Die sogenannten Allgemeinen (!) Menschenrechte (vgl. http://www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/358006/publicationFile/3524/AllgErklaerungMenschenRechte.pdf) sind eine der wichtigsten Errungenschaften der moderenen Zivilisation, die aus der Aufklärung erwachsen sind. Viele prominente, seriöse Wissenschaftler* haben bereits nachgewiesen, daß die darin festgelegten Grundsätze mit denen des Islam, abgeleitet von dessen vier Wurzeln: Koran, den Ḥadîṯen (s. dazu: Ḥadîṯ-Kompilation), dem Konsens islamischer Gelehrter (iğmâ‘), wie dem qiyâs (Ableitung von Regelungen aus den ersten beiden Quellen durch Analogschlüsse), nicht kompatibel sind. Davon kann sich jeder überzeugen, der diese Quellen studiert.

Beim Koran ist dabei zu beachten, daß die in den Suren zusammengefaßten und im Koran ihrer (nicht ursprünglichen) Länge nach nacheinander aufgelisteten Textstücke original in einer ganz anderen zeitlichen Abfolge von Muḥammad (im Namen seines alter ego Allâh würde Prof. T. Nagel sagen) verkündet wurden. Dies muß bzgl. Ursache-Wirkungsprinzipien von Handlungsabläufen bzw. bzgl. der Einstellungen zu Menschen und Sachverhalten, der gemachten Erfahrungen des Religionsgründers etc. unbedingt berücksichtigt werden.

Um den Koran angemessen verstehen zu können, ist daher entsprechendes Vorwissen (z.B. durch ein Studium der Islamwissenschaft) oder zumindest seriöse, objektive, wissenschaftlich sauber erarbeitete Begleitlektüre nötig. Hervorragende Beispiele hierfür sind z.B. Prof. Tilman Nagels Mohammed … von 2008 oder Prof. Rudi Parets Mohammed und der Koran … von 2005  (s. Literaturempfehlung).

In Unterredungen mit oder Verlautbarungen von muslimischen Vertretern (Missionaren) bekommt man oft zu hören/lesen, auch der Islam erkenne die Menschenrechte an. Doch sprechen diese Propagandisten dabei einen ganz anderen Sachverhalt an. In diesem Zusammhang  wird der Begriff taqiyya bedeutsam (s. dazu: http://mephi- stohinterfragt.wordpress.com/kritische-zitate-zum-politischen-islam-2). Rhetorisch und diskursiv in die Ecke gedrängt, wurden zum Nutzen islamischer daʽwa – also der islamischen Missionierungstätigkeit – von islamischer Seite, genauer: durch die OIC (Organisation für Islamische Zusammenarbeit), die Kairoer „Erklärung der Menschenrecht im Islam“ vom 5.8.1990 veröffentlicht (zum Inhalt s. http://www.aidlr.org/german/mag/36_1%20-5.pdf). Wichtig ist hierbei ganz besonders, daß – wie könnte es nach den islamischen širk-Prinzipien (vgl.u.) auch anders sein – die Šarîʽa  als alleinige Grundlage aller Menschenrechte definiert wird. Was sich nicht der Šarîʽa  unterordnet, nicht mit ihren Regelungen vereinbar ist oder gar diesen entgegenläuft, kann schon vom Ansatz her keinerlei Gültig­keit beanspruchen.

Dies zementieren folgende beide Artikel der angesprochenen Erklärung:

Art.24: “Alle Rechte und Freiheiten, die in dieser Erklärung genannt werden, unterstehen der isla­mi­schen Šarîʽa.”

Art.25: “Die islamische Šarîʽa  ist die einzige zu­ständige Quelle für die Ausle­gung oder Erklärung jedes einzelnen Artikels dieser Erklärung.”

Damit wird ausdrücklich jegliche Regelung unter den Vorbehalt der Šarîʽa gestellt.

Doch schon in der Präambel wird die umma, also die Gemeinschaft aller Muslime auf Erden gegenüber allen anderen Menschen als die überlegene, weil von Allâh, dem einen Gott, als beste Gemeinschaft geschaffene, vorgestellt. Diese Aussage ist angelehnt an Sure 3,110: „Ihr seid die beste Gemeinschaft (arab. umma), die unter den Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebietet das Rechte und verbietet das Verwerfliche [d.h. aufgrund der Befolgung der Šarîʽa] und glaubt an Allâh. Und wenn die Leute der Schrift [d.i.: Christen, Juden, Zoroastrier] glauben würden, wäre es wahrlich besser für sie.“

Daraus geht hervor, daß beide „Menschenrechtserklärungen“ grund- verschieden von Inhalt, Ausrichtung und Absicht sind. Man sollte also immer – nicht nur bei diesem Thema und nicht bloß in der Diskussion mit einem Vertreter des Islam genau nachfragen, wovon wirklich die Rede ist bzw. den Diskussionsgegenstand genau benennen und festlegen. Sonst ist nicht nur der taqiyya/Täuschung Tür und Tor geöffnet sondern auch jeglichem, selbst unabsichtlichem Mißverständnis.

Abschließend läßt sich festhalten, daß die – vorbehaltlose – Beachtung der Allgemeinen Menschenrechte für Muslime damit die Verwirklichung von širk, der schlimmst denkbaren Sünde im Islam, ist .

Dies erkennend stellte Prof. Bassam Tibi daher auch die Forderung nach einem Euro-Islam auf, also einer (notwendigen) Reform des Islam, welche ihn für die im nicht-muslimischen ausland lebenden Muslime kompatibel macht mit den Forderungen der Allgemeinen Menschenrechte, der demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien und anderem, was die Basis und den Wertekonsens der sog. Westlichen Welt darstellt.

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* Mit speziellen Veröffentlichungen oder Verlautbarungen (vgl. dazu die einschlägigen Titel in: https://mephistohinterfragt.wordpress.com/literaturempfehlung/) sind beispielsweise hervorgetreten:

Prof. phil. Egon Flaig, Prof. ph.l. Hans-Ulrich Wehler, Prof. jur. Schacht- schneider, Pro. jur. Karl Doehring, die Verfas­sungsrechtler Dr. Michael Bertram und Prof. Kritisch, der ehemalige Verfassungs­richter Hans-Joachim Jentzsch, Dr. Lukas Wick u.v.a.