespielt hat. Das ist unsere Hoffnung; [so] können sie im Interesse der französischen Bevölkerung arbeiten, weil die Frage nach sechs Jahren ist: fühlen sie sich als französischer Bürger sicherer? Ich denke nicht, die Antwort ist: ja.

Frage 10: Aber ein Kandidat, Francois Fillon, vertritt nicht dieselbe Position wie die offizielle; er will den Dialog mit Syrien wiederbeleben. Erwarten Sie, daß seine Wahl, sollte es dazu kommen, die Position Frankreichs gegenüber Syrien ändern könnte?

Präsident Dr. al-Assad: Seine Rhetorik bzgl. der Terroristen, oder lassen sie mich sagen: zur Priorität der Bekämpfung der Terroristen und der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten, sind willkommen, doch müssen wir vorsichtig sein, da wir in dieser Region während der letzten Jahre gelernt haben, daß viele Amtsträger das Eine sagen und das Andere tun. Damit möchte ich nicht sagen, daß Herr Fillon das tue. Ich hoffe das nicht. Doch wir müssen abwarten und sehen, denn es besteht kein Kontakt. Doch sollte das, was er sagte, auch umgesetzt werden, wäre das sehr gut.

Frage 11: Schätzen Sie Francois Fillon als Politiker?

Präsident Dr. al-Assad: Mit ihm habe ich keinerlei Kontakt oder Kooperation. Demnach hätte nichts, was ich jetzt sagte, irgendeine Glaubwürdigkeit, um ganz offen zu sein.

Frage 12: Haben Sie eine Botschaft für Frankreich?

Präsident Dr. al-Assad: Ich denke, wenn ich eine solche an die Politiker richten wollte, würde ich etwas Selbstverständliches sagen: sie sollten im Interesse der syrischen [logisch wohl eher: französischen] Bürger handeln, nicht gegen sie wie in den vergangenen sechs Jahren, denn die französischen politischen Entscheidungen  [dieser Jahre] verletzten die französischen Interessen. Den Franzosen würde ich sagen: die Mainstream-Medien haben versagt [a.V.: berichteten falsch] wie die meisten im Westen. Die [besser: ihre] Darstellung ist durch die Realität entlarvt worden; sie haben alternative Medien zur Verfügung, um die Wahrheit zu erfahren. Die Wahrheit ist das Hauptopfer der Ereignisse in Nah-Ost einschließlich Syriens. Jeden Bürger in Frankreich würde ich auffordern, nach der Realität zu suchen, nach echter Information mittels alternativer Medien. Wenn sie nach dieser Information suchen, können sie effektiver mit ihrer Regierung umgehen oder zumindest einigen Politikern nicht erlauben, ihre Politik auf Lügen auszubauen. Das, so denken wir, ist das Wichtigste während der letzten sechs Jahre.

Frage 13: Herr Präsident, Ihr Vater war lebenslang Präsident von Syrien. Denken Sie daran, eines Tages nicht mehr Präsident zu sein?

Präsident Dr. al-Assad: Natürlich. Das hängt von zwei Dingen ab: das erste ist der Wille der syrischen Bevölkerung; wollen sie jene Person als Präsident oder nicht. Wenn ich Präsident sein wollte, während die syrische Bevölkerung mich nicht wollte, auch wenn ich die Wahlen gewänne, hätte ich keinen starken Rückhalt und könnte nichts bewirken, schon gar nicht in einer komplizierten Region wie in Syrien. Sie können nicht nur gewählter Präsident sein, das funktioniert nicht, Sie brauchen die Unterstützung der Bevölkerung. Ohne sie können sie keinen Erfolg haben. Dann hat es keine Bedeutung, Präsident zu sein. Das zweite ist: wenn ich Präsident werden möchte, kann ich mich nominieren; das aber hängt wieder vom ersten Faktor ab: wenn ich merke, daß die Syrer mich nicht haben wollten, werde ich das freilich nicht tun. Es geht also hauptsächlich nicht um mich, sondern um die Syrer: wollen sie mich oder nicht. Das ist meine Sicht der Sache.

Frage 14: Letzte Frage: Donald Trump ist designierter Präsident der USA und im Amt in weniger als zwei Wochen. Er hat ganz klar gesagt, er wolle die Beziehungen zu Rußland verbessern, das einer Ihrer Hauptverbündeten …

Präsident Dr. al-Assad: Ja, genau.

Journalist: Ziehen Sie es in Betracht … erwarten Sie, daß dies die Position der USA gegenüber Syrien ändern wird.

Präsident Dr. al-Assad: Nun, wenn man darüber realistisch sprechen will – das syrische Problem existiert ja nicht isoliert, ist nicht nur ein innersyrisches – der tatsächlich größte Teil oder besser gesagt, der Hauptteil des Syrienkonflikts ist regional und international [basiert]. Der einfachste Teil davon ist innersyrisch. Der regionale und internationale Teil hängt hauptsächlich von der Beziehung zwischen den USA und Rußland ab. Was er gestern abend verkündete war sehr verheißungsvoll; wenn es da eine ehrliche Annäherung oder Initiative hin zur Verbesserung der Beziehung zwischen den USA und Rußland gibt, hätte das Auswirkung auf jedes Problem in der Welt, einschließlich Syriens. Daher würde ich sagen: ja, wir denken, das ist positiv für den Syrienkonflikt.

Journalist: Was ist [daran] positiv?

Präsident Dr. al-Assad: Ich meine die Beziehung, die Verbesserung der Beziehung zwischen den USA und Rußland werde sich positiv auf den Syrienkonflikt auswirken.

Journalist: Ich danke Ihnen vielmals.

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Stellungnahme von Präsident Dr. al-Assad’s gegenüber Il Giornale
http://sana.sy/en/?p=97317 vom 30.12.2016

Stellungnahme gegenüber Il Giornale, Photo: SANA

Stellungnahme gegenüber Il Giornale, Photo: SANA

Frage 1: Viele Syrer sind wegen des Kriegs nach Europa gekommen. Nach der Befreiung von Aleppo scheint es so, als würde der Krieg enden. Was würden Sie gerne den Leuten sagen, die ihre Heimat verlassen haben?       

Präsident Dr. al-Assad: Wenn sie mich nach deren Wünschen fragen, würde ich Ihnen als Syrer antworten,  dessen Landmänner jene sind, daß sie in ihre Heimat zurücklehren wollen, weil jeder zurück in seine Heimat will, doch brauchen jene zwei Dinge: Stabilität, Sicherheit und zur gleichen Zeit brauchen sie die notwendigen Basisgüter für ihren Lebensunterhalt, die viele aufgrund des Kriegs verloren haben. In dem Fall brauche ich nicht herzugehen und die Menschen einzuladen, zurück nach Syrien zu kommen, weil das ihr Land ist, sie brauchen keine Einladung zur Rückkehr. Doch was ich in dem Fall den europäischen Amtsträgern sagen möchte, die dieses Problem in unserem Land durch direkte oder indirekte Terroristenunterstützung geschaffen  haben –  und sie haben diese Flut an Syrern nach Europa verschuldet, während sie gleichzeitig sagten: wir unterstützen sie von einer humanitären Sicht der Dinge aus – ist: Sie brauchen keine Unterstützung in Ihrem Land, sie brauchen sie in unserem Land.  Sie brauchen ein Ende der Terroristenunterstützung, ein Ende des Embargos, das viele Syrer nach Europa drängte, das und der Terrorismus. Wegen des Embargos haben sie keine Lebensgrundlage mehr in diesem ihrem Land.

Frage 2: Manche politischen Analysten denken, das „Nein“ Syriens zu den geplanten Pipeline-Routen von Qaṭar  sei möglicherweise der Grund für den Kriegsbeginn 2011. Wie wichtig war dieses Ihr „Nein“ gegenüber Qaṭar  zu Beginn des Kriegs.

Präsident Dr. al-Assad: Es ist einer der wichtigen Faktoren, doch wurde uns die Sache nicht offiziell angetragen. Aber ich denke, da gab es eine Planung. Zwei Routen sollten Syrien kreuzen, eine in Nord-Süd-Richtung, welche von Ihnen bzgl. Qaṭar erwähnt wurde, und die andere in Ost-West-Richtung zum Mittelmeer durch den Irak vom Iran her. Zu jener Zeit waren wir dabei, die eine in Ost-West-Richtung zu bauen, und ich denke, viele Länder, die gegen die Politik Syriens eingestellt waren, wollten nicht, daß Syrien ein Knotenpunkt hinsichtlich der Energie wird, sei es elektrische Energie oder auf Öl basierende, oder selbst nur ein Knotenpunkt in verkehrstechnischer Hinsicht durch Eisenbahnen u.s.w. Demnach ist das einer der Faktoren. Doch diejenige in Nord-Süd-Richtung, die Qaṭar betrifft, ist uns nicht offiziell vorgeschlagen worden.

Frage 3: Terrorismus ist eine globale Bedrohung. Letze Woche wurde Deutschland durch den IS angegriffen. Hilft die syrische Regierung Europa bei der Terrorismusbekämpfung? Und wenn ja, wie?

Präsident Dr. al-Assad: Es ist einfach und evident, wenn ich sage, ich kann Ihnen helfen, wenn sie sich selbst helfen wollen, wenn sie das nicht wollen, wie kann ich ihnen dann helfen? Das Problem mit Europa ist, daß sie sich nicht selbst helfen wollen. Sie arbeiten – dabei meine ich die Amtsträger und die Regierungen – gegen die eigenen Interessen, gegen die Interessen ihrer jeweiligen Bevölkerung. Sie sind dabei, Terroristen zu unterstützen. Wie kann ich ihnen helfen, wenn sie in ihrer eigenen Region Terroristen unterstützen, um terroristische Attacken in Europa zu stoppen? Das kann ich nicht.  Wenn Sie keine gute Politik machen bevor der Geheimdienst aktiv wird, können Sie keine Resultate erzielen, weder durch den Geheimdienst noch durch das Militär oder auf einem anderen Weg. Die Politik ist der Schirm. Doch die Politik in Europa ist auf die Unterstützung jener Terroristen ausgerichtet. Wenn sie [d.i. die europäischen Regierungen] ihre Politik ändern, sind wir bereit, ihnen zu helfen.

Frage 4: Die letzte Frage, Herr Assad. Christen haben viel im Krieg zu leiden gehabt. Welche Rolle könnten sie bei der Hilfe für Syrien heute spielen?

Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie auf Syrien schauen, nicht heute, nicht während der letzten paar Jahre, sondern während der letzten Jahrhunderte, dann war es immer mannigfaltig (diverse); es ist ein Schmelztiegel verschiedener Religionen, Sekten und Ethnien.  Wir besitzen ein weites Spektrum an Mannigfaltigkeit. Ohne diese wäre es abgesehen vom Namen und der politischen Grenzen nicht Syrien. Dabei spreche ich von Syrien als Gesellschaft, so wie sie vor dem Krieg war. Denn durch diesen Krieg bedingt gab es viele demographische Verschiebungen, wegen der Fluchtbewegungen innerhalb der Grenzen und über sie hinaus. Mein Eindruck ist, und ich bin zuversichtlich in dieser Hinsicht, daß nach dem Krieg die Mehrheit der Syrer nach Syrien zurückkehren will. Damit ist Syrien sozusagen auf dem Weg, falls sie das Wort gebrauchen wollen, seiner Natur gemäß wiedergeboren zu werden, denn es ist nicht verschwunden, das zum Ersten.  Zum Zweiten hat dieser Krieg viele Syrer zusammengebracht. Sie lernten die Lektionen, so viele Lektionen, etwa, daß es, wenn wir einander nicht akzeptieren und respektieren in jeder Hinsicht des Wortes, keine geeinte Gesellschaft geben kann. Ohne diese geeinte Gesellschaft kann Syrien nicht wiedergeboren werden. Auch jenseits des Gedankens an die Wiedergeburt Syriens kann ich heutzutage fühlen, daß die soziale Gesellschaft, wenn es keinen Terrorismus gäbe, die viel stärker wird als sie vor dem Krieg gewesen ist, aufgrund der Lektionen, die wir gelernt haben.

Journalist: Danke, Herr Assad.

Präsident Dr. al-Assad: Danke Ihnen.

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Stellungnahme von Präsident Dr. al-Assad’s gegenüber dem italienischen TV-Kanal TG5
http://sana.sy/en/?p=97309, 29.12.2016

Stellungnahme gegenüber TG5, Photo: SANA

Stellungnahme gegenüber TG5, Photo: SANA

Frage 1: Präsident al-Assad, vor einigen Tagen übernahm die syrische Armee, unterstützt durch russische Streitkräfte die Kontrolle über  fast ganz Aleppo. Wir können sagen, der Krieg sei damit nahezu vorüber?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, noch nicht. Man kann nicht darüber reden, der Krieg sei vorüber bis Syrien nicht nicht die Terroristen losgeworden ist. Und jene Terroristen haben leider nach wie vor die offizielle Unterstützung vieler Länder einschließlich der Türkei, Qaṭars, Saudi-Arabiens und vieler westlicher Staaten. Das hat sich nicht geändert. Diese Art Unterstützung wird den Krieg weiter hinziehen. Doch der Sieg über die Terroristen in Aleppo ist ein wichtiger Schritt dem Ende des Kriegs entgegen. Ohne jene Unterstützung der Terroristen von außerhalb wäre es nicht schwer, die Terroristen überall in Syrien loszuwerden. Dann könne wir über das Ende des Kriegs sprechen.          

Frage 2: Aber was könne sie sagen über die enorme Zahl an Opfern unter den Bürgern , das ist schließlich ein großes Problem.

Präsident Dr. al-Assad: In Syrien generell?

Journalist: Ja, genau.

Präsident Dr. al-Assad: Freilich ist das ein großes Problem;  viel wichtiger als die [Zerstörung von] Infrastruktur und Gebäude sind die Menschen, die getötet worden sind, die Familien, die ihre Lieben, ihre Kinder, Söhne, Brüder, Schwestern, Mütter usw. verloren. Das ist das Leiden, die Pein, die sie ihr Leben lang verfolgen wird. Doch am Ende ist der einzige Weg für jedermann, das Problem in Syrien zu lösen, dem jeweils anderen zu vergeben. Meiner Meinung nach ist es unser Empfinden, daß dies auf allgemeiner Ebene der Hauptorientierungspunkt ist.

Frage 3: Und die Rolle des IS hier in Syrien … Sie schlagen den IS, denn wir in Europa haben ebenfalls ein Problem mit dem IS, Sie wissen das, die Berlin-Attacke. Was könne wir mit dem IS anstellen?

Präsident Dr. al-Assad: Als Europäer?

Journalist: Als Europäer und …

Präsident Dr. al-Assad: Ja. Das Problem liegt nicht nur beim IS. Der IS ist das Produkt, ein Produkt des Extremismus. Wenn Sie über den IS sprechen, können sie gleich auch über Ğabhatu_n-Nuṣra reden und viele andere unterschiedliche Organisationen mit derselben Mentalität und derselben düsteren Ideologie. Das Kernproblem dieser Organisationen ist vor allem die Ideologie, die wahhâbitische Ideologie. Wenn Sie sich damit nicht in Europa, unserer Region wie in der gesamten Welt befassen, könne wir uns nicht mit dem Extremismus und seinem Produkt, dem Terrorismus befassen, wo auch immer in der Welt. Ich meine in jener Hinsicht: wenn man sich nicht mit der Ideologie auseinandersetzt, befaßt man sich nur temporär mit dem Problem. Wenn man sich jedoch permanent mit dem Sachverhalt Terrorismus befaßt, muß man  sich um das tragende Gerüst des Terrorismus kümmern, die wahhâbitische Ideologie. Das zum Ersten. Doch gegenwärtig gibt es ein weiteres Traggerüst des Problems: das ist die westliche Unterstützung für jene Terroristen, möglichweise nicht für den IS im allgemeinen, doch geben sie denen andere Bezeichnungen wie „moderate“, „Weißhelme“ (white helmets); all diese – manchmal –  humanitären und moderaten Benennungen verleihen ihnen nur die Tarnung, um so ihre politischen Ziele zu erreichen. Demnach ist deren Priorität- dabei spreche ich über die europäischen Regierungen! –  als ihre Priorität nicht die Bekämpfung des Terrorismus; deren Priorität ist, solche Spielfiguren [eigentlich: cards] zu benutzen, um Regierungen zu stürzen, Präsidenten loszuwerden u.s.w. Mit solche einer politischen Vorgehensweise kann man keinen  Terrorismus auf der Welt bekämpfen. Das ist der Grund, wie sie sehen,  warum in den letzten paar Jahren nichts gegen den Terrorismus in Europa geschehen ist. Die Terroristen sind immer noch frei bei ihren Attacken, die Situation hat sich nicht geändert, weil sich die westlichen Amtsträger nicht ernsthaft mit dem Problem [des Terrorismus] befassen.

Frage 4: Und die letzte Frage: Denken Sie, daß die Wahl von Donald Trump bzgl. der Rolle der USA in dieser Sache etwas ändern könnte?

Präsident Dr. al-Assad: Sagen wir einmal, wir sind mit Vorsicht optimistischer, weil wir nicht wissen, wie die Politik aussehen wird, die er hinsichtlich unserer Region generell dann umsetzen wird. Wir kann er mit den verschiedenen Lobbys in den USA fertigwerden, die gegen irgendeine Lösung in Syrien und gute Beziehungen zu Rußland sind. Doch könnten wir vielleicht etwas optimistischer hinsichtlich der Beziehung zwischen den USA und  Rußland sein, nicht zwischen dem Westen und Rußland, da Europa auf der politischen Landkarte nicht existiert; daher spreche ich nur von den USA. Wenn es eine gute Beziehung zwischen diesen beiden Großmächten gäbe, würde der Großteil der Welt einschließlich so kleiner Länder wie Syrien davon profitieren. Diesbezüglich könnte es dann zu einer Lösung in Syrien kommen. Zur selben Zeit sagte er – Herr Trump während seiner Wahlkampagne –  seine Priorität sei die Terrorismusbekämpfung. Wir glauben ja, daß dies der Beginn der Lösung ist, sofern er umsetzen kann, was er verkündet hat.

Journalist: Okay, danke!

Präsident Dr. al-Assad: Ich danke Ihnen.

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Präsidenteninterview mit Russia Today, ausgestrahlt am 14.12.2016 (http://sana.sy/en/?p=96185)

Präsident Dr. al-Assad mit Maria Finoshina, Photo: SANA

Präsident Dr. al-Assad mit Maria Finoschina, Photo: SANA

Journalistin (Maria Finoschina): Herr Präsident, vielen Dank dafür, daß sie in das Gespräch mit uns eingewilligt haben.

Präsident Dr. al-Assad: Sie sind hoch willkommen in Damaskus.

Frage 1: Wir beginnen mit Aleppo, natürlich. Aleppo erlebt derzeit die härtesten Kämpfe seit der Krieg vor nahezu sechs Jahren hier in Syrien begonnen hat, doch die westlichen Politiker und westlichen Medien sind bei weitem negativ gegenüber dem Voranschreiten Ihrer Armee eingestellt. Warum, glauben Sie, ist das so? Halten die das für ihre eigene Niederlage?

Präsident Dr. al-Assad: Nachdem sie tatsächlich in Damaskus gescheitert sind, da sich die gesamte Darstellung während der ersten drei Jahre um die „Befreiung von Damaskus vom Staat“ drehte. Als sie [dort] scheiterten, zogen sie nach Ḥomṣ, als sie dort scheiterten, weiter nach Aleppo; während der letzten drei Jahre konzentrierten sie sich auf Aleppo; für sie ist das die letzte stärkste Karte, die sie auf dem syrischen Schlachtfeld haben ausspielen können.  Natürlich haben sie noch Terroristen in verschiedenen Gebieten Syriens stehen, doch ist es etwas anderes, als von Aleppo als der zweitgrößten Stadt zu sprechen mit ihrer politischen, militärischen und sogar moralischen Bedeutung, wenn deren Terroristen besiegt werden. Demnach ist für die der Sieg über die Terroristen gleich dem Sieg über deren Erfüllungsgehilfen, um es frei heraus zu sagen. Das sind ihre Erfüllungsgehilfen; für sie ist der Sieg über diese Terroristen wie der Sieg über die Länder, die jene kontrollieren, egal ob es sich um regionale oder westliche Staaten wie die USA, vor allem die USA, und Frankreich mit Großbritannien handelt.

Frage 2: Also denken Sie, die sehen es als ihr eigenes Versagen an, richtig?

Präsident Dr. al-Assad: Genau, das hatte ich gemeint. Der Sieg über die Terroristen ist der Sieg über sie, weil diese deren wirkliche Armee auf dem Boden darstellen. Sie mischten sich nicht ein oder intervenierten direkt in Syrien; sie intervenierten mittels dieser Erfüllungsgehilfen. So haben wir das zu sehen, wenn wir realistisch sein wollen, ungeachtet deren Statements freilich.

Frage 3: Palmyra [Tadmur]  ist nun eine weitere unruhevolle Region, und es ist nun eingenommen von ISIS bzw. ISIL, doch hören wir Diesbezüglich kaum Verurteilungen. Hat das denselben Grund?

Präsident Dr. al-Assad: Exakt, weil sie von der Regierung eingenommen worden ist, sind sie besorgt um das [Welt-]erbe. Wenn wir Aleppo von den Terroristen befreit haben, werden sie – damit meine ich die westlichen Amtsträger und die Mainstream-Medien – besorgt um die Bürger sein. Darüber waren sie nicht besorgt, als das Gegenteil geschah, als die Terroristen die Bürger töteten oder Palmyra angriffen und das Welterbe, nicht nur das syrische, zu zerstören begannen. Sie haben ganz Recht:  wenn Sie auf  die zeitliche Planung des ISIS-Angriffs schauen,  so ist er verbunden mit dem Geschehen in Aleppo. Es ist die Antwort auf das Geschehen in Aleppo gewesen, auf das Vorrücken der SAA; sie wollten damit sozusagen den Sieg in Aleppo untergraben und gleichzeitig die SAA von Aleppo wegbekommen, um sie nach Palmyra zu dirigieren, um dort das [IS-]Vorrücken zu stoppen – doch das funktionierte freilich nicht.

Frage 4: Wir haben ebenso Meldungen vernommen, daß die Belagerung von Palmyra nicht nur mit der Schlacht um Aleppo in Verbindung steht, sondern auch mit dem Geschehen im Irak; es gibt auch Meldungen, wonach die USA-geführte Koalition, die aus mindestens 70 Ländern besteht, den ISIL-Kämpfern erlaubte, Mossul im Irak zu verlassen und daß das ISIL  hier in Syrien stärkte. Denken Sie nicht, daß es sich zugetragen haben könnte?

Präsident Dr. al-Assad: Das könnte sein. Doch da geht es nur um das Händewaschen der US-Politiker in Unschuld für den Angriff, als sie sagen: „selbstverständlich griff die irakische Armee nur Mossuls wegen diese Stadt an und ISIS verließ Mosul in Richtung Syrien.“ Das ist nicht der Fall. Warum? Weil sie [der IS] mit unterschiedlichem und riesigem Aufkommen an Kämpfern und Waffen kamen, die ISIS vor diesem Angriff nicht zur Verfügung stand. Zudem griffen sie in breiter Front von dutzenden Kilometern an, die Armeen gut anstünde. ISIS konnte dies nur mit Unterstützung von Staaten realisieren, von Staaten, nicht von einem Staat. Sie rückten an mit unterschiedlichen Maschinengewehren, Kanonen, Artillerie, alles unterschiedlich. Also konnte dies, als sie in diese Wüste kamen, nur geschehen unter der Kontrolle der US-Allianz, die sie [den IS] angeblich in ar-Raqqa, Mossul und Dair az-Zaur  bekämpfte. Doch das geschah nicht. Sie [die US-geführte Koalition] drückten bzgl. der IS-Aktion entweder ein Auge zu und bzw. oder  – und das ist, was ich glaube – sie drängten sie gen Palmyra. Also geht es nicht um Mossul. In diese Falle dürfen wir nicht tappen. Es geht um ar-Raqqa und Dair az-Zaur.  Sie [die IS-Kämpfer] sind sehr nahe, nur wenige hundert Kilometer entfernt; sie können unter der Kontrolle der US-Satelliten, der US-Drohnen und der US-Unterstützung vorrücken.

Frage 4: Wie stark ist ISIS heute?

Präsident Dr. al-Assad: So stark wie deren Unterstützung seitens des Westens und der regionalen Mächte. Isoliert gesehen, sind sie nicht stark, ISIS isoliert gesehen ist nicht stark, weil ihm der natürliche soziale Inkubator fehlt.  Ohne diesen können Terroristen nicht stark genug sein. Doch die tatsächliche Unterstützung, die sie genießen in finanzieller Art, durch die Ölfelderausbeutung und durch die Deckung aus der Luft durch die US-Alliierten, sind sie stark genug. Demnach sie sie genau so stark wie ihre Unterstützer oder Kontrolleure sind.

Frage 6: Aus Aleppo war zu vernehmen, daß Sie diesen Terroristen erlaubten, frei das Schlachtfeld zu verlassen. Warum taten Sie das? Es ist doch klar, daß die – ich sag mal – nach Idlib zurückkehren und sich für weitere Attacken vorbereiten können. Dann greifen jene möglicherweise Aleppo an.

Präsident Dr. al-Assad: Genau, genau, das ist richtig und hat sich die letzten paar Jahre so abgespielt. Doch es gibt immer Dinge, die man gewinnt und verliert. Wenn aber der Gewinn höher als der Verlust ausfällt,  dann müssen sie dementsprechend handeln.  In dem Fall ist unsere Priorität, das Gebiet vor der Zerstörung im Krieg zu bewahren und die Bürger die dort leben, zu schützen, indem wir solchen Bürgern die Chance zum Entweichen durch die Korridore bieten, damit sie von jenen Arealen in die unter Kontrolle der Regierung stehenden gelangen können wie jenen Terroristen die Chance zu geben, ihre Meinung zu ändern und sich der Regierung anzuschließen und in ihr normales Leben zurückzukehren per Amnestie.  Tun sie das nicht, können sie mit ihren Waffen abziehen inklusive der Schattenseite, die Sie erwähnten; aber das ist nicht unsere Priorität. Denn wenn man sie [Terroristen] außerhalb der Stadt bekämpft, kommt es zu weniger Zerstörung und zivilen Opfern. Deshalb beschreiten wir diesen Weg.

Frage 7: Ich bemerke, Sie nennen jene Terroristen, behandeln sie jedoch gleichzeitig wie menschliche Wesen; sie sagen ihnen: „Ihr habt die Chance, in euer normales Leben zurückzukehren“.

Präsident Dr. al-Assad: Genau! Es sind Terroristen, weil sie Maschinengewehre tragen, töten, zerstören, sich wie Vandalen aufführen u.s.w.; das ist ganz selbstverständlich überall auf der Welt, daß man solche als Terroristen bezeichnet. Doch zur selben Zeit sind es menschliche Wesen, die sich dem Terrorismus verschrieben haben. Sie hätten sich anders entscheiden können. doch sie haben sich aus verschiedenen Gründen Terroristen angeschlossen, entweder aus Abenteuerlust (out of fear), wegen des Geldes, manchmal auch wegen der Ideologie. Diese also zu ihrem normalen Leben als naturgemäßem Bürger zurückzubringen, ist Aufgabe einer Regierung. Es genügt nicht zu sagen: „wir bekämpfen Terroristen“. Terrorismusbekämpfung ist wie ein Videospiel: man kann seinen Feind im Videospiel zerstören, doch das Videospiel wird tausende weiterer Feinde (re-)generieren. Demnach kann man mit der Angelegenheit nicht mittels des American way vorgehen: nur töten, einfach bloß töten! Das ist nicht unser Ziel; das ist die letzte Option, die bleibt. Und es hat Erfolg gezeigt. Es glückte, weil von  vielen jener Terroristen, wenn man deren Position änderte, einige in ihre normales Leben zurückkehrten, und andere sich der Armee anschlossen; sie kämpften [darauf] mit der Armee gegen andere Terroristen. Das ist ein Erfolg aus unserer Sicht der Dinge.

Frage 8: Herr Präsident, Sie haben eben erwähnt, Sie gewännen und verlören. Haben Sie das Gefühl, genug getan zu haben, um die zivilen Opfer während des Konflikts zu minimieren?

Präsident Dr. al-Assad: Wir tun unser Möglichstes. Was genug ist, ist subjektiv.  Jeder hat dazu eine eigene Meinung. Am Ende ist genug, was man tun kann; mein Vermögen als Person, das Vermögen der Regierung, von Syrien als kleinem Land angesichts eines Kriegs, der von dutzenden von Ländern, hunderten von Medienkanälen  und anderen Maschinerien unterstützt wird,, die gegen einen arbeiten. Somit hängt es mit der Definition von „genug“ zusammen; so ist e, wie ich schon sagte: sehr subjektiv; doch bin ich überzeugt, daß wir unser Bestes tun. Nichts ist am Ende genug; die menschliche Vorgehensweise ist voll von Korrekturen, Fluktuationen oder Fehler, das ist sozusagen der natürliche Gang der Dinge.

Frage 9: Wir vernehmen, wie westliche Mächte wiederholt Rußland und den Iran bitten, Druck auf Sie auszuüben, damit Sie, wie sie es nennen „die Gewalt stoppen“; und erst kürzlich forderten sechs westliche Regierungen in einer beispiellosen Botschaft, Rußland und den Iran erneut auf, Druck auf Sie auszuüben hinsichtlich einer Waffenruhe für Aleppo.

Präsident Dr. al-Assad: Richtig.

Journalistin:  Wollen Sie das umsetzen? Gerade als Ihre Armee [dort] Fortschritte macht, fordern die eine Waffenruhe.

Präsident Dr. al-Assad: Genau. In der Politik ist es immer wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen, nicht Buchstabe für Buchstabe. Es spielt keine Rolle, was die fordern; die Übersetzung von deren Statement lautet in Bezug auf Rußland: „Bitte stoppt den Vormarsch der syrischen Armee gegen die Terroristen!“. Das ist die Bedeutung des Statements, den Rest kann man vergessen. „Sie sind bei der Bekämpfung des Terrorismus zu weit gegangen, das sollte nicht passieren! Sie sollten den Syrien auftragen, das zu beenden, wir müssen die Terroristen behalten und schonen.“ Das ist [die Aussage] in Kürze.
Zum Zweiten: Rußland hat niemals – damit meine ich während dieses Krieges, davor und während der [Zeit der] Sowjetunion – nie versucht, sich in unsere Entscheidung einzumischen. Wann immer sie [die Russen] ein Meinung oder einen Ratschlag hatten, egal wie unsere Position dazu war, sagen sie am Ende: „Dies ist Ihr Land, Sie wissen die beste Entscheidung zu treffen. Dies ist unsere Sicht der Dinge, wenn Sie das aber anders sehen …, sie wissen, Sie sind die Syrer.“

Frage 10: Wie stark ist die syrische Armee [SAA] heute?

Präsident Dr. al-Assad: Dabei geht es um den Vergleich in zweierlei Hinsicht: zuerst und vor allem um den Krieg an sich, und zum Zweiten um die Größe von Syrien. Syrien ist kein großes Land, daher können wir keine große Armee im numerischen Sinn haben. Die Unterstützung unserer Alliierten war sehr wichtig, hauptsächlich von Rußland und dem Iran. Nach sechs Jahren, oder nahezu sechs Jahren Krieg, der länger als der Erste und Zweite Weltkrieg dauert, ist es definitiv und selbstverständlich, daß die syrische Armee nicht so stark ist wie zuvor. Was wir aber haben, ist die Bestimmung, unser Land zu verteidigen. Das ist der wichtigste Umstand.  Wir haben in unserer Armee so viele Leben verloren, wir haben so viele Märtyrer, so viele kriegsversehrte Soldaten. Zahlenmäßig  haben wir viel verloren, doch haben wir noch diese Bestimmung; und ich kann Ihnen sagen, diese Bestimmung ist starker als vor dem Krieg. Aber selbstverständlich können wir nicht die Unterstützung seitens Rußlands ignorieren, seitens des Irans, welche diese Bestimmung wirkungsvoller und effizienter machen.

Frage 11: Präsident Obama hat das Verbot zur Bewaffnung einiger syrischer Rebellen erst kürzlich aufgehoben. Welche Auswirkung könnte dies Ihrer Meinung nach auf die Lage am Boden haben; und könnte das direkt oder indirekt einen Auftrieb für die Terroristen bedeuten?

Präsident Dr. al-Assad: Wir sind nicht sicher, ob er dieses Embargo zu dem Zeitpunkt aufhob, als er es verkündete. Womöglich tat er das schon zuvor, verkündete es aber erst später, um dem die politische Legitimität zu verschaffen sozusagen. Das als Erstes. Der zweite Punkt, der sehr bedeutsam ist, ist der Zeitpunkt (timing) der Verkündung wie der Zeitpunkt (timing) des Angriffs auf Palmyra [Tadmur]. Zwischen diesen beiden [Begebenheiten] gib es eine Verbindung. Somit ist die Frage, an wen diese Bewaffnung ging. In wessen Hände [geriet sie]?  In die Hände von IS und Ğabhatu_n-Nuṣra? Da besteht eine Koordination zwischen IS und Ğabhatu_n-Nuṣra. Also ist die Ankündigung dieser Aufhebung jenes Embargos direkt mit dem Angriff auf Palmyra [Tadmur] verbunden wie mit der Unterstützung anderer Terroristen außerhalb von Aleppo; denn, wenn die in Aleppo besiegt sind, müssen die USA und die westlichen Staaten ihre Ausführungsgehilfen (proxies) andernorts unterstützen, da sie kein Interesse an der Lösung des Konflikts in Syrien haben. Demnach ist die Crux der Verkündung, mehr Chaos zu schaffen,  denn die USA schaffen Chaos, um dieses zu managen; und wen sie es managen, wollen sie die verschiedenen Faktoren in jenem Chaos nutzen, um die unterschiedlichen Parteien des Konflikts auszubeuten, [einerlei] ob es sich dabei um interne oder externe Parteien handelt.

Frage 12: Herr Präsident, wie empfinden Sie den Umstand, ein kleines Land inmitten dieses Tornados von Ländern, die nicht an einem Ende des Krieges hier interessiert sind.

Präsident Dr. al-Assad: Genau. Das ist etwas, das wir immer, schon vor dem Krieg gefühlt haben, aber selbstverständlich mehr noch heutzutage, da sich kleine Länder sicherer fühlen, wenn eine internationale Balance existiert; wir fühlten Dasselbe nach dem Kollaps der Sowjetunion, den Sie kürzlich ansprachen, als es nur noch die amerikanische Hegemonie gab und sie verwirklichen wollten, was immer sie wünschten und jedem all ihre Politik zu diktieren. Kleine Länder leiden am meisten. Also, wir fühlen das heutzutage, doch zur selben Zeit gibt es heute mehr Ausgewogenheit durch die Rolle Rußlands. Daher denke ich, wir glauben immer, je stärker Rußland ist – und ich spreche da nicht nur bezüglich Syriens, ich spreche bezüglich aller kleinen Länder in der Welt – wann immer ein stärkeres Rußland, ein aufstrebende China besteht, desto sicherer fühlen wir uns. Die Situation, in der wir haben leben müssen, das ist schmerzlich, ich würde sagen sehr schmerzlich, auf jeder Ebene, der humanitären Ebene, dem Gefühlsbereich, dem Verlust, einfach hinsichtlich allem. Doch am Ende geht es nicht um Verlieren oder Gewinnen; es geht darum, entweder Dein Land zu gewinnen oder zu verlieren. Es ist eine existentielle Bedrohung für Syrien. Es geht nicht darum, daß eine Regierung einer anderen unterliegt, oder eine Armee einer anderen,; entweder das Land gewinnt oder es wird verschwinden. Das ist unsere Sicht darauf. Daher hat man keine Zeit, jenen Schmerz zu fühlen, man hat nur die Zeit zu kämpfen und zu verteidigen und etwas am Boden [des Landes] zu unternehmen.

Frage 13: Lassen Sie uns über die Rolle der Medien in diesem Konflikt sprechen.

Präsident Dr. al-Assad: Ja.

Journalistin: Alle Seiten während des Krieges wurden [der Verursachung] ziviler Opfer angeklagt, doch die westlichen Medien schwiegen  sich fast komplett über die Greuel der Rebellen aus … welche Rolle spielen die Medien hier?

Präsident Dr. al-Assad: Vor allem leiden alle, [d.h.] die Mainstream-Medien mit ihren politischen Partnern, während der letzten paar Dekaden an moralischem Verfall. Also, sie haben keine Ethik mehr.  Worüber sie auch sprechen, was auch immer sie erwähnen oder als Maske benutzen wie Menschenrechte, Bürger, Kinder, all dies benutzen sie nur zugunsten ihrer eigenen politischen Agenda, um bei ihren Konsumenten die Gefühle in der öffentlichen Meinung hervorzurufen, die ihnen bei deren Einmischung in dieser Region dienlich sind, sei sie politisch oder militärisch. Diesbezüglich besitzen sie also keinerlei Glaubwürdigkeit. Wenn Sie einen Blick auf das Geschehen in den USA werfen wollen, [sehen Sie] Aufbegehren gegen die Mainstream-Medien, weil diese ihre Konsumenten belogen haben und es weiter tun.  Wir können konstatieren, daß – sozusagen – die öffentliche Meinung oder die Bevölkerung im Westen nicht weiß, was wirklich in der Region vorgeht. Doch wenigstens wissen sie, daß die Mainstream-Medien und deren [besser: die hinter ihnen stehenden] Politiker sie anlügen zum Zweck der ureigensten Agenda ihrer [besser: der hinter ihnen stehenden] eigennützigen Politiker. Daher denke ich nicht, daß die Mainstream-Medien ihre Storys weiterhin verkaufen können; daher kämpfen sie im Westen auch um ihr Überleben; dennoch haben sie eine Menge Erfahrung, immense Unterstützung, Geld und Ressourcen. Doch fehlt ihnen etwas sehr Wichtiges zum Überleben und das ist die Glaubwürdigkeit. Die haben sie nicht, sie haben sie eingebüßt. Sie bieten keine Transparenz und daher haben sie keine Glaubwürdigkeit. Deshalb sind sie heutzutage überaus feige, sie fürchten ihren [TV-]kanal, fürchten jedes Statement, das die Wahrheit sagen könnte, da das ihre Auslassungen entlarvt. Daher kommt das.

Frage 14: Die Reutersche Agentur hat gar Aʽmâq zitiert, das Sprachrohr des IS, hinsichtlich der Belagerung von Palmyra [besser: Tadmur]. Denken Sie, man verlieh den Extremisten auf diesem Weg Legitimität.  Sie haben schließlich deren Medium zitiert.

Präsident Dr. al-Assad: Selbst wenn sie deren Nachrichtenagenturen  nicht erwähnten, übernehmen sie doch deren Narrativ. Wenn Sie aber auf die technische Seite schauen, wie sich ISIS von Anfang an mittels ihrer Videos und Mitteilungen, ihrer Medien generell und ihrer PR präsentierte, [ist zu erkennen], daß sie westliche Technik [i.S.v. Methode] benutzten. Betrachten sie es, es ist überaus durchdacht. Wie kann einer im Belagerungszustand, geächtet überall auf der Welt, attackiert durch Flugzeuge, einer, von dem die ganze Welt will, daß jede Stadt von seiner Präsenz befreit wird, dermaßen hochentwickelt sein, außer er ist entspannt und genießt umfängliche Unterstützung. Daher denke ich nicht, daß es um  Aʽmâq geht; es geht darum, wie der Westen deren Storys übernimmt, manchmal direkt, manchmal indirekt.

Frage 15: Donald Trump übernimmt in wenigen Wochen das Amt des US-Präsidenten. Sie haben Amerika heute mehrfach erwähnt. Was erwarten Sie von Amerikas neuer Administration?  

Präsident Dr. al-Assad: Seine Rhetorik war während seiner Wahlkampagne bezüglich des Terrorismus [besser: der Terrorismusbekämpfung] positiv, welchem heute unsere Priorität darstellt. Alles andere hat keine Priorität; daher würde ich auf nichts anderes fokussieren; der Rest sind inneramerikanische Angelegenheiten. Darum würde ich mich nicht kümmern.Doch die Frage ist, ob Trump den Willen und die Fähigkeit hat, umzusetzen, was er gerade erwähnt hat. Sie wissen doch, daß die meisten der Mainstream-Medien und großen Firmen, die Lobbys, der Kongreß, sogar einige in seiner Partei gegen ihn sind. Die wollen mehr Hegemonie, mehr Konflikt mit Rußland, mehr Einmischung in verschiedenen Ländern, Regierungen stürzen u.s.w. Er sagte etwas, das in die andere Richtung ging. Kann er das beibehalten gegen all jene, wenn er nächsten Monat anfängt. Das ist die Frage. Wenn er das schafft, denke ich, daß die Welt eine andere sein wird, da am wichtigsten die Beziehung zwischen Rußland und den USA ist. Wenn er die verbessert, werden die meisten Spannungen um den Erdball  beigelegt sein. Das ist für uns in Syrien sehr wichtig. Doch denke ich nicht, daß irgend jemand darauf eine Antwort hat. Er war kein Politiker, somit gibt es keinen Vergleichspunkt, nach dem man ihn beurteilen könnte. Das als Erstes. Zweitens kann niemand vorhersagen, welche Schemata nächsten Monat und danach gelten werden.

Frage 16: Die humanitäre Situation in Syrien ist ein Desaster, und wir vernehmen von der EU-Außenbeauftragten, Madam Mogherini, daß die EU als einziges Syrien humanitäre Hilfe leistet. Ist das wahr?  

Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich war jegliche Hilfe, welches irgendein westliches Land lieferte, die Terroristen, um ganz klar, offen und transparent zu sein. Sie kümmerten sich niemals um ein einziges syrisches Menschenleben. Wir haben so viele Städte  in Syrien, die bis heute von Terroristen belagert sind; die verhindern jegliche Lieferung dorthinein, sei es Nahrung, Wasser, irgend etwas , all die Grundbedarfsartikel des täglichen Lebens. Freilich greifen diese [d.h. die Terroristen] sie [d.h. die Städte] tagtäglich mit Mörsergranaten an und versuchen sie [d.h. die Bürger] zu töten. Was hat die EU an diese [d.h. Städte] geschickt? Wenn sie um das menschliche Leben besorgt sind, wenn sie über die humanitären Aspekte reden – also wenn man man über den humanitären Aspekt bzw. diese Sachlage redet, macht man [doch] keinen Unterschied. All die Syrer sind menschliche Wesen, all die Leute sind Menschen. Doch sie [d.h. die EU-Länder-Politiker] tun das nicht. Daher ist das Doppelmoral, dies ist die Lüge, die sie weiterhin verbreiten. Es ist zur widerwärtigen Lüge geworden. Doch keiner kauft ihnen mehr ihre Geschichten ab.  Es ist nicht wahr, was sie [d.i. Frau Mogherini] sagt, einfach nicht wahr.

Frage 17: Manche Vorschläge gehen ja dahin, das Beste für Syrien sei, es in einzelne Länder aufzuspalten, mit [jeweils] sunnitischer, šîʽitischer, und kurdischer Regierung. Ist das ein gangbarer Weg?

Präsident Dr. al-Assad: Das ist die Hoffnung bzw. der Traum des Westens samt einiger regionaler Länder;  es gibt sogar *Karten für die Aufteilung und Zertrümmerung. Doch wenn man heutzutage tatsächlich auf die Gesellschaft schaut, ist die syrische Gesellschaft mehr eins als vor dem Krieg. Das ist die Realität. Dabei rede ich nicht irgend etwas daher, um die Moral von jemand zu heben; ich spreche gerade auch nicht zu einem syrischen Publikum, ich spreche einfach nur über eine Tatsache. Aufgrund des Lektionen infolge des Krieges wurde die Gesellschaft realistischer und pragmatischer und vielen Syrern war klar, daß fanatisch, extrem hinsichtlich irgend einer Idee zu sein, nicht weiterhalf: Dabei spreche ich nicht nur über Extremismus im religiöser Hinsicht; [ob] politisch, sozial, kulturell, es hilft Syrien nicht. Nur wenn wir einander akzeptieren, einander respektieren, können wir miteinander leben und können ein (one) Land haben. Bezüglich der Zerschlagung Syriens – sofern nicht wirklich eine Desintegration in der Gesellschaft besteht und unterschiedliche Schattierungen und Spektren in der syrischen Gesellschaft, in der syrischen Struktur vorhanden sind, kann es also keine Teilung geben. Das ist keine Karte, die man so zeichnet; Ich meine, selbst wenn Sie ein (one) Land haben, aber die Leute darin voneinander geschieden sind, haben Sie Desintegration. Schauen Sie auf den Irak; er ist ein (one) Land, doch tatsächlich zerfallen. Daher bin ich darüber nicht besorgt. Es gibt keinen Weg dorthin, den die Syrer akzeptieren würden.  Dabei spreche ich von großen Mehrheit der Syrer, denn das ist nicht neu, es ist nicht Gegenstand der letzten paar Wochen oder Monate. Das ist der Gegenstand dieses Kriegs. Daher kann ich Ihnen nach fast sechs Kriegsjahren sagen, die Mehrheit der Syrer würde nichts hinsichtlich einer Zerteilung Syriens akzeptieren, sie wollen in einem [ungeteilten] Syrien leben.

Frage 18: Als eine Mutter fühle ich den Schmerz aller syrischen Mütter. Ich spreche über die Kinder in Syrien, was hält die Zukunft für sie bereit?

Präsident Dr. al-Assad: Das ist der gefährlichste Aspekt unseres Problems – nicht nur in Syrien, [sondern] wo auch immer man von dieser dunklen wahhâbitischen Ideologie spricht – da viele jener Kinder, die während der letzten Dekade – oder mehr als einer Dekade – aufwuchsen  und dieser terroristischen und ideologischen Basis begegneten – und zwar nicht wegen des Geldes oder etwas anderem, oder der Hoffnung wegen – [obwohl] sie, lassen sie mich das sagen, weltoffenen, gebildeten, intellektuellen Familien entstammen. Sie können sich vorstellen, wie stark der Terrrorismus ist.

Journalistin:  Das geschieht also wegen deren Propaganda?         

Präsident Dr. al-Assad: Genau, weil die Ideologie sehr gefährlich ist; sie kennt keine Grenzen, keine politischen Grenzen, und das Netzwerk, das  worldwide web half den Terroristen mit schnellen und nicht teuren Mitteln, ihre Ideologie zu verbreiten; so konnte sie jegliche Familie in der Welt infiltrieren, sei es in Europa, in Ihrem Land, in meinem Land. Sie entstammen einer säkularen Gesellschaft, ich entstamme einer säkularen Gesellschaft; doch das beschützt die Gesellschaft nicht vor der Infiltration.

Frage 19: Haben Sie irgend eine Gegenideologie dafür?

Präsident Dr. al-Assad: Genau, denn sie bauen ihre Ideologie auf dem Islam auf, man muß dieselbe Ideologie nutzen, indem man den realen Islam nutzt, den realen moderaten Islam, um dieser Ideologie zu begegnen. Das ist der schnelle Weg. Wenn man mittel- und langfristig denkt, geht es darum, wie man die Gesellschaft höher entwickeln kann,  [d.h.] die Art, wie Leute analysieren und denken; denn diese Ideologie kann nur funktionieren, wenn man nicht gewohnt ist, zu analysieren und folgerichtig zu denken. Es geht also um den Algorithmus des Verstandes; wenn Sie ein natürliches, gesund operierendes System haben – um das Analogon zur IT [d.i. Informationstechnologie] zu benutzen – wenn sie also ein gut funktionierendes System in ihrem Verstand haben, dann können die [Terroristen mit wahhâbitischer Ideologie] es mit keinem Virus infizieren. Es geht demnach um Medien und Politik, so daß man bisweilen, wenn ein Anlaß, ein nationaler Anlaß besteht und die Leute die Hoffnung verlieren, diese Leute gegen die Extremisten mobilisieren kann; das ist einer der Einflüsse auf unsere Region seit den 1970ern, aus der Zeit nach  dem Krieg zwischen den Arabern und den Israelis, und im Frieden jeder Aspekt scheiterte, das [verlorengegangene] Land zurückzugewinnen,  um es den eigenen Leuten zurückzugeben und auch ihre Rechte, dann hat man es mit größerer Verzweiflung zu tun, die den Extremisten in die Hände spielt. Das ist es, wo die Wahhâbiten  fruchtbaren Boden zur Verbreitung ihrer Ideologie finden.

Journalistin: Herr Präsident, vielen Dank für Ihre Zeit. Ich wünsche Ihrem Land Frieden und Wohlergehen und das so schnell wie möglich.

Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank für Ihr Kommen.

Journalistin: Diese Zeit ist für Sie sehr schwierig gewesen, daher wünsche ich Ihnen, daß sie bald endet.

Präsident Dr. al-Assad: Vielen Dank, daß Sie nach Syrien gekommen sind. Es hat mich sehr gefreut, sie zu empfangen.

Journalistin: Danke sehr.

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*Zum Plan der Zerteilung Syriens [Balkanisierung] inklusive Karten dazu s. Teil IV!

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Das Gesamtinterview ist hier zu sehen: Exklusiv: RT-Gesamtinterview mit Präsident Assad nach Befreiung von Aleppo 

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Präsidenteninterview mit Russia 24 and NTV, ausgestrahlt am 14.12.2016

(http://sana.sy/en/?p=96184)

Präsident Dr. al-Assad im Interview mit Russia-24 und ntv; Photo: SANA

Präsident Dr. al-Assad im Interview mit Russia-24 und ntv; Photo: SANA

Frage 1: Herr Präsident, vielen Dank dafür, daß Sie uns die Möglichkeit einräumen, Ihre Perspektive dessen, was in Syrien vorgeht kennenzulernen, und wie die Situation in der Zukunft sein könnte. Ich denke, für unser Russischen Auditorium ist es sehr wichtig zu wissen, was außerhalb unseres Landes vorgeht.  Lassen sie uns mit dem errungenen Erfolg in Aleppo beginnen, welcher eine bedeutsame Errungenschaft darstellt, und Ihnen signifikante Kraft verleiht. Doch was wird nach Aleppo passieren? Werden Sie gen Idlib oder ar-Raqqa anrücken oder werden sie ein bißchen innehalten, um Ihre Position zu stärken, oder um Ihre Gegebenheiten neu auszurichten – basierend auf Ihrer gegenwärtigen Stärke – um eine Verständigung mit anderen Mächten zu erreichen, wie der amerikanischen Allianz?

Präsident Dr. al-Assad: All das, was sie erwähnt haben, geschieht parallel: wir befreien ein gewisses Gebiet von den Terroristen und stärken unsere Stellungen in jenem Gebiet, tragen Vorkehrungsmaßnahmen vor Gegenangriffen durch die Terroristen aus jeder Richtung, vor allem gegen die Unterstützung aus einer Anzahl Länder.  Zur selben Zeit und parallel zu den militärischen Operationen, sorgen wir auf täglicher Basis für Möglichkeiten, damit sowohl die Bürger die von Terroristen besetzten für Areale verlassen können,  als auch für einen Abzug der Terroristen selbst, falls sie das Areal mit ihren leichten Waffen verlassen oder sich dem Staat übergeben wollen und im Gegenzug dafür Amnestie erhalten. Wie bei Aleppo ist die Befreiung der Stadt sehr wichtig, doch zuvor sprechen wir über die anderen Gegenden, wir müssen die Stadt von außerhalb verstärken im Sinne der Säuberung der umgebenden Gebiete von Terroristen. Insofern: sie Areale, in denen sich die Terroristen verschanzt halten, sind wenige Quadratkilometer groß, doch die Terroristen von außerhalb beschießen sie tagtäglich mit Raketen und Mörsergranaten. Erst vor zwei Tagen wurde ein Aleppo eine Anzahl von Leuten getötet bzw. verletzt. Demnach endet die Befreiung nicht mit der Befreiung der Stadt allein, da sie auch von außerhalb her sicher sein muß. Danach hängt die Entscheidung, welche Stadt als nächstes kommt, davon ab, in welcher Stadt sich die meisten Terroristen befinden und welche Stadt anderen Ländern die Möglichkeit zu logistischer Unterstützung für sie verschafft. Gegenwärtig bestehen direkte Verbindung zwischen Aleppo und Idlib wegen der Präsenz von Ğabhatu_n-Nuṣra innerhalb und außerhalb von Aleppo wie in Idlib. Doch die letztendliche Antwort darauf muß nach der Befreiung der Stadt [d.i. Aleppo] fallen, das zuerst, und dann durch Diskussionen mit der russischen Führung, welche an diesen Kämpfen an unserer Seite teilnimmt, genauso wie die iranische Führung.

Frage 2: Wenn diese Operation vorbei ist, haben Sie zweifellos Zukunftspläne. Werden Sie [die Kämpfe] beenden und Verhandlungen beginnen? Oder wollen Sie weiter vorwärts rücken, um den Terroristen keine Chance zu lassen?

Präsident Dr. al-Assad: Es wird keine Pause geben, weil dies nur in Gebieten geschieht, in welchen die Terroristen bereit sind, ihre Waffen zu übergeben und das Gebiet zu verlassen. Erst dann werden die Militäroperationen enden. Sie werden während Verhandlungen nicht ausgesetzt, da wir den Terroristen nicht trauen, denn sie sagen manchmal dies und tun das Gegenteil. Bislang forderten sie Waffenruhe allein zu dem Zweck, ihre Stellungen zu verstärken und ihren Nachschub an Waffen und Munition etc. zu ergänzen. Das können wir nicht erlauben. Nur wenn eine spezielle Einigung erzielt worden ist, tun wir das.

Frage 3: Sie haben eine Amnestie verkündet, welche für alle Militanten gilt, die zu kämpfen aufhören und ihre Waffen aushändigen. Haben Sie irgendeine Garantie dafür, daß diese Militanten sich nicht wieder bewaffnen und erneut bewaffnete Gruppen bilden?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir haben keinerlei Garantien dafür. Basierend auf unseren Erfahrungen während der letzten drei Jahre, seit wir diese Verfahrensweisen, die Rekonziliationen und die Amnestiegewährung für die Militanten, eingeleitet haben, könne wir jedoch feststellen, daß die überwiegende Mehrheit von ihnen zurück in ihr normales Leben kehrt. Ja sogar mehr: etliche von ihnen haben mit der Armee gefochten, andere sind offiziell in sie eingetreten und wieder andere schlossen sich den Kämpfen [auf Regierungsseite] als Bürger an. Einige davon fielen tatsächlich als Märtyrer. Man kann nicht von einer einzigen Kategorie sprechen, die all diese Leute umschlösse, doch die allermeisten haben sich dem Staat angeschlossen. Daher fahren wir so fort, da die Gewinne weit größer als die Verluste daraus sind.

Frage 4: Heutzutage ist die Situation in Palmyra schwierig. Reporter melden, Sie hätten 80% der Bevölkerung vor dem Angriff evakuieren können. Was aber ist mit denen, die in der Stadt zurückgeblieben sind? Was ist deren Schicksal?  Und wie konnte es geschehen, daß Terroristen aus Mossul im Irak und Dair az-Zaur so eine gewaltige und starke Streitmacht wie diese nach Palmyra schicken konnten? Wie ging das zu? Kamen die aus eigenem Vermögen her oder hatten sie Hilfe?

Präsident Dr. al-Assad: Lassen sie uns klarer und transparenter in diesem Punkt sein. Wir können die Sachlage in Palmyra nicht nur mit Mossul verbinden, da der IS auch in Syrien existiert, in ar-Raqqa im Norden, wo die US-geführte Allianz vorgibt, die letzten zwei Jahre den IS bombardiert zu haben, was nicht der Wahrheit entspricht. Der IS ist in Dair az-Zaur, wo die US-Streitkräfte und –Kampfflieger zusammen mit denen der Allianz die syrischen Streitkräfte beschossen anstatt den IS. Unsere tatsächliche Erkenntnis  der letzten IS-Attacke auf Palmyra [besser: Tadmur] vor ein paar Tagen mit einer immensen Anzahl von Kämpfern, welche mit hochentwickelten Waffen ausgestattet waren, über die der IS zuvor nicht verfügte,  und in einem Areal, das sich über dutzende Kilometer erstreckte, bedeutet, daß der IS direkte Unterstützung von Regierungen erhielt. Es ist nicht der Fall, daß der IS bloß von Mossul gekommen wäre. Wie konnten die so schwere Artillerie aus Mossul herbeischaffen? Was haben US-Kampfflieger in Mossul oder ar-Raqqa zu tun gehabt? Tatsache ist, daß der größte Teil [des IS] aus ar-Raqqa und Dair az-Zaur kam – entweder mit direkter US-Unterstützung oder die USA wußten im besten Fall davon, drückten aber diesbezüglich die Augen zu und überließen Ausführung der Operation, anders gesagt: die Finanzierung und andere Unterstützung der Türkei, Qaṭar und Saudi-Arabien. Das ist, was heutzutage wirklich in Palmyra [Tadmur!] geschieht] und es steht nicht nur in Verbindung zu Mossul.

Frage 5: Um Palmyra [besser: Tadmur] gibt es viele Öl- und Gas-Ressourcen und sie sind sehr wichtig für den Staat. Nun kontrollieren die Regierungskräfte diese nicht mehr und der IS wird aus diesen Ressourcen wieder materielle Gewinn ziehen.

Präsident Dr. al-Assad: Genau. Das ist wahr. Die Kämpfe halten an  in jener wichtigen Region. Die Bedeutung von Palmyra [Tadmur] ergibt sich in erster Linie durch den Symbolismus als Heimstätte historischer und archäologischer Art [in Palmyra]. Doch die Gebiete drum rum sind für den syrischen Staat und das  syrische Volk von anderem Interesse. Daher sind die Gefechte nicht beendet, sondern gehen bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt weiter.

Frage 6: Woher werden sie Unterstützung für Ihre Streitkräfte, welche in Palmyra [richtig: im Raum Tadmur] die Terroristen kämpfen, bekommen? Können Sie Ihre Position dort stärken und einen neuen Prozeß der Wiedergewinnung von Palmyra [Tadmur] beginnen?

Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich ist der echte Plan der Palmyra-Operation, die zeitliche Abstimmung des Angriffs auf diese Stadt  direkt verbunden mit der Schlacht um Aleppo. Warum griff der IS Palmyra z.B. nicht vor einem Monat an? Das hätte er tun können. Doch der Angriff startete, als in der Stadt Aleppo ein signifikanter Prozeß im Gange war. Das ist der Grund, warum diese Operation zwei Zielsetzungen gehabt hat: einmal, die Bedeutung der Befreiung der Stadt Aleppo zu unterminieren, da die Befreiung sehr wichtig für die Syrer ist, die ihnen viel Freude und moralischen Auftrieb beschert hat. Sie sind hier in Damaskus und werden merken,  was ich meine. Zum anderen scheint die noch bedeutsamere Zielsetzung für jene gewesen zu sein, die syrische Armee von dort abzuziehen und deren Anstrengungen auf unterschiedliche Richtungen hin aufzusplitten, so daß das größere Kontingent, welches nun in Aleppo operiert, nach Palmyra abgezogen worden wäre. Heute findet ein Treffen auf Ebene der syrischen und russischen militärischen Führung statt,  um zu besprechen, wie man dieser Notsituation begegnen solle. Em Ende werden wir, so wie wir Palmyra in der Vergangenheit befreit haben, erneut befreien. Es stand unter IS-Kontrolle, doch die syrische Armee befreite es mit russischer Unterstützung. Das werden wir wieder tun.  Das ist im Krieg so: irgendwo gewinnt man, anderswo verliert man. Doch wir sollten wissen, daß der hauptsächliche Stoß, die Priorität jetzt der Stadt Aleppo gilt.

Frage 7: Letzte Woche hob Barack Obama das Embargo für Waffenlieferungen für die, die sie „moderate Opposition nennen, auf.  Was denken Sie, wie das die Gewichtung der Kräfte auf dem Boden verändern wird?

Präsident Dr. al-Assad: Freilich sind die US-Amerikaner tückisch (treacherous). Die [tatsächliche] Aufhebung des Embargos muß nicht zu dem Zeitpunkt geschehen sein, als Obama sie verkündete. Womöglich wurde sie erst Tage nach der wirklichen Aufhebung verkündet, nur um ihr Legitimität zu verleihen. Daher möchte ich eine Verbindung herstellen zwischen der Obama-Verkündung über die Embargo-Aufhebung und dem IS-Angriff. Wohin gingen diese Waffen? An Ğabhatu_n-Nuṣra oder an den IS, wobei beide dasselbe sind abgesehen von ihren Bezeichnungen. Außerdem bin ich fest davon überzeugt, daß [das Geschehen] in Palmyra die Reaktion auf den Vorstoß der Armee in Aleppo gewesen ist und so möglicherweise auch an anderen Plätzen. Wenn sei jedoch darauf achten, wie sich die US-Amerikaner in solchen Fällen verhalten, wenn ein US-Plan scheitert – was sie [im übrigen] überall auf der Welt tun: sie säen Chaos. Es spielt keiner Rolle in welcher Hinsicht, und dann benutzen sie das Chaos in einer Art, die ihnen erlaubt, die unterschiedlichen {beteiligten] Parteien zu erpressen, bis sie [die US-Amerikaner] in der Lage sind, Stabilität auf einem Weg zu erreichen, die ihren Interessen dient. Demnach war die Aufhebung des Embargos gerade zu diesem Zeitpunkt Teil ihrer Politik. Es gibt noch einen anderen Aspekt: die bestehende US-Administration geht jetzt ihrem Ende entgegen, und man könnte [darin] besorgt sein wegen einer wirklichen Annäherung zwischen den USA und Rußland unter der nächsten Administration, der Trump-Administration. Die endende Administration versucht, die größtmögliche Anzahl an Problemen zu schaffen, so daß diese Probleme die Annäherung zwischen den USA und Rußland behindern. Demnach hat diese Ankündigung, die recht kurz gewesen ist, womöglich verschiedene und signifikante Aspekte und Auswirkungen.

Frage 8: Um das weiterzuverfolgen. Nach Trumps Wahl sagten sie, er könnte ein naturgemäßer  Alliierter Syriens sein. Welche Umstände könnten dem förderlich sein?

Präsident Dr. al-Assad: Trumps Aussagen waren während der Wahlkampagne klar in Bezug auf die Terrorismusbekämpfung, die Nichteinmischung gegenüber [anderen] Staaten, mit dem Ziel Regierungen zu beseitigen, wie es die USA seit Dekaden gehandhabt haben. Das ist gut, doch hängt es von Trumps willen ab, diesen Vorstoß weiterzuverfolgen, und seiner Fähigkeit, das zu tun. Wir wissen doch, daß es mächtige Lobbys in den USA gibt, welche sich gegen Trump positioniert haben,  und die werden ihren größtmöglichen Druck ausüben, wenn er erst im Amt ist, um ihn dahin zu bewegen, zurückzunehmen, was er in dieser oder anderer Beziehung gesagt hat. Andernfalls wird es auf eine Konfrontation zwischen  diesen Lobbys im Kongreß, im Senat, in den Medien und en Industrie-Lobbys geben, die von Krieg profitieren wie es auch bezüglich des Iraks oder kürzlich hinsichtlich des Jemens der Fall gewesen ist. Daher denke ich, wenn Trump es schafft, alle diese Hindernisse zu beseitigen und wirklich gegen den Terrorismus zu kämpfen, dann wäre er unser wie Ihr natürlicher Alliierter. Das ist es, was Sie und was wir andauernd fordern.

Frage 9: In den letzten Tagen wurde in den US-amerikanischen Meiden von etwas geredet, das sie „syrische Elite-Kräfte“ nannten, welche US-amerikanische Unterstützung erhielten und sich nach ar-Raqqa begäben, um den IS zu bekämpfen; es seien 45.000. Kämpfer. Wer sind die? Und wie werden Sie mit denen umgehen?

Präsident Dr. al-Assad: In den letzten paar Jahren versuchten die USA ihre Idee zu verbreiten, es gebe so etwas wie ein „moderate Opposition“ oder „moderate Kämpfer“. Doch sie waren nicht fähig, diese Lüge zu verkaufen, da die Fakten am Boden das Gegenteil aufzeigten, nämlich daß all jene, die sie unterstützen, Extremisten waren, entweder zu Ğabhatu_n-Nuṣra oder zum IS, gehörend oder zu einer Organisation mit derselben extremistischen und terroristischen Ideologie. Nun versuchen sie, den IS in gewissen Gegenden sich selbst zu überlassen und darauf zu setzen, daß diese Gruppen als originäre   Teil von Ğabhatu_n-Nuṣra und IS, jedoch mit geschorenen Bärten und anders gekleidet und unter neuer moderater Benennung, daß also diese jene Gegenden vom IS befreien würden. Es war also eine Scharade, der IS unter US-Kontrolle, der seinerseits die moderaten kontrolliert. Diese Kräfte werden es den US-Amtsträgern ganz einfach ermöglichen, ihre Hände von jeder Verbindung mit den Extremisten in Syrien reinzuwaschen.    

Frage 10: Westliche Analysten und Experten reden über und entwerfen verschiedene Szenarien für Syrien, wie Föderalismus oder Desintegration, da es nicht zu seinem früheren  Zustand zurückkehren werde. Haben sie in dieser Beziehung ein Konzept, z.B. eine eigenständige Regierung für die Kurden oder Föderalismus?  Oder solle zuerst der Krieg enden und danach würden Sie über diese Änderungen nachdenken?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, darüber können wir jetzt nicht nachdenken, da die Syrer solche Sachverhalte je nach Tagesereignis diskutieren.. Ich kann Ihnen sagen, daß diese [d.i. die genannten] Vorstellungen schon vor Jahren entworfen worden sind, nicht erst vor ein paar Wochen. Für uns ist das Bild klar geworden: die meisten Syrer weisen eine Schwächung des syrischen Staates zurück, sie weisen jegliche Unterminierung der Integrität des syrischen Territoriums oder der Form des Staates oder des politischen Systems in seiner gegenwärtigen Form zurück. Und wenn ich sage, die Mehrheit, dann meine ich die überwiegende Mehrheit der Syrer.
Aber wie auch immer, wir als Staat haben keine eigene Meinung hierzu, weil diese Dinge mit der Verfassung zu tun haben und über die Verfassung sollte die syrische Bevölkerung entscheiden;  es sollte das Ergebnis eines Dialogs unter Syrern sein. Daher sage ich, wir sprechen jetzt darüber, doch jede Absicht einer Veränderung der Verfassung kann nicht jetzt während des Krieges erfolgen. Es ist unmöglich, da ein Referendum andere Umstände benötigt. Die Priorität jetzt ist durch den Terrorismus vorgegeben.  En westlichen Plan betreffend, ist es zwar wahr, aber nicht neu. Sie konspirierten gegen Rußland [schon] vor dem Kommunismus und wollten, daß es an Territorien verliert seit den Tagen des Zars. Sie konspirierten dagegen während des Kalten Krieges, nach dem Zerfall der Sowjet-Union und jetzt auch. Das ist die westliche Politik, welche bestrebt ist Länder zu zerteilen: mach sie kleiner, wenn sie groß sind, und mach sie noch kleiner, wenn sie klein sind.  Dann kannst du diese Länder kontrollieren und zu Lakaien bzw. Satelliten umformen, die dann auf Geheiß agieren. Das ist also der Plan für Syrien, ob sie ihn bekannt gemacht haben oder nicht. Er ist absolut so von Beginn an und er wurde vorangebracht schon vor der Krise.

Frage 11: Nach dem Krieg wird es sicherlich eine Rekonstruktionsphase geben und Förderung der Wirtschaft des Landes. Man spricht derzeit von ca. 180 Milliarden US-Dollar wirtschaftichem Verlust  in Syrien. Denken sie, daß Syrien allein, oder sogar mit Rußlands Hilfe in der Lage sein wird, das Zerstörte wieder aufzubauen? Und welches sind die  Länder, die beim Wiederaufbau der syrischen Wirtschaft helfen könnten? Und haben Sie Verständnis dafür, daß  einige jener Länder von Ihnen gewisse Zugeständnisse dafür verlangen könnten?

Präsident Dr. al-Assad: Wiederaufbau ist selbstverständlich für jedes Land, das sich im Nachkriegszustand befindet, eine enorme und sehr nützliche wirtschaftliche Herausforderung. Wir in Syrien haben sehr große materielle Kapazitäten im privaten Sektor, sowohl in Syriens selbst als auch und den Ländern, in die [Syrer] ausgewandert sind, oder unter den Geschäftsleuten, welche während der Krise das Land verlassen haben.  Die meisten davon werden zurückkehren. Sie besitzen [hier] Häuser und Liegenschaften und werden zurückkommen, um ihr Land wiederaufzubauen und konsequenterweise wird sich dann wirtschaftlich etwas vorwärts bewegen. Diesbezüglich bestehen keine großen Bedenken, doch es wird Zeit brauchen. Freilich wird die Unterstützung befreundeter Staaten den Entwicklungsprozeß beschleunigen, dem – wie Sie schon sagten – hunderte Milliarden fehlen.  Der Wiederaufbau ist selbstverständlich nützlich für uns, aber auch für andere Firmen aus dem Ausland.  Und da sage ich Ihnen klar und einfach, daß die syrische Bevölkerung keine Firma aus einem Land akzeptieren wird, das sich feindselig gegenüber Syrien, das syrische Territorium oder den syrischen Staat gezeigt oder Terroristen unterstützt hat. Das ist ganz klar. Wir müssen auch fähig sein, zu unterscheiden zwischen dem privaten Sektor und der Position des Staates selbst. In diesem Fall wird die Priorität den befreundeten Staaten gelten, welche uns direkt unterstützt haben wie Rußland, China, der Iran und andere oder zumindest den Staaten, welche sich nicht gegen Syrien gestellt haben, sogar wenn sie neutral waren und eine ethische Position vertraten.

Frage 12: Nach unterschiedlichen Schätzungen beträgt die Anzahl der syrischen Flüchtlinge im Ausland ungefähr sechs Millionen. Hat Syrien diese Menschen endgültig verloren oder werden sie zurückkehren?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, tatsächlich vollzieht sich das Gegenteil. Sie wären erstaunt zu erfahren, wie viele relativ begüterte Leute, die im Ausland ihre Interessen sichern können, gerade jetzt während der letzten zwei Jahre aus psychologischen Gründen, patriotischen Gefühlen  oder wegen anderer Interessen zurückgekehrt sind.  Demnach hat die Rückkehr schon begonnen, wenn auch noch langsam.  Ich bin sicher, daß die große Mehrheit, die Syrien verlassen hat, zurückkommt, wenn der Krieg erst vorüber ist. Die meisten verließen das Land ja nicht des Staates wegen. Sie verließen es entweder wegen der direkten Bedrohung durch die Terroristen oder weil sie [derentwegen] ihren Lebensunterhalt nicht mehr sicherstellen konnten – deswegen sind sie emigriert, um ihr tägliches Überleben zu sichern. Die meisten Menschen stehen treu zum Staat und ihrer Heimat und so bin ich sicher, daß sie zurückkommen werden. Darüber bin ich nicht besorgt.

Frage 13: Zurückkommend auf den militärischen Aspekt, wie ist der Zustand Ihrer Armee heutzutage? Wie verhält es sich mit dem personellen Verlust? Wie beurteilen Sie die Verfassung der Armee angesichts der Vielzahl der Fronten und militärischen Aktionen, in die sie derzeit involviert ist.

Präsident Dr. al-Assad: Wenn wir über etwas weniger als sechs Jahre militärischer Aktion reden, dann ist das länger als der Erste und Zweite Weltkrieg. Sie können sich denken, wie immens und erschöpfend das sein kann. Jede Armee einer Supermacht wäre in solche einem Krieg erschöpft. Doch die syrische Armee gehört nicht zu einer Supermacht. Wir sind ein kleiner Staat in jeder Hinsicht. Freilich half die Unterstützung befreundeter Länder dieser Armee ihre Pflicht weiterhin auszuüben ohne Rücksicht auf die großen Verluste an Ausrüstung und Soldaten.  Zudem haben wir eine große Anzahl verwundeter Soldaten, die nicht mehr Dienst tun können, weil sie nun infolge ihres Einsatzes körperbehindert sind.  Die Armee ist selbstverständlich beeinträchtigt hinsichtlich der Anzahl der Kämpfenden und der Ausrüstung, aber das ist nicht alles auf dem Schlachtfeld.  Da gibt es noch die Ethik und die Zielstrebigkeit. Trotz aller Verluste kommen wir in Aleppo voran und die syrischen Soldaten kämpfen  verbissener [als zuvor]. Das hängt nicht mit den Verlusten zusammen sondern vor allem mit der gewonnenen größeren Entschlossenheit, zu siegen, dem unbedingten Willen, die Heimat zu verteidigen. Diese Entschlossenheit wächst heutzutage.  Das ist die Wahrheit und es ist die stärkste Waffe, die wir jetzt haben. Ohne diese Entschlossenheit könnte die syrische Armee nicht auch nur einen Teil einer kleinen Stadt befreien, das sage ich Ihnen, und erst recht nicht eine Stadt von der Größe Aleppos. Das ist der Zustand der syrischen Armee von heute. Diese Entschlossenheit ist freilich verbunden mit der Unterstützung, die die Armee von der syrischen Bevölkerung, der syrischen Gesellschaft erfährt, die hinter der SAA (Syrian Arab Army) steht. Ohne all diese Formen der Unterstützung könnte die Armee ihre Pflicht nach etwas weniger als sechs  Jahren nicht mehr erfüllen.

Frage 14: Einige westliche Politiker sagen öffentlich und wiederholt, Rußland solle Druck auf Präsident Assad ausüben, damit er seine Position bezüglich gewisser Sachverhalte ändere. Hat derlei stattgefunden? Hat Moskau versucht, Ihnen ihre Ansicht aufzuoktroyieren?

Präsident Dr. al-Assad: Wenn unsere russischen Freunde den Eindruck gewonnen hätten, wir seien in diesen Krieg verstrickt wegen des Präsidenten, wegen der Regierung, einer Gruppe oder einer speziellen Agenda, dann, so kann ich Ihnen sagen,  hätten sie uns entsprechenden Rat erteilt oder möglicherweise Druck auf uns ausgeübt. Doch sie wissen wie wir auch, daß der Sachverhalt mit dem Krieg gegen den Terrorismus zusammenhängt. Unsere russischen Freunde, die um die Konsequenzen und Gefahren der Verbreitung des Terrorismus wissen, würden uns nicht raten, den vom Westen bevorzugten Weg einzuschlagen. Andererseits führen wir seit ca. sechs Jahren Verhandlungen mit russischen Amtsträgern auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Sektoren. Zählen Sie dazu eine Beziehung, die schon seit sechs Dekaden besteht. Bis zu diesem Interview ist es niemals in der Geschichte dieser Beziehung geschehen, daß die Russen versucht hätten, bezüglich einer Frage, die sie als Teil der syrischen Souveränität erachten, Druck auf uns auszuüben. Wenn sie eine Meinung oder einen Ratschlag loswerden wollen, sagen sie immer: am Ende ist das Ihr Land und Sie wählen die richtige Entscheidung, eine Entscheidung, die zu Ihnen paßt. Die Natur des russischen Staat es ist es demnach nicht Druck zu bevorzugen. Und die Politik, die wir in Syrien verfolgt haben, geht in die richtige Richtung, die unserem gemeinsamen Interesse dient im gegenseitigen Einverständnis.

Frage 15: Wenn Sie mir eine spezielle Frage erlauben, Herr Präsident, heute befinde wir uns im Präsidentenpalast und fünf Kilometer von Ğaubar entfernt, welches von Ğabhatu_n-Nuṣra und anderen Terrorgruppen kontrolliert wird. Können sie sich im Land frei bewegen? Oder zwingt sie der Sicherheitsfaktor dazu, die meiste Zeit  in Damaskus zu bleiben? Wie handhaben Sie Ihren Arbeitsplan generell?

Präsident Dr. al-Assad: Nein, vom Sicherheitsaspekt aus habe ich die vergangenen sechs Jahre über diesen Umständen bis auf einen minimalen Grad nicht erlaubt, mich einzuschränken. Ich gehe zur Arbeit wie gewöhnlich  und nutze hierzu dieselben Mittel. Da habe ich überhaupt nichts verändert. Im Gegenteil machte es der Krieg notwendig, daß ich mich an die Front begab, um manchmal Soldaten wenige hundert Meter von den Terroristen entfernt zu besuchen. Dazu kam es mehrfach während dieses Kriegs. Der Sicherheitsaspekt ist also unter den gegebenen Umständen nicht ausschlaggebend für mich. Wir alle sind Syrer, wir alle sind denselben Gefahren ausgesetzt. Die Terroristen beschossen die Innenstadt von Damaskus mit Raketen und wir verfuhren weiter wie zuvor, kamen hierher und bewegten uns in alle Richtungen. Doch meine Besuche sind heutzutage natürlich hauptsächlich der Kriegssituation geschuldet: Besuchen bei der Armee, den Familien der Verwundeten, Treffen mit Familien der Gefallen (martyrs). Diese Aktivitäten führe ich aus wie alle anderen, die mit dem Staat zu tun haben, mit dem Fokus auf den Wiederaufbau und die Besserung der wirtschaftlichen Bedingungen zusätzlich zu den militärischen Aspekten.  Dies ist mein Hauptanliegen unter den gegenwärtigen Umständen.

Journalist: Vielen Dank, Herr Präsident, ,für dieses Interview; wir hoffen, daß Friede und Stabilität bald in ganz Syrien vorherrschen werden und daß das Leben wieder sicher wird.

Präsident Dr. al-Assad: Ich möchte Ihnen danken und Ihnen meine Freude über das Zusammentreffen mit Ihnen in Damaskus ausdrücken. Bitte leiten Sie meine besten Grüße nicht nur an die russische Führung , sondern an das ganze russische Volk weiter für all die Unterstützung, die Rußland gegenüber Syrien geleistet hat auf politischer Ebene, durch den [UN-]Sicherheitsrat, oder generell in der internationalen Arena oder durch direkte militärische Unterstützung. Aller Dank gilt der russischen Bevölkerung, die wir als direkte Beteiligte im Krieg gegen den Terrorismus ansehen. Abgesehen vom Ausmaß der politischen, militärischen und materiellen Hilfe gibt es etwas, das mehr wert ist und das ist Blut. Das werden wir nie vergessen zusammen mit den syrisch-russischen Familienbanden, welche in den sechs letzten Jahren entstanden sind: während dieses Kriegs wurde, zusammen mit den russischen Gefallenen (martyrs), die Rußland bei der Verteidigung Syriens und der syrischen Bevölkerung beigesteuert hat, vereint Blut vergossen angesichts des Terrorismus. Das ist der Grund, warum ich meine Grüße an jeden einzelnen russischen Bürger im großen russischen Verband richte.

Journalists: Danke schön.

       

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Präsident Dr. al-Assad im Interview für den portugiesischen TV-Kanal RTP vom 15.11.2016

Im Originaltext bei: http://sana.sy/en/?p=93484 vom 16.11.2016

Interview mit RTP, Photo: SANA

Interview mit RTP, Photo: SANA

Möglichst textnahe Übersetzung ins Deutsche:

Frage 1:  Herr Präsident, beginnen wir doch mit Aleppo, wenn Sie nichts dagegen haben. Dort sind immer noch tausende an Bürgern eingeschlossen, versuchen unter quasi menschenunwürdigen (sub-human) Bedingungen mitten im Bombenhagel zu überleben. Warum glauben Sie, daß diese sich weigern, dem zu entkommen?
Präsident Dr. al-Assad: Der Teil Aleppos, den Sie erwähnen, der [oft] als Ost-Teil bezeichnet wird, ist seit drei Jahren von Terroristen besetzt und die benutzen die Bürger als menschliche Schutzschilde. Auf unserer, also Regierungsseite bestehen zwei Aufgaben: die erste ist die Bekämpfung  jener Terroristen, um das Gebiet und die Leute von jenen Terroristen zu befreien ; zur selben Zeit ist eine Lösung zu finden, um die Terroristen aus dem Gebiet herauszuschaffen, sofern sie sich damit einverstanden erklären, das wäre sozusagen die Rekonziliierungs-Option; dabei geben sie ihre Waffen ab, um Amnestie zu erhalten oder sie verlassen das Gebiet. Das andere, was wir als Regierung tun, ist, Korridore für die Bürger zu öffnen, durch die sie das Areal verlassen können, und gleichzeitig solche für humanitäre Konvois wie dabei zu helfen, daß diese durch die Korridore in jenen Teil Aleppos gelangen; doch die Terroristen wiesen öffentlich jede Lösung zurück; sie wollten demnach die Situation so beibehalten wie sie ist.
Frage 2:  Aber benutzen Sie nicht die Jihadisten, um alle Oppositionellen in den Augen des nationalen und internationalen  Publikums zu diskreditieren und um am Ende all diese zu eliminieren, Herr Präsident?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, das können wir gar nicht, aus einem ganz einfachen Grund: wir haben nämlich mit dieser Art Terrorismus seit den 1950er Jahren zu tun, seit damals die Muslimbruderschaft nach Syrien gekommen ist,  und wir haben unsere Lektion wirklich gut gelernt, speziell in den 1980ern, daß Terroristen nicht als politische Karte ausgespielt werden können; man kann ihn nicht einfach in die Tasche stecken, denn es handelt sich um eine Art Skorpion: er wird Dich eines Tages beißen. Daher können wir Terroristen nicht instrumentalisieren, denn es wäre so, als würde man sich selbst ins Bein schießen. Sie werden früher oder später gegen Dich vorgehen. Das ist die pragmatische Sicht auf die Dinge, doch selbst aus ethischer Sicht würden wir das nicht tun. Terroristen oder Jihadisten für irgendeine politische Agenda zu  instrumentalisieren, ist unmoralisch.
Frage 3:  Aber, Herr Präsident, läßt sich nicht annehmen, daß die Leute, die Bürger in Aleppo womöglich der Regierung, der Armee nicht trauen, daß sie bloß Demokratie, Würde und Freiheit wollen? Können Sie ihnen die geben?
Präsident Dr. al-Assad: Lassen Sie uns diesen Punkt aus dem realen Blickwinkel betrachten! Seit Beginn der Krise, seit die Terroristen begannen, einige Gebiete in Syrien zu kontrollieren, verließ die Mehrheit der Syrer diese Gebiete, um sich in die Gebiete unter Regierungskontrolle zu begeben und nicht umgekehrt. Wenn die Mehrheit der Syrer der Regierung nicht vertraute, wäre sie anderswohin gegangen. Lassen Sie mich ein anderes Beispiel bringen, ein stärkeres Beispiel: Sie waren in Dârayâ (Daraya), in al-Muʽḍamiyya (al-Muadamiya) vor ein paar Tagen, als Sie hierher [nach Syrien] kamen; [selbst] die Terroristen und Militanten, welche jenes Gebiet in Richtung Idlib im Nordteil von Syrien verließen, um sich [dort] ihren Terroristenkumpeln anzuschließen, ließen ihre Familien zurück unter Regierungskontrolle; diese können besuchen gehen, wenn Sie wollen.
Frage 4:  Herr Präsident, erstmals war ich hier vor vier Jahren, dann jetzt. Gewinnen Sie den Krieg, diesen Krieg in Syrien?
Präsident Dr. al-Assad: Wir können sagen, man kann den Krieg nur gewinnen, wenn man die Stabilität in Syrien wiederherstellt. Man kann nicht darüber reden, den Krieg zu gewinnen, wenn einen täglich das Töten und Zerstören umgibt. Das heißt nicht, daß wir den Krieg verlieren würden. Die Armee macht täglich gute Fortschritte gegen die Terroristen: Natürlich haben sie immer noch die Unterstützung der Türkei, von Qaṭar, Saudi-Arabien und einigen westlichen Regierungen einschließlich der USA, aber  die einzige Option, die wir in jener Hinsicht haben, ist die, zu gewinnen. Wenn man nicht gewinnt, sondern der Terrorismus, würde Syrien nicht mehr existieren.
Frage 5: Aber wären Sie auch so vorgegangen ohne Ḥizbullâh, den Iran und Rußland.
Präsident Dr. al-Assad: Die sind hier, weil sie absolut essentielle und wichtige Hilfe anbieten können, denn die jetzige Situation dreht sich nicht nur um ein paar Terroristen aus Syrien, es ist wie ein internationaler Krieg gegen Syrien. Jene Terroristen genießen die Unterstützung von Dutzenden ausländischer Staaten; Syrien allein würde demgegenüber nicht standhalten können ohne die Hilfe von Freunden. Daher ist deren Hiersein und deren Unterstützung absolut essentiell.
Frage 6: Ist nicht Herr Putin Ihr wichtigster Verbündeter?
Präsident Dr. al-Assad: Rußland ist sehr wichtig, der Iran ist sehr wichtig, die Ḥizbullâh ist sehr wichtig. All jene sind wichtig. Jeder einzelne unternahm wichtige Anstrengungen gegen die Terroristen in Syrien; daher ist es schwierig zu sagen, wer wichtiger als der andere sei.
Journalist: Aber was ist die Rolle Rußlands in Syrien heutzutage?     
Präsident Dr. al-Assad: Der bedeutendste Teil der Unterstützung Rußlands ist die Luftunterstützung, welche sehr wesentlich ist. Die russische Luftwaffe (they) besitzt große Feuerkraft und zur gleichen Zeit steht Rußland für die Hauptversorgung unserer Armee seit mehr als 60 Jahren. Von daher hängt unsere Armee vom der russischen Versorgung in verschiedenen militärischen Bereichen ab.
Frage 7: Aber sind Sie frei, Syriens Zukunft zu entscheiden oder hängen sie da von Wladimir Putins Strategien ab?
Präsident Dr. al-Assad: Nein. Zunächst einmal sind wir vollkommen frei, nichtpartiell, sondern vollends in jeder Hinsicht, die die Zukunft Syriens betrifft. Zum Zweiten, was wichtiger oder ebenso wichtig ist wie dieser erste Punkt oder erste Faktor ist, daß die Russen ihre politischen Entscheidungen immer auf Werte gründen und diese sind die Souveränität anderer Länder, das Völkerrecht, der Respekt gegenüber Menschen, anderen Kulturen; daher mischen sie sich in nichts ein, was mit der Zukunft Syriens oder der Syrer zu tun hätte.
Frage 8: Aber sie haben Ihnen tatsächlich etliche Male bei den Vereinten Nationen geholfen. Sie haben ihre Veto eingelegt gegen einige Resolutionen, welche Ihre Regierung und die syrische Armee verurteilten. Es gibt einige Berichte hinsichtlich Syriens über des Einsatzes chemischer Waffen, Menschenrechtsverstöße, Kriegsverbrechen. All das geschah im Rahmen der Vereinten Nationen.
Präsident Dr. al-Assad: Und manche fragen „wofür?“, will sagen: was gibt`s zurück, was fordern sie dafür im Gegenzug; das ist in der Tat die Frage, das ist der Inhalt Ihrer Frage, die ich schon so oft gehört habe – sei es in den Medien oder direkt gestellt.
[Sie tun das] Vor allem tatsächlich wegen ihrer Wertvorstellungen, von denen ich sprach, wie etwa hinsichtlich des Völkerrecht, daneben haben sie auch noch ihre eigenen Interessen. Die Terroristen in Syrien zu bekämpfen, liegt ja nicht nur im Interesse Syriens und der Syrer, sondern auch in dem des Nahen Ostens und Europas – das ist etwas, was Amtsinhaber im Westen nicht sehen oder realisieren oder anerkennen – wie in dem Interesse der Russen, da sie über Dekaden den Terrorismus zu spüren bekommen haben. Daher kämpfen die Russen für uns, für die Welt, aber eben auch für sich selbst.
Frage 9: Wenn Sie aber über Werte sprechen … Demokratie ist auch ein Wert.
Präsident Dr. al-Assad: Sicher.
Journalist: Freiheit ist ein Wert.
Präsident Dr. al-Assad: Ganz klar.
Frage 10: Können Sie sagen, Syrien sei ein Demokratie nach westlichen Standards?
Präsident Dr. al-Assad: Die einzigen, die für diese Werte wie Demokratie und Freiheit kämpfen können, sind die Leute eines Landes, einer Gesellschaft, nicht [aber] Ausländer. Ausländer können keine Freiheit, keine Demokratie bringen, denn sie ist verknüpft mit der Kultur, den unterschiedlichen Faktoren, die eine Gesellschaft bestimmen und beeinflussen. Man kann sie nicht überbringen oder importieren. Man kann nichts von außerhalb in ein Land importieren, was die Zukunft dieses Landes betrifft.
Frage 11: Aber würden Sie Syrien als Demokratie definieren?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, wir sind auf dem Weg zur Demokratie. Wir haben nicht gesagt, wir seien völlig demokratisch, wir sind auf dem Weg, wir bewegen uns [diesbezüglich] vorwärts. Ob langsam oder schnell, ist subjektiv[es Empfinden], kann nicht objektiv sein, das ist immer subjektiv. Aber wir bewegen uns mit Sicherheit in dieser Hinsicht vorwärts. Doch das Kriterium oder Musterbeispiel für uns ist nicht der Westen, nicht das westliche Beispiel, weil der Westen seine eigene Kultur hat und wir haben unsere eigene, sie haben ihre eigene Realität, wir die unsere. Daher sollte Demokratie unsere Kultur reflektieren, unsere Gepflogenheiten, unsere Gebräuche und unsere Realität zur gleichen Zeit.
Frage 12:  Sicher wissen Sie, daß es einen neuen UN-Generalsekretär gibt. Wie denken Sie über ihn, den Herrn Guterres, unter Bezugnahme auf dessen weithin bekannten humanitären Ansatz in der Situation?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich stimme ich mit dieser generellen Ausrichtung, der headline des Ansatzes überein. Ich sage bewußt „headline“, da es immer unter der „headline“ viele weitere Untereinheiten, „sub-headlines“ oder Titel gibt. Spricht man über Humanitäres , bedeutet das nicht nur, Menschen Hilfe, Nahrung, Grundbedarfsmittel fürs Leben anzubieten. Das erste, was z.B. syrische Flüchtlinge als Wunsch angeben, wenn sie gefragt werden, ist, nach Hause zurückzukehren. Das erste, was sie wollen, ist, in Syrien leben zu können. Das bedeutet Hilfe, humanitäre Hilfe, wie wir sie verstehen, Nahrung, medizinische Versorgung, alles andere, was sozusagen die Basis des täglichen Lebens bildet. An zweiter Stelle kommt Stabilität und Sicherheit, was in humanitärer Hinsicht bedeutet, man kämpft mit seinesgleichen gegen die Terroristen. Sie können nicht gleichzeitig über humanitäre Hilfsmittel und die Unterstützung der Terroristen sprechen. Das können Sie nicht. Sie müssen wählen. Und natürlich spreche da ich nicht über ihn [i.e. Guterres], sondern Länder, welche seinen Plan unterstützen. Denn er braucht die Unterstützung anderer Länder, er kann seinen Plan nicht durchführen, während etliche Länder in der Welt immer noch die Terroristen in Syrien unterstützen.
Von daher unterstützen den Plan (it) selbstverständlich, sei es bei der Hilfe für die Menschen zum [Über-]leben oder zurück in ihre Land zu kommen und dort in Sicherheit ohne Terroristen zu leben.
Frage 13:  Er sagte schon, Frieden in Syrien habe Priorität. Würden Sie mit ihm sprechen, mit ihm [zusammen]arbeiten für dieses Ziel?
Präsident Dr. al-Assad: Definitiv, selbstverständlich. Es ist seine Priorität und es ist  – ganz klar – unsere, das erklärt sich von selbst. Es ist aber nicht allein unsere Priorität, sondern die des Nahen Ostens. Wenn der Nahe Osten stabil ist, ist auch der Rest der Welt stabil, weil der Nahe Osten das Herz der Welt im geographischen und geopolitischen Sinn ist und Syrien das des Nahen Ostens im geographischen und geopolitischen Sinn. Wir sind die Verwerfungslinie. Wenn man sich nicht mit dieser Verwerfungslinie befaßt, kommt es zu einem Erdbeben, ein Sachverhalt, auf den wir immer hingewiesen haben. Daher ist diese Priorität von unserer Sichtweise aus hundert Prozent korrekt. Wir sind bereit zur Zusammenarbeit in welcher Weise auch immer, um Stabilität in Syrien zu erreichen, natürlich unter der Voraussetzung, daß dies nicht gegen die Interessen Syriens geht und dem Willen der syrischen Bevölkerung entspricht.
Frage 14:  In unserem Gespräch erwähnten Sie, die UN seien voreingenommen. Denken Sie, daß sich diese mit Mr. Guterres ein bißchen ändern könnte?
Präsident Dr. al-Assad: Jeder weiß, daß die UN und ihr Generalsekretär nicht identisch sind. Jener hat eine wichtige Position inne, doch die UN setzen sich aus den darin vertretenen Staaten zusammen und – um es frank und frei herauszusagen – meinen die meisten Leute, nur aus den fünf permanenten Mitgliedern. Diese machen die UN aus, denn sie besitzen das Veto-Recht. Sie können tun, was immer sie wollen, können ablehnen, was immer sie wollen, und wenn es einmal eine Reform gäbe, die die Organisation unbedingt braucht, könne sie dagegen ihr Veto einlegen und weitermachen wie bisher.
Doch gleichzeitig ist die Art, wie sich der Generalsekretär selbst präsentierte, sehr bedeutsam. Wenn Sie mir die Frage stellen „Was erwarten Sie von solch einem neuen Amtsträger in jener bedeutenden Position“ würde ich zweierlei voraussetzen müssen: zum Ersten, daß Objektivität jede seiner kommenden  Erklärung bestimme, im Hinblick auf jeglichen Konflikt in der Welt einschließlich Syrien. Und zum Zweiten, was mit dem ersten Punkt zusammenhängt und komplementär dazu ist, daß er sein Büro nicht in eine Zweigstelle des US-State Department verwandelt. Das ist, was wir derzeit erwarten.  Klar, wenn er objektiv ist, kann er eine gewichtige Rolle bei den Verhandlungen mit verschiedenen Amtsträgern der UN spielen, um die politischen Sichtweisen unterschiedlicher Staaten – hauptsächlich Rußlands und der USA – hin zu mehr Kooperation und mehr Stabilität im Hinblick auf Syrien zu steuern.
Frage 15:  Bzgl. Syrien gibt es aber ein Menge Besprechungspunkte: Qaṭar, die Türkei, Rußland, der Iran, Saudi-Arabien. Wie kann man mit so vielen Beteiligen [agendas] den Friedensprozeß ermöglichen?
Präsident Dr. al-Assad: Ohne all diese Länder und verschiedenen Faktoren in eine Richtung zu bringen, wird das freilich schwierig. Daher sage ich auch immer, daß das syrische Problem als syrische Angelegenheit nicht sehr kompliziert ist. Was es verkompliziert, ist die Einmischung von außerhalb, speziell durch den Westen, da diese gegen den Willen der Regierung stattfindet, während der Beitrag der Russen, Iraner und Ḥizbullâh auf Einladung der syrischen Regierung erfolgt.
Daher ist die Rolle des UN-Generalsekretärs, all diese Mächte zusammenzubringen, absolut essentiell und wir hoffen, er wird damit Erfolg haben. Freilich ist das nicht einfach.
Frage 16: Lassen Sie mich die Türkei herausgreifen. Deren Armee steht in Ihrem Land, ihr Präsident  sagte letzte Woche, das Interesse der Türkei liege jenseits der natürlichen Grenzen; dabei bezog er sich auf Mossul und Aleppo. Akzeptieren Sie das ?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich nicht. Sie sprechen über eine kranke Person; der [türkische] Präsident ist größenwahnsinnig, instabil. Er lebt noch in der osmanischen Ära, nicht in der Gegenwart, hat den Bezug zur Realität verloren.
Frage 17: Doch wie gehen sie mit deren Armee in Ihrem Land um?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben das Recht zur Selbstverteidigung. Das ist schließlich eine Invasion. Es ist unser Recht, unser Land gegen jegliche Art von Invasion zu verteidigen.   Doch lassen Sie uns realistisch sein: jeder Terrorist, der nach Syrien kam, kam durch die Türkei, mit Unterstützung von Erdogan. D.h. diese Terroristen zu bekämpfen heißt, Erdogans Armee zu bekämpfen, nicht nur die [offizielle] türkische Streitmacht, sondern die Streitmacht Erdogans.
Frage 18: Aber es ist ein NATO-Land. Sind Sie sich dessen bewußt?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, klar! Ob im NATO-Bündnis oder nicht, das Land hat nicht das Recht, in ein anderes einzufallen gemäß dem Völkerrecht und entsprechend anderer ethischer Werte.
Frage 19: Herr Präsident, was erwarten Sie vom neugewählten US-Präsidenten Donald J. Trump?
Präsident Dr. al-Assad: Wir haben keine großen Erwartungen, da die US-Administration nicht nur aus dem Präsidenten besteht. Es geht um unterschiedliche Kräfte innerhalb dieser Administration, die verschiedenen Lobbys, die den Präsidenten beeinflussen. Daher müssen wir warten und zusehen,  wie [when] er seine neue Mission angeht oder anders gesagt, seine Position als Präsident innerhalb dieser Administration während der nächsten zwei Monate. Wir haben immer gesagt, wir würden uns freuen [wishful thinking], wenn die USA unvoreingenommen und respektvoll dem Völkerrecht gegenüber wären, ohne Einmischung in andere Länder rund um den Erdball und – selbstverständlich – ohne Fortführung der Unterstützung der Terroristen in Syrien.
Frage 20: Doch hatte es den Anschein in einem Interview, er sei bereit, mit Ihnen zusammen den Islamischen Staat, den IS zu bekämpfen. Sind Sie bereit zu so einem Schritt?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich. Das klingt wie ein Versprechen, aber kann er es auch wahrmachen? Kann er das umsetzen? Was ist mit den widerstrebenden Kräften innerhalb der Administration, den Mainstream-Medien, die gegen ihn arbeiten? Wie kann er damit umgehen? Daher ist es für uns nach wie vor zweifelhaft, ob er seine Versprechen wahrmachen, ihnen gerecht werden kann oder nicht. Daher sind wir sehr vorsichtig in der Beurteilung ihm gegenüber, besonders da er zuvor noch nie eine politisches Amt innegehabt hat. Wir können daher gar nichts dahingehend sagen, was er tun wird. Doch wenn, sagen wir einmal ,wenn er daran ginge, die Terroristen [ernsthaft] zu bekämpfen, wären wir selbstverständlich an seiner Seite als natürlicher Verbündeter wie im Fall der Russen, der Iraner und vieler anderer Länder, die die Terroristen besiegen wollen.
Frage 21: Demnach wollen Sie mit den Amerikanern im Kampf gegen die Terroristen kooperieren?
Präsident Dr. al-Assad: Natürlich, definitiv. Wenn sie aufrichtig daran gehen, wenn sie den [echten] Willen, die Fähigkeit dazu haben, sind wir freilich die ersten, die die Terroristen bekämpfen, da wir am meisten in dieser Welt unter den Terroristen zu leiden hatten.
Frage 22:  Heißt das Kooperation mit den Amerikanern, die gerade die Kurden unterstützen, die YPG, die versucht, nach ar-Raqqa einzudringen?
Präsident Dr. al-Assad: Wenn Sie über Kooperation sprechen, bedeutet das Kooperation zwischen zwei legalen Regierungen, nicht Kooperation zwischen einer ausländischen Regierung und irgendeiner Fraktion innerhalb Syriens. Jegliche Kooperation an der syrischen Regierung vorbei ist gesetzeswidrig. Wenn sie ungesetzlich ist, können wir damit nicht kooperieren, wir erkennen so etwas nicht an und akzeptieren es auch nicht.
Frage 23:  Wie auch immer, [der designierte] Vizepräsident Pence sagte, er werde das Eingreifen militärischer Macht erlauben, um Ihr Militär daran zu hindern, eine humanitäre Krise in Aleppo anzurichten. Wie sehen Sie das? 
Präsident Dr. al-Assad: Das widerspricht erneut dem Völkerrecht und das ist das Problem mit der amerikanischen Position: sie denken, sie seien die Weltpolizei, der Weltrichter, doch das sind sie nicht. Sie sind ein souveränes unabhängiges Land und da liegt schon ihre Grenze. Sie haben sich nicht in [die Angelegenheiten] irgendwelcher anderen Länder einzumischen. Gerade wegen dieser Einmischung die letzten 50 Jahre über sind sie besonders gut darin, Probleme zu schaffen, nicht sie zu lösen.  Das ist das Problem mit der amerikanischen [selbstzugedachten] Rolle.  Daher sagte ich auch, wir würden wenig Hoffnung auf einen Wechsel in der Administration setzen, da jener Kontext nun schon seit über 50 Jahren besteht, das ist zu erwarten. Wenn die USA mit dieser Haltung, des Problemkreierens rund um die Welt weitermachen wollen, brauchen sie nur eins zu tun: sich in die Angelegenheiten anderer Länder einzumischen.
Frage 24:  Aber kommen wir doch zurück auf das, was der Präsident, der neu gewählte Präsident über die Kooperation mit Ihrer Regierung im Kampf gegen den Islamischen Staat gesagt hat. Erwarten Sei auch einen Wandel innerhalb der europäischen Länder?
Präsident Dr. al-Assad: Hinsichtlich der Terrorismusbekämpfung  sind wir ohne Vorbehalte zur Kooperation mit jedem in der Welt bereit. Das ist die Crux unserer Politik, daß wir das immer wieder sagen, nicht erst seit heute, seit gestern, seit Jahren, sondern sogar bis in die Jahre vor dem Krieg gegen Syrien zurück. In den 1980ern forderten wir um eine internationale Koalition gegen den Terrorismus nach der Muslimbruderschaftskrise in Syrien, als die mit dem Töten begannen, freilich wurden sie nach einiger Zeit besiegt. Wir forderten genau das damals. Es ist also eine seit langem geübte Politik, auf die wir unser Handeln seit Jahren gründen.
Frage 25:  Eine letzte Frage noch, Herr Präsident, die ich Ihnen unbedingt noch stellen muß: weisen Sie nach all den Jahren immer noch eine Verantwortung für das zurück, was in Ihrem Land vorgeht?  
Präsident Dr. al-Assad: Nein, niemals habe ich eine Verantwortlichkeit zurückgewiesen. Das hängt aber von der Entscheidung ab. Wenn man über Verantwortung spricht, fragt man Sie sich selbst, welche Entscheidungen man im Umgang mit der Krise trifft. Hat der Präsident Befehl gegeben, Bürger zu töten oder zu zerstören oder den Terrorismus in seinem Land zu befördern? Natürlich nicht. Meine Entscheidung war, und es war [auch] die Entscheidung der verschiedenen Institutionen, der verschiedenen Amtsträger in Syrien – mit mir an der Spitze – Dialog zu führen, die Terroristen zu bekämpfen, und Reformen [zu starten] als Resonanz auf die allerersten Anfänge, die Vorgaben zu jener Zeit sozusagen; als sie Reform in Syrien brauchten, gingen wir darauf ein. Das ist also die Entscheidung, die ich getroffen habe. Würden sie, würde irgend jemand sagen, Terrorismusbekämpfung ist falsch, Dialog zu führen ist falsch, Reformen anzustrengen ist falsch, Bürger zu beschützen und aus Gebieten unter Terroristenkontrolle zu befreien, ist falsch? Natürlich nicht. Demnach gibt es einen Unterschied der Verantwortlichkeit hinsichtlich der Politik und  der Umsetzung (practice). Bei jeder Umsetzung passieren Fehler. Das ist [aber] ein anderes Thema. Wenn man über den Staat, den Präsidenten spricht, geht es immer um die [getroffenen] Entscheidungen und die politische Richtlinie (policy).
Journalist: Danke, daß Sie sich RTP gewidmet haben, Herr Präsident.      
Präsident Dr. al-Assad: Danke Ihnen.

  

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Präsident Dr. al-Assad im Interview für die serbische Zeitung Politika  http://sana.sy/en/?p=92287 vom 3.11.2016

Politika-Interview, Photo: SANA

Politika-Interview, Photo: SANA

Möglichst textnahe Übersetzung ins Deutsche:

Frage 1: Herr Präsident, warum ist die letzte Waffenruhe in Syrien fehlgeschlagen? Wer trägt die Schuld daran?
Präsident Dr. al-Assad: Tatsächlich haben der Westen, hauptsächlich die USA, Druck in dieser Hinsicht ausgeübt. Dabei rufen sie immer nach Waffenruhe, aber nur, wenn sich die Terroristen in einer schlechten Verfassung befinden, und nicht zum Vorteil für die Bevölkerung. Diese Gelegenheiten der Waffenruhe werden dann benutzt, um den Terroristen logistisch, mit Waffen, Geld, allem Notwendigen unter die Arme zu greifen, damit diese wieder zuschlagen und wieder erstarken können. Wenn die Waffenruhe hält, regen sie die Terroristen an, diese zu sabotieren oder wieder einen Angriff zu starten. Wen trifft demnach  also die Schuld? Es sind die USA und seine Alliierten unter den westlichen Staaten, da für sie Terroristen und Terrorismus Spielkarten für Szenerie in Syrien darstellen. Ihnen geht es dabei nicht um einen Wert wie gegen Terroristen Stellung zu nehmen. Für sie bedeutet Unterstützung des Terrorismus einen Abnutzungskrieg gegen Syrien, gegen den Iran und gegen Rußland, das macht ihre Sicht der Dinge aus. Jedes Scheitern, nicht nur bezüglich dieser Waffenruhe, sondern eines jeden Versuchs dahingehend oder hinsichtlich eines politischen Fortschritt oder einer solchen Initiative  geht auf das US-Konto.
Frage 2: Aber welches Land unterstützt Terrorismus? Saudi-Arabien? Qaṭar?
Präsident Dr. al-Assad: Saudi-Arabien, Qaṭar, die Türkei …
Journalist: Die Türkei?    
Präsident Dr. al-Assad: Weil der Nachschub durch die Türkei kommt mit direkter Unterstützung durch die Regierung.
Journalist: Mit direkter?       
Präsident Dr. al-Assad: Mit direkter Unterstützung durch die Regierung, freilich.
Journalist: Mittels Geld oder Bewaffnung?
Präsident Dr. al-Assad: Zunächst, sagen wir mal, in Form von Billigung, Grünem Licht [für die Aktion]. Zweitens durch die Amerikanische Koalition, die unter „international coalition“ firmiert, obwohl es eine amerikanische ist. Die bekam mit, wie der US unsere Ölfelder ausbeutete und dieses Öl mit Tankern in die Türkei schaffte, während deren Drohnen umherflogen und …
Journalist: Syrisches Öl?
Präsident Dr. al-Assad: Aus Syrien und von Syrien in die Türkei unter Beobachtung durch deren Satelliten und Drohnen, ohne etwas dagegen zu unternehmen, bis schließlich Rußland intervenierte und mit Angriffen auf IS-Konvois und IS-Stellungen wie -Stützpunkte begann. Aus diesem Grund begann der IS zu schrumpfen. Also gab der Westen Grünes Licht für Länder wie die Türkei, Saudi-Arabien, Qaṭar; tatsächlich sind jene Länder Marionetten, Marionetten des Westens, der USA; sie fungieren als Marionetten und die Terroristen sind deren Erfüllungsgehilfe in Syrien: Erfüllungsgehilfen jener Länder, des Westen und der USA.
Frage 3: Aber das Geld zur Vermarktung dieses Öls, wer hat [bekommt] das Geld? Die Türkei?
Präsident Dr. al-Assad: [Es wird geteilt] In Partnerschaft zwischen dem IS und der Türkei. Ein Teil des Geldes geht an den IS, weil sie damit Rekrutierungen durchführen und den Sold an ihre Kämpfer auszahlen können. Daher war der IS vor dem Eingreifen Rußlands auch am Erstarken, er expandierte in Syrien und dem Irak. Der andere Teil des Geldes geht an türkische Regierungsmitglieder, hauptsächlich an Erdogan und seine Familie.
Journalist:  An Erdogan selbst?   
Präsident Dr. al-Assad: Na selbstverständlich, klar! Sie [die Familie Erdogan] sind direkt involviert in den Handel mit dem IS.
Frage 4: Herr Präsident, denken Sie, die Russen und Amerikaner können sich irgendwann über Syrien einig werden? Können Rußland und die USA Partner im Kampf gegen den Terrorismus in Syrien sein?
Präsident Dr. al-Assad: Das hoffen wir, doch tatsächlich: nein, aus einem ganz einfachen Grund: die die Politik der Russen gründet auf Werten, neben deren Interesse. Die Werte bestehen darin, daß sie sich das Internationale Recht zu eigen machen, und sie bekämpfen den Terrorismus aus dem Interesse heraus, daß die in unserer Region vorherrschenden Terroristen nicht nur diese bedrohen, sondern ebenso Europa, Rußland und den Rest der Welt. Demnach sind die Russen sehr ernsthaft und entschlossen bei der Fortführung der Terrorismusbekämpfung, während die Amerikaner ihre Politik auf einen anderen, gänzlich anderen Nutzwert gründen und dieser ist: „wir können die Terroristen benutzen“. Damit meine ich, daß die Amerikaner  die Terroristen wie eine Spielkarte im politischen Spiel ausspielen, so daß dieses in ihrem Interesse läuft auf Kosten der Interessen der anderen Länder der Welt.
Frage 5: Zum Bombardement gegen die syrische Armee beim Flughafen von Dair az-Zaur … Wie vollzog sich die amerikanische Attacke gegen die syrische Armee? War sie ein Zufall oder nicht?
Präsident Dr. al-Assad: Das war ein vorsätzlicher Angriff durch die amerikanischen Luftstreitkräfte, weil der IS am Schrumpfen war infolge der syrisch-russisch-iranischen Kooperation gegen den IS; und weil Ğabhatu_n-Nuṣra, eine al-Qâʽida affiliierte Gruppe in vielen Gebieten Syriens Verluste erlitten hatte. Daher wollten die Amerikaner die Position der syrischen Armee schwächen und so griffen sie unsere Armee in Dair az-Zaur an. Das war kein Zufall: der Luftschlag dauerte über ein Stunde und die Angriffswellen kamen viele Male.
Journalist:   Eine Stunde [lang]?
Präsident Dr. al-Assad: Mehr als eine Stunde. Es gab etliche Angriffswellen seitens der Amerikaner und ihrer Aliierten auf die syrische Stellung. Zu der Zeit griffen sie ein sehr großes Areal an, nicht ein einzelnes Gebäude nach dem Motto: „das war ein Versehen von uns“. Sie attackierten drei große Anhöhen, keine anderen Gruppen in der Nähe dieser Anhöhen und nur der IS existierte noch in Dair az-Zaur. Da gab es keine – wie sie es nennen – „moderate Opposition“. Demnach war es ein vorsätzlicher Angriff, um dem IS zu ermöglichen, jene Stellung einzunehmen und der IS war gerade dabei, diese Anhöhen anzugreifen, er nahm sie dann auch gleich ein in weniger als einer Stunde nach dieser Attacke.
Journalist:  Der IS griff die syrische Stellung an, nachdem die Amerikaner …?
Präsident Dr. al-Assad: In weniger, ja weniger als einer Stunde darauf griff der IS diese Anhöhen an. Das heißt, daß der IS seine Streitkräfte schon in Vorbereitung dieses Angriffs versammelt haben mußte.  Woher konnte der IS wissen, daß die Amerikaner jene syrischen Stellungen angreifen würden? Es bedeutet ja, daß sie [die IS-Kämpfer] bereit zu und vorbereitet auf den Angriff waren. Das stellt einen expliziten und starken Beweis dafür dar, daß die Amerikaner den IS unterstützen und ihn als Spielkarte einsetzen, um die Balance in Richtung ihrer politischen Agenda zu verändern.
Journalist:  Und danach sagten die Amerikaner,  sorry, ist noch was?
Präsident Dr. al-Assad: Sie sagten, sie bedauerten [es], sie sagten nicht sorry. [lacht]
Frage 6: Herr Präsident,  wer ist verantwortlich für den Angriff auf den Konvoi des Roten Kreuzes nahe Aleppo und welche Waffen wurden für dessen Zerstörung benutzt?
Präsident Dr. al-Assad: Das waren definitiv die terroristischen Gruppen in Aleppo, da nur sie ein Interesse daran hatten. Als wir die Waffenruhe in Aleppo ausriefen, weigerten diese sich [daran teilzunehmen]. Die sagten: „nein, wir wollen keine Waffenruhe.“ Sie verwehrten jedem Konvoi den Zugang zu Ost-Aleppo, das ist öffentlich bekannt (gewesen) und keineswegs Propaganda unsererseits. Wir machten das nicht bekannt, die taten das. Es gab sogar eine Demonstration jener Militanten gegen diesen Konvoi. Daher hatten sie ein Interesse daran, den Konvoi anzugreifen, wir dagegen nicht. Die Tat fand nicht in einem Gebiet statt, in dem sich syrische Truppen befanden; zu eben jener Zeit flog auch kein syrisches oder russisches [Kampf]flugzeug über jenes Areal. Trotzdem wurde dies [Überflug eines syrischen oder russisches [Kampf]flugzeug] Teil der Propaganda, Teil der Dichtung gegen Syrien im Westen, so als hätten wir den humanitären Konvoi angegriffen, da nach westlicher Manier der ganze Krieg in Syrien als humanitärer Krieg dargestellt wird. Das ist die derzeitige westliche Schablone. Sie wollen diese humanitäre Schablone benutzen als Ausrede für noch mehr Intervention in Syrien; und wenn ich sage „Intervention“ meine ich eine militärische bzw. via Unterstützung der Terroristen.
Journalist:  Das ist ja wie die Situation im früheren Jugoslawien, im Krieg in Jugoslawien, also in Bosnien-Herzegowina und im Krieg im Kosovo: humanitäre Probleme.
Präsident Dr. al-Assad: Es ist eine andere Ära, eventuell in anderer Gestalt, aber der Kern dessen, was in Ihrem Land passierte, ist derselbe wie jetzt in Syrien.
Frage 7: Und die westliche Propaganda sprachüber das Problem der Nutzung chemischer Waffen und Faßbomben.
Präsident Dr. al-Assad: [Wieder] dasselbe [Bild] einer schwarz-weiß-Darstellung: sehr sehr böse Jungs gegen sehr sehr gute Jungs.  Es gleicht der Dichtung von George W. Bush während des Kriegs im Irak und in Afghanistan. Sie benutzten solche Schlagzeilen und Bezeichnungen in ihrer Dichtung, um [bestimmte] Emotionen in der öffentlichen Meinung ihrer Länder hervorzurufen. Daher haben sie Unterstützung in der öffentlichen Meinung für ihre Interventionsabsichten, entweder direkt durch militärische Angriffe oder durch Unterstützung ihrer Erfüllungsgehilfen, der Terroristen in unserer Region.
Frage 8: Ich sehe die Nachrichten der letzten Tage [vor mir], als Amnesty International eine Terrorgruppe wegen Nutzung von Chlorin, von chemischen Waffen in Aleppo verurteilte.
Präsident Dr. al-Assad: In Aleppo spielte sich genau das vor wenigen Tagen ab und sogar abgesehen von diesen Angriffen mit chemischen Waffen eröffneten wir gestern, daß in den letzten drei Tagen durch die Terroristen mehr als 80 unschuldige Einwohner Aleppo getötet und mehr als 300 verletzt wurden. Darüber liest oder hört man aber nichts in den westlichen Mainstream-Medien [farbliche Hbg. blogseits]. Sie pflücken sich nur einzelne Bilder und Vorfälle aus dem Gebiet unter Kontrolle der Terroristen [!] heraus, um sie für ihre politische Agenda zu benutzen, d.h. die syrische Regierung [dessen] zu verurteilen und zu beschuldigen; und zwar nicht, weil sie um die syrischen Bürger besorgt sind: unsere Kinder, unschuldige Leute kümmern sie nicht, die Zivilisation, die Infrastruktur kümmert sie nicht. Um all das kümmern sie sich nicht, sie zerstören es. Tatsächlich nutzen sie nur alles aus, was ihren eigennützigen Interessen dienen könnte.
Frage 9: Und nun, Ihre Armee … Sie sind ja der oberste Kommandeur der syrischen Streitkräfte. Ihre Armee hat keine chemischen Waffen?
Präsident Dr. al-Assad: Nein, haben wir nicht. 2013 haben wir unser Arsenal aufgegeben. Jetzt besitzen wir keine [chemischen Waffen] mehr. Aber auch zuvor haben wir sie nie eingesetzt. Ich denke, wenn man von Chemiewaffeneinsatz durch eine Regierung spricht, heißt das, über tausende von